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Den Menschen, die die Siedlung gebaut und bewohnt haben, galt die anschließende Betrachtung Hier konnte Stadtbaudirektor Gravert auf Grund der archivalischen Unterlagen ein interessantes Bild von der Verteilung und Abmessung der
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Grundstücke vom herrschaftlichen Grund, von der Breite und Höhe der Häuser und der Form der Häuser usw. geben. Dabei lernte man auch die Gestaltung des Stadtbildes, d. h. der Wege und des Marktplatzes kennen.
Obwohl damit die Entstehung Alt-Gießens als abgeschlossen zu betrachten war, führte er die Hörer weiter durch das Werden der Stadt, solange sie Festung war. 1325 erfolgte die erste Ansiedlung außerhalb der Stadt nach der Neustadt zu, auch vor den anderen Toren waren schon einzelne Häuser errichtet worden. Der Landgraf verlieh diesen Bewohnern dieselben Rechte wie den Bürgern innerhalb der Mauer. 1330 taucht der Name „Sandgasse" zum erstenmal urkundlich auf. Handwerk und Gewerbe treten in\mer mehr in Erscheinung. Im Norden vor dem Walltor wird 1373 die Flügelgasse zum erstenmal erwähnt, 1379 die Hundsgasse. Damit müssen auch schon die Wetzsteingasse und die Zozelsgasse bestanden haben, wenn sie auch erst 1495 urkundlich sind. Der zweite Erweiterungsabschnitt umfaßt etwa die Zeit von 1350 bis 1450. Im dritten Erweiterungsabschnitt von 1450 bis 1550 liegt als wichtigster Punkt die Erbauung des neuen Schlosses (1530 bis 1533). Im Jahre 1535 wird zum erstenmal der Asterweg erwähnt. 1560 brennt fast das ganze Nordviertel ab, 168 Häuser fallen dem Feuer zum Opfer. Im nächsten Zeitabschnitt von 1550 bis 1650 entsteht mit der Gründung der Universität ein-neues Kraftfeld. Damit beginnt der Zug des Bürgers nach dem Süden, da der Norden bebaut ift Es ergibt sich die deutliche Entwicklung eines Handwerkeroiertels im Süden, westlich vom Seltersweg. Damit ist in großen Zügen die Besiedlung des Festungsringes abgeschlossen.
Am Schlüsse seines Bortrages stellte Stadtbau« direktor G r a v e r t gewissermaßen skizzenhaft, durch andeutende Hinweise auf die wichtigsten späteren Epochen die geistige Brücke her zwischen jenem Abschluß und unserer Gegenwart. Zahlreiche Karten und Pläne sowie Bilder aus aller und neuer Zeit, die von Baumeister Simon mit dem Lichtbildapparat vorgeführt wurden, bereicherten den Vortrag in bester Weise.
Die Hörer gaben Stadtbaudirektor G r a v e r t ihren Dank für das schone Vortragserlebnis durch lebhaften Beifall zu erkennen. Oberstaatsanwalt K n a u ß unterstrich diesen Dank noch mit herzlichen Worten. Dann fand der Abend seinen üblichen
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Schloß od^r die Burg hinter der Stadtkirche der ältere Teil sei? Auf Grund der heute vorhandenen historischen und architektonischen Grundlagen lasse sich, so betonte der Redner, eine Entscheidung der umstrittenen Frage nicht fällen. Weitere Ausgrabungen würden vielleicht auch wettere Betträge zur Klarstellung schaffen. Er, Redner, stehe auf dem Standpunkt, daß ein einheitlicher Baugedanke Schloß und Burg zu Grunde gelegen habe, der aber nicht zur schnellen Durchführung gekommen sei. „Man begann etwa 1150 mit der Burgmannenburg, um zunächst die militärische Sicherung für das Kloster Schisfenberg zu haben, baute dann die Stadtmauer an die Burg an und verband mit der Stadtmauer gleichzeitig den Neubau für das Schloß, d. h. den Amtssitz des landgräflichen Beamten. Diese ganze Bauaufgabe wird etwa um die Mtte der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wenn auch vielleicht zunächst in einfacher Form, fertig geworden
daß damals der Ablauf der kleinen Bäche und Wässer in die Wieseck ging, über den kürzeren Weg direkt in
Daher auch der Name unserer Stadt: „Zu den Giessen" (Zu den Bächen). Zur Erweiterung des Bildes von der Urlandschaft skizzierte er sodann die Gestaltung des Landes selbst, wobei er auf wertvolle Anhaltspunkte Hinweisen konnte, die wir heute noch in allen Flurnamen besitzen; z. B. „Im Sandfeld", „Im Gartfeld", Schwarzlach usw. Dabei machte er auch die große Rolle deutlich, die der iLauf der Lahn und der Wieseck bei der Formgewmnung des Bodens gespielt haben.
