Ausgabe 
25.6.1940
 
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Sohn eines Offiziers 1910 im damaligen österreichi­schen Villach geboren. 1930 trat Birnbacher in die Kriegsmarine ein und fand später als Offizier auf Linienschiffen, Panzerschiffen und Kreuzern Ver­wendung. Im Frühjahr 1939 übernahm er das Kommando über eine Schnellbootflottille, nachdem er früher ein Schnellboot selbst als Kommandant geführt hatte.

Holländisches Lazarett von den Engländern bombardiert.

Berlin, 24. Juni. (DNB.) Das holländische Marinelazarett in Den Helder ist am Freitag, 21. Juni, von englischen Fliegern a m Hellen Tage bombardiert und voll­kommen zerstört worden. Nur dem glücklichen Umstande, daß das Lazarett vorher von den deut­schen und holländischen Verwundeten geräumt worden war, ist es zu verdanken, daß nur eine geringe Zahl von Toten und Verwundeten zu be­klagen ist. Das Lazarett liegt in der Nähe der alten Artillerieschule der holländischen Kriegsmarine. Auf dem Dach des Lazaretts ist ein etwa 10 Meter im Geviert großes cholzschild mit dem Roten Kreuz auf weißem Grund angebracht. Vom Turm des Gebäudes weht die Rote-Kreuz- Flagge. Am Freitagnachmittag bei vollkom­men klarer Sicht tauchte plötzlich eine Staffel von neun englischen Kampfmaschinen am Horizont auf. Kurz vor dem Hafen löste sich die Staffel auf. Die Flieger stießen zum Angriff herab. Zwei der

englischen Kampfmaschinen überflogen das Lazarett und warfen trotzdem das Rote Kreuz deutlich zu erkennen war mehrere Bomben verschiedener Kalibers und Brandbomben ab. Das Lazarett er­hielt zwei schwere Treffer, die sofort das Gebäude in Brand steckten. Nach dem Bombenangriff b e - schossen die englischen Flieger im Tiefflug mit ihren Maschinengewehren das Lazarett und die Umgebung. Hierbei wurden mehrere Zivilpersonen getroffen. Die Löscharbeiten waren vergeblich.

Irgend eine Entschuldigung für die englischen Flieger ist nicht möglich, da die Abzeichen des Roten Kreuzes bei der vollkommen klaren Sicht deutlich zu erkennen waren, und da militärische Ziele in der unmittelbaren Umgebung des Lazarettes nicht vorhanden sind wenn man nicht gerade das ur­alte Schulschiff der holländischen Kriegsmarine, eine Fregatte aus dem 18. Jahrhundert, als militärisches Ziel ansprechen will. Mit dem planlosen Abwurf auf nichtmilitärische Ziele und Ortschaften, in denen nicht die geringsten wehrwichtigen Anlagen zu ent­decken sind, erreichen die Engländer doch eins: sie züchten nicht nur m der deutschen Bevölkerung, son­dern auch im neuttalen Ausland immer mehr die Ucberzeugung, daß zur Herstellung eines dauer­haften gesicherten Friedens in Europa der Kampf bis zur restlosen Vernichtung eines solchen Gegners durchgeführt werden muß, denn der Engländer schont mit seiner verderblichen Taktik weder Freund noch Feind das haben bisher alle mit England Verbündeten erfahren müssen, und das müssen die Bewohner dieser Länder auch täglich neu am eige­nen Leibe verspüren.

Ailantikküsten bis zur GirondeMündung besetzt.

LaVochelleundVochefortgenommen.-VordringenaufGrenobleundChambery

Der Wehrmachtsberichi vom Montag.

Aührerhauplquartier, 24. Juni. (DRV.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Am Atlantik wurde die Küste bis zur G l - rondemündung beseht, La Rochelle und Rochefort genommen, weiter ostwärts die Gegend nördlich Poitiers.erreicht. Anter der ungeheuren und stündig wachsenden Beute fiel hier ein großes Lager mit Artilleriemunition in unsere Hand.

