I "er: unb gar nidjt merkt, wie widerwärtig er ist. Sie Engländer haben weder Asien mit Indien noch Sl:.rb= Duc; oübamerifa enrdeckt, nicht einmal Austra- l'en. Die Nationen, die das taten, waren ständisck gebunden und daher auf Ehre und Tapferkeit uno 0 ntdeckung bedacht. Es waren Spanier, Portugiesen, Franzosen, Deutsche Erst nachher schoben sich die Engländer ein. Ihre Piraterie raubte den einzelnen Völkern ihren kolonialen Besitz, und wenn es ihnen in Nordamerika nicht gelang, so nur deshalb, weil die Nordamerikaner ihre Freiheit erkämpften. Trotz- dem ist aber noch Kanada, ursprünglich französisch, den Briten in die Hände gefallen, und zwar im Siebenjährigen Krieg. Damals gewährten sie Friedrich dem Großen nur so lange geldliche Unterstützung, bis sie Kanada in der Tasche hatten, um nachher einen schamlosen Treubruch gegenüber dem großen Preußenkönig zu begehen, wie er so oft in der britischen Geschichte vorkommt.
Um diese plutokratische Macht zu gründen, kam den Briten ihre durch den Puritanismus bewirkte Umwandlung des Dolkscharakters zugute. Der asiatische Jude war von vornherein auf Geldbesitz schon durch Jahwes Gebot angewiesen, das ihm vorschrieb, sich alle anderen Völker durch Geld untertan au machen. Der englische Puritanismus ging auf dieses Gebot zurück. Es ist bekannt, welche fanatische Verehrung die Juden in England nicht nur bei den Puritanern genossen. Cromwell träumte, wie Sombart angibt, von einer engen Verbindung des jüdischen Volkes Jahwes mit der englisch-puritanischen Gemeinde desselben Gottes: eine Gruppe von Puritanern, die Levellers, verlangte schlechthin, daß die Gesetze der Thora für England maßgebend feien. Im Zeitalter Cromwells begann auch der Raub der fremden Kolonien. Der englische Puritanergeist war dem jüdischen so wesens- verwandt, daß er alle äußeren Rauberfolge seinem Jahwe gutschrieb.
Hier aber setzt jene Entwicklung ein, die den modernen Kapitalismus jüdisch-englischer Art gebar. Schon bevor die Juden unter Cromwell zurückgerufen und bald in den geraubten Kolonien kapitalistisch wirksam wurden — auch die nordame- rikanischen sind von ihnen „kapitalistisch" entwickelt worden — war durch die Ausnahmeverhältnisse aus der Briteninsel die alte ständische Ordnung zertrümmert. England kannte z. B. keine Zünfte im festländischen Sinne. Die mammonistische Herrschaft der Entfesselten vertrieb den britischen Dauer, nahm dem Handwerker das Brot, pferchte die verprole- tarifierten Massen in große Manufakturen zusammen und verelendete sie. Sie waren weiße Sklaven des Kapitals geworden, während England einen schwungvollen Handel mit schwarzen Sklaven trieb und sich ausdrücklich bis nach der Aufklärungszeit diesen gewinnbringenden Handel vorbehielt und vertraglich gegenüber den Spaniern sicherte. Liverpool ist aus dem schnödey Geld der Sklavenhändler groß geworden. Die Verstädterung der Engländer war gleichbedeutend mit ihrer Unterwerfung unter die Interessen des Geldsacks. Daß Leute nur mit ihrem zusammengerafften Geld in England Titel und Landgüter kaufen können, daß die englische söge- nannte Aristokratie nicht blutsgemäß herrscht, sondern durch ihre kapitalistischen Beziehungen und ihren Geldbesitz, ist eine bekannte Tatsache.
