Ausgabe 
27.9.1940
 
Einzelbild herunterladen

große Anhängerschaft vorfinden werde. Man hatte mit keinem Kampf gerechnet, aber die französischen Kriegsschiffe, die von Toulon nach Dakar entsandt worden waren, hatten bereits wohlausgebildete Truppen an Bord, die wahrscheinlich die in Dakar stehenden und mit General de Gaulle sympathisie­renden Truppen ablösen sollten.Daily Heralb" schreibt: Die ganze Dakar-Affäre scheint eine küm­merliche Stümperei gewesen zu sein, die ihren Grund in übertriebenen Hoffnungen hatte.

lieb er die wahren Hintergründe der mißglückten Aktion auf Dakar schreibt derPetit Dauphinois", vieles erkläre sich heute aus der wahren Besessen­heit der englischen Regierung, sich die Schiffs- route nach Indien zu sichern. Nachdem nun England den Weg um das Kap der guten Hoff­nung wählen müsse, sei es nicht unmöglich, daß es die Küste dieser Weftasrikaroute entlang seinen Handelsplätzen und Stützpunkten einoerleiden wolle. So könne man sich den Angriff auf Dakar, die Schlüsselstellung des Südatlantik, erklären.

Weitere französische Systemgrößen verhaftet.

Genf, 26. Sept. (Europapreß.) Vincent A u - riol, Finanzminister im Kabinett Blum, Marx D o r m o y, Innenminister im Kabinett Blum, Ju­les Mach, Kabinettschef im Kabinett Blum und der Jude Salomon G r u m b a ch , der jahrelang einer der Präsidenten der außenpolitischen Kammer- kommission war, sind im Zusammenhang mit dem politischen Strafprozeß von Riom verhaftet worden. Die Verhafteten sind vorläufig in Pelle- voisin im Departement Indre interniert und sollen demnächst nach Schloß Chazeron gebracht werden.

so daß nichts anderes übrig blieb, als reinen Tisch zu machen. Die Parteienherrschaft, die Norwegen so schwer geschadet hat, gehört der Vergangenheit an wie das oolksfremde Königshaus, dessen Haupt gewissenlos genug ist, im englischen Solde gegen die lebenswichtigen Interessen Norwegens in seiner

Weise zu kämpfen. Der Gestaltwandel in Nor­wegen, der sich auf Persönlichkeiten stützt, die sich dem Reichskommissar bereitwillig zur Verfügung gestellt haben, bildet die Gewähr dafür, daß Nor­wegen einer glücklichen Zukunft im nordischen Raume entgegengeht.

Presse ein außerordentlich starkes Echo.Tidens Tegn" begrüßt es, daß durch die Rede des Reichs­kommissars endlich wieder klare Verhält­nisse in Norwegen geschaffen wurden und er­klärt:Die Rede gab eine Antwort auf die Unge- wißhheit, in der unser Volk seit Beginn der Ver­handlungen zwischen der Präsidentschaft des Stör-

Die Neuordnung in Norwegen.

Oslo, 26. Sept. (DNB.) Reichskommissar Gau­leiter Terbooen hielt im norwegischen Rund­funk eine grundlegende Rede, deren entscheidende punkte wir bereits veröffentlichten. Als am 9. Juni ).J. die Engländer in überstürzter Flucht den etzten Teil norwegischen Bodens verlassen hätten, io führte der Reichskommissar aus, sah sich der Rest der norwegischen Armee gezwungen zu kapi­tulieren. Damit war die Einheit des norwegischen Reiches wiederhergestellt und das gesamte Land unter den Schutz der deutschen Waffen genommen. Da gleichzeitig mit den Engländern der König und die Regierung Nygaardsvold außer Landes flüch­teten, war für das norwegische Volk eine völlig neue politische Situation gegeben. Das deutsche Volk hegte weder früher noch hegt es heute irgendwelche feindseligen Gefühle gegen das norwegische Volk. Es fühlt sich im Gegenteil ihm als einem Glied der großen nordischen Volksfamilie verwandtschaftlich verbunden und legt Wert darauf, mit ihm in Freundschaft und gegen­seitiger Achtung zusammenzuleben und zusammen­zuarbeiten, eine Freundschaftserklärung allerdings, deren Wert nur dann realisiert werden kann, wenn sie nicht einseitig ist. Unter diesem Gesichts­punkt, so stellte der Reichskommissar fest, seien die Verhandlungen mit den alten Par­teien begonnen worden. Sie seien bis in die jüngste Zeit gelaufen und schließlich auf seine Wei­sung vor einigen Tagen abgebrochen worden, als man entgegen des Storting-Beschlusses, nach dem der Reichsrat aus eigener Verantwortlichkeit arbeiten sollte, den Versuch gemacht habe, durch juristische Kniffe den alten Parteien den entschei­denden Einfluß auf den Reichsrat zu erschleichen.