Jn Elsaß-Lothringen haben sich weitere versprengte feindliche Gruppen ergeben. Weitere Werke in der Waginotlinie wurden genommen.

Südostwärts Lyon dringen unsere Truppen trotz zähen Widerstandes des Feindes auf Grenoble und Lhambery vor.

Deutschen Schnellbooten gelang es in der Rächt zum 24. Juni im Seegebiet von Dungeneß einen bewaffneten englischen Dampfer von 3500 Tonnen und einen weiteren Dampfer von 5000 Tonnen durch Torpedoschuß zu versenken. Lin U-Boot meldet die Versenkung von 23 600 Brutloregistertonnen.

Die Tätigkeit der Luftwaffe beschränkte sich gestern auf Aufklärungsflüge Über dem Rordseeraum. Unsere Jäger schossen 2 britische Kampfflugzeuge

bei Calais ab. Von etwa 9 britischen Flug­zeugen, die am Rachmitlag in die Riederlonde ein­zufliegen versuchten, wurden 6 durch Jäger und Flak abgeschossen.

Unter dem Schuh der Wolkendecke gelangten zwei bis drei von sieben Flugzeugen bis nach Westfalen, wo sie bei dem kleinen Ort Wiescherhäfen Bauernhäuser mit Bomben belegten und die Bewohner mit Maschinenge­wehren beschossen. Hierbei wurden zwei Zivilpersonen schwer, vier weitere leicht verletzt. Bei Rächt setzte der Feind seine Einflüge über Rord- und Westdeutschland fort. Die an zahlreichen Stel­len auf nichlmilitärlsche Ziele abgeworfenen Bom­ben richteten Sachschaden an und erforderten wie­der Todesopfer und Verletzte unter der Zivilbevöl­kerung. Einige Bomben fielen in ein Kriegs- gefangenlager an der Oftfeeküsle, wobei eine Anzahl Franzosen getötet und verletzt wurden.

Jn den Kämpfen südlich T o u l in der Rächt vom 21. zum 22. Juni zwang der Oberleutnant Knote in einem Jnfayterie-Reglment, von nur zwei Zug­führern und 20 Mann seiner Kompanie begleitet, durch unerschrockenes und energisches Handeln drei französische Jnfanlerle- und zwei Artillerie-Regi­menter zur Uebergabe und Entwaffnung.

Mimischer Angriff an der Alpensront.

3n die französischen Stellungen eingedrungen. Oie französische Krönt im Vücken bedroht.

Italienischer Wehrmachtsbericht.

Rom, 24. Juni. (DRB.) Der italienische Heeres­bericht vom Montag hat folgenden Wortlaut:

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der Alpenfront vom Mont Blanc bis zum Meer haben unsere Truppen am 21. Juni den An­griff begonnen. Gewaltige Verteidigungsanlagen in den Felsen der Alpen, außerordentlich starke Ab­wahr von selten des Feindes, der entschlossen war, sich unserem Vormarsch zu widersehen, und die durchaus ungünstigen Wetterverhältnisse haben den forschen Angriffsgeist unserer Truppen nicht ver­ringert, die überall beträchtliche Erfolge erzielt haben. Während mit kühnen Llnzelaktionen unsere Abteilungen sich einiger Befestigungswerke bemäch­tigt haben, wie z. B. des Forts Lhenaillet bei Brianxon und Razet im unteren Rojak-Tal, haben unsere Einheiten in geschlossener Formation die Talsohle der Jsere, Arc. Guil, Ubaye, Tinea und Vesubia erreicht, wobei sie in die Befestigungs­systeme des Gegners eingedrungen sind und die gesamte feindliche Front im Rücken gefährden.

Der Vormarsch unserer Truppen geht auf der ganzen Front weiter.

Jm unteren Tyrrhenischen Meer hat ein ll-Boot- jäger ein feindliches U-Boot versenkt.