Anschließend schilderte der Redner die Auswir- I kungen der Straßsnführung in der Entstehungszeit
gelegt werden kann.
Nach diesen geschichtlichen Darlegungen lenkte der Vortragende die Aufmerksamkeit auf die Bauwerke, als die einzigen aus jener Zett vorhandenen Zeugen, hin. Diese Bauwerke finb allein das Schloß und die Stadtmauer. Eingehend behandelle er die Feststellungen bei den bisherigen Nachgrabungen und Untersuchungen an Ort und Stelle. Dabei berührte er auch die Frage, wo denn die Burg Gießen, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhun- ', gelegen, ob das heutige nter der Stadtkirche der
Urlaub", Lustspiel von Paul Helwig. Spielleitung: Hans A. Schewe. 22. Mittwoch-Miete.
Freitag, 7. März: „Götter auf Urlaub", Lustspiel von Helwig. 23. Freitag-Miete.
Samstag, 8. März: Geschlossene Vorstellung für KdF.^.Der Biberpelz", Komödie von Hauptmann. 16er-Ning, 10. Vorstellung.
Sonntag, 9. März: Nachmittags-Fremdenvorstellung „Tiefland", Oper von d'Albert. Außer Miete. Abends „Der Vogelhändler", Operette von Zeller. Außer Miete.
Der Dichter Hans Carosfa in Gießen.
Ein literarisches Ereignis von besonderer Bedeutung werden im Rahmen des Gießener Vortragsringes der Goethe-Bund, die Kulturelle Vereinigung und die Volksbildungsstätte Gießen bereiten. Am Mittwoch, 5. März, wird in der Großen Aula der Dichter Hans Carossa aus eigenen Werken lesen. Der Dichter hatte bei seinem letzten Besuch in Gießen anläßlich der im Rahmen der ersten Gießener Kunstwoche angesetzten 25-Jahrfeier des Goethe-Bundes im Jahre 1939 einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über Goethe gehalten.
Ortszeit für den 2. März.
Sonnenaufgang 8.12 Uhr, Sonnenuntergang 19.04 Uhr. — Mondaufgang 9.39 Uhr, Monbuntergang 23.53 Uhr. Mond in Erdferne.
Gießener Dochenmarktpreife.
Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für A-Ware. Für 6-Ware oder abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger.
* Gießen, 1. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kösteten: Markenbutter, V» kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Wirsing, % kg 11 bis 14, Weißkraut 8 bis 12, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 12 rote Rüben 10 bis 12, Unterkohlrabi 6 bis 8 Feldsalat 1 RM., 1/io 10 Rpf., Kartoffeln, 5 kg 45, Aepfel, Vi kg 28 bis 40, Lauch 24, Sellerie 21, Blumenkohl, das Stück 45 bis 55.
*
* * Kinderreiten zugunsten des WHW. Das im Rahmen der Veranstaltungen für das Win- terhilfswerk vorgesehene Reiten und Fahren für Kinder mit Pferden der Gießener Reiter-SA. wird heute nachmittag bei ungünstiger Wetterlage nicht an der Ecke Plockstraße und Johannesstraße stattfinden .sondern in der Bahn des Reitinstttuts Schömbs, am Brandplatz.
* * Altersjubilar. Am 2. März vollendet Herr Wilhelm Karnbach, Kaplansgasse 29, in voller geistiger Frische das 82. Lebensjahr. Dem Jubilar bringen auch wir herzlichen Glückwunsch dar.
* * Städtische Bücherei. Im Februar sind 2047 Bände ausgeliehen worden. Von diesen Bänden kamen auf: Literaturgeschichte 5, Zeitschriften 13, Gedichte und Dramen 18, Erzählende Literatur 1132, Jugendschriften 417, Länder und Völkerkunde 116, Kulturgeschichte 5, Geschichte und Biographien 152, Kunstgeschichte 4, Naturwissenschaft und Technologie 88, Heer- und Seewesen 48, Haus- und Landwirtschaft 1, Religion und Philosophie 7, Staatswissenschast 28, Sprachwissenschaft 1, Sport 2 Bände.
Ortszeit für den 3. März.
Sonnenaufgang 8.10 Uhr, Sonnenuntergang 19.06 Uhr. — Mondaufgang 10.05 Uhr, Monduntergang 0.55 Uhr.
Gießens, wobei von starkem Einfluß die Tatsache war, daß damals keine Hauptstraßen durch unser Gebiet gingen, diese vielmehr auf den Höhen entlang führten, weil eben die Durchwanderung des Sumpsgebietes um Gießen nicht einfach war, besonders nicht in den regenreichen Jahreszeiten. In diesem Zusammenhänge gab er interesiante Einzelheiten über den Verlauf der Straßen, auf die näher einzugehen hier leider nicht möglich ist. Der nächste Abschnitt des Vortrages behandelte die Entwicklung der Siedlung in dieser Landschaft. Dabei wurde aufgezeigt, welche große und maßgebliche Rolle die damaligen Herren des Landes, die Grafen von Gleiberg, feit dem 10. Jahrhundert gespielt haben. Im Jahre 1248 wird zum erstenmal ein Schultheiß in Gießen erwähnt, dessen Vorhandensein eine mit kaiserlichem Recht ausgestattete Siedlung als Stadt voraussetzt. Es ist daher anzunehmen, daß die Gründung der Stadt Gießen etwa in die gleiche Zeit wie die Gründung Grünbergs, also in die Mitte der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts
Einen Heimat- und vor allem lokalgeschichtlich außerordentlich interessanten Vortrag vermittelte der NS.-Rechtswahrerbund, Kreisgruppe Wetterau, in Gießen seinen Miigliedern und Gästen am gestrigen Freitagabend im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Jnstttuts der Universität. Die Hörer erlebten einen aufschlußreichen, Jahrhunderte umfassenden Blick in die Gießener Lokalgeschichte, die als einer, vielleicht sogar als der beste derzeittge Sachkenner der Gießener Baugeschichte Stadtbaudirektor Grave r t, der Leiter unseres Stadtbauamtes, vor den gespannt lauschenden Besuchern darlegte.
Nach kurzen Einführungsworten des Kreisgruppenführers des NS.-Rechtswahrerbundes, Ober- staatsanwatt Knauß, sprach
Stadtvaudirektor Sravert
in etwa anderthalbstündigem fesselnden Vortrag über das Thema „D ie Entwicklung Alt-Gießen s". Er muhte sich natürlich schon aus Gründen der Zeit, dann auch im Hinblick auf die Fülle des Stoffes auf eine Schilderung in großer Linie beschränken, er gab aber dennoch seinen Hörern ein umfassendes Bild über die Anfangs- und spätere Wachstumszeit Gießens, so daß jedermann feste und klar umrissene Vorstellungen jener Zeiten unserer Stadt gewinnen konnte.
Der Vortragende gab zunächst ein BUd der Landschaft, in die hinein Gießen gegründet wurde, etwa in der Zeit des Jahres 1000. Er machte den damaligen Lauf der Lahn, der Wieseck, des Klingelbaches und noch mancher anderer, allerdings weniger wichtiger und kleinerer Wasserläufe deullich erkennbar, die insgesamt für das Gesicht und die Struktur der Landschaft bestimmend waren. Besonders interessant war in diesem Zusammenhänge die Mitteilung des Vortragenden, daß vor zwei Jahren mit der Verlegung des Wieseckbettes zwischen Hammstraße und Einmündung in die Lahn durch das große Bauvorhaben der Reichsbahn das letzte Stück des alten Wiefecklaufes verschwunden ist. Bemerkenswert war weiterhin auch die Feststellung,
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