hinweg. Achtmal flogen sie bis zum frühen Nachmittag in geschlossener Formation an, aber jedesmal rasten unsere Jäger bereits beim ersten Austauchen der feindlichen Maschinen über die Startbahn und hielten mit den bolschewistischen Fliegern fürchterliche Abrechnung. Nur einem Teil gelang es, die Bomben überhaupt noch gezielt zu werfen, wobei auf dem Platz selbst und in der Umgebung nicht der geringste Schaden angerichtet wurde. Dann sahen wir vom Platz aus jedesmal ein spannendes Schauspiel. Jrn Augenblick hatten untere, schnellen Messerschmitt-Jäger die Ketten der Sowjetbomber erreicht, sich hinter die bald aufgeregt durcheinander
kurvenden Maschinen gefetzt und eine nach her anderen brennend abgeschossen.
Insgesamt achtmal führten die Sowjets ihre Angriffe auf unserem Platz durch, wobei sie mit jeweils drei bis neun Maschinen in mir geringer Höhe über uns hinwegbrausten. Aber keine einzige der Sowjet-Kampfmaschinen kehrte zurück. Der Kommodore selbst, Major Trautloft, schoß zwei der Bomber ab. Die anderen an der gewaltigen Luftschlacht beteiligten Jäger hatten fast sämtlich jeweils zwei Luftfiege an diesem Tage zu verzeichnen.
Japan glaubt an den deutschen Sieg über Moskau
Eine Unterredung mit Admiral Suetsugu.
Tokio, 2. Juli. (Europapreß.) Der Europapreß- Korrespondent wurde dieser Tage von Admiral Suetsugu dem Vorsitzenden des Beratungsausschusses der Bewegung zur Stützung des Thrones empfangen. Admiral Suetsugu, der an den jüngsten Beratungen der Gruppe nationaler Politiker führend beteiligt war, erklärte zu der durch den Ausbruch des antibolschewistischen Krieges geschaffenen neuen Lage: ,„Es gibt keine Person in Japan, die einen einzigen Augenblick daran zweifeln würde, daß Deutschland einen glänzenden Sieg über Sowjetrußland erringen wird."
Dom japanischen Gesichtspunkt aus bettachtet, so fuhr der Admiral fort, hänge die Neuordnung Europas eng mit der Neuordnung Ostasiens zusam- men. Japan werde selbstverständlich nach Kräften dazu beitragen, mit Deutschland zusammenzuarbei- len. Japan müsse durch eine Stärkung feiner wirtschaftlichen Lage und durch eigene Maßnahmen, die der Verbreiterung seiner Dersorgungsbasis innerhalb des ostasiatischen Raumes dienten, die Beseiti- gung der China-Affaire und damit die ostasiatische Neuordnung herbeiführen. Die Neuordnung Ost- asiens bedeute in seinen Augen zugleich eine Neuordnung der Welt. Unter Hinweis auf seine Rede bei der kürzlichen Tagung der Bewegung zur Stützung des Thrones wiederholte der Mmiral, die entscheidende Wichtigkeit des Dreierpaktes für die Verwirklichung der japanischen Ideale müsse jedem
Japaner kristallklar vor Augen stehen. Sueffugu sagte dann: „Es besteht bei uns kein Zweifel darüber, was zu tun ist."
Die großen Erfolge Deutschlands schreibt Suetsugu vor allem der hochentwickelten Kultur und Wissenschaft zu, die dem deutschen Volke die materielle und moralische Kraft gaben. Das japanische Volk wisse diese nationalen Werte Deutschlands wohl zu schätzen, die sich jetzt in dem Riesenkampf, in dem Deutschland gegenwärtig stehe, zeigten. Dieser tätigen Kraft der deutschen Seele wünsche er, so schloß Admiral Suetsugu seine Unterhaltung, seine tiefste Verehrung zu zollen.
Japanische Regierungserklärung heute erwartet.
Tokio, 1. Juli. (Europapr.) Die langerwartete Erklärung der japanischen Regierung zur europä- ischenLage wird am Mittwoch erfolgen. Auf die reguläre Kabinettskonferenz vom Dienstag soll am Mittwoch wahrscheinlich eine außerordentliche Konferenz zwischen führenden Persönlichkeiten des Kabinetts erfolgen. Anschließend werde, wie verlautet, der japanische Ministerpräsident Fürst Konoye das japanische Volk von der Absicht der Regierung unterrichten, die feste Süd Politik weiter- z u f ü h r e n.