Unsere Luftwaffe, die sich im Verlause der Ope­rationen zu Lande trotz der schwierigen Wetterver- hältnlsfe glänzend bewährte, hat ferner am gestri­gen Tage ihre Offensivaktion durch Bombenabwürfe auf den Flughafen Micabba (Malta) und das Arsenal von Bizerta fortgesetzt. Zwei unserer Jagd­flugzeuge find nicht zurückgekehrt.

Jn Rord-Afrika sind die Bombenabwürfe auf die Stützpunkte von Marsa Matruh und Sldi Barranl wiederholt worden. Ferner wurde eine große An­sammlung von Panzerwagen und englischen Kraft­wagen sehr wirksam mit Bomben und anderen Sprengkörpern belegt. Alle unsere Flugzeuge sind in ihre horste zurückgekehrl.

Jn Ost-Afrika sind die Luftflottenstühpunkte von Dschibuti und Berbera und feindliche Truppen in Kenya mit Bomben belegt worden. Einige feind­liche Einflüge über Massaua, Assab und Diredaua blieben ohne Erfolg.

Am gestrigen Rachmittag hat der Feind auf die Stadt Palermo einen Bombenangriff durchgeführt, ohne militärischen Zielen Schaden zuzufügen, hin­gegen wurden unter der Zivilbevölkerung 25 Tote und 153 Verletzte gezählt. Ein Flugzeug wurde von unseren Jagdfliegern abgefchossen.

Letzte erbitterte Kämpfe in den Vogesen.

Der deutsche Angriff auf den Oouou. - Oer umschlossene Feind streckt die Waffen. 22000 Gefangene. - Hiesige Beute.

Führerhauptquartier, 24. Juni. (DRB.) heute mittag hat der am Donon in den Vogesen umschlossene Feind die Waffen gestreckt. Ueber 22 000 Gefangene, dabei ein Kommandierender Ge­neral eines Armeekorps, drei Divisionskommandeure und rund 1000 Offiziere und zwölf ganze Artillerie­abteilungen, darunler sechs motorisierte, fielen neben einer riesigen Beute in unsere Hand.

...., 25. Juni. (PK.) Zurückgeworfen vom Nor, den und Osten, eisern eingeschlossen von deutschen Regimentern, leisten in den schluchtenreichen und un° übersehlichen Tälern der mittleren Vogesen am Großen Donon noch die Reste zweier fran­zösischer Divisionen einen letzten, teilweise erbitterten Widerstand. Nur wer die Vogesen aus eigenem Erlebenis kennt, wird die unerhörte und einzigartige Leistung unserer Truvpen richtig er­messen können, die in diesem heimtückischen Ge­lände, wo mit jedem Schritt von im Hochwalde verborgenen Schützennestern Feuerüberfälle zu er­

warten sind, in unverhältnismäßig kurzer Zeit den Feind zurückgeschlagen haben.

Mit dem Schützenbataillon eines Infanterie- Regiments marschieren wir durch die Hochwald­schlucht des St. Quirin-Tales, das noch un­ter französischem Feuer liegt, vorwärts gegen die Dononhöhe. Die Manschaft des Regimentes, das schon an dem Durchbruch durch die Maginot-Linie und dem stürmischen Vormarsch durch Nordlothrin- gen einen hervorragenden Anteil hatte, besteht aus Saarländern, Pfälzern und Badenser. Ihnen ist die große Aufgabe zuteil geworden, auch die Quellen der Saar, die auf dem Donon liegen, zu befreien. In einem Gelände, das dem Jnfanteriekampf alle nur erdenklichen Schwierigkeiten bereitet, stießen in nächtlichem Kampf unsere Truppen vor und warfen den völlig überraschten Feind 15 Kilometer zurück. Trotzdem sind die Wälder immer noch durch Baumschützen gefährdet, deren hinterhältige Karnv- fesweise manches Opfer gekostet hat, bis auch sie von den Bäumen heruntergeyolt sind.

