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(Nachdruck verboten.)
4 Fortsetzung.
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Gefahr Drol, eines an Diphtherie Erkrankten zugeführre Gegen-
50 Zahre Kitasaio-Lnstiiut zur Erforschung der Eerumtherapie.
Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des von dem Schüler Robert Kochs, Dr. K i t a s a t o , gegründeten Instituts zur Erforschung der Serumtherapie (Kitasato-Institut) fand in Tokio ein Festakt statt, in dem des Begründers des Instituts sowie des deutschen Erfinders der Serum- therapie Emil von Behring gemacht wurde. Der Feier wohnten die Söhne der beiden Erfinder bei. Der Kultus- und der Wohlfahrtsminister, der deutsche Botschafter Ott sowie Professor Kita- s h i m a , Präsident des japanischen Aerzteverbam des, hielten Ansprachen. Am Vorabend gab Botschafter Ott einen Empfang.
„Schichtkieker", Hingt Solterbeck zu diesem W hatte einen so sonderbaren Klang: Schichtkieker
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Retter der Kinder, Helfer der Verwundeten.
Emil von Behring, der Sieger im Kampf gegen Diphtherie und Tetanus.
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Nach einer Weile geht er wieder zu seinem Bett. Er zieht die Stiefelhose aus-, die er noch immer anhat und macht sich für die Nacht fertig.
Jürk Solterbeck sitzt jetzt an dem Tischchen mit d-er rvtweiß gewürfelten Decke, das ihm und Viktor gemeinsam dient. Mit dem Rücken gegen die Kameraden fitzt er und arbeitet unauffällig an seinem Brief herum. Er befeuchtet einen kleinen Wattebausch mit einer Lösung, die sich in einem Fläschchen mit der harmlosen Aufschrift Odol befindet. Mit dem Wattebausch fahrt er dann vorsichtig zwischen den Bleistift^eilen des Briefes entlang. Da erscheint eine neue feuerrote Schrift, um nach Sekunden wieder zu verschwinden. Solterbeck notiert diesen „inoffiziellen Teil" seines Briefes auf ein Blatt Papier.
Ein Mitgefangener, Chemiker von Beruf, hat eine Anzahl seiner Kameraden mit einer zuverlässigen Geheimtinte versorgt. Anfangs, als sie noch in selle Jsle vor der bretonischen Küste und hierauf in St. Angeau in Zentralfrankreich lagen, schrieben sie mit den üblichen Mitteln, die jedes Kind kannte: mit Milch, Urin und dergleichen. Aber das hatten die Franzosen natürlich bald heraus. Und der Chemiker besorgte das neue synthetische Mittel aus Deutschland. Es war gar nicht so einfach gewesen, seiner jungen Frau, die ebenfalls Chemie studiert hatte, In einem der beiden monatlich erlaubten und
gift erlangt hier im Kampf mit dem Gift des Diphtherie-Bazillus rasch die Oberhand, so daß der menschliche Körper die Infektion überwindet. Im Kampf gegen den Wundstarrkrampf bedarf es einer vorbeugenden Serumbehandlung bei allen verschmutzten Wunden, die den Verdacht auf eine Tetanusinfektion nahelegen.
Wer war nun Behring, dem eine dankbare Menschheit den Ehrentttel eines Retters der Kinder, eines Helfers der Verwundeten zuerkannt hat? Er stammte gleich Virchow und Koch aus dem deutschen Osten, mit zehn Geschwistern wuchs er 'm Lehrerhause von Honsdorf in Westpreußen heran
dehnt, um dann rasch zu vollenden: „Der Brief ist von meiner Schwester."
„Hast du mir schon einmal gesagt. Seit wann schreibst du eigentlich mit der Geheimtinte?"
„Seitdem ich einen bestimmten Plan habe."
„Was für einen Plan?"
„Was kann man hier schon für einen Plan haben! Ich werde Korsika demnächst den Rücken wenden." Er sagt es mit ironischer Großartigkeit.
„Nanu? Fliehen?"
Solterbeck nickt emschaft: „Das will ich ganz gt* wiß."
Viktor ist etwas aus seiner Gleichgültigkett gerissen.. Sotterbeck hat sich doch sonst nur über die Flucht" plane und Fluchtversuche der anderen luftig gemacht. Auf einmal hat er selbst die Absicht zu fliehen. „Wiee willst du denn von dieser Insel herunterkommen?"
