Ausgabe 
28.11.1940
 
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Rege Tätigkeit der italienischen Luftwaffe

Fischers/

sah, wie er den Kopf schüttelte über tiefe Unsinnig- keit, dann hob er die Hand. Auch ich hob die Hand, mehr konnten wir nicht tun. »Leb wohl, Alberti rief ich in den Fahrwind, und dann fah ich an feinen Lippen, daß auch er etwas rief. Wir hörten uns nicht mehr, und der Zug fuhr in eine Kurve, und dann fah ich ihn nicht mehr."

Maltaner fchwieg und trank einen langen Schluck Bier.

Es hatte fast etwas Gespenstisches", sagte er, wie er da drüben stand und wir getrennt bleiben mußten, als hätte sich das Schicksal plötzlich ein» gemischt. Ich glaube, ich suche jetzt nicht mehr nach ihnen. Wenn ich einen alten Freund treffen soll, wird es schon von selbst so kommen", schloß Mal­taner nachdenklich.

Alexandrien durchgesührten Cuftangtiff sechs Kriegsschiffe schwer getroffen, ferner die von der feindlichen Flotte benutzten Reparatur­werkstätten der Kanalgesellschast, die Flughäfen von Heluan und Abu-Sceir, in welch letzterem vier Flugzeuge in Brand gerieten, zerstört.

3n Ostafrika bombardierten unsere Flugzeuge die feindlichen Artilleriestellungen westlich von Gal- labat. Feindliche Flugzeuge warfen Bomben auf Mallaua und Daghlla, ohne Opfer zu fordern.

Zu den fünf feindlichen Flugzeugen, die bei dem im gestrigen Wehrmachtbericht verzeichneten Lust- angriff auf Leros abgeschossen wurden, kommt noch ein sechstes, von der Marineflak abgeschossenes hin­zu.

Feindliche über die Schweiz gekommene Flug­zeuge warfen Bomben und Brandbomben auf Tu­rin. Einige Gebäude im Zentrum und an der Peripherie der Stadt wurden beschädigt. Lin Brand, der in einer Glasbläserei ausbrach, wurde im Seime erstickt, viele Bomben fielen auf freies Feld, wo zwei Bauernhäuser zerstört wurden. Lin Soldat, der Dache stand, wurde getötet, zwei Personen durch Bombensplitter verwundet.

Oertliche Kämpfe südlich pogradeh.

Belgrad, 27. Nov. (Europapreß.) Wie die jugoslawische Preste vom italienisch-griechischen Kriegsschauplatz meldet, fanden am Dienstag nur örtliche Kämpfe zwischen den beiden Gegnern statt. Die neue Front südlich von Pogradetz verlaufe entlang dem Zerova-Fluß, der zehn bis fünfzehn Kilometer südlich von Pogradetz fließe. An den Ufern des etwa fünfzehn Meter breiten Flusses würden von den Italienern und auch von den Griechen Stellungen angelegt. Da die­jenigen der Italiener günstiger seien, glaube man, daß die Italiener demnächst zur Gegenoffen- s i v e übergehen werden.

3'aliemf (Der Wehrmachwerichi.

Rom. 27. Nov. (DRB.) Der italienische wehr- machtberichl vom Mittwoch hat folgenden Wortlaut:

An der griechischen Front normale Pa­trouillen- und Lrkundungstätigkeit. Unsere Luft­waffe hat ohne Unterbrechung ihre Aktinen gegen die feindlichen Anlagen und Truppen durchgesührt. Außerdem wurden alle feindlichen Verkehrswege zum Ziel heftiger Angriffe gemacht. Die Straßen- kreuzungen von perati, Delvinaki und Deffana, die Zentren von Erseka und Minina, die Brücken über den Salamas bei perati und Minina wurden wie­derholt getroffen und unterbrochen. Der Flughafen von Janina wurde mit Bomben belegt.

Auf der Insel S o r f u wurden das neue Fort, die Hafenanlagen und die höhen von Lorakiaua getroffen. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt. Feindliche Flugzeuge bombardierlen V a l o n a , ohne Opfer oder Schaden zu verursachen.

