sten nicht mehr seit 1933. Und zweitens liegt die Erklärung für jenen politisch tödlichen Widerspruch darin, daß Frankreich, d. h. sein Volk, seine Oeffent- lichkeit seit Jahr und Tag genau so wie das englische Volk planmäßig darüber belogen wurde, daß sich Europa schon seit einem halben Dutzend Jahren mitten in einer unerhörten Revolution befindet. In beiden Ländern hat man bis weit in das Jahr 1940 hinein alle Beweise für die Tatsache übersehen, daß „die Landkarte Europas umgezeichnet wird", wie Mussolini es einmal 1935, also schon vor fünf Jahren nannte.
Die europäische Revolution tritt nunmehr mit dem fünften Feldzug dieses Krieges, mit dem F e l d- zug gegen England, in ihr bedeutsamstes Stadium. Es geht gar nicht mehr um den großen weltanschaulichen Kampf zwischen Nationalsozialismus und Liberalismus, nicht mehr um die Auseinandersetzung zwischen den autoritären Ordnungsmächten und der plutokratischen Demokratie. Diesen Kampf darf man bereits als entschieden bezeichnen. Es geht vielmehr um die endgültige Beseitigung des größten und bisher mächtigsten Störungsherdes gegen den europäischen Frieden und darüber hinaus um die Freiheit der Völker schlechthin.
Dieses nach der genügsamen, unterwürfigen Ansicht einer ganzen Reihe von Staaten so übermächtige, so überreiche, so unangreifbare England bietet in diesem Augenblick, da das unerbittliche Schicksal mit Donnerschlägen an seine Pforten pocht, ein höchst sonderbares Bild abstoßender Würdelosigkeit. In einem Gemisch aus Wut und Angst sieht sich dieses England zum erstenmal in seiner Geschichte gezwungen, seinen Krieg ganz allein auszufechten — kein einziges Volk der Erde steht mehr bereit, sich für die englischen Pfeffersäcke zu verbluten, sich dafür schäbig bezahlen und am Ende wie immer um den Kampfeslohn betrügen zu lassen.
Merkwürdig: obwohl ja Englands großmäuliger Generalstabschef, General Jronside, den deutschen Generalen genügendes Alter und genügende Erfahrung in geradezu verächtlicher Form absprach, hat er es doch, so weit es nur irgend möglich war, peinlich vermieden, die englischen Generale ihre Erfahrungen und ihr Alter an den deutschen Generalen erproben zu lassen. Ueberall, in Andalsnes, in Abbeville, in Dünkirchen, in Narvik haben sich die englischen Generale mit ihren Truppen fluchtartig „vom Feinde gelöst". Darüber hinaus war diese angeblich so überlegene englische Generalität noch nicht einmal im Stande, ihrem Lande die unbedingt nötigen Truppen und Kampfmgterialien zur rechten Zeit und in genügendem Ausmaß, geschweige denn die allgemeine Wehrpflicht zu verschaffen. Aber die deutschen Generale werden ihren englischen Kollegen jetzt Gelegenheit geben, die so lange und so gern hinausgeschobene Erprobung ihrer Ueberlegenheit anzustellen. Die Deutschen sind höfliche Leute, sie haben alle bisherigen Hindernisse für diese Auseinandersetzung in zehnmonatiger Arbeit aus dem Wege geräumt und sind nun den Engländern den ganzen langen Weg entgegengekommen — bis unmittelbar vor das englische Haus. Es gibt in Europa keine englische Maginot-Linie, kein englisches Vorfeld mehr, es gibt nur noch England selbft. England ist zum Kampfe gestellt. Es wird fechten müssen. Ganz allein. Die Geschichte ist immer gerecht.
Auch Der ehemalige Verbündete mit Blockade bedroht.