Die Anerkennung Nankings
Berlin, 1. Juli. (DJtB.) Die Reichsregierung Hal am 1. Juli die von Präsident Wang Tsching-wei geführte chinesische Rationalregierung in Nanking ihrem an die Reichsregierung gerichteten Ersuchen entsprechend anerkannt und wird die diplomatischen Beziehungen zu ihr in Kürze aufnehmen.
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Die jetzt erfolgte Anerkennung der Regierung Wangtschingweis durch die deutsche und italienische Regierung ist eine Folge der Politik, die durch den Dreierpakt zwischen den Achsenmächten und Japan inauguriert worden ist und durch den Kampf gegen den Bolschewismus, der in Europa am 22. Juni auf breitester Front entbrannte, noch verstärkt wurde. Als Wangtfching- wei im Frühherbst des Jahres 1939 in Nanking eine antikommunistische Regierung mit Billigung Japans errichtete, hatte er das antikommunistische Prinzip der japanischen Politik seinem Regierungsprogramm zugrunde gelegt. In emsiger Kleinarbeit, die dem Wesen Wangs liegt, hat er seit dieser Zeit die Stellung seiner Negierung so befestigt und ausgedehnt, daß sein kürzlicher Besuch in Tokio gewissermaßen die Anerkennung seiner Arbeit durch die japanische Vormacht des Fernen Ostens darstellte.
Wangffchingwei hatte bis in die Anfänge des Jahres 1939 die Regierung von Tschunking unterstützt. Wenn Marschall Tschiangkaischek als der erste Mann Chinas galt, der den Kampf gegen Japan aufnahm, so war unzweifelhaft Wangtschingwei der zweite. In der herrschenden chinesischen Partei, der Kuomintang, die auf den großen chinesischen Revolutionär Sunyatsen zurückgeht, vertrat Wangtschingwei die ursprüngliche Richtlinie, die jedes Paktieren mit den Kommunisten ausschloß. Wangtschingwei hatte, wie einst auch Tschiangkaischek, in vielen Feldzügen die Kommunisten niedergeworfen, aber als Tschiangkaischek mit diesen zusammenging und sich auf die angelsächsischen Plutokratien stützte, versuchte
Wangtschingwei aus den Belangen des chinesischen Nationalismus heraus eine Zusammenarbeit mit dem antibolschewistischen Japan zu erreichen. Als er anfangs 1939 plötzlich das Lager Tschiangkaischeks verließ und sich zunächst nach Hanoi in Französisch- Jndochina flüchtete, war der Bruch mit Tschiangkai- fchek vollzogen.
Wangtschingwei proklamierte, Tschiangkaischek habe das ursprüngliche Kuomintangprogramm verlassen, er stürze durch seinen Kampf gegen Japan ganz China ins Elend und liefere die Chinesen den Plutokratien aus. Dagegen vertrete er das ursprüngliche Programm, das auf eine Unverletzbarkeit Chinas hinauslaufe, aber als dominierende Macht im Fernen Osten Japan anerkenne und mit ihm Zusammenarbeiten und den Krieg beenoen wolle. Die Verhandlungen Wangtschingweis mit Japan führten zur Anerkennung einer chinesischen Nationalregierung unter Wangtschingwei in Nangking, die immer mehr an Boden gewann. Im Vorjahr war diese nationale Nankingregierung bereits so weit gefestigt, daß die Japaner unter Fortsetzung des Kampfes mit Tfchungking einen Staatsvertrag mit der Nanking-Regierung schlossen, in dem fie zusagten, die besetzten mittleren und südlichen Provinzen Chinas zwei Jahre nach Beendigung ' des Krieges mit Tschungking zu räumen. Das war unzweifelhaft ein bedeutsamer Erfolg der Regierung Wangtschingweis. Weiter wurde bestimmt, daß die Nanking-Regierung nur aus Nationalchinefen bestehen solle, das Heer der Nangking-Regierung aber von japanischen Offizieren modernisiert werde, und die Nanking- Regierung sich wirtschaftlich und finanziell auf Japan stütze. E. S.
Auch Anerkennung Italiens.
Rom, 1. Juli. (Europapreß.) Die italienische Regierung hat auf Wunsch Japans beschlossen, die chinesische Nationalregierung mit dem Präsidenten Wang Tsching-wei an der Spitze anzuerkennen.
Fallschirmjäger kehren heim.
Von Kriegsberichter Erwin Bischhaus.
