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sperren können. Die hohe Bedeutung, die der Grün­dung zukommt, geht aus der Tatsache hervor, daß Reichswirtschastsminister Funk persönlich den Vor­sitz im Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft übernom­men hat. Zu einem späteren Zeitpunkt ist geplant, zunächst 30 Millionen RM. Inhaberaktien in Krei­sen des sparenden Publikums unterflubringen. Die Vorkehrungen, die jetzt bereits für eine künftige bes­sere Erdöloersorgung Europas getroffen werden, sind geeignet, den europäischen Raum wirtschaftlich zu sichern und damit auch die Kriegsgelüste anderer Mächtegruppen zu dämpfen. Er.

Liverpooler Baumwollbörse geschlossen

N e u y o r t, 1 April. (DNB) Nach einer United- Preß-Meldung aus Livervool ist dort die jahrhun- dertealte Baumwollbörse für die Dauer des Krieges geschlossen worden, da der britische Baumwollhandel unter den Einwirkungen der deutschen See- und Luftstreitkräfte bereits so weit zum Erliegen ge- kommen ist, daß sich die Abhaltung einer Börse nicht mehr lohnt.

Die Krankenanstalten von Bethel erneut bombardiert.

Berlin, 1.April. (DNB.) Das Okw. gibt be­gannt:

Die Luftwaffe versenkte bei bewaffneter Auf­klärung im Seegebiel um England aus einem Ge­leitzug heraus ein Handelsschiff von 1000 BRT. und beschädigte ein anderes großes Handelsschiff schwer. Beim Tiefangriff von Kampfflugzeugen auf einen Flugplatz in Südengland wurden vier hallen schwer getroffen und gerieten in Brand. Weitere Bombenangriffe richteten sich gegen die Hafenanlagen von Falmouth. Bei Luftkämpfen über dem Kanal wurden zwei brltifche Flugzeuge abgeschossen. Fernkampfartillerie des Heeres beschoß in den Rachmillagsflunden kriegswichtige Ziele in Dover mit beobachteter Wirkung. Während der Rächt griffen Verbände der Luftwaffe die Hafen­anlagen von hüll und Great Jarmouth er­folgreich an. Ausgedehnte Brände verursachten schwere Zerstörungen. 3m Hafen von Great Dar- mouth geriet ein Schiff in Brand.

3n Nordafrika bekämpften deutsche Sturz­kampffliegerverbände mit guter Wirkung Feldbefesti­gungen und Ansammlungen britischer Panzerkräfte mit Bomben schweren Kalibers.

Der Feind warf in der letzten Rach! mit fchwäche- ren Kräften Spreng- und Brandbomben in West- und Rordwesideulschland. 3n einer mittleren Stadt Rordwestdeulschlands entstand stärkerer Gebäude- schaden. Bei Bielefeld wurden die Kranken- an st allen von Bethel zum zweitenmal innerhalb weniger Wochen bombar­

diert. Ein Volltreffer zerstörte hier ein Kranken­haus. Dabei wurden zahlreiche Personen getötet oder verletzt.

Vorpostenboote schossen zwei, Flakartillerie eines der angreifenden Flugzeuge ab. 3n der Zeit vom 16. bis 31.3. verlor der Feind 55 Flug­zeuge und 11 Sperrballone. Während der gleichen Zeil gerieten 24 eigene Flugzeuge in Verlust.

Elf Tote und fünf Verletzte.

Die Opfer des britischen Volltreffers auf das Krankenhaus in Bethel.

Berlin, 1. April. (DNB.) Schwächere britische Luftstreitkräfte, die in der Nacht zum 1. April nach Nordwestdeutschland einflogen, warfen über der weltbekannten charitativen Anlage von Bethel bei Bielefeld Sprengbomben ab und rich­teten wie bei ihrem Angriff auf dieselben Heil­stätten am 16. 9.1940 st a r k e Zerstörun- g e n an. Durch einen Volltreffer auf ein Kranken­haus wurden elf Personen getötet und f ü n f v e r l e tzt. Im September v. I. waren neun Kinder als Opfer des britischen Ueberfalls zu be­klagen, während neun schwer verletzt wur­den. Die britische Luftwaffe hat durch diesen zwei­ten Angriff auf diese in aller Welt gerühmten Stätten der christlichen Nächstenliebe erneut bewiesen, daß sie in ihrem Haßkrieg gegen die Zivilbevölkerung vor wehrlosen Kin­dern, Kranken und Krüppeln nicht halt macht, auch wenn diese durch die Zeichen des Roten Kreuzes geschützt sind.

