Ausgabe 
25.10.1940
 
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Position in dnem neuen Europa durchsetzen und an dem Aufstieg unseres Erdteils nach diesem Kriege mit Gewinn teilnehmen ta^n. Nachdem Spanien dieser Erkenntnis in so nachdrücklichen Formen Aus­druck gegeben hat, wie wir sie oben datenmäßig kurz, skizziert haben, liegt die künftige Außenpolitik Spaniens fest. Wir erwarten von England nicht, daß es sich der Bedeutung dieser Tatsache klar ist, nachdem es von seiner völligen Verkennung des eigentlichen Wesens der spanischen Revolution nicht weniger dokumentarische Beweise gegeben hat wie von seiner Verkennung des neuen Deutschland. Eng» land wird sich also wieder, wie schon so ost in den letzten 20 Jahren, von der Zeit, d. h. von Tat­

sachen, belehren lassen und wird Lehrgeld zahlen müssen. Wir aber begrüßen von ganzem Herzen das Zusammentreffen Hitlers und Francos, das Wachsen des nationalen Geistes in Spanien und den Schritt, den es in das Lager der europäischen Neuordnung, die bis in die Zeit vor dem spani­schen Bürgerkrieg zurückgeht, nach jahrhunderte­langem Niedergang getan hat. Denn Spanien als Macht des Mittelmeers hat nicht nur geschichtliche, es bat aus seiner nationalen Gegenwart und Zu­kunft heraus alle Gründe, den Kampf der Achsen­mächte gegen England als einen Weg zur eigenen Befreiung von den weltplutokratischen Fesseln zu empfinden.

Trotz Nebel und >

offen.

Stockholm, 25. DEL (Europapreh.) Am Don- nerstagnachmittag wurde London erneut von deut­schen Flugzeugen angegriffen. Es mußte Luftalarm gegeben werden, weil die Maschinen zu heftigen Bombenabwürfen übergegangen waren. Zur glei­chen Stunde wurden Bombardements über dem englischen Südosten durchgeführt. In den Nach­mittagsstunden wurde auch Liverpool heftig angegriffen, wie auch umfassende Aktionen gegen zahlreiche Städte der W e st k ü st e stattfanden. Die täglichen und allnächtlichen deutschen Luftangriffe gegen London lassen 90 v. H. der Einwohner nur halb so lange schlafen, wie in normalen Zeiten. Das englische Jnsormationsministerium veröffentlicht da- zu ein Kommunique, in dem es heißt:90 v. H. der Londoner schlafen im Ablauf von 24 Stunden heute nicht mehr als vier Stunden." Der Londoner Vertreter vonAllehanda" nennt dieses Kommunique optimistisch und schildert, daß nun die Untergrundbahnen nach Einbruch der Dunkelheit die einzige Derkehrsmöglich- keit in London bieten. Es dauere mehr als eine Stunde über normal, um mittellange Strecken zu­rückzulegen. Treppen und Bahnsteige seien in den Abendstunden schwarz übersät mit Schutzsuchenden, von denen viele von Bahnhof zu Bahnhof fahren müssen, um ein Plätzchen zu finden, an dem sie die Nacht verbringen können.

Man könnte annehmen, daß England mit Beginn der schlechten Jahreszeit durch die Witte­rungsverhältnisse weitgehend geschützt

würde. Dem scheint aber nicht so zu sein. Der Nebel und die Wolken scheinen nur den Gegner zu begünsttgen. Oft machen sich starke Stoffeln eine Wolkendecke zunutze, um über die englische Haupt­stadt zu gelangen und unerwartet im Sturzflug an­zugreifen.

Wenn der Nebel die Stadt einhüllt, ist die Bo­denabwehr und die englische Luftwaffe nicht in der Lage, in Aktion zu treten, während von hoch oben die deutschen Bontt-en reichlich hinunterregnen. Wäh­rend des Winters wird England jedenfalls nicht die Pause haben, mit der es gerechnet habe, um einen Teil der erlittenen Schäden auszubefsern. Die deutsche Luftwaffe nimmt planmäßig nach­einander alle Tätigkettszentren der Hauptstadt aufs Korn. Bisher hat sie hauptsächlich Docks, Fabriken, Rohstofflager, Benzinreservoire usw. ge­troffen. Jetzt scheinen sich die Angriffe mehr auf die öffentlichen Gebäude, Ministerien und Bahnhöfe zu richten.

