garten, Graf Ciano, Admiral v. Horthy und Botschafter von Papen beim Führer.
Jahreshauptversammlung des Kaninchenzuchtvereins.
Der Kaninchenzuchtverein Gießen hielt im „Burghof "feine Jahreshauptversammlung ab, zu der der Vereinsvorsitzende Kreiling besonders die neuen Mitglieder willkommen hieß. Er hielt dann einen Vortraa über: „Die Zucht der Rassekaninchen im Kriege^ und erläuterte die Zucht der Vereinsrassen, ganz besonders die Aufzucht und die Pflege der Angorakaninchen. Die Zucht der Angorakaninchen wird besonders gefördert, weil die Erzeugung der Wolle von besonderer Bedeutung ist. Der Verein hat als weitere Vereinsrasse die Groß-Chinchilla- Kaninchen gewählt, und um einen Ansporn für deren Zucht zu bieten, wurden für die neuen Züchter drei Iunghäsinnen dieser Rasse verlost. Sodann erstattete der Vereinsvorsitzende den Jahresbericht, der einen Zuwachs von 25 Mitgliedern aufweist. Aus dem Dtfm Kassierer Steih erstatteten Kassenbericht ging hervor, daß die Kassenverhältnisse in bester Ordnung sind. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt und ihm der Dank für seine mustergültige Arbeit ausgesprochen. Der Vorsitzende berief dann den
Zuchtkamerad Dörr zum Zuchtwerbewart und mühevolle Arbeit aus. Der Vorsitzende berief dann den Zuchtkamerad Dörr zum Zuchtwerbewart und den Kameraden Lang zum Schriftführer. Zuchtbuchführer Steih gab dann einen Ueberblick über die Zuchtbuchführung und deren Vorteile für den Abstammungsnachweis. Die Kennzeichnung wird von Anfang Mai an mit Ohrenmarken erfolgen, nur in Ausnahmefällen wird der Vereinsführer die Tätowierung durchführen. Zuchtkamerad Gg. Schell- Haas berichtete von einer erfolgreichen Fellablieferung. Im letzten Jahr wurden über 500 Felle der Veredlungsindustrie zugeführt. Erfreulich war die Feststellung, daß die Felle eine bessere Behandlung aufweisen, so daß höhere Preise erzielt werden konnten. Eine ganze Anzahl gut gespannter und behandelter Felle brachte Beträge von 1,20 bis 2 RM. pro Stück, während für die geringeren Felle nur 20 dis 30 Rpf. gelöst werden konnten. Im Oktober soll eine Vorschau der gezüchteten Kaninchen stattfinden und im November eine Ausstellung in Gießen durchgeführt werden.
** Aus Gießen-Klein-Linden. Oberfeld- meister Albert Weigel, ein Sohn unseres Vorortes, wurde mit Wirkung vom 1. Oktober v. I. zum Oberst-Feldmeister im Reichsarbeitsdienst befördert.
Aus der engeren Heimat.
60. Hauptversammlung des HVE.
> Schotten, 1. Mai. Der Führervat des G e- famtoereins des VHC. hat feine Mtgiieder- vereine zur 60. Hauptversammlung eingeladen, die am 7. und 8. Juni in der Gründungsstadt Schotten stattfinden wird. Am Samstag, 7. Juni, 16 Uhr, beginnt die Dertreterversammlung im Singsaal der Turnhalle, abends schließt sich ein Begrüßungsabend, verbunden mit der Feier des 60jährigen Bestehens des VHC. aiu Sonntag, 8. Juni, morgens, findet ein Festakt in der Turnhalle statt, anschließend Frühschoppen und Eintopfessen. Um 14 Uhr beginnen auf dem Bockzahl volkstümliche Wettkämpfe, die vom Reichsbund für Leibesübungen Bezirk Friedberg veranstaltet werden. Das Ziel der diesjährigen Fruhjahrs-Sternwanderungen der einzelnen Zweigvereine ist am 8. Juni die Grün'dungs- stadt Schotten, die sich zum Empfang der VHCer und Sportler rüstet.
