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UrJ52 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

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Heuwetter kommt, überall auf den Höhen klingen die Dengelhämmer. Einer fängt an, ein Zweiter und ein Dritter schlägt kunstvoll dazwischen, und zuletzt wird ein Gesang daraus, eine schöne und starke Mu­sik über dem schwirrenden Chor der Grillen.

Das erste, was dem Mäher gebührt, ist ein Platz an der Muspfanne. David weiß, daß ihm diese Ehre nicht zukommt. Sein Werkzeug ist noch der Rechen, er sorgt für den Wasserkrug und bringt den Jausen­käse auf das Feld, wenn die Leute im Zaunschatten rasten. Aber diesmal hat die Köchin auch für ihn einen Löffel auf den Tisch aelegt.

den. In Polen ergab der Aufmarsch der Deutschen schon den Ansatz zur doppelten Umfas­sung, die dann über weite Räume hinweg den Polen jeden Rückzug verlegte und sie in verschiede, nen Einzelschlachten einkreiste. Im W e st e n wurde erst durch den Durchbruch durch die feind- liche Front eine Umfassung möglich gemacht. Sie entstand aus dem Stoß bis an die Küste. In beiden Fällen schuf die richtige Verwertung der neuen Kampfmittel, aber auch die Beherrschung der Nach.

richtenmittel die Möglichkeit, alle Schwierigkeiten zu überwinden und eine außerordentliche Schnellig« feit des Vyrgehens.

Selten war in Vernichtungsschlachten auch den großen Feldherren vollkommenes Gelingen wieder- holt beschieden dem heutigen deutschen Heer widerfuhr dies bei seinen beiden bisherigen großen Operationen. Schon darin lag ein Ausnahmeglück. Aber die Maischlacht in Flandern und im Artois wurde an sich ein Sonderfall. Nie zuvor ging ein Millionenheer in einheitlicher Niederlage zugrunde^

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Wie geistig und politisch rückständig die englischen Kriegshetzer sind, ergibt sich aus einer Bemerkung derTimes" über die von Napoleon eingeleitete Kontinentalsperre gegen England im Vergleich mit dem Hinauswurf aus Europa nach dem Waffenstillstand Frankreichs vom 24. Juni 1940. DieTimes" meinen Nämlich, daß, nachdem Napo­leon die Besetzung aller Küsten gegenüber England erzwungen hatte, nicht ein siegreicher Einbruch in England das Ergebnis gewesen wäre, sondern Trafalgar. Es könnte den Engländern gefallen, daß sich alles das in der Geschichte wiederholt, was ihr Nutzen und ihr Vorteil ist. Die Kontinentalsperre Napoleons war von Beginn an e i n M e s s e r ohne Klinge, denn England war nicht auf den Außenhandel angewiesen, war vor allem nicht ge­zwungen, seine industriellen Rohstoffe und seine Le­bensmittel in der Hauptsache aus Uebersee einführen zu müssen. Aushungern konnte die Kontinentalsperre Napoleons England bestimmt nicht, denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in England noch Kör­nerbau, war es auch nicht so übervölkert wie das heute der Fall ist. Außerdem war hie Kontinental­sperre lückenlos nur an der französischen Küste or­ganisiert, während aus dem übrigen Europa sowie aus Uebersee Waren aller Art teils offen, teils auf dem Schmuggelwege nach England gelangen konn­ten. Im übrigen hat der Seesieg Nelsons bei Tra­falgar zwar die französische Flotte vernichtet, der englischen Flotte nach Lage der Sache damals und später die Herrschaft gebracht, aber der Zusammen­bruch Napoleons ist nicht ein Ergebnis der eng­lischen Verteidigung gegen die Kontinentalsperre, sondern Napoleons Niederlage begann in Rußland, um über Leipzig bei Belle Alliance zu enden. Jeden­falls war aber auch die stark durchlöcherte Konti­nentalsperre Napoleons gegen England so wirksam, daß England bei der Entscheidung gegen Napoleon zu Lande so gut wie gar nicht eingreifen konnte.