In den Nachmittagsstunden des Donnerstags ist in Glasgow (Schottland) aus nicht mitgeteilten Gründen eine Stärkefabrik in die Luft geflogen. Bisher konnten bereits zehn Tote ge­borgen werden. Wie verheerend die Explosionswir­kung war, geht aus einer Mitteilung hervor, in der es heißt, mehrere hundert Luftschutzarbeiter seien zu Bergungs- und Aufräumungsarbeiten herange­zogen worden.

zogen, wenn es auf Brückenwache ging. Wind­stärke 9! Windstärke 10! Unser kleines Boot stampfte durch die entfesselte See, daß uns Hören und Sehen verging. Dieser stete Kampf mit den immer wieder anrollenden Wasserbergen, die über uns hinweggingen, hatte uns verdammt gelenkig aemocht. An Schlafen oder Esten bei Ueberwaster- fahrt war nicht mehr zu denken. Wenn man zwei Schritte gehen wollte, mußte man sich irgendwo an­klammern, um nicht in irgendeine Ecke geschleudert zu werden.

Es. war kurz vor 18 Uhr. Oben, auf der Drücke, hing die Wache über der Reeling, um nicht über Bord gespült zu werden. Die Lederläppchen mußten immer wieder an die Gläser, um die Sicht frei zu hallen. Trotz des schlechten Wetters durste die Auf­merksamkeit keine Sekunde nachlassen. Zu den über­kommenden Seen und Brechern gesellte sich noch ein kräftiaer Regenschauer. Kurz, es waren ungem/üt» liche Augenblicke. Obgleich wir auf dem Dampfer- treck waren, kam uns nichts vor den Bug.

Aber da ... als das Boot gerade wieder auf dem Rücken einer riesigen See ritt, brüllt der Brückenmaat in den Sturm:Dampfer back­bord voraus?" Im Nu waren die Unbilden der Witterung vergessen. Das JaAdfieber hatte uns ge­faßt. Sollte uns bei diesem Seegang tatsächlich das alte U-Bootfahrer-Glück hold sein. Ein paar Mi­nuten später können wir den Burschen gut aus­machen. Es ist ein etwa 7000 BRT. großer Frachter, ein ziemlich alter Kasten schon mit hohen Aufbauten und einem langen Schornstein. Das Alter spiell aber keine Rolle: 7000 BRT. sind

Bande erleben müssen.

Die Rohre werden klar gemeldet. Die Aale sind bereit. Trotz der schweren See bringt der Kom­mandant das Boot auf Schußposition. Wir liegen gut und langsam wandert der Bursche in Schuß­richtung. Einen kleinen Stoß gibt es im Boot, als der Torpedo das Rohr verläßt. Es folgen Sekun­den, die zu Ewigkeiten werden. Jetzt müßte es eigentlich knallen! Nichts geschieht. Also vorbei- geschossen. Da plötzlich geistert vor uns eine rie­sige weiße Wolke aus dem schwarzen Kasten. Unmittelbar darauf ist auch der Schall unseres Schusses bei uns. Eine unheimliche Detonation dröhnt zu uns herüber, übertönt noch das nächt­liche Rauschen des Meeres und das heulende Lied des Sturmes. Der Luftdruck der Explosion gibt trotz der schweren See dem Boot einen gehörigen Nasen­stoß. Unten im Boot zittern die Zeiger an den Manometern. Es war eine schneidige Leistung, bei einem Wetter, das das Boot wie ein Spielball in den Wellen umherschleuderte.

Dampfer sackt ab!" geben wir von der Drücke durchs Sprachrohr. Ein Freudengeheul folgt durch das Turmluk herauf.Heil und Sieg und fette Beute!" Unsere Augen suchen die Abschußstelle. Mit starker Schlagseite nach Backbord dümpelt der Frach­ter drüben in den Wellentälern. Wir sehen Leute, aufgestöbert wie in einem Ameisenhaufen, an Deck hin und herlaufen, sie versuchen, die Boote klar zu machen. Ob es ihnen gelingt bei diesem Seegang, sie herabzulassen? Ob sie es schaffen, die Boote gut vom sinkenden Schiffe fteizubekommen? Wir haben uns nicht mehr darum kümmern -können, denn da

Ll-Bootsfahrer-Glück bei grober See.