75 Jahre Joh. Hermann Schmidt I. in Lich.
* Lich, 2. Mai. Im verflossenen Monat April führte sich zum 75. Male der Gründungstag der hiesigen Firma Joh.Hermann Schmidt I., Kurz-, Weiß- und Wollwaren, in der Unterstadt. Gründer des Unternehmens war der am 17. Dezember 1834 als Sohn des Knopfmachers und Posamentiers Joh. Jacob Schmidt geborene Joh. Hermann Schmidt, der das väterliche Handwerk des Knopfmachers erlernt hatte, dann aber, als auf dieser Grundlage keine Existenz mehr möglich war. um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Einzelhandelsgeschäft eröffnete, das in erster Linie Textilwaren zum Verkauf brachte. Die Firma wurde im Hause Oberstadt 32 gegründet und nahm unter ihrem Inhaber einen ansehnlichen Aufschwung, sodaß sie im Jahre 1869 in ein größeres Haus in der Oberstadt verlegt werden mußte. Im Jahre 1887 verstarb der Gründer, und das Geschäft mußte nun von seiner Witwe mit den Heranwachsenden Kindern weitergeführt werden. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde auch die Großhandelstätigkeit ausgenommen. Am 1 Januar 1899 ging die Firma auf den heute noch im Betrieb tätigen Seniorchef Heinrich Schmidt über. Gleichzeitig wurde das Geschäft nach der Unterstadt 17 verlegt. Das Unternehmen entwickelte sich immer weiter aufwärts, und wenn auch die Jahre des Krieges 1914/18 und die schweren Zeiten der Inflation und der Scheinblüte nach dem Kriege vielerlei Schwierigkeiten brachten, so gelang es doch, die Firma über alle Klippen hinwegzubringen und sie zu der heutigen, weithin geachteten Stellung im Kreise Gießen und darüber hinaus emporzuführen. Im Jahre 1940 wurde die Firma dergestalt umorganisiert, daß unter der Firmenbezeichnung Heinrich Schmidt & Co. der Einzelhandel betrieben wird, während unter der alten Firma Joh. Hermann Schmidt I. der Großhandel erfolgte. Seit Dezember 1940 unterhält das Unternehmen auch eine Zweigniederlassung in Gießen.
50 Jahre Spar- und Vorschußverein Leihgestern.
<£ Leihgestern, 28. April. Der hiesige Spar- undDorschuhverein e. G. m. b. H. hielt am Samstagabend seine ordentliche Hauptversammlung, verbunden mit der Feier seines 50jährigen Bestehens, im großen Saale der „Krone" ab. Der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Schäfer begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder, darunter noch einen Gründer, weiter besonders den Verbandsoberrevisor Hartmann, den Leiter der Schulsparkasse Rektor Lotz und eine Abordnung des Vorstandes der Spar- und Darlehns kaffe der Nachbargemeinde Watzenborn-Steinberg.
Hierauf gab der Direktor der Kaste Heinrich Haas den Bericht für das Geschäftsjahr 1940 und rückblickend ein Bild über die Entwicklung der Dorf- taffe in den fünf Jahrzehnten ihres Bestehens. Der Mitgliederbestand beträgt zur Zeit 188, im Lause des Jahres traten hinzu 2, es schieden aus durch Tod 6. Im ersten Jahre ihres Bestehens zählte die Kasse 82 Mitglieder, von denen noch 4 ihr ununterbrochen angehören. Die Bilanz wurde vom Rechner Karl Häuser norgetragen. Der Jahresumsatz betrug rund 200 000 RM. Die Karten gelder und SchU'lsparkasse erbrachten rurvb 15 500 RM., die Gesamteinlagen haben gegen das Vorjahr um 35 000 RM. angenommen, neue Sparbücher wurden 51 aus-gegeben. Die Zins- und Dividendensätze wurden in der seitherigen Höhe belassen, die Verteilung des Reingewinns in der vor geschlagenen Weise gutge- heißen. Der Jahresabschluß wurde von der Versammlung genehmigt. Dem Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Die fatzungsmäßig aus scheidenden Mitglieder vom Vorstand Heinrich Haas und vom Auftichtsrat Dttö Harnisch und Otto Arnold II. wurden wiedergewählt.