(PK.).....2. Juli. (DNB. Funkspruch.) Eine
norddeutsche Stadt konnte die siegreichen Fallschirmjäger, die aus Kreta zurückkehrten, herzlich begrüßen. Schon bei der Fahrt durch Rumänien, Ungarn und durch die deutschen Heimatgaue wurden die Fallschirmjäger überall auf das herzlichste begrüßt. Die ganze Verbundenheit, die eine Bevölkerung zu der Truppe, die in ihren Standorten liegt, zum Ausdruck bringen kann, erlebten wir beim Einzug in unsere Garnison. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Obwohl unsere Transportzüge durch den Ausbruch des Krieges im Osten mehrstündige Verspätungen hatten, erlebten wir einen überraschenden Empfang. Die Straßen waren mit den Fahnen des Reiches geschmückt, und alt und jung entbot uns den Willkommensgruß. — „Wir grüßen die Sieger von Kreta", mit dieser Aufschrift waren mit Tannengrün versehene Bänder über die Straße gespannt, und das Händedrücken und Umarmen und das Zuwerfen von Blumen nahm kein E^nde.
Heute erleben mir nun den Höhepunkt unserer Heimkehr. Die Stadt wollte es sich nicht nehmen lassen, uns in feierlicher Weise zu begrüßen. Das Regiment marschierte mit seinem tapferen und siegreichen Kommandeur Oberst Bräuer auf dem Marktplatz auf. Mit herzlichen Worten begrüßte der Standortälteste, der Kreisleiter und der Oberbürgermeister die tapferen Männer. Der Oberst gedachte in kurzen Worten der gefallenen Kameraden, die in vorbildlichem Todesmut ihre Pflicht erfüllt haben, betonte, datz trotz der eingerissenen Lücken in Kürze die volle Einsatzbereitschaft wieder hergestellt ist. Mit dem Faltschirmjägerlied „Rot scheint die Sonne" wurde die Gefallenenehrung beschlossen, und nach einem Sieg-Heil auf den Obersten Befehlshaber marschierte das stolze Fallschirm- jägerregiment unter ungeheurem Jubel der Bevölkerung im Parademarsch an seinem Kommandeur und der Bevölkerung vorbei.
Weißruthenische Landschaft.
Minsk ist die anmutig am Swislotsch, einem Nebenfluß der Beresina, gelegenen Hauptstadt d?r Weißruthenen und zählt gegen 150 000 Einwohner. Die Stadt ist von jeher ein bedeutender Handelsplatz gewesen, was insbesondere durch die alljährlich im März abgehaltene Messe oder Josphkontrakte zum Ausdruck kam. Auch unter den Sowjets wurde eine Warenbörse eingeführt. In Minsk befindet sich auch eine Universität. Im Mittelpunkt der Stadt stand unter dem alten russischen Regime die im Jahre 1845 erbaute lutherische Kirche, in der wöchentlich ein deutscher Gottesdienst abgehalten wurde. Minsk ist als Eisenbahnknotenpunkt wichtig. Von hier führt eine Zweigbahn über die Grenzstation Alechno- witsche nach Wilna, und die Bahn nach Bachmatsch verbindet Weißruthenien mit der Ukraine und dem Süden der Sowjetunion. Minsk wurde im 11. Jahrhundert gegründet und war später die Hauptstadt des Fürstentums Minsk. Ende des 14. Jahrhunderts kam es an Litauen, im 15. Jahrhundert an Polen und bei der zweiten Teilung Polens im Jahre 1793 an Rußland.
Etwas südlicher von Minsk erstreckt sich das Ende der R o kitn o s ümp f e, die bei Kowel im Gouvernement Wolhynien beginnen, sich in nordöstlicher Richtung hin zieh en und am P titsch, einem Nebenfluß des Pripet, ihr Ende finden. Der Anblick dieser Sümpfe ist höchst traurig. Sie tragen nur steife RiAgräser, Binsen, Moose, kümmerliche Birken, verkrüppelte Fichten und Zwergweiden. Alles ist kahl, eine wilde Einöde, bevölkert nur von Schnepfen und Bekassinen und belebt von den kreischenden Tönen des unruhigen Kibitz.