Maffuokas Besuch in Rom.

Rom, 1. April. (Europavreß.) Zusammen mit dem japanischen Botschafter oeim Quirinal fuhr der japanische Außenminister Matsuoka am Dienstag­morgen zum Quirinal, um.sich dort in das Gästebuch einzutragen. Aus der 'Fahrt durch die Stadt wurden immer wieder Hochrufe auf die ver­bündete japanische Nation und ihren Herrscher so­wie auf den Duce und den Führer ausgebracht. Nach der Eintragung statteten die japanischen Gäste den Königsgräbern im Pantheon einen Besuch ab, wo Außenminister Matsuoka einen Kranz nieder­legte. Beim Verlassen des Pantheons kam es wie­der zu lebhaften Begeisterungskundgebungen, wo­für Matsuoka, in seinem Wagen stehend, mit er­hobenem Arm und freundlichem Lächeln dankte. Auch bei der Kranzniederlegung am Altar des Vaterlandes und dem Grabmal des Unbekannten Soldaten sowie dem Denkmal der Gefallenen der faschistischen Bewegung kam es zu neuen Sym­pathiekundgebungen. Im Tabularium auf dem Ca- vitol, wo dem japanischen Gast ein Ueberblitf über Die neuesten Ausgrabungen gewährt wurde, mußte er sich auf dem Balkon der auf dem Capitol-Vor- platz harrenden Menge zeigen, die immer wieder lebhaft applaudierte, tim 11.30 Uhr kehrte der lange Wagenzug der Gäste in den Quirinal zurück, wo Matsuoka vorn König und Kaiser emp­fangen wurde. Anschließend war er Gast des Königs bei einem Frühstück.

Um 17 Uhr wurde Matsuoka vom Chef des Zere­moniells des Außenministeriums, Exzellenz Celesta, von der Villa Madama abgeholt und zum Pa­lazzo C h i g i, dem Sitz des italienischen Außen­ministeriums begleitet. Dort fand die erste Unter­redung zwischen Matsuoka und dem Grafen C i a n o statt, nach der die beiden Außenminister zusammen in den Palazzo Venezia fuhren,

wo die erste Unterredung mit dem Duce begann. Die Unterredung dauerte über eine Stunde. Dann traten Mussolini und Matsuoka auf den Bal­kon des Palazzo Venezia. Eine große Menschen­menge bereitete dem Duce und feinem japa­nischen Gast stürmische Ovationen. Immer wieder brausten die Rufe auf:Duce" undBanzai!" Zum Abendessen um 21 Uhr im Hotel Exzel­sior, das vom italienischen Außenminister gegeben wurde, war von deutscher Seite Botschafter von Mackensen geladen. Die Abendtafel war mit weißen Mandelblütenzweigen und roten Anemonen in den Farben Japans geschmückt.

Herzliche Trinkspröche.

Graf C i a n o begrüßte Matsuoka mit herzlichen Worten als Vertreter eines Reiches, mit dem Ita­lien durch ein Bündnis verbunden sei, das ebenso fest und dauerhaft in der Politik der beiden Länder verankert sei, wie es im Herzen der beiden Völker Wurzel geschlagen habe. Tie in Asien, so sagte Graf Ciano, Deutschland und Italien in Europa haben die Fahne der Revolution gehißt, die unsere Ju­gend unter der hohen Leitung ihrer Führer in aller Stille und mit allem Glauben vorbereitet hatte und die von dieser Jugend und von ihren Führern mit der Kraft jenes Glaubens durch die letzte Probe des gegenwärtig gegen das britische Weltreich ge­führten Kampfes zur siegreichen Vollendung geführt wird. Wir sind geeint in derselben Sache, in dem­selben Kampf, in derselben unerschütterlichen Ent­schlossenheit, unsere Lebensrechte zu verteidigen, die in dem Anspruch unserer drei Völker auf die ihnen von der Natur zugewiesenen Lebensräume be­stehen."

