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Nr. 20b Zweites Blatt Siebener Anzeiger (Seneral-Anzelger für SderWen) Sl. August /1. Septemder 1940

Vater und Söhne Schulter an Schulter.

Von Walter Bloem

Der bekannte Romanschriftsteller hat den ftrieg 1914/18 in vorderster Front mitge­macht, auch in diesem Kriege ist er wieder dabei, vom Hauptmann zum Major beför­dert, genau wie sein Sohn Kilian K o l l (Walter Julius Bloem), den er 1914 in Frankreich schwer verwundet selbst aus der Frontlinie zurücktrug und der nun in den Reihen der Luftwaffe steht.

Wenn sich in diesem Kriege zwei Soldaten tref­fen, -die beide das Ehrenkreuz des Führers mit Schwertern tragen und dazu wohl dasEiserne" oder einen der vielen Kriegsorden derHohen Ver­bündeten" des Obersten Kriegsherrn von 1914 so ist bestimmt eines ihrer ersten Worte:Wer von uns hätte sich träumen lassen, daß wir noch einen zweiten Krieg erleben würden und solch einen!"

Dann strahlen beider Augen. Aber um Stirn und Lippe gräbt sich ein scharfer Zug herben Sinnens: Wie schwer, wie bitter schwer haben wir's damals gehabt, fast viereinhalb Jahre lang und was haben wir davon gehabt?! Rur Schmerzen und Schmach. Und heute die Jungen, die kommen, sehen und siegen ... Was wissen die von unserem Höhlen­leben in Schlamm und Schnee, von unseren Dauer­schlachten, die durch soviel Monate währten, wie die jetzigen etwa Stunden brauchen?

Sind die Buben von heute, unsere Söhne, ja, mancher von uns Alten sieht schon Enkel neben sich kämpfen sind sie bessere Soldaten als wir es waren? Tapferer, zäher, kriegstüchtiger? Mancher Tannenberg- und Verdun- und Flandernkämpfer wird sagen: Rein, sie sind nicht besser als wir sie sind nur besser dran sie sind besser bewaffnet und vor allem: sie werden besser geführt.

Gemach, Kameraden von 14 bis 18. Sie sind auch bessere Soldaten, als wir es waren sein konn­ten.

Bestimmt nicht vom rein militärischen Standpunkt aus. Was die soldatische Leistung betrifft, so war und ist der deutsche Soldat des Weltkrieges der erste der Welt vom heutigen erreicht, übertroffen nicht.

Worin besteht der Unterschied? Der Soldat von damals -ahnte höchstens, wofür er kämpfte der heutige weiß es.

Wofür denn glaubten wir zu kämpfen? Für die Rettung unseres Vaterlandes vor dem Vernichtungs­willen der ganzen Welt. Das war ein reines Ver­teidigungsziel. Wir glaubten zu kämpfen für die Er- Haltung des Bestehenden aber an dies Bestehende selber glaubten wir nicht so recht. Es war auch nicht danach.

Das Vaterland, für das wir damals ins Feld xpgen, für das unsere edelste Jungmannschaft mit dem Deutschlandlied auf den Lippen gegen den Drahtverhau britischer Söldner anstürmte, gewiß, das war weit besser, weit fertiger als das unserer Ahnen, unserer Väter. Aber fertig war's noch lange nicht. Wohl schwuren wir damals schon:Wir wollen sein ein einzig Volk von Bründern" aber wir wußten, daß wir's nicht wären, und ahnten nicht, wie wir's jemals werden sollten glaubten nicht, daß wir's jemals werden könnten. Die Klüfte, die uns zerrissen, waren zu tief.