Stockholm, 27. Juni> (Europapreß.) Weitere englische Maßnahmen gegen den ehemaligen Verbündeten Frankreich werden durch den englischen Rundfunk in London amtlich bekanntgegeben. Danach sind französische Schiffe, die in Zukunft einen Heimathafen verlassen, der gleichen Behandlung zu unterwerfen, wie die Sckisse eines neutralen Staates, d. h., für sie gilt das englische Konterb ande sy stem voll und ganz. Nichtenglische Schiffe, die in Zukunft Portugal und Spanien anlaufen, sind verpflichtet, um ein englisches Navy Cert nachzukommen. Man will verhindern, daß über Spanien oder Portugal lebenswichtige Waren nach Frankreich gelangen. Französische Schiffe, die die Häfen des nicht- besetzten französischen Gebietes verlassen, müssen Gibraltar Anlaufen und werden dort auf ihre Ladungen untersucht.
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Die in einer Erläuterung zum Artikel 2 des deutsch-französischen Waffenstillstandsabkommens festgelegk Demarkationslinie beginnt im Osten an der französisch-schweizerischen Grenze bei Genf und verlauft dann etwa über die Orte Dole, Paray le Monial und Bourges bis etwa 20 Kilometer östlich von Tours. Von hier geht sie in einer Entfernung von 20 Kilometer ostwärts der Bahnlinie Tours—An- aoulöme—Libourne sowie weiter über Mont-de-Marsan und Orthez bis zur spanischen Grenze. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Auf dem Schlachtfeld deutscher Stukas.
Oie Vernichtung der französischen Flanken-Armee bei Villers-Cotterets.
S o i s f o n s , 26. Juni. (DNB.) Wenige Stunden vor dem geschichtlichen Augenblick, da am 25. Juni in der Nacht um 1.35 Uhr das alte Soldatensignal: „Das Ganze halt!" geblasen wurde, hatten wir, so meldet der Sonderberichterstatter des DNB., in dem Pariser Vorort St. Denis ein Gespräch mit einem alten französischen Weltkriegsteilnehmer. Ein silberlockiger rüstiger Greis von etwa 66 Jahren, braun gebrannt, mit frischen Wangen und wasserhellen Au-en trat an unseren Wagen, als wir seinen Enkel nach dem Wege fragten. Er trug einen alten khakibraunen Militärrock, im Knopfloch das verschlissene Bändchen der Ehrenlegion, auf der Brustseite eine lange Reche schmaler, leicht beschmutzter Bändchen seiner Dekorationen. Kurz, knapp, militärisch gab er die erbetene Auskunft, ohne seine stramme Haltung aufzugeben. Erst, als ihm unser Major bedeutet hatte, bequem zu stehen, gab er seine stramme Haltung auf. Mit echt französischer Lebhaftigkeit, beredtem Mienenspiel und erklärenden Gesten versuchte er darzustellen, was ihn, den alten Soldaten, schon lange bewegt haben mochte.
Ich kenne, den deutschen Soldaten, sagte er, denn ich habe ihm vier Jahre gegenübergelegen, oftmals näher als mir lieb war. Ich war unter denen, die nach einem mörderischen, tagelangen Trommelfeuer auf die deutschen Linien stürmten, von denen wir glaubten, daß sie kein Lebewesen mehr bargen, und 1 sie uns, als wir nahe genug herangekommen waren,
mit einem Hagel von Handgranaten und einem wütenden MG.-Feuer empfingen. Sie haben um jeden Meter gekämpft, auch als sie zahlenmäßig weit unterlegen waren, keinen Nachschub, keine Verpflegung und keine Munition mehr hatten. Selbst dann noch haben sie oftmals mit der blanken Waffe ihre Trichter verteidigt und sind lieber gestorben, als daß sie sich ergaben.
Auf unsere Frage, worin er denn den Unterschied zwischen dem deutschen Soldaten von 1914 und 1940 sehe, weist er auf eine vorbeimarschierende Kolonne: Sehen Sie selbst, welche kräftigen, gesunden, wohlgenährten Burschen, welche Ausrüstung, welches Material, welche Waffen! Ich kenne sie jetzt nur vom Sehen, aber ich habe mich mit ihnen unterhalten und glauben Sie mir alten Soldaten, daß ich schon erkennen kann, was in der Uniform steckt, welcher Geist ihren Träger erfüllt. Heber die Ursache des völligen Zusammenbruches der sranzösi- jchen Armeen aber schweigt er umflorten Blickes. Mit einer verächtlichen Geste weist er über die Schulter ... nach Paris, dem Sitz der Plutokratenclique von Englands Gnaden. Auch unsere tröstliche Versicherung, daß der französische Soldat von 1940 ein tapferer Gegner war, kann die Schleier der Trauer nicht 'lnehr von seinem Gesicht ziehen. Stumm nimmt er wieder militärische Haltung ein, grüßt und sicht uns nach, bis der Wagen seine Fahrt fortsetzt.