Bon Kriegsberichter Herbert Kühn.

DNB......,24. Okt. (PK.) lieber 3 Wochen! und bleiben 7000 BRT. und der Kerl ist beladen,

haben wir uns aufU..draußen irgendwo i m, Also ran! Wir sind auf Schußweite herangekom- Atlantik umhergetrieben. Es waren harte Wo- men. Dort drüben haben sie uns noch immer nicht ! chen höchster Anspannung aller körperl-ichen Kräfte. | gesehen. Oder ist das gar eine U-Boot-F Ue? Zu viel Die ganze Zell sind wir nicht aus unseren Leder-; unangenehme Ueberraschungen hat die' deutsche Un­fetzen gekommen, über die mir noch das Regenzeug terseebootswaffe schon mit dieser hinterlistigen

er bei seinem Besuche In Deutschland sagte, es sei selbstverständlich, daß das neue Spanien denen die Treue halte, die mit ihm im Bürgerkrieg gegen die anarchistischen Methoden der britischen Plutokratte gekämpft hätten.

Wenn jetzt gewisse destruktive Mächte wieder, wie schon so oft bei peinlichen außenpolitischen Ueber­raschungen ihrer Presse Anweisung geben müssen, um die Zusammenkunft des Führers mit dem spa­nischen Staatschef mit einem Nebel von abschwä­chenden Kommentaren zu umgeben, so ist das aus­schließlich die Folge ihrer engstirnigen Begriffs­stutzigkeit gegenüber der großen Revolution in Europa und eine weitere Folge der ständigen Irre- führung ihrer Völker über die Auswirkungen dieser Revolution. Im Falle Spanien liegt der Ausgangs­punkt jener unbegreiflich kurzsichtigen Politik in der Tatsache, daß England und Frankreich sich erst am 26. und 27. Februar 1939 der Form halber zu einer Anerkennung des neuen Spanien entschlie­ßen konnten, während die deutsche und die ita­lienische Anerkennung schon feit dem 18. Novem­ber 1936 vorlag. Und es ist bezeichnend für die völlige Verkennung der werdenden Machtstellung, die das neue Spanien in einem von Grund auf sich umformenden Europa einnehmen mußte, wenn Eng­land noch zwei Wochen nach feiner widerwillig ge­nug gegebenen Anerkennung der Regierung Franco bei ihrer Blockadeerklärung am Ausgang des spa­nischen Krieges in den Arm fallen wollte. Die Fort­setzung dieser Polittk eines [tuten britischen Im­perialismus lag dann weiter tn dem Versuch, Spa­nien nach britischer Traditton niederzuhalten, es zusammen mit Frankreich wirtschaftlich einzukrei­sen, das Recht feiner Hoheitsgewäster zu verletzen, ja, ihm schließlich gar Vorschriften über feine Zu- fuhren aus Ueberfee zu machen, wofür ja die Kon­tingentierung des Benzinimports nur ein Beispiel von vielen war. Damit bekundete England immer wieder, daß es nicht daran dachte, Spanien als wirkliche Macht in Europa entsprechend der mili­tärischen und politischen Stärke des neuen Staates anzuerkennen und feine Souveränitätsrechte in dem gebotenen Ausmaß zu achten.

Demgegenüber hat das neue Spanien machtpoli­tische Kundgebungen in feiner Außenpolitik durch­geführt, die selbst für eine so sture Anmaßung wie die englische reichlich hätten genügen müssen. Wir nennen hier nur folgende, die zum Verständnis her völlig veränderten Lage des neuen Spanien schon su.sreichen: Am 19. 4. 1939 betont oer spanische Staatschef in aller Form denWillen zum Jmve- rium"; im Juni 1939 verkündet Spanien durch Ge­neral Aranda feinewohlwollende Neutralität gegenüber den Achsenmächten" im Fall eines euro­päischen Krieges: am 13. 6. 40 wandelt Spanien diese Neutralität entsprechend dem vorangegangenen italienischen Beispiel in die Form der Nichtkriegfüh- rung um; am 14. 6. demonstriert Spanien seine neue Haltung bereits durch die Besetzung Tangers; am 17. 7. verkündet Franco die beiden wichtigsten Ziele der spanischen Außenpolitik, Gibraltar und Expansion in Nordafrika; am 16. 9. beginnt der Aufenthalt des damaligen spanischen Innen­ministers und Sondergesandten Francos, des jetzi­gen Außenministers Suner, in Berlin, dem sich nach einiger Zeit der Aufenthalt in Rom an schließt.