Es ist auch nur ein schwacher Trost, den die Pluto­kraten sich selber spenden, wenn sie glauben, die Kontinentalsperre, die am 9. April 1940 mit der Besetzung Dänemarks und Norwegens eingeleitet wurde, die im Mai und Juni 1940 ihre Fortsetzung über Holland, Belgien und Frankreich fand, um nach dem Eintritt Italiens in den Krieg gegen England

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auch das Mittelmeer für England abzusperren, sei nur eine Neuauflage des napoleonischen Versuchs. England ist heute auf den Außenhandel angewiesen, wobei zu beachten ist, daß, wenn der Außenhandel mit Europa ausscheidet, ein Ersatz schon wegen des Mangels an Schiffsraum nicht ohne weiteres in anderen Erdteilen zu finden ist. Die Sperrkette im Mittelmeer behindert auch den Ver­kehr mit dem Nahen Osten sowie mit den wichtigsten Dominions und Kolonien Englands. Der Weg um das Kap der guten Hoffnung ist nicht nur sehr lang, er kann sogar empfindlich gestört und unterbrochen werden. Weiter kommt hinzu, daß der Außenhandel' Englands mit Südamerika mit dem Wettbewerb der USA. und Japans zu rechnen hatte. Churchill läßt zwar noch immer Nachweise über den englischen Außenhandel veröffentlichen, mit unwahrscheinlich hohen Ziffern in der Gesamteinfuhr und -ausfuhr, allein diesen Ziffern fehlt jede Beweiskraft. Gerade der Außenhandel mit Europa sollte für England nach der Kriegserklärung gegen Deutschland der wirt­schaftliche und finanzielle Rückhalt sein, um den Krieg gegen Deutschland siegreich beenden zu können. Mit allen Ländern Europas hat England deshalb versucht, neue Verträge oder Abkommen abzufchlie- ßen, deren Zweck es war, Deutschland jeden Rück­griff auf die wirtschaftlichen Kraftquellen Europas unmöglich zu machen. Heute steht sich England von allen diesen Kraftquellen ohne jede Ausnahme ab­geschlossen. Wo noch eine Lücke ist, da wird der eiserne Ring sich über kurz oder lang ganz fest schließen. Was aber die deutsche Gegenblockade in wirtschaftlicher Hinsicht nicht erreichen sollte, das wird bestimmt eine Waffe vollenden, über die Na­poleon noch nicht verfügen-konnte: die Luft­waffe. England ist heute keine Insel mehr, wie noch zur Zeit des Korsen. Das ist der große Unterschied.

brauchen!"

Oh, David darf sich eine Sense aussuchen, einen eigenen Wetzstein bekommt er in den Kumpf, und jetzt ist er so gut wie jeder andere Knecht, das wer­det ihr gleich sehen! Natürlich kann David schon lange mähen, daran fehlt es nicht, aber es ist zweierlei, ob man nur einen Korb Grünfutter einbringt, -der ob man eine frische Wiese vor sich hat, unabsehbar im Zwielicht des Morgens, eine rauschende Gräser­flut, von Wucherblumen und Schierling weiß uber- schäumt. David kommt neben die Magd zu stehen, die ein fülliges Frauenzimmer ist, eine Bärin im Vergleich zu ihm. Sie hat ihre Röcke aufgesteckt und lacht ihm gutmütig zu.So, mein Bürschchen", sagt sie,jetzt zeig, daß du deine Hosen verdienst!'

Anfangs geht es David prächtig von der Hand, er hält Schritt in der Reihe und. überholt sogar den Pfarrer ein wenig, der freilich im Nachteil ist, weil er nichts im Magen hat. Er muß nachher erst die Messe lesen. Das Gras ist noch taufeucht und frisch, es drückt sich von selbst in die Umarmung der Sense, seufzend fällt es zusammen. Bei einem richtigen Mäher ist die Gasse vier Schritte breit und wie aus- aekehrt, nebenher läuft eine schnurgerade Zelle Heu. Er versteht es, die Schneide zu schonen und den Maulwurfhaufen auszuweichen, den Ameisen, die im Feld ihre Erdhügel aufbauen. Breitbeinig, mit schwingenden Knien, setzt er Schritt vor Schritt Dann stellt er die Sense auf, er säubert das Blatt mit einem Büschel Gras und schärft den singenden Stahl und gönnt sich einen Augenblick Rast im frischen Wind.

