IVl M11BWH II Hustenu.Heiserkei*
ublikumverkehrs und doch inmitten
Der Sreisleiker.
heil Hitler!
Keine Vergnügungsreisen in der Weihnachtszeit
Wieder Ausgabe von ZulaffungSkarten.
erwartet!
Darum, langen!
hinein In die Versa mm-
♦Wenn Augen versagen Magnus-Brillen fragen!
des gr<
des lebenswichtigen Geschehens im Bahnbetrieb.
Volksgenossen heraus zur öfsentlichen Versammlung!
Rockenberg: Lreisleiler pg. Zordan. Offenbach a. 2H Steinfurth: pg. Adolf Schnellrieder, Frankfurta.U Oberhörgern: pg. Wilhelm Syring, Frankfurt a.2H Trais-Münzenberg: pg. Schäfer, Heusenstamm Münzenberg: pg. Vieth, Bürgermeister, Friedberg (Hessen)
Riederweisel: Pg. Moritz Göbel, Frankfurt a.M.
Osthelm: pg. Eberhard von der Osten, Frankfurl a.M.
Obermörlen: Gauobmann pg. Willy Becker, Frankfurt a. 7N.
Feder deutsche Wann und jede deutsche Frau wird
Rach 15 Monaten Krieg um die Zukunft des deutschen Volkes finden im ganzen Reich Kundgebungen der Partei statt, in denen namhafte Redner unter dem Thema
„TNikunseren Fahnen istder Sieg!*4 alle die Fragen eingehend behandeln, mit denen sich heute feder Deutsche auselnandersehen muh.
Ls sprechen:
am Mittwoch, 2 7. Roveryber um 20 Uhr, in:
Butzbach: SA.-Vrigadeführer pg. Schwarz, Glehen Gambach: Srelsleiter pg. Hous, Wetzlar
Holzhelm: pg. Werner Rordmann, Wetzlar Grüningen: Kreislelter pg. Backhaus, Glehen
Griedel: pg. Hans Richter, Offenbach a. M.
Güterbahnhof in der Finsternis.
Ununterbrochen rollen Güterwagen gefpensterhast durch die Rächt
Führung unseres Abwel
nichtungswillen unserer L - —
schen Sieg und damit zur Durchsetzung unserer un. abdingbaren Lebensrechte in der Welt. Diesen Männern aus so gefahrvollem und verantwortungs. schwerem Posten in der Heimat gebührt unser aller dankbare Anerkennung. B.
büros gebührenfrei und in beschränkter Zahl aus» gegeben, um eine Ueberfüllung der Züae zu Der- hüten. Für diese bestimmten Züge müssen Fahrausweis und Zulassungskarte gelöst werden, sowohl für die hin fuhrt, als auch für die Rückfahrt, wenn diese von einem der noch bekanntzugebenden Bahn» hö.fe aus mit einem beschränkt freigegebenen Zuge an-getreten wird. Zulassungskarten sind keine Platzkarten mit Anspruch auf Beförderung oder auf einen Platz in der Wagenklasse des Fahrausweises, sondern dienen einer allgemein-en Steuerung des Reifeivevkehrs. Einzelheiten geben die Reichsbahndirektionen für ihren Bereich noch bekannt.
vom Rangierdienst in feder Minute zu rechnen haben — eine Selbstverständlichkeit. Wir aber als Laien stehen unter dem starken Eindruck der Schwere dieses Berufs, obwohl wir ja auch schon seit langem wissen, daß der Dienst aller Eisenbahner zu den schwersten Berufen zu rechnen ist Und unsere Bewunderung gilt besonders den Männern, die hier draußen in vorbildlicher Hinaabe für die Volksge. meinschaft unter stetem Einsatz ihrer Gesundheit, ja ihres Lebens auch in der Nacht tätig sind, um damit an ihrem Teile beizutragen zu der kraftvollen ■*" chrkampfes gegen den Der- Feinde bis zum vollen deut.
Der leitende Beamte des Bahnhofs macht stch mit uns aus zu dem langen und in der Dunkelheit wirk- l!ll) nicht einfachen Weg. Wir verlassen den Personenbahnhof und kommen in den Bezirk, der durch vielfach ineinander und übereinander laufende Gleiswege mit zahllosen Weichen unbi Signalein- richtungen gekennzeichnet ist. Fern am Horizont leuchtet noch ein winziges Zipfelchen des versinken- den Tages gewissermaßen als letzter Lichtblick in der starken Finsternis, die nun einmal bei der Verdunklung als zwingende Notwendigkeit auch für den Bahnbetrieb anzusehen ist. Vorsichtig wandern wir nebeneinander her, stellenweise auch im Gänse- marsch hintereinander, zwischen den Gleisen. Rechts und links von uns ist der Rangierbetrieb in vollem Gange. Lokomotiven schleppen viele Güterwagen hinter sich her, oder sie schieben oder ziehen kleine Abteilungen, ja einzelne Wagen über lanagestreckte Gleise und über Weichen und kurze Verbindungsstücke. Hell ertönen dazwischen die Pfeifensignale der Männer vom Rangierdienst, oder mehr oder minder laut deren Zurufe.