Wohl umschlang uns alle das Band der Reichs­verfassung nein: eben nicht uns alle, nicht ein­mal das. Die Ostmark, kerndeutsch und als Europas Wall gegen asiatische Ueberflutung in hundert Schlachten bewährt sie hatte draußen bleiben müssen. Und im Inneren deskleindeutschen" Reiches, wie stand's denn da? Waren wir ein Reich? Wir waren einBundesstaat". Er bestand aus vier Königreichen, aus Großherzogtümern, aus Herzog­tümern, aus Fürstentümern, drei freien Reichs­städten und dem ewigen Stiefkinde, demReichs­land" Elsaß-Lothringen. Jeder Staat hatte seine eigene Verfassung, ine auf ganz anderen politischen Weltanschauungen und Regierungssystemen aufge­baut war als die des Reiches. 22 Dynastien, ver­fassungsmäßig eingeschränkt durch 22 Parlamente, regierten nebeneinander und manchmal mehr oder

offen gegeneinander. Gab es doch zum Beispiel den Preußisch-Sächsischen Eisenbahnkriea" ...

Und die 65 Millionen reichsdeutscher Menschen, waren denn die wenigstens einig? Auch nur in den einfachsten Grundfragen? Weit gefehlt. Zur staat­lichen Zerklüftung kam die innerpolitische der ewi­gen Parteiung, kam als Vermächtnis des Refor­mationszeitalters die schroffe Trennung der religiö­sen Bekenntnisse, kam als letzter und tiefster Riß die soziale Spaltung, der Haß zwischenBour­geoisie^ undProletariat".

Konnte aus einem so zerrissenen Volk ein guter Soldat, ein oallkommenes Heer herausgezüchtet werden? Aber, schon im Frieden ein Wunder, so stark war im deutschen Blute die Kraft des ewigen Soldatentums, daß in zwei Dienstjahren aus Preu­ßen, Bayern und Lippe-Detmoldern, aus Katholiken und Protestanten, aus Konservativen und Sozis dennoch eine Armee sich zusammenschloß, die stand wie aus einem Span. Rur daß die heimge- kehrtenalten Leute" wieder der angestammten Zersplitterung verfielen.

Dann ist das noch viel größere Wunder gekom­men, das heilige, unvergeßliche des ersten August. Alle altgedienten Soldaten und mit ihnen die jungen Aktiven, die zu Hunderttausenden herbeiströmenden Kriegsfreiwilligen, sie waren plötzlich in Wahrheit und zum erstenmalein einzig Volk von Brüdern". Sie sind's geblieben bis zum letzten Kanonenschuß. Die Heimat aber war in die tausendjährige Zwie­tracht zurückgesunken und riß die heimkehrenden Frontsoldaten in ihre Wirrung hinein.

Doch unter denen allen ist einer gewesen, der hatte der deutschen Rot bis auf den Grund geschaut. Erentschloß sich, ein Politiker zu werden" er sagte der deutschen Zwietracht Kampf bis zur Ver­nichtung an und hat ihn gewonnen.

Was war es denn sonst als die Glut dieses einen, einzigen Herzens, die das größte aller Wunder voll­bracht hat, die Erfüllung der tausendjährigen deut­schen Sehnsucht das einige Großdeutschland?

Wenn man, wie das eine Besichtigungsfahrt des Reichsnährstandes und des Oberkommandos der Wehrmacht zeigte, von Belgien kommend auf Paris zufährt, so sieht man oft auf 50100 km links und rechts der Landstraße nichts wie seltsam blühende Fel­der. Man traut seinen Augen nicht und steigt aus, um festzustellen, ob hier tatsächlich Baumwolle wächst. Bei näherem Hinsehen aber erkennt man, daß es blühende Distelfelder sind. Disteln, verein­zelt als Unkraut in unseren Getreidefeldern, sind eine Erscheinung, die der deutsche Bauer und Land­wirt sehr ungern sieht. Er versucht sie deshalb im­mer wieder auszurotten. Ganze Felder aber wären für ihn der wirtschaftliche Zusammenbruch und der Ruin.