Aber die Sonne steigt hoher, sie lastet schwer im Nacken und macht das Gras sperrig, jetzt wird die Arbeit sauer bis zur Jausenzeit. David ist todmüde, das Blut steigt ihm schwarz in die Augen, aber er hält aus, gelassen setzt er sich unter die Stauden wie es die anderen tun, und nur ferne Hande schiebt er in die Taschen, damit man die Blasen nicht sehen kann Nein, er will nichts essen. Am liebsten mochte er schlafen, oder nur so liegen, platt auf der Erde, nur lange so liegen. Von weither hort er die Leute schwatzen und lachen, der Himmel dröhnt von lauter

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David im Heu.

Von Karl Heinz Waggerl.

| 2s gilt jetzt an andere Dinge zu denken, der 1 Fahling ist mit Macht und Glanz gekommen.

Überall im Tal sind die Höfe weiß umkränzt von ?|, bl henden Bäumen, die Felder färben sich, schon Kl tauscht der Wind im jungen Gras. Es scheint kleine II ö.itenblättchen aus dem gläsernen Himmel, die |»}ft ist voll von saftigen Gerüchen und vom unge- |pi nen Geläut der Bienen. Nachts ziehen die Bur- | ihm Arm in Arm durch das Dorf und fingen, und 11 uDere antworten ihnen von weither aus den (9e= |l leiten.

I Um diese Zeit werden auch die Alten im Armen- | saus wieder lebendig, sie versuchen noch einmal die I kuschen Knochen und schwärmen aus. Kartoffeln I nn Rüben müssen gesetzt werden, in den Gärten | D.idjert schon das Unkraut bei so einer SRärme, jo liiaem prächtigen Wachswetter in diesem Jahr. Es I ü überall Not an Leuten, sogar die Bauern kom- | wm in das Dorf und fragen herum, helft uns einen I lato en Tag! Da stehen dann die alten Kerle neben- timnber in den Furchen, ausgetrocknet und krumm | v seltsame hochrückige Tiere. Sie bringen ja nicht

: oom Fleck, aber sie machen ihre Arbeit gut, wie Uvssrüher ihre Art war.

i Umständlich drehen sie jede Kartoffel in der zittern- Ip Hand und betten sie forgfältig ein. Für sie ist III '9 nichts Geringes mehr, so eine Knolle in der K»fr*e, die dann keimt und wächst und wieder Knol- r bringt, zehnfache Ernte. Man muß selber alt sein ein mühseliges Leben hinter sich haben, ehe man

Besteht, was das heißt: Frucht!

B Manchmal geraten sie plötzlich aneinander, die ®nne heizt ihnen ihre kahlen Schädel, und dann N -)1: es unversehens Streit auf dem Acker.

B Du Krautscheuche", sagt der eine,du willst mir 3 «iren geben? Ich habe schon bei den Kaiserlichen |p ient", sagt er,da warst du noch grün und i|pim in deinen Windeln!"

| - ber für den anderen ist das gar nichts, er pfeift l'h die Kaiserlichen und auf alles miteinander... B 'mm nur her, du!" schreit er.Ist das dein Hm- rp, oder dein Gesicht, was ich da sehe?"

I ^ie stehen sich schwankend gegenüber und schwm- Mki die Arme, und ihr Schnurrbärte zittern vor «Pin. Es ginge nicht ohne Blut und Totschlag ab, m die Knie noch standhielten. Aber eine Weile B'fcier tauen sie wieder friedlich ihren Tabak im Mnlosen Mund.

in .'^dessen aber dreht sich der Turmhahn dem Ost- Ill entgegen. Die Schwalben fliegen hoch, und der Mp'er schreit nicht mehr, der verrufene Regenvogel.

angesetzte rechte Flügel der Italiener eintrifft. Selbst die Teilschlacht ergibt daher keine Vernich­tung. Dagegen gelingt sie, als nach dem Siege des linken Flügels in der Schlacht in der Enderta Teile des Siegers nach rückwärts gegen die feindliche Mitte umschwenken und diese nun in der zweiten Schlacht in Temdien tatsächlich eingekreist und er­ledigt wird.

