Ausgabe 
25.7.1940
 
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Rückgeführte in Erwartung -er Heimkehr

Es ist zu einer schönen Gepflogenheit geworden, daß sich die in unserer <5tobt weilenden Rückge­führten aus den geräumten Gebieten jeden Diens­tagabend imBurghof" einfinden, um in lands­mannschaftlicher Kameradschaft einige Stunden zu verbringen. Bei dieser Gelegenheit werden manche Erinnerungen und Erlebnisse ausgetauscht. In jüng­ster Zeit allerdings beherrscht nur ein Thema die Unterhaltung: die Rückkehr in die Heimat! In der Zusammenkunft am vergangenen Dienstag gab der derzeitige und stellvertretende Ortsbeauf­tragte der Rückgeführten, Jng. Hahn, einige Auf­schlüsse über das, was vor der Rückkehr in die Hei­mat alles zu beachten ist. Er erzählte von seinem jüngsten Besuch in der Heimat und machte den Kameraden verständlich, warum die Rückkehr in die Heimat nur allmählich vor sich gehen könne. Er konnte aber die Versicherung geben, daß für die Rückkehrenden alle Maßnahmen getroffen sind, die es ermöglichen, in Ruhe und Ordnung in der Hei­mat zu leben und die Arbeit wieder aufzunehmen.

Kreisgeschäftsführer Weber von der Kreis­leitung, der sich in den vergangenen Wochen lebhaft und immer wieder um das Wohl der Rückgeführten bemühte und an manchem Dienstagabend im Kreise

der Rückgeführten weilte, konnte die Mitteilung machen, daß .für alle Rückwanderer die H e im- kehrerausweise bereits vorlägen. Die Kreisleitung habe nur noch eine Liste zu erwarten, aus der hervorgehe, wer reisen und wohin die Rückkehr erfolgen könne. In seinen weiteren Dar­legungen sprach Kreisgeschäftsführer Weber über die Vorkehrungen, die bei der Reichsbahn für die Rückgeführten getroffen sind, sprach von den Son­derzügen, die eingesetzt werden, von den Vorkeh­rungen, die es ermöglichen, Gepäck mitzunehmen und machte darauf aufmerksam, daß Möbel als Frachtgut einige Tage vorher aufgegeben werden müßten, damit sie gleichzeitig mit den Rückwan­derern ankommen. Die Rücksichten aus dem Kreis Wetterau werden voraussichtlich in zwei Sonder­zügen in die Heimat befördert werden. Dor der Rückkehr werde aber noch ein großer Abschieds­abend im Gießener Stadttheater stattfinden.

Der Beauftragte der Rückwanderer, Jng. Hahn, sagte dem Kreisgeschäftsführer herzlichen Dank für die aufschlußreichen Mitteilungen und sprach ihm darüber hinaus seinen Dank für die stete Betreu­ung der Rückwanderer aus.

Allgemeine Winke für die Sammlung von Heilkräutern.

NSG. Sammle nicht an regnerischen Tagen oder morgens taufeucht, sondern nur an trockenen Tagen, sammle nicht an Straßenrändern (Staub), sammle keine mißfarbigen, zerfressenen, pilzbefallenen Pflanzenteile.

Treibe praktischen Naturschutz, keinen Bestand völlig abernten, immer einen Anteil zur Weiter­vermehrung stehen lassen; reiße Pflanzen nicht ganz aus, wo nur die Blüte oder das Blatt gebraucht wird, es seien denn Unkräuter.

Sammle nie in Tüten oder Säcke, sondern stets in Körbe ober Kästen, bamit bas Sammelgut nicht aedrückt wird, es wird sonst bei der Trocknung miß­farbig. Eine Gartenschere oder ein Messer ist in vielen Fällen unentbehrlich.

Die Ernte von Blüten.

Blüten sind besonders empfindlich gegen Spuren von Feuchtigkeit (also nur an trockenen Tagen sammeln), ebenso gegen Druck schützen, daher auch nicht in den Sammelgefäßen zu hoch aufschichten.

Ernte von Blättern.