Das alles ist klar genug. Spanien, erfüllt von der immer wieder betonten Dankbarkeit an die Achsenmächte unterstrich mit jeder dieser Aktionen seinen Anschluß an die aufbauenden Kräfte in Europa was hatte von einem solchen Spanien, das sich seiner inneren und feiner äußeren Kraft wohl bewußt war, noch ein England zu hoffen, das einst im spanischen Bürgerkrieg offen und mit allen, sogar machtpolittschen Mitteln auf der Seite der Roten stand, dem jungen Staat jede nur er­denkliche Schwierigkeit machte und ihn bald mit Zuckerbrot, bald mit Peitsche in den rein imperia­listischen Krieg der plutokrattschen englischen Clique hineinzuziehen versuchte. Welche politische Instinkt­losigkeit, welch arobe Taktlosigkeit etwa, wenn da­neben der englische Botschafter in Madrid, Sir Samuel Hoare, mit einem Londoner Jnquisittons- auftrag von der spanischen Hauptstadt Madrid nach Gibraltar geschickt wurde, obwohl doch feine Mission bei der Regierung Franco nach allem Vor- angegangenen weiß Gott heikel genug war! Wie in aller Welt war von diesem Spanien, bas er­folgreich um seine Befreiung aus historischen Ver­strickungen rang, irgendein Interesse etwa für englische Kriegsausweitungspläne zu erwarten!

Es hätte der mannigfachen Bekenntnisse Spa­niens zu den Achsenmächten kaum bedurft, um seine Einsicht davon zu dokumentieren, daß Spanien nur an der Seite dieser Ordnungsmächte seine Macht-

Ein Leben lang."

Ein Wessely-Film im Gloria-Palast.

Heinz Hilpert, Direktor des Deutschen Theaters in Berlin, hat einmal, um das Wesen der Schau- svielerin Paula Wessely zu kennzeichnen, von ihr gesagt, man habe den Eindruck, daß alles, was sie in ihren Rollen erlebe, ihr auch im Leben ge­schehen könne. Wie treffend diese Charakterisierung ist, wird man einsehen, wenn man die schönsten und wesentlichsten ihrer Filme in der Erinnerung Revue passieren läßt:Maskerade"Episode"Die ganz großen Torheiten"Die Julika"Spie­gel des Lebens". Wir hatten etwas ähnliches im Sinn, als wir bei einer dieser früheren Gelegen­heiten sagten, die Wessely sei die großartigste Naive, die der deutsche Film in den letzten Jahren her- vorgebracht habe; es ist kaum notmenbig hinzu­zufügen, daß damit etwas sehr viel Umfassenderes gemeint war als die traditionell umgrenzte, kon­ventionell festgelegte Rollenfachbezeichnung. Man kann es auch so ausdrücken: die Wesselytritt nicht auf", sondern sie ist da, siespielt^ nicht, sondern sie lebt eine Naturerscheinung, ein vollkommen natürliches Geschöpf, dabei eine starke, völlig aus­geprägte weibliche Persönlichkeit mit einem sehr zarten Herzen, mit einem sehr hellen Verstände, mit einer wienerischen Mundart, mit gesundem Humor und in jeder Lebenslage von einer be­zaubernden Anmut der Haltung und Bewegung.

Dies alles wird man auch in ihrem neuen Film, in ihrer vorläufig letzten Rolle wiederfinden. Der Film, der ursprünglich einfachEin Liebesroman" heißen sollte, heißtEin Leben lang". Er ist aber wirklich ein kleiner Roman, und es geschieht darin ungefähr folgendes: ein Junger Diplomat, Hans von Gallas, muß nach einem Duell für kurze Zeit aus Wien verschwinden. In einem ländlichen Gasthof lernt er die Wirtstochter Agnes Seethaler kennen. Nach ein paar Tagen durch äußere Umstände erzwun­genen Beisammenseins merken die beiden und sagen sich's auch, daß sie sich gern haben; es ist so etwas wie ßiebe auf den ersten Blick. Während man aber bei dem Jungen Herrn nicht weiß, ob er nicht nach

wenigen Wochen die Begegnung (die ja aus sozia­len ober gesellschaftlichen Gründen ohnehinzu nichts führen" könnte! vergessen haben würde, be­deutet fie für bas Mädchen das große Erlebnis, die entscheidende Wenbung in ihrem Dasein. Eines Tages ist die Duellaffäre vergessen, und der fierr von Gallas bekommt einen Auslandsposten in China Kina" heißt das auf wienerisch,bei die Kine- ser". Bald heiratet eraus diplomatischen Grün­den" eine ungeliebte Frau und bekommt einen sehr geliebten kleinen Jungen. Derweil wartet die Agnes, die sich in Wien ein selbständiges Leben ge­schaffen hat, auf eine Wiederkehr des Geliebten, der nicht ahnt, daß inzwischen auch in Wien ein kleiner Bud von ihm groß wird: Agnes hat ihm kein Wort davon gesagt oder geschrieben, sie hat ihren StoU, -einen richtigen Dickschädel hat sie, und sie will nicht, daß er sichgebunden" ober ver­pflichtet fühlt. Sie schweigt sogar, als er nach ein paar Jahren auf Urlaub kommt und ihr ein Bild seines kleinen Sohnes vorweist in feinem doppelt ahnungslosen Vaterstolz; es gibt ihr zwar einen Schlag aufs Herz, aber sie bezwingt sich und nimmt sich zusammen und darf ein paar kurze Tage mit ihm glücklich sein. Dann muß der Mann wieder weg, sie bleiben auch in Verbindung, aber eines Tages kommt der Krieg, und die Verbindung reißt ab. Der kleine Hansl in Wien wächst heran, der große Hans bleibt verschollen, und erst nach dem Weltkriege findet die Agnes, die all die Zeit über still gewartet hat, eine österreichische Solveig, den Mann wieder. Wenn der auch nicht mit wei­ßen Haaren heimkehrt wie der alte Peer Gynt, so ist es doch ein trauriges Wiedersehen: er hat feine Frau drüben verloren, sein kleiner Junge ist ihm gestorben, und er selbst ist gelähmt und muß im Rollstuhl gefahren werden. Aber nun ist für Agnes die Stunde gekommen, auf die sie mit ihrem Buben die Jahre hindurch gewartet hat. Zwar hat er auch einen dicken Schädel, und die Gallas haben Über­haupt von je ihren Stolz gehabt, und er kann kein Mitleid vertragen. Aber Agnes bemitleidet ihn gar nicht, sie liebt ihn nur, wie sie ihn vom ersten An­schauen an geliebt hat, und jetzt schenkt sie ihm so- gar den Sohn, der schon ein großer Bub geworden ist, und diese Liebe und dieses neue Glück, das ihn wie ein Blitzstrahl trifft, werden den Heimkehrer gesund machen. *

Das sind etwa die äußeren Umrisse, die Grund­linien der Handlung. Das Drehbuch schrieb Gerhard Menzel, dem man schon manchen guten Mrn verdankt; man kann da wieder einmal sehen, daß die Filmbücher, die nichtnach" einem Roman oder sonst irgendeiner literarischen Vorlage geschrieben wurden, allermeist viel besser sind als die zahlreichen anderen. Der Kameramann Hans Schneeberger hat die Handlung mit einem empfindlichen optischen Sinn ins Bild übersetzt. Der Spielleiter Gustav Ucicky hat das Romanhafte der Fabel nicht Der­be (ft, hat aber auch ihre filmischen Möglichkeiten erkannt und ausgeschöpft. Er gibt allen Szenen jene eigentümliche Stimmungsdichte der Wiener Vorkriegsatmosphäre, die sonst nur Willy Forst in seinen Filmen so eigentümlich berückend einzu- fangen verstand. Das Beste findet Ucicky in der stillen kammerspielmäßigen Wirkung einer Reihe besonders liebevoll aus gearbeiteter Bilder und Epi- soden; mir denken an das erste Geständnis und den ersten Abschied, an die Szenen in derTabaktrafik", im Spielwarenladen, bei der letzten Heimkehr und bei der ersten Begegnung mit dem ersten Sohn, auch an die Abschiedsszene auf dem Bahnhof; sie erinnert merkwürdig an eine ganz ähnliche in FalladasEisernem Gustav".