„Tjä, zu Fuß kann man natürlich nicht übers Wasser marschieren. Ich werde einen Dampfer benutzen, einen neutralen, wahrscheinlich einen Spo" nier." Es klingt ziemlich bestimmt.
„Der wird eigens kommen, um dich hier abzuholen", stotterte Viktor.
„Das wird er auch", sagt Sotterbeck so emfti)afi und entschieden wie eben.
Viktor sieht ihn forschend an. Und er denkt: Warum eigentlich auch nicht? Solterbecks Vater ifi einer der größten Handelsreeder in Hamburg unfo hat feine Beziehungen überallhin. Warum sollte ec nicht ein spanisches Schiff mobil machen können um feinen Sohn aus der Gefangenschaft abzuholen? Aber von hier oben, aus der wohlverwahrten Zitadelle, bis zum Hafen hinab, wo allenfalls das neutrale Schiff liegen könnte, ist noch ein verdamnut beschwerlicher und gefährlicher Weg.
Solterbeck mag die Gedanken fühlen, die Viktor durch den Kopf gehen, er selbst wirb ja von ihnen bewegt. Er sagt: ,Hch will heute noch nicht eingehend darüber sprechen. Es ist noch vieles zu überlegen, und es kann noch Monate dauern. Aber möglich ist die Geschichte, und wenn du Lust hast mit- zumachen, bist du höflichst eingeladen."
Viktor lächelte schwach. Er äußert sich heute noch nicht zu Viktors Anerbieten.
(Fortsetzung folgt.)
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Sotterbeck grinft freundlich. Er hat ein helles Gesicht unter jeinem weißblonden Schopf und hellgraue Augen. Etwas siegfriebhaft Strahlendes, Wikingerhaftes geht von ihm aus. Er ist einer der vereinzelten Gefangenen, die nichts anfechten kann. Er steht über allem und wäre imstande, an der Wand noch mit einem überlegenen Grinsen in die auf ihn gerichteten Gewehrläufe hineinzusehen.
Jetzt pocht er vielsagend auf seinen Brief und zwinkert mit dem einen Auge.
„Von daheim?" fragt Viktor nicht besonders teilnahmsvoll und denkt dabei: Wenn es nur erst Nacht märe!
„Von meiner Schwester", nickt Solterbeck. „Ich erwarte mir allerband davon Erst will ich mal den offiziellen Teil lesen"
Hinter den paar Worten liegt eine ganze Menge. Es liegt dahinter: Daß es außer dem offiziellen Teil des Briefes einen inoffiziellen gibt, der, mit Geheimtinte geschrieben, nur dem offenbar wird, der des Rätsels Lösung kennt.
Viktor ist im Augenblick wenig beeindruckt von dieser Tatsache. Was geht ihn Sotterbecks Geheimschrift an! Er hat, heute jedenfalls, ganz andere Sorgen. Er zuckt gleichmüttg die Achseln, und Sol- terbetf beugt sich wieder über seinen Bries.
Nach einer Weile erhebt sich Viktor und geht an das Fenster nach dem Meer zn Zwei Kameraden stehen auf dem niedrigen Sims, galten sich an den Eisenstangen fest und sehen durch den Spalt über der Holzblende. Viktor zwängt sich zwischen sie. Sie nehmen keine Notiz von chm. unentwegt spähen sie über bas Meer hin, als warteten sie auf etwas, als hielten sie Wache.
Ganz rechts kann man noch ein Eckchen des Felsenhügels sehen, auf dem die Zitadelle errichtet ist, und darauf das Ende einer Straße, an her unschöne
mit Bleistift zu schreibenden Briefe klarzumachen, was er wollte. Oeffenttich konnte er es natürlich nicht schreiben. Die erste Verbindung stellte er her, indem er an die großen Buchstaben eines Briefes Schnörkel hing. Für die Zensur waren es jedenfalls Schnörkel, die junge Frau erkannte aber in Diesen, ihr an der Schrift ihres Mannes ungewohnten Zeichen ein stenographiertes Telegramm, das sie dahin entzifferte, ihm in einem der erlaubten Pakete in unauffälliger Packung (Haarwasser!) die bestimmte chemische Lösung zu schicken. Diese stellte tatsächlich eine wahre Wundertinte dar, die wie pures Wasser aussah, unsichtbar eintrocknete, bis man mit der Reagenz an sie heranging, einer einfachen Sodalösung, unter der die Wasserschrist auf einmal auf leuchtete.
