Ausgabe 
27.2.1940
 
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Ab 1. April Sommerzeit in Deutschland.

Berlin, 26. Febr. (DNB.) Ab 1. April tritt in Deutschland die Sommerzeit in Kraft, d. h. von diesem Tage ab wird die übliche Stundenzählung um eine Stunde voroerlegt, und damit der Tages­ablauf um eine Stunde mehr in den Hel­len Tag hineinverlegt. Am 1. April um 2 Uhr vormittags werden nach einer Verordnung des Ministerrats für die Reichsverteidigung die öffentlichen Uhren im Gebiete des Großdeutschen Reiches um eine Stunde, d. h. von 2 auf 3 Uhr vorverlegt. Die Sommerzeit dauert bis zum 6. Oktober, 3 Uhr vormittags, zu welchem Zeit­punkt die öffentlichen Uhren wieder um eine Stunde, also von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt werden.

Einzelhandel im Dienst der Volksgemeinschaft.

NSG. Auf einer Kundgebung des rhein-maini- schen Einzelhandels in Frankfurt sprach Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger. Er wies auf die Beseitigung des Klassenkampfes im Einzelhandel, die Zurückdrängung des organisiertem Kapitals, die Eindämmung kapitalistischer Entwicklungen zu Monopolstellungen, die Entjudung und das Einzel­handelsschutzgesetz als die Voraussetzung eines selb­ständigen Berufsstandes hin und kam dann auf die Aufgabe des Einzelhändlers im Rahmen der totalen Kriegsführung zu sprechen. So wie der Kaufmann die Sorgen des Kunden kennen müsse, habe auch der Kunde den Sorgen des Kaufmannes Verständ­nis entgegenzubringen. In jeder Situation möge der Kaufmann immer der lieb erlegen ere bleiben und Höflichkeit und Zuvorkommenheit auch heute nicht vernachlässigen, sondern den Kunden aufklären und beraten. Die Partei trägt dafür Sorge, daß volksschädliche Handlungen, wie Preisvergehen und Anlage von Hamsterlagern sofort ausgelöscht wer­den. Die Opfer, die der Krieg von jedem Ange­hörigen unseres Volkes fordert, werden auch vom Einzelhandel mit ganzer Bereitschaft getragen. Wir werden siegen, weil jeder Volksgenosse, dort wo er hingestellt ist, mit dem Blick auf den Führer ver­antwortungsbewußt seine Pflicht tut. In dieser Haltung wird auch der Einzelhandel den ihm zu­gewiesenen Platz ausfüllen und in Ehren bestehen.

Der Leiter der Wirtschaftskammer Hessen, Gau­amtsleiter Prof. Dr. L ü e r, forderte die Erziehung des Käufers zur Disziplin als eine notwendige Er­gänzung zu den Pflichten des Handels. Die Verein­barung, die der Leiter der Reichsgruppe Handel mit der Reichsfrauenführerin getroffen habe, gewähr­leiste, daß die sachliche Berechtigung von Klagen und Feststellungen in disziplinierter Haltung beider Interessenten sofort sachverständig geprüft werden kann.

Geheimnisvoller Sender beunruhigt England.

Amsterdam, 26. Febr. (Europapreß.) Eine illegale Funkstation macht den englischen Polizei­behörden schwere Sorgen. Sie wendet sich schar.f gegen die amtliche englische Kriegspolitik, die sich die Zerstückelung Deutschlands zum Ziel setzt, damit aber nur die Einheit Deutschlands verstärke. Weiter hieß es in der Sendung:Warum kämpfen wir? Weil Deutschlands neues wirtschaftliche und finan- 3teöe System die Prinzipien des internationalen Kapitals durchkreuzt und die Zerstörung des inter­nationalen Judentums androht!^ Die Sendung endete mit der englischen Nationalhymne.

So wirkt oic Versenkung eines Schiffes'

Amsterdam, 26. Februar. (DNB.) Die Tor­pedierung des größten Frachtdampfers der Blue Star LineSultan Star" hat in die englische Lebensmittelversorgung eine beachtliche Lücke ge­rissen. Es ist bezeichnend, daß in der englischen Presse zugegeben wird, daß allein die Torpedie­rung dieses einen 12 OOO Bruttoregistertonnen gro­ßen Schiffes, das mit Fleisch und Butter für Eng­land geladen war, den Ausfall der Butterration von 2Vz Tagen des gesamten englischen Volkes und den Verlust der Fleischration für mehr als drei Tage für sämtliche Engländer bedeutet.