Während einer offensiven Lrkundungsaklion über der Insel Malta wurde ein feindliches Jagdflug­zeug im Kampf mit unseren Jägern abgeschossen und stürzte ins Meer. Eines unserer Flugzeuge ist nicht zurückgekehrt.

In Rordasrika warfen feindliche Flugzeuge Bomben auf Tripolis, wobei es im Hafengebiet zwei Verwundete und unbedeutenden Schaden gab. Andere feindliche Flugzeuge griffen das Fort Mad- dalena, ferner Garn ul Grein und unsere benach­barten Stellungen an. Liu feindliches Flugzeug wurde von der Flak getroffen und stürzte in Flam­men ab. Lin Mitglied der Besatzung rettete sich mit dem Fallschirm und wurde gefangengenommen.

Rach zuverlässigen Nachrichten wurden bei dem von unseren Fliegerstaffeln mit Bomben schweren Kalibers am 19. Rovember auf den Hafen von

Bei -em Fürsten Saionji.

Eine persönliche Erinnerung an den letzten(Sttvro'.

Don $. Laumann.

Der Wehrmochtberichl vom Miwoch.

v e r l l n. 27. Rov. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Bei sehr ungünstiger Wetterlage beschränkte sich in der Rocht vom 25. zum 26. Rovember und am 26. die Tätigkeit der Luft- wafse auf bewaffnete Aufklärung und Einzelunter- uehmungen. In Avonmouth riefen nächtlche Bombenangriffe mehrere Brände hervor. Bei An­griffen auf Geleilzüge wurden bei Falmouth ein Begleitschiff von 7000 BRT. versenkt, vor der Themse - Mündung zwei Handelsschiffe mittlerer Gröhe durch Bombentreffer beschädigt, bei Avon­mouth ein kleines Handelsschiff durch Flugzeug- kanonen in Brand geschossen. Auch gestern Wurden britische Häsen weiter vermint. Fernkampf. Batterien der Kriegsmarine nahmen Schisss- ansammlungen im Hasen von Dover unter wirk­sames Feuer.

Britische Flugzeuge warfen im Reichsgebiet oet- einzelt Bomben. Es wurden einige Wohnhäuser be- schädigl und dabei mehrere Zivilpersonen getötet und verletzt. Bei erfolglosen Angriffen britischer Flugzeuge auf deutsche Vorpostenboote ge­lang es, wie bereits bekanntgegeben, in der Rord- fee einem Boot, ein feindliches Flugzeug abzn- schleßen. Ein weiteres Flugzeug wurde durch Flak­artillerie brennend abgeschossen. Zwei eigene Flug­zeuge werden vermißt.

Gefreiter, um Feuer bat. Ich gab es ihm, er steckte sich feine Zigarette an und dankte, dann starrte er mich plötzl ch an, als hätte ihn eine Hornisse ge» stochen, und er könnte sich vor Schmerz nicht rüh­ren. Dann schlug er mir auf die Schulter. ,Lu bist doch Walter"' sagte er, ,der Walter Maltaner!' Jetzt starre ich ihn an und zweifelte an meinem guten Gedächtnis. Er schüttelte mir die Hand. »Menschens- finb, sagte er, ,kennst du mich denn nicht mehr? Wir haben doch Zirkus zusammen gespielt und altes Eisen verkauft, das uns nicht aehörte, und mit dem Luftgewehr auf Fasanen geschossen im Schilf. Ich bin der Kurt, der Kurt Henkel!'

,Du bist der Kurt Henkel?' murmelte ich verzwei­felt, ,das muß aber schon lange her fein.' Aus­gerechnet mir mußte das paffieren! »Klar', fagte er, »damals war ich neun, das find fünfundzwanzig Jahre.' Wir tranken ein Glas Bier zusammen, aber es half alles nichts, es .stimmte alles, was er er­zählte, aber ich konnte mich nicht mehr an ihn er­innern. Wieder eine schlimme Enttäuschung.