Anschließend an d-en geschäftlichen Teil überbrachte Verbandsoberrevisor Hartmann tue1 Glückwünsche des Genossenschaftsverbandes, feine Ausführungen gipfelten in der Anerkennung, daß die Kasse muster- gültig geführt werde. Als Ängebinde überreichte er zur 50-Jahrseier fettens des Verbandes ein Diplom, der Genossenschaft für die Zukunft alles Gute wünschend. Für die Spar- und Darlehenskasse Watzenborn-Steinberg sprach deren Auftichtsratsvorsitzen-- der Bürgermeister Schäfer die besten Wünsche unter Ueberreichung einer Bildes von Raiffeisen aus. Weiterhin sprach für die Schulsparkasse Rektor Lotz. Die der Kasse seit ihrem Bestehen angehörenden vier Genossen — Johannes Diehl, der jahrzehntelang dem Aufsichtsrat angehörte, Johannes Weller, der Jahrzehnte das Rechneramt bekleidete, Johannes Wagner, der in den schweren Jahren nach dem Weltkriege die Kasse gefettet, und Karl Gilbert, von denen an diesem Abend nur der im 87. Lebensjahre stehende Johannes Diehl anwesend war — wurden für ihre treue Mitgliedschaft mit einem Diplom ausgezeichnet. Nachdem der Abend durch den Aufsichtsratsvorsitzenden in der üblichen Weise geschlossen war, blieben die Genossen mit ihren Gästen in einer der Zeit entsprechenden Feierstunde noch einige Zeit beisammen.
AttertumSfunde in der Kr»edverger Burg.
LPD. Friedberg, 2. Mai. Bei den Ausgrabungen in der Burg, die seit einigen Wochen wieder ausgenommen wurden, stieß man auf eine kleinere augusteische Grube, aus der feines Scherben- material und ein silberplattiertes bronzenes Schmuckstück geborgen wurden. Landrat Dr. Straub ließ sich am Fundort von Grabungsleiter Dr. Roth über den Stand der Grabungen, die auch in diesem Jahre wieder von Kreis und Stadt finanziell gefördert werden, berichten. \
Schweinemarkt in Schotten.
* Schotten, 30. April. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 191 Ferkel zum Verkauf aufgetrieben. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 28 bis 32 RM., 8 bis 10 Wochen alte 34 bis 38 RM., 10 bis 12 Wochen alte 40 bis 45 RM., 13 Wochen und ältere 50 bis 55 RM. pro Stück. Bei flottem Handel wurde der Markt geräumt
Landkreis Gießen.
# Mainzlar, 1. Mai. Obergefreiter Karl Dem von hier wurde zum Unteroffizier befördert.
I Großen-Linden, 28. April. Die April- wanderung des Zweigvereins „Hüttenberg" vom VHC. führte am Sonntag bei zahlreicher Beteiligung vom Bahnhof Lang-Göns nach Niederkleen, dann durch bas Kleebachtal aufwärts, an einem schönen^Wasterfall vorüber, nach Ebersgöns, wo eine längere Kaffeepause eingelegt würbe. Auf guten Wegen ging es sodann durch den Wald von Pohl-Göns und Kirch-Göns und wieder zum Bahnhof Lang-Göns zurück. Die Wanderung führte durch drei Landkreise: Gießen, Wetzlar und Friedberg und berührte alle vier Orte mit dem Namen Göns.
△ Großen-Linden, 29. April. An unserer Volksschule kamen 34 Schüler zur Entlastung, 17 Knaben und 17 Mädchen. Rektor Siegfried, der als Hauptmann bei der Wehrmacht steht urtb auf Urlaub hier weilte, sprach in der Entlassungsfeier zu den Schülern. Zwei Jungen und drei Mädchen besuchen weiter Handelsschulen, während die übrigen Jungen
in Lehrstellen eintreten und die Mädchen ihr Pflichtjahr in Land- und Hauswirtschaft ableisten. — Die Störche, die feit einigen Jahren auf einem Baum am Kleebach nisten, sind auch in diesem Frühjahr wieder zurückgekehrt und jetzt mit dem Nestbau beschäftigt.