Viele Blätter kann man einfach durch Abstreifen von den Zweigen oder Stengeln ernten. Die Blätter der bewehrten Brombeere oder Himbeere schneidet man mit der Schere ab. Brenneffelblätter schneidet man mit der Sichel und ftreift dann, evtl, mit Hand­schuhen, von den Stengeln die Blätter ab.

Ernte von Kräutern.

Hochwüchsige Kräuter, wie das Johanniskraut, werden mit der Blüte und» dem ganzen oberen Teil der Pflanze (etwa 25 cm) geerntet durch Ab schnei­den. Dicke und verholzte Stengelteile sind un­erwünscht. Niedrige Krautdrogen, wie die Polster des Feldthymian, Stiefmütterchenkraut, schneidet man blühend vom Boden ab und entfernt durch Klopfen die anhaftende Erde. Zarte Krautdrogen, Tausendgüldenkraut, haften oft nicht fest am Boden. Nicht ausreißen, sondern abschneiden, damit die Wurzel erhalten bleibt.

Trocknung.

Die Trocknung erfolgt in der Regel im Schatten auf luftigem, sauberem Trockenboden. Papier aus­

legen, evtl. Horden benutzen. Die Arten sorgfältig getrennt halten. Die Trocknung ist richtig erfolgt, wenn die Blätter, Blüten und Kräuter nach A b - schluß der Trocknung in Form und Farbe möglichst der frischen Pflanze gleichen. Dazu ist es nötig, daß man die Pflan­zenteile in möglichst dünner Schicht (bei Huflattich und Spitzwegerich Blatt für Blatt) ausbreitet. In beforiberem Maße gilt dies auch für die Trocknung von Blüten. Man bringe nie mehr Sammelgut ein, als auf der Trockenfläche bei Befolguna dieser Richt­linien Platz haben. In diesem Fall ist auch das viel- geübte Wenden überflüssig. Es muß sogar durchweg als fehlerhaft betrachtet werden, da die Pflanzen­teile dadurch nur leichter zerbröckeln und unansehn­lich werden. Beste Qualitätsdrogen werden nur ge­wonnen durch Ausbreiten in einfacher Lage unter Vermeidung jeder überflüssigen Berührung. Das Sammelgut soll völlig trocken sein, d. h. raschel­dürr. Blütenköpfchen muffen auch innen trocken sein (Kamillen).

Verpackung und Versand.

Getrocknete Blatt- und Krautdrogen können in luftdurchlässigen (Jute)-Säcken gelagert werden, bis der Versand lohnt. Am besten werden die Säcke an Nägeln oder Fleischerhaken auf dem Boden auf» gehängt. Bei längerer Aufbewahrung vor dem Ver­sand überzeuge man sich durch tiefes Hineingreifen, ob alles noch trocken ist. Im Sackinnern kann Er­hitzung (Gärung) stattgefunden haben.

Blütendrogen, namentlich beste Kamillen u. a., sollen möglichst bald abgeliefert werden, am besten in mit sauberem Papier ausgeschlagenen Kartons, Kisten ober Kasten.

Für den Versand beachte die Frachtwirtschaftlich- feit! In keinem Fall Mengen unter 20 Kilogramm, je größer die Menge, desto billiger die Fracht und stets als Frachtgut. Der Transport nach den überall in den Kreisen leicht erreichbaren Hilfssammelstellen muß kostenlos erfolgen.

In Zweifelsfällen erteilen überall die Kreisbe­arbeiter RfH. Auskunft und Rat.

Aus der Giadt Gießen.

Erntebrauch.

