Ausgabe 
26.1.1940
 
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90 Wre Bahnstrecke Frankfurt-Friedberg.

Kleinstaaterei erschwerte den Bau.

Lpd. Frankfurt a. M., 25. Jan. Die Strecke Frankfurt a. M. Friedberg der Main. Weser-Bahn kann in diesem Jahr auf ein 90jähriges Bestehen zurückblicken. Die Ge­schichte der Main-Weser-Bahn und die Schwierig­keiten des Bahnbaues geben einen interessanten Einblick in die Kleinstaaterei der damaligen Zeit, denn der Bau dieser wichtigen Bahn verzögerte sich immer wieder, weil irgendeiner der beteiligten Staaten die Freie Stadt Frankfurt, das Groß- Herzogtum Hessen und das Kurfürstentum Hessen Einwände machte, die in langen Verhandlungen geklärt und beseitigt werden müßten.

So hatte nach den Bestimmungen des Staatsoer­trages jeder Staat auf seinem Hoheitsgebiet die Bauarbeiten ausführen zu lassen und die Kosten zu tragen. Frankfurt mußte den Main-Weser-Bahnhof bauen, um den es übrigens auch lange Auseinander, setzungen gegeben hatte, und die Strecke bis zur Ge- markungsgrenze bei B o ck e n h e i m , die gleichzei­tig Landesgrenze mit Kurhessen war. Kurhessen baute von dieser Grenze bis zur hessischen Landes­grenze bei Vilbel mit Ausnahme des Streckenteils in der Gemarkung B o n a m e s, den Frankfurt zu bauen hatte, da Bonames Frankfurter Besitz war. Die großherzoglich-hessische Strecke wurde wiederum durch ein Stück Frankfurter Gebiet bei Dortel­weil unterbrochen, und hinter Friedberg befand sich abermals kurhessisches Gebiet, zu dem Bad- Nauheim gehörte.

Durch diese Streitereien undZuständigkeiten" wurden die Bahnbauten s-ehr behindert. Nach An­

sicht der technischen Kommission bot die Strecke von Frankfurt bis Friedberg wenig bauliche Schwierig­keiten. Aber bald ergaben sich unvorhergesehene 5)inbcrnifie. Die kurhessische Regierung wollte die Bahn durch die Wiesen von Hausen fahren laffen, aber der Ortsvorstand von Hausen, das zu Frank- furt gehörte, erhob Einspruch, weil er durch den Bahndamm eine Stauung des Nidda-Hochwassers und deshalb Wassergefahr für Hausen befürchtete. Die kurhessische Regierung gab aber nicht nach; nur einige Wasserdurchlässe wurden dem Dorf Hausen zugestanden. Eine weitere Schwierigkeit entstand über die Frage der Bahnführung bei Friedberg und bei Bad-Nauheim. Man wollte den tiefen Einschnitt des Rosentales umgehen, was für Friedberg die Folge gehabt hätte, daß der Bahnhof sehr weit von der Stadt abgelegen hätte. Nach mündlichen lieber, lieferungen soll auch der Wunsch des Großherzogs Ludwig III. für die Bahnführung mitbestimmend gewesen sein, der von seinem Schloß in Friedberg aus die Eisenbahn sehen wollte. Anderseits gefiel dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel die beabsichtigte Bahnführung unterhalb des Johan, nisberges bei Bad-Nauheim nicht, denn er wollte dort ein Schloß bauen und durch die Eisenbahn nicht gestört werden. So wurde denn das Rosental durch den bekannten Viadukt vor der Einfahrt in Fried­berg überbrückt, der heute noch das größte Bauwerk der Main-Weser-Bahn ist. Sein Erbauer, der In. genieur H o ch g e s o n d, war Leiter der Bausektion Friedberg. Nach dem Voranschlag betrugen die Bau- kosten für den Viadukt 400 000 Gulden.

Heiterer Abend mit KdF.

Die NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" fügte ihrer bisherigen glücklichen Arbeit um die Ausge­staltung der Freizeit am gestrigen Donnerstagabend einen weiteren Erfolg an. Der Gloria-Palast war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Künstler konn­ten also ein starkes Echo finden und hatten eine aufnahmebereite Zuhörerschaft vor sich.