Auf der Straste Villers-Eotterets—Soiffons er
reichen wir das Sammelbecken der f r a n • zätschen Reserven, die von hier aus genau wie 1918 den entscheidenden Flank eai st o st gegen die deutschen Armeen führen sollten. Es ist ein ideales Gelände mit vielen natürlichen Hindernissen. Die Straßen sind mit dicht belaubten Bäu* men bestanden, die jede Einsicht von den Flug- zeugen aus wehren, riesige Wälder bieten ganzen Armeen Unterschlupf. Von dichtem Buschwerk überzogene Höhen bilden natürliche Festungen, Flüsse, Wasserläufe und Kanäle, schmale felsige Straßenpässe sind natürliche Hindernisse und Verteidigungsstellungen.
Als die deutsche Führung in einem Entschluß höchst strategischer Kühnheit die Schwenkung h u f Amiens durchführte, die deutschen Panzer in einem unwiderstehlichen, alles zermalmenden Vorstoß nach vier Tagen die Küste bei Abbeville erreichten, hielt die deutsche Luftwaffe diesen idealen Sammelpunkt unter schärfster Beobachtung. Was die deutsche Führung vermutet hatte, fand sie in unerhört schwierigen Aufklärungsflügen bestätigt. Der Gegner hatte seine Reserven in der Stärke von 5 bis 8 Divisionen an der gleichen Stelle gesammelt, von der auch 1918 der Vorstoß auf die große Ausbuchtung der damaligen deutschen Front unternommen worden war. . Wie schwer diese Erkundung unserer Luftwaffe war und wie sorgfältig der Gegner seine Bewegungen zu verschleiern und durch eigene Luftstreitkräfte zu decken trachtete, davon zeugen die zahlreichen Trüm« der abgeschossener Flugzeuge, die zersetzt in den Baumkronen hängen oder auf den Feldern liegen, die Propeller tief in die Erde gebohrt, Tragflächen und Rumpf von den Einschlägen förmlich durchsiebt, oft in viele Stücke zerfetzt, die Hunderte von Metern auseinander liegen. Auf einem großen Feldflugplatz ist anscheinend das ganze Geschwader von unseren Stukas überrascht worden, ehe die Motoren angeworfen werden konnten. Sie haben hier eine fürchterliche Ernte gehalten, die Zahlen des Wehrmachtsberichtes über die am Boden vernichteten Flugzeuge des Feindes werden hier überzeugend veranschaulicht.
Die in diesem Becken zum Flankenangriff bereit- gestellte Armee ist von unserer Luftwaffe erkannt, gestellt und, wie der Wehrmachtsbericht sagte, in rollendem Angriff vernichtet worden. Die nüchterne, sachliche und militärisch tatsachenknappe Sprache dieser Berichte beschränkte sich darauf, festzustellen, daß der operative Einsatz unserer Luftwaffe dem Gegner die Möglichkeit nahm, feine Reserven zum Flankenangriff einzusetzen. Er gab nicht das alle Vorstellungen überschreitende Ausmaß dieser Deziniierung einer ganzen Armee mit der gesamten Ausrüstung an leichten und schweren Waffen, bespannten und motorisierten Abteilungen Artillerie aller Kaliber, Pionier- und Nachrichtenmaterial wieder, über die sich der Bombenhagel unserer Stukas und Kampfgeschwader solange ergoß, bis sie zerfetzt und zerschlagen in alle Winde auseinanderstoben. Aufgerissene Straßen? ausgebrannte Bahnhöfe, Trichterketten auf den Gleisanlagen, riesige Brandstellen in den ausgedehnten Wäldern, vom Erdboden wegrasierte Truppenunterkünfte und Berge von zerstörtem Kriegsmaterial, das wie von Riesenhand zermalmt über die Straßen und Wege, Dörfer und Städte, Felder und Wälder zerstreut ist, bezeugen den vernichtenden Schlag, den unsere Luftwaffe dem Gegner beigebracht hat.