Im ost asiatischen Konflikt suchen die Japaner dauernd solche Ergebnisse zu erzielen, im allergrößten Maße in der Schlacht von Hsüt- schau im Frühjahr 1938, bei der sie die an der Lunghai-Bahn versammelten Chinesen durch gleich­zeitigen Angriff von Norden und Süden in breite­ster Front mit dem Schwerpunkt im Westen von ihren rückwärtigen Verbindungen abzuschneiden und einzukreisen suchen. Wie bei vielen anderen ihrer Unternehmungen scheitert der Plan an der im Ver­hältnis zu den Räumen allzu geringen Stärke und daran, daß die Chinesen ihre Hauptkräfte wieder rechtzeitig zurückziehen.

Im Kampfe gegen die Einkreisung erzielte das deutsche Heer im polnischen Feldzug und ' jetzt im Westen Vernichtungsschlachten. Sie grün­deten sich auf die Führungskunst und den Willen, den Gegner in kürzester Frist entscheidend zu schla­gen. In annähernd derselben Zeit war beide Male dieses Ziel erreicht; in Flandern in noch größerem Maße und in geschlossenerer Form als in dem über weitere Räume sich erstreckenden polnischen Feld- Hug. Und doch waren die Grundlagen, auf denen iese Siege aufgebaut wurden, im einzelnen verschie-

oom Menschen ab! Man griff sich an den Kopf, wo nun alles rundum ging! und behielt gerade noch so viel Geistesgegenwart, um sich schnell ein Bittet in den Zoo zu kaufen. Das tat auch ich.

Ein junger Mann aus der Menge, mit eingehäng­ter Braut und aufgesetztem Strohhut (beides sicht­lich neu angeschafft), suchte sich heroorzutun, indem er seinen Hut immer wieder zwischen die Stäbe hielt und vor dem Griff des Affen schnell wieder zurück- zog. Die Braut und die Umstehenden lachten herz­lich, während der Affe die Lippen zu einem Schnat­tern vorwölbte und fo still-böse dasaß, daß die Hand mit dem Strohhut sich endlich ganz nahe an ihn heranwagte.

Mit einem Ruck riß der Affe plötzlich den Stroh- Hut an sich: die Menge applaudierte, der Kopf ohne Hut wurde purpurrot und lächelte säuerlich. Und wirklich, jetzt sah man, daß der Affe sich doch kon­zentrieren konnte!

Nicht auf den Strohhut den würdigte er keines Blickes und hielt ihn bloß fest in den Händen, nein, sondern auf den zornroten Kopf des jungen Mannes mit eingehängter Braut! Mit raffiniertem Genuß und intelligentem Blick fixierte er diesen Kopf und begann nun langsam, ohne das Auge vom Bräutigam zu wenden, Streifen um Streifen oom Strohhut (einer sogenannten Kreissäge) abzu- reißen. Sie sahen sich starr an, das Gitter zwischen ihnen: der Affe war frei, denn er machte mit dem Strohhut, was er wollte; der Mensch war aefan­gen, denn er war von seinem Strohhut abgesperrt, konnte wegen der Ehre und festeingehängten Braut nicht fliehen, und wurde ausgelacht wie nur ein Schimpanse im Käfig! Ritsch! das schwarze Band ging in Fetzen. Ratsch! das Schweißleder ward krachend herausgerissen. Dann wurden die Füße in den Hutboden gestemmt, die Hände packten die Seitenwand und krach! zerfiel der Hut in feine Bestandteile. Und während dieser ganzen fieberhaften Arbeit hatte der Affe nicht einen ein­zigen Blick auf sie geworfen, sondern nur Wonne aus der Wut seines Gegners getrunken und sich keinen Haß-Strahl aus dem Menschenauge entgehen lassen. Dann sammette er das Unglückshäufchen mit einem Griff zusammen und reichte es dem Manne gleichmütig aus den Gitterstäben heraus. Und dieser wies die Reste nicht von sich, sondern ergriff sie bebend, um sich beim Wärter zu beschweren. Er zog mit eingehängter Braut ab. Der Affe aber war wieder ein zerstreuter Affee geworden, suchte be­reits aufmerksam feinen Ellbogen ab und machte sich jetzt mit einem Sprung auf die alte Tour über Leiters Stange, Treppe und Trapez, wobei er den Schweif seines baumelnden Bruders kunst­voll als Seilstrippe mitbenutzte.