Im Grunde war nun diese Geheimschreiberei auch nicht viel mehr als eine Spielerei. Und doch konnte man etwas damit bewegen. Man konnte mit ihr über den Stacheldraht hinweg eine vertrauliche Verbindung mit der Heimat Herstellen. Die geheimnisvolle Tinte berichtete von der qualvollen Sehnsucht, von der menschenunwürdigen Behandlung, von den vielen kleinen Leiden des Gefangenen, sie berichtete anderseits von den deutschen Siegen, von der steten Hoffnung der Heimat, auch von den Entbehrungen und der allmählich immer fühlbarer werdenden Notlage. Was nun Jürk Solterbeck mit der Geheimtinte nach Haus geschrieben hat, weiß Viktor nicht recht. So etwas lag eigentlich dem langen Hamburger gar nicht, der so sorglos und allem überlegen in den Tag hineinzuleben schien. Er muß die Sache auch kürzlich erst angefangen haben. Viktor zerbricht sich nicht weiter den Kopf darüber. Er wird es schon noch erfahren. Solterbeck ist ja fein bester Freund, und sie haben keine Geheimnisse voreinander.
Viktor liegt mit wett offenen Augen. Er ist müd, aber er merkt schon, daß er nicht so bald einschlafen wird können. Gedanken gehen kreuz und guer durch seinen Kopf, und vor chnen allen steht Theas Bild.
Er schrickt ein wenig zusammen, als sich Solterbeck mit einem kleinen Schwung zu ihm herumsetzt. Er ist fertig mit feinem Brief. Er stützt die Ellbogen auf die hohen Knie, die gegen Viktors Feldbett stoßen und beugt sich vor.
„Also, was ich sagen wollte —", beginnt er ge-
und in dem daraus gewonnenen Serum findet man nun Stoffe, welche eine derartige Heilwirkung besitzen, wie sie bis dahin in der Geschichte der Me- bizin noch nicht bekannt geworden ift. — Die Blutserumtherapie ist also eine Auswertung der natür- lichen Abwehrmaßnahmen, wie sie der Körper in Tätigkeit setzt, sobald ihm durch Krankheitserreger ~ ' 1 ' Das mit dem Serum dem Körper
löffel Zitronensaft: zuletzt gibt man 2 Teelöffel Backpulver dazu. Der Teig muß gut verknetet werden. Zu den Pfeffernüssen (oder Moppen, wie sie im Rheinland heißen) formt man kleine Kugeln, drückt sie platt und bäckt etwa 10 Minuten. Zu den Pflastersteinen macht man daumendicke Rollen, die man etwa 2 Zentimeter groß abschneidet und dann bäckt. Zu den Pfefferkuchenherzen wird der Teig ausgerolü und mit einer Herzform ausgestochen. Hat man keine, so kann man auch eine Pappform zuschneiden, und mtt dem Messer nach dieser Schablone Herzen ausstechen, mtt Zuckerwasser bestreichen und 10 bis 15 Minuten backen und mit sehr steifer Glasur beschriften. Die echte Moppen- oder Pflaftersteinglasur stellt man so her: 50 Gramm D. P. M. verrührt man mit 3 Eßlöffel Wasser, gibt 150 Gramm Zucker dazu und läßt unter ständigem Rühren aufkochen. Man läßt die Glasur eine halbe Stunde ab kühlen, schüttet die gebackenen Moppen oder Pflastersteine dazu und rührt kräftig durch. Das Gemisch gibt man aus ein Backblech, läßt etwas antrocknen unb löst auseinander. Die Glasur hält sehr schön fest und ist viel einfacher als das mühsame Bepinseln der einzelnen Moppen.