Der Abend war ganz der heiteren Muse gewid­met, Hans Georg Schütz mit seinen lustigen Dorf­musikanten, seinenSchützlingen", sorgte im Laufe des Abends für Takt und Musik, brachte eigene kapriziöse Kompositionen auf dem Akkordeon zum Vortrag, ließ aber auch einige Mitglieder seiner Kapelle zum Zug kommen. 23on Fritz Ritter hörte man denLiebeswalzer" von Carera auf der Mandoline gespielt, und von Erich R o ch o w ein Klarinetten solo von originellem Gepräge unter dem TitelEinmal schnell, einmal langsam", (eben­falls eine Komposition des Solisten).

Eine große Freude bereitete die Sopranistin Rosel Seegers ihren Zuhörern mit einigen Wiener Liedern, gesungen mit zartem Schmelz und mit der Geschicklichkeit, die sich aus reicher Hebung und Vertrautheit mit den Äedschöpfungen Wiener Ge- präge5 ergibt. Erwin Hartuna fang einige Schla- aertteder auf seine Weise. Zusammen mit Rosel Seegers sang er dann das Duett ,Zch tanze mit Dir in den Himmel hinein" und den rassigen Schla­gerAm Manzanares" aus der OperetteClivia".

Werner D e i d t, als Ansager und Humorist, hatte schon gleich zu Beginn gewonnen, denn durch seine schwäbische Mundart ließ sich jedermann gerne ge­fangen nehmen. Er erzählte in lockerem Plauder- ton die hübschesten Witze, aktuelle Späße, Scherze von wohlabgewogener Derbheit, lustige Bauern- geschichten, er brachte auch Kindheitserinnerungen und manche luftige Begebenheit aus seiner schwä- bischen Heimat unter die Leute und fand bei allen ein geneigtes Ohr.

Der Abend, der lediglich der Ausspannung dienen sollte, dürfte seinen Zweck kaum verfehlt haben. Dankbar für zwei Stunden angeregter Unterhaltung verließ man das Haus.

Die Zentralheizung bei Frost.

Von den Zentralheizungsbenutzern ist während der Frostperioden folgendes zu beachten:

1. Bei Frostgefahr find sämtliche Heizkörper in Betrieb zu halten; auch bei Nacht!

2. Auch in unbenutzten Räumen müssen Heiz- körper und Rohrleitungen, wenn auch nur durch mäßiges Deffnen der Ventile, warm gehalten wer­den. Um unerwünschte Wärmeabgabe der Heiz­körper in unbenutzten Räumen möglichst einzu­dämmen, sind die Heizkörper allseitig mit Tüchern zu bedecken.

3. Gänzlich abgesperrte Heizkörper und Leitungen frieren ein.

4. Vorsichtig bei Lüftung der Räume durch Deff- nen der Fenster. Fensterlüftung auf wenige Minuten bei geöffneten Heizkörperoentilen beschränken.

5. Alle Fenster, Türen und Luftlöcher in Kellern, Durchfahrten, Dach- und Nebenräumen gut ver- schlossen halten.

Die Bekämpfung der Frostbeulen.

Kalte Tage werden vielen Menschen gefährlich, die an Frostbeulen leiden. Abgesehen von der beim sog.aufbrechenden Frost" bestehenden allgemeinen Infektionsgefahr kann auch durch Kratzen an den eigentlichen Frostbeulen schwerer gesundheitlicher Schaden entstehen. Den Sitz der Frostbeulen, die den Menschen recht lästig werden können, bilden besonders Nase unb Ohren, Hände und Füße, sowie, alle jene Stellen, an denen der Blutkreislauf durch künstliche Beengung oder Einschnürung unterbrochen ist. Eine besondere Eigenart des Leidens ist es, daß es bei jenen Personen, die einmal darunter gelitten,

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CARL DUNCKER VERLAG BERLIN W 36

32 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nun ist es aber mit der Zahlen schreib erei ganz und gar aus. Der Unterkiefer der Frau Schwert- feger zittert.Wir sind nur kleine Leute, Fräulein Wegner, mein Mann war Landbriefträger. Der Junge, ja, der hat es zu was gebracht, und so Äwie er ist, wird er es auch noch weit brin- er Geld haben wir teins und solch großer Hof braucht doch einen Mann mit Geld."