Matsuoka gab feiner Freude über die so herzliche

Erdölfelder in der Lüneburger Heide und im Unter« elsaß. Zum Teil ersetzt Deutschland die fehlenden eigenen Erdölquellen durch sythetische Gewinnung von Mineralölen aus Kohle, an der Deutschlands Boden reich ist. Aber ohne Zufuhr von Mineral­ölen aus fremden Ländern kann Deutschland die Motorisierung nicht so schnell vorwärtstreiben, wie es aus allgemeinen wirtschaftlichen und auch sozia­len Gründen erwünscht wäre. Es liegt im Wesen der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik, kein Mangelgebiet sich selbst zu überlassen, sondern recht­zeitig für eine Versorgung in der Zukunft Vorkeh­rung zu treffen. Es ist selbstverständlich, daß die neu gegründete Kontinentale Del AG. sich vornehm­lich in den Dienst der Friedensverfor- gung, und zwar, wie der Name sagt, ganz Europas, stellen wird. Damit reiht sich diese Gründung den anderen Maßnahmen an, die das Reich für die Sicherung künftiger europäischer Be­darfsdeckung getroffen hat.

Die naheliegende Frage lautet: ob denn in der Vergangenheit von den gegen uns eingestellten Mächten und internationalen Wirtschaftskräften ernite Versuche zur Störung der deutschen Erdöl- versorgung unternommen worden sind. Die Erdöl­gewinnung gehört zu denjenigen wirtschaftlichen Be­tätigungen, die mit einem besonderen Maß von Risiko belastet sind. Sie eignet sich daher in der Hauptsache für kapitalftarke, möglichst in verschie­denen Ländern gleichzeitig arbeitende Unternehmungen, die für erfolglose Bohrungen in einem Lande durch entsprechende Mehrgewinne in einem anderen Lande entschädigt werden. Eine ein­zige Tiefbohrung auf etwa 2000 Meter erfordert einen Kapitalaufwand von nicht selten mehreren hunderttausend RM. Bleiben mehrere Dersuchs- bohrungen ergebnislos, so würde ein kleineres Un­ternehmen dabei finanziell zusammenbrechen. -'Der besondere Charakter der Erdölgewinnung hat dazu geführt, daß dieser Wirtschaftszweig in hohem Grade der Tummelplatz der internatio-* * nalen Großfinanz geworden ist. Die beiden größten internationalen Erdöltrusts, die Rockefeiler- sche Standard Oil Co. und die englisch-holländische Royal Dutch-Shell verfügen jeder über ein Kapital von vielen hundert Millionen RM. Sie haben ihre Gruben in Nordamerika, Venezuela, im Nahen und im Fernen Orient. Sie machen die Preise, bestim­men also den Tribut, den die Derbraucherschaft ihnen zu zahlen hat und nehmen natürlich auch Weisungen ihrer Regierungen entgegen, wenn es gilt, ein unbequemes und unbeliebtes Land kurz zu halten oder in den Preisen hoch zu nehmen. Gegen diese übermächtigen Trusts gibt es nur einen ausreichenden Schutz: eine nationale beut- sche Erdölgesellschaft, die in jeder Be­ziehung stark genug ist, die Versorgung des Reiches und darüber hinaus ganz Europas mit Erdöl und Erdölprodukten zu steuern. Diese Rolle wird die jetzt gegründeteKontinentale Del" spielen. Um den Einfluß des Staates zu sichern, haben sich die an dem Unternehmen beteiligten öffentlichen Stellen ein fünfzigfaches Stimmrecht gegenüber den anderen Aktionären ausbedungen.

Bei der Ausnutzung und Verwaltung der in Europa und im Nahen Orient gelegenen Erdöl­gebiete wird selbstverständlich nach dem Grundsatz verfahren werden müssen, daß die näher und fracht- lich günstiger gelegenen Erdölgebiete nicht vorzeitig erschöpft werden Dürfen, also geschont werden müssen. Dies gilt in erster Linie für Rumänien, dessen Erdölgewinnung in den letzten Jahren zurück- gegangen ist. Dafür wären bann andere Erdölge­biete, zu denen Deutschland nach siegreicher Beendi­gung des Krieges die Verbindung sichern kann (Irak und Iran), und die noch nicht annähernd voll ausgenutzt sind, entsprechend stärker anzuspan- nen. Wie wenig diese eine Ausnutzung fremder ßeiftunaen ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß Deutschland vor dem Weltkrieg die beiden leistungsfähigsten rumänischen Petroleum-Gesell­schaften (Steaua Romana und Regatul Roman) aufhaute und für die Entwicklung der rumänischen Erdölindustrie Entscheidendes aeleiftet hat. Aucy im Irak, dem Land zwischen Euphrat und Tigris, sind die ersten erfolgreichen Erdöl-Bohrversuche von deutschen Ingenieuren und Wehrmachtangehöri­gen im Jahr 1917 durchgeführt worden. Die Siche­rung der Erdölversorgung ist übrigens auch für alle europäischen Länder von grundlegender Be­deutung. Deutschland handelt also im Sinne feiner Treuhänderrolle, die es gegenüber dem ganzen Kontinent zu spielen entschlossen ist, wenn es die Erdölgewinnung in den für Europa erreichbaren Produkffonsländern dahin beeinflußt, daß raum- fremde Mächte dem Kontinent nicht die Versorgung

Gießener Gtadttheaier.