In Frankreich gibt es so etwas nicht erst jetzt, son­dern seit zehn und zwanzig Jahren. Die landwirt­schaftlich besten Provinzen sind meist davon befal­len, und diese Totalversteppung, wie man sie nennen kann, ist nicht erst durch die Kriegser­scheinungen bedingt. Wenn man sich durch Begehen der Felder selbst davon überzeugt, daß es b e st e r und schwerster Boden ist, den wir in Deutsch­land nur in der Magdeburger Börde finden, wenn wir weiterhin sehen, daß die klimatischen Voraussetzungen für hohe Erträge dort viel günstiger als bei uns im Reich sind, dann schüt­teln wir nur mit dem Kopf und begreifen diese Ver­wahrlosung der französischen Landwirtschaft nicht. Keine Strohstoppeln finden wir mehr am Boden,

Für das aber kämpfen wir heute wir alle, die Alten wie die Jungen, Front und Heimat. Der neue Krieg begann wie der erste: als reiner Ver­teidigungskrieg gegen den neuen Ausrottungsplan unserer alten Erbfeinde. Als aber unsere Gegner immer wieder aufs Reue des Führers freimütig dargebotene Dersöhnungshand zurückstießen da weitete sich unser Kriegsziel. Aus Verteidigung wurde Angriff, das kämpfende Deutschland, dem die Vernichtung zugedacht war nun muh, nun will es selber vernichten, um Raum zu schaffen für das neue, das ewige Heilige Reich deutscher Ration. Für das Reich unseres Führers.

Run wissen wir, wofür wir kämpfen und in dumpfer Vorahnung schon damals gekämpft haben! Es konnte nicht anders sein: diesem entschlackten, entgifteten, entsühnten Volke mußte ein noch besse­rer Soldat entwachsen als wir wahrhaftig sturm- bewährte Kämpfer von vierzehn bis achtzehn! Schon für das rein Körperliche, rein Technische des Kriegshandwerks ist der Zögling des Jungvolks, der HI, der jj und SA., des NSKK., des RSFK. und schließlich des Reichsarbeitsdienstes weit besser vorgeschult als die Rekruten der Vorkriegszeit^ die größtenteils jeder vormilitärischen Ertüchtigung ent­behrten. Gesinnungsgemäß aber kommt der Nach­wuchs des Führers nicht aus einer von uralten Gefühls-, Glaubens- und Ueberzeugungsklüften zerrissenen Menschenmasse, sondern aus einer ein­heitlich ausgerichteten Nation.

Aber, welches Glück! Inmitten der Jungen steht ja immer noch der alte Soldat, der im Sturm der Uebermate.rialschlacht hundertfach erprobte. Man­cher unter* uns hat vielleicht nach dem Zusammen­bruch von 1918 die Richtung verloren und an Demo­kratie und rote Seligkeit geglaubt. Das ist vorbei und verschmerzt. Alle sind wir eines Volkes, eines Herzens, eines Glaubens und Wollens. Der Alte steuert seine unvergessene Kriegserfahrung bei, der Junge seine unverbrauchte Spannkraft. Und Jubel! neben den Kämpfern des Altreichs sicht im gleichen grauen Kittel, vom gleichen Banner überflattert, der Soldat der Ostmark und all der anderen heimgekehrten Gaue. So kam das nie Er­träumte zustande: Ein Krieg, der eine einzige Kette strahlender Siege war und bleiben wird, bis das Reich der Deutschen ganz Gestalt geworden ist.

also mußten die Felder schon seit Jahren brach­liegen. Sie werden der. natürlichen Unkrautver- jamung überlassen und verwildern. Teilweise sind die Halme länger als ein ausgewachsener Mann.