Quatsch", sagte Klarissa fast grob.Einen ver­nünftigen Mann braucht er und weiter nichts, einen Bauern braucht er, punktum." Sie legt der kleinen Frau die harte Hand so fest auf die Schultern, daß die Mühe hat, sich unter diesem Griff gerade zu hal­ten. ,Hch bin alt, ja, Frau Schwertfeger, wir beide, Sie und ich werden am Ofen sitzen und Strümpfe stopfen, das werden wir wohl immer noch können, glaube ich. Na also, packen Sie Ihre Siebensachen und kommen Sie zu uns raus, wir beide wollen auf dem Altenteil schon zurecktkommen. Immer besser ein Altenteil auf dem Lande als so eine Vogelbauern)ohnung in der Stadt."

Lieber Gott, lieber Gott", stammelt Mutter Schwertfeger,soll ich denn wirklich m meinem Leben noch mal wieder nach draußen kommen? Jcb war ja manchmal ganz krank vor Sehnsucht nach dem platten Land." Sie steht vor Marissa und schluchzt in ihren Schürzenzipfel.

Na also, dann sind wir uns ja einig!" Klarissas Hand legte sich wieder und dieses Mal mit solchem Schwung auf die Schulter der lütten Frau, daß die fast zusammenknickt. Dann stapft Klarissa durch die Stube, daß alles klirrt und zittert. So, nun ist sie schon auf der Treppe.Daß Sie mir aber bald kommen, Mutter Schwertfeger", brüllt sie mit Stentorstimme. Ach, du Schreck, nun hat sie wohl gar das ganze Haus, diesen lächerlichen Steinbau­kasten. rebellisch gemacht? Hinter drei Türen sieht sie Frauenköpfe. Der Teufel soll sich in der Groß­stadt wohl fühlen. Klarissa will heim zum Birken­hof.

Nach einiger Zeit betritt Christian Schwertfeger das Foyer des großen Hotels Unter den Linden. Jetzt steht er vor dem goldverbrämten Portier und fragt nach Fräulein Wegner.Die Dame erwartet Sie", wird ihm geantwortet, und gleich darauf geht ein Page vor ihm her durch die breiten, teppich- belegten Flure. Der Junge klopft an eine Tür, Öffnet sie und Jagt:Bitte sehr, mein Herr."

Christian tritt ein. Das Zimmer ist groß, und groß ist die Frau, die da aus einem der Sessel auf- steht. Sie sieht ihn an, sieht ihn mit Annes blitzen­den Augen an und kommt langsam näher. Jetzt steht der Berg Klarissa vor Christian Schwertfeger.

»Also, da sind Sie. Na, nehmen Sie Platz."

meist alljährlich wiederzukehren pflegt. Um Frost­beulen zu verhüten, trage man keine zu engen Schuhe und vermeide die Verwendung ab schnüren­der Bänder. Das beste Mittel ist Abhärtung der Haut und Förderung der Blutzirkulatton. Haus­mittel sind u. a. warme und kalte Wechselbäder und Frostsalben. Bei aufgebrochenen Frostballen gehe man sofort zum Arzt.

Treffen der Gelnhäuser und Kinzigtaler.

Dieser Tage versammelten sich zum ersten Male im neuen Jahre zahlreiche hier wohnende Gelnhäu­ser und Kinzigtaler unter der Leitung des General­vertreters Karl Walther zu einer kameradschaft­lichen Zusammenkunft im Hotel Kobel. Nach herz­licher Begrüßung gab es mancherlei Unterhaltung. Frau Marie Becker, geb. Schmidt, erinnerte an die Zeit, da man als Bub und Mädelvon der Höhen der Deiriech bis enapp ans Schiffsdhor über die Kärchgaß ennewer, am Efsiberk seiner groujj Trepp vorbei", mit dem Schlitten gerutscht sei.Oft gabs blaue Mäler an Kopf un Knie, es war aber schie". Kamerad Rüffer unternahm im Geiste mit seinen Zuhörern einen Spaziergang nach dem Blockhaus,über denStaanige Weeg" nach dem Wartturm, dann ,chie Herzbach hinner", wo heute die Kasernen stehen, undbann gungs in den ,Hoffnungsgarte". Im Laufe des Abends wurde auch dessen Erwähnung getan, daß vor etwa 240 Jahren Gelnhäuser Einwohner nach der Wolga aus« wanderten, dort Katharinenstadt gründeten, Reli­gion, Sitten und Gebräuche in Gelnhäuser Art wei­ter pflegten, wie zwei Deutschrussen erzählten, die vor Jahren nach Gelnhausen zurückkehrten, um nach ihren Vorfahren zu forschen. Für den März dieses Jahres ist für die Gelnhäuser und KinHigtaler ein Familienausflug vorgesehen, außerdem soll dann auch, ,-weenn die Bääm so schö blühe" eine Fahrt nach der alten Heimat unternommen werden.