8. Lang-Göns, 28. April. Unter dem Wahlspruch „Gruß der Heimat — Echo der Front" veranstaltete die DAF. „Kraft durch Freude" cm Samstag einen Dorfgemein- f d) a f t s a be n b in der hiesigen Turnhalle, der recht gut besucht war. In feiner Begrüßungsansprache wies Ortsgruppenleiter Müller darauf hin, daß ein solcher Dorfgemeinschaftsabend zum ersten Male in Lang-Göns stattfände und daß er sich der Zeit entsprechend in einem ernsten Rahmen bewegen würde. Er begrüßte sodann mit herzlichen Worten die Soldaten, die zur Zeit in ihrer Heimat weilten, sowie die auswärtigen Gäste. Die Darbietungen bestanden neben dem Laienspiel „Saat und Ernte", das noch einmal in packenden Bildern die Zeit des Weltkrieges zeigte, hauptsächlich in gesanglichen Vorführungen eines Chores, der für diesen Abend gebildet worden war und der sich in der Hauptsache aus Sängern und Sängerinnen der HI. und des BDM. zusammensetzte. Ein kleines Orchester sorgte für die Zwischenmusik. Die Lieder, die von der Singschar, zum Teil mit einfacher Begleitung, vorgetragen wurden, waren fast alle Volkslieder und fanden sehr viel Beifall, desgleichen ein Gedicht in Wetterauer Mundart, das in roarmen Worten unserer Sbl3 daten draußen gedachte. Mit großer Andacht und mit viel Teilnahme folgten die Zuhörer dem Theaterstück „Saat und Ernte" (von Hch. Bauer), das von hiesigen Laienspielern aufgeführt wurde. Der reiche Beifall ■ war wohlverdient. Erwähnt seien noch die schönen Zithervorträge, die von vier hiesigen Musikliebhabern geboten wurden, darunter ein neues Soldatenlied, das ein kleiner Chor mit- sang. Das Schlußwort sprach der Leiter der DAF., Heinrich Faber, und er gedachte des Führers. Ein gemeinsam gesungenes Lied beschloß den Abend, der den Teilnehmern noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.
SJ.-fport
Oreistädtekampf im Gewichtheben.
Am Sonntagvormittag findet auf dem Waldsportplatz des 23. f. B. Reichsbahn ein Kampf im Gewichtheben statt. Erstmals tritt eine Siegener Gewichthebermannschäft in Gießen an. Die West- falen haben in Marburg „88" eine ausgezeichnete Staffel zum Gegner, denn die Marburger ftchen im Bereich Hessen an zweiter Stelle, und da auch die Mannschaft des V. f. B. Reichsbahn diesmal mit guten Kräften antritt, so ist ein spannender Kamps zu erwarten. In der Gießener Mannschaft ragen besonders Vobelt und der 16jährige Fischer hervor, der im Stoßen sicher die 200-Pfund-Grenze erreicht. Marburg tritt mit Moots, Götz, Herrmann, Clement, Balke und Gary an, während Gießen sich auf Lorenz, Fritz Funk, Soldat Werner (Heer), Klotz, Vobelt und Fischer stützt Die Mannschaft der Siegener ist noch nicht namentlich ae- melbet. Außerdem findet noch ein Kampf im Rasenkraftsport Marburg—Gießen statt.
Lehrgang für Llebungsleiterinnen im Frauenturnen
im JX SRC. Bezirk 8 Gießen.
Der 4. und letzte Lehrgang für Uebungsleiterin- nen im Frauenturnen, der von 43 Turnerinnen besucht war, wurde am Sonntag in der Turnhalle des Turnvereins 1846 durchgeführt. Bezirksfrauen- warttn Jdel Hauck (Gießen) begann mit Spruch und Lied die Arbeit, und Bezirksftauenturnwart Schneider gedachte in kurzen Worten des Führers und forderte als Geburtstagsgeschenk Arbeit an uns selbst und am Volk. Als Auftakt wurden dann eine Bewegunbsschule und Gymnastik geturnt und von Schneider Anleitung und Beispiele für den Gruppentanz gegeben. Bezirksfrauenwar- tin für Leichathletik Else Ludwig gab eine Einführung in die Leichtathletik. Nach dem gemeinsamen Mittagessen besprach Frauenturnwart Schneider den in der Lehrgangsreihe durchgenommenen Uebungsftoff. Am 15. Juni findet in Gießen ein Lehrgang für Turnerinnen statt, in dem der Uebungsstoff für die Wettkämpfe durchgearbei
tet werden soll. Mit einem kameradschaftlichem Beisammensein, zu dem auch Bezirksführer Stein erschienen war, fand die arbeitsreiche Lehrgangsreihe ihren Abschluß. H.