Dann war ich in Würzburg. Es war am letzten Tag, ich hatte schon meine Fahrkarte, aber ich hatte noch niemanden getroffen. Enttäuscht ging ich gegen Abend in den Bahnhof und fah mich noch ein wenig auf den Bahnsteigen um. Dann mußte ich in den Zug. Wir waren vielleicht eine Stunde gefahren, als der Zug auf einer kleineren Station hielt. Und dann geschah es. Ich stand am Fenster und blickte hinaus, es war noch hell. Drüben, auf dem äußer­sten Bahnsteig standen ein paar Leute und warteten auf einen Zug. Und zwischen ihnen im blauen Trenchcoat und ohne Hut stand Albert Rascher. Wir hatten uns gleichzeitig erkannt. Wir hatten die ent­scheidenden Iugendjahre miteinander verbracht, wir hatten Hamsun und Dostojewski zusammen gelesen und die Nächte hindurch diskutiert. Ich hatte ihn seit sechzehn Jahren nicht mehr gesehen, wußte nicht, was aus ihm geworden war, wie es ihm ging, wo er wohnte, und was er trieb. Es ging wie ein Ruck durch mich hindurch. »Albert!' wollte ich rufen, aber dann fah ich, daß er mich gar nicht hören konnte, er war zu weit entfernt, wir konnten uns nur zu- winken, dann sahen wir uns wieder an, niemand konnte ein Wort sprechen. Jetzt fuhr mein Zug schon an, ich hätte meine ganze Reife drum gegeben, wenn ich ein paar Stunden mit ihm hätte zusammen sein können, aber er konnte nicht über die Gleise sprin- aen, bnrt drüben stand er wie ein Zeuge meiner Iugendjahre, bei ihm hätte ich sie ausgraben kön­nen, und mein Zug fuhr weiter, immer weiter, ich

Zum Abschieb überreichte der Fürst mir einen sehr hübschen Fächer mit feinem Namenszuge. Ein kleines Boot brachte mich vom Strande nach der sandigen Mino-no-matsubara-Halbinsel, wo mir in dem dortigen Heiligenschrein ein Stückchen des an» Federkleides der Fee gezeigt wurde. Als

Kleists Geschichte von einemTangentialschuß".

Der Tangentialschuß, bei dem ein Geschoß unter der Haut einen Teil des Körpers umkreist, so daß die grablintge Verbindung des Einschusses und Aus­schusses nicht dem Wundkanal entspricht und Organe, die auf dieser Linie liegen, verschont bleiben, sind den Äriegschirurgen unserer Tage sehr geläufig. In früheren Zeiten galt diese Erscheinung jedoch als etwas ganz Unerhörtes, und sie kam vielleicht auch bei der Art der damaligen Geschosse nicht so leicht vor. Das beweist ein Stelle in den Werken Heinrich von K f e i ft s , in der ein solches Vorkommnis als so ungeheuerlich hingestellt wird, daß der Erzähler es feinen Zuhörern freistellt, t>b sie ihm glauben wollen oder nicht. Diese Beschrei­bung eines Tangentialschusses vor 150 Jahren gibt Professor E. von Schubert als einen Beitrag zur Geschichte der Medizin in derDeutschen Medi­zinischen Wochenschrift":

Drei G schichten", sagte ein alter Offizier in einer Gesellschaft,sind von der Art, daß ich ihnen zwar selbst vollkommenen Glauben beimesie, gleich, wohl aber Gefahr liefe, für einen Windbeutel ge- halten zu werden, wenn ich sie erzählen wollte. Denn die Leute fordern als erste Bedingung von der Wahrheit, daß sie wahrscheinlich sei, und doch ist die Wahrscheinlichkeit, wie die Erfahrung lehrt, nicht immer auf feiten der Wahrheit."Erzählen Sie", riefen einige Mitglieder,erzählen Sie!" Denn man kannte den Offizier als einen heiteren und

ich Deduchi über mein Interview-Pech berichtete, klärte er mich auf:Der Fürst empfängt wohl aus« ländische Besucher, aber er läßt s i ch nicht be« ragen." Da Scnonji in feinen jungen Jahre« elbft Journalist gewesen ist und im Verein mit Baron Matsuda und einem gewissen Nakaye die liberale ZeitungToyo Iiyu Shimbun" (Orienta- jsche Freie Presse) herausgegeben hat, war ich iegesgewiß nach Okitsu gefahren. Aber es hat nicht ollen fein!