Pfesterkuchenherzen kann man übrigens auch aus dem Teig für Schlesische Lebkuchen Herstellen. Sie schmecken fast noch feiner so: 400 Gramm Mehl, 150 Gramm Zucker, 200 Gramm Kunsthonig, 1 Ei, Gewürze, Vt Backpulver und 1 Eßlöffel Rosenwasser verarbeitet man zu einem Honigteig. Der Zucker wird in diesem Falle mit dem Honig ausgekocht. Der Teig muß etwas abkühlen und wirb dann auf ein gefettetes, bemehltes Brett gerollt, etwa 15 Minuten gebacken und mit der Puderzuckerglasur, die man mit 1 Eßlöffel Rosenwasier Herstellen kann, bestrichen. Noch heiß schneidet man den Kuchen in Rechtecke. — Wir geben gleich noch das Rezept für Thorner Kathrinchen: Zu dem Teig für Rheinische Moppen gibt man 25 Gramm geriebene Mandeln ober Kürbiskerne, 50 Gramm Korinthen und 50 Gramm Zitronat oder Rosinen. Man rollt den leig aus, sticht Kathrinchen aus, be« speicht mtt Wasser und bäckt 10 bis 15 Minuten.
Mietskasernen stehen. Vor der Straße stürzt der Felsen steil zum Meer hinab. An einem Fenster des zunächst gelegenen Hauses bieten zwei Frauenzimmer ihre ziemlich wenig bekleideten Reize dar. Es stt für die Köpfe hinter den Gitterstäben ein elender Hohn.
Aber keiner der drei steht nach den unschönen Häusern hin. Ueber die dämmernde Wette des Meeres sehen sie in die Richtung, in der kaum hundert Kilometer entfernt, die ligurische Küste Italiens liegt. Bei klarsichtigem Wetter kann man sie als zarten Dunststreif erkennen. Die naher gelegenen Inseln, Elba, Capraja und Monte Christo, sind fast immer sichtbar. Auch setzt noch heben sie sich als dunkle Flecken im Horizont ab.
und wie Virchow, Helmholtz, Loeffler und Gosst» wurde auch Behring preußischer THIitärant, bet an der Berliner Militärärztlichen Akademie, der berühmten Pepiniere, seine erste wissenschaftliche Ausbildung erhielt und dann als Militärarzt in verschiedenen Regimentern in Wohlou, Posen, Winzig und Bojanow — beides kleine nieder» schlesische Grenzgarnisonen — stand, bis er 1887 als Stabsarzt zum Pharmakologischen Institut der Universität Bonn und zwei Jahre später zum Hygienischen Institut der Universität Berlin kommandiert wurde. Hier als Assistent Robert Kochs, des Entdeckers des Tuberkelbazillus und Begründers der medizinischen Bakteriologie, trat der nunmehr 35jahrige in den Elttekreis der modernen europäischen Naturforschung ein und näherte ich damit einem Höhepunkt seiner Laufbahn. Wir nannten schon seine bahnbrechende Veröffentlichung vom 4. Dezember 1890, zwei Jahre später folgten die Schriften über die Dlutserumtherapie und bas Tetanusheilserum, und noch 1892 begann die Zusammenarbeit mit den Höchster Farbwerken, deren damaliger Direktor Dr. A. L a u b e n h e i m e r auf Behrings Arbeiten aufmerksam geworden war, zur Herstellung eines brauchbaren neuen Heilmittels. Es gelang, ein Serum zu schaffen, das die Antitoxine in einer für klinische Zwecke ausreichenden Konzentration enthielt. Es waren übrigens in erster Lime große Zeitungen, so in Berlin der „Lokalanzeiger" August Scherls und in Paris der „Figaro", die durch aufklärende Beiträge und Aufforderungen zu Geldsammlungen dafür Sorge trugen, daß das neue Hellmittel gegen die damals noch in unvorstellbarem Ausmaß unter den Kindern wütende Diphtherie in ausreichendem Umfang auch für Unbemittelte beschafft werden konnte. Friedrich Alt» hoff, der allmächtige Personalreferent der preußischen Unterrichtsverwattung, wurde damals der Gönner, Förderer und Freund Behrings, der ihn 1894 als Professor nach Halle, 1895 nach Mar- bürg berief, wo Behring in dem anziehenden Städtchen und der reizvollen Landschaft die ihm zusagende Umgebung für seine konzentriertes Ar, beiten erfordernden Forschungen fand. Durch die 1904 erfolgte Gründung der Behring-Werke, bie heute zur IG.-Farbenindustrie gehören, ist die Stabt Marburg über seinen Tod hinaus mit dem Nomen des großen Arztes verbunden geblieben. Seine letzten Lebensjahre galten dem Problem eines Tuberkulose-Serums, a'Oer dies zu finden, blieb ihm versagt. Am 31. März 1917, mitten im Weltkrieg, ist er einer Lungenentzündung erlegen, hochgeehrt von der Wissenschaft des In-- und Auslandes, mit dem Nobelpreis und dem erblichen Adel ausgezeichnet Eine dankbare Nachwett wird chm am 4. Dezember an der Stätte seines Wirkens in Marburg ein Denkmal weihen und durch die Gründung eines immunbiologischen Forschungsinstituts dafür sorgen, daß auf den von chm und seinen Mitstreitern im Kampf gegen die Mikroben errichteten Fundamenten weitergebaut wird zum Wohle der Mensch- hett, die von ihren furchtbarsten- Fanden zu befreien, der geniale Arzt und Forscher Emil von Behring so Ungeheures geleistet hat.