Goethe:Clavigo."

Die äußere Anregung zur Niederschrift dieses bürgerlichen Trauerspiels in Madrid (das hier vor elf Jahren zuletzt auf dem Theater erschien) gab im Mai 1774 ein kleines Fräulein in Frankfurt, die erst 16jährige Anna Sibylla Münch, die zum Goethefchen Freundeskreise gehörte und ihm beim damals beliebten Mariagefpiel auf den Freitags­gesellschaften im Hause am Großen Hirschgraben Dreimal hintereinander durch das Los zur'^. Ge­mahlin" bestimmt worden war. Diese Anna Sitkjlla, übrigens mit Goethe weitläufig verwandt, regte den jungen, durch denGötz" schon berühmt ge­wordenen Dichter an, dasfragment de mon voyage dEspagne in den Memoiren von P. A. C. de Beaumarchais zu dramatisieren. Goethe hatte eines Abends das spanische Reiseabenteuer des Franzosen (der als Verfasser der LustspieleLe Bafbier de Saville undUne tolle journ£e, ou le mariage de .Figaro freilich sehr viel bekannter wurde) der Freitagsgesellschaft oorgelefen; das kleine Fräulein Münch sagte hernach zu Goethe:Wenn ich deine Gebieterin und nicht deine Frau wäre, fo würde ich dich ersuchen, dieses Mömoire in ein Schauspiel zu verwandeln: es scheint mir ganz dazu geeignet zu sein." Das war das Stichwort für Goethe: er erklärte sogleich, in acht Tagen damit fertig zu fein und hat nicht einmal so lange dafür gebraucht.

Das machte sich bemerkbar. Das Stück weift deutliche Spuren einer mehr als eiligen Nieder- fchrift auf, die überdies ganze Partien fast wörtlich aus dem Original übernahm. Der Erfolg war denn auch zunächst mäßig, die Kritik ziemlich heftig. Goethes Darmstädter Freund Merck, den er in Der Gestalt des Carlos porträtiert hatte, schrieb ihm kurz und deutlich:Solch einen Quark mußt du mir künftig nicht mehr schreiben, das können die andern ( auch." Beaumarchais, der das Stück auf einer Deutfchlandreife in Augsburg fennenlernte, äußerte sich noch gröblicher:Der Deutsche hat meine Ge­schichte durch einen Zweikampf und ein Begräbnis überladen, Zusätze, die weniger Talent verraten als

Hohlköpfigkeit." Andere sanden die Sprache im vierten Aktekelhaft übertrieben" oder schlechter­dingswüst".

Wir werden uns heute in der Betrachtung dieses Dramas vom ungetreuen und reumütigen Liebhaber, vom zweimal verlassenen und verratenen Mädchen auch wenn wir zu Tage liegende Mängel nicht über­sehen werden etwas zurückhaltender und respekt­voller äußern. Zunächst ist festzustellen, daß Goethe mit diesem Beitrage zur Gattung des bürgerlidjen Trauerspiels ein vehementes und glänzendes Theaterstück geschrieben hatte, das noch in jeder Auf­führung von unmittelbarer Wirkung war. (Auch die hitzigsten Kritiker haben das nicht bestreiten können ) Wenn man an die verblüffend kurze' Arbeitszeit denkt, was ja gewiß für die Bewertung nicht ent- scheidend fein kann, muß man das Ganze eine geradezu phantastische Leistung nennen.

Wichtiger aber als dieser Umstand, wichtiger als die französische Vorlage, Nachwirkungen Shake­speares und Erinnerungen an ein von Goethe im Elsaß gefundenes VolksliedVom Herrn und der Magd" ist die ganz persönliche Beziehung des jungen Genies zu seinem Stoff, der uns an und für sich so fern läge wie sein Schauplatz Madrid und uns kaum zu tieferer Anteilnahme über das rein Theatralische hinaus zu bewegen vermöchte.