Oie Mörder Codreanus erschossen.

Legionäre drangen ins Gefängnis ein. Horia Sima erneuert Treubelenntnis zu Antonescu.

Bukarest, 28. Nov. (DNB.) Das Minister. Präsidium gibt eine amtliche Verlautbarung heraus, in der es heißt, daß in der Nacht vom 26. zum 27. November eine Gruppe von Legio. n ä r e n , die mit der Exhumierung Codreanus und der übrigen im MilitärgefängnisJilawa Ermordeten beschäftigt war, in das Gefängnis ein. gedrungen ist und einige der dort befindlichen poli. tischen Häftlinge erschossen hat. Diese Le. gionäre haben die Erschossenen als schuldig an der Ermordung Codreanus und der üb. rigen angesehen.

General Antonescu und Horia Sima miß. billigen diese Tat. General Antonescu und die legionäre Bewegung treten ein für Gerechtigkeit und Gesetzlichkeit. Die Täter werden streng bestraft. Horia Sima hat einen Aufruf an die leaionäre Bewegung erlassen, in dem es heißt: Es gibt ein einziges Gesetz: Die Rettung des Vaterlandes. Alle Initiativen einzelner gefährden das Vaterland, sind ein Verbrechen und werden bestraft. Ich befehle allen Legionären, auf der Linie des Capitans zu bleiben, der uns immer Gerechtigkeit befohlen hat. Der Aufruf schließt mit den Worten: Kameraden! Ordnung und Disziplin!" Horia Sima hat einen weiteren Aufruf an die legionäre Bewegung erlassen, in dem er namens der legionären Bewegung das Treuebeken nt- n i s zu General Antonescu erneuert und ihm bedingungslose Gefolgschaft verspricht. Jede Abweichung einzelner oder einzelner ßegionärgrup. pen von dieser von General Antonescu und Horia Sima festgesetzten Linie werde streng bestraft werden.

Oekanosow auf dem Wege nach Berlin.

Moskau, 27. Nov. (Europapreß.) Der zum Botschafter der UdSSR, in Berlin ernannte bis- herige stellvertretende Außenkommissar Dekano. s o w hat Moskau am Dienstagabend verlassen, um sich zur Uebernahme seines Amtes nach Berlin zu begeben. Neben dem deutschen Botschafter, Graf von, der Schulenbur g, hatten sich zur Der- abschiedung Dekanosows auf dem Bahnhof von sow- jetischer Seite der stellvertretende Präsident des Rates der Volkskommissare und stellvertretende Außenkommissar Wyschinski mit mehreren Ab« teilunasleitern des Volkskommissariats für auswär. tige Angelegenheiten eingesunden, von denen einige den sowjetischen Regierungschef Molotow auf seiner Reise nach Berlin begleitet hatten.

Nischen Stil erhebt sich in der Hauptstraße, in- mitten der primitiven Fischerbehausungen, mit an­schließendem Garten, der sich bis an den Strand erstreckt. Mich überraschte die für japanische Ver­hältnisse ungemein große, noch ungebeugte Gestalt des damals 83 Jahre alten Fürsten. Als wir beim obligaten Tee saßen, begann <5aionji m i ch zu interviewen. Er ist Ende der achtziaer Jahre der diplomatische Vertreter Japans in Berlin gewesen und interessierte sich sehr für Deutschland. Ich ver­suchte meine Fragen anzubringen vergebens! Er behielt das Heft in Händen und fragte unvermit­telt:Sie sind gewiß nach Okitsu gekommen, um ,Mi h a' in Augenschein zu nehmen? Ehe ich mich von meiner Verblüffung erholen konnte, fuhr Saionji fort:Ich gebe Ihnen die Geschichte von