Der plutokratische Charakter der Regierung Chamberlain zwang sie also nach den Gesetzen, die der Plutokratie inne wohnen, die antikapitalistische, auf Blut und Boden beruhende Neuordnung in Mittel- europa zu bekriegen, und zwar mit Mitteln der Ausrottung. Aber zum ersten Male hat sich England verrechnet. Seine Plutokratie ist die Herrschaft weniger über Proleten. In Deutschland und Italien und bei den meisten Nationen des europäischen Festlandes ist der Gedanke zum Durchbruch gelangt, daß hie Herrschaft weniiger Plutokraten die Völker veÄirbt, daß das Geld nicht Herr sondern Diener der Allgemeinheit und das Primäre die Arbeit und nicht der Raub sein muß. Das ist der Unterschied zur englischen Plutokratie, der in dem Zusammen- stoß zweier Weltanschauungen derjenigen den Sieg verleiht, die für das Wohl der Allgerneinheit eintritt und nicht, wie die englische Plutokratie, für die Macht zur Versklavung aller. E. 8.
Nächtlicher Lustalarm an der englischen Küste.
London, 25. Jan. (Europapreß.) Zu einem nächtlichen Luftalarm kam es in derNachtzum
Donnerstag an einem Teil der englischen Nord- seeküste. Die Flakbatterien eröffneten das Feuer und die Scheinwerfer waren in Tätigkeit: auch die Jagd- flieger stiegen auf. Es wurden abet keine Bomben abgeworfen, und nach den bisherigen Berichten scheint es auch nicht zu Luftkämpfen gekommen zu fein. Zum zweiten Male innerhalb 24 Stunden wurden in London durch Presse und Rundfunk verbreitete Nachrichten über die Luftabwehr nachträglich vom Luftfahrtministerium dementiert. Es heißt jetzt nämlich, daß die am Nachmittag erschienenen Nachrichten über eine Beschießung eines einzelnen deutschen Fliegers über der Themse-Mündung „ungenau" seien. Da aber Flakfeuer in London gehört wurde, muß angenommen werden, daß die Flak auf eigene Flieger geschossen hat.
Frei erfunden!
Pariser Lügenmeldungen über angebliche Teilnahme deutscher Flieger an russischen Bombenflügen.
Berlin, 25. Januar. (DNB.) Die Pariser Presse veröffentlicht Meldungen, wonach ander russisch - finnischen Front deutsche Piloten als Geschwaderführer an den russischen Bombenflügen teilnehmen. Um die Glaubwürdigkeit dieser Mitteilung zu erhöhen, fügt die Pariser Presse hinzu, daß die Meldungen durch Nachrichten aus Rußland bestätigt werden.
Hierzu wird amtlich festgestellt: Die Nachricht ist von A bis Z frei erfunden. Weder hat Deutschland Piloten zur Unterstützung der russischen Luftwaffe nach Rußland entsandt, noch hat die svwjetrussische Regierung um eine solche Entsendung gebeten. Deutschland hat bekanntlich in diesem Konflikt zwischen Rußland und Finnland von Anfang an eine ft r e n g neutrale Haltung eingenommen und bewahrt.
Oie Emigranten in Frankreich müssen zur Musterung.
Berlin, 26. Jan. (DNB. Funkspruch.) Alle Emigranten und die übrigen in Frankreick lebenden Ausländer werden, sofern sie noch nicht den zahlreichen Aufrufen Folge geleistet und sich für den Eintritt in die französische Armee oder m die Fremdenlegion gemeldet haben, nun zur Musterung aufgerufen. Wer nicht erscheint, wird automatisch als „militärdienstfähig" erklärt. Wie es heißt, soll diese Maßnahme auf den wachsenden Druck der mobilisierten Franzosen hin erfolgt fein, die sich über die Drückeberger-Ausländer, die fast zu 99 v. H. Juden sind, aufs höchste empören. In der den Frontsoldaten eigenen drastischen Sprache pflegen die Poilus jedem, der es hören will, zu sagen: „Mr wollen nicht, daß die Drückeberger an unserer Stelle sich in unseren Bü- ros, Werkstätten und in unseren Betten breitmachen, während wir uns die Schnauze einschlagen lassen sollen."
Der Wehrmachtsbericht vom Freitag.
Britisches Flugzeug bei Duisburg abgeschossen.
Berlin. 26. Januar. (DNB. Aunkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Im Westen keine besonderen Ereignisse.