Christian rührt sich nicht, und feindselig sieht er in Klarissas helle Augen, ja, er weicht ihnen nicht aus. Oh, er kennt sie ja, sie hat das Gesicht des fremden Mannes in Balholm, der Annes Vater war. Jener war ihm gleichgültig, er bedeutete ihm nichts, diese aber ist der Berg, der Felsen, der zwi­schen ihm und Anne steht.

Wollen Sie sich nicht setzen? Ich bin eine alte Frau und habe keine Lust und keine Kraft, mir die Beine in den Bauch zu stehen."

Da atmet Christian tief auf und sagt:Eines wollen wir gleich beim Beginn unserer Unterredung klarstellen, Fräulein Wegner. Wenn Sie denken, daß ich Anne freigebe, irren Sie sich, ich gebe sie nicht frei. Bitte sehr, was haben Sie mir zu sagen?"

Klarissa ist zu ihrem Sessel gegangen, jetzt kehrt sie sich mit einem Ruck um und ruft:Was ich Ihnen zu sagen habe? Wenn wir so mit Punkt eins und zwei anfangen wollen, so muß ich Ihnen zum ersten Punkt unserer Unterredung sagen, daß Sie ein dummer Bengel sind! Wer redet denn da­von, daß Sie Anne freigeben sollen, hat schon je­mand ein Wort davon zu Ihnen gesagt?"

Klarissa schreit, und Christian kriegt wie ein Schuljunge einen dunkelroten Kopf.Ja ja dann", stottert er,bitte, entschuldigen Sie, aber ich redete mir ein daß Sie einen Glücksritter in mir sehen."

Papperlapapp Glücksritter nichts als faule Flausen. Wenn man deine Mutter ansieht. Junge, weiß man, was hinter euch steckt. Gut, daß ich zuerst deine Mutter gesehen habe. Aber ich habe keine Lust, daß wir eine Rührszene aufführen, wäre schade um die Zeit. Ich will bloß wieder aus Berlin raus. Nun paß auf: Im Birkenhof sind sie bei der zweiten Mahd, kannst du dich gleich frei machen? Versuch das, und wenn es erstmal nur für ein paar Tage ist. Wenn wir uns sehr beeilen, kriegen wir den Mittagszug nach Hamburg noch. Dann sind wir heute nachmittag zu Hause. Also, so sieht das aus, und wir brauchen weiter keine Redereien drum zu machen. Wenn du mitwillst, mach, daß du los­kommst. Anne weiß übrigens nichts davon, daß ich mit dir spreche, hat keine Ahnung, der Krümel. Aber sie ist dünn und schmal geworden, sagten mir die Pegels am Telephon, natürlich vor lauter Auf­regung und unglücklicher Liebe, und was weiß ich. Die dumme Göre! Das kommt davon, wenn ihr Jungen zu uns Alten fein Vertrauen habt."

Christian steht da und lacht. Diese kräftigen Er­klärungen sehen der Alten vom Dirkenhof ähnlich, ja, nur so konnte sie nach Annes Schilderungen sein, und daß sie ihn anbrüllt wie den Franz Pegel, erfüllt ihn mit Genugtuung. Anne hat einmal ge­sagt, wenn Klarissa mit den Menschen nicht schilt, sind sie ihr gleichgüttig. Ja, so ist diese Klarissa! Er kehrt sich ihr zu.Sie tun uns Jungen in diesem Fall aber Unrecht, Fräulein Wegner, vor allen Dingen Anne. Es war fein Mangel an Vertrauen, es war lediglich Angst um Ihre Gesundheit."

(Quatsch", schreit sie,nichts als Quatsch, drei solche Bengel wie dich hätte ich selbst nach der schwersten Krankheit ertragen. So, und nun mach,

Ist die Speisekammer frostsicher?