Aber nicht nur die Aecker sehen so aus, auch d i e Viehweiden beginnen schon zu versteppen, ob­wohl man dort durch Austreiben von Vieh und ein einmaliges Abmähen wieder eine natürliche Pflege erzielen könnte. Aber nichts von dem geschaht. Man sieht auch kaum Menschen auf den Feldern. Wenn wir dann französische Bauern, meistens sehr alte Leute fragen, dann sind sie erstaunt, warum wir diese Frage überhaupt stellen. Für sie ist diese Er­scheinung nichts Neues, sie kennen sie seit Jahr- zehnten. Sie erzählen uns auch, daß dies nicht erst seit dem Krieg so ist, sondern Frankreichs Land­wirtschaft durch seine verantwortungslosen Regie­rungen seit Jahren dem Ruin nahegebracht wurde.

Ein vielfach größeres Kolonialreich als die Hei­mat verleitete die Expansionspolitiker zu dem Ge­danken, alles durch Kolvnialvolker erzeugen zu lassen. Angeblich war die Ware billiger, auch wenn sie höheren Qualitätsfvrderungen nicht gerecht wurde. Außerdem verdiente man mehr an dem Handelsgeschäft, weil die Ware infolge des länge­ren Transportes durch mehrere Hände laufen mußte, als es bei der Erzeugung durch die eigenen Bauern der Fall gewesen wäre.

Zweieinhalb bis fünf Pfennig bekam der fran­zösische Dauer für den Liter Milch. Der deutsche

Disteln statt Getreide.

Die Verwahrlosung der französischen Landwirtschaft.Fahrt durch verwilderte Felder. Volk des verkommenen Bauerntums.

NSK.-Sonderbericht von Dr. F. Lorz.

Der Glaube an das ewige Deutschland.

Von Joses Magnus Wehner.

Wenn einer meiner Ahnen aus dem Grabe auf» erstünde, vor mich hinträte und mich fragte, warum jetzt wieder Krieg über der Erde sei, dann würde ich ihm antworten:Weil alle Deutschen aufgestanden sind, das ewige Reich der Deutschen zu errichten." Und wenn er mich wetterfragte, warum ich denn ün das ewige Deutschland glaube, da doch alles vergänglich sei und Geschlecht um Geschlecht in die Grube hinabmüsse, auch die Länder und das Meer und endlich die Erde selber als zersplitternder Stern, da würde ich ihm sagen:

Die Zeit steht in Gottes Rat, und er hat uns Lebendigen nicht verraten, wie weit er sie spannen will, ehe er sie in die Ewigkeit heimholt. Solange aber die Sonne über der Erde steht und Gottes Kraft in die Räume strahlt, fo lange werden wir Deutsche leben und das Reich haben, und das Reich ist unsere Ewigkeit.

Wir hatten es einst viele Jahrhunderte lang; es wurde uns genommen, weil wir in uns selber un­einig wurden und wider uns selber aufstanden. Aber die das Reich von uns nahmen, haben der Welt nichts gebracht als Krieg, Erpressung, Gewalt und Not; sie haben ihre Herrschaft auf das Gold, die Lüge und die Uneinigkeit der Völker gegründet; darum kehrt es in diesen Tagen zu uns zurück, das heilige Reich, die Mitte der Welt.

Siehe, mein Ahn, den Deutschen! In allem was er tat, dachte er meist an die andern, die Fremden; er hat ihnen die Erde unterwerfen helfen, der gute Krieger. Aber vergiß nicht, er dachte immer an Die Dränung der Welt, und selbst, wenn er von sich fei- der abfiel, glaubte er der Gerechtigkeit des Welt­ganzen zu dienen. Kein anderes Volk fühlt |o brennend die Verantwortung für das Weltganze, kein anderes hat so inbrünstig die Schöpfung mit allen Geschöpfen, ja Gott selber in feine Hut ge­nommen und für die entferntesten Dinge gekampst wie das deutsche. Wir sind das liebesfähigste unter allen Völkern, darum wurden wir oft betrogen, uiu) wahrend die anderen das Land und das Meer nay- men, blieb uns die Luft. >.