Der Reichskommissar gab dann die schon mit­geteilten Folgerungen aus dieser Situation bekannt und schloß: Die politische Entwicklung der letzten Jahre hat eindeutig die Richtigkeit der politischen Thesen vonNational S a m m l i n g" und seinem Führer Vidun Quisling erbracht. Viel Leid und Not wäre dem norwegischen Volke er­spart geblieben, wenn es sich diesen Auffassungen erschlossen hätte. Nach wie vor, so betonte der Reichskommissar, bin ich und mit mir das deutsche Volk bereit, mit allen Kräften an dem Wiederauf­bau der norwegischen Wirtschaft mitzuarbeiten. Ich bin überzeugt, daß ihr im Rahmen der sich voll­ziehenden Neuordnung des europäischen Raumes eine große Zukunft bevorsteht. Für eine Lösung die geeignet ist, dem norwegischen Volke Freiheit und Selbständigkeit zu sichern, gibt es nunmehr nur einen Weg. Er führt überNational Sammling".

Großer Eindruck in Oslo.

Oslo, 26. Sept. (Europapreß.) Die Rede des Reichskommissars Terboven hat auf den Mann auf

wegischen Rundfunk die Erleichterung und Befrie-. diguna fest, die man in Oslo gefühlt habe, nachdem eine stabile Ordnung geschaffen worden sei. Der Führer des Deutschen Reiches habe durch den Reichskommissar seine Großmütigkeit gegenüber dem norwegischen Volk gezeigt; Die Neuordnung habe eine enge und fruchtbare Zusam­menarbeit zwischen Deutschland und der nor­wegischen Verwaltung sichergestellt. Deshalb könne man schon jetzt feststellen, die neue Ordnung werde in weiten Kreisen des norwegischen Volkes mit Zufriedenheit begrüßt.

Die Rede des Reichskommisiars findet in der

ting und dem Reichskommissar schwebte.Afton- posten" spricht von einem geschichtlichen Augenblick im Leben des norwegischen Volkes, das mit dem deutschen Volk eng Zusammenarbeiten werde. Es sei nun eindeutig klargelegt, daß der Weg zur Frei­heit und Selbständigkeit des norwegischen Volkes einzig und allein von dernationalen Sammlung" des Majors Quisling begangen werden könne. Das Quisling-OrganFritt Folk" stellt den moralischen und politischen Zusammenbruch des alten Partei­systems heraus. Dienationale Sammlung" werde nunmehr nach einer Kampfzeit von acht Jahren daran gehen, ein besseres Norwegen auf­zubauen. Jeder aufrichtige Norweger habe die Fest­stellung des Reichskommissars von der Korruptheit des alten Parteisystems aus vollem Herzen be­grüßt.

London unter den deutschen Vergeltungsschlägen.

1

4 »

- M fÄB r|i LH

;

M« v.:;.

ML L' \ %

.M ... LH

« >. V' - W

* x '"W

......

Trotz ständiger Warnung suchen die britischen Flieger auf den Mordbefehl Churchills hin bei ihren nächtlichen Einflügen über deutsches Reichsgebiet bewußt Wohnsiedlungen als Ziele für ihre Bomben­angriffe. In immer stärkerem Maße ist nun die deutsche Luftwaffe zu Vergeltungsflügen über­gegangen, bei denen sie die militärischen Ziele der Festung London, zu der das gesamte Gebiet, der unteren Themse gehört, in rollenden Angriffen erschüttert. Unser Bild, das aus London nach Amerika gefunkt wurde und jetzt hier eintraf, zeigt, wie ein zweistöckiger Autobus von dem D?uck der Bombe in ein Geschäftshaus geschleudert wurde und dessen Fassade erheblich beschädigte. (Scherl-Bilderdienst-M.)