Die Luftwaffe führte an mehreren Frontabschnitten Aufklärungsflüge durch. Ein britisches Auf- klarnngsftugzeng vom Muster Vristot-Bten- heim wurde bei dem versuch, von Frankreich aus in das Ruhrgebiet einzuftiegen. in der Gegend von Duisburg abgeschossen.
Heftige Kämpfe in Finnland.
Helsinki, 25. Jan. (DNB.) Arn 23. Januar unternahmen die Russen, so teilt der finnische Heeres, bericht mit, einen vom Artilleriefeuer unterstützten Angriff auf Summa und Muolaan- järvi, der abgewiesen werden konnte. Die finnische Artillerie soll mit Erfolg russische Maschinengewehrnester und Artilleriestellungen unter Feuer genommen haben. Die Kämpfe nordöstlich des L a d o g a wurden fortgesetzt. Heftige Angriffe bei Kollaanjoki und Aittojoki wurden a b - gewiesen. In Nordfinnland unternahmen russische Flieger einen Angriff auf den Marktflecken Nurmes und andere Orte, wobei 21 Zivilpersonen aetötet worden seien. Die finnische Luftwaffe habe, so schließt der Heeresbericht, zahlreiche Erkundungsund Bombenflüge durchgeführt.
Steigende Soldförderung in Italien.
Rom, 25. Januar. (Europapreß.) Die vor drei Jahren nach vierzigjähriger Stillegung wieder in Betrieb genommenen Goldgruben in der Provinz Piemont haben im Jahre 1939 eine Ausbeute von 133,6 Kilogramm Feingold ergeben. In den beiden vorhergehenden Jahren waren 34 bzw. 46,17 Kilogramm Feingold gefördert worden. Um eine weitere Steigerung der Goldgewinnung, die sich z. B. im Jahre 1892 auf 330 Kilogramm betau» fen hatte, zu ermöalicken, ist der halbstaatlichen Bergbau, und Metallgesellschaft ein auf drei Jahre verteilter Kredit von sechs Millionen Lire zur Verfügung gestellt worden.
Braunkohlengewinnung in Italien.
Rom, 25. Jan. (Europapreß.) Der Ausschuß für die Autarkie hat unter dem Vorsitz Mussolinis beschlossen, die Förderung von Braunkohle aller Art zu beschleunigen. Die in Italien vorhandenen Lager
Soweit ist das eine englische Angelegenheit. Aber
Volksreiches der Deutschen.
Rheydt, 26. Jan. (DNB.) Am Donnerstag weilte Reichsminister Dr. Goebbels im Rheinland, um vor der Parteigenossenschaft feiner Dater
macht und politische Führung, seien nur Teile eines einzigen völkischen Lebenskörpers, der um feine Existenz kämpft.
Der Führer, in dessen Händen unser aller Schicksal liege, sei Vollstrecker einer großen einmaligen
stadt Rheydt zu sprechen. Anschaulich schilderte er, wie die Entwicklung des deutschen Volkes zur
Dem Genius des Führers vertrauen!
Or. Goebbels sprach in seiner Heimatstadt Rheydt über den Daseinskampf der deutschen Nation.
Gchoitenröckchen und Grstaas
Wegen zunehmender Verknappung der Rohstoffe hat England die weitere Anfertigung des Kilt, des sog. Röckchens für die schottischen Regimenter, ein- gestellt; die Truppe muß in Zukunft die englische Uniform mit langer Hose tragen. Der Kilt ist Höch, stens noch als Ausgehanzug erlaubt. Es handelt sich um jenes bekannte Bekleidungsstück der schotti- schen Regimenter, das eigentlich kein Röckchen, sondern ein in Falten zusammengelegtes, tariertes Plaid ist und in der Form eines kniefreien Rockes zum schottischen Nationalkostüm und zur Schottenuniform getragen wird. Beim Nationalkostüm wird der Kilt, an dessen Musterung die verschiedenen schottischen Clans (Sippen) der alten schottischen Stämme einander erkennen, mit einer ungewöhnlich großen Sicherheitsnadel seitlich zusammengesteckt.