Handball im Männerturnverein.
Mtv.l.Jgd. — Tv. Hochelheim l.Jgd. 11:7 (7:2). Mtv. Sporidienstgr. — Tv. Hochelheim Sport- dienstgr. 1:3 (1:1).
Am Sonntag konnten die Spiele gegen Hochelheim ausgetragen werden. Das Spiel der Jugend begann mit ungestümen Angriffen der Hochelheimer. Aber bald konnte sich die reifere Spielweise des Mtv. durchsetzen. In wenigen Minuten stand das Ergebnis von 2:2 auf 5:2. Besonders hob sich hierbei die Gießener Hintermannschaft hervor. Jeder Angriff scheiterte an ihr. Dis zur Halbzeit konnte der Mtv. das Spiel weiterhin überlegen gestalten, was auch durch zwei Tore ausKdrückt wurde. Nach Seitenwechsel stellte Hochelheim durch zwei Strafwürfe das Ergebnis auf 7:4. Beide Mannschaften ließen nun etwas nach. Besonders machte sich dies beim Mtv. bemerkbar. Trotzdem hatte Hochelheim keine Chance mehr, das Spielgeschehen umzugestalten. Schiedsrichter Karell konnte bei der anständigen Spielweise beider Mannschaften gut ge»
Die Sportdienstgruppen lieferten sich einen erbitterten Kampf. Der Sturm der Gießener konnte die sich ihm bietenden Gelegenheiten nicht aus- werten. Dagegen spielte die Hochelheimer Mannschaft besser zusammen und gewann schließlich verdient.
Kurze <5portnofi$en.
Die Sommerkampfspiele der HI. werden in diesem Jahre in der Zeit vom 25. bis 31. August veranstaltet. Im Rahmen der Veranstaltung finden auch Länderkämpfe mit der Jugend befreundeter Nationen statt.
Deutschlands Kegler bestritten am Mittwochabend in Stockholm den 10. Länderkampf gegen Schweden. Die Gastgeber gewannen mit 6271:5979 Holz und tarnen damit zum siebenten Siege über Deutschland.
MDkiMimM.
Vornan von Elisabeth Holt.
7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
3. Kapitel.
Nach und nach wurde Gerda Maurer mit dem Haushalt der Sängerin vertraut. Er entbehrte der festen Umrisse, nichts war festgelegt. Speisestunde, Frühstück und Schlafenszeit, Ausgaben, Korrespondenz und vorzulassende oder abzuweisende Besuche waren Angelegenheiten, die nicht erfragt, sondern ertastet werden mußten. Sogar die Anzahl der Dienstboten stand nicht fest. Man hatte Gerda gesagt, es gäbe außer dem Portier, der die Heißluftheizung und den kleinen Garten zu betreuen hatte, noch vier — nämlich den Chauffeur, ein Stubenmädchen, die Köchin und Fräulein Rosa, die vertraute Zofe. — Man ging aber großzügig über den Schwarm der außerordentlich Beschäftigten hinweg, über Fensterputzer und Masseusen, über Friseure und Schneiderinnen, die sich in schlechtgeheizten Hinterzimmern herumdrückten. Gerda brauchte eine ganze Woche, um die Gestalten, die ihr auf den Korridoren entgegenkamen, auseinanderzuhalten, sie telephonierte mit aufgeregten, befehlshabe- rischen Leuten, die sich ungemein gekränkt gebärdeten, wenn man über ihre Angelegenheiten nicht im Bilde war, sie stellte aus unentschlossen hingeworfenen Klagen und Drohungen zu nichts verpflichtende Briefe zusammen, sie rechnete mit dem Koch ab und entwarf einen Wochenplan mit vielen offenen Feldern für nachträgliche Abänderungen.