Landschaftlich b.retet die Strecke vor Minsk und auch die weitere nach Moskau keine Schönheiten; wette stille Flächen, selten ein einzelnes Gehöft, braunschwarze Feldermassen, über die mit schwerem Tritt eine jener Bauerngestalten dahingeht, die wie aus Tolstois oder Tschechows Volkserzählungen auf
tauchen; dann Birkenwälder mit schlanken, geschmei, digen Stämmen oder dunkle ernste Tannen und große Wsideflächen. Stunde auf Stunde zieht sich das so hin. Man fragt sich: wo sind hier die Menschen? Sie sind wohl da wie die paar Blockhäuser, die wenigen unter Birken- und Tannenbäumen hingesäten Dörfer und die einfachen Stationen beweisen, wo einige Bauern mit breitschirmigen Kappen oder mit der Pelzmütze auf dem Kopfe in langen, groben, gegürteten Kaftans und schweren hohen Stieseln nachlässig am Gelände lehnen und mit einem unbebeutbaren Ausdruck in den breiten, melancholischen bärtigen Gesichtern die Reisenden mustern, die ein kurzes Anhalten der Lokomotive benutzen, um auszusteigen und sich ein wenig in Bewegung zu ergehen.
Doch das hinter Minsk am linken Ufer der Beresina gelegene weißrussische Bezirkszentrum Bor- risow weckt historische Erinnerungen, denn von dieser Stadt an fällt die Fahrt nach Moskau mit der Rückzugslinie der großen französischen Armee von 1812 zusammen, und dadurch gewinnt die an landwirtschaftlichen Schönheiten nicht bedeutende Gegend ein gewisses Interesse. Mit starken Krümmungen windet sich die träge Beres-ina, höchstens 30 Meter breit, durch einige Meter breites sumpfiges Wiesenland. An der Stelle, wo 1812 auf dem Rückzug Napoleons von Moskau die Franzosen den Fluß überschritten, würde im Jahre 1901 ein Denkmal mit den Medaillon-Bildnissen Alexanders I. und Napoleons aufgestellt. Von den 108 000 Mann, mit denen Napoleon Moskau verlassen hatte, wälzte sich von der Beresina nur noch ein ungeordneter Haufen von 36 000 Köpfen in regelloser Flucht auf Wilna zu. Der französische Gesamtverlust an der Beresina betrug etwa 30 000 Mann. Zwischen 1812 und 1941, dem Jahre der deutschen Luftwaffe und der deutschen Panzerdivffionen — welch ein Unterschied!
Dazu erklärt man in politischen Kreisen Roms, Italien' und Deutschland seien bestrebt, ihren Beitrag zur Klärung der politischen Derhältnisse im Fernen Osten zu leisten. Getreu dem Geiste des Dreimächtevertrages, der das Verhältnis Japans im Fernen Osten festlegte, sei die Anerkennung der Nanking-Regierung durch Deutschland und Italien erfolgt, ein Ausdruck des deutsch-italienischen Willens, mitzuarbetten an der Befriedungsaktion, die Japan im Fernen Osten betreibe. Weiter erklärt man, es fei nicht ohne Bedeutung, daß die Anerkennung Wang Tfching-weis gerade in dem Augenblick erfolge, in dem die Achse den Kreuzzug aegen den Bolschewismus begonnen habe. Dieser Kreuzzug, den sich die Regierung Stalin zugezogen habe, werde die Losung der Chi na frage sehr fördern.
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Gleichzeitig mit der Reichsregierung und Italien haben auch Spanien, Rumänien, Ungarn Kroatien Uhu Bulgarien die chinesische Nationalregierung Wangtfkhingwei anerkannt.
Japanischer LustangriffaufTschungking
Schanghai, l.Juli. (Europapreß.) Bei einem fünfstündigen japanischen Luftanginff am Montag auf Tschungking wurde durch einen Bombenvoll- treffer die britische Botschaft zerstört. Botschaftsrat Sir Arthur Blackburn und vier weitere Boffchastsmitglieder, die sich gerade auf dem Weg zum Luftschutzkeller befanden, blieben verwundet liegen, als die Bombe in das Botschafts- gebäude geschlagen war. Sir Arthur Blackburn soll schwere Verletzungen erhalten haben.
Die ÜSA.-Hilse für Tschunking.
Tokio, 1. Juli. (Europapreß.) In dem auf eine gesteigerte militärische Zusammenarbeit zwischen USA. und China gerichteten Bemühungen der USA. erkennt die japanische Presse die Absicht, die chinesischen Lufthäfen als Stützpunkte Zu gewinnen. Das Blatt stützt seine Behauptung auf den Transportzahlreicher USA.-Flug. Zeu g e nach Tschungking. Außerdem liegen den Mattern Berichte vor, wonach nordarneri konische Piloten unter dem Deckmantel einer „freiwilligen
Die Dominiks.