Die Roggenfelder wogen, mit schweren reifen Aehren neigen sich die Halme dieRoggenaust" beginnt. Die Ernte steht für den Bauern im Mittel­punkt seines Denkens. Die Erntezeit ist einehil- lige" Zeit, die wichtigste des Jahres für den Land­mann, der Höhepunkt seiner Jahresarbeit. An der Erntezeit haften die ältesten Gebräuche; denn der Ackerbau, weil er an der Scholle hängt, ist tradi- ttonsgebunden und wahrt die überlieferten Sitten mit Zähigkeit. In manchen Gauen Deutschland ftn- bet man eine besondere Erntetracht. In Hannover schmücken die Schnitter ihre Mützen mit Blumen­sträußen und farbigen Bändern; die Frauen und Mädchen tragen weiße Mieder und dunkle Röcke. In Westfalen präsentieren sich die Mäher in weiß- leinenen Hosen, Jacken und Strümpfen, roter Weste und aufgeputztem Filzhut; die Mädchen tragen kurze rote Röcke, schwarze Mieder, weiße Strümpfe und Hauben. In Ostpreußen lenken die Pferdeknechte den vierspännigen Erntewagen in knallroter Weste, die Marjellen kokettieren mit weißleinenen Kopf- schuten und bunten Röcken. In Rech und Glied, die blanken, scharf gewetzten Sensen geschultert, nahen die Schnitter mtt je chrer Garbenbinderin, die stolz chre Harke trägt.

In der Dämmerstunde kehren Schnitter und Bin­derinnen, die Sensen und Harken geschultert, unter dem Gesang froher und sinniger Lieder in das Dorf zurück. Sie betreten in geschlossenem Zuge den Hof ihres Herrn; dieser erwartet mit seiner Familie vor der Tür die Einziehenden. Bauer und Bäuerin er­halten als Gabe des ersten Erntetages einen aus den ersten Aehren gebundenen Kranz, der von den Binderinnen unter einem Erntespruch überreicht wird.

Als Dank dafür veranstalten Bauer und Bäuerin ihren Leuten eine kleine Festlichkeit. Der Groß­knecht engagiert die Hausfrau, der Hausherr die erste Dorbinderin; dann dreht sich jung und alt im Tänze, wobei das vom Hofherrn gespendeteErnte- bter" zur Feier des Tages beiträgt. DiesKranzel- bi er" ist der Vorläufer des großen Erntefestes. Für diese Hauptfeiern werden vom ersten Anschnittag an altherkömmliche Vorbereitungen getroffen in Form des Spendensammelns. Wer sich während des Schnit­tes auf bas Feld begibt, fei es von der Familie des Hofbesitzers oder auch von ihren Gästen, der wird gebunden". Rasch rafft die Dorbinderin einige Halme zusammen, dreht sie zu einem Band und windet dies um den Arm desGefangenen". Da­zu wird ein Sprüchlein aufgefagt, zum Lohne dessen der Gebundene sich mit einem Lösegelb loskaufen muß. Dr. B.

Dornotizen.

Tageskalenber für Donnerslag.

Volkstümlicher Vortrag der Ludwigs-Universität: 20.30 Uhr im Agrikulturchemischen Institut, Brau­gasse 7a, Professor Dr. Scharrer über100 Jahre Agrikulturchemie". Gloria-Palast (Seltersweg): Der Weg zu Isabel". Lichtspielhaus (Bahnhof­straße):G'schichten aus dem Wienerwald".

Notizen für den 26. Juli

Sonnenaufgang 5.10 Uhr, Sonnenuntergang 21.02 Uhr. Monduntergang 12.47 Uhr, Mondaufgang 23.36 Uhr.

BHeineioW M W W Srenöe

Bekr.: Thealer-Sommerring.

Am Samstag, 27. Juli, 20 Uhr, findet im Stadt­theater die 2. Veranstaltung des Theater-Sommer­rings statt. Es gelangt das LustspielTrockenkursus" von Bortfeld zur Aufführung. 3357V

Wir bitten diejenigen Mitglieder, die ihre Karten noch nicht abgeholt haben, diese in unserer Verkaufs­stelle, Seltersweg 60, in Empfang zu nehmen.

BOM.-llntergau 116 Gießen.

BbVl.-Werk'Gruppe 2a/116.

Heute, Donnerstag, 25. Juli, tritt die Gruppe um 20.15 Uhr an der Gummifabrik, Leihgesterner Weg 35, zur Heilkräutersammlung an. Mitzubrin­gen sind Schere und Tasche. Bei schlechtem Wetter ffndet Dienst im Möserheim statt.