Licht und Glanz, es riecht nach Schweiß, nach Heu und scharfem Käse. Morgen! härt er die Leute sagen und seufzt. Aufbreiten und wenden, was meint der Pfarrer, wird das Wetter halten?Du, David, du verstehst dich ja aufs Wasserriechen!"

Ach, laß ihn, Theres!" sagt der Knecht.Er hat dich ja doch ausgemäht, gib es nur zu!"

Nun, das ist zwar zuviel gesagt, vielleicht tut es der Knecht auch gar nicht David zuliebe, wenn er so übertreibt, aber Agnes kommt doch mit dem Krug zu ihm,trink einmal, David, es ist kalter Kaffee!"

Hände und Glieder schmerzen nicht mehr, wenn Agnes so sagt.

Nachmittags ist die Arbeit leichter, man geht zu Paaren nebeneinander her und wendet das knisternde Heu, dabei läßt sich gut über allerlei reden, wenn man über den Anfang hinaus ist.

Sermchiungsschlachten.

Don Oberst Rudolf Ritter v. Xylander.

Die Vernichtung eines Heeres bedeutet nicht, daß i ne. sämtlichen Angehörigen tvtyeschlagen werden, mbern daß ihre Kampfkraft für ihr Vaterland pllig ausfällt. Werden Heere jeder Möglichkeit zu i mpftn ober zu leben beraubt, so tritt dieser Zu- nnb ein. Die Gefangennahme bildet den sichersten . Schluß einer solchen Unternehmung; aber auch die s.jbrängung von allen Versorgungsmöglichkeiten er das Hineindrängen in das Gebiet eines dritten (laates, der ein Weiterkämpfen der ungebetenen jäfte mit feinen Machtmitteln verhindert, können , diesem Ergebnis führen.

Zu allen Zeiten sehen wir Feldherren bestrebt, fcem Gegner ein solches Schicksal zu bereiten, wenn Gesamtlage es irgendwie gestattet. Beschränken Lr uns hierbei nur auf die Zeit seit dem Auftreten n";er Heere um die Wende zum 19. Jahrhundert, inben wir, wie N a p o l e o n I. den ersten Feld- ag, den er mit der Großen Armee 1805 gegen (e'fterr ei d) führt, schon im Aufmarsch fo ansetzt, tjj beim Vorgehen über den Rhein fein durch die f ranziehung des Korps Bernadotte aus Hannover urftärfter Flügel die vermutliche feindliche Auf­füllung zwischen Schwarzwald und Iller umgeht. 2-r österreichische General Mack duldet pafsiv, daß js Netz sich über seiner rechten Flanke und hinter j-nem Rücken zusammenzieht, und wird von der fischen seiner Armee und deren Heimat angelang- ti französischen bei Ulm zur Kapitulation c zwungen. Auch für den Krieg gegen Pr e u- n im folgenden Jahre entsteht aus dem Vor- tnrfd) des Kaisers zwischen Franken- und Thürin- t: Wald bei Jena und Auerstäbt eine Dop- ^schlacht gegen die preußische Armee; schon hat ft der Franzose zwischen das preußische Heer tb Berlin geschoben. Die rasche Verfolgung bis c die Ostfeeküste schneidet die Trümmer der ge­flogenen Preußen von der Verbindung mit dem ich feindfreien Heimatgebiet ab und vollendet die ! rnichtung, welche die Schlacht eingeleitet hat.

