selbst. Aber diese Schwäche ist überwunden! Und diese Völker melden jetzt ihren Lebensanspruch an.
Ich habe diesen Anspruch nun wirklich bescheiden genug gefaßt. Unser Ziel war: 1. tue Sicherung unseres eigenen Lebensraumes. und unter diesem Lebensraum verstehe ich alles das, was nicht durch die Engländer, sondern durch uns Deutsche kultiviert, zivilisiert und wirtschaftlich erschlossen wurde. Es gibt nämlich einige solcher Gebiete (Heiterkeit). Zum mindesten in Mitteleuropa ist der befruchtende britische Einfluß in der Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein noch nicht bemerkbar geworden. Dieses Mitteleuropa ist durch Deutschland aufgebaut worden und in diesem deutschen Lebensraum da wollen nur wir leben, und hier lassen wir uns nicht bedrohen, und hier lassen wir auch keine politischen Kombinationen aufbauen, die gegen uns gerichtet sind. Und 2. verlange ich d i e deutschen Kolonien zurück, unser deutsches Eigentum, das diese Weltplutokraten uns ohne jeden Nutzen für ihre eigenen Völker geraubt haben. Das waren sehr beschränkte Ziele. Ich habe hierbei von vornherein alles getan, um gegen England und Frankreich eine klare Begrenzung unserer Ansprüche vorzunehmen, die diese Völker überhaupt nicht bedrohen konnten. Trotzdem traten unsere Bekannten aus dem Weltkrieg wieder mit ihrer Kriegshetze in Erscheinung. Es kamen Herr Chur- chill, Herr Duff Cooper, Mister Eden und Herr Chamberlain selber und endlich über allen schwebend der ewige Geist des Juden Hore-Belisha. Herr Churchill war ja schon im großen Krieg der bekannte Einpeitscher gewesen, er gehört zu den Leuten, die kein Hehl daraus machen, schon damals die Welt in den Krieg gestürzt zu haben. Und ich war damals ein ganz kleiner unbekannter Soldat ohne jeden politischen Einfluß. Ich habe nur meine kleine Pflicht getan, so wie jeder andere Deutsche auch. Wir sind also aus ganz verschiedenen Welten gekommen: dort die kapitalistischen Kriegshetzer und hier der einfache deutsche Soldat. Nach dem Kriege haben diese Leute ihre Geschäfte gemacht, Rüstungsgeschäfte und Gewinne ungeheuerster Art. Ich aber habe damals gekämpft für mein beut« sches Volk. Und wie ich gekämpft habe, das willen Sie selber als meine Zeugen am besten (brausender Beifall). Nun treiben diese Leute seit Jahren aufs neue ihre Kriegshetze und machen abermals kein Hehl daraus, daß es wieder ihr einziges Ziel ist, einen großen Krieg zu führen. Sie haben dabei die Hoffnung, daß sich wieder andere Völker finden, die für sie eintreten. Und diese Hoffnung ist zum Teil auch begründet, weil sie überall ihre jüdischen Verbündeten haben. Zum anderen Teil ist die Hoffnung allerdings schon jetzt fehlgeschlagen.
Ihnen ist diesmal ein dentfcher Frontsoldat entgegengetretea. der nun seinerseits ebenfall. alle Vorbereitungen getroffen hat, und zwar so gründlich, wie sie nur jemand treffen kann, der erfüllt ist von der Pflicht gegenüber seinem eigenen Volke (erneuter brausender Beifall). Vor diesen Leuten habe ich gewarnt, als es notwendig wurde. In einem aber habe ich nie einen Zweifel gelassen: daß es mein unerschütterlicher Wille und Entschluß war, Deutschland wieder frei zu machen. (Stürmischer Beifall.)