Weil aber die Welt nicht leben kann ohne Die Herzhaftigkeit, Treue, Gründlichkeit und Traulich­keit des Deutschen, darum glaube ich an das ewige

Deutschland, und darum hat Gott nun auch zuge­lassen, daß wir aus der Luft heraus auf unsere Feinde niederfahren, die die Feinde der Welt und des Lebens und jeder gerechten Gemeinschaft sind.

Sie werden nun durch ihre Lüge selber gerichtet, die andern. Solange haben sie die Welt über den Deutschen getäuscht, bis sie selber blind wurden und unser Wachstum und unsere Einheit überhaupt nicht mehr sahen. Wen das Schicksal stürzen will, den verblendet es vorher. So geschieht ihnen nun recht.

Wir aber haben auf die Dauer gesonnen; wir wollten, daß das Leben in den Völkern daure, frei und groß und aus der eingeborenen Herrlichkeit und aus der Macht der natürlichen Ordnung, die e i n Volk über das andere stellt nach dem Werte seiner Leistung. Wir haben an die großen Lebens­gemeinschaften geglaubt, die jene künstlich zerschnit­ten durch unselige Verträge. Wir haben zäh und still diese Lebensgemeinschaft zuerst in uns selber aufgebaut, indem wir die innig glühende Volksge­meinschaft in unserem Staate gründeten Weil der Führer an die ewigen, unzerstörbaren Werte des Menschen in der Gemeinschaft glaubte, ist ihm der Ewige selber entgegengekommen und hat uns zum Sinnbild und Gleichnis unter den Völkern erhöht. Unser Beispiel aber soll wirken an.der Wende der Zeit: darum glaube ich an das ewige Deutschland.

Wir kennen die Kunst der Lüge die List des kleinen Vorteils, die Behaglichkeit selbstsüchtigen Ge­nusses, die fromme Heuchelei, die unritterliche Grau- famfeit nicht. Die Triebkraft des Haf -- ,st uns fremd, ebenso wie die greisenhafte Künstlichkeit der Gedanken und die Angst ihrer, Sicherungen. Frei und kühn gehen wir vor dem Schicksal emher, un­tere Entscheidungen waren immer gültig für Die Welt solange wir dem eigenen Gesetze, dem eigenen Volke, treu blieben: darum glaube ich an das ewige Deutschland. .

Ich glaube daran auch darum, well wiramttef- ften gelitten haben, weil wir der Welt die Musik chenkten weil die übrigen Künste fung und frisch sind und auch im Kriege den Lorbeer der Musen nicht vergessen, sondern wie die Buhnenkunst die Baukunst die bildende Kunst im unberührten Glanze ihres Frühlings stehen kurz, well das ganze deutsche Volk sich aufgemacht hat, dem ewigen Deusichland die Unsterblichkeit neu zu rüsten. Das Heer hat endlich das Meer erreicht, die alten Gren- in blitzen auf von Flandern bis nach Burgund, freier Atem durchströmt den ganzen Volkskorper, der Aufstieg ist den Tüchtigen gesichert.

So ist das Opfer der Jahrhunderte erfüllt, der

Tod aller Helden ist gesühnt, die Zwietracht ver­söhnt und gemeinsam münden die Schicksalsströme der Vergangenheit in das Jahrtausend des Volkes. Unsere Taten und Tage sind zum Sinnbild gewor­den, nie wird ihr Ruhm verlöschen und das Ge­schlecht des Opfers und der Pflicht wird fortleben, solange Menschenvölker auf der Erde wohnen.

Die englische Landschaft..

Von Richard Gerlach.