BdM.-Gruppe 2/116.

Die Scharen I., II., III. treten Freitagabend, 19.45 Uhr, am Uhlheim zur Heilkräutersammlung an. Körbe, Taschen und Handschuhe mitbringen!

Zum Gastspiel des Wiener Burgtheaters in Gießen.

In den beiden Worten Wiener. Burgtheater liegt ein eigener Klang. Durch mehr als anderthalb Jahr­hunderte klingt in ihm die Theatergeschichte der deutschen Schauspielbühne. Mit seiner Stiftung durch Joses II. im Jahre 1776 begann so die Ge­schichte eines Theaters, das Einfluß nehmen sollte auf das ganze Werden unserer Bühne überhaupt. Es wurde den Schauspielern zur Gründung verkün­det,daß feine Majestät der Kaiser geruhe, das Theater nebst 'ber Burg zum Hof- uno National- Theater zu erheben" unb ,^daß von nun an nichts als gute regelmäßige Originale unb wohlgeratene Übersetzungen aus anderen Sprachen darin auf­geführt werden müßten". In der Wahl neuer Stücke sollte nicht auf die Menge, sondern ihre Güte Be­dacht genommen werden.

In diesen Sätzen lag schon etwas von dem Wunsch und den Forderungen, die wir an das deutsche National-Theater stellen. Aus ihnen heraus ist in einer beispiellosen Entwicklung die Bühne ge­worden, die viele Jahre hindurch den Namen des ersten Ensembletheaters" in Deutschland getragen hat unb noch trägt.Ensemble-Theater", ein Fremd­wort unb boch der vollendete Ausdruck deutscher Geistesrichtung. Spielgemeinschaft aller am Werk Beteiligten und Verzicht auf das Starsystem sind allzeit die bemerkenswertesten Eigenarten des Burg- theater-Stils gewesen. Mögen die Träger der besten Schauspieler-Namen aus den Reihen der vielen am Werke des Burg-Theaters Tätigen herausragen, ihr Verdienst unb das Verdienst des Burgtheaters sind es immer gewesen, daß sie wohl eingeordnet in einen ihrer würdigen Gesamtrahmen den Kreis ihrer Mitspieler nie zu sprengen versuchten, sondern von ihm getragen wurden und ihn trugen.

Neben der Pflege des Gemeinschästssttls, der Ensemble-Leistung, hat das Burgtheater schon zur Zeit der Direktton Leinrich Laubes (184967) die Bedeutung der Regie entwickelt. Als erstes Theater erkennt es den Spielleiter als selbständi­gen nachschaffenden Künstler, der gleich dem Kapell­meister, der die Noten der Partitur umsetzt in die Musik, bas papierene Wort zum Tönen bringt unb zum lebendigen Geschehen werben läßt.

Das Wort selbst aber hat an der repäsentattvsten Bühne Wiens und des Reiches eine ganz besondere Pflege erfahren. Unsere Hochsprache, das Bühnen- deutsche, ist am Wiener Burgtheater in seiner noch gültigen Form entstanden und wird da am rein­sten bis heute bewahrt. Der Sttl der Bühnensvrache aber, der frei von hochtrabender Pathetik den schlich­ten und doch gehobenen Konversationston vertritt, der den inneren Gehalt des Textes über gezierten oder schwülstigen Vortrag stellt, das ist der Wiener Burgtheater-Stil.

Die Geschichte des Burgtheaters ist mannigfaltig. Eine nur einigermaßen einführende Schilderung in ihr Geschehen füllt Bände. Politische Stürme, Zeitentartungen und ihre Folaen für das Bühnen­leben sind nicht spurlos am Burgtheater vo rüber- gegangen. Doch hat es stets, feiner Sendung bewußt, feine Grundhaltung sich bewahrt, ist feiner Auf- aabe getreu geblieben als erstes deutsches Schau- fpieltheater wahrhaft National-Theater zu fein, ist treu geblieben der Forderung, die sein Gründer Josef II. ihm gestellt hat:Zur Veredlung der Sitten und des Geschmackes der Nation bei» zutragen". Schneider-Facius.