Daß sie mich nun dafür hassen, ist mein höchster Stolz. Sie wissen es, meine alten Parteigenossen und Parteigenossinnen, wie oft habe ich es Ihnen hier in diesem Saale gesagt: Wenn die Juden, das ganze Grobzeug, das damals in Deutschland herumlief, mich beschimpften, wie oft habe ich es Ihnen hier in diesem Saale gesagt: dann ward es meine größte Ehre. Wenn sie mich gelobt hätten, so wäre ich mir als der größte Halunke vorgekommen. Und genau so ist es heute. Wenn ein Churchill sagt, daß er mich haßt — dann: ich danke Ihnen, Herr Churchill, für dieses Kompliment! (Stürmischer Beifall.) Wenn Herr Chamberlain erklärt, daß er mir nicht traut: ich danke Ihnen ebenfalls, Herr Chamberlain, daß Sie also nicht glauben, daß ich jemals zum Verräter an meinem Volke werden könnte! Wenn Herr Duff Cooper oder Mister Eden versichern, daß ich in ihren Augen ein abscheuliches Ungeheuer sei — ich bin glücklich, daß Sie mich wenigstens nicht zu ihren Freunden rechnen. Denn ich habe nur einen einzigen Ehrgeiz: nämlich die Liebe und die Zuneigung meiner eigenen Volksgenossen zu erringen und sie mir
zu erhalten! (Brausende Heilrufe.) Der Haß meiner Feinde bewegt mich überhaupt nicht. Er hat mich nicht bewegt in den 13 Jahren, da ich um die Macht in Deutschland rang, und er rührt mich jetzt erst recht nicht! Und so wie ich damals im Inneren in diesen 13 Jahren gekämpft habe für die Freiheit meines Volkes gegen die inneren Unterdrücker, Ausbeuter usw., so kämpfe ich heute auch, wenn es notwendig ist, nach außen.
Sie kennen uns nicht, der beste Beweis, wie wenig sie uns kennen, ist, glaube ich, in der britischen Hoffnung zu sehen, doch vielleicht ein neues Jahr 1918 zu erreichen. Dem entsprechen ja doch wohl auch die blödsinnigen Flugblätter, die man mangels anderer Munition zunächst auf Deutschland abgeschossen hatte. Man glaubte wohl, daß man das Manöver von 1917 oder 1918 im jetzigen Deutschland würde wiederholen können. Die Herren haben eine Ahnung vom heutigen Deutschland! (Jubelnder Beifall.) Die Lage hat sich heute auf vielen Gebieten wesentlich gegenüber dem Jahre 1914 geändert, sie hat sich zunächst außenpolitisch geändert, Deutschland ist heute befreundet mit Italien. Es ist nicht nur die Freundschaft der beiden Regime, und ich darf wohl sagen, die Freundschaft der beiden führenden Männer, sondern es ist auch die Erkenntnis, daß die beiden Länder in ihrer Zukunft aufeinander angewiesen und von
einander abhängig sind. Allein auch Rußland gegenüber hat sich das Verhältnis geändert. Die Hoffnung, so wie im Jahre 1914 zwischen Rußland und Deutschland wieder einen großen Krieg erzeugen zu können, ist jämmerlich fehlgeschlagen. Ich verstehe, daß man in London jetzt empört ist über die „Gemeinheit", daß ausgerechnet ich diesen Schachzug plötzlich verhindert habe. Aber ich glaube in diesem Falle haben das russische und das deutsche Regime wirklich etwas sehr Segensreiches für beide Völker getan, denn dafür sind wir uns wohl beide zu gut, uns bloß zu verbluten, damit die Londoner Börse und das ganze Judentum sich die Hände reiben. (Stürmischer Beifall.) Damit ist wieder ein gewaltiger Staat aus der Front gegen Deutschland getreten, und Sie wissen, meine Volksgenossen, daß ich keine halben Sachen mache. Wenn ich mich einmal auf einen Weg begebe, dann gehe ich diesen Weg bis zum Ende. Die Hoffnung, es könnte doch morgen ober übermorgen wieder anders sein, diese Hoffnung ist vergeblich. Auch Japan, das im Jahre 1914 ebenfalls gegen Deutschland antrat, steht diesmal nicht auf der Seite unserer Gegner, sondern ist mit uns eng befreundet. Das sind drei gewaltige Staaten, die damals unsere Feinde waren und die heute als wohlwollendste Neutrale uns zur Seite stehen. Immerhin eine ganz beträchtliche außenpolitische Aenderung der Lage.