Der Frost der vergangenen Tage rollt eine Reihe von Fragen auf, die die Hausftauen wegen ihrer Lebensmittelvorräte besonders interessieren müssen. Die Stadtwohnungen sind gewöhnlich nicht so ge­baut, daß sie einen genügend großen und auch in jedem Falle frostsicheren Aufbewahrungsraum- Haben. Meist ist eine kleine Speisekammer vorhan­den, die bei den Außentemperaturen, wie wir sie jetzt haben, die Lebensmittelvorräte nicht mehr vor Frost schützt. Die Einfachfenster, die oft auch nicht richtig schließen, halten die Källe nur ungenügend ab, und sehr bald herrscht dann in der Speisekam­mer eine Temperatur, die die Geftiergefahr für eine Reihe von Vorräten in sich birgt. Soweit die Speisekammer überhaupt groß genug ist, daß das Eingemachte in ihr untergebracht wurde, wird es jetzt gut fein, mittels Thermometer zu prüfen, ob noch Frostsicherheit besteht. Am besten ist es, wenn das Eingemachte, die Obstsäfte, Gemüse u. dgl. jetzt aus oen Speisekammern herausgenommen und in einem Regal in einefn ungeheizten Raum unter* gebracht werden, etwa im Korridor; denn man darf natürlich nicht aus einem Extrem in ein anderes verfallen und die Vorräte infolge Wärme dem Un­geheuer Groschengrab ins Maul jagen. Auch muß man beachten, daß Vorräte, die schon gefroren sind, nicht rasch erwärmt werden dürfen, da sie sonst er­heblichen Schwund chres Nährwertes erleiden. Man stellt sie also nicht etwa ins Warme, sondern läßt sie im ungeheizten, aber frostsicheren Raum von selbst auftauen. Unbedingt ist es nötig, alle Vorräte der Speisekammer, in die der Frost eindringen kann, in Sicherheit zu bringen.

Schneebälle können gefährliche Wurfgeschosse sein.

In diesen Tagen sicht man vielfach auf Straßen und Plätzen Kinder und Jugendliche, die sich damit

vergnügen, die Vorübergehenden, meistens jungt Mädchen und Frauen, aber auch sich selbst unter« einander mit Schneebällen zu bewerfen. Man könnte geneigt fein, gegen dieses jungenhast-übermutige und scheinbar harmlos ausschende Treiben keine zeigefingerdrohenden Einwände zu erheben, wenn es nicht doch gewisse Gefahrenmomente in sich ber­gen würde, denen sich die halbwüchsigen Schnee­ballschützen bei ihrem eifervollen Spiel nicht bewußt sind. Denn ein Schneeball kann für die oder den Betroffenen leicht gefährlich werden, nämlick dann, wenn er ins Gesicht fliegt und das Auge beschädigt. Oder wenn gar ein Stein in den Schneeball ge« raten ist, der demOpfer" gleichfalls unter Um- ständen körperlichen Schaden zufügen kann, lieber« Haupt ist es mit Gefahr verbunden, Schneebälle in verkehrsbelebten Straßen zu werfen. Nicht allein, weil geworfene Schneebälle in bedenkliche Nähe von Fensterscheiben, Straßenlaternen unb~ Firmenschil­der geraten, sie vielleicht sogar zertrümmern kön­nen, sondern weil sie auch den ohnehin wegen der Schneefälle nicht gerade zügigen Verkehr auf Fahr- bahn und Gehsteigen behindern oder gefährden. Alle Ettern, Lehrer und sonstigen Erziehungsbe­rechtigten sollten die Kinder auf die Gefahren des Schneeballwerfens aufmerksam machen und sie zu- mindest dahin verweisen, wo sie Fußgänger und Straßenverkehr nicht gefährden. Freilich, am besten wäre es, man ließe das Schneeballwerfen über­haupt fein und beschränkte sich darauf, die Freuden des Winters auf andere Art zu genießen.

posiunkerrichl in den Schulen.

Um die Arbeit der Poft zu erleichtern und alle Kreise der Bevölkerung für die richtige Behand­lung der Briest'achen (adressieren, fteimachen usw.) zu interessieren, wird vom Reichspostministerium angestrebt, in allen Schulen Deutschlands Postschul- zimmer einzurichtekl, in denen die Jugend mit der Arbeit der Post vertraut gemacht wird Hier ge­winnen die Kinder einen Einblick in den Postscheck« verkehr, in den Fernsprechverkehr und in die Bries- behcmdlung vom Briefschreiber bis zum Empfänger. Dieser Postschulunterricht ist heute bereits an zwei Frankfurter Schulen, an einer Berufsschule und einer Mittelschule eingeführt.

