Ausgabe 
29.4.1940
 
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amten unb Beamtinnen sind an den Hoheitsträger der Partei oder die Dienststellen des Reichsbundes iir deutschen Beamten zu richten.

Carl Bosch f.

(Scherl-Bildarchiv-M.)

Im Atter von 65 Jahren starb in Heidelberg Ge­heimrat Professor Dr. Carl Bosch. Er ist bekannt geworden durch die Erfindung der Stickstoff- und der Benzinsynthese. Lange Jahre stand er an der Spitze des Aufsichtsrates der IG. Farbenindustrie AG. Für seine großen praktischen und wissenschaft­lichen Leistungen wurden Bosch zahlreiche Auszeich­nungen und Ehrungen zuteil. So war er u. a. Prä­sident der Lilienthal-Gesellschaft für Luftfahrtfor­schung, Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Wehrwirtschafts­führer und Mitglied des Generalrates der deutschen Wirtschaft.

Richterliche Lertragshilfe auch für Lieferverträge.

Durch eine Verordnung des Reichsjustizministers wird die richtreliche Vertragshilfe auch für die Ab­wicklung von Lieferverträgen eingeführt. Ist die Durchführung eines Liefervertrages, den ein im Ge­biet des Großdeutschen Reiches ansässiger Vollkauf­mann abgeschlossen hat, durch die Kriegsauswirkun­gen zeitweilig unmöglich geworden oder so stark erschwert, daß dem Lieferer oder Besteller die Er­füllung der Verpflichtungen aus dem Vertrag nicht zugemutet werden kann, so kann jeder der beiden Vertragsteile die Vertragshilfe des Richters zur Abwicklung des Vertrages in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist, daß der Wert des Vertragsgegen­standes die Eintausendmarkgrenze übersteigt. Der Richter kann zur Herbeiführung eines Ausgleiches den Liefervertrag aufheben oder ändern, insbesondere die Fälligkeit der Lieferung, er kann auch Bestimmungen darüber treffen, inwie­weit Entschädigungen zu zahlen sind, eine Anzah­lung zurückzuzahlen ist oder in welcher Weise sonst «in angemessener Ausgleich stattfinden soll.

Weiterverwendung im Volks- und Mittelschuldienst.

Die älteren Lehrer und Lehrerinnen im Volks- und Mittelschuldienst und die R u h e - ftandslehrer werden gern bereit sein, Lücken, die durch die Einberufung jüngerer Kräfte im Schul- betrieb entstanden sind, auszufüllen. Der Reichs­erziehungsminister hat daher angeordnet, daß Leh­rer des Dolksschuldienstes und des Mittelschuldien­stes, die das 65. Lebensjahr vollendet haben und noch dienstfähig sind, bis auf weiteres nicht in den Ruhe st and versetzt werden. Sie sind möglichst in vollem Umfange weiterzu­beschäftigen. Lehrer, die nach Vollendung des 65 Lebensjahres nur beschränkt dienstfähig, aber nicht dienstunfähig sind, sollen ebenfalls bis auf weiteres in ihrem bisherigen Beamtenverhältnis belassen werden. Wenn erforderlich, können sie in ihren Pflichtstunden insoweit entlastet werden, daß sie noch mindestens zwölf Wochen st u n - den erteilen. In ihrer Besoldung ändert sich dann nichts. Dienstfähige R u h est a n d s l e h r e r sind möglichst in vollem Umfange, und zwar als Be­amte auf Widerruf, im öffentlichen Schul-

Jn einen schwierigen Krieg verwickelt."

Sorgenvolle Betrachtungen der pariser preffe.