der Straße in Oslo großen Eindruck gemacht. Durch Monate hat das Volk auf eine Neuordnung des Staates gewartet, jetzt hat der Reichskommissar dem Volke die neue große Möglichkeit gegeben, sich in dem neuen Europa au orientieren. Das nor­wegische Volk war von Der englischen Propaganda verblendet und hat in den letzten dreißig Jahren die Entwicklung seines germanischen Brudervolkes nicht verstanden. Die norwegischen Regierungen der letzten Jahrzehnte hatten das Land zur Verfügung, Englands gestellt, und ttotz ehrlicher und aufrich­tiger Freundschaftserklärungen von deutscher Seite war es unmöglich, den Norwegern die Augen zu öffnen. Nur eine Partei, die Partei der natio­nalen Sammlung, hat die große neue Ent­wicklung verstanden. Große Zufriedenheit hat es auch ausgelöst, als der Reichskommissar versprach, daß das deutsche Volk ehrlich und kameradschaftlich mit dem norwegischen Volk zusammenarbeiten und das Deutsche Reich Norwegen und das Land wic- deraufbauen helfen wolle. Der Reichskommissar habe mit seinen Bestimmungen die besten Voraus­setzungen für ein freies und arbeitendes Norwegen geschaffen.

Der neue kommissarische Staatsrat für Dolksauf- klärung und Kultur, Dr, ßurib e, stellte im nor-

Das britische Fiasko vor Dakar.

Stockholm, 26. Sept. (Europapreß.) Das Lon­doner Hauptquartier des Verräters Generals d e Gaulle hat in den späten Abendstunden des Mittwoch ein Kommunique veröffentlicht, in dem die Öffentlichkeit auf das endgültige Schei­tern der Dakar-Affäre in schonender, aber un­mißverständlicher Weise vorbereitet wird. De Gaulle läßt erklären, daß in Dakar die Lage heute völ­lig anders sei, als es in dem Augenblick der Fall war, in dem drei Kreuzer von Toulon abgin­gen und durch die Straße von Gibraltar fuhren, um sich nach Dakar zu begeben. Es habe den An? schein, als ob die französische Regierung von Vichy Verstärkungen nach Dakar entsandt habe, so daß die Verteidigung der Stadt heftiger ge­wesen sei, als man habe erwarten können. Jeden­falls habe sich die Lagebeträchtlich ge­ändert". Schließlich erwecke es den Anschein, als ob die Vichy-Behörden in Dakar alle de Gaulle freundlich gesinnten Franzosen frühzeitig ge­nug verhaftet haben.

Der Abbruch der Aktion gegen Dakar wurde

dann am Mittwochnachmittag amtlich in London bekanntgegeben. In einem ausführlichen Kommu­nique wird sorgfältig betont, daß den britischen Ein­heiten angeblich nur die Rolle zugefallen sei, die Streitkräfte de Gaulles zu unterstützen, nicht aber die Initiative zu ergreifen. So heißt es auch, daß dieStreitkräfte de Gaulles einen Landungs­oers u ch unternahmen, der keinen Erfolg hatte". Nachdem es daraufhin klar geworden sei, daß nureine größere kriegerische Operatton" den Fall von Dakar herbeiführen könne, wurde be­schlossen, die Feindseligkeiten e i n a u st e l l e n. Die beteiligten Streitkräfte würden daher zur Zeit aus dem Gebiet von Dakar zurückgezogen.

Alle Zeitungen stellen fest, daß die Expeditton de Gaulles ungenügend vorbereitet war, und daß England wie sichDaily Mail" ausdrückt einen Prestigeverlust er st en Ranges erlitten hat". Das Blatt nennt den Landungsversuch de Gaulles ein Fiasko.Daily Telegraph^ schreibt: Die Expedition verließ England in der Annahme, daß General de Gaulle in Dakar eine

Eine bittere Lehre.