Großmacht zu dem gegenwärtigen Eingriff Englands und Frankreichs aur die Existenz des großdeutschen । Reiches geführt habe. Der Sinn des gegenwärtigen Kampfes fei, daß nunmehr die letzten Lebensinter- effen der Völker in die Waagschale der großen geschichtlichen Entscheidungen geworfen werden. In dieser Stunde feien Heimat und. Front eine einzige Einheit. Ihre Pflichten und ihre Verantwortung seien nicht voneinander zu trennen. Beide, Wehr-
nald, und es ist das Pech der Engländer, daß diese Tatsache in ihrer Zeitschrift „Candid Duarterlg Review" vom August 1915 ausdrücklich bestätigt wird. Bekanntlich ist nach der Haager Landkriegs- ordnung, die internationale Geltung hat, im Artikel 23 ausdrücklich verboten, „solche Geschosse zu ver- wenden, deren einziger Zweck es ist, giftige Gase zu verbreiten". Trotzdem hat England schon 1914 Gewehrgranaten eingeführt, die mit Bromessigester, einem erstickenden Tränenerreger gefüllt waren. Im Februar 1916 begann der Gegner dann bei Verdun auch den Gasangriff mit Artilleriegeschossen. Auch die Franzosen wandten damals gleichzeitig mit den Engländern als erste Giftgase an.
Nach dem Weltkrieg hat die Konferenz von Washington den amerikanischen Antrag auf Verbot des Gaskampfes ausdrücklich angenommen. Auch England ncchm an dieser Konferenz teil. Das gleiche England war es dann, das noch vor Beginn feines neuen Krieges aegen Deutschland Polen mit großen Mengen des gefährlichsten Giftgases, mit Gelbkreuz, beliefert hat. Aus dieser Tatsache geht einwandfrei hervor, daß die englische Krieasindustrie auf die Massenfabrikation der gemeingefährlichsten Giftgase eingestellt ist und daß die Anwendung dieser Gase auch in den Plänen der englischen Kriegführung für früher oder später vorgesehen ist. Wenn also der englische Kriegsminister jetzt das Schottenröckchen abschafft mit der verlogenen Behauptung, es bestehe die Gefahr der Anwendung von Giftgas durch Deutschland, dann ist das jene traditionelle englische Methode, die man im Deutschen mit dem bekannten Wort kennzeichnet: „Haltet den Dieb!"
geschichtlichen Aufgabe. Wenn man bedenke, welche Chancen uns die Gegenwart bietet, Äri Weltvolk zu werden, so muß man zugeben, daß noch niemals Intelligenz und Fähigkeiten der politischen wie militärischen Führung und die Geschlossenheit des nationalen Siegeswillens die Ueberlegenheit des deutschen Volkes in so eindeutiger Weise erwiesen hätten wie heute. Wenn Adolf Hitler vor 20 Jahren ausgezogen sei, mit sieben Mann ein Reich erobert habe, ein darniederliegendes Land aus einer lähmenden Ohnmacht erhoben und seine Nation unter die ersten Völker der Welt gestellt habe, wenn Adolf Hitler dann feine Hand zur letzten Befreiung seines Volkes ---- ... „
ertjebe so fei es unsere Pflicht, seinem Genius zu der englische Knegsmmister Stanley, der sich die vertrauen. Uns alle die wir Treuhänder des beut-Lügenmethoden des Kollegen Churchill zu eigen scken Volkes feien, fordere das Schicksal zu mann-1 macht, behauptet, das Schottenrockchen fei für Die Haftern Einsatz für die Größe der Nation auf, damit, im Feld stehenden schottischen Regimenter lediglich unsere Generation endlich teilhaftig werde des ersten deshalb abgeschafft worden, weil die Deutschen - - -- Giftgas verwenden könnten. Nun liegen die
Dinge freilich so, daß die Engländer am allerwenigsten Veranlassung zu einer solchen bewußt unwah- ren Beschuldigung haben. Denn Erfinder des Giftgases als Kampfmittel ist niemand anders als der englische Admiral Lord Dundo-
Deutschland, das am 17. Juni 1925 durch einen Antrag in der Genfer Waffenhandelskommission erneut ein Abkommen über die Frage des Gaskrieges herbeiführte, hat zu Beginn dieses Krieges durch den Führer Adolf Hitler ausdrücklich betont, daß es sich an die Grundsätze des Völkerrechtes halten und auf jede Anwendung von Giftgasen verzichten werde.