Sprengstücke sind keine Andenken.

NSG. Nach den letzten Luftangriffen konnte ver­schiedentlich die Feststellung gemacht werden, daß eine lebhafte Suche nach Spreng- und Teilstücken der zum Abwurf gelangten Sprenge und Brand­bomben und Fallschirmraketen einsetzte.

Gegen diesen Eifer wäre nichts einzuwenden, wenn das auf diese Weise zusammengetragene Material dort abgeliefert würde, wo es yingehört nämlich auf dem nächsten Polizeirevier. 21ber das Gegenteil ist der Fall, denn jeder-, hätt sich allem Anschein nach für berechtigt, derartige Fund­stücke als interessantes Andenken, die dann im Kreise der Freunde und Bekannten als vielbewun­derte Schaustücke herumgereicht werden, zu bei)al­ten.

So verständlich der Wunsch ist, ein derartiges Andenken an die Zeit der Luftangriffe auf un­sere Heimat aufzubewahren, so sehr verstößt dieses Verhalten gegen die viel wichtigeren Interessen der Landesverteidigung. Die Fundstücke bilden wert­volles Material, aus dem Rückschlüsse aller Art, Größe, Konstruktion und Wirkungsweise der vom Feind benutzten Kampfmittel gezogen werden kön­nen. Wer seine Fundstücke von bief^m Gesichts­punkt aus betrachtet, erkennt sofort, wie völlig verfehlt es ist, derartige Andenken zu behalten. Ins­besondere müssen Zünder und Teilstücke von Bom­ben, Fallschirmen, Abwurfvorrichtungen ober Telle davon unbedingt, unb zwar sofort nach der Auf­findung abgeliefert werden.

Besonders die in der Nähe der Abwurfstellen wohnenden Volksgenossen haben oft Gelegenheit, derartiges Material aufzufinden. Es ist ihre Pflicht, die Fundstücke sicherzustellen und die Polizei zu benachrichtigen. Die Polizei, wird dann über die Fundstücke verfügen.

Was gehört zum griffbereiten Lustschuhraumgepäck?

Aus den Berichten des Oberkommandos der Wehrmacht wissen wir, daß die deutsche Zivilbe­völkerung seit geraumer Zeit fast allnächtlich von ebenso heimtückischen*wie rücksichtslosen Angriffen englischer Flieger heimgesucht wird. Angesichts die­ser Tatsache erscheint ein Hinweis angebracht, was alles, möglichst in einem Luftschutzraumkoffer ver­packt, für den Alarmfall zweckmäßig zurechtzu­legen ist.

Geld- unb Schmuckfachen (besonders .wertvolle Familienstücke, Andenken), Ausweis- und Familien- papiere, Ahnenpässe, Versicherungspolicen und Le­bensmittelkarten wären als besonders wichtig be­reitzulegen. Ferner ist es ratsam, für einige Lebens­mittel zu sorgen (Brot, Keks), für Kinder unb Kranke auch eine Thermosflasche mit Getränk, viel­leicht auch etwas Kinderspielzeug und Kissen mit­zunehmen. Mäntel, Decken, etwas Leibwäsche und ein kompletter Anzug bzw. Kleid sollten nicht feh­len. Dann natürlich, soweit vorhanden, die Volks­gasmaske und Taschenlampen.

Postverkehr

mit dem nichtfeindlichen Ausland.

Die Vorschriften der Ersten Durchführungsverord­nung zur Verordnung über den Nachrichtenverkehr werden im allgemeinen noch viel zu wenig beachtet. Daraus ergibt sich täglich die Notwendigkeit, eine große Menge von Briefen, Postkarten, Zeitungen, Mischsendungen, Päckchen usw. andieAbsender zurückgehen zu lassen, woraus Verzögerun­gen, doppelte Porti und eine Verärgerung der Ab­sender und der Post enfftehen. Die Vorschriften über die Absendung der Auslandpost sind an den von der Post hierfür besonders eingerichteten Schaltern zu erfahren.