Es gibt in dieser Zeit seit dem Abschluß des Waffenstillstandes mit Frankreich genug Aeußerun» gen der französischen Oeffentlichkeit, aus denen her» oorgeht, daß die Franzosen aus dem völligen Zu­sammenbruch von zwei Jahrzehnten imperialistischer Politik praktisch noch herzlich wenig gelernt haben. In einem Punkt freilich wird ihnen die Erkenntnis der Tatsachen leicht gemacht, und zwar hinsichtlich des französisch-englischen Verhältnisses. Das franzö­sische Staatsgebiet wurde von England als haupt­sächlichster Kampfplatz für diesen englischen Krieg ausgewählt. Frankreich hatte seine gesamte Wehr­macht für England zu mobilisieren und in die erste Linie zu stellen. Die dringlichsten französischen For­derungen nach Verstärkung der englischen' Expedi­tionsarmee blieben ungehört. Spätestens nach der englischen Flucht aus Namsos hätte Frankreich wissen müssen, welches Spiel England mit ihm in diesem Kriege trieb. Es hat in einer geradezu un­faßbaren Leichtfertigkeit alle Tatsachen übersehen. Ja, nicht einmal die feige Flucht der Engländer aus dem Raum von Dünkirchen vermochte die Franzosen über ihre Verbündeten genügend aufzuklären, deren Flucht sie mit schweren Opfern decken durften.

Es kam dann nach dem Waffenstillstand zur Auf­bringung französischer Handelsschiffe durch englische Seestreitkräfte. Es kam weiter bald zu Bomben­würfen englischer Flieger auf französisches Gebiet. Es kam zu dem englischen Bubenstück von Dran und der englische Unterricht für Frankreich erreichte einen vorläufigen Höhepunkt mit dem Angriff auf eins der größten französischen Kolonialgebiete mit der Haupfitadt Dakar in Westafrika.

In französischen Regierungskreisen rft man volle? Empörung über den langjährigen englischen Bun­desgenossen. Das ist an sich menschlich begreiflich. Aber das kann uns nicht an der Feststellung hin­dern, daß an diesen französischen Enttäuschungen mit England niemand anders schuld ist als Frankreich selbst, das immer wieder die Hand des Führers zurückstteß und nur seine Versailler Gedankengänge im Kops hatte. Es gibt in der ganzen Weltgeschichte kaum einen Vorgang für die Tatsache, daß die einst größte Militärmacht Europas, Frankreich, in ihrer Überheblichkeit und ihrem sturen Imperialismus so weit ging, daß sie sich innerhalb weniger Monate zum willenlosen Trabanten eines England machte, mit dem es nie­mals völkische Gemeinsamkeit, sondern nur blutige Kriege und in neuerer Zeit die politischen Geschäfte einer emporgekommenen Adootatenclique gehabt hat. Der Ueberfall von Dakar wird gewiß nicht die letzte englische Lektton für Frankreich sein. Die Lehre ist gewiß bitter, aber angesichts der französischen Un- velehrbarkeit unvermeiolich.

Oie weiße Seerose.

Von Anton Schnack

Die Mädchen am Ufer des weidenumbuschten Teiches will ich bitten, sie nicht zu pflücken. Gewiß ist der aus dem brüchigen Stiel geflochtene und von weißen Blüten unterbrochene Kranz schön und eigen­tümlich. Am beston wird diese lebhafte und wässerig glänzende Zier Sabina schmücken; denn ihr Haar hat Die Schwärze des Ebenholzes, auch hat es eine reiche Lockenfülle, die dem Kranze recht ist er wird wie ein Silberreif auf dem schwermütigen Mädchenkopfe strahlen.

Die Blüten kommen von unten, und was von unten kommt, hat irgendeinen geheimen und be­törenden Zauber. Ihr Mädchen, in die weiße Blüte auf dem Wasserspiegel verliebt, seht nicht den groß­mäuligen Fisch mit den langen gleitenden Bart­fäden und der düsteren Moorfarbe; unruhig schwimmt sein mißgestalteter Leib am Wurzelstock der Wasserrose vorbei und taucht in das Schlamm­gewölk des Grundes. Ihr denkt auch nicht an den rotgefleckten Molch, der mit gezacktem Schwanz und gesträubtem Kamm der kriegerischen Larve der gro­ßen Libelle zu Leibe will. Ihr Mädchen seht nur die Schönheiten des regungslosen Wasserspiegels im Sonnenglanz, aber unter dem Spiegel ist das fahle Reich der Fäulnis und des Morastes, das Lager augenloser Würmer und blutgieriger Egel. Nacht ist unten, Ungewißheit und Wirrwarr sind unten und die strudelnden Öffnungen unbekannter Quel­len, die Dopeinft die Zugänge zu den Schlupfwinkeln und Muschelpalästen der Nixen und silbernen Was­sermänner waren.