* Auszeichnung verdienter Polizei« beamte r. Der Kriminaloberassistent Schad so­wie die Polizeihauptwachtmeister Heß und Böcher wurden für über 25jährige Polizeidienst-Tätigkeit mit der Polizeidienstauszeichnung 1. Stufe bedacht. Im Rahmen einer schlichten Feier wurden den treuen Beamten die Ehrenzeichen mit herzlichen Worten der Anerkennung von dem mit der Füh­rung der Polizeidirektton Gießen beauftragten Ma­jor der Schutzpolizei Hellwege-Emden über­reicht.

** Ein Achtzigjähriger. Am morgigen Samstag, 27. Januar, kann der Rentner Adam Koch, am Riegelpfad 26, in geistiger und körper- licher Frische seinen 80. Geburtstag feiern. Wir beglückwünschen den alten Herrn, einen treuen Leser des Gießener Anzeigers, herzlich zu feinem Geburtstag.

** Ein Fünfundsiebzigjähriger. Am morgigen Samstag, 27. Januar, kann der Rentner Herman Nagel, Mittelweg 4, in geiftiger Frische seinen 75. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist Träger des Ehrenzeichens für 25jährige treue Dienste. Seit über 40 Jahren ist er treuer Leser des Gießener Anzeigers. Dem alten Herrn bringen auch mir un­sere herzlichen Glückwünsche dar.

♦♦ Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 12. bis 18. Januar ein: gegen Kraft- fahrzeugführer mit 1 Anzeige; gegen sonstige Fahr, zeugsührer mit 3 Anzeigen und 5 gebührenpflich- ttyen Verwarnungen; gegen Radfahrer mit 2 ge« bührenpftichttgen Verwarnungen; gegen Fußgänger mit 10 gebührenpflichtigen Verwarnungen.

daß du weiterkommst, ich erwarte dich auf jeden Fall am Lehrter Bahnhof, auch wenn du keinen Urlaub kriegen solltest."

Mehr sagt sie nicht, sie kehrt sich schon ihrem Koffer zu und legt alles rein, was sie gestern not- dürftig auspackte. Sie ist zufrieden mit sich und der Welt. Zeit hat sie noch eine ganze Weile. Sie tele­phoniert um die Rechnung und setzt sich wieder in den Sessel vorm Fenster.

Rudolf und Frank haben ihre Pferde. Sie haben braune Dippelponys mit schmalen Hufen und schwarzen Nüstern, die sich wie _amt anfühlen. Die Knaben sind wie verwachsen mit ih^n Tieren, am liebsten würden sie im Pferdestall schlafen. Sie sind kaum an die Bücher zu kriegen, der Himmel mag wissen, was daraus werden soll. Klarissa muß kom­men, es ist ein Glück, daß sie bald wieder die Ober­herrschaft übernehmen wird. Anne arbeitet wirklich den ganzen Tag, doch des Abends noch die Schul­arbeiten der Knaben prüfen, das ist ihr einfach un­möglich, sie schläft in diesen Tagen schon fast überm Essen ein.

Jetzt wird auch aus den Moorwiesen abgefahren. Ein Wagen nach dem andern schaukelt über die zer­fahrenen Landwege zum Hof. Anne ist überall zwi­schen den Leuten und ist die Unermüdlichste von allen. Sie harkt mit den Frauen, sie ladet mit den Knechten auf und fährt ein, just, wie es am besten taugt, und wo sie am nötigsten gebraucht wird, ja, unermüdlich ist Anne. Und heute zieht Gewitter herauf, die dunklen Wolken türmen sich über dem Moor, da heißt es die Arme noch schneller regen als sonst, denn wenn man auch nicht alles einfahren kann, so soll immerhin der weitaus größere Teil unter Dach und Fach.

Wieder ist ein Wagen beladen. Konifere und der Bursche gehen im Geschirr, ein tolles Gespann. Der alte Psitzner will fahren, aber diese Koni hat ihm in den letzten Tagen viel zu schaffen gemacht, da ist er nicht böse, als Anne ihm die Leine aus der Hand nimmt.Laß nur, Vater Psitzner, ich fahre schon."