. Was von Frau Wessely zu sagen ist, steht diesmal schon am Anfang des Berichtes. Es wäre vielleicht noch hinzuzufügen, daß die neue Rolle sich den früheren sehr folgerichtig anreiht, vor allem auch deswegen, weil fie vollkommen un- fentimental wirkt in dieser Liebesgeschichte, die doch ganz vom großen Gefühl lebt Aber die Wessely drückt nirgends auf die Tränendrüsen, appelliert an keine unechte Regung im Zuschauer. Sie läßt nur, wie es fein muß, erkennen, daß dieses Fräulein Seethaler ein seelisch stärkerer un5r reicherer Mensch ist als der Herr von Gallas, ihm in den entschei­denden Augenblicken auf eine wundervoll weiche, gütige, fast mütterliche Weife überlegen.

Ihn gibt Joachim Gottschalk, den wir bis­her als Partner von Brigitte Harney kennen und schätzen lernten; aber man hat ibn nur selten so gesammelt und zugleich gelockert spielen sehen wie hier; er nahm die Figur dieses jungen aristokrati- schon Herrn mit einer sehr feinen Witterung für das Charakterbild, die Wesensmischung, der das Frau-

Oer (Sprung über den eigenen Schatten.

Es ist eine Selbsttäuschung, anzunehmen» baß wir dieses ganze Jahr hindurch die Schlachten der antibolschewistischen Russen geschlagen haben; im Gegenteil, sie haben unsere Schlachten geschlagen." (W. S. Chur- chill in einer Denkschrift vom 15.9.1919 an das britische Kabinett.)

Churchill und Stalin sind absolute Gegenfüßler von Haus aus. Der Gegensatz ist sozusagen historisch. Winston S. Churchill war der geizige Anreger und politischer Träger der Interventionskriege gegen Rußland, bie zwischen 1918 und 1920 erbittert aus« gefochten wurden. Wir Deutsche sind uns dieses Tatbestandes nicht immer bewußt, weil wir in jenen stürmischen Tagen nähere Sorgen hatten. Da­mals verteidigte Stalin persönlich bas ehemalige Zarizyn an der Wolga, das seither Stalingrad heißt, gegen bie anttbolsche wisti schen Russen, die nach dem Zeugnis Churchills die Schlachten Englands schlu­gen. Die Verteidigung Zarizyns nennen die Bolsche­wisten seither ihrÄerdun". Stalin kam von dem äußersten Süden Rußlands, von Baku. Zu der akttven bolschewistischen Gruppe, die sich dort gebil­det hatte, gehörten Stalin und sein nächster Freund Schaurnjan, der von den Engländern selbst in der Jnterventionszeit" als Führer der26 Kommissare von Baku" erschossen wurde. Er ist seither ein Na­tt o nach eld des bolschewistischen Rußland. Engländer standen mit weißen Russen, Amerikanern, Franzosen und Javanern am ganzen Trakt der sibirischen Eisenbahn bis an den Ural, wohin sogar englische Schiffsgeschütze gebracht worden waren. Daß die Engländer selbst mit ziemlich starken Truppen das Erdölgebiet von Batum nüch Baku besetzt hielten, erwähnten wir schon. In Nordrußland hatten fie Archangelsk und Murmansk besetzt und suchten längs der Dwina vorzustoßen.

Nun kann vielleicht Churchill sagen, daß diese Kämpfe im Zeitgeist von 1918/1920 lagen. Allein in seinen Erinnerungen gesteht er selbst, daß es sich in keinem Augenblick um eine Hilfe gehandelt hat, die England selbstlos den Weißrussen geleistet hätte. Wir haben den entscheidenden Satz aus seiner Denkschrift vom 15. September 1919 als Vorspruch

schreit der Brückenmaat plötzlich:Zwei Flug­zeuge achtern voraus!"