Englands Einkäufer aus USA. erfolglos zurückgekehrt.
Stockholm, 26.,Juni. (Europapreß.) Der Leiter der englischen Einkaufskommission in den Vereinigten Staaten ist unerwartet nach London zurückgekehrt und von seinen Pflichten entbunden worden. Die Rückkehr erregte in London einiges Aufsehen, da sie in dem gleichen Augenblick erfolgte, als die Ford-Werke die Erklärung Herausgaben, daß sie nicht in der Lage feien, irgendwelche Lieferungen für England durchzuführen. Gleichzeitig bestätigt am Mittwoch das nordamerikanische Kriegs- minifterium den Abbruch der vor etwa zehn Tagen eingeleiteten Verhandlungen zwischen der Ford-Gesellschaft und der englischen Einkaufskommission. Vor 6 Tagen ist in London bekanntgegeben worden, die amerikanische Gesellschaft werde 1500 Rolls-Royce-Merlin-Motoren für England liefern.
Friedrich Froebel.
3um 100. Geburtstag des Kindergartens am 28. Juni.
Don J. Sans Eichen.
„So tritt einem Jeden, der in diesen Kindergarten kommt, ein heiteres, freundliches Bild entgegen. Während die Kleinsten an dem unter ihren Händen Leben gewinnenden Ball sich ergötzen, oder mit den trägeren Bausteinen ein ungeregeltes Kunstwerk aufführen, das sie in kindischer Lust bald wieder zerstören, üben sich die Größeren, sinnigen und erfinderischen Geistes, mit kunstgewandter Hand an den Werken der höheren Ordnung und es erhalten hier in Wahrheit die Steine Leben und fügen sich zusammen zu einem erhabenen Dom. Noch bauen sie im geschäftigen Eifer, da schwindet auf ein gegebenes Zeichen die ganze Schöpfung, schnell, wie sie entstand, und die Klötzchen begeben sich zur Ruhe bis zum andern ersehnten Tage. — Das, was die Kin- öer an Schönheitsformen vorgebildet hatten, wird nun in mimisch plastischer Weise durch Bewegung^ spiele dargestellt. Mehrere Strahlen vereinigen sich zu einem Stern, mehrere Blätter zu einer Blume, und während so die Kräfte des Körpers geübt werden, gewinnt dieser zugleich an schöner, anständiger und sittiger Haltung..." so lieft man in einem Blatt des „Allgemeinen Anzeigers der Deutschen" aus dem Jahr 1841. Mit dieser Schilderung wird der F r ö - belsche Kindergarten gewürdigt, der im Juni des Jahres 1840, also gerade vor hundert Jahren, in Blankenburg in Thüringen, eröffnet wurde.
Biele Menschen sehen in Friedrich Fröbel nur den genialen Pädagoj^n für das Kleinkind. In sei- ney Schriften und in dem Werk, in dem er die praktische Anwendung seiner Ideen über die Erziehung des Schülers zur Reife zeigte, erkennen wir den ebenso vielseitigen, wie von seinem Ziel begeisterten und erfolgreichen praktischen Schulmann. Man sagt nicht zu viel über die Frödelsche „Allgemeine deutsche Knabenerziehungsanstalt" in Keil- hau bei Rudolstadt und ihren Vorsteher, wenn man dieses Werk als die Vollendung von Pestalozzis Methode bezeichnet. Es waren die Gedanken der großen Führer des Befreiungskampfes 1813, die sich in Friedrich Fröbel mit feinen pädagogischen Grundsätzen vereinigten; war doch Fröbel selbst einer der Kämpfer im Lützowschen Freikorps gewesen. Er kannte die Schriften E. M. Arndts ebenso gut wie Fichtes Reden an die deutsche Nation. 1808
war Frobel, nachdem er in Jena vor allem Naturwissenschaften und Mathematik studiert hatte, nach Jferten zu Pestalozzi gegangen. Nach zweijährigem Aufenthalt hatte er wiederum in Göttingen und Berlin studiert, dann war er Lehrer an der berühmten Plamannschen Erziehungsanstalt geworden. Nach den Befreiungskriegen wurde er Assistent am Museum für Mineralogie in Berlin, gab jedoch diese Stellung (in der er vielleicht einmal Unioerfitätsprofeffor hätte werden können) auf, um sich seinem Lebenswerk, der praktischen Schularbeit zuzuwenden.