Ein neues Volk MN diesen Kamps.
Auch militärisch hat sich die Situation geändert. Ich habe auf gerüstet, und wie ich alle Dinge in meinem Leben konsequent mache und nichts halb, habe ich auch diese Aufrüstung konse- quent durchgeführt. Ich habe jahrelang aus Gründen, die Sie sich denken können, darüber nicht gesprochen. Ich wollte die anderen nicht unnötig auf- regen! (Stürmische Heiterkeit.) Ich habe jahrelang geschwiegen, aber das wissen Sie ja alle, ich habe gearbeitet. Wir haben uns eine Wehrmacht aufgebaut, die heute anders dasteht wie die von 1914. Damals war sie schwach ausgerüstet, zum Teil geradezu ärmlich versorgt.
Diesmal haben wir kein Opfer gescheut, um unserer Wehrmacht die modernste Rüstung der Welt zu geben. Daß das keine Phrase ist, das hat uns zunächst der Feldzug in Polen bewiesen. Ich glaube, er ist etwas schneller abgelaufen, als die Strategen in London und Paris das erwartet hatten. Und das wird sich auch in der Zukunft noch weiter bestätigen. (Wieder stürmischer Beifall.) Was aber über das Materielle hinaus den Geist dieser Wehrmacht betrifft, so soll man auch da unbesorgt sein. Der Geist der Soldaten ist immer der Geist ihrer obersten Führung, und daß die oberste Führung von heute nicht verwechselt werden soll mit der Führung des Jahres 1914, das walle Gott! (Stürmischer Beifall.)
Allein auch wirtschaftlich haben wir uns anders vorbereitet. Ich habe jahrelang die Grundlagen unserer Autarkie sicherstellen lassen, sehr zum Aerger unserer Gegner. Eigentlich hätten sie ja beglücft sein und sich sagen müssen: „Gott sei Dank, die Deutschen schaffen sich ihr Dasein in ihrem eigenen Lebenskreis." Aber nein, es hat sie geärgert, denn sie wußten ganz genau, daß diese Autarkie ihnen die Möglichkeit nimmt, die Gelegenheit Deutschland zu überfallen und dann durch eine Blockade abzudrosseln. Allerdings ist diese Blockade auch sonst ziemlich lückenhaft, wir haben uns heute ganz anders block ade fest gemacht als im Jahre 1914. Damals war unsere Gegenwehr gegen die Blockade gleich null, genau wie die eigene Vorbereitung zur Autarkie. Heute ist unsere Gegenwehr vom ersten Tage an schon ganz anders aktiv, und die Avwehr durch Sicherstellung der autarkischen Grundlagen unserer Wirtschaft aufs beste organisiert. Weder militärisch noch wirtschaftlich kann Deutschland niedergezwungen werden! (Erneuter jubelnder Beifall.)