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Unsere erste Station machen wir auf der Befehlsstelle des Leiters des Güterbaynhoses. Völlig in der Finsternis verschwindend taucht dieses Dienst- aebäude vor uns auf. Nach dem Durchschreiten der Lichtschleuse an der Haustür finden wir im Innern in allen Räumen emsig arbeitende Menschen vor, die an ihren hellerleuchteten Schreibtischen einen Teil des geistigen Zentrums dieses Betriebs darstellen. Da es draußen bereits dunkel ist, können wir nicht selbst den Blick von der hochgelegenen Befehlsstelle üver den Güterbahnhof hinweg schweifen lassen, aber wir glauben es schon, nach Lage der örtlichen Verhältnisse, daß man von hier aus die Schwerpunkte des Rangierbetriebs ständig vor Augen hat. Der Leiter des Güterbahnhofes macht uns mit den elementarsten Grundsätzen des Betriebs bekannt, ohne deren genaue Beachtung durch alle Mitarbeiter bis herab zum Hemmschuhleger der ordnungsmäßige Ablauf aller Arbeiten nicht möglich wäre. Wir hören von den Bedingungen, die nach dem Eintreffen eines Güterzuges für dessen Aufteilung nach den verschiedenen Richtungen hin
Die Deutsche Reichsbahn muß auch in diesem Winter ihre ganze Kraft in den Dienst der Beförderung kriegs- und lebenswichtiger Güter stellen. Durch erhöhten Reiseverkehr über Weihnachten und Neujahr könn-te sie ihren großen Aufgaben für die Versorgung der Bevölkerung, der Wehrmacht und der Wirtschaft nicht gerecht werden. Die Reichsbahn bittet daher alle Volksgenossen dringend, alle Reisen, die nicht unbedingt nötig sind, besonders in EU- und Schnellzügen, in der Zeit vom 20. Dezember 1940 bis 5. Januar 1941 zu unterlassen, auf Urlaubs- und Vergnügungsreisen zu verzichten, mindestens aber solche Reifen auf den Nahverkehr mit nicht zuschlagspflichtigen Zügen zu beschränken.
Um den Fernreis-everkehr möglichst reibungslos durchzuführen, gibt die Reichsbahn an den Haupt- verkehrstagen auf bestimmten Bahnböfen, die noch bekanntgegeben werden, wieder besondere Zulassungskarten aus, die zur Benutzung vestimimter (EU- uni) Schnellzüge berechtigen. Die Zulassungskarten werden von den Fahrkartenausgalben und Reife-
In der Dämmerung eines beginnenden Novemberabends wandern wir zum Bahnhof. Unser Ziel liegt diesmal weit draußen im Bahngelände. Wir wollen die Männer auf den Stellwerken und im Rangierdienst zwischen den Gleisen bei ihrer nächtlichen Arbeit besuchen. Vorher verweilen wir einige Zeit bei dem leitenden Beamten des Bahnhofs, mit dem wir uns über unsere Wünsche und Erwartungen unterhalten. Währenddessen rollen draußen die Züge durch den Bahnhof, hören wir von fern Signale des Rangierbetriebs und vernehmen das an- und abschwellende Brausen der vielen menschlichen Stimmen, die dem starken Abendverkehr der von der Arbeit heimkehrenden Volksgenossen eine besondere Note aeben. Die Nackt senkt sich immer mehr hernieder. Ueberall wird die Verdunklung mit großer Sorgfalt vorgenommen. Bald kann man nur noch auf verhältnismäßig kurze Entfernung den Brennpunkt des Bahnhofsoerkehrs überblicken. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir uns auf den Weg macken hinaus zu den Männern abseits
und für die Abstellung der Waaen für örtliche Empfänger ober für ben Nahverkehr gelten; wir vernehmen interessante Gesichtspunkte, bie bei ber Zusammenstellung ber aus biesem Bahnhof abrol- lenden ©üteraüge genauestens zu beachten sind, wobei mit peinlicher Gewissenhaftigkeit barauf ge- sehen werben muß, welche Wagen für ben Nahverkehr unb welche Transporte für ben Fernverkehr in Betracht kommen; unb wir lernen auch erkennen, welche wichtige Funktionen bie Männer von der örtlichen Güterabfertigung sowohl bei der Ankunft, als auch vor der Abfahrt von Güterzügen zu erfüllen haben, wenn alles wie am Schnürchen klappen soll — was es unter allen Umständen muß! — und der Fahrplan ber Güterzüge, von bem Vorspann ber Lokomotive ab bis zum Verlassen bes Bahnhofes, