men. später in gleicher Eigenschaft in das Inf.- Rgt 65 in Delmenhorst Dann mar er wieder als BataiUonskommandkur in Bremen, wo er zum Oberstleutnant befördert wurde. Am 1 Oktober 1936 wurde er Kommandeur des Inf -Rgt. 116, wo er am 18. Januar 1937 zum Oberst befördert wurde.
Seine Tapferkeit und fein vielfacher persönlicher Einsatz mit mehreren Verwundungen im Kriege 1914/18 wurden durch zahlreiche Kriegsauszeichnun- gen anerkannt. Er erhielt das Eiserne Kreuz II und I Klasse, den Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern, das Hamburgische Hanseatenkreuz. das Oefterreichische und das Ungarische Militärverdienst- kreuz, sowie für seinen Einsatz bei den Kämpfen nach dem Kriege in Lettland das Baltenkreuz Im jetzigen Kriege erwarb er sich die Spangen zum Eisernen Kreuz II und I Klasse mit denen sein Einsatz in den schweren Kämpfen bet Amiens, beim Vorstoß auf Paris und bis nach Südfrankreich hinein vom Führer und Obersten Befehlshaber anerkannt wurde
In weiten Bevölkerungskreisen tn Gießen und darüber hinaus, besonders bei den jungen und alten 116ern, wird Generalmajor Herrletn allenthalben große Wertschätzung dargebracht.
Louis Gchormann -f.
Am heutigen Donnerstagnachmittag wird der Kaufmann Louis Scharmcrnn. der am Samstagabend einem Herzschlag erlegen ist. auf dem Neuen Friedhof zur letzten Ruhe bestattet. Mit ihm ist em Mann aus dem Leben ab berufen worden, der nicht nur m Gießen, sondern weit darüber hinaus bekannt geworden war
Der Rudersport hatte ihn in den Vordergrund des sportlichen Lebens gebracht. Bereits im Alter von 18 Jahren, im Jahre 1900, trat Louis Scharmann. der einer angesehenen Gießener Kaufmanns- familie entstammte, der Gießener Rudergesellschaft 1877 bei. Er war ein eifriger Ruderer und Steuermann. der auf den Ruderregatten des Rhein-Main» Lahngebiets oft ins Boot stieg. Er hatte allerdings nicht allzu häufig die Freude, bei den Rennen den Sieg zu erringen, denn es war meist stärkste Konkurrenz, die der damaligen Mannschaft der GRG entgegentrat; jedoch war es ihm und seinen Ruderkameraden möglich, meistens gute zweite Plätze zu belegen Im Jahre 1909 wurde Louis Scharmann in den Vorstand der Gießener Rudergesellschaft berufen. dem er bis zuletzt angehört hat Peinlichst genaue und gewissenhafte Führung seiner Aenfter im Vorstand der GRG haben ihn allezeit ausgezeichnet. In dankbarer Würdigung seiner Verdienste wurde ihm als einzigem des Vereins von der GRG. die Rudernadel in Brillanten verliehen, die bis jetzt kein weiterer Sportkamerad des Vereins wieder erhalten hat Bei den Arbeiten für die Regatten des LahN'Regatta-Verbandes und der Gießener Rudergesellschaft zeichnete er sich stets durch großen Eifer und gewissenhafte Erfüllung feiner Obliegenheiten aus Don jeher bekundete er allen Ruder- kameraden gegenüber beste Kameradschaft, die chn in vielen Fällen zum guten Berater und aufrechten Freund seiner Vereinskameraden werden ließ. Das Bootshaus der GRG war ihm gewissermaßen zu seinem zweiten „zu Hause" geworden, und die GRG hat daraus in vielfältiger Hinsicht Nutzen für ihre Gemeinschaft gehabt. Durch fein Wirken hat sich Louis Scharmann im deutschen Rudersport und in der Gemeinschaft der Gießener Ruderer, vor allem aber in der Geschichte der Gießener Ruder- c^ellschaft 1877 ein unvergeßliches Andenken ge-
Ueber den Kreis der Ruderer hinaus hat er sich auch durch seine vortrefflichen Charaktereigenschaften, seine allezeit gleichbleibende Zuvorkommenheit und seinen aufrechten Sinn in weiten Kreisen der Gießener Bevölkerung große Wertschätzung erworben. die nicht nur dem alten Gießener, sondern auch dcm Menschen und guten Kaufmann sowie dem verdienlen alten Soldaten galt. Das Andenken an ihn wird darum in weiten Kreisen der Gießener Bevölkerung in Ehren fortbestehen.
J^tyrf/Iüik&nann nicktet: Wiederein Fünfhunberter in (Hieben.
Beim Glücksrnaun 210 der Reichswinterhilfe-Lotterie wurde am Montagabend im Cafe Wien ein Treffer von 500 RM. gezogen. Der glückliche Gewinner ist zur Zelt auf Besuch in Gießen. Nachdem bereits in den ersten 14 Tagen der Lotterie dreimal 50 RM und einmal 100 RM gezogen wurden, ist nunmehr der Taufender zu erwarten.
IlS-GeMlllWsl M Sraft öurfflMe
Das kdF.-Monaishesl.
Die Ianuarfolge des KdF.-Monatsheftes ist erschienen. Sie bringt auf 24 Seiten einen außerordentlich interessanten Inhalt. Das KdF.-Monatsheft ist bei den KdF.-Dienststellen für nur 10 Rps. erhältlich. 4D
Festliches Variete mit den 4 Philipps.
Don der NSG. Jtraft durch Freude" in Gießen wird uns geschrieben:
Es ist uns gelungen, ein Programm von Spitzenleistungen der internationalen Artistik zu gewinnen, das als eine glanzvolle Veranstaltung bezeichnet werden kann.
Die 4 P h i l i p p s. die größten und berühmtesten Universalkünstler der Welt, werden mit ihrem Programm der Sensationen am 6. Januar 1941 im Gloria-Palast gastieren. Die 4 Philipps sind Uni- versalkünstler. die feit mehreren Jahren in allen
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fünf Erdteilen, in allen Groß-Dariet6s des In-und Auslandes Sensationserfolge feiern. In der Vielseitigkeit ihrer Darbietungen sind sie seit der einmaligen Erscheinung eines Sylvester Schäffer gleich diesem unerreicht geblieben. In sechs verschiedenen Akten, von denen jeder einzelne eine unerreichte Spitzenleistung auf seinem Spezialgebiet darstellt, füllen sie in raschem Wechsel einen großen Teil des Programms.
Ihre Nummer Los Toledos, die einzigen maskierten Blitz-Jongleure, ist ein rasender Wirbel der Iongleurkunst, wie er in solcher Vollendung, im Tempd und in Sicherheit nur selten zu sehen ist. Eine weitere Spitzenleistung der Artistik ist Kita, ein prachtvoller Drahtseilakt, in dem sich Kühnheit und weiblicher Charme vereinigen. Auf einem ganz anderen Gebiet kommt Charlie mit dem Fahrrad, er wird die Lachmuskeln der Besucher in heftige Bewegung fetzen, ebenso wie Edith, die mit ihrem Wunderpferd, eine „Spitzenleistung" der „Dressur", zur Erheiterung der Besucher beitragen wird. Dor ihrem großen Schlußakt vereinigen sich die 4 Philipps dann noch auf musikalischem Gebiet, um als Roxys Radio-Sinfoniker Proben ihres meisterhaften Könnens als Mundharmonika- Quartett zu bieten. Der Höhepunkt der Darbietungen ist aber ihr großer Philippsakt. ein Perche- und Balanceakt. der an halsbrecherischer Kühnheit nicht mehr zu übertreffen ist.
Weiter wirken an dem Abend mit: Karin K a - rlnoroa genannt „Der lebende Kreisel", eine Tänzerin, die mit viel Charme und vollendeter Technik einen Walzer tanzt. Dann lernen wir noch Carter, den hervorragenden Jllusiionisten und Manipulator kennen, der ebenfalls durch seine Darbietungen das Publi-kum in seinen Bann zieht. An der Spitze des Programms steht Max Wendeler, einer der besten deutschen Humoristen und Ansager. Es ist besonders zu begrüßen, daß es gelungen ist, gerade diesen Meister des Humors für das Programm zu verpflichten, denn keiner ist mehr dazu berufen, ein Programm mit feiner Laune zum vollen Erfolg,zu steuern, als Max Wendeler.
Neue Gchweinepreise ab 1.1.1941.
NSG. Die, Schweinepreise erfahren ab 1.1.1941 einen jahreszeitlichen Abschlag von 50 Rpf. auf die Grundpreise je 50 kg Lebendgewicht in allen Schlachtwertklassen und Preisgebieten. Die Preise für Rinder, Kälber und Schafe bleiben wie seither. Am Mittelmarkt Wetzlar gelten die gleichen Preise wie auf den Derteilungsstellen Gießen und Friedberg, die 1,— RM je 50 kg Lebendgewicht
niedriger sind als auf den übrigen Schlachtvieh» märkten.
** 75 Jahre alt. Am heutigen Donnerstag, 2. Januar, kann Frau Wilhelmine Sch»ch Mäus- bürg 3 wohnhaft, in guter Frische ihren 75. Geburtstag begehen. Der Jubilarin unseren herzlichen Glückwunsch.
** Kraftposten nach Dors-Gill Kloster Arnsburg, Münzenberg, Eberstadt, Ober-Hörgern und Gambach. Vom 3. Januar ab werden an jedem Dienstag und Freitag die seit Kriegsausbruch eingestellt gewesenen Kraftpostfahrten nach Gießen wieder ausgenommen. Mit dieser Einrichtung erhalten
die Bewohner der genannten Orte wenigstens an zwei Tagen der Woche wieder eine feit längerer Zeit erwünschte Gelegenheit zu Fahrten nach Gießen.
♦* Städtische Bücherei. Im Dezember sind 1795 Bände ausgeliehen worden. Don diesen Bänden kommen auf: Literaturgeschichte 2, Zeitschriften 33 Gedichte und Dramen 1. Erzählende Literatur 1036, Iugendschristen 322, Länder- und Völkerkunde 86. Kulturgeschichte 8, Geschichte und Bio« graphien 181, Naturwissenschaft und Technologie 49. Heer- und Seewesen 37, Haus- und Landwirtschaft 5, Religion und Philosophie 3, Staatswißen- schäft 30, Sport 2 Bände.
Aus Der engeren Heimat.
Landkreis Gießen.
5 Albach. 2. Ian Am 4. Januar können die Eheleute Landwirt Karl Arnold und Anna Marie Katharine, geb Schäfer, das Fest der g o l d e nen Hochzeit feiern. Beide Ehegatten erfreuen sich für ihr Alter (der Mann steht im 80 Lebensjahr) noch einer guten Gesundheit. Vier Kinder waren ihnen geboren, von denen eins tm zartesten Kindesalter starb und der jüngste Sohn 1918 im Weltkriege fiel. Vier Enkel erfreuen ihr Alter Unsere herzlichen Glückwünsche dem Jubelpaare.
* Watzenborn-Steinberg, 31. Dez. Anläßlich des 65. Geburtstages des Chordirigenten des Gesangvereins „Germania", Georg Harnisch, hatte der Dereinsführer «ine Mitglieder zu einem Vereinsabend eingeladen. Dereinssührer Jung richtete in einer Ansprache herzliche Worte des Dankes an Liedermeister Harnisch für feine dem Verein nun über 25 Jahre geleisteten treuen Dienste und überreichte ihm neben einer herzlichen Gratulation ein nettes Geschenk. Fenier wurde an diesem Abend der seitherige Provinzsängerführer für Oberhessen, L. Wendler (Bad-Nauheim), zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Der Vereinsführer nahm auch Gelegenheit, dem ältesten Sänger des Vereins, Johannes Sommer, für feine nunmehr 55jährige aktive Sängertätigkeit aufrichtigen Dank zu sagen, und er überreichte ihm für seine Treue ein Geschenk. Unterhaltung und Lieder hielten die Mitglieder des Vereins noch lange beisammen.
□ Laubach, 31. Dez. Weitere acht kinderreiche Mütter aus Laubach erhielten im Rathaussaal aus der Hand des Ortsgruppenleiters Pg. Pott das vom Führer gestiftete Mütterehrenkreuz. Nach einer Ansprache, die den Sinn der Stiftung erläuterte, wurden folgende Mütter ausgezeichnet: Das Ehrenkreuz I. Stufe erhielt Frau Lina Heuß geb. Schneider. Das Ehrenkreuz III. Stufe bekamen Frau Hedwig Bechthold geb. Guthard, Frau Katharine Enders geb. Löwer, Frau Margarete Krött. Frau Elisabeth Stengel geb. Schuchard und Frau Helene Kratz geb. Spuck. — Die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranlaßte ein Gastspiel der Lustigen Dariete-Bühne des Kreises Wetterau. Die heiteren, von gutem Können zeugenden Darbietungen sanden großen Beifall bei den zahlreichen Besuchern. — Der seitherige Kaßenwatter der hiesigen Kameradschaft der NSKOV., Pg. Karl Rausch, wurde nach Mücke versetzt. Er versah seit 1936 fein Amt mit großer Gewissenhaftigkeit. An feine Stelle tritt Pg. Joseph Heßler, Adolf-Hitler-Straße 19. — Befördert wurden der Schütze Philipp Heßler zum Oberschützen, der Oberkanonier Emst Doll in einem schweren Artillerie-Regiment zum Gefreiten, der Gefreite Ernst Janson in einem Infanterie- Regiment aum Unteroffizier. — Frau Johanna Fritsch, die Witwe des weit über feinen engeren Wirkungskreis in Ruppertsburg hinaus bekannten Pfarrers Friffch, feiert am 5. Januar in körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 8 0. Geburts- t a g. Der Jubilarin unseren herzlichen Glückwunsch.
Kreis Alsfeld.
△ Alsfeld, 28. Dez. Das tradittonelle Weih» n a cht s f i n g e n am Heiligen Abend vom Turm der Walpurgiskirche erhielt in diesem Jahre infolge der Kriegszeit sein besonderes Gepräge dadurch, daß es ohne den sonst auf dem Turm im hellen Kerzenlicht erstrahlenden Weihnachtsbaum in Dun- 'elheit stattfinden mußte. Trotz der hierdurch ent- tanbenen Schwierigkeiten ließ es sich die Sänger- char der Alsfelder Sängervereinigung „Liederkranz- Harmonie" nicht nehmen, die Jahrhunderte alte Tradition auch in diesem Jahre ausrechtzuerhalten. Einem verdienstvollen Mitglied der Alsfelder Sängervereinigung, Schreinermeister Dalenttn W e p p -
l e r, der in diesem Jahre zum 50 Male das Weihnachtssingen auf dem Turm mitmachte, wurde von Bürgermeister Dr Vö Ising anläßlich dieses Ereignisses ein Geschenk der «tadtoerwaltung überreicht unter anerkennenden Dankesworten für dis eifrige Unterstützung der Erhaltung dieses alten Alsfelder Brauchtums — Am zweiten Weihnachts« feiertag veranstaltete die NS -Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Kreisdienststelle Sllsfelfcßauterbad), im Rahmen des Unterprogramms der Kultur- gemeinschast Alsfeld ein K o n z e r t des Rhein- Mainischen Landesorchesters unter Leitung des Gaumusikinspizienten, Fritz Cuj6 im großen Saal des „Deutschen Hausts^ Als Gesangssolisten wirkten mit die Sopranistin Anni Brunner und der Tenor Werner Müller. Der erste Teil der Vortragssolge brachte Musik- und Gesangsszenen aus Opern, während der zweite Teil dem Reiche der Operette gewidmet war Unter der Leitung seines Dirigenten bewies das Orchester auch diesmal wieder fein ausgezeichnetes Können. Das Orchester und die Solisten ernteten reichen Beifall.
Oer Tod auf den Lippen.
LPD. Ingelheim, 30. Dez. Die 15 Jahre alte Tochter eines hiesigen Einwohners hatte sich an der Lippe verletzt, schenkte jedoch der kleinen Wunde keine Beachtung. Nach einiger Zeit ergab sich eine Infektion, die den Tod des jungen Mädchens herbeiführte. Auch dieser Vorfall beweist wieder, daß auch die geringfügigsten Verletzungen sorgfältige Deachtuntz oerbienen.
Schulung im Frauenturnen
des Bezirks 8 Gießen
im NS.-Relchsbund für Leibesübungen.
Unter Leitung des Bezirksfrauenturnwarts Schneider (Wetzlar) wurde am Sonntag in einer Arbeitstagung in Gießen mit den Lehrwarten und Lehrwartinnen des Bezirks der Lehrplan für die Bezirksschule im Frauenturnen festgelegt Das Arbeitsgebiet umfaßt die Schulung von Uebungslei- terinnen für Frauen- und lurnerinnenabteilungen, Iugendabteilungen der Vereine und Gemeinschaften (zugleich Leistungssportgruppen des BDM.), Sportdienstgruppen der Jungmadel und Kinderabteilun- gen der Vereine. In vier fortlaufenden Lehrgängen sollen je an einem Sonntag im Januar, Februar, März und April die Uebungsleiterinnen geschult werden. Jede Teilnehmerin muß sich zum Besuch aller Lehrgänge' verpflichten. Zum Abschluß kann bei Eignung bas Lehrwarteabzeichen verliehen werden. Für die verschiedenen Altersstufen, hie von den Uebungsleiterinnen zu betreuen sind, ist nicht nur ein sehr reichhaltiger Uedungsstofs bereitzustellen, sondern auch die Form der Stoffvermittlung ist sehr verschiedenartig. Dieses Stoffgebiet wurde gesichtet und an die Lehrwarte verteilt. Es umfaßt Körperschule, Bewegungsschulung und Lauf, Keulen-, Ball- und Sprungseilgymnastik, Volkstanz, Spiele, Gerätturnen (Reck, Barren, Pferd, Schwede- kante, Ringe), volkstümliches Turnen und Korbballspiel. Als Lehrwarte wurden bestimmt Heinrich Schneider und Erika Schneider (Wetzlar), Schönberger (Nieber-Girmes), Jdel Hauck, Else Ludwig, Helma Schmieder und Dr. Pfeffer (Gießen), Volk- mann (Heuchelheim) und Heller (Wieseck). Zu Beginn des ersten Lehrganges wird die Schule am 12. Januar in Wetzlar eröffnet, die übrigen Lehrgänge finden alle in Gießen statt. H.
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Nomon von fjdnj Lorenz,Lambrecht
31.Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Es ist ein Glück für sie, wenn sie es auch natürlich als größte Bitternis empfindet, daß sie im nächsten Frühjahr, es ist das Jahr 1929, in das Pensionat in der französischen Schweiz kommt, um den letzten Schliff zu erhalten, bevor sie den bedeutsamen Schritt m die Gesellschaft der Erwachsenen tut Wie soll sie dieses lange Jahr mit drei- hundertsünfundfechzig Tagen und Nächten überstehen? Worauf sie sich vor kurzem noch gefreut hat, erscheint ihr nun als unerträgliche Verdammnis
Einige Tage bevor sie aus dem Elternhause scheidet, ist Viktor zu einem einfachen Abendessen ;m Haus Ansaldi eingeladen Man feiert Ancia Marias Abschied, wobei er natürlich nicht fehlen darf. Sie ftat still und etwas blaß am Tisch, und um ihre Augen liegen tiefe Schatten Nach dem Esten findet sie Gelegenheit, mit Viktor einige Minuten allein zu fein Aber nun ist sie so aufgeregt, daß sie fein Wort hervorbringen kann, obwohl sie im Kopf schon längst alles auswendig hersagen kann, was sie ihm anvertrauen möchte
Plötzlich drückt sie mit einer ungelenken Geste ein flaches in Seidenpapier gehülltes Schächtelchen in seine Hand.
Dabei stößt sie hervor- „Sie dürfen es aber erst aufmachen, wenn ich fort bin. Versprechen Sie es mir!"
,Ha. Ancia Maria." Er ist überrascht und selbst erregt
„Und ..."
„Was denn? Sprich doch, nur."
„Darf ich Ihnen schreiben — einmal?"
,Lch würde mich sehr freuen."
„Wirklich?"
„3a. Ganz gewiß Ancia Maria."
„Und Sie werden auch mir schreiben?" Die Stimme überstürzt sich ..Bitte, bitte, Viktor, schreiben Sie mir. Ich werde sonst verrückt dort. Ich brenne einfach durch. Sie müssen mir schreiben, nicht wahr, bitte'"
„Ich will dir gerne schreiben' Ancia Maria."