Miho mit auf den Weg. Miho-no-matsubara bildet die Oertlichkeit, wo sich unser berühmtestes lyrisches DramaDas F e d e r k l e i d" abspielt. Ein Fischer entdeckte an einer Fichte ein Federkleid-, als er sich es aneignen wollte, tauchte eine wunder­schöne Fee auf, die um die Rückgabe bat, weil sie ohne Federkleid nicht nach dem Mond zurückfliegen könne, wo sie eine der Wienerinnen der 30 Herr­scher des Mondreiches fei. Der Fischer weigerte sich, aber als die Fee versprach, ihm einen Tanz der Unsterblichen vorzuführen, gab er nach. Die Fee hielt Wort, legte ihr Federkleid wieder an, schwebte himmelwärts und entschwand den Blicken des

In dem D'zsminister des Innern, D e b u ch i, fand ich 1931 in Tokio einen alten Bekannten wie­der, er war vor dem Weltkriege Sekretär der japa- Nischen Botschaft in Berlin und nach dem vierjäh­rigen Ringen ihr Geschäftsträger gewesen. M r lag viel an einem Inte rotem mit dem greifen Für - ft e n Saionji, der außer dem Prinzen Yama - g a t a und dem Marquis M a t s u k a t a damals der einzige Ueberlebende derGenro" genannten Aelteren Staatsmänner" war, die noch aus der alten Feudalzsit stammten und in wichtigen Staats- angelegenteilen eine große Rolle spielten.

Dank der Vermittlung Debuchis erklärte der Fürst sich bereit, mich zu empfangen. Doch da er in seiner im aristokratischen Viertel Surugadai gelegenen Be­hausung nicht anzutreffen war, so mußte ich mch nach dem gegen 180 Kilometer von Tokio entfern­ten Seestädtchen Okitsu an der Tokaida-Bahn begeben, wo er fern vom Großstadtlärm mit Vor­liebe in feinem dortigen Heim weilte, was erklär­lich ist, wenn man die herrliche Lage des Ortes in Betracht zieht. In Okitsu ist Fürst Saionji am 24 November 1940 auch gestorben. An der wunder­vollen Kiyomigata-Bai gelegen, schließt der Rund­blick die gebirgige Halbinsel Jzu, die Suruga-Bai, die terraffenarhgen Orangenhaine, die Gipfel der Fuji- und Ashitaka-Berge und die Landzunge M ho- no-matsubara ein, die für mein Interview vevhäng- n svoll werden sollte. Erwähnt sei, daß die Kirch­bäume, die um das Grab des aus dem amerika­nischen Sezessionskrieg her berühmten Generals Grant in Neuyork gepflanzt wurden, aus dem fast nur von Fischern bewohnten Ok tsu stammen und das Städtchen wegen der dort gefangenen . r»..~ Okitsudai- und Shirasu-Fische berühmt ist.

Saionjis zweistöckiges einfaches Haus im iapa° i geblichen

Vie claAxm

g was für gute Speisen

und Gebäcke Sie für Kinder mit

Gustin

M herstellen konnen.Vel* langen Sie Rezepte voll

DR. AUGUST OETKER, BIELEFELD

Zwanzig Lahre.

-bon orniT kreuder.

Ich hatte schon drei Jahre imAlten Peter" ver­geblich auf Maltaner gewartet. Endlich tarn er am vierten Abeno, und ich wartete, bis er fein Glas Bier ausgetrunken hatte. Dann fragte ich ihn: »Haben Sie einen gefunden?"

Es war sehr schwierig", wich er aus.

Zn wleoiA Stabten waren Sie dieses Mal?"

In sieben!" sagte er.Eigentlich war es kein Urlaub, denn ich hatte Geschaftsaufträge mit und konnte mch der Sache nicht ungestört widmen."