*

Wie alles ober doch alles Wesentliche in Goethes dichterischem Werk ist auch derClavigo"Bruch­stück einer großen Konfession". Er fand den Stofs dramatisch, ja theatralisch" und hatFreude gehabt darüber", aber die Fabel reizte nicht nur den Ehrgeiz eines jungen Genies, sie erinnerte ihn auch schmerzlich an ein noch immer nicht verwundenes Erlebnis, an Sesenheim und Friederike, deren letzter Brieffein Herz zerriß" Goethe nennt feinen sehr zweifelhaften Helden einen unbestimmten, halb großen, halb kleinen Menschen,das Pendant zum Weisungen im Götz, vielmehr Weisungen selbst", und gleich die erste Szene des ersten Aktes wirkt wie Goethes eigene Beichte an den kühlen, spöttisch- überlegenen und ungerührten Darmstädter Jugend­freund, wie das späte und reumütige Bekenntnis eines nicht mehr gutzumachenden Unrechtes der Liebe. Und wenn das bürgerliche TrauerspielCla­

vigo" auch ein Drama des politischen Ehrgeizes enthält: dieses wird immer zurücktreten hinter der Marientragödie, in der sich uns ein dichterischer Nachhall vom aufwühlenden, lange unvergessenen Goethefchen Jugenderlebnis im Elsaß bewahrt.

*

Die letzte GießenerClavigo"-Jnszenierung (un­ter Tannert) hatte sich bemüht, die beiden nächst der Liebeshandlung wesentlichsten Dominanten des Stückes vom Räumlich-Bildhaften her sichtbar wer­den zu lassen: durch eine horizontale Zweialiede- rung der Bühne in Oben und Unten Die soziale Schichtung und das bürgerliche Trauerspiel anzu­deuten; ferner durch die vertikale Ueberschneidung solcher Anordnung mit einer steil hochgeführten Trevpe die politische Komponente des Dramenbaues zu symbolisieren.

Die geftrige Aufführung, die Oberspielleiter Wil­helm Michael Mund vom Stadttheater Greifs­wald als Gast betreut hatte, ging von anderen Voraussetzungen aus: sie unternahm den inter­essanten, auf den ersten Blick schlechterdings über­raschenden Versuch, denClavigo" als Kammerspiel zu geben. Das gelang bis zur ersten Szene des vierten Aktes einschließlich und überzeugte auch. Man empfand die Dämpfung der enormen Span- nungen, die hier herrschen, in einem fast halblaut- höfischen Konversationston in Verbindung mit aku­stischen Untermalungen und farblichen Reizen (die von Herrn Löfflers sUlgerechten und geschmack- Uch sicheren Dekorationen ausgingen) als wohl­tuend, zumal nichts von der unmittelbar-bühnen­mäßigen Wirkung dabei oerlorenaing. Die Szenen zwischen Carlos und Clavigo (besonders jene erste im vierten Akt) schienen uns die Höhepunkte der von einer durchaus persönlich bestimmten Auffas­sung gelenkten Inszenierung zu sein.

Was dann folgt, entzieht sich allerdings von Na­tur aus dem Kammerspielstil. Der Betrachter ver- mag sich nicht zu der (vom Spielleiter im Pro­grammheft entwickelten) Ansicht zu bekennen, der Clavigo" sei einstilles Stück": man kann es wie hier gezeigt wurde,still" spielen aber eben nur bis zu einer gewissen Grenze; jenseits dieser Grenze (IV, 1) bricht die ungestüme Lust eines jungen Genies am reinen Theater und die ganze heftige Leidenschaft des Sturmes und Dranges

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Außenminister Graf Ciano bei der Begrüßung des japanischen Gastes. Links von ihm in Uniform der deutsche Botschafter von Mackensen. (Bildtelegramm Scherl-M.)

Aufnahm» in Italien Ausdruck. Er erinnerte an seine diplomatische Zusammenarbeit mit Graf Ciano im Februar 1932 in Schanghai und fuhr fort:Wir haben den Wiederaufbau der Welt in An­griff genommen, der in Ostasien und in Europa eine neue Aera eines wahren, auf der Gerechtigkeit und Billigkeit begründeten Friedens eröffnet. Der Pakt ist Das Symbol einer großen Vorwärtsbe- megun-g der Menschheit mid legt .uns natürlich eine herkulische Aufgabe auf. In der Tat stehen uns viele und vielgestaltige Schwierigkeiten gegenüber, aber sie können nur unsere Kräfte stäh­len und unsere Entschlossenheit, sie zu besiegen, noch fester gestalten. Und wir werden jedes Hindernis, das wir auf unserem Wege antreffen werden, be­dingen mit der Gewißheit, daß der Erfolg unsere Anstrengungen krönen wird."