In erster Linie ist zu beachten, baß die'Briefe (DIN=5ormat, nicht über 4 Seiten!) nicht frankiert in ben Briefkasten geworfen werden dürfen, sondern daß sie, versehen mit der vollständigen Anschrift des Absenders, von diesem unfrankiert an dem Postschalter aufgegeben werden müs­sen, wobei sich der Absender durch einen behörd­lichen Ausweis mit Lichtbild auszuweisen und das Porto in bar zu entrichten hat. Keine Ansichtspost­karten, keine gefütterten Briefumschläge unb von Privatleuten keine Drucksachen, Mischsendungen, Zei­tungen und Zeitschriften in das Ausland!

Der Seifenbezug des Einzelhandels.

Nach einer Anordnung der Reichsstelle für indu­strielle Fettversorgung haben ab 1. Juli 1940 die Ver­kaufsstellen empfangene Kartenabschnitte unb Bezug­scheine für Seifenerzeugnisse unb Waschmittel bei den zuständigen Wirtschaftsämtern gegen Sammelbezug- scheine jeweils bis zum 10. des folgenden Monats einzutauschen. Der Umtausch von Sammelbezug­scheinen in Großbezugscheine durch die Lieferstellen

hat spätestens bis zum 20. des jeweiligen Monats bei den zuständigen Wirtschaftsämtern zu erfolgen. Die Warenbezugscheine sind dabei nach Warensorten geordnet vorzulegen. Die vor dem 1. Juli verein­nahmten gelben Kartenabschnitte und Bezugscheine sind in der bisher vorgeschriebenen Weise zur Ueber- prüfung bereitzuhalten. Dagegen sind sämtliche bis zum 30. Juni 1940 vereinnahmten roten Abschnitte ber Zusatzseifenkarten, die bereits beliefert sind ober auf die Bestellungen getätigt wurden, an bie zu- ftänbigen Wirtschaftsämter abzuliefern.

Gießener Wochenmarktpreise.

* G i e ß e n, 25. Juli. Auf bem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Wirsing % kg 12 bis 15, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15 bis 20, Spinat 20, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen, grün, 16 bis 22, gelb 22, Erbsen 25 bis 30, Mischgemüse 15, Tomaten 40, Zwiebeln 15, Rhabarber 10, Pilze 50, Kartoffeln, neue, kg 7,9 Rpf., Frühäpfel 40, Falläpfel 10, Himbeeren 40, Heidelbeeren 42, Stachel­beeren 20 bis 25, Johannisbeeren 25, Erdbeeren 50, Pflaumen 40, Mirabellen 45, Blumenkohl, das Stück 20 bis 25, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 50, Einmachgurken 3 bis 6, Oberkohlrabi 5 bis 15, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Rpf.

* Auszeichnung. Major Hölzel, Kom­mandeur eines Infanterie-Bataillons, würbe mit der Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet.

**Luftangriffe a u f deutsche Städte und Dörfer." Bei den Luftangriffen feindlicher Flieger wurden selten militärische Ziele getroffen. Gerade deshalb aber mußte die Zivilbevölkerung in den betroffenen Landesteilen Mühen und Opfer auf sich nehmen. Der zivile Lufffchutz, insbesondere aber die Selbstschutzkräfte haben durch ihren sachkundigen und mutigen Einsatz überall größeren Schaden ver­hindert. Zahlreiche, zum Teil mit interessanten Bil­dern versehene Berichte darüber veröffentlicht das soeben erschienene Heft derSirene". Es bringt u. a. auch einen Bildbericht vomFlugkünstler Möwe", der zeigt, wie bei der Konstruktion unserer Flugzeuge die beim Flug der Möwe gewonnenen Erfahrungen verwertet werden.

Aus der engere« Heimat.

Schloß Wächtersbach wird wieder aufgebaut.

LPD. Wächtersbach, 24.Juli. Schloß Wäch. tersbach, das im Herbst vorigM Jahres das Opfer einer schweren Feuersbrunst wurde, die manchen bebeutfamen Kunstschatz zu vernichten drohte, stehl im Zeichen des Wiederaufbaues. Nachdem bereits im Laufe der letzten Monate das gesamte Gebäude mit einem Notdach versehen worden war, sind auch die Jnnenarbeiten im Gange; sie werden, wie auch der gesamte ach die Erhaltung des einstmaligen Schloßbildes hinzvelende Wiederaufbau durch ein Frankfurter Großbauunternehmen ausgeführt.