Die Frau Kammersängerin schien zufrieden mit ihrer „Neuen". Gerda merkte das an der säuerlichen Duldung, die ihr durch Rosa zuteil wurde, und aus der zunehmenden Vorsicht der Köchin bei der Abrechnung. Das Telephon surrte den ganzen Tag, die Opernkanzleien, Agenten, das Sieveringer Atelier, wo Pola unter erheblicher Aufregung ihren ersten Film drehte. Ferngespräche kamen und wurden erledigt. Manchmal machte man es falsch, und dann schimpfte die Luckner, daß man es durch drei Türen hörte. Zu allen Tageszeiten dröhnte im Musikzimmer der Flügel; feierlich schreitend, in
große Halstücher gewickelt, erschienen Sänger mit Partituren, es erschien Kapellmeister Professor Brix, der die Konzerte der Luckner dirigierte und an ihren Op ern ab enb en in den Kulissen lauern mußte, um ihr die Einsätze zu geben. Und zu allen Stunden mußte man gewärtig sein, den glatten schwarzen Scheitel Gredlers in irgendeiner Türe auftauchen zu sehen.
„Darf man herein?" erkundigte er sich mißtrauisch, „Ihr 23etter ist heute einmal nicht bei Ihnen?"
„Längst fortgegangen!"
„Unglaublich!" äußerte Gredler vieldeuttg. „Wie geht's übrigens? Gut? Kein Honiglecken hier, Madame", der Pianist seufzte und ließ sich neben Gerda auf einen Stuhl sinken. „Ich hätte Sie warnen sollen, schöne Frau. Wieviel Arbeitsstunden hat Ihr Tag, wenn ich fragen darf?"
„Ich weiß nicht, ich zähle nicht", sagte Gerda, . „mein Tag hat in letzter Zeit so beängstigend wenig Arbeitsstunden gehabt, daß mir jetzt ein paar zuviel nichts ausmachen. Angst habe ich nur vor dem Telephon, ich weiß nie, wie ich mich benehmen soll. I Ueberall sind unbekannte Größen im Spiel. Wer ist zum Beispiel Baron Birinsky? Jeden Taa ruft er an — manchmal auch zweimal am Tag. i
Gredler schüttelte verweisend den Kopf. „Den | kennen Sie nicht? Birinsky — Ottokar Gotthold Birinsky----. Natürlich Zucker. Ich meine
nicht zuckerkrank, nein, Zuckerfabriken!"
„Kenn' ihn nicht."
„Eine Bildungslücke. Sehr bedauerlich bei einer Frau von Ihrer Erziehung."
„Also wer ist bas?"
„,Er* —. Unter Anführungszeichen. Seit vier Jahren unter Anführungszeichen." —
„Ach so!" sagte Gerda lächelnd. „Ich hatte es mir schließlich denken können, daß eine schöne und berühmte Frau nicht ganz allein durchs Leben geht."
„Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Ottokar Gotthold Birinsky begleitet Polas Weg offiziell."
„Wer warum kommt er nie her?"
„Weil er gegenwärtig krank ist und im Bett liegt. Er ist", sagte Gredler zusammenfassend, „krank und reich. Mehr wäre von dem Mann nicht zu erwähnen."
Gerda sah ihn forschend cm. „Und genügt das der Frau Kammersängerin?" |
„Hören Sie", antwortete er behutsam, „ich habe Sie protegiert, weil ich Sie für ein nettes vernünftiges Wesen halte, und jetzt kommt es mir vor, als hätte ich Ihnen gegenüber sozusagen Vaterpflichten. Als Vater erteile ich Ihnen folgenden Wink: Bemerken Sie niemals, daß Birinsky--
— nun manchmal nicht der einzige ist. Wenn Sie es längere Zeit bei uns aushalten, werden Sie darauf kommen, daß sich zeitweise geheimnisvolle junge Herren im Hause umhertreiben, die weder musizieren noch photographieren, die nichts mit Zeitungen und nichts mit Geld zu tun haben — mit einem Wort: überflüssige Kreaturen. Wenn Sie so einen bemerken, dann--bemerken- Sie ihn
eben nicht!"