Dr. Fr. W. Lange.
Vorsorge für Festtage.
Mehr denn je muß eine Hausfrau heute für die Weihnachtsfeiertage vorsorgen, um einige Eßoorrctte zu schaffen. Nicht immer ist in einem Haushalt ein Weckapparat vorhanden, um „einzumachen" — aber das ist auch gar nicht nötig. Man kann auch zuverlässige und gute Dorratswirtschaft im Haushalt betreiben, ohne mtt allen modernen Einrichtungen ausgestattet zu sein. Dor allem will man bestimmt gern für die festlichen Tage ein gutes und recht ausgiebiges Stück Fleisch haben. Die Vorratswirtschaft des Staates kann auf solche Einzelwünsche keine Rücksicht nehmen, also müssen wir das uns zugeteilte Fleisch zu den festgelegten Zetten kaufen — aber müssen wir es auch essen? Nein — denn wir können es gebraten oder gedämpft und sogar roh aufheben, wenn wir es richtig machen. Man brät oder dämpft sein Stück Fleisch halbweich, tut es dann in einen Steintopf und übergießt es mit einem Gelee von Kalbsfüßen oder Fett, sodaß es vollkommen bedeckt ift Dann bindet man den Topf mit einem überall erhältlichen Einmachzellglas zu und hebt ihn an einem kühlen Ort auf. Das Fleisch hält sich monatelang frisch. Will man bann nicht gleich das ganze Quantum verbrauchen, so schmelzt man das Gelee ober bie Fettbecke (man legt bas Fleisch möglichst eng in einen passenden Topf, um sparsam mit der Schutzschicht von Gelee ober Fett fein zu können) auf mildem Feuer, brät das Stück, das man verwenden will fertig und läßt auf dem restlichen Fleisch Fett ober Gelee toieber erstarren.
Gemüse läßt sich sehr lange frisch erhalten, wenn man es mit den Wurzeln in Sandkästen im Keller einschlägt. Rüben und Möhren schüttet man wie Kartoffeln in Kisten ober Fässer. Möhren und Rüben halten sich besonders gut, wenn man sie auf eine Unterlage von Löschpapier schüttet, das man auch als Zwischenlagen hineinlegt. Bei Blumenkohl bindet man die grünen Blätter über der Blume zusammen und hängt sie an den Wurzelstrünken an einer Seine im Bodenkammerraum ober in der Speisekammer frostfrei auf. Zwiebeln dürfen ebenfalls nicht im Keller gelagert werben, man breitet sie auf Brettern in ber Speisekammer aus und knotet sie einzeln mit Binbfaden zu einer langen Traube zusammen, die man gut an bie Wand der Kammer hängen kann. D. V.