Die Kenntnis dieser Arbeit Friedrich Fröbels in den beiden Jahrzehnten nach den Befreiungskriegen erscheint unentbehrlich für das Verständnis seines späteren Wirkens. Denn viele Menschen ahnen kaum mehr von diesem Manne, als daß er sich in den letzten Jahrzehnten als „Leiter eines Kindergartens" betätigt habe, und mancher denkt dabei sogar nicht eben achtungsvoll, das sei dock; eigentlich keine besonders würdige Beschäftigung für einen einigermaßen geistreichen Mann ... Wer weiß, daß die Beschäftigung unserer Kinder in den modernsten Kindergärten auf die Arbeiten Friedrich Fröbels zurückgeht? Zahllos sind die Erfindungen, die Fröbel für den Kindergarten machte. JBon ihm flammt das Flechten mit buntem Papier. Die vielen Faltformen, vom „Salzfaß" bis zum „Soldatenhelm", von der „Windmühle" bis zum „Schweinchen" wurden bereits, im Fröbelschen Kindergarten geübt. Die Stäbchenarbeit (unsere heutiaen Metallbaukästen gehen darauf zurück!) wurden schon von Fröbel entwickelt. Das Kneten, mit dem schon manches Kind den Weg zum plastischen Gestalten fand, ist ebenso eine Erfindung Fröbels, der zahllose Vorschläge machte, was alles geknetet werden könnte, wie der Baukasten. Es war kein Zufall, daß sich in der Hauptstadt der Gegend, in der Fröbel wirkte, in Rudolstadt, eine der bedeutendsten Steinbaukasten- fabriken entwickelte.
Waren die Kindergärten gerade in den letzten Jahrzehnten vor der Machtergreifung etwas zu Stiefkindern der Pädagogik geworden, weil man mit ihnen nur wenig große Lorbeerkränze erringen konnte, die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt nahm sich der Kindergarten-Idee mit großer Liebe
und viel Verständnis an. Hunderte von NS.-Kinder- gärten entstanden in musterhaft schönen, hellen, geräumigen Häusern, oft in nur diesem Zweck dienenden Neubauten. Zu vielen Dinge.», die unmittelbar auf Fröbels Arbeit zurückgehen, gesellt sich heute eine in der ganzen Welt einzigartige gesundheitliche Fürsorge. In zwei Gauen, Hessen-Nassau und Kurhessen wird schon bei der kinderärztlichen Untersuchung, die bei jeder Aufnahme in den Kindergarten ftattfinbet, die Möglichkeit geboten, daß ein etwa krankes Kind zur Gesundung in eine Kinderkurstätte der NSV. verschickt wird. Mit heilgymnastischen Maßnahmen, mit Lebertran- und' Vigantolkuren und mit allerlei modernen Kinderheilverfahren werden die Kleinen erst gesund gemacht — und dann in den Kindergarten der NSV. ausgenommen. Sähe Fröbel die wunderschönen Hellen Räume, sähe er z. V. die Waschräume mit den auf dem Wandbrett stehenden Zahnputzgläsern (jedes Kind hat seinen Namen daran!), wäre er Zeuge bei einer fröhlichen Gymnastikstunde bei frohem Gesang, er könnte nur begeistert sein und der NSV. in das Stammbuch schreiben, daß sie ihn verstanden hat, was er meinte, als er einst vor hundert Jahren schrieb: „Kommt, laßt uns den Kindern leben!"
Entspannung im Alltag.