Roman von Hellmuth M. Böttcher.
19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Das sind die Verhandlungen von damals", erklärte er. „Der Birk-Stahl hätte die Dominik-Werft auf eine unerhört breite und billige Produktionsbasis gestellt. Daß inzwischen keiner von unserer Konkurrenz auf die Idee gekommen ist, gehört zu den Wundern, an denen auch unser zwanzigstes Jahrhundert noch so reich ist." lieber sein Gesicht fliegt der Hauch einer lächelnden Ironie.
„Du hast damals die Verhandlungen allein geführt?"
„Zum großen Teil. Bloß einer von meinen Angestellten, dem ich damals noch mein vollstes Vertrauen schenkte, war mit eingeweiht — ein gewisser Frinzka. Ach so — du kennst ihn ja aus der Aktienangelegenheit."
,;Unb warum —", fragt Nissen, „warum hast du deinen Jugendplan nicht ausgeführt?"
„Es ist nichts daraus geworden!"
Der alte Herr bringt es abgerissen und unwillig heraus. Und auch, was er weiter spricht, klingt zögernd, fast bitter.
„Ich sagte dir ja schon: Der Balkankrieg brach aus. Das war wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Besonders für mich. Unsere Aktiengesellschaft gab’s damals noch nicht. Alles ging auf meinen Namen und meine persönliche Verantwortung. Ich hatte viel nach dem Balkan geliefert. Meine Schiffe hatten damals schon ihren guten Namen — besonders da unten. Ich hatte mich auf die Levante spezialisiert. Nicht absichtlich. Es kam von selber. Es sprach sich herum vyn Kunden zu Kunden."
„Und mit einem Male riß der Faden ab?"
„Jawohl. Mit einem Male. Aber was noch schlimmer war: ich kriegte meine Außenstände nicht herein. Kein Mensch zahlte mehr. Und die Akzepte meiner Balkankunden, die mir vorher von der Bank gern diskontiert worden waren, tarnen plötzlich alle wieder zurück, und ich mußte sie selber einlösen. Es hätte nicht viel gefehlt, und ich wäre damals selbst
Kobolz geschossen. Schließlich konnte ich mich noch durch die Gründung der Aktiengesellschaft retten. Seitdem darf ich mich Direktor nennen. Auch ein Trost!"
Er lacht bitter auf.
„Und Birk?" fragt Nissen.
„Ging mir natürlich durch die Lappen."
„Schade, Vater."
„Ja. Schade! Um Birk & Co. und alles das andere, das damals kaputt ging. Es war die unglücklichste Zeit meines Lebens. Ich wurde so gereizt, daß ich mich nicht mehr außerhalb des Werkes sehen ließ. Ich bildete mir ein, die Leute zeigten mit Fingern auf mich, weil ich Verluste hatte. Den Menschen, die ich am liebsten hatte, ging ich aus dem Wege. Auch der Frau —"
„Welcher Frau?"
Dominik wirft den Kops auf. Auf seiner Stirn steht eine Falte. Die Schläfen zucken.
„Keiner Frau." Er schreit es saft. „Keiner Frau! Was sollten mich zu jener Zeit Frauen angehen, wo mir die Schulden bis an die Ohren standen?"
Nissen ist feinfühlig genug, um zu spüren, daß der Vater hier unter der Macht der Erinnerung an einen Punkt gerührt hatte, den er keinem, auch dem Sohne nicht, preisgeben wollte. Er denkt wieder an die Szene mit Lietzendorf. Da war es genau so.
„Ich habe mich bann wohl verhört? Entschuldige."
„Außerdem hab' ich bann ein paar Jahre daraus deine Mutter geheiratet."
„Gewiß, Vater — ich weiß."
Sie sitzen sich eine Weile schweigend gegenüber.
Dominik strichelt auf seinem Löschblatt.
„Und nun sind Birk & Co. pleite —?"
„Ja. Und da könnten wir vielleicht deinen Jugend- plan verwirklichen?"
„Hm."
Wieder schweigen die beiden.
„Du kannst dich mal unter der Hand erkundigen, Statut, Grundbuchauszug, Katalog beschaffen."
„Gern, Vater."
„Aber diskret und vorsichtig."
„Natürlich."
Dominik fängt wieder an zu kritzeln.