Als ich vor Jahren in Harwich das Schiff verließ und auf den Zug nach London wartete, standen die Dinge auf ejnmal anders da, als noch vor einigen Stunden in Holland. Es war wie bei jenen photo­graphischen Linsen, die nur die Mitte scharf zeich­nen, nach den Rändern zu aber die Konturen ver- schwimmenlassen. Jede Erscheinung trat wie aus einem ungewissen Nebel ans Licht. John Constable und William Tümer haben so gemalt, mit zarten, wässerigen Farben mehr das Atmosphärische hin­hauchend, als Kontur um Kontur bis in jede Bild­ecke festhaltend. Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft gab dem Licht eine Brechung, die verschleiernd das Ueberdeutliche einhüllte. Wenn man-nahe heran­trat,. konnte man die Mitte des Sichtbaren fassen; aber das übrige blieb halb verdeckt wie hinter Wol- kenvorhängen.

Das Nebelhafte bleibt auch an Sonnentckgen noch zu spüren, ein Rest des bleichen Dunstes verdeckt die Welt hinter den Hügeln. Das Land ist fast überall gewellt, und die Senken entziehen sich dem Ausblick. Oft drücken Regenwolken herab, und die Büsche und Bäume ducken sich. Die Farbe des grü­nen Grases bekleidet fast überall den Boden. Die Aecker treten dagegen ganz zurück. Auch Wälder sind selten. Dafür sind einzelne Baumgruppen ein­gestreut. Eiche für Eiche im Park steht für sich, und dazwischen verschränkt sich vielleicht das Gewirr des Farnkrautes. Das halb Verborgene und nach allen Seiten Verdämmernde wird plötzlich durch ein Bün­del Sonnenstrahlen durchbrochen, und dann blendet eine übernahe Wirklichkeit.

Zu dieser Landschaft gehören die Flüsse, die sach­ten, langsam in vielen Windungen unter Weiden­ufern dahinkriechenden Flüsse, in denen sich die Wolken spiegeln, und die zitternde Espe drüben, und dahinter das efeuverdunkelte niedrige Haus. Ein gemächlich dahintreibender Nachen mit einem Angler darin und die über den Hügel trottende

erhält im Durchschnitt 13 Pfennig. Man wundert sich deshalb gar nicht, wenn die französische Land­wirtschaft in Den dicht besiedelten Gebieten vernach­lässigt ist und wenn der Bauer sich einseitig auf den Weizenbau eingestellt hat. Drei, vier Jahre hintereinander baute er auf ein und demselben Felde meist Braunweizen an, der quali­tativ gut war und auch einigermaßen Absatz bei relativ günstigen Preisen fand. Man muß wissen, daß der Franzose reiner Weizenbrotesser ist und glaubt, ohne dieses Erzeugnis nicht auskommen zu können.

Die Besitzverteilung ist, wie wir verein­zelt bei dieser Fahrt feststellen konnten, die denkbar u n g ü n ft i g ft e. Oft. find es Riefengüter, die dann in Parzellen an arme Bauern verpachtet wurden. Die

das vornehme 10670

-2 Familien -Cat6 in Gießen

Besitzer sebst sitzen irgendwo an der Riviera und ver­jubeln ihren Pachtzins, während der Bauer selbst unter ihrer Zinssron zusammenbricht. Eine Land­flucht unerhörten Ausmaßes stellen wir außerdem fest.

In dem Dorfe Graoelotte aus dem Einigungs­krieg 1870/71 bekannt besuchen wir einen Bauern­hof, der einem Nationalfranzofen gehört, sehr gut mit Maschinen besetzt, 85 Hektar groß, für unsere Begriffe also ein Großbauernhof ist. Nach Befragen des Volksdeutschen Melkers, der dort tätig ist, stel­len wir fest, daß diese ober jene Maschine seit zwei Jahren schon nicht mehr gebraucht ist, im Freien steht und verrostet. Der überdachte Maschinenschup­pen ist zum Teil ohne Dachziegel, ein Bild, das man in diesem Lande öfters antrifft. Man glaubt auf den ersten Blick, hier hätten Kampfhandlungen stattge­funden, und das Dach sei eingeschossen worden. Aber das ist nicht der Fall. Man hat, weil auf dem Dach des Wohnhauses ein Teil der Ziegel beschädigt war, einfach die Ziegel vom Dach des Maschinen- schuvpens abgenommen und damit das Dach des Wohnhauses ausgebessert. Der Maschinenschuppen interessiert eben den Besitzer nicht mehr.