Brüssel, 28. April. (Europapreß.) Die 9. Ta­gung des Obersten Kriegsrates hat am Samstag in London stattgefunden, um sich mit der sorgenvollen Lage im Norden zu befassen. Ministerpräsident Rey- naud und die übrigen französischen Teilnehmer an der Tagung sind bereits am Samstag um 20 Uhr im Flugzeug nach Paris zurückgekehrt. Der ,Lour" schreibt, es sei jetzt das erstemal seit Kriegsausbruch, daß der Oberste Rat in so kurzen Zeitab­ständen Sitzungen abhalte. Es gehe daraus her­vor, daß die Entwicklung der Operationen in Nor­wegen dringende En tschei düngen notwen­dig mache. Das Oeuvre". sagt, die Ereignisse in Norwegen bewiesen, daß die Deutschen den Willen hätten, sich um jeden Preis zu behaupten, und daß sie im Norden von Oslo ihr Ausdehnungsmanöver wieder ausgenommen hätten. Ohne Zweifel hätten die Deutschen beträchtliche Verstärkungen erhalten. Der Militärkritiker desPetit Parisien" spricht von einem beträchtlichenVorteil" derDeut- schen gegenüber den Westmächten infolge ihrer besseren Vorbereitungen. Es handle sich nicht um eine Improvisation, sondern um die Verwirklichung eines neu berechneten Plans. Die Engländer und Norweger hätten eine Rückzugsbeweaung ausführen müssen. Unter diesen Umständen erscheine es nahezu sicher, daß das Manöver der Westmächte darin besteyen werde, im Norden von Tromsö rück­wärts von Steinkjer eine Sperre zu errichten, nachdem der Feind Röros im Oesterdal habe er­reichen können. Im westlichen Teil von Norwegen,

zwischen Drontheim im Norden und dem Sogne- Fjord im Süden, hätten sich die Truppen der West­mächte vorsichtig zurückgezogen, um sich ihren Stützpunkten zu nähern, wo sie Verstärkungen fin­den würden. Die Westmächte seien in Norwegen in einen schwierigen Krieg verwickelt.

DerJour" verweist auf die bedeutenden Be­stände an modernen Kampfmitteln, mittlerer Artil­lerie und Flugzeuge, die den Deutschen in Norwegen zur Verfügung stünden, und mit denen sie einen Ge­waltmarsch versuchen wollten, wie sie ihn in Polen schon durchgeführt hätten. Man müsse sich vor über­triebenem Pessimismus hüten, aber die Lage rea­listisch betrachten, wie dies die Engländer bereits getan hätten. Der Krieg in Norwegen werde lang und hart sein.

Auch der Militärkritiker desJournal", General Duval, schreibt, der rasche Vormarsch der Deutschen nach dem Norden beweise, daß die Deutschen über zahlreichere und mächtigere Kampfmittel verfügten als die Westmächte. Die Westmächte wären gerade eben gelandet und müßten sich in ihren Häfen erst einmal solide einrichten. Die Norweger aber, die in schweren Kämpfen stünden, ließen dringende Hilfe­rufe laut werden. Auf diese Art würden allzuhäufig die eintreffenden Truppen in kleinen Abteilungen in den Kampf geworfen. Nichts sei aber gefährlicher für die Moral einer frischen Truppe, als auf diese Art allmählich mit anderen Truppen vermengt zu wer­den, die durch längere Kämpfe schon mehr oder we­niger abgenutzt seien.

dienst wieder zu verwenden. Ruh'estands- lehrer, deren Arbeitskraft erheblich gemindert ist, können nur als Angestellte beschäftigt werden.

Oie BolSbüchereien im Kriege.

Die deutschen Volksbüchereien haben im Kriege eine bedeutsame Aufgabe zu erfüllen. Sie sollen auch zu ihrem Teil aufklärend wirken und die innere Front zielbewußt stärken. Dazu ist eine zeit­gerechte Erneuerung der Buchbestände der Volksbüchereien notwendig. Der Reichser­ziehungsminister unterstreicht in einem Erlaß diese Gesichtspunkte. Die Volksbüchereien haben heute, so erklärt er, die wichttge Aufgabe, neuerscheinenden Büchern, die über die Absichten unserer Gegner aufklaren, und die den Kriegsver­lauf und die eigenen Kriegsmaßnahmen schildern, weite Verbreitung zu sichern. Sie müssen zudem in ausreichender Weise Schrifttum zurEntspannungundErholungfür Frei­zeit und Feierabend bereithalten, das infolge der Einschränkung mancher sonstiger Freizeitmöglich­keiten besonders, begehrt wird. Tatsächlich liegt, die Ausleihe der meisten Volksbüchereien erheblich über dem Durchschnitt der Vergleichsmonate des Vor­jahres; vor allem ist die I u g e n d a u s l e i h e überall geradezu sprunghaft angesttegen. Der Mi- nister bittet, bei Sparmaßnahmen auf dem Gebiete des Volksbüchereiwesens diesem Gesichtspunkte Be­achtung zu schenken.