„Danke", sagte Gerda, „aber warum ist das so?" „Nun — Pola wünscht Birinsky zu behalten." „Komisch! Wenn ich so ein königliches Einkommen hätte wie die Luckner, ließe ich mir von keinem Menschen etwas vorschreiben."
Gredler nickte weise. „Oh, diese törichte Jugend! Wie lange wird Pola, Ihrer Schätzung nach,'noch schön und berühmt sein?"
„Immer!" sagte Gerda überzeugt. „Sie hat eine Kraft, die von ganz tief innen hervorbricht — wenn sie auf die Bühne kommt, ist sie sofort die Hauptperson. Ich glaube, sie wäre es auch, wenn sie den Mund gar nicht aufmachen würde."
„Ach, das wäre vielleicht ganz gut. Denn Pola zeigt neuerdings eine befremdliche Neigung zu falschen Einsätzen."
„O Gredler!"
„Das ist das Los des Schönen auf der Erde. Pola gefällt Ihnen?"
„Sehr. Auf der Bühne und privat."
Gredler wollte etwas erwidern, aber das Tele- phon meldete sich energisch. Als Gerda dann den , Hörer wieder auf die Gabel legte, seufzte sie: „Wieder die Unbekannte mit dem sonderbaren Namen Alwine. Ist das eine Filmgröße, Gredler?"
„Alwine? Nein--" sagte er, „das ist eine
Finanzgröße. Alwine Pachoven ist sehr reich."
„Pachoven?" Gerdas Gesicht trug auf einmal einen gespannten Zug.
„Oho! Sie kennen Alwinchen?"
„Nein", leugnete Gerda und ärgerte sich über feine schnelle Aufmerksamkeit. Der Mensch bemerkte
einfach alles. „Ihr Name klingt mir bekannt. Bei uns in Norddeutschland gibt es ein großes Motorenwerk Kempf Lr Pachoven. Gehört sie zu denen?"
„Stimmt! Sie ist eine von denen. Zwar nicht in Purpur geboren, bloß hineingeheiratet und glücklich verwitwet. Früher hat sie Kröll geheißen — Alwine Kröll---. In grauer Vorzeit hatten die beiden,
Alwine Kröll und Pola Luckner, an kleinen Provinzbühnen winzige Partten gesungen. Dann erschien eines Tages Herr von Pachoven auf dem Plan, verlor den Rest seines Verstandes und führte Alwine mit Myrtenkranz und Schleier in die Motorenfabrik feiner Väter. Und Pola wurde aus Wut darüber ein Star."
„Warum aus Wut?" fragte Frau Maurer. ,Hat sie Herrn von Pachoven geliebt?"
Diese Vermutung wies Gredler nachdrücklichst sankt.
„Aber?"
„(Fs ist da so etwas wie Rivalität", sagte er und lächelte dem Rauch seiner Zigarette nach. „Ich glaube, der Pachoven war seinerzeit der Fettbrocken in der Suppe, und Alwine hat ihn erwischt — nicht Pola. Das vergißt sie nicht! Nie!"
Gerda zuckte die Achseln und vermutete, daß Pola Luckner Besseres zu tun habe, als solchen alten Geschichten nachzuhängen. Aber Gredler leugnete bas.
„Nein!" sagte er temperamentvoll. „Nein, Frau Maurer. Ich habe schon recht. Vielleicht war diese Rivalität eine Zeitlang eingeschlafen, aber seitdem Pachoven vor zwei Jahrne starb, treibt sich die lebensfrohe Witwe monatelang in Wien umher, und die zwei Frauen wollen einander wieder ausstechen. Zeigen wollen sie, was sie im Leben erreicht haben. Alwine besitzt berühmte Perlen — Pola hat ihren gesamten Schmuck von der Bank holen lassen und erscheint bei allen möglichen Gelegenheiten angetan wie die Königin von Saba. Neulich fällt es der närrischen Hamburgerin ein, bei einer Modeschau siebzigtausend Goldfrancen für ein Zobelcape hinzulegen — nur so aus dem Handgelenk, wissen Sie — siebzigtausend Franken! Das Mannequin kommt herein, geht so ein-, zweimal durch den Saal, und Alwine kauft auch schon! Sie werden es vielleicht nicht glauben--*
(Fortsetzung folgt)