NS<mle. Stecken Sie das rasch ein. Es soll nie
mand sehen. Niemand weiß es. Es ist nur ... damit Sie mich nicht vergessen "
„Wie könnte ich dich je vergeßen, Ancia Maria!"
„Oh, Viktor . v!"
Sie hat wieder nicht das gesagt, was sie hat sogen wollen. Aber Viktor kennt jedes Wort, das ihr Herz gefunden hat. Ihre Augen sind beredter als ihre Zunge, sie verraten ihr Herz. Was er selbst in diesen paar Minuten ihres letzten Beisammenseins empfindet, ahnt sie wieder nicht
Tatsächlich öffnet er ihr Geschenk erst, nachdem sie Genua verlassen hat Zur größeren Sicherheit hat sie bas Kästchen unter dem Seidenpapier noch einmal verschnürt und die Verschnürung versiegelt. Und auf der Rückseite des rosafarbenen flachen Kartons steht: Erst öffnen, wenn ich fort bin» — Überflüssige Vorsicht bei Viktors Zuverlässigkeit!
Das Schächtelchen enthält Ancia Marias Bild, nach einer guten Photographie klein auf Emaille gemalt in einem ovalen Goldrahmen Es ist wenig aroßer als eine Taschenuhr, aber ba es nur dey Kopf barstellt, unb von einem ausgezeichneten Künstler angefertigt worden ist, so bildet es doch eine starke, lebenstoarme Beziehung. Auf einer schmalen Besuchskarte, die beiliegt, steht in der (teilen Lateinschrift Ancia Marias: „Vergiß mich nicht. Ich liebe Dich!"
Was sie ihm unmöglich gestehen konnte, solange sie in seiner Nähe war, hier steht es in drei Worten. Drei Worte, die ihre Herbheit so schwer offenbaren konnte, daß sie sie aufschrieb und ihn bat, ihr Geschenk erst nach 'hrer Abreise zu öffnen.
Viktor hält Bild und Karte in den Händen wie Reliquien. Er gibt sich rückhaltlos dem überströmenden Gefühl hin bas er in Ancia Marias Gegenwart stets unterdrückt hat Er ist so jung in diesem schweigenden Taumel, baß er Dilb unb Karte an den Mund drückt und mehrmals Ancia Marias Namen vor sich hinflüstert.
Die Wochen vergehen, .und jede Woche bringt Viktor einen Brief aus der Schweiz, und jede Woche schreibt er die Antwort darauf Enzio ist schon im Herbst des vergangenen Jahres zur Kriegsmarine eingezogen worden und befindet sich augenblicklich auf längerer Auslandsreise mit einem Kreuzer. So fühlt sich Viktor noch einsamer als sonst und es ist ihm nur recht, daß Andreas An- jalbl noch mehr Arbeit auf seins Schultern ablädt.
Der alte Direktor Maretti hat einen kleinen Schlaganfall erlitten und «st von seinem Posten geschieden. Die Verantwortung für Viktor wächst mit den Stufen, die er hinaufklettert.
Seine angenehmste Erholung bilden die Stunden, die er mit Maria Ansaldi verplaudern darf Häufig sprechen sie dabei von Ancia Maria. Bald nach deren Abreise kommt es zu einem Gespräch zwischen ihnen, das für Viktor etwas Peinliches hat, weil es an fein Gewißen rührt
Maria Ansaldi sagt, leicht aus der Unterhaltung heraus: „Wissen Sie übrigens, Viktor, daß Ancia Maria einen Schwarm für Sie hat?"
Obwohl er überrumpelt ist und sich von mütterlichen Augen beobachtet weiß, vermag er ruhig zu antworten: „Ich glaube, das bemerkt zu haben, Frau Maria." Er lächelt sogar habet
Maria Ansaldi wird ernster: „Natürlich hat sie mir keinen Ton davon gesagt. Oh nein, bas bringt sie nicht fertig. In biejem Alter beginnen ja die kleinen Geheimnisse, an benen bie Eltern gewöhnlich zu allerletzt teilnehmen dürfen Ancia Maria ist jung, sie hat Phantasie unb ein sehr empfindsames Herz. Da ist der Hang zum Schwärmen unb zur Romantik besonders groß."
jawohl Aber Ancia Maria hat viel mehr als das. Sie hat Charakter "
Maria Ansaldi nickt: „Jawohl. Viktor."