Diario da Manha" berichtet, der englische Tank- dampferBritish Endeavour" (4580 Brt.)

Der Retter.

Von Peter Bauer.

Der Quartaner Gottlieb war auffallend groß für sein Aller und etwas derbknochig, sicher der Stärkste der Klasse, wenn es einmal darauf ankommen würde, die Kräfte zu messen. Aber seine großen dunklen Augen blickten sanft und außerdem hatte er einen Sprachfehler, der iyn, so oft er ausgerufen wurde, in Verlegenheit brachte. Er verhaspelte sich, stotterte und kam erst nach einigen zerrissenen Wor­ten in Fluß. Daß dabei einige Kameraden hinter seinem Rücken kicherten, erregte ihn nur um so mehr und machte es ihm noch schwerer. Manchmal ncchm er sich vor, sie in der Pause seine Fäuste spüren zu lassen, aber er hätte sie zur Rede stellen müssen und da fürchtete er, sich aufs neue lächerlich zu machen. So hielt er sich abseits und blieb ein» lam. Nur sein Nachbar zur Rechten und zwei Vor­dermänner, die ihm die Mathematikaufgaben ab­schrieben, schlossen sich ihm an.

Eines Tages machte man einen Ausflug in die Winterlandschaft der nahen Umgebung. Der Wald stand in Weiß, wie in weiche Watte gehüllt, und der Strom trug schwer an Treibeis. Auf der Brücke hatten die Wandernden das erste Erlebnis: Der Strömung entgegenschauend gewahrten sie, daß viele der grauweißen Eisschollen, die auf ihr wie kleine Floße trieben, von Wildenten besetzt waren. Die Vögel hatten sich aus den zugefrorenen Seiten­armen des Flusses auf sie geflüchtet und ließen sich von chnen stromab tragen. Merkwürdigerweise wagte kein einziger Schwarm die Fahrt durch einen Brückenbogen, sondern alle verließen, kurz vorher aufflatternd, ihre Scholle und flogen zurück, um auf einem neuen Floß Platz zu nehmen Es war ein sehr kurzweiliges Schauspiel, und die Knaben hätten sicher noch lange verweilt, hätte der Klassenlehrer sie nicht zum Aufbruch gemahnt.

Auf dem jenseitigen Uferpfad schlug er vor, sich in zwei Gruppen zu teilen. Wie es nicht anders zu erwarten war, blieben Gottlieb und seine drei Ge­treuen allein. Ein in die Luft geworfenes Geldstück entschied, welche Gruppe Zurückbleiben und nach einiger Zeit aufbrechen sollte, um die aus dem Blickfeld Entschwundenen zu suchen. Eine kleine

Hundertmal gegen England.

Fernaufklärer-Staffel mit Sonderauftrag gegen den Feind.

(P.K.)Staffel startet sofort mit Sonderauf­trag heute fällt der Hunderter" ... Mitten aus unserer Tagesarbeit scheucht uns dieser Ruf des Staffelkapitäns auf wie die Spatzen. Da müssen wir dabei sein. Von unserem Arbeitszimmer aus werfen wir noch rasch einen Blick auf den Flugplatz. Schon dröhnt der Gesang der Motoren über die verschneite Landschaft. Es ist uns, als schwinge heute ein feier- licher Unterton mit, heute ist Jublläurnstag: Hun­dert Auf klärungsslüge gegen Eng­land. ,

Man hört in der Öffentlichkeit nicht viel über die Erfolge unserer Fernaufklärer. Aber das Ober­kommando der Wehrmacht weiß die Arbeit dieser Männer um so höher einzuschätzen. Sie sprechen nicht gern über ihre Taten und Erfolge. Die Einsamkeit des Aethers, in dem sich ihr Leben und Schaffen abspielt, hat sie wortkarg gemacht. Sie rechnen nur in Höhen und Weiten und wissen, daß sie immer lediglich auf sich gestellt sind. Das macht hart und entschlossen und fähig zum letzten Einsatz. Nun aber ran an den Feind! Es soll nicht umsonst der Ju- biläumstag unserer Staffel sein.