Arbeitsdienst und Ausgleichsdienst.

NSG. Durch eine Vereinbarung des Reichs­arbeitsführers mit dem Reichserziehungsminister haben sämtliche Abiturienten und Abiturientinnen mit Studiumsabsicht vor Beginn ihres Studiums den Reichsarbeitsdienst abzuleisten. Die Einbe­rufungen in den Reichsarbeitsdienst erfolgten zum 1. April 1940. Für die arbeitsdienstv ollurttauglichen Abiturienten und Abiturientinnen wird, wie es be­reits bis zum Sommersemester 1939 üblich war, ein Ausgleichsdienst durchgeführt. Es ergeht daher an sämtliche Abiturienten mit Studiumsabsicht, die arbeitsdienstvolluntauglich sind, der Aufruf, sich so­fort bei der Reichsstudentenführung, Sozialpoliti­sches Amt, Abteilung Arbeits-, Wehr- und Aus­gleichsdienst, Berlin W 35, Friedrich-Wilhelm- Straße 22, zur Einstellung in den studentischen Ausgleichsdienst zu melden unter Beifügung des Lebenslaufes, zwei Lichtbildern und eines beglau­bigten Wehrpaßauszuges.

Der Ausgleichsdienst der arbeitsuntauglichen Abi­turientinnen wird wie bisher bei der NSV. im Rahmen des HilfswerkesMutter und Kind" ab­

geleistet. Der Einsatz endet am 31. August. Mel­dungen zum Ausgleichsdienst der Abiturientinnen sind sofort zu richten an: Reichsstudentenführung, Sozialpolitisches Amt, Abteilung Betreuung und Förderung für Studentinnen, Berlin-Charlotten­burg 2, Hardenbergstraße 34. Der Meldung sind beizufügen Freistellungsschein des Reichsarbeits­dienstes, Lebenslauf, Lichtbild, beglaubigte Abschrift des Reifezeugnisses und ehrenwörtliche Versicherung der arischen Abstammung.

Kleine politische Nachrichten.

Am Nationalfeiertag des deutschen Volkes, am 1. Mai, 11 Uhr findet wie alljährlich die Aus­zeichnung der im Leistungskampf der deutschen Betriebe von der Deutschen Arbeitsfront ermittel­ten Nationalsozialistischen Musterbe­triebe statt. In diesem Jahr wird an Stelle des Führers der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, die Auszeichnung im Rahmen einer Tagung der Reichsarbeitskammer vornehmen, die unter Lei­tung des Reichsleiters Dr. Robert Ley bei Krupp in Essen stattfindet.

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Der Führer hat dem ordentlichen Professor Geheimen Regierungsrat Dr. phil. Dr. agr. h. c. Franz Lehmann in Göttingen aus Anlaß der Vollendung seines 80. Lebensiahres in Anerken­nung seiner grundlegenden Arbeiten auf dem Ge­biete der Tierphysiologie die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Eine Arbeitstagung der Landeshandwerks, meister und ihrer Geschäftsführer galt der ein­heitlichen Ausrichtung der Organisatton des Reichs­standes des deutschen Handwerks in den zum Teil neuartigen Aufgaben der Kriegswirtschaft.

Das englische Außenministerium hat sich, entge­gen der bisherigen Uebung entschlossen, für hie drei baltischen Staaten eigene eng­lische Gesandte zu ernennen. Bisher war der Sitz des englischen Gesandten für die baltischen Staaten in Riga, während es in Kowno und Reval nur Geschäftsträger gab.