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Keineswegs allgemein bekannt ist, baß unsere . kurhessische Nachbar-Universitätsstadt Marburg der Ätz eines der bebeutenbften Werke ber Arzneimittelfabrik ation ift, das sowohl durch die Art der Arzneigewinnung, wie durch die Konzentrierung aus nur wenige Präparate, bie von hier den Weg in alle Telle der Wett antreten, eine Sonderstellung einnimmt. Es sind die Behring-Werke, und chr Schöpfer war Emil von Behring, der berühmte Marburger Bakteriologe, dem die Menschheit das Diphtherie-Heilserum, den Diphtherie-Schutzimpfstoff und das Tetanus-Serum verdankt. Und wenn nun am 4. Dezember in Marburg sich mtt dem Reichs- erziehunasminister und den Männern der Reich.'- gesundhettsführung bie bedeutendsten Vertreter der deutschen medizinischen Wissenschaft und Delegierte des Auslandes zu einem großen Bakteriologen-Kon- greß vereinen, so gilt dies dem Gedächtnis des Tages, an dem vor 50 Iahren in Nr. 49 der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" die Arbeit erschienen ist, die am Anfang der Blutserumbehandlung überhaupt gestanden hat. Sie trug den Titel „Ueber das Zustandekommen ber Diphtherie-Immunität bei Tieren" und bezeichnete sich als eine Arbeit „aus dem Hygienischen Institut des Herrn Geheimrat Koch in Berlin". Ihre Verfasser waren der damals als Assistent zum Berliner Hygienischen Institut kommandierte preußische Stabsarzt Dr. Behring und der japanische Arzt Dr. Kita- s a t o , ber bie grundlegenden Vorarbeiten für das Schutzmittel gegen den Wundstarrkrampf geleistet hat, da es ihm als erstem gelungen ist, Den Teta-' nus-Bazillus in sauerstofffreien, festen und flüssigen Nährböden zu züchten. Behrings epochemachendes Werk der Hellserumbehandlung fällt also mit seinen Anfängen in die große Zeit des Aufschwungs Der bakteriologischen Wissenschaft, die mit dem Namen Robert Kochs für immer verbunden bleiben wird. Eine Ahnung von der Persönlichkeit dieses Mannes und der Bedeutung seines Werks für die medizinische Wissenschaft und die leidende Menschhett überhaupt hat kürzlich der eindrucksvolle Film „Robert Koch" mit Emil Jannings und Werner Krauß in den Hauptrollen auch dem Laien vermittett, wenn er auch ber Persönlichkeit und wissenschaftlichen Bedeutung Virchows nickst gerecht geworden ift Dem Film lag zugrunde ein Roman Hellmuth Ungers, des Leipziger Augenarztes, ber sick als Verfasser einer Reihe von Romanen und Bühnenwerken einen Namen gemacht hat und der sich in andern Werken bemüht hat, die Großtaten ber modernen Heilkunde durch volkstümliche Darstellungen einem weiteren Kreis zu erschließen. Sein neuestes Buch behandelt das Lebenswerk Emil von Behrings („Unvergängliches Erbe", im Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg^ i. £).). Es tritt neben eine umfassende und tief schürfende wissenschaftliche Darstellung, die wir den Professoren H. Ze iß und R. Bieling verdanken: „Behring, Gestalt und W e r r (Verlag Bruno Schultz, Berlin-GrunewaW), die auf Grund des gewaltigen Quellenmaterials, namentlich des Behring-Archivs in Marburg, es sich zur Aufgabe gemacht hat, zu zeigen, wie sehr dieser schöpferische Gelehrte im geistigen Raum seines Volkes ein beispielhaftes Symbol werden konnte, Ansporn und Verpflichtung für die junge Generation deutscher Aerzte und Forscher.