Beide schweigen vor sich hin, beide denken über dasselbe nach: Daß Ancia Marias Charakter imstande ist, den Schwarm eines empfindsamen Herzens in eine ernsthafte und tiefe Liebe zu verwandeln.
XI.
Viktor fühlt, daß Bedenken in seiner Wohltäterin aufsteigen Er will sie zerstreuen- „Frau Mana, ich habe Ancia Maria versprechen müßen, ihr zu schreiben. Wahrscheinlich hat sie Ihnen auch davon nichts gesagt, und ich bitte Sie, keine Andeutung darüber in Ihren Briefen zu machen. Sie begreifen das doch, nicht wahr? Ich schreibe ihr also Aber ich versichere Ihnen, daß meine Briefe für sie lediglich einen Trost, einen Ausgleich für das Heimweh bedeuten, das jeden jungen Menschen packt, wenn er zum erstenmal von daheim fort ist Ancia Ma- rias Schwarm wird sich sicher schon im Laufe dieses Jahres verflüchtigen h
Maria Ansaldi lächelt wieder: „Sie sind ein guter
Mensch, Viktor. Ich danke Ihnen. Freilich, Ancia Maria ist noch viel zu jung, in gewisser Hinsicht ist sie noch ein vollkommenes Kind
»Sie haben recht", bestätigt er. „Wenn sie erst iit hie große Gesellschaft kommt, so wird sie von allen Seiten umschwärmt werden und wieder schwärmen. Da wird sie mich sehr rasch vergessen. Man darf so etwas nur nicht zu ernst nehmen."
_ So sprechen sie zueinander und wissen dabei, daß sie nicht ganz ehrlich sind. Was Viktor vorbringt, soll nur Maria Ansaldis Sorgen zerstreuen und fein eigenes Gewissen beschwichtigen. Aber beide kennen sie Ancia Maria viel zu genau, um nicht zu wißen, daß selbst die Siebzehnjährige oberflächlicher Gefühle nicht fähig ist.
Maria Ansaldi denkt, als Viktor gegangen ifte Man muß in Gottesnamen abwarten. Viktor unb sie — ja, sie paßten schon zueinander. Wenn er nur nicht zu alt märe!
Aehnlich denkt Viktor als er sich in Ruhe das Gespräch noch einmal durch den Kopf gehen läßt: Ancia Maria — ich wüßte kein liebenswerteres Geschöpf und keines, mit dem mich mehr verbindet. Aber ich bin zu alt für sie. Ich bin doppelt so alt wie sie Gleich darauf berichtigt er das Hindernis: Wieso zu alt? Laß hod) ein paar Jahre vergehen, und ich bin schon nicht mehr doppelt so alt. Ist es denn so unmöglich, daß ein unverbrauchter Mann von achtunddreißig ein Mädchen von einundzwanzig heiratet? So etwas kommt doch so oft vor, daß es fast schon all- täglich ist. — Noch denkt er diese Gedanken nicht ganz ernsthaft durch. Er spielt nur mit ihnen und wiegt sich in der einen Stunde in köstlichen Zu« funftsträumen, um in der nächsten darüber zu lächeln mit her Weisheit hes Alters.
Das Jahr geht vorüber. Ancia Maria schreibt aus her Schweiz ihren letzten Brief an Viktor, und er klingt um nichts anders als ihr erster, nur daß er naturgemäß ganz erfüllt ist von dem freudigen Ereignis ihrer bevorstehenden Heimkehr Sie teilt ihm auch ihre Ankunft in Genua mit, doch beutet sie nicht an, daß er sie abholen möge. Ob sie das wohl als selbstverständlich erwartet? Viktor schwankt, ob er an bie Bahn gehen soll. Sein Herz treibt ihn dtizu, aber fein Gewißen behält bie Oberhand Das Necht, nckch einer solchen Trennung bie einzige Tochter abzuholen, haben allein bie Ettern, meint er auch. (Fortsetzung folgQ