Die weiße Seerose hat eine geheime Seele und die Gewohnheiten einer wunderbaren Uhr. Wenn die Mädchen Sabina, Imogen und Genofeva noch im traumumspielten Schlummer am Morgen liegen, steigt der grüngekapselte Knopf der Seerose aus dem Wasser und wendet sich nach der östlichen Himmels­türe, aus der die ersten Strahlen der Sonne in die Schleier des Morgennebels schießen. Dem heißen Kuß des Gestirns Öffnet sich die Blüte; ihr weißes Auge hat sich aufgetan, um verzückt das Feuer der Sonne zu trinken. Dem goldenen Sonnenwagen folgt dis Blüte mit unwiderstehlicher Anhänglichkeit,

wie das von der Liebe schimmernde und glänzende Auge der Geliebten dem Freunde folgt. Und wenn der Sonnenboaen im Westen zur Neige geht und in den blauen Abgründen der Dämmerung versinkt, dann schließt sich wieder die fronenartig gestaltete Qeeblüte und birgt die empfangene Wärme im In­nern. Im Innern aber lebt das Herz der weißen Nymphe, der Nymphaea alba.

Möge Liebesglück den Mädchen Sabina, Imogen und Genofeva hold und reich zuteil werden! Das Liebesglück der in der Blume wohnenden Nymphe war gering und ohne Erfolg. Auf dem Spiegel des Teiches schwimmt nun das gebrochene Herz eines Wesens, das aus Liebeskummer starb. Die Wärme 'und Röte des Blutes sind aus den Herzkammern gewichen, zurück blieben das kühle, fast metallene Blattfleisch und der bezaubernd weiße Farbenschein. Aber dem geheimen Nymphengeist der Seerose ist noch nicht die Erinnerung an den starken und herr­lichen Helden Herkules geschwunden. Immerdar wird ihr die Sonne das Sinnbild des Halbgottes sein, der eine Rüstung aus edlem Metall trug und bezwirn gende Augen hatte. Obwohl die Nymphe jedesmal dem Herkules durch die dünnen und windschwan­kenden Schatten der Olivenhaine folgte und seinen klirrenden Nameis dabei wie eine Verzückte rief der Mann, dem int Ohre Keulengetöse und Kampf­rufe brausten, hörte den Vogelruf der Nymphe nicht; sie war ihm gering wie eine zur Erde gefal­lene Elsterfeder. Die Nymphe tanzte, angetan mit einem siebenfarbigen Schleier, immer einer dünner und durchsichtiger als der andere, einen Kreis um seine Rastplätze auf Thymianhügeln, oder sie tanzte an den Stufen der Tempelsäulen, die einen schwar­zen Schattenstrich in den Mittag zogen, darin sich eine Handvoll Wind gesammelt hatte, der über den kampfmüden Herkules erquickenden Atem fächelte. Aber ihm, der beim Schweifen durch die Schlüfke und Grüfte der thessalischen Berge hungrig gewor­den war, schien der Genuß einer am offenen Feuer gebratenen Hirschkeule wichtiger als die blumen- stengelartigen uno gebrechlichen Schenkel einer tan­zenden Nymphe. Sie kauerte sich unter die Türen zu den Schänken, wo Herkules Wein aus Samos tranf, gewürzt mit Honig und Hara. Doch der Halb­gott ließ sich die Trinkschale von Den Töchtern der Wirte, füllen; die weiße, fast durchsichtige Nymphe, 'die gleich einem verlorenen bleichen Mondstrahl am Gebälk ruhte, sah er nicht. Wahrscheinlich war jein

Blick jedesmal getrübt; entweder von dem dampfen­den und ätzenden Blut der erlegten wilden Rinder und Zentauren, oder vom alten und schweren Wein, von dem er immer ein ganzes Faß austrank.

Die Nymphe Alba wurde aus Kummer und Lie­besgram schließlich winzig und klein wie ein vom Wind gebrochenes Blatt. Und da sie aus leidooller Sehnsucht Bäche von Tränen gemeint tjatte, wurde von der Göttin der Liebe die Unglückliche in die stillen Gewässer des Sees Orchomenes in Böotien gesetzt, in die Nachbarschaft der in Schilfrohr ver­wandelten Nymphe Syrinx. Beiden Nymphen hat die Liebe ein gleiches Schicksal bereitet, aber aus entgegengesetzten Ursachen: Alba suchte vergeblich die Leidenschaft und die Liebe von Herkules, Syrinx floh die wilden Nachstellungen des bockfüßigen und hörnergeschmückten Pan.