Sicherstellung des

Eisen- und Kupferbedarfes in Japan.

Tokio, 2. April. (DNB.) In einem Appell des Präsidenten des Planungsamtes wird die gesamte Nation aufgefordert, die Bemühungen der Regie­rung zur Sicherstellung des Eisen- und Kupfer- bedarfs für die nationale Mobilisierung mit allen Kräften zu unterstützen. Der Aufruf erinnert an die von USA. gegenüber Japan verhängte Ausfuhr- f p e r r e für Eisenschrott, Kupfer usw. und weist auf die von der Regierung ergriffenen Gegenmaßnah­men hin, um durch SteigerungderProduk- t i o n und andere Aktionen Japan auf diesem Ge­biete unabhängig zu machen. Diese Pläne würden sich bis etwa zur Mitte des nächsten Jahres voll auswirken.

Oie Frühjahrsoffensive TschunkingS zerschlagen.

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Tokio, 1. April. (DNB.) Militärische Beobach­ter stellen fest, daß die von Tschungking in Szene- gesetzte Frühjahrsoffensive von den japanischen Streitkräften in China bereits in einem Augenblick zerschlagen worden ist, wo die japanische lärmet' ihre eigene Offensive überhaupt noch nicht begon­nen hatte. Innerhalb einer Woche nach der Rund- funkansprache Tschiangkaischeks, in der er versicherte, dasfreie China" werde jeden japanischen Soldaten auslöschen, war das militärische Vorgehen Der Tschungking-Truppen bereits völlig matt ge­setzt. Ein starker Verband japanischer Marineflug­zeuge griff am 18. März Tschungking an, blieb eint volle Stunde lang über der Stadt, bombardiert« alle militärischen Ziele. Die japanischen Expeditions- ftreitträfte haben festen Fuß in der fruchtbaren Gegend an der Jangtsemündung gefaßt, von wo sit die Tschunking-Truppen und auch die Reste bet' kommunistischen neuen 4. Armee vertrieben haben..

durch, die nicht zu dämpfen ist; der letzte Ak! vollends überhöht diesen Eindruck mit fast melo­dramafff chen Mitteln und jenen Effekten, die Hem- Beaumarchais in Augsburg fo sehr mißfielen.

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In der Titelrolle sah man Herrn (Saninen» berg: er holte aus dem schwankenden und mehr' als schwierigen Charakterbilde heraus, was dar­stellerisch hier zu geben war; er vermied das Po«' litifche und unterstrich die reine Empfindung, bit: Verwirrung des Gefühls, welche, wenn man will, die Rolle vergleichsweisemodern" erscheinen lassen: kann.

Herr E r n ft spielte mit einer geschliffenen Dia" lektik den Carlos: wenn man, nicht mit Unrecht, mephistophelische Züge in der Erscheinung dieses; Mannes gefunden hat, fo waren sie hier von Welt« läuftgkeit, höftscher Rouffne und untadeliger KaE liershaltung überdeckt; hier sammelten sich ganz un­gebrochen und folgerichtig die überlegenen Willens» energien, die den unglücklichen Titelhelden immer wieder umwerfen und die Handlung zur doppelten Katastrophe treiben.

Hilde Heinrich gab die Marie, eine noch pas­sivere Rolle als der Clavigo,senffmentalisch" oon Grund aus: eine rührende, fünfte und blaffe Ge­liebte, vom Schlagen des eigenen Herzens aenng* fügt, in Seufzern und Tränen, in ohnmächtigem Erleiden und jähem Erlöschen.

Herr Erker als Beaumarchais: in ihm sind alle Gegenenergien versammelt, welche vom bürgerlich" Lager her Dem höfischen Intrigenspiel entgegengesetzt werden können; die mühsam gestaute Welle beleidig ten Gefühls war auch in dieser Gestalt, im Sinn« der Regieführung bis zur angedeuteten Grenze del! Möglichkeiten von gesellschaftlich korrekter Form be* herrscht, um gegen Ende, als der abermalige rat offenkundig ist, um so leidenschaftlicher auszu­brechen.

Herr L a p o r t e gab den ruhig abwägende» Guilbert, Hilde Kneip die sorgende Schroeste^ Sophie, Herr Bernd den jugendlich hitzigen unÄ unversönlichen Buenco.

Der Spielleiter konnte zuletzt mit den Darstellerm starken Beifall entgegennehmen. Hans Thjrno*