Mit einem Sprung nehmen wir die Treppe, rein in den Wagen zum Gefechtsstand. Hilfreiche Hände umschnüren uns. Schwimmweste, Fallschirm, nichts wird vergessen. Der Staffelkapitän gibt die letzten Befehle, und schon starten die ersten Maschinen. Es ist höchste Zeit, wollen wir nicht den Anschluß ver­passen. Ich bin der Tour fünf zugeteilt. Lt. Z. fliegt die sechste mit. Durch aufspritzenden Pulverschnee jagen wir zu unsererMühle", klettern durch die Wanne, ziehen uns hoch. Die Klappe fällt.

Der Bordmechaniker stellt die Heizung an, wir machen die MG.s schußbereit. Unter uns schälen sich zwischen Schnee unb Eis bekannte Badeorte aus dem Dunst heraus. Im letzten Sommer noch tummelten sich Hunderttausende erholunasfroher Menschen bart im ewigen Spiel von Ebbe und Flut. Wie erstarrt liegen die Inseln jetzt im Win­terschlaf. So scheint es uns wenigstens. Wir fliegen durch Nebel- unb Wolkenfetzen, die uns entgegen jagen. Irgendwo bricht sich ein bleicher Sonnen­strahl seine Bahn, liegt die Nordsee unter uns. Das in der Nähe der Ufer noch kompakte Eis zersplittert sich immer mehr zu großen, kleinen und kleinsten Schollen, an denen das salzige Meerwasser weiter zehrt. Bald ist die offene See erreicht.

Grünlich-grau wogend äugt sie zu uns herauf. Sie wird jetzt für manche Stunde unser einziger Be­gleiter sein. Da ein Schiff und noch eins. Wir schießen auf sie zu. Es sind Vorpostenboote, die Ausschau halten und gegen Ueberraschungen sichern. Freudig winken die Besatzungen herauf. Einen Augenbttck nur, dann verschlingen uns er­neut Nebelschwaden. Wir stoßen nach oben durch. Oben ist Sonne, blauer Himmel, Frühling. Das wundersame Spiel wiederholt sich noch oft. Bald rasen wir nur wenige Meter über die See dahin, über uns grauer Qualm. Bald jagen wir unter freiem Himmel unserem Ziele zu, spiegeln uns in gleißendem Sonnenlicht.

Da reißt der Wind ein großes Loch in die Wol­kendecke. Das Wetter klärt auf. Die Sicht wird gut.

Achtung, jetzt ist der Augenblick gekommen, unser Ziel ist erreicht. Kamera heraus und g e k n i p st. Noch einmal und noch einmal. Ein paar Kurven, nun von der anderen Seite annifiert. Alles auf der Platte. Der Beobachter, ein junger Feldwebel, nickt dem Flugzeugführer zu, der strahlt übers ganze Gesicht und zieht mit fester Hand eine elegante Kurve. Fern platzen einige Granaten in den leeren Raum. Wir wackeln zum Dank kurz mit den Trag­flächen und verziehen uns in eine wie bestellt vor- uberkriechende Wolke. Mögen die da unten ruhig weiter schießen. Uns stört es nicht. Unser Auftrag ist erfüllt.

Manche Stunde vergeht noch, bis wir unseren Hafen erreicht haben. Witternd gegen den Feind ziehen wir uns zurück. Aber nichts regt sich. Wir bleiben ungeschoren. Als Vorletzte sind wir gestar­tet, als Vorletzte kommen wir nach Hause. Auf die Minute genau hat jedes Flugzeug seinen Weg zu­rückgelegt. Auch das ist Bestandteil des Programms. Wir steigen aus, dehnen und recken uns, 5er Wa­gen steht schon bereit. In der Kantine hält der Staffelkoch ein leckeres Mahl bereit. Wie wird uns Erbsensuppe mit Wurst schmecken. Vorher aber noch schnell zur Bildstelle. Da sind sie schon mitten in der Arbeit. Da wird entwickelt, fixiert und ge­wässert. Die ersten Kopien sind gleich fertig. Ja, Schnelligkeit ist keine Hexerei. Das Oberkommando der Wehrmacht wird bald die benötigten Aufnahmen haben, die auf dem hundertsten Flug unserer Fern- ausklärer-Stafsel gemacht worden sind.

sei 20 Meilen von Finchal entfernt untergegangen. 33 Besatzungsmitglieder seien in Madeira ein ge­troffen. Fünf Mann würden vermißt. Der in Glasgow beheimatete DampferLoch Maddy" (4996 Brt.) ist im Nordatlantik gesunken. 35 Heber- lebende wurden von einem Kriegsschiff ausgenom­men; vier Besatzungsmitglieder wurden getötet.