Und ihr Mädchen wißt nun, daß der liebes­lüsterne Pan sich deshalb im Gewirr und Geklirr des Schilfrohrs vor allem aufhält er lauscht mit grinsendem Gesicht dem Geflüster des Rohrs, woraus der langbehaarte Tölpel noch immer die betörende (Stimme der verzauberten Syrinx hört. Nehmt euch also in acht, wenn ihr vom trügerischen Teichufer die Hände nach der weißen Blüte der Seerose ausstrecki, daß euch nicht plötzlich die Arme des Pan umklammern, der gerne die Gestalt von Binsenschneidern, Grasmähern und halbnackten Anglern annimmt!

Manchmal an besonders lautlosen und gläsernen Sommermittagen, wo ein Gewitter nicht fern ist, hat er sich in die fischschwänzige Gestalt eines Wassermanns verwandelt und lauert mit runden und unheimlichen Augen zwischen den herzförmigen Blättern der Seerosen. Seine Finger, dünn und grau wie Fischbein, halten die prächtigste, die Kö­nigin aller Teichrosen, eine Wunderblüte, die nicht porzellanweiß glänzt, sondern ganz kristallen. In der Mitte trägt sie einen Goldknopf. Die Blüte zu besitzen und in das Haar oder an die Brust zu heften, ist das Verlangen der Mädchen. Aber stehen­des grünliches Wasser lächelt seltsam. Es ist noch das geheimnisvolle Lächeln der lockenden Nixen aus uralten Märchenzeiten darin. Das ist der Grund, warum manchmal eines der Mädchen nicht mehr am Abend über die Wiesen nach Hause laufen wird, wo die Behausungen der horngeflügelten Grillen sind. Auf dem Teiche Haden sich oje Knöpfe aller

Wasserrosen geschlossen; denn die Sonne ist unter­gegangen. Die größte Rose, die mit dem Goldknopf in alabasterweißer Blätterschale, ist mit Sabina in die Tiefe gesunken.

Oer ewige Quell*

Schwerflüssig wie Bauernblut ist die Sprache dieses Films, in dem Fritz Kirchhoff nach einer Erzählung von Johannes Linke das Schicksal eines in verhängnisvollen Wahn verstrickten und durch bitteres Leid wieder befreiten Bauern ge­staltet. Der ewige Quell des Landes ist das Wasser, wer sich an ihm versündigt, mit dem geht es berg­ab. Das muß der Lohbauer erleben, der in einem Sommer trostloser Dürre das kostbarste Gut seines Hofes, das Wasser, verschleudert, den Einflüsterun-- gen eines entwurzelten Tunichtgut nachgibt und nach Gold gräbt. Der Goldrausch macht den ernsten, pflichtgetreuen Mann blind und taub für alles, was um ihn herum oorgeht. Er hört auf keine War­nungen, er sieht keine mahnenden Zeichen, er glaubt an das Gold mit der gleichen sich ganz hingebenden Besessenheit, die früher seiner Arbeit in Hof und Feld galt. Furchtbar ist bas Erwachen, aber es kommt nicht zu spät. Das Gold erweist sich zwar als trügerisch gleißender Schein, abgefeimte Schur­ken bringen den Bauer fast um Haus und Hof, und schwer muß er sühnen für die Untreue am Erbe der Väter. Aber dann ergießt sich wieder der ewige Quell über Aecker und Wiesen und verheißt neues Leben. Eugen Klöpfer spielt den Lohhof­bauern. Breit und wuchtig, wie die Tiroler Berge um seinen Hof, steht er da, wortkarg und felbftbe- wußt, bis die Goldgier in seine ruhigen Augen das gefährliche Flackern bringt und seine sichere Hand vor innerer Erregung zu zittern beginnt. Lina Car­stens, still und herb, ist die Bäuerin, Alexander Trojan, eifernd und hitzig, der Sohn, Käthe M e r k die Braut. Den Goldgräber spielt Bernhard Minetti, etwas Tückisches im Blick, frech im Gehaben, mag er auch anfangs selbst noch an sein Gold glauben. Als er seinen Irrtum begreift, wird er zum kalten Verbrecher. Eine ausgezeichnete Porträtskizze gab Luis R a i n e r als der alte Wün­schelrutengänger. Albert Hörrmann machte sehr charakteristisch einen skrupellos verschlagenen jüdi­schen Beutelschneider. (Bavaria-Filmkunst.)

Dr. Fr. Ä. Lang^i