Eine wahrhaft schöpferische Natur war Emil Behring, obwohl seine Heilserumtherapie, wie Unger in feinem schönen, mit dem Enthusiasmus des Wissenden geschriebenen biographischen Roman immer wieder herausstellt, ohne bie Forschungsergebnisse anderer Großer im Reich ber medizinischen Wissenschaft, eines Virchow, eines Ro-bert Koch, eines Löffler als des Entdeckers des Diphtheriebazillus, eines Pasteur und seiner Schüler Roux und Herstn, eines Metschnikoff unb eines Kitasctto nicht denkbar ' ift Wenn trotzdem der Kampf gegen Diphtherie ’ und Wundstarrkrampf in unserer Vorstellung mit vollem Recht an dem Namen Behring haftet, so ' weil er es war, der mit genialer Intuition in seiner Blutserumtherapie einen neuen und erfolgreichen Weg wies, dessen systematischer Ausbau ebenfalls ' das eigenste Werk seiner, höchste wissenschaftliche . Befähigung mit einem ausgesprochenen Sinn für bas Praktische vereinenden tatkräftigen Persönlich- ' kett war. Millionen von Kindern hat er damit vor dem schrecklichen Erstickungstod der Diphtherie unb Hunderttausende von Soldaten vor dem furchtbaren Hinsterben am Wundstarrkrampf bewahrt. Um
die Große und Tragwette dieser Leistung auck nur annähernd zu ermeßen, hatte man sich vor Augen, daß bis zum Jahre 1894 allein in Deutschland alljährlich bis zu 50 000 Kinder im Alter von 1 bis 15 Jahren der Diphtherie zum Opfer fielen, wäh- rend nach Einführung des Behringschen Hettserums die Zahl der Todesfälle rapide auf 11000 sank und heute trotz einer um fast 30 Millionen höheren Einwohnerzahl des Reiches bei 5300 von insgesamt 150 000 diphtheriekranken Kindern liegt Man mache sich klar, daß die geretteten Kinder inzwischen Läter und Mütter geworden sind, deren Kinder und Kindeskinder vielleicht ebenfalls durch das Serum gerettet wurden, so ist es nicht übertrieben zu sagen, daß Behrings Heilmethode dem deutschen Volk Millionen von Menschenleben erhalten hat eine bevölkerungspolitische Großtat ersten Ranges, bie noch gewaltiger wird, wenn wir bedenken, daß Behring durch seine wettere Erfindung des Schutzi m p f - ftoffs tagtäglich zahllose Kinder in aller Well davor bewahrt hat, überhaupt von der schrecklichen Seuche befallen zu werden. Die in den letzten Jahren auf behördllche Anordnung in besonders gefährdeten Gebieten durchbeführten vorbeugenden Massenimpfungen haben die besten Ergebnisse ae- zeitigt und berechtigen zu der Hoffnung, daß bet rechtzeitigem Erkennen Der Diphtherie-Erkrankung ber furchtbare Würgeengel ber Kinder einmal ganz seine Schrecken verlieren wird.
Die zweite Großtat Behrings, das Tetanus- Heilserum, verdient heute mitten im Kriege unsere ganz besondere Beachtung, denn vor dieser Entdeckung starben bis zu 90 v. H. aller am Wundstarrkrampf erkrankten Verwundeten unter qualvollen Schmerzen. Im deutsch-französischen Kriege kamen auf rund 10 000 Verwundete 350 an Tetanus Erkrankte. Noch in Den ersten Monaten des Weltkrieges starben zahlreiche Soldaten an ihren schweren Verwundungen, in die mtt Schmutz und Erde die Sporen des Starrkramvfbazillus eingebrungen waren, bis die systematische Durchführung Der Tetanusferum-Behanolung nach Dem Verfahren von Behring die Sterblichkeitskurve rapide fen-fte. Keine der zahllosen Ehrungen, die aus dem In- und Ausland Behring zutell wurden, hat ihn so erfreut, wie die Verleihung des Eisernen Kreuzes am weißschwarzen Bande am 15. Ottober 1915.
Behrings im Kampf gegen den Wundstarrkrampf wie gegen die Diphtherie gleich erfolgreiche Serum- cherapie beruht auf der Erkenntnis, daß der Körper gegen die Erreger gewisser Infettionskrank- hetten Gegengifte bildet unb daß diese Antitoxine die krankmachenden Gifte (Toxine) unschädlich machen. In seiner 1892 erschienenen grunblegen= den Schrift „Die prakttschen Ziele ber Blutserumtherapie und die Jmmunisierungsmethoden zum Zwecke der Gewinnung von Heilserum" schreibt Behring selbst barüber: „Die neue Heilmethobe beruht Darauf, baß man Dem zu behandelnden Individuum Heilkörper einverleibt, welche die krank- rnachenden Ursachen vernichten, und zwar nicht bloß an solchen Körperstellen, welche oberflächlich gelegen und auf diese Weife einer direkten Behandlung zugänglich sind, sondern überall im Innern des leberiben Körpers, im Blut und in den Organen. Die Gewinnung Der Hellkörper geschieht so, daß zunächst ein Individuum gegen Diejenige Krankheit geschützt wird. Die man behandeln will und daß man Dann demselben Blut entnimmt. Im Blute
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