Der schwedische DampferSantos" (3840 Brt.) ist im nördlichen Teil der Nordsee unterge­gangen. 30 Personen befanden sich an Bord, unter ihnen einige Fahrgäste. Zwölf Ueberlebende sind gerettet worden.

Keine Zwischenlandungen mehr auf den Bermudas.

N e u y o r k, 26. Febr. (DNB.) Die Panarnerican Airway Company gab bekannt, ihre Transatlantik- flugzeuge würden auf den Flügen in Richtung auf die Azoren nicht mehr auf den britischen Bermudas zwischenlanden. Die Bekannt­machung enthält keinerlei Hinweis auf den stetigen unerhörten P o st r a u b bet Engländer auf den Bermudas, der im Kongreß einen Entrüstungssturm ausgelöst hatte. Die Gesellschaft erklärt, diese Maß­nahme sei dem verbesserten Wetterdienst zuzuschrei­ben. Auf dem Rückflug von Europa nach Ame­rika würben bie Flugboote allerdings die Bermudas anfliegen.

Aus aller Welt.

Auf einer Eisscholle im Großen Dell abgetrieben.

Fünfzehn Personen, denen es unmöglich war, auf dem Luftwege von Odense nach Kopen­hagen zu gelangen, entschlossen sich, trotz polizei­lichen Verbots, unter Führung von sechs Fischern aus Korsoer, den Großen Belt zu Fuß zu überqueren. Als die Gesellschaft in der Mitte des Belt angekommen war, löste die Strömung die Eis­decke. Die 21 Menschen befanden sich plötzlich a u f Wirtschaft, eine Wegstunde vom Ausgangspunkt entfernt, sollte Treff- unb Sammelort sein.

Macht's gut, Jungens!" sagte der Klassenlehrer, bevor er langsam vom Fluß ab dem breiten Damm­weg zusteuerte, der einen guten Ueberbltcf über das Gelände bot.Wir werden sie schon finden!" mur­melte Gottlieb zu sich selber unb schlug seinen Be­gleitern vor, am Ufersaum hintereinander stromauf roärts zu traben und keinen Blick landein zu ver­lieren. Sicher habe sich die Klasse im Wäldchen ver­steckt. Plötzlich blieb er stehen. Ob sie nichts gehört hätten? fragte er und schaute angestrengt über den Eisgang des Stromes. Im gleichen Augenblick ver­nahmen sie alle die Schreie und sahen zwei Kinder auf einer Eisscholle treiben. Man müsse sie vor der Brücke auffangen, sagte Gottlieb erregt, sonst seien sie verloren! Einer müsse den Klassenlehrer benad)--' richtigen, der andere die Klasse, der dritte solle mit ihm gehen! In der nächsten Sekunde trennten sie sich, und Gottlieb warf die Beine, was er konnte. Es gelte einen tüchtigen Vorsprung zu bekommen! rief er seinem Hintermann zu, ehe am Pfeiler etwas passiere oder die Treibenden durch den Bogen ent­gleiten würden.Ich glaube, es sind die Kinder des Wirtes, wo wir uns treffen wollten", keuchte der Hintermann. Er sehe ein Mädchen und einen Kna­ben, rief Gottlieb zurück.Dann sind es die Wirts- kinderl Wahrscheinlich haben sie auf einer Scholle gespielt unb biese hat sich vom Ufer gelost. Ober sie wollten es den Wilbenten gleichtun!"