Am stärksten, tritt der Unterschied in den land­wirtschaftlichen Anbaumaßnahmen in der Magi- notlinie und dem Westwall zutqge. Auf franzö­sischer Seite ist von der Grenze an eine Zone von 16 Kilometer Tiefe vollkommen verwahr- l o ft, kein Halm Getreide ist angebaut, die Ställe und Dörfer sind ausgestorben. Im Westwall­gebiet dagegen wächst dank des Einsatzes der Front­bauern durch den Reichsnährstand Weizen und Ha­fer bis zum vordersten Bunker; teilweise sogar auf Den Bunkern. Auch die Ernte wurde zum Teil wäh­rend der Kampfhandlungen eingebracht.

Deutscher Organisationsgeist und deutsche Schaf­fenskraft unterscheiden sich eben vom französischen Genuß- und Wohlleben, eine Tatsache, die für die Franzosen den Verlust, für uns den Sieg in diesem Kriege brachte.

* Mondamin-Puddingpulver gibt cs aufdie Abschnitte N 21 u. 22 der Nährmittettarte

Schafherde vervollständigten damals in den fried­lichen Zeitläuften das Bild einer Idylle, die inzwi­schen verflogen ist.

Wer einmal vom Flugzeug aus die deutsche ober bie italienische Landschaft unter sich gesehen hat, erkannte auf das genaueste die ©emarfungslinien der Felder, zum Zeichen, daß jeder Fleck Erde genützt war. In England gibt es fein ähnliches trenges Gefüge des Bauernfleißes. Dem Groß­wundbesitz genügt die Unermeßlichkeit seiner Wie- enparke für bie Haltung ber Pferde unb Kühe.

In biefer Hügellanbfchaft ist kein Ort weiter als zwei Autostunden vom Meer entfernt, unb ber Jnselcharakter verleugnet sich nirgends. Immer wie- ber einmal erinnert eine vorübersegelnde Möwe daran, daß die See nahe ist. So gehört die Küste mit ihren Buchten und steilen Klippen ebenso selbst- verständlich zu der Landschaft wie in Deutschland etwa der Wald. Wenn die Schiffe nicht mehr aus» laufen und die Häfen ftiUgelegt sind, verliert das Land seinen Atem.

Das Zwielichthafte und Gespenstische des nebel­haften englischen Daseins, das dem Europäer vom Festland schemenhaft starr und undurchschaubar er- scheint, ist in der feuchten Luft der Insel geworden. In der Idylle gediehen prächtige Blumengärten, und die Kletterrosen umrankten ein reserviertes Plätzchen süßer Selbsttäuschung.

Eine Landschaft, die zum Zeitvertteib der be­güterten Städter da zu fein schien, erinnert sich jäh an die Stürme, die über sie dahinhrausten, an die Stürme, die bevorstehen.

Zeitschriften.

Die3 n n e n D e f o r a t i o n", Zeitschrift für behagliches Wohnen (Vrrlagsanstalt Alexander Koch G. m. b. H., Stuttgart) widmet ihr Auguschest vollständig der italienischen Raumkunst auf der VII. Mailänder Triennale. Das reiche architekto­nische und kunsthandwerkliche Können, über welches das neue Italien verfügt, kommt in wertvollen Proben zur Anschauung, namentlich auf dem Ge­biet der Hotelzimmereinrichtung, die ja für das klassische Land des europäischen Fremdenverkehrs eine besonders wichtige Rolle spielt. Daneben sieht man das können der italienischen Architekten sich vorbildlich an solchen Ausgaben bewähren, deren Lösung ein technisches oder ingenieurmäßiges Den­ken verlangt. In einer Reihe von Luxusgeräten be- kundet sich das hochentwickelte italienische Kunst- handwerf.