werden auf 500 Millionen Tonnen geschätzt. Ferner wurde beschlossen, ein eigenes staatliches Unternehmen mit dem Sitz in Rom, ähnlich dem bereits bestehenden staatlichen Unternehmen für Steinkohle, zu gründen. Es wird die Aufgabe haben, die Produktion, den Absatz und die Verteilung der Braunkohlenerzeugnisse zu fördern. Das Anfangskapital ist auf 50 Millionen Lire festgelegt worden. Durch diese Maßnahmen soll die italienische Braunkohlenerzeugung im Jahre 1940 eine Höhe von 2,5 Millionen Tonnen erreichen, nachdem vom Ministerrat beschlossen worden ist, daß vom Herbst ab in den Wohnungen nur noch einheimische Brennstoffe verwendet werden dürfen.
Willis neuer Name.
Don Joachim Lange.
Ich lese eben in der Zeitung, daß mein alter Schulkamerad Willi Wurl sich verlobt hat. Unser dicker Willi aus dem Fischerkietz ... Eigentlich haben wir ihn ja nie Willi genannt Wir nannten ihn immer und nennen ihn noch heute — aber das will ich euch erzählen, wie Willi sich selber umgetauft hat.
Eines schönen Morgens in der Vorschule kam hoher Besuch: der Herr Schulrat. Das war ein lebhafter, wohlbeleibter Herr, und wir hatten alle große Angst. Herr Gieseke, unser Lehrer, auch.
Der Herr Schulrat begann feine Besichtigung, indem er uns nach unseren Namen fragte. Oben rechts fing er an. Oben rechts, das war ich — nicht, weil ich der Beste, sondern der Längste war.
„Wie heißt du, mein Sohn?" fragte er mich.
Ich nannte ihm flink meinen Namen.
„Joachim", wiederholte der Herr Schulrat meinen Vornamen und fuhr mit gehobener Stimme fort: „Was ein Märkischer ist, der muß Joachim heißen oder Woldemar." Darauf fenjte er seine Stimme wieder: „Das hat unser großer märkischer Dichter Theodor Fontane gesagt. Den wirst du auch einmal kennenlernen, wenn du erwachsen bist, nicht wahr?"
„Jawohl", entgegnete ich, „und mein Onkel Paul wohnt auch in der Fontanestraße." Und ich fetzte mich sehr geehrt auf meinen Platz.
„Nun, da kennst du ihn ja schon gewissermaßen!" sagte der Herr Schulrat in bester Laune. Darauf wandte er sich an meinen Nebenmann, den Hannes Melcher. „Und wie heißt du, mein Sohn?"
.Hannes Melcher!" antwortete Hannes.
„Wie?" fragte der Herr Schulrat.
„Melcher."
,Jch meine den Vornamen. Sag mir noch einmal deinen Vornamen!"
.Hannes!" wiederholte Hannes.
„2)u meinst Hans!" sagte der Herr Schulrat. „Sprich doch deutlich!"
„Ich heiße Hannes Melcher!" antwortete Hannes beharrlich.
„Was ist das für ein unsinniger Name!" polterte der Herr Schulrat. „Dann heißt du Johannes!"
„Nein, ich heiße Hannes!" erklärte Hannes zum viertenmal.
Der Herr Schulrat schüttelte den Kopf. „So etwas ist mir auch noch nicht vorgekommenl"
„Verzeihen bitte Herr Schulrat", ließ Herr Gie- feke sich vom Pult her vernehmen, ,j)er Junge kommt aus dem Rheinland. Soweit mir bekannt, ist der Name Hannes dort nicht ungebräuchlich und ..."