SeineSache" war ein besonderes Steckenpferd, über das er nicht gern sprach. Er benutzte aber offenbar jedes Jahr seinen Urlaub dazu, in einige große Städte zu fahren, um dort plötzlich unver­mutet, an einer Straßenecke, in einem Zigarren­laden oder an einem Bahnhofsbüfett einen alten Freund oder Bekannten wiederzusehen. Zwanzig Jahre, das schien seine Spezialität zu sein. Wenn er in einer fremden Stadt plötzlich jemanden traf, den er feit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte, dann geriet er in einen Zustand von schwermütiger Ausgelassenheit.

Und wie war es diesmal?" fragte ich weiter.

Es war in Frankfurt", sagte er,und es war schon die fünfte Stadt. Ich amg die Kaiserstraße hinauf zur Hauptwache, dann die Zeil bis zur Kon.- ftabler Wache und wieder zurück, da sah ich ihn aus einem Fahrradgeschäft kommen. Es war Willi Lemke, wir hatten einst zusammen Indianer ge­spielt. Er war das »Große Falkenauge' gewesen und ich der »Blitzende Pfeil'. Wir hatten uns in den Arm geschnitten und einer des anderen Blut getrunken, das bedeutete Treue bis in den Tod. Ich hatte ihn dreißig Jahre nicht mehr gesehen, es war mein Re­kord. Ich ging auf ihn zu und sagte bewegt: »Gro­ßes Falkenauge, dein roter Bruder, der Blitzende Pfeil, grüßt dich im Namen Manitous!' Was, denken Sie, erwiderte er mir? Nichts. Er nickte nur. Dann fagte er: »Ja, Maltaner, wie die Zeiten ver- gehen. Ich hätte dich kaum noch erkannt.' Das war alles. Wir gingen ein paar Schritte nebeneinander, er zeigte mir die Radglocke, die er gekauft hatte: wir sprachen über das Wetter, dann konnte ich meine Enttäuschung nicht länger verbergen, ich ver­abschiedete mich und stieg in die Linie 3.

In Nürnberg passierte mir folgendes: Ich kam von der Burg und ging die Königstraße hinunter zum Bahnhof, als mich plötzlich ein Soldat, ein

Besitz einer genügenden Anzahl von Schiffen ab." Da ist die Schlußiolgerung aus seinen Darlegungen, daß die bösen Deulfchen eben die erforderliche An­zahl von Schiffen entweder versenken oder den Bau neuer Schiffe vereiteln. Die Versenkungsziffern, sagte nämlich Croß, machten sich sehr einschneidend bemerkbar. England müsse seine Importwaren und darauf ist es angewiesen auf eigenen Schif­fen heranschaffen, der Neubau von Handelsschiffen auf britischen Werften oder auf denen des Empire fei nicht möglich, aber und nun kommt das Ge­ständnis, das über diesen Tag hinausweist:Selbst bei Hinzunahme der Werften der USA. ist es recht zweifelhaft, ob England, auf lange Sicht gesehen, über genügend Handelsschiffe verfügt." Diesem Sätze des englischen Schiffahrtsministers klingen gerade­zu wie ein Todesurteil für die letzten verzweifelten Ho-L-ng^n der Engländer, durch amerikanische f-Hl'fe sich über Wasser zu halten. Diese englischen Ministerworte lassen sich nicht drehen noch deuteln. Die Ausführungen des berühmten englischen Wirt­schaftsblattes, desEcciiomift", man könne es sich nicht unbegrenzt leisten, Schiffe und Frachten im gegenwärtigen Umfange zu verlieren, geben dazu nur die begleitende Trauermusik.