Nun gilt es, das letzte Bollwerk der von drei

Sie Uebergabe

der italienischen WaffenWstandsbedingungen.

Auf einem Flugplatz in der Nähe von Rom trafen die französischen Bevollmächtigten für die Waffen- stillstandsverhandlungen mit Italien in einer Maschine der deutschen Luftwaffe ein. Unser tele- graphisch aus Rom übermitteltes Bild zeigt die Begrüßung der französischen Abordnung durch den Vertreter der italienischen Wehrmacht. In der Mitte General H u n tz i g e r, weiter nach links Botschafter N o ö l, Vizeadmiral L e l u c und General der Luftwaffe B e r g e r e t. (Scherl-Bllderdienst-M.)

Die Uebergabe der italienischen Waffensttllstands- bedingungen an die französischen Bevollmächtigten ist in der Villa Jncisa, einem aus dem 17. Jahr­hundert stammenden fürstlichen Landhaus, erfolgt, das an der Via Passia liegt und 19 Kilometer von Rom entfernt ist. Die französischen Devvllmächtig- tigten trafen am Sonntag um 19.28 Uhr vor der Villa ein, an deren Eingang eine Kompanie Ka- rabinieri angetreten mar. Sie wurden vom Proto­kollchef des Außenministeriums empfangen und so­fort in den Sitzungssaal geleitet. Die bereits an­wesenden italienischen Bevollmächtigten, an ihrer Spitze Graf E i an o und Marschall Bad o gli o, erhoben sich von ihren Plätzen und begrüßten die französischen Bevollmächtigten mit dem Römischen Gruß, die dann gegenüber den italienischen Ver­tretern an einem langen Tisch Platz nahmen.

Sofort erhob sich Außenminister Graf E i a n o, um mitzuteilen, daß auf Befehl des Duce Marschall B a d o g l i o die Waffenftillftandsbedingungen über- geben werde. Dieser erteilte General Roatto, em Stellvertretenden Generalstabschef des Heeres, das Wort zur Verlesung der italienischen Waffen- stillstandsbeoingungen. Nach der Verlesung erklärte General H u n tz i g e r, daß die französischen Be­vollmächtigten von den Bedingungen Kenntnis näh­men und darum bäten, sie ihrer Regierung übermitteln zu können, um dann in der nächsten Sitzung ihre Beschlüsse vorzulegen. Den französischen Bevollmächtigten, die Gäste der ita­lienischen Regierung waren, stand eine direkte Tele­phonleitung zum Verkehr mit der französischen Re­gierung in Bordeaux zur Verfügung.

Seiten eingeschlossenen und bereits schvzer dezimier­ten Divisionen den 1100 Meter hohen Donon zu nehmen. Ohne Rücksicht auf das feindliche Feuer, das noch auf einigen Stellen der 'einzigen Bor» rnarfchstraße in der St. Quirin-Schlacht liegt, rückt das Regiment nach vorn, an der Spitze ein schnei­diger Oberst, der bereits im Weltkrieg an allen Fronten im Westen, Osten und im Orient als In- fanterieofsizier und Flieger gekämpft hat. Uns ent­gegenkommen bereits di e ersten Gefange­nen dieses Morgens, zum größten Teil Elsäs­ser, die froh find, der fiöUe von Donon entronnen zu fein. Neben den elsässischen Gefangenen torkeln dunkle und.zweifelhafte Gestalten, die wie sich her aus stellt einem Sträflingsbataillon angehören, talwärts in die Gefangenenlager.