Einen Schritt weiter in der Anlage der Operativ- ,ri sind die Verbündeten gegenüber Napoleon f im Herbstfeldzug 1813 gegangen. Ihr ?cn sieht ein Zusammenwirken der in der Mark fhenden Armee, der schlesischen Armee und der t uptarmee in einer Weise vor, daß sie sich auf im Schlachtfeld zur Vernichtung des Kaisers t r e f - j n sollen. Trotz manchen Zögerns und Mißver- |::jens gelingt bei Leipzig der Plan beinahe, r nn auch nicht vollständig, oa die ungenügende 8 sperrung im Westen dem Kaiser die Möglichkeit ( t, die Reste seines schwer geschlagenen Heeres sch Frankreich zu retten. So wurde damals nicht v I erfüllt, was General von Moltke in den an 24. Juni 1869 ausgegebenenVerordnungen für b. höheren Truppenführer" niederschrieb:Wenn d Operationen derart geleitet werden, daß von v'schiedenen Seiten aus ein letzter kurzer Marsch geichzeitig gegen Front und Flanke fr» Gegners führt, bann hat die Strategie das | bete geleistet, was sie zu erreichen vermag, und I Avhe Resultate müssen die Folge sein."

-Dem Chef des Generalstabes des preußischen l fitres war die vorhergegangene Erfahrung von ! König gr ätz bei der Formung dieses Satzes gnenrocirtig. Hätte bei der Armeeführung damals | dieselbe Verständnis dafür bestanden, wie eine Ver- V nSltungsschlacht anzulegen fei, so wäre der Sieg I bi» 3. Juli 1866 vollkommen gewesen. General von f ÜDltfe selbst konnte wenig mehr als ein Jahr I (p: ter nach der Ausgabe der Druckschrift beweisen, | biß er nicht nur in der Theorie die Führungskunst I biierrschte. B e i Sedan brachte er die vollkom- I m:ne Vernichtungsschlacht auf diese Weise zustande, i j Tp deutsche Führerausbildung legte fortan größten ; Ürt auf das Streben, die dem Feind zugefügten Erläge vernichtend zu gestalten. Als Graf Lch l i e f f e n nach feinem Ausscheiden aus der

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Stellung des für diese Ausbildung maßgebenden Chefs des Generalstabes seine LehrschriftC a n - n a e" geschrieben hatte, wurde sie sogar fälschlicher­weise manchmal dahin gedeutet, als betrachte der General die Einkreisung als das einzige Mittel zum Siege und als habe er ein allgemeingültiges Rezept dafür geben wollen. Dies lag ihm fern. Nur der stete Drang nach dem Höchfterreichbaren sollte Ge­meingut für den Führernachwuchs werden.

Im Weltkrieg trug diese Erziehung Früchte; b e i Tannenberg wußten Hindenburg und Ludendorff unter schwierigsten Verhältnissen fie bis zur Vollendung auszuwerten. Aus dem ursprünglich beabsichtigten umfassenden Angriff gegen den linken russischen Flügel, der diesen bereits* von seinen Verbindungen abschneiden sollte, erhob sich das Drama der Schlacht bis zum Höhepunkt, bis Zur Erzielung der völligen Einkreisung der russischen Armee. Aehnliches strebten die Generale allezeit auch später an. Jedoch zeigten sich selbst ihnen gegenüber bald die solchem Wollen entgegenstehen­den Einschränkungen. In der Schlacht an d e-n Masurischen Seen konnte der Umfassungs­flügel nicht so stark gemacht werden, daß dem sich' der Gefahr entziehenden Gegner die Rettung unmög­lich wurde. In der W i n t e r s ch l a ch t in Ma­suren war es das schlimme Wetter, welches das Dorwärtskommen des einkreisenden Nordflügels verzögerte, so daß auch hier der Russe den Kopf aus der Schlinge zu ziehen vermochte. In der Schlacht bei Lodz zeigte sich auch die Tatsache, daß große Erfolge nur durch Wagen erreicht wer­den können und daß in solcher Kühnheit eine Ge­fahr liegt, die man auf sich nehmen muß. Der ost­wärts der Stadt zur Einkreisung vorstoßende linke deutsche Flügel sah sich selbst von neuen, von War­schau kommenden, Streitkräften angegriffen. Statt den Feind einzukreisen, mußten die Deutschen sich nun selber durchschlagen.

Als im Frühjahr 1915 der Sieg von Gorlice- Tarnow unerwartete Folgen annahm, so daß die Russen Polen zu räumen begannen, waren es wiederum Hindenburg und Ludendorff, die durch den Stoß in die tiefe rechte Flanke und den Rücken des Feindes über Wilna die ganze unge­heure Front zum Einsturz bringen wollten. Hier trat die Abhängigkeit solcher Entschlüsse von den Stärkeverhältnissen, aber auch von den Eisenbahnen und anderen Nachschubwegen deutlich hervor. Der linke deutsche Flügel fonjite nicht stark genug ge­macht werden, die ihm zugedachte Aufgabe zu lösen. Bei der aus verschiedenen Richtungen ange­setzten Operation gegen Serbien im Herbst 1915 verhinderte der Mangel an vollständiger Ein­heitlichkeit in der Führung der verbündeten Trup­pen die scheinbar naheliegende Einkreisung und Ver­nichtung des Gegners. Es kam im Weltkrieg zu keiner Vernichtungsschlacht mehr. Der große Erfolg von K a r f r e i t konnte sich zu einer solchen nicht auswirken, weil die Umfassung im Anfang fehlte und später nicht mehr zustande kam. Bei den gegen­über Moltkes-Zeit veränderten Heeresverhältnissen, den ungeheurey Fronten und Riesenheeren, hatte es sich herausgestettt, daß jener im Jahre 1869 aus­gesprochene Satz im einzelnen abzuwandeln war, im großen aber seine Richtigkeit voll behielt. Zu höchster Auswirkung wäre er möglicherweise ge­langt, wenn der Plan des Generalfeldmarschalls Graf Schlieffen für den Westfeldzug van ihm selbst ausgeführt worden wäre.

In den Kriegen nach dem Weltkrieg findet man das Streben nach der Vernichtungsschlacht bei der italienischen Führung i m a b e s s i n i s ch e n F e l d - z u g. Als Marschall Badoglio nach Fertigstel­lung der rückwärtigen Verbindungen mit dem auf­marschierten Heere zum Angriff übergeht, liegt seiner Operation der Gedanke einer einheitlichen großen, in 350 Kilometer Breite mit doppelter Um­fassung zu schlagenden Schlacht zugrunde. Tatsäch­lich kommt es aber zu E i n z e 1 s ch l a ch t e n, und selbst bei jener im Westen, der Schlacht in Schire, weicht der Abessinier aus, ehe der zur Umgehung

Der konzentrierte Affe.

Von Sigismund von I^adecki.

Jedes Tier ist ein Symbol. Ochs, Esel, Schaf und Kamel bildep das strahlende Diergestirn der Dumm­heit, in welchem der Ochs die dumpfe, der Esel die störrische, das Schaf die folgsame und das Kamel die hochtrabende Dummheit verkörpert. Das Schwein ist die Unsauberkeit selbst. Die Taube ist die Un­schuld. Die Schlange ist die Sünde. Hund und Katze sind Mann und Weib, das sieht jeder. Die Giraffe ist die typische alte Jungfer. Das Pferd, das ge- knechtetste Tier, ist der Stolz: wie erhaben läßt so ein alter Droschkengaul, regentriefend an der Ecke, seine Unterlippe hängen! Und nur der Affe hat in diesem Register seine Sonderstellung, denn das fühlen wir gleich, daß mit dem WorteNach­ahmung" das Symbolische seines Wesens noch lange nicht umschrieben ist. Ja, wir ahnen mit Scham und Gelächter, daß die Schöpfung sich hier in einer genialen Satire auf den Menschen ver­sucht hat! Der Affe ist ein peinlicher Verwandter, den man nicht gerne herzeigt und doch nie los wird. Der Affe gibt uns keine Ruhe, er bringt Unfrieden in die Religionssysteme und biologischen Glaubens­bekenntnisse, er entfesselt schauerliche Affenprozesse, er knackt behaglich seine Nüsse auf und führt die Wissenschaft jahrzehntelang mit ein paar javanischen Backenzähnen aufs Glatteis. Jahrzehntelang hatte man uns gepredigt, daß der Mensch vom Affen stamme, dann wurde ein gemeinsamer Urahne kon­struiert, der bereits in den Filmen größere Rollen zu spielen bekam, als plötzlich ein Anthropologe auf einem Kongreß aufstand und kurzerhand er­klärte, das alles sei nicht wahr, und der Mensch stamme nicht vom Affen, sondern der Affe stamme

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