Pustend unb schwitzend unter der Last des Tor­nisters erreichten sie endlich die Brücke wieder, und Gottlieb turnte sofort übers Gelänber. Mit katzen­artiger Gewandtheit griff er sich in bem Eisenge- ftänbe des Bogens tiefer und tiefer neben dem Pfeiler hinab, vor dessen Sockel sich eine jungen« artige Halbinsel aus Eis angesetzt hatte. An den dicken Quadern des Pfeilers war kein Halt zu be­kommen, er mußte schon aus über Manneshöhe auf bas Eis springen, was nicht leicht und gar nicht ungefährlich war. Er konnte ausgleiten unb ins Wasser fallen. Er solle die Zeltbayn hinunterwer­fen, rief er seinem Kameraden zu, der sich erregt über das Geländer beugte und kein Auge von Gott­lieb ließ. Die Zeltbahn fiel, und Gottlieb sprang, daß das Eis krachte. Aber es hatte noch nicht ein­mal einen Riß bekommen. Er legte sich auf die Zeltbahn und rutschte mit ihr soweit vor, daß er

einer schmalen Eisscholle, die mit der Strömung schnell nordwärts getrieben wurde. Es dauerte mehrere Stunden, bis man an der Küste über das Schicksal der 21 Mann klar wurde. Trotz der inzwischen hereingebrochenen Dunkelheit wurden von mehreren Seiten zugleich Expeditionen ausgesandt, denen sich auch der Eis­brecherFenris" anschloß. Es gelang bem Eis­brecher, die Position der treibenden Scholle zu er­mitteln und die Verunglückten an Bord zu nehmen.

Spanisches Fischerboot mit 30 Insassen untergegangen.

Ein Fischerboot mit 30 Insassen ist bei dem Fischerdorf Sangendo in der Nähe von Vigo auf ein Riff gelaufen und sofort untergegangen. Die Insassen, zum großen Teil Frauen und Kin­der, wollten sich zum Sammeln von Muscheln be­geben. Bisher wurden 12 Leichen an Land gespült.

Hinrichtung eines Volksschädlings.

Am 23. Februar 1940 ist der am 13. November 1914 in Neu gut, Kreis Schlochau, geborene Otto von Zaluskowf ki hingerichtet worben, den das Sondergericht in Stettin als Dolksfchäb- ling zum Tode und bauernden Ehrverlust verurteilt hatte. Zaluskowfki, ein trunksüchtiger, wiederholt vorbestrafter Mensch, hat unter Ausnutzung ber Ver­dunkelung eine Frau überfallen unb ihr die Hand­tasche entrissen, um sich Geld zur Befriedigung feiner Trunksucht zu verschaffen.

Beide Beine abgefahren.

In bem Stadtteil Koblenz-Metternich kam an einer abschüssigen Stelle ein schwerbeladener An­hänger eines Lastzuges ins Rutschen. Als der Beifahrer auf diesem Anhänger sich durch Absprin­gen retten wollte, kam er zu Fall und geriet unter bie Räder, wobei ihm beide Beine unterhalb der Knie abgefahren wurden. Der schwerverletzte Mann, der aus Frechen bei Köln stammt, ist Vater von 13 Kindern.

mit seinen Händen die angleitenbe Scholle der Kin­der vielleicht aufhalten konnte. Es durfte nicht zum Aufprall kommen, sonst waren die Kinder verloren, die sich ängstlich auf ber Mitte ihres unheimlichen Floßes nebeneinander gekauert hatten. Gottlieb rief ihnen zu, sie mochten vorsichtig nach vorn rutschen. Es gelang ihm, noch ehe die Scholle anprallte, den kleinen Jungen mit einem Schwung an sich zu reißen, und das Mädchen ebenso rasch folgen zu lassen.

Die Zuschauer, die sich auf der Brücke gesammelt hatten, jubelten Gottlieb zu, als er mit den beiden Kindern an den Händen strahlend emporblirfte. Der Klassenlehrer winkte, unb die Mitschüler stimmten einen Sprechchor auf seine tapfere Tat an. Einige Männer zogen die beiden Kinder und zuletzt Gott­lieb am Seil herauf. Die Menschen umringten ihn, aber die Quartaner hoben ihn auf ihre Schulter und trugen ihn davon.

Noch stolzer waren sie, als sie am nächsten Tag die ZeitungsnotizEin Quartaner als Lebens­retter" lasen. Unb von ba an kicherte keiner mehr über Gottlieb, was zur Folge hatte, daß er ruhig blieb unb sich immer weniger beim Sprechen ver­haspelte.

Weltrekord im Seitensprung."