Gesichert durch zwei leichte Pak-Geschütze und eine Jnfanterievorhut erkämpft sich das Regiment, unter Ausnutzung der Ueberraschung des Feindes entschlossen vorgehend, den Weg bis etwa 6 Kilo­meter unterhalb des Kleinen Donon, der dem Gro­ßen Donon vorgelagert ist. Hier hat sich der Fran­zose in der letzten Nacht eingenistet, um den deut­schen Vormarsch aufzuhalten. Plötzlich erhält d i e Spitze Feuer von einem Baumschützen, zwei Mann flno schwer verletzt. Sofort schwärmt ohne Artillerievorbereitung die Infanterie nach vorn und seitwärts gegen die Waldstücke, in denen sich der Feind, gut getarnt, verteidigt. In zweistündigem Nahkampf, der wirkungsvoll durch Pak unterstützt wird, wird der Feind mit Handgranaten und Kara­binern aus seinen Nestern geholt. In Trupps zu 20 und 30 Mann ergeben sich die Franzosen. Völlig demoralisiert kommen sie auf dem Schluchtweg an. Die Spitzenkompanie macht allein fast 300 Ge­fangene in einer Stunde. Das Beispiel ihres jungen Kompaniechefs hat sie mitgerissen. Schwer verwun­det durch Kopf- und Knieschuß liegt er am Boden. Trotzdem gibt er, blutüberströmt, weitere Befehle an feine Kompanie. Sanitäter, die ihn nach rück­wärts bringen wollen, wehrt er ab.

Nur sehr gering sind die eigenen Verluste der tief vorstoßenden deutschen Truppen. Trotz des ungün­stigen Geländes, da gegen Steilhöhen angerannt werden mußte und die feindliche Artillerie nicht mit Munition sparte, waren die Verluste so gering, weil der Feind sein Ziel viel weiter rückwärts wählte, und nicht mit der Kühnheit dieses blitz­artigen Vorstoßes auf einer kaum gesicherten Straße rechnen konnte. Unübersehbar werden gegen Abend die Zahlen der Gefangenen. Endlos ist die Beute an Munition, Waffen, Fahrzeugen, Pfer­den. Nur noch wenige hundert Meter trennen die deutschen Truppen vom Gipfel des Großen Do­non, der bereits unter dem Hagel der schweren deutschen Artillerie sturmreif geschossen. Das letzte Bollwerk des französischen Widerstandes in den Vo­gesen steht vor dem Fall. Das deutsche Heldentum in den Vogesen, für das im Weltkriege bereits so viele Beweise auf diesem heißumkämpften Boden erbracht worden sind, ist mit dem Sturm auf den Donon um ein weiteres Blatt bereichert worden.

Wilhelm Jung.

Gesamtdemission des ägyptischen Kabinetts.

Stockholm, 24. Juni. (Europapreß.) König Faruk von Aegypten hat am Sonntagnachmittag das Rücktrittsgesuch des Ministerpräsidenten Ali Mäher Pascha angenommen. Zusammen mit dem Ministerpräsidenten ist auch das gesamte Kabinett zurückge treten. Radio Ste- fani berichtet aus arabischen Kreisen Tetuans, die Bombardierung Alessandrias durch italienische Flieger habe starke Rückwirkungen auf die Stimmung der ägyptischen Bevölkerung gehabt. In der Bevölkerung mache sich eine große Be­unruhigung bemerkbar, nachdem trotz der eng­lischen Geheimhaltungsversuche die Vernichtung des Stützpunktes Marsa Matruh durch italienische Flugzeuge bekanntgeworden sei. Die englandfeind­liche Haltung der ägypttschen Bevölkerung trete im­mer deutlicher zutage.

Einsatzbereit gegen England!