In den USA. weiß man, daß Englands schwerste Stunde gekommen ist. DieNew Vjort Sun" läßt sich aus London melden, die Sache sei hoffnungs­los. Die Schiffsverlufte Englands würden mit der Frühjahrsoffensioe der beutfdjen U-Boote noch zu­nehmen, gegen die deutschen Bomber gebe es kein Heil. Es fei ein starkes Stück, den Amerikanern zu- zumuten, sie sollten der englischen Versicherung glauben, die zehntausende Tonnen von Bomben hätten nur Kirchen, Krankenhäuser, Schulen usw. getroffen, Fabriken und wichtige Anlagen dagegen nur geringfügig beschädigt". Das britische Volk sehe mit eigenen Augen, wie groß die Verluste seien, und glaube den Regierungskommuniquös kein Wort. Andere amerikanische Zeitungen schreiben tm gleichen Sinne und fordern, daß man Englands Notlage ausnutzen und sich die Abgabe von einigen Zerstörern mit der Abtretung weiterer englischen Besitzungen im Karibischen Meer nach dem Vorbild des ersten fetten Geschäfts für die Yankees be- zahlen lassen solle? Wenn aber dieNew Bork Sun" schreibt, die Selbstgefälligkeit, die Verdrehung gen und das Zaudern, die Wahrheit zuzugeben, seien vielleicht ebenso gefährlich für die britische Sache wie die nächtlichen Bombenangriffe, dann muh man geftefjerr, daß die Unerbittlichkeit der Tat­sache schließlich selbst die Minister der Churchill- Regierung zwingt, die Wahrheit zu sagen, wie sie jetzt Englands Schiffahrtsminister am Rundfunk eingestehen mußte! E. S.

schätzenswürdigen Mann, der sich der Lüae nie« mals schuldig machte. Der Offizier sagte lachend, er wolle der Gesellschaft den Ge/allen tun; erklärte aber nock einmal im voraus, daß er auf den Glau­ben derselben in diesem besonderen Falle keinen Anspruch mache. Die Gesellschaft dagegen sagte ihm denselben im voraus zu; sie forderte ihn nur auf, zu reden und horchte.

Auf einem Marsch 1792 in der Rheinkampagne/ begann der Offizier,bemerkte ich nach einem Ge­fecht, das wir mit dem Feinde gehabt hatten, einen Soldaten, der stramm, mit Gewehr und Ge­päck, in Reih und Glied ging, obschon er einen Schuß mitten durch die Brust hatte, wenigstens sah man das Loch vorn im Riemen der Patronentasche, wo die Kugel eingeschlagen hatte, und hinten ein anderes im Rock, wo sie wieder heraustzeganaen war. Die Offiziere, die ihren Augen bei diesem seltsamen Anblick nicht trauten, forderten ihn zu wiederholten Malen auf, hinter die Front zu tre­ten und sich verbinden zu lassen, aber der Mensch versicherte, daß er gar feine Schmerzen habe, uno bat, ihn um dieses Prellschusses willen, wie er es nannte, nicht von dem Regiment zu entfernen Abend, da wir ins Lager gerückt waren, untersuchte der herbeigerufene Chirurgus seine Wunde und fand, daß die Kugel vom Brustknochen, den sie mch! Kraft genug gehabt hatte, zu durchschlagen, zurück­geprallt, zwischen der Rippe und der Haut, weiqe auf elastische Weise nachgeaeben, um den ganzen Leib herumgeglitscht und hinten, da sie sich om Ende des Rückgrats gestoßen, zu ihrer ersten senk­rechten Richtung zurückgekehrt und aus der Hau! wieder hervorgebrochen war. Auch zog diese kleine Fleischwunde dem Kranken nichts als ein Wund- fieber zu, und wenige läge, verflossen, so stand et wieder in Reih und Glied."

Wie?" fragten einige Mitglieder der Gesellschaft' betroffen und glaubten, sie hätten nicht recht ge* hört.Die Kugel? Um den ganzen Leib herum? Im Kreise?" Die Gesellschaft hatte Mühe, ein Ge­lächter zu unterdrücken.Das war die erste Ge­schichte", fagte der Offizier, indem ep eine Pn« Tabak nahm, und schwieg.Beim Himmel", platz« ein Landedelmann los,da haben Sie recht, Bit Geschichte ist von der Art, daß man sie nicht? glaubt!" Es folgen bann noch zwei Geschichten von für uns höchst unwahrscheinlichen Explosions- folgen, die aber bei den damaligen Zuhörern ge* ringere Zweifel hervorriefen als unsere Erzählung, die wir heute ruhig als Wahrheit hinnehmen.

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