Die totale Entspannuna ist für jeden von uns ein gutes Mittel, die Gesundheit zu erhalten und das Leben zu verlängern. Freilich ist es nicht ohne weiteres leicht, sich richtig zu entspannen. Die beste Lage zum Ausruhen ist die, die wir kurz vor dem Einschlafen annehmen, doch kann man sich auch mitten im Tag und im Sitzen entspannen, und das ist besonders heilsam nach geistigen Anstrengungen, nach Aerger, nach Zornausbrüchen und sonstigen Aufregungen im Alltag. Man setzt sich zu diesem Zwecke auf einen Stuhl, nach ganz hinten, so daß die „Kiste^ den unteren Teil der Rückenlehne berührt, die Schultern und den Kopf leicht nach vorn geneigt, die Arme hängen zu beiden Seiten schlaff herab ober ruhen in Mittelstellung auf den Arm- lehnen, bie Knie finb etwas nach außen gespreizt. Hiermit ist bie „Droschkenkutscherhaltung" erreicht. Die Gesichtszüge find erschlafft, die Augen bleiben halb geöffnet. Die Entspannung in dieser Haltung hat, wie auch im Liegen, ein bis zwei Minuten anzuhalten, ein Schlafzustand wird nicht bezweckt. Nervöse Spannungen, Unlustgefühle und innere Unsicherheiten verschwinden in diesem Zustande auffallend schnell. Neue Kräfte fühlt man hiernach wieder erstehen. Obermedizinalrat Dr. Marloth empfiehlt im Maiheft von Velhagen & Klasings
Monatsheften jedem Leser, diese Entspannungsübung Zu probieren und zu üben.
Zwei unbekannte Mozartwerke.
Wie aus Prag berichtet wird, wurden bei einer Durchsicht des Musikarchios im Kloster Strahov sechs mit dem Namen Wolfgang Amadeus Mozart bezeichnete Werke, von denen vier als bekannt fest- gestellt werden konnten, gefunden. Die beiden übrigen, ein Heft mit Streicherkanons und eine Sonate für Klavier zu vier Händen, find bisher völlig unbekannt und auch im Köchel-Verzeichnis nicht angeführt. Die viersätzige 6-ckur-Sonate ist von einer Kopistenhand geschrieben. Es kann nicht daran gezweifelt werden, daß Mozart der Verfasser dieses Werkes ist. Alle Elemente der Musik sprechen dafür. Heber die Entstehungszeit läßt sich fteilich auf Grund der stilkritischen Hntersuchungen nur vermuten, daß die Sonate aus Mozarts später Zeit, wohl aus den Wochen des letzten Prager Besuches stammt. Die neuaufgesundene Sonate wurde im Reichssender Böhmen gespielt.
Zeitschriften. •
— Im Juliheft der „K u n ft" (Verlag F. Bruck« mann, München) macht Bruno Kroll mit dem Werk des junaen Berliner Bildhauers Anton Gräuel bekannt. Anläßlich des 300. Todestages widmet Ulrich Christoffel Peter Paul Rubens als Landschasts- maler einen- aufschlußreichen Aussatz. Sodann führt Ulrich Christoffel durch die Münchener Kunstausstellung im Maximilianeum. Ein Bericht von der Düsseldorfer Frühjahrsausstellung zeigt Arbeiten nord-westdeutscher Künstler. Franz Lommatzsch würdigt das Lebenswerk des pommerschen Malers Gustav Wimmer. Der zweite Teil zeigt eine Anzahl Wohnhausbauten der Architekten Estorff und Winkler. Ein Landhaus am Wannsee verbindet sich sehr glücklich mit der märkischen Landschaft. Schmucke Einfamilienhäuser deuten ebenfalls das Bestreben an, eine E mH eit zwischen Haus und Natur zu schaffen. Die Gartengestalterin Herta Hammerbacber gibt Anregungen zu einem Wohngarten^ in der Stadt. Werner Fuchs-Hartmann berichtet über Herkunft und Zukunft der Denkmalpflege. Abbildungen von geschmackvollen Inneneinrichtungen der Deutschen Werkstätten des Architekten Arno Lambrecht, Stuttgart, sowie von Erzeugnissen der „Gral - Glas-Werkstätten, Göppingen, und der Vereinigten Lausitzer > Glaswerke AG. beschließen das reichhaltige Heft.