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Ein Kommunique des japanischen Hauptquar­tiers teilt mit, daß die japanischen Stteitkräfte mit der Besetzung der Stadt Teschou einen großen Sieg errungen und die Offensive im Süden der Provinz Schansi abgeschlossen haben. Die 180 000 Mann starke chinesische Armee unter dem Befehl des Generals Wei Lihuang flüchtete nach allen Richtungen. Das ganze Tal des Flusses

Aufbruch der Magnolien.

Bon Franz Alfons Gayda.

Noch stehen in der Kühle des nordischen Früh­lings die Bäume schwarz im frischen Wind. Ein Flimmern grünlich, rötlich, gelblich ist über ihren Zweigen, ja, sie brechen auf aus der Haft der Rinde in das Leben, in die Seligkeit der Lust, voll von blauem Himmel, voll von zaubrischem Wer­den, Bereiten, Erwarten, Verheißen. Die Sträucher erglänzen festlich grün, in jenem zärtlichem Grün, das nur einige wenige Wochen lichte Jugend! währt, das wir bann im ganzen Jahr nie wieder sehn. An Kinderfreude, an das Entzücken junger Mädchen, an alles Jung-Gute erinnert dies sinn­bildliche Grün, das noch hoffen darf! Doch am Wasser strähnt der Wind das schon lange gelbe Haar der Weiden, wie schmale blonde Bräute stehn sie da, in Hingabe gewärtig der Erfüllung.

Aber alles ist noch in der Frühe. Ernst, groß, schwer, dunkel herrschen die Bäume über das über- mütig-grünschäumende Element da unten zu ihren Füßen. Die Lust ist gläsern durchsichtig. Alle Dinge stehen mit scharfer Kontur, jedes für sich, im Raum. Ueberall ist Durchlaß, Distanz, Fremde, Kühle, Schweigen. Das Grün da unten ist schüchtern, es lacht inwendig sein Dasensglück, noch kommt die Sonne all der grünen Sehnsucht nur kühl zurück­haltend entgegen. Wann werden Blüten leuchten?

Plötzlich weiße, kalte Lichter zwischen Baum und Strauch im abendlichen Dämmern dieses Apriltages. Auf schwarzen leeren Zweigen weiße Lichter. Große Lichttropfen. Zahllose Kerzen. Aber es ist ein seit- sames, nicht leuchtendes Licht, ein blasses Weiß, ohne den grünen Grund und Hintergrund der Bätter an kahlen, schwarzen Zweigen wie am schmucklosen Altar im weiten Kirchenraum priester­liche Kerzen: so brechen die Magnolien auf, fremd unserem Lande, wie zauberhaft verwunschen aus blauem Himmelsüberfluß in die strenge Kühle des Nordens. Und doch auch wieder seltsam verwandt unserem Wesen: aus kargem Grunde, aus herbem Rahmen wird ihr Ueberschwang im Mai unser Herz ergreifen; wenn die Kelche aufgebrochen sind, wenn sie rot und violett die Freude entfalten, die auch in ihnen ist, und die sie nicht bewahren können, kommt der selige Tag. Noch ist nur Schwarz und Weiß da, noch stehen die hohen Kelche geschlossen, ordensritterlich, einsam und abseits all der drängen­

den grünen Fülle ringsum, stolz, vornehm, ge- schieden aus der wärmenden Gemeinschaft. Noch ist Raum zwischen allem, noch sind sie nicht zusammen­gekommen, die Farben, die Rhythmen, die Fülle in einem einzigen großen Herzensschlag der albernen Mutter Natur.

Dann aber feiern auch die Spröden das Fest der Entbundenheit, bann steigen die Farben des Lebens, des pulsierenden Blutes in ihr verschlossen-weißes Antlitz bann, wenn bie Kelche aufbrechen, wenn in ben geheimnisvollen Grund bes Kelches ber blaue Himmel lacht, bie golbnene Sonne glänzt: bann wer­ben bie Magnolien erröten unb nicht mehr einsam sein, sie werben einstimmen in bie fröhliche Har­monie mit all bem braufenben grünen Uebermut ringsum.