Er verstummte, denn der Herr Schulrat hatte ihm einen sehr mißbilligenden Blick über die Schulter zugeworfen.
.Hannes gibt es nicht!" entschied der Herr Schulrat. .Ich bin sicher, daß der Name nicht im Duden steht. Haben Sie einen Duden hier, Herr Gieseke?"
„Jawohl!", dienerte Herr Gieseke, „im Lehrerzimmer. Ich sehe sofort nach." Und er eilte geschäftig aus der Klasse.
Der Herr Schulrat fragte uns verweilen: „Weiß einer von euch, was der Duden ist?" Und da keiner sich meldete, gab er selber die Antwort: „Der Duden ist ein Buch, darin stehen alle Wörter, die es gibt. Und ein Wort, das nicht im Duden steht, das gibt es nicht, und das gilt nicht. Nun, Herr Gieseke", wandte er sich an unseren wieder eintretenden Lehrer, „haben Sie Hannes gefunden?"
„Nein, Herr Schulrat", entgegnete Herr Gieseke freudig, „der Vorname Hannes steht tatsächlich nicht im Duden."
„Haben Sie auch überall nachgesehen?" forschte der Herr Schulrat. „Unter Hannes? Unter Hans? Unter Johannes?"
„Ueberall", antwortete Herr Gieseke und blätterte eifrig in dem grün eingebundenen Buch, das er mit» gebracht hatte. „Der Name Hannes steht nirgends verzeichnet."
„Nun, da hört ihr's!" sagte der Herr Schulrat zu uns und war sichtlich befriedigt, daß er recht gehabt hatte. „Sen Namen Hannes gibt es nicht. Wie ist also dein Vorname, Melcher?"
„Hannes!" antwortete Hannes.
Der Herr Schulrat warf beide Arme hoch. Dann sagte er: „Sieh mal: dein rechter Nebenmann heißt doch auch Joachim und nicht Achim!"
„Aber wir nennen ihn doch Achim!" sagte Hannes, und die ganze Klasse nickte bestättgend mit den Köpfen.
„Ja, nennen!" rief der Herr Schulrat. „Das ist aber etwas anderes als heißen. Deine Kameraden mögen dich immerhin Hannes nennen, heißen tust du Johannes. Wie heißt du?"
„Hannes!" antwortete Hannes.
Jetzt wurde der Herr Schulrat ärgerlich, man sah, wie der Zorn ihm ins Gesicht ftieg. „Kannst du nicht hören, was ich dir sage, du widersetzlicher kleiner Bursche? Du heißt Johannes! Wie heißt du?"
„Hannes!" antwortete Hanne».
Schwupp, hatte er eine gelinde Ohrfeige weg. „Wie heißt du?"
.Hannes!" antwortete Hannes, schon nicht mehr ganz sicher.
Klatsch, saß ihm ein etwas stärkerer Schlag auf der Backe. „Johannes! Wie heißt du?"
„Hannes!" antwortete Hannes mit zittriger Stimme.
„Willst du mich zum besten halten, du ungehorsamer Starrkopf du?" Und der Herr Schulrat holte weit aus.
Aber ehe er mit dem Ausholen fertig war, rief Hannes ganz schnell: .^Johannes! Ich heiße Johannes! Ich heiße Johannes Melcher!"
Der Herr Schulrat ließ seinen Arm sinken. „Na, endlich!" sagte er besänftigt. „Zureden hilft. Wie heißt du also?"
.Johannes!" antwortete Hannes.
„Du kannst dich wieder hinsetzen, Johannes!" sagte der Herr Schulrat und wischte sich mit dem Taschentuch die Stirn. Daraus wandte er sich an den linken Nebenmann von Hannes, und das war der dicke Willi Wurl.
Willi hatte mit wachsendem Unbehagen der Auseinandersetzung zwischen dem Herrn Schulrat und Hannes zugehört und sich vorsorglich geduckt, als die Backpfeifen fielen, um nicht auch etwas davon abzubekommen. Jetzt zeigte fein Gesicht einen tiefsinnigen Ausdruck, als ob Willi angestrengt nachgedacht hätte.
„Und wie heißt du, mein Sohn?" fragte der Herr Schulrat Willi.
Willi sprang wie ein Stehaufmännchen hoch, stellte sich stramm hin und antwortete dem Herrn Schulrat mit fröhlicher schmetternder Stimme: „Jo- willi Wurl!"
„Wie?" fragte der Herr Schulrat und legte die eine Hand hinter das Ohr.
„Jowilli Wurl!" wiederholte Willi, und fein Gesicht strahlte vor Zufriedenheit, alles recht und gut gemacht zu haben.
Der Herr Schulrat erstarrte. Ohne Herrn Gieseke anzusehen, sprach er zu diesem: ,Zch muß schon sagen, Herr Gieseke, dieser Jahrgang scheint mir ein ausgesucht unerzogener zu sein!" Und ehe Willi sich's versah, hatte er hintereinander drei schallende Ohrfeigen weg, rechts, links, rechts — eine mehr als vorhin der arme Hannes.
Willi war völlig fassungslos und fing an, laut zu heulen.
„Wie heißt du aufsässiges, kleines Element?" fragte der Herr Schulrat drohend.
„Willi", schluchzte Willi, „aber — ich habe gedacht, wenn — wenn der Herr Schulrat da ist, dann — bann müssen wir vorne alle mit Jo heißen."
Serenissimus im Theater.
Der Fürst Günther Friedrich Karl I. von Schwarz. burg-Sondershausen, der vor hundert Jahren re- giene. sorgte' für die Unterhaltung feiner Untertanen durch die Einrichtung eines Theaters, in dem es recht sonderbar zuging. Der Eintritt war frei. Sie Bürgerinnen drängten sich schon um 4 Uhr nad)» mittags auf die guten Plätze und strickten fleißig Strümpfe. Ser Fürst wohnte jeder Vorstellung bei, in der Mitte der zweiten Parkettreihe sitzend, und zwar stets im Jagdanzug mit Sporen. Neben ihm stand ein kleiner Tisch mit einem Tabakkasten und Meerschaumpfeifen, und er blies dicke Rauchwolken in die Luft, während er mehr oder weniger aufmerksam den Sarbietungen auf der Bühne folgte. Sein Beifall äußerte sich darin, daß er den Künstlern, die ihm gefielen mit Sufaten gespickte Apfelsinen zuwarf, die neben dem Tabakkasten auf einem silbernen Tablett lagen. Hatte ein Schauspieler schlecht gelernt, dann schrie er wütend: „Auf die Wache mit ihm!" Und der Arme wurde sofort von den Gendarmen abgeführt, um hinter schwedischen Gardinen seine Rolle besser zu studieren.
Der Fürst sprach ungeniert mitten in die Vorstellung hinein. Wenn sein Liebling, der Helden- spieler und Opernsänger Heckscher den Ferdinand in „Kabale und Liebe" spielte, rief er plötzlich dazwischen: „Heckscher, die denken hier vielleicht, du kannst bloß immerzu reden. Zeig ihnen, daß du auch singen kannst. Leg mal deine Sarastro-Arie mit dem nötigen Schmalz hin!" Und Ferdinand fang feiner Luise „In diesen heiligen Hallen" vor, worauf ihm einige gespickte Apfelsinen an den Kopf flogen. Langweilte sich Serenissimus, bann rief er mit Stentorstimme: „Nun hört mal auf, Kinder: Jetzt wird der Krahnholz mal tüchtig gekitzelt." Krahnholz war der Komiker, mit dem man sich diesen Scherz erlaubte. Er rief zwar weinerlich: „Ach nee, Durchlaucht, bitte heute nicht kitzeln!", aber schon erschienen zwei Mitspieler mit Rohrstöcken, die ihn kitzelten. Dann schnitt er die greulichsten Grimassen, warf sich auf den Boden, kreischte und schrie, und Durchlaucht lachte, daß ihr der Bauch wackelte. Auf ein Zeichen des Fürsten fand die berühmte Kitzelszene sein Ende, und zum Lohn flogen die Dukaten-Apfelsinen auf dis Bühne... .C.fc •