Das Entscheidende aber ist bie Führung. Wenn ich hier von. der Führung rede, bann meine ich nun nicht nur mich allein, sondern alles, was im Laufe der 20 Jahre feit ich hier zum ersten Male vor ihnen sprach, in Deutschland zur Führung gekommen ist. Ich habe Ihnen oft gesagt: Ich bin nichts anderes als ein Magnet, der dauernd
über die deutsche Nation streicht und den Stahl aus dem Volke herauszieht, und ich habe oft erklärt, daß die Zeit kommt, in der alles, was in Deutschland an Männern da ist, in meinem Lager stehen wird, was dann nicht in meinem Lager steht, das taugt sowieso nichts. Ich habe das als den Prozeß der Bildung der historischen Minorität bezeichnet. Es ist genau so gekommen. Im Laufe von 13 Jahren hat sich in der nationalsozialistischen Partei eine Summe von persönlichen Energien zusammengefunden vom kleinsten Block- ober Zellenwart angefanpen, bis hinauf zum Ortsgruppenleiter, zum Kreisleiter, zum Gauleiter, zum Reichsstatthalter, den Reichsleitern usw. Auf allen Ge ieten ist eine Auslese eingetreten. Gewaltige Energien sind mobilisiert worden und stehen heute an den maßgebenden Stellen. Wenn Sie das vielleicht mit einem Blick nicht mehr im ganzen Umfang erfassen, so stellen Sie sich irgendein nationales Ereignis, sagen wir aus den Jahren 1903, 05, 08, 1910 oder 12 vor und sehen Sie sich ein ähnliches Ereignis heute an. Sagen wir damals eine Denkmalsenthüllung von einem Nationalheros, etwa Bismatck ober sagen wir einen Stapellauf. Der erste Eindruck: Ein Feld von Zylindern (stürmische Heiterkeit), nur Zyliräer, überhaupt kein Volk. Und heute nur Volk und kein Zylinder. Das ist der Unterschied! (Tosender Beifall.) Wenn ich heute zu Ihnen spreche, dann werden Sie, meine lieben alten Parteigenossen und Parteigenossinnen sagen: Unser alter revolutionärer Führer! — verzeihen Sie — ihr Staatsoberhaupt! Und nun vergessen Sie nicht, wie das anderswo aussehen würde, wenn bas Staatsoberhaupt spricht. Wie das meinetwegen vor 20 ober vor 15 Jahren ausgesehen hätte. Schauen Sie sich heute das Bild an. Heute haben wir wirklich das deutsche Volk und an feiner Spitze stehen heute überall Führer, die aus i h m hervorgegangen sind, ohne Rücksicht auf ihre Herkunft. Es ist wirklich eine Unsumme männlicher Tatkraft und Entschlossenheit, die heute die deutsche Nation führen. (Brausender Beifall.) Es tft etwas wert, wenn eine Nation fo durchorganisiert ist, daß an jeder Stelle einer steht, der aus dem Volke selbst herausgewachsen ist und der daher nicht durch seinen Namen oder seine Geburt an dieser Stelle steht, sondern allein durch feine Tatkraft.
Und dann das Letzte: Wir haben auch ein anderes Volk. Dieses Volk ist nun aufgerichtet, es hat sich selbst gefunden. Es hat sein Selbstvertrauen wieder erhalten in einem Ausmaße wie nie zuvor. Es weiß, daß kein Ding auf dieser Welt unmöglich ist. Es kennt unsere Geschichte. Es weiß, daß wir heute in unseren Entschlüssen nicht schwächer find als die großen Heroen unserer Vergangenheit. Das deutsche Volk ist durch eine Schule gegangen, wie sie, vielleicht von Italien abgesehen, kein anderes Volk in Westeuropa besitzt, eine Schule der Aufklärung und der politischen Erziehung. Dieses Volk ist durch und durch organisiert. Wenn heute so ein englischer Zylinderträger herkommt und etwas mit Propaganda machen will — mit
Propaganda in unserem Volt? (tosende Heiterkeit), das haben schon ganz andere versucht und sie sind uns gegenüber nicht aufgekommen. Alle diele Redensarten, die Herr Chamberlain vergeudet, die kann er vielleicht für fein eigenes Volk gebrauchen, bei uns ist das vollkommen wirkungslos. Wir kennen die Herren, wir kennen vor allem ihre Ratgeber. Die kennen wir ganz genau, weil sie zum Teil noch vor acht Jahren hier bei un% waren. Wir hören das am Dialekt ihrer Aussprache (brausende Heiterkeit). Sie sprechen ein ebenso komisches Deutsch wie sie wahrscheinlich auch ein komisches Englisch reden. Diese Leute haben wir in unserer Mitte einst erlebt, da sie die Gewalt in Deutschland hatten. Heute haben sie hier keine Gewalt, es fei denn die Gewalt ihrer Stimme, und diese Stimmer klingt in Deutschland sehr schlecht. Das deutsche Volk hat eine Abneigung gegen diesen Jargon. Es will ihn nicht hören. Und wenn es erst die Träger dieser Stimmen sieht, dann hat das deutsche Volk überhaupt schon genug. Was diese Leute dann reden, ist an sich gänzlich gleichgültig, es glaubt ihnen im deutschen Volk kein Mensch mehr ein Wort. Jeder Deutsche weiß, daß sie lügen wie gedruckt und drucken wie sie lügen. (Erneute Heiterkeit.) Nein, das deutsche Volk ist h e u t e ganz anders geworden. Es gibt in der Führung heute keine Bethmann-Hollwegs. Es gibt aber auch im Volk keine fpartakistischen Banden mehr. Beides hat aufgehört.
Ls ist ein neues Volk gekommen, und dieses Volk wird den Kampf, den man ihm aufgezwungen Hal, durchführen. Und ichbinenl- schloffen, dies en Kampf durchzuführen! Ls wird vielleicht manchen geben, der sagt: „hätte man nicht noch ein paar Jahre Zeit gehabt?!" Rein! Ls ist besser so, wenn der Kampf doch unausbleiblich war. Die Herren haben ihn uns jetzt aufgezwungen. Außerdem ist es auf die Dauer unerträglich, daß ein Volk einem anderen, das 80 Millionen Menschen stark ist, alle zwei Jahrzehnte sagen kann: „Wir wollen nicht, daß du das tust oder jenes, wenn es uns einfällt, sperren wir dir die Importe und machen dir eine Blockade, dann kannst du nichts bekommen und mußt verhungern! So etwas ertragen wir nicht! Diesen organisierten Terror einer niederträchtigen Wellplutokratenclique werden wir beseitigen! (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Wir haben diese internationalen Finanzhyänen in Deutschland zu Paaren getrieben, und wir werden uns jetzt nicht von außen her das Gesetz des Handelns vorschreiben lassen. Die deutsche Nation hat dasselbe Recht zum Leben wie jedes andere Volk. Wir sind daher entschlossen, diesen Kampf jetzt solange zu führen, bis dieser Terror gebrochen ist, und so, wie wir den Terror dieser Clique im Innern vernichtet haben, werden wir ihn auch nach außen brechen! (Tosender Beifall.) Daß ich vor diesen Leuten keinen Respekt habe, das liegt in ein paar "Tatsachen begründet: 1. Soweit sie sowieso früher bei uns waren, werden Sie verstehen, daß ich gar keinen Respekt vor ihnen zu haben brauche. <E>ie, die früher die Macht in Deutschland hatten, muhten ja mir, dem namenlosen unbekannten Soldaten nach 13 Jahren das Feld räumen. Warum soll ich also vor diesen Leuten Respekt haben? (Stürmische Heiterkeit.) Und nach außen ist es auch nicht anders. Ich bin selber als Soldat vier Jahre lang den Leuten gegenüber gelegen. Man kann mir doch nicht einreden, daß die besser seien als wir. Damals sind sie in einer gigantischen U eb erlegen- heit gegen uns aufgetreten. Diese Überlegenheit hoben sie heute nicht mehr, auch waffenmäßig nicht.
Und daß ich im übrigen die Zeit jetzt ausgenutzt habe, das werden Sie, meine alten Parteigenossen, mir ohne weiteres glauben. Denn was man mir auch vorwerfen konnte — eines nicht: daß ich jemals in meinem Kampf faul gewesen wäre oder vielleicht so ein halbes Jahr lang die Hände in den Schoß gelegt und nichts getan hätte. — Ich habe in den letzten 5 Monaten gearbeitet, wie nur ein Mensch arbeiten kann. Und es war das auch verhältnismäßig leicht, denn man brauchte nur das anlaufen zu lassen, was wir zum Anlaufen vorbereitet hatten. Und das läuft jetzt, und zwar gründlich. Das deutsche Volk steht heute militärisch in einer besseren Verfassung da als jemals in seiner Geschichte. Zu seiner Führung aber können wir ruhig Vertrauen haben. Auch die militärische Führung 'steht auf der Höhe der Zeit und ihrer Aufgaben. Die anderen müssen
Danke schön!
Don 3o Hanns Rösler.
Der eine Otto sah den anderen Otto kopfschüttelnd an.
„Wir waren in Läden, wir sind herumgefahren, jetzt sitzen mir in einer Gaststätte", sagte er mit Grimm, „immer ist es das gleiche ßiebr
„Worüber beschwerst du dich, mein Freund?"
„Tausendmal am Tag sagst du Danke und nicht weniger oft Bitte! Ich frage dich: wozu? Fühlst du dich so unsicher? Du kaufst eine Ware ein, du gibst Geld dafür, wozu dann noch die Höflichkeiten? Wer sagt zu dir Bitte, wenn du jeden Morgen in deine Kanzlei zur Arbeit gehst? Wer sagt zu mir Danke, wenn ich die alten Stiefel neu besohlt habe? Man läßt sie abholen, legt das Geld auf den Tisch und die Sache ist erledigt. Du aber trittst in ein Geschäft und beginnst: „Ich mochte gern dies und würden Sie mir bitte jenes zeigen?" Wenn man dich fragt: „Gefällt es Ihnen?" antwortest du: „Ja. Danke schön." Bietet man dir an, die Badewanne, die du sowieso nicht unter dem Arm heimtragen kannst, zuzuschicken, sagst du: „Das wäre wirklich sehr freundlich von Ihnen, haben Sie herzlichen Dank!" Du gibst deine Adresse mit einem freundlichen Bitte an der Kasse ab und bedankst dich womöglich noch bei dem Verkäufer für die gute Beratung, wenn du ihm nicht gar die Hand reichst. Was hat der Mann anderes getan, als dir eine Badewanne verkauft, die er ja eintaufte, um sie zu verkaufen? Wenn du oder ein anderer nicht gekommen wärest, sie ihm abzunehmen, bliebe er auf seinen Badewannen sitzen. So aber brachtest du ihm einen Verdienst und verhalfst ihm zu seinem Lebensunterhalt.
Aber dies nicht allein, du treibst es auch sonst so: du grüßt den Postboten auf der Straße zuerst, den Postboten, der dir ja nur deine Briefe bringt, die er ja bringen muß und sowieso nicht für sich behalten kann. Du entschuldigst dich bei deiner Portiersfrau, wenn sie breit im Hauseingang steht und du an ihr vorüber willst. Hat sie den Eingang nicht freizugeben und ist es nicht vielmehr eine Ungehörig- feit von ihr, den Gang des Mieters auch nur eine Sekunde zu hemmen? Wenn du in deinem Wagen sitzt, hupst du nicht, sondern wartest, bis die Leute die Straße überquert habe,. Weißt du nicht, daß ein Auto stets das Recht der Vor^hrt dm dkü au—.— _" ———.
Fußgängern hat? Stattdessen hältst du den Wagen an und winkst ihnen noch freundlich zu, vor dir hinüberzugehen? O du hinterdörflicher Narr! Ja, zum Chauffeur einer Taxe sagst du: „Bitte fahren Sie mich zum Bahnhof!" Der Mann wartet ja nur daraus, dich zu fahren! Genügt es nicht, einfach ,Lum Bahnhof!" zu befehlen?
Vorhin traten wir in diese Gaststätte ein. Der Kellner half uns aus dem Mantel. Du sagtest Danke, ich sagte nichts. Unsere Mäntel hängen an dem gleichen Haken, es ist kein Unterschied. Der Kellner führte uns zu einem Fenstertisch. Du bedanktest dich bei ihm für seine Aufmerksamkeit. Sitze ich nicht am gleichen Tisch? Du batest: Bringen Sie mir bitte ein Bier und später, wenn Sie Zeit haben, die Speisenkarte!" Ich sagte nur: „Ein Bier und die Speisekarte!" War etwa meine Portion Sauerkraut kleiner als deine oder sind deine Würstchen länger als die meinen? Stellte er dir das Essen früher auf den Tisch ober brachte er mir mein Bier später? Nein, du bist einfach ein altmodischer Mensch, Otto! Du paßt nicht in die heutige Zeit! Oder bist du anderer Meinung?"
Der andere Otto war anderer Meinung.
„Darf ich, lieber Freund, dir etwas zeigen?", sagte er freundlich, „sieh auf diesem Tisch steht ein Strauß frischer Blumen, dort drüben ebenfalls und auf den Fensterbänken blühen Geranien. Warum wohl? Es ist die Höflichkeit des Wirtes, es ist fein Bitte, fein Willkommen. Er hat es nicht nötig, höflich zu fein, denn fein Bier ist gepflegt und das Essen ist nicht teurer als anderswo. Aber auch er sagt Danke für unseren Besuch und hat uns deswegen vorsorglich drei Rosen auf den Tisch gestellt. Der Kellner half uns aus dem Mantel. Gewiß, es ist seine Pflicht, vom Wirt vorgeschrieben! Aber konnte er nicht ebenso gut in dieser Minute sich so aufmerksam mit den Tellern und dem Falten der Servietten beschäftigen, daß er uns nicht bemerken mußte? Wir hätten uns vielleicht von selbst an diesen Tisch gesetzt, aber daß er uns geleitete, kann man Königen eine höhere Ehre erweisen? — Du erwähntest vorhin den Briefträger. Er hätte feine Aufgabe voll erfüllt, wenn er die Briefe in den Kasten meiner Tür würfe. So aber läutet er und erspart mir das Warten und wiederholte Laufen zur Tür, ob die Post noch nicht da sei. Er überreichte mir die Briefe mit einem freundlichen Lächeln, daß ich gar nicht auf den Gedanken komme, dieser Mann
jHsig DrMnlMg treHWuj und treppab und
ist eben wieder die fünf (teilen Stiegen zu mir emporgeklettert. Könnte er mir nicht auch mürrisch und schnaufend die Post aushändigen? Daß ich vor Aerger die freudigen Nachrichten belanglos und die unangenehmen Dinge der Briefe doppelt unangenehm empfände? Warum soll ich mich also nicht bei ihm bedanken und grüßend stehen bleiben, wenn ich ihn auf der Straße treffe? Nein, mein lieber Otto, wir begegnen überall der Höflichkeit und Rücksichtnahme auf uns, daß es undankbar wäre, sie achtlos und selbstverständlich einzustecken.
Der Chauffeur, der eine Stunde ober länger am Standplatz stand, um endlich nach langem Warten vorzurücken, und nun als erster Wagen vor der Reihe steht, freut sich bestimmt nicht über die kurze Fahrt zum Bahnhof mit einem einzigen Fahrgast. Wer wie ich früher in Wien fo oft beschimpft wurde, weil ich vom Ring nur bis zum Kai mußte und nicht zur Alten Donau oder nach Schönbrunn, der freut sich heute doppelt über den Chauffeur, der auch bei den kürzesten Fahrten gern den Motor einschaltet und beim Aussteigen dir die Tür öffnet. Mit einem Trinkgeld allein ist der Dank dafür wohl nicht abzustatten, ein freundliches Wort gehört dazu.
Und der Verkäufer im Geschäft hat auch Mühe gehabt, dir gute Badewannen bereitzuhalten. Gute Badewannen kommen nicht von allein geschwommen und gute von schlechten zu unterscheioen, hat er harte Lehrjahre hinter sich. Wenn es ihm heute besser geht und er bereits einen kleinen Bauch ansetzt, sieh nur genau hin, so erkennst du in feinem Gesicht immer noch den kleinen, blassen, ängstlichen Lehrling, der anfassen konnte, was er wollte, es war immer falsch. Damals hat niemand zu ihm Bitte und Danke gesagt. Warum wollen wir es heute nicht nachholen? Das ältere Fräulein an der Kasse oder gar am Packtisch bekommt so viele mürrische Gesichter zu sehen, daß ihr ein freundliches Lächeln gern gegönnt sei.
Nein, Otto, es ist gewiß nicht altmodisch, alltägliche Vorkommnisse mit Höflichkeit zu verschönen. Es paßt gerade in die heutige Zeit, bitte und danke zu sagen, denn es fallen dir so viele Geschenke vom Himmel in den Schoß, für die du dich nicht bebauten kannst, weil der Mann, dem du sie verdankst, gar nicht die Zeit hat, sich dafür von jedem die Hand schütteln zu lassen. Drücke sie dafür den anderen, lieber Otto!"
Einem Einwand zu begegnen: warum zweimal Otto? Warum nichts wie ist jedex verniWiAen Ge
schichte, einen Otto und einen Heinrich? Oder auch einen Hugo und Johannes? Ganz einfach: der eine Otto und der andere Otto sind nämlich der gleiche Otto. Einmal hat er ausgeschlafen und einmal ,st ihm eine Laus über die Leber gelaufen. Darum seid munter, Freunde.
Der Marienkäfer.
Auf den Tisch im Kaffeehaus floa ein Marien* käferchen, dem der milde Herbst das Leben noch um ein Weilchen verlängert hat. Flink bewegte sich der kleine rote Fleck mit den weißen Pünktchen (der zeigt, wie der liebe Gott auch bei der Schöpfung feiner kleinsten Lebewesen Phantasie und Schönheit nicht außer acht ließ) über das weiße Tischtuch auf den Soldaten zu, der am anderen Ende des Tisches saß.
Nun bemerkte er es und freute sich wie ich über den putzigen Anblick. Das Marienkäferchen machte Halt vor einem Aschenbecher; dann umkreiste es ihn mehrmals.
Da nahm der Soldat ein schon abgebranntes Streichholz. Das nicht verkohlte Ende tauchte er einen Augenblick in ein Glas Wasser, das vor ihm stand; dann wälzte er es mehrmals über das Stückchen Papier, in dem der Zucker eingewickelt gewesen war, mit dem er feine Tasse Kaffee gesüßt hatte. Ich schaute ihm aufmerksam zu und begann zu ahnen, was er vorhabe.
Richtig: an dem angefeuchteten Holz hatten sich Zuckerkörnchen angesetzt, und nun legte er das Streichholz dem Marienkäferchen, das inzwischen von dem Aschenbecher fort und wieder auf mich zurannte, in den Weg. Würde die seltsame Fütterung, die er beabsichtigte, gelingen?
Das Marienkäferchen stutzte, als es den „Balken" vor sich sah, kletterte hinauf, gelangte an die gezuckerte Stelle, stutzte erst recht — und bohrte dann seinen kleinen Rüssel gierig in den feuchten Zucker.
Es verwechselte offenbar die bargebotene Kost mit dem Honig einer Blüte, aus dem es sich sonst zu ernähren pflegt, und die es jetzt draußen nicht mehr gibt.
„So tierfreundlich?" fragte ich den Soldaten, der das gelungene Experiment stolz betrachtete.
„Allerdings!" lächelte er. „Aber auch ein wenig abergläubisch. Sie wissen doch: Marienkäferchen sollen Glück bringen!"
geno Qhlis.t&lae^q^