In den OKW.-Berichten der letzten Tage nah­men die Kampfhandlungen zwischen Deutschland und England einen immer größeren Raum ein, während die Meldungen vom französischen Kriegs- schauplitz allmählich an Umfang verloren. Das heißt nicht, daß den teilweise noch sehr harten Kämpfen unserer Truppen in Frankreich während der Waf- fenstillstandsverhandlungen keine Bedeutung mehr zugekommen wäre. Im Gegenteil! Gerade die Ka­pitulation der französischen Ostarmeen im Bereich der Maginotlinie, am Tage von Compiegne, zeigte der Regierung PLtain mit letzter Eindringlichkeit, daß ihr nichts anderes Übrig blieb, als die Waffen zu strecken. Nur acht Tage haben die deutschen An­griffsdivisionen, die zahlenmäßig ihrem Gegner weit unterlegen waren, gebraucht, um das als un­überwindliche Wunderfestung gerühmte Maginot- system vollkommen zu zerschlagen. In zehn langen Jahren mit dem Schweiß der französischen Nation und mit den Milliardenbeträgen der französischen Steuerzahler errichtet, war die Maginotlinie ge­wissermaßen die höchste Verkörperung des franzö­sischen Sicherheitsbedürfnisses und und brach doch in wenigen Tagen wie ein Kartenhaus zu­sammen. Eine ganze Epoche der französischen Poli­tik ist damit zu Grabe getragen, der materia­listische Geist der Sicherheitsfanatiker ad absurdum geführt.

Neben diesem gern eifrigen Schauspiel des Zusam­menbruchs treten die Verfolgungskämpfe im Gebiet der Atlantikküste und die Vorstöße gegen die Alpenpässe nicht so sehr hervor, obgleich hier wie dort deutsche Soldaten noch bis zum Augen­blick der Waffenruhe ihr Leben für die Sicherung und Ausweitung des besetzten Gebietes Hingaben. Der unverändert schnelle deutsche Vormarsch hat an der Westküste Frankreichs das Gebiet von La Rochelle und Rochefort erreicht. Das Ge­biet liegt auf gleicher Höhe wie Lyon und ist von der Mündung der Gironde nur noch etwa 35 Kilo­meter entfernt. Kurz vor dem Abschluß der Kämpfe ist Frankreich in nur 19 Tagen zu zwei Drit­teln in deutsche Hand gefallen, ohne daß für das restliche Drittel noch irgendeine Aussicht auf Ver­teidigung bestanden hätte. Wie die Kapitulation ganzer französischer Armeen in der» dritten und größten Schlacht des französischen Feldzuges, in Elsaß-Lothringen, oder die Auslösung ganzer Trup­penteile oder das Ueberlaufen geschlossener For­mationen, ober die Erbeutung völlig unversehrter Munitions- und sonstiger Lager zeigen, find die Reste des französischen Heeres zu einem einheitlichen Kampf nicht mehr in der Lage. Ein ausgesprochen zäher Widerstand wurde nur noch südostwärts Lyon festgestellt, wo sich der Vorstoß der deutschen Truppen in Richtung auf die Alpenpässe zu be­wegte.

Die Blicke der Oeffentlichkeit in Deutschland und im Ausland richten sich nun immer mehr auf die Kanal- und Nordfeeküste. Man erwartet den Angriff auf England. Eine offizielle Nachricht betagt, daß sich Großadmiral Dr. h. c. Raeder schon von der Einsatzbereitschaft seiner in Holland, Belgien und Nordfrankreich stehenden Verbände gegen England überzeugt hat. Die resi­gnierten, aus Angst und Borniertheit seltsam ge­mischten Reden Churchills beweisen, daß Britan­nien in dumpfer Ahnung schon die Stunde der Abrechnung herannahen fühlt. Daher auch die ner­vösen Versuche der Royal Air Force, durch Ein- zelakttonen den gefürchteten deutschen Gegenschlag aufzuhalten. Diese Versuche, die beispielsweise gegen ein deutsches Schlachtschiff und gegen die Küsten­gebiete Frankreichs und Hollands unternommen wurden, sind sämtlich gescheitert. Wenn aber Eng­land glaubt, durch seine planlosen nächtlichen Born» barbierungen im deutschen Heimatgebiet ober durch die bei Tageslicht unternommene Beschießung west­fälischer Bauern das deutsche Volk einzuschüchtern, dann befindet es sich in einem katastrophalen Irr­tum. Churchill kann versichert sein, daß er mit feinen feigen Luftüberfällen auf nichtmilitärische Objekte genau das Gegenteil seiner Absicht erreicht-