„Was will er jetzt noch?" denkt Nissen. „Wird er jetzt von Brigitte sprechen?"
Der Vater strichelt und strichelt.
„Und nun noch eines. Junge. Ich muß mit dir mal ein ernstes Wort reden ..."
„Bitte, Vater."
Dominik wirft den Bleistift hin und beginnt, das Zimmer mit langen Schritten zu durchmessen.
„Du kannst dir wohl denken, was ich will?"
Nissen stockt der Atem.
„Fräulein Lind?"
Bisher hat der Vater immer so getan, als wüßte er nichts von den gemeinsamen Ritten.
„Ja!"
Wieder läuft der alte Herr auf und ab.
„Ist es dir nicht recht, wenn ich Fräulein Lind treffe?"
Der alte Herr macht mitten im Schritt halt und stellt sich breitbeinig auf.
„Du bist mündig, mein Sohn, in deiner Freizeit kannst du tun und lassen, was du willst."
„Das klingt nicht sehr freundlich, Vater."
„Ist auch nicht sehr freundlich gemeint."
- „Möchtest du mir nicht sagen--"
„Nein."
Nissen muß an sich halten. Es ist mitunter nicht ganz leicht, Sohn des Direktors der Dominik-Werft zu fein.
Der Alte faßt feinen Sohn fest ins Auge.
Jetzt kommt es, weiß Nissen mit einemmal. Jetzt kommt das Schreckliche, wegen dessen er mich hier behalten hat.
„Frage Fräulein Lind, ob ihr Vater U-Kreuzer bauen will."
Nissen fährt zusammen wie unter dem Schlage einer Peitsche.
„Vater!"
„Du siehst doch die junge Dame hin und wieder?" Nissen muß Antwort geben.
„Allerdings."
Er wunderte sich über den harten, fast tonlosen Klang seiner Stimme.
„Na also. Da findet sich doch eine Gelegenheit. ." Nissen nimmt sich zusammen. Er drückt die Fingernägel in die Handflächen, um sich festzuhalten und ruhig zu bleiben.
„ pd) glaube nicht, daß Herr Lind sich mit seiner Tochter über die Geschäfte unterhält."
„Dann mag sie ihn danach fragen. So was läßt sicy mal «gesprächsweise machen."
„Vater!"
„Bitte! Belaste dich nicht mit Skrupeln. Sie finit bei dieser Familie — bei dieser Familie nicht angebracht."
„Was hat dir die Familie getan, Vater? Ich denke, du bekämpfst nur Herrn Lind? ... Nur die Norddeutsche Werft ...?"
Dominik ist ganz grau im Gesicht. Seine Augen flackern. Seine Hände liegen unruhig auf der grünen Schreibtischplatte.
„Da ist einer wie der andere. Der Vater — die Mutter, alle beide gleich. Die Tochter wird ihre Eltern und ihr Nest nicht verleugnen."
Wieder fällt Nissen bas Wort von Lietzendorf ein, das Wort von einer Frau — einer Frau, die Zwischen seinem Vater und Lind steht. Und er denkt daran, daß eine Frau die Dominik-Aktien für Lind kaufen will — Frau Spreckels — Frau Martha Spreckels.
In dem Gespräch mit Bankier Schild hat fein alter Herr zwar gesagt, daß es diese Frau seit dreißig Jahren nicht mehr gibt, aber ...
Mit einem Male ist es Nissen, als zerriß ein Wolkenvorhang vor feinen Augen.
Das also ist es. Armer Vater.
Daher der Haß gegen alles, was den Namen Lind träg!
Jetzt spricht er weiter, bitter, zerhackt mit zielbewußter Gehässigkeit.
Irgend einen Zweck muß doch dieses Techtel- mcchtel haben. Ach so, das Wort stört dich! Finde dich ab mit diesem Urteil deines Vaters! Einen anderen Zweck, mein Sohn", der Alte betont jedes Wort einzeln, „und einen anderen Sinn kann ich wirklich nicht in deinen Beziehungen zu Fräulein Lind finden."
Er drückte auf einen Telephonknopf.
• „Der Lohnbuchhalter soll mir die Leistungskurve heraufbringen."
Er hebt sein Gesicht zu Nissen und blickt ihn am , "'E si"d stetig, mein gunge^# fagt er m-lt dem herzlichsten Gesicht der Welt. „Du siehst, ich habe zu tun, und du hast sicher deine Arbeiten auch noch nicht fertig."
Nissen versteht.
(Fortsetzung folgt)