Joviale Breite und herzhafte Fröhlichkeit sind die Attribute des rheinischen Humors, und sie schlagen immer wieder durch, auch wenn sich einer seiner Prominenten so darf man Ludwig Schmitz wohl gut und gern bezeichnen als Erzkrakeeler unb durchtriebener Don Juan ein» führt. Vom Rhein nach München und umgekehrt spinnen sich die Fäden, in deren Schlingen Herr Kiesewitz aus Dinaelftngen bedrohlich hängen bleibt, als er beim Kegelfest auf dem Oktoberfest eine nette Bekanntschaft macht, die freilich bei ihrem Auftreten in Dingel fing en dem achtbaren Bürger und braven Familienvater gar nicht mehr so nett erscheint. Da überdies sein höchst harmloses Abenteuer ohne seine Schuld unter dem Namen seines Schwiegersohnes gestiegen ist, gibt dieses Mißverständnis nun in Dingel fingen Anlaß zu einer Serie köstlicher Ver­wechslungen, die von der Regie Georg Z o ch s mit sichtlichem Behagen ausgewalzt worden sind. Jupp Hussels spielt mit sympathischer Zurückhaltung

Aus -er Stadt Gießen.

Warum lieft man nichts darüber?

Es passiert viel in der Welt und in der engeren Heimat, besonders in Kriegszeiten. Mancher Leser hat gefragt, warum seine Zeitung über irgendein Ereignis keinen aussührlichen Bericht gebracht hat. Da und dort ist eine Fabrik gebaut worden, irgendwelche Betriebe haben stattliche Produktions- Ziffern aufzuweisen, viele interessante Betrachtun­gen liehen sich daran knüpfen. Darauf möchten wir dem Leser antworten, daß der Feind eine leb­hafte Wirtschaftsspionage betreibt und daß er aus der Fülle von Berichten und Zahlen ver­suchen will, sich einen Einblick in die wirtschaft­lichen Verhältnisse Deutschlands zu verschaffen. Un­sere Zeitungen kommen ins neutrale Ausland und werden dort vom feindlichen Nachrichtendienst sehr genau durchgelesen. Nun wird der Leser auch be­greifen, weshalb in Kriegszeiten manches nicht in feiner Zeitung steht. Wir haben keine Veran­lassung, dem Feinde seine Arbeit zu erleichtern. Wollten wir anders handeln, so begingen wir Lan­desverrat, für den es in keinem Falle mildernde Umstände geben kann. Wenn im täglichen Verkehr eben mit Rücksicht auf die feindliche Spionage jedes Wort sorgsam überlegt sein muß, so gilt das erst recht für das geschriebene und gedruckte Wort.

Ein anderes Beispiel. Ein Truppentrans­port soll durch den Bahnhof gefahren fein. Warum lieft man darüber nichts in der Zeitung? An und für sich gehören Truppentransporte im Kriege zu den selbstverständlichen Dingen, über die es sich nicht lohnt, viel Aufhebens zu machen. Für die feindliche Nachrichten-Zentrale wäre es aber doch sehr wichtig, aus vielen deutschen Städten zu erfahren, daß an einem bestimmten Tage Eisen­bahnzüge mit Truppen untermeat waren. Eine solche Nachricht gehört also keinesfalls in die Zei­tung.

Und wie ist es mit dem Wetter? Mit deut­scher Gründlichkeit haben wir früher Wettervor- aussagen gebracht und gelegentlich auch Betrach­tungen über die Wetterlage daran geknüpft.. Das war für unsere Wanderer und Ausflügler sicher­lich sehr erwünscht. Heute aber müssen wir uns sagen, daß der Feind aus solchen Wetterberichten ermessen könnte, ob es Zweck hat, seine Flugzeuge starten zu lassen. Wenn in einer Stadt Flieger­alarm ertönte, oder wenn die Flak in Aktion trat, so wäre das ebenfalls eine Nachricht von Inter­esse. Aber man bedenke, daß der Feind infolge tiefer Bewölkung diese Stadt gar nicht erkannt hat und nicht wissen konnte, ob er sein Ziel in er­reichbarer Nähe hatte. Wenn er aber am nächsten Tage in einer deutschen Zeitung lesen kann, wo er sich befand, dann kann er auf Grund der Feuer­stärke der deutschen Flak auch Schlüsse darüber ziehen, wie stark dieses Gebiet beschützt ist. Einst ließen die Engländer über die nordwestdeutschen Bezirke ihre lächerlichen und dummen Flugblätter abwerfen. Wir haben davon in den Spalten der Zeitung keine Notiz genommen, um den Englän­dern nicht zu verraten, über welche Städte unb Bezirke sich ihr Flug bei Nacht und Nebel erstreckt hat.