Dicht über dem Wasser kommen sie dahergebraust. Mit unheimlicher Fahrt stoßen sie direkt auf uns zu. Sie mögen keinen schlechten Schreck bekommen haben, als fast vor ihren Augen ein deutsches Un« terfeeboot einen britischen Dampfer schnappte. Wie böse Bienen sehen fie aus, uns ist bei ihrem An­blick garniebt ganz wohl zu Mute.

SHarmr Schon ist bie Brücke frei. Wir lassen uns einfach fallen. Hier aeht es nicht um blaue Bohnen, hier geht es um bas Boot und feine Be­satzung. Nun sind wir auf Tiefe. Da prasselt der Segen von Wasserbomben schon auf uns hernie­der. Es kracht um uns wie ein Feuerwerk. Wir stehen in der Zentrale und beobachten die Ent­fernung der Detonationen. Unsere Augen verfol­gen gespannt den Zeiger am Tiefenmesser. Wir sind unter Wasser mit anderem Kurs abgelaufen, die Einschläge entfernen sich. Nach einer Stunde sind wir außer Gefahr. Es war bie höchste Eisenbahn. 7000 BRT. englischen Schiffsraumes aber ruhen auf dem Boden des Atlantik.

Wieder Bomben auf Berliner Wohnviertel.

Berlin, 25. Oft (DNB. Funkspruch.) 3n der Nacht zum 25. Oktober griffen britische Flugzeuge die Reichshauptstadt an. Lin Teil von ihnen wurde durch das Abwehrfeuer der Flakartillerie vor Er­reichung des Weichbildes in nördlicher und südlicher Richtung abgedrängt. Nur einzelnen Flugzeu­gen gelang e$, das Stadkinnere zu überflie­gen. Sie warfen durch die tiefe Wolkendecke an mehreren Stellen Spreng- und Brand­bomben auf Wohnviertel, Arbeitersiedlun­gen und Wohnlauben ab. (Ein Krematorium wurde durch eine Sprengbombe getroffen. Ls ent­standen mehrere Brände, die gelöscht werden konn­ten. Ferner gab es einige Verletzte. Zwei bri­tische Flugzeuge wurden bereits auf dem Einflug abgeschossen.

lein bei der ersten Begegnung verfallen ist: er hat bie Eleganz und bie Nervosität, bas Leichte und bas Impulsive, bas der Gestatt anhaftet, ein biß­chen vom großen Jungen, auch den männlichen Trotz und abweisenden Stolz. Doch bleiben all diese Züge zusammengefaßt in nobler Haltung, in einer guten und anständigen Menschlichkeit.

Neben den beiden Zentralgestatten gibt es nicht mehr sehr viel zu spielen, aber ein paar vorzügliche kleine Chargen müssen doch genannt werben, vor allem die von Frieda Richard mit wenigen knap­pen Strichen meisterlich hingefetzte Volksfigur der Wiener .Trafikantin"; sehr fein und lebensnah Lina Woiwode als Mutter Seethaler; und auch Theodor Danegger als Kellner Fritz, Gustav Waldau als Diener Franz, Maria Andergast (Elisabech) und Alfred N e u g e b a u er, der Vor- mundschaftsrichter, seien nicht vergessen. (Wien­film der Tobis.) Hans Thyriot.

Ostpreußische Späße.

Freimann, ein Bauer am Pregel, mußte sich einen Backenzahn ziehen lassen. Der Dorfbarbier nahm es nicht so genau, ob er einem die Haare schnitt oder die Zähne zog. Freimann begab sich zu ihm. Der Barbier glitt mit der Zange aus, vo­rauf ihm Freimann eine schallende Backpfeife vev- setzte.

Verdutzt rieb der Barbier sich die brennende Backe und starrte Freimann großäugig an.

So!" sagte der ruhig. ,Letzt bist du wieder an der Reihe."

Der Goldschmied im Dorfe hatte über seiner Tür ein Glockenspiel angebracht, das die Stundenschläge mit Versen begleitete. Kam da ein Städter ins Dorf und härte es klingeln:Großer Gott, wir loden dich!"

Ach, das ist wundervoll", äußerte er zu Frei­mann, der aus der Schmiede kam.Spielt dieses Ding noch mehr solcher Weisen?"

Na, Männchen", antwortete Freimann.Wenn Sie gegangen sind, dann singt es:Nun danket all« Gottl"