Zeugen gesucht.

Zur Bluttat bei Schwickershausen.

LPD. Frankfurt a. M., 24. Juli. Der Täter, der am 20. Juli in der Feldgemarkung Schwitters-' Hachen bei Limburg eine 23jährige Büroangestellte aus Frankfurt a.M. überfallen und durch Mes­serstiche schwer verletzt hat, konnte noch nicht ermittelt werden. Es ist anzunehmen, daß sich der Täter nach der Tat in Richtung Hasselbach oder Rod a. d. Weil entfernt hat. Nicht ausgeschlossen ist aber, daß der Täter vom Tatort aus durch den Wald auch eine andere Richtung eingeschlagen hat. Wer hat um die Zeit der Tat in der Umgebung des Tatortes der Tatort befindet sich in der Nähe der Straße SchwickershausenHasselbach un­gefähr in der Höhe der Abzweigung nach Dombach eine Person wie bie bereits beschriebene beobach­tet? Wer ist der Mann, der gegen 16.30 Uhr am 20. Juli 1940 (Samstag) in Richtung Rod a. d. Weil ging, und dem auf diesem Wege, als er aus dem Wald herausgetreten war, das von Hasselbach kom­mende Postauto begegnete? Dieser Mann wird ge­beten, sich bei der Bürgermeisterei in Rod a. d. Weil ober in Hasselbach zu metoen. Personen, die zur Sache irgendwelche Mitteilungen machen können, werden gebeten, dies bei der nächsten Polizei, ober Genbarmeriestotion zu tun. Auch bie Staatsanwalt­schaft in Limburg nimmt in dieser Sache Mittei­lungen entgegen. Alle Mitteilungen werden ver- traulich behandelt.

Landkreis Gießen.

* Hungen, 23. Juli. Am vergangenen Sonntag fanb ber erste Lehrgang für bie vormilitärische Wehr­erziehung im Motorsturm 5/M 147 seinen Abschluß. Unter Leitung des Sturmführers Rinker wurden Geländedienst, Handgranatenwerfen und Schieß­übungen im Gelände durchgeführt. Oberstaffelführer Hartmann nahm Gelegenheit, den gesamten Stürm, der sich aus den Trupps Lich, Villingen und Hungen zusammensetzt, zu besichtigen und stellte mit Genugtuung fest, daß die vormilitärische Ausbildung mit sicherem Blick auf das Ziel richtig durchgeführt wurde. An 116 Männer des Sturmes können nun­mehr dieVormilitärischen Ausbildungsscheine des NSKK." ausgegeben werden.

THahtgau.

LPD. Langenselbold, 24. Juli. Ein hiesiger Bauer, der ein mehrere Jahrhunderte altes Fach­werkhaus bewohnt, fand, als er feinen Keller auf­räumte, ein Tongefäß, das über 100 alte Sil­bermünzen aus vergangenen Jahrhunderten barg. Eine Anzahl dieser Münzen ist im Jahre 1726 geprägt. Man nimmt an, daß ber Schatz in ber be­wegten Zeit bes Franzosenrückzuges 1813 im Keller in Sicherheit gebracht worben ist.

Ober-Westerwald.

Lpd. Hachenburg, 24. Juli. In Altstadt bei Hachenburg stieß ein zweijähriges Kind einen Topf mit kochender Milch um, wobei das Kind schwere Brandverletzungen erlitt. Immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß man die größte Vorsicht walten lassen muß, wenn in Anwesenheit von kleinen Kindern mit heißem Wasser oder sonsti­gen heißen Flüssigkeiten hantiert wird.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

V. 3. in Vlaulbach. Sie können bei der Errichtung des Zaunes bis an die Grenzlinie Herangehen, dür­fen diese aber nicht überschreiten. Dies ist auch bei der Anbringungen der Latten zu beachten.