Das sind einige Antworten auf Fragen, die der Leser manchmal an seine Zeitung stellt. Wenn er weiter nachdenkt, so wird er sich sagen, daß es Zeiten gibt, in denen das Schweigen wich­tiger ist, als das Reden. Der Nationalsozialis- mus hat in seiner Geschichte deutlich genug bewie­sen, daß er in Wort und Schrift auf dem Plane ist, wenn es die Zeit erfordert. Er hat aber wei­ter unter Beweis gestellt, daß die schweigende Tat unter Umständen die größere Bedeutung besitzt. Die Aufrichtung der deutschen Wehrmacht wäre nicht möglich gewesen, wenn wir jeden Tag mit lauten Worten die steigenden Erfolge dieses Werkes in die Welt gerufen hätten. Es ist dann jedesmal die Zeit gekommen, wo man darüber offen und frei Rechenschaft geben konnte. Jede Aktion muß vor­bereitet fein, bevor sie in Gang gesetzt wird, ihre Früchte müssen ausreifen, bevor sie gepflückt wer­den. Das gilt im Großen wie im Kleinen, gilt aber besonders im Kriege.

Es gibt eben Dinge, von denen spricht man nicht. Der Soldat hat schweigen gelernt, genau so wie der Facharbeiter, der Beamte und jeder andere in unserem Volke. Der Gedanke, daß der Feind mithört, muß jedes Gespräch be­herrschen. Der Feind l i e ft aber auch mit. Daher wollen wir mit dem geschriebenen und gedruckten Wort sorgfältig verfahren und immer bedenken.

den durch den ©eitenfprung des Schwiegervaters in 'bie größten Verlegenheiten gebrachten Schwieger­sohn. Lucie Englisch, flott und resolut, unb Fritz Kämpers, ein rechter grantiger Zorngickel, ver­treten würdig bas bajuvarische Element. Ein etwas schmieriger Gastwirt-'Kollege ist Hans Stiebner. (Deutschlanid-Film.) Fr. W. Lange.

Bücheriisck.

Anna Hilaria von Eck hei:Unter bem Mirabellenbau m." Eine Familien­geschichte. In Ganzleinen gebunden 3,75 RM. Berg- stadt-Verlag Breslau. (26) Mit frohem Auf­bauwillen begründet Dr. Franz Hellberger 1918 seine Familie unb mit zähem Fleiß arbeitet er als Arzt und erweitert seine Praxis. Seine Frau und sein kleines Töchterchen erfüllen mit ihrem Frohsinn das Haus. Aber bald werden die Zeiten ernster. Der Vater kann sich mit dem Neuen nicht befreunden, weil er an den Anschluß an das Reich nicht glauben kann. Dann aber kommen die unvergeßlichen Tage des März 1938, an denen auch Hellberger erkennen muß, daß ein höheres Schicksal alles so gefügt hat und er bejaht diese Wendung aus innerstem Herzen. Der Chronistin des alten Oesterreich lag die Ge­staltung dieser Epoche besonders am Herzen und es ist gelungen, daß der Roman alles Geschehen so verdichtet, daß noch unsere Kinder aus diesem Buch das Geschehen dieser Jahre erleben können.

Elisabeth Nieschalk: Kochrezepte für den täglichen Gebrauch. Preis fort 1, RM. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (14) Die Hausfrau hat es nicht immer leicht, wohlschmeckende und zugleich nahrhafte Gerichte zu bereiten unb für die nötige Abwechslung zu sorgen. Sie muß es besonders heute verstehen, die Nah­rungsmittel, die der deutsche Boden und di« deutsche Wirtschaftsführung uns bereitstellen, unter Berück­sichtigung aller Verwendungsmöglichkeiten richtig auszünutzen. Dabei hilft ihr das vorliegende Buch. Es gibt da abwechslungsreiche und sättigende Sup­pen, vollwerttge Eintöpfe, schlichte Fisch- und Fleischrezepte, Kartoffelgerichte in reicher Derschie- denheit, kleine Gerichte, die die berufstätige Frau schnell zubereiten kann, Aufläufe, Puddings, Süß- Speisen, Rezepte für schlichtes Gebäck usw.