Koni fühlt die Hand der Herrin, sie geht mit dem schweren Wagen los, daß er bedenklich knackt und knistert.Eh", schreit Anne,wenn du dich nicht zu- sammennimmst, dann sollst du mal sehen, Koni!" So, jetzt sind sie auf dem Landweg, da geht es besser. Aber, Donnerwetter, ausgerechnet jetzt kommt ein Auto. Was will Mengels alter Kasten auf dem Birkenhof? Daß der ihr auch just vor die Heufuhre kommen muß! Konifere ist in ihrer Nervosität fähig, irgendeine Unzuverlässigkeit zu begehen, wenn der Wagen vorüberknattert, es ist auf jeden Fall rich­tiger, sie steigt ab und führt solange.

Brrrr!" schreit sie.

Der Mengelsche Wagen ist wirklich ein alter Kasten. Ehe her so vorbeifährt! Koni schielt und tänzelt. Es sieht aus, als hielte ein schlanker Junge die Stute, aber dieser Junge hat einen gelben Haar- fnoten, der voll Heu ist, und eine trockene Kleeblüte sitzt über dem rechten Ohr.

Anne!" Klarissa lacht und schreit, und sie ruft ins Wageninnere.Da sieh dir die Göre an, so kennst du sie noch gar nicht, Christian!"

Anne dreht sich um, sie streckt die Arme aus und schreit auf, und Koni spitzt die Ohren. Mit zwei Schritten ist Anne beim Wagen. Doch plötzlich beugt sie sich vor, die Arme fallen ihr schlaff runter vor Schreck.Christian!" schreit sie.Christtan, du!"

Er hält sie in seinen Armen, hält sie fest und gibt sie nicht wieder frei, und wie damals in Schottland ist auch hier die Wett versunken, und ihr jubelndes Lachen, ihr Rusen: ,^rischttan, Krischtian" geht in seinen Küssen unter.

Der Autoverleiher Menge! hat sich aus feinem Sitz umgedreht, seine kugelrunden Augen werden noch kugelrunder, sein Gesicht ist vor Schmunzeln kreuz und quer gezogen. Aber da fliegt ihm durchs Fenster die Faust der Alten vom Birkenhof in den Rücken.Hast wohl in deinem ganzen Leben so was noch nie gesehen, Menge!, he? Mach, daß wir weiter­kommen."

Eine tolle Alte. Gebe Gott dem neuen Schwieger- nessen einen breiten Buckel! Aber so, wie der Junge aussieht, scheint es Menge!, als wäre er der Weg- nerin gewachsen. Na, das soll ihm einerlei sein, eine Neuigkeit hat er jedenfalls für Balke das Fräu­lein vom Birkenhof hat sich verlobt, mit Küssen hinter dem Heuwagen, Junge, Junge.

Menge! gibt Gas, und Koni steigt. Sie reißt den Burschen mit, und Gott mag wissen, was geschehen wäre, wenn Christian und Anne nicht fast zur gleichen Zeit ^gegriffen hätten. Jetzt halten sie die Tiere, und Konifere muß sich eine Ohrfeige gefallen taffen..Dumme Koni, Christian ist doch gekommen. Habe ich dir nicht alle Tage von ihm erzählt?"

Koni schielt und ist wild in ihrem Freiheitsdrang. Es hilft nichts, wir müssen los", seufzt Anne.

Christian sitzt schon oben, und er will seinen scklanken Jungen zu sich raufholen, aber der ist ge­schwinder, ein Satz, und er landet neben Christian im Heu.Festhalten, halten, die Koni geht sonst mit uns durch."

Gib die Leine her, Anne, jetzt fahre ich."

Konifere spürt die fremde Hand wohl, aber das ist nicht der alte Vater Psitzner, mit dem sie so ziem­lich machen kann, was sie will, das ist eine verflixt starke Hand. Koni möchte ihre kleinen feinen Ka­priolen machen, sie möchte wohl ein bißchen springen und vielleicht mit dem schweren Wagen hinter sich, zur Seite ausbrechen, aber es geht nicht, eine ruhige und starke Hand hält das Leitseil.

Anne sitzt neben Christtan im duftenden Heu, der Wagen rüttelt und rumpelt. Sie könnte jetzt die Arme um ihn legen, denn Koni ist manierlich ge­worden, aber sie tut es nicht. Sie sitzen nebenein­ander und fahren über ihr Land. Das Heu muß rein, denn die Wolken hinter ihnen sind schwarz, und das Unwetter kann jeden Augenblick losbrechen. Jetzt links", sagt sie,jetzt rechts. Siehst du di« Birkenwäldchen, Christian? Dahinter das weiße Haus? Das ist der Birkenhof. Du bist daheim."

lSchluß folgt!