Llnendlichkeit der Traume.

Bon Richard Gerlach

Das Leben aeht vorbei, aber bie Träume bleiben. Jebe Nacht besuchen mich bie Dahingegangenen unb lächeln mir zu, wie sie es einst taten. Sie finb nicht stehen geblieben, sie sprechen, wie sie heute sprächen, jugenblich noch wie bamals, boch zugleich auch alterslos. Sie sprechen, was sie niemals ge­sprochen haben, so wie sie es heute empfimben hätten. Ich höre ihre Stimme aus Tausenben her­aus, unb ich habe bie Gewißheit ihrer Gestalt, bie sich nun nicht mehr änbern kann. Sie haben bie Enge ihrer vorbestimmten Welt abgeschüttelt, unb ihr Blick sieht burch alle sirbische Daseinsangst hindurch.

Ich las wieder in Eckermanns Gesprächen Goethes Bekenntnis: ,Lch habe in meinem Leben Zeiten gehabt, wo ich mit Tränen einschlief; aber in mei­nen Träumen kamen nun die lieblichsten Gestalten, mich zu trösten und zu beglücken, und ich stand am anderen Morgen wieder frisch und froh auf den Füßen."

Den wohltättgen Träumen wollen wir den Zu- tritt in unsere Kammer nicht verwehren; denn sie sind es ja, die uns nach allen Anfechtungen und Beklemmungen unsere eigentliche Wirklichkeit zu- zückgeben, indem sie das längst vergessen Geglaubte foiksetzen.

Freilich lassen sich auch die alten Quälgeister nicht abweisen und verscheuchen, von Zeit zu Zeit taucht ein bedrohlicher Schuhriegler der Kinderzeit wieder ebenso überlegen unb hohnredend auf, wie er vor

dreißig Jahre mar. Plötzlich erinnern wir uns, daß dies Gespenst vor undenklichen Zeiten schon zur Hölle gefahren ist.

Versuchen wir zu deuten, warum uns gerade in dieser Nacht einer zur Seite ging, den wir seit Jahren beinahe aus dem Bewußtsein verloren hat­ten, so können wir zwar die Erlebnisse des gestri­gen Tages überdenken und vielleicht den winzigen Anlaß erfassen. Aber was wird durch solche Analyse der Oberfläche schon geklärt?

Denn die Träume sind immer das Ergebnis eines ganzen Lebens. Sie lassen sich nicht von uns tren= nen und konnten von keinem anderen so geträumt werden. Wie aus der lichtlosen Tiefe des. Meeres seltsame Leuchtfische emporsteigen und eine Weile in ber Sonne bahintreiben, unerklärlich, warum es sie gerabe nach oben zog, so ist es auch mit un­seren geheimsten Wunsch- unb Erinnerungsbildern. Was wir messen und erklären können, gilt nicht für sie. Im Unendlichen wohnen sie. Da ist uns keine geliebte Gestalt ganz entzogen. Sie warten nur auf ihre Stunde, uns zu besuchen, und dann drücken wir ihre Hand oder schließen sie in die Arme wie einst.

Wenn es die Aufgabe der Metaphysik ist, die Wirklichkeit zu ergänzen, indem sie die durch Er­fahrung begonnenen Verbindungen fortführt, so er­weitert auch der Traum die erschaubare Welt. Er sieht, hört und fühlt, was nie geschehen ist. Wohl schwingt er sich aus dem Imaginären auf, doch seine Fittiche flögen nicht über die Sekunde hinaus, wenn das gelebte Leben ihm nicht die Kraft wun­derbar einhauchte.

Junge Spatzen."

Unser Stadttheater brachte mit der gestrigen Erst­aufführung des Lustspiels ,Lunge Spatzen" von Erhard Siedel eine höchst vergnügliche Ge­schichte auf bie Bretter. Es gab von ber ersten bis zur letzten Szene herzlich zu lachen. Der Lustspiel­dichter bediente sich für sein Stück aber auch einer Reihe von Figuren, die an Bühnenwirksamkeit nichts zu wünschen übrig ließen und die außerdem in ein hübsches Verhältnis zueinander gebracht wor­den waren. Die alte und die junge Generation und außerdem zwei grundverschiedene Lebenskreise sind einander gegenubergestellt und haben manchen Strauß miteinander auszufechten Da sieht man zum Beispiel einen Grafen von ältestem Muster. Wan hört geradezu den Katt rasieln. Dor lauter

p. K.

23 Kriegsberichter fielen im Kampf für Freiheit und Wahrheit.

Die Mitteilung, daß in den bisherigen acht Kriegs- monaten 23 deutsche Kriegsberichter ihre Treue zu Führer und Reich und Volk mit bem Tode besiegelt hatnn, wird weithin im deutschen Vaterland einen lebendigen Widerhall finden. Denn inzwischen ist derP K"- Bericht aus Zeitungen und Rund­funk jedem Leser unb Hörer eine vertraute Unter­richtung über bie Einzelheiten bes Kampfes ober bes täglichen Geschehens an unb hinter ber Front geworden, lieber bem gesprochenen unb geschrie­benen Bericht ist nicht zu vergessen ber Bitt)-- unb« Filmbericht. Wenn in den Lichtspieltheatern in die­sen Tagen solche Filme ober Wochenschauen ab­rollen, so weilt mancher Kameramann nicht mehr unter ben Lebenden.

Der Begriff berPropagandakompanie" war eine unvermutete Ueberraschung für den gro­ßen Teil ber Leser, Runbfunkhorer unb Filmbe­sucher. Es ist schon gelegentlich mitgeteilt worden, daß in ben Propagandakompanien nicht Schreib­tischmenschen versammelt sind. Die Propagandakom- panien stellen eine Sonberformation bar, die je­weils zu einzelnen Kampfhandlungen Wort- und Bildberichter abgibt, bie an dem Kampfe selbst erst einmal unmittelbar Anteil haben unb nach dem Kampf für die schnellste Uebermittlung des Kampf­erlebnisses sowohl an die Heimat wie an andere Teile der Front sorgen. Die intensivsten Leser, Hörer, Beurteiler, Kritiker der PK.-Berichte werden wohl die Soldaten selbst sein. Die Besatzungstrup­pen in Polen erhalten ein anschauliches Bild von ben Vorgängen am Westwall ober in Norwegen und umgekehrt. Wer für bie Front schreibt, muß aber wahrheitsgemäß unb wirklichkeits- e ch t schreiben. Die wahrhafte Schilberung ber Wirk­lichkeit darf dem Feind, der mithört und mitliest, keine Handhabe bieten. Aber der Soldat, der selbst ben Kampf kennt, will auch nicht das retouchierte Bild, sondern die tatsächliche Schilderung. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Arbeit der Pro­pagandakompanien.

Es braucht nicht. langer Worte, um die Neubil­dung der Propagandakompanie darauf zurückzu- führen, daß die Kriegsberichterstattung im Welt­krieg weder die Front noch die Heimat voll befrie­digt hat. Es sind oft winzige Nebensächlichkeiten, die viel ausmachen; und wer von der Etappe aus ben Krieg beschreibt, kann niemals ein richtiges Gefühl für dieseNebensächlichkeiten" haben ... ganz zu schweigen von dem seelischen Erlebnis. Damit ist keine Verurteilung der Kriegsberichterstattung wäh­rend des Weltkriegs in Bausch und Bogen ausge­sprochen; niemand ahnte im August 1914 Dauer, Intensität unb nähere Umstände bes Krieges. In der Ueberraschung wurde also improvisiert unb ba ein Problem bas andere jagte blieb es schließlich bei ber Improvisation. Immerhin ist be­zeichnend, daß damals vom Heer aus die Grün­dung ber Ufa, also der Filmbericht über den Krieg, angeregt würbe. Die deutschen Weltkriegsregierun­gen aber ließen bie Zügel schleifen und übersahen die Bedeutung der Berichterstattung in Wort, Schrift und Bild sowohl für bie Front wie für die Heimat. Das ist heute anders geworden und dar­aus ist die Einrichtung ber Propagandakompanien entstanden, die gerade eben wieder in Norwegen den Beweis erfolgreichen Einsatzes abgelegt haben.

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Thinsho sei bereits ind en Händen der Japaner. Die chinesische Armee in Südschansi, die fünfzehn Divisionen gezählt habe, habe eine schwere Nieder­lage erlitten, sodaß sie voraussichtlich nicht wieder kampffähig gemacht werden kann.

Die ungarische Regierung hat in Er­gänzung des Beschlusses der Belgrader Donaukon- ferenz vom 17. 4. an die Donaustaaten eine Note gerichtet, in der sie Vorschläge unterbreitet, die ge­eignet sind für eine gemeinsame Kontrolle ber Donau st recke vom Eisernen Tor bei Bol­dowa bis Turn Severin für die Dauer des jetzigen Krieges.

Der Reichsarbeitsminister weist darauf hin, daß im- Hinblick auf die Kriegsverhältnisse die Amts­bauer der derzeitigen Beisitzer der Arbeits­gerichtsbehörden bis auf weiteres ver­längert ist.

Schulden kann er kaum mehr javsen. Neben ihm steht seine adelsstolze unb ewig schockierte Gattin. Sie dichtet sogar! Der ebenfalls sehr vornehme Diener, Herr Thymian, bricht vor lauter Vornehm­heit fast das Kreuz und nur die alte Dame des edlen Hauses fällt angenehm aus dem Rahmen. Diesem Kleeblatt steht ein anderes gegenüber. Vier junge Menschen sind es, bie durch Zufall und Laune in das gräfliche Schloß geraten unb neues Leben bringen. Es ist die hübsche Bibliothekarin, die mit Hilfe einer mutmaßlich sehr wertvollen Biblio­thek ben heruntergekommenen Finanzen ber gräfli­chen Familie aufhelfen soll, ihr folgt bas Fabrikanten­töchterlein Bibi, das sich als der sicherste Faktor in der Rechnung erweisen soll, weil hinter ihr bas Bankkonto ihres Vaters steht; dann noch ein unter­nehmungslustiger Berliner Agent, ber mit bem Munb- werk auch für einen Berliner ungewöhnlich gut zu Fuß ist unb mit seinem Optimismus den Laden schmeißt und schließlich gehört noch ber jüngste Graf zum Kleeblatt, der besser in den Streifen der Jungen, als in ben seiner Verwandtschaft paßt. Zum Schluß geht alles gut aus, bie gräfliche Familie wirb von Onkel Tobias, Bibis Vater, saniert und endlich stehen vier glücklich Verlobte auf der Bühne. Nur die Rechnung von Onkel Tobi geht nicht ganz auf! Er hofft, der Schwiegervater des jungen Grafen zu werden; seine Tochter ist aber im Trubel ber Er­eignisse an ben Berliner geraten ...

Die Aufführung bes Lustspiels (Regie: Harry G r ü n e f e) geschah unter glücklicher Hand. Man hielt sich von Uebertreibungen fern, zu denen das Stück leicht hätte verführen können. Die locker ein­gefügten Gesangsszenen brachten eine hübsche Note in das Ganze. Der Musik hierzu (Henri I v e rsen) und ben geschickt gereimten Texten (Werner Bo h - land) mangelte es nicht an Originalität. Die musi­kalische Untermalung am Flügel hatten mit guter Einfühlung und reifer Technik Frau Elfriede Fischer unb Richarb Boeck übernommen.

In ber Darstellung warfen sich die zahlreichen Be­teiligten geschickt die Bälle zu und fanden sich zu einer schonen Gesamtleistung. In den Hauptrollen sah man Ingeborg Riehl, Eva Eckert, Marie Karden, Ruth Eiben, Siegfried Lowitz, Christoph Reuland, Walter Erler, Karl Volck unb Bernhard Schmitz. Die Zuschauer fühlten sich lebhaft angesprochen und ließen es am Beifall, selbst auf offener Szene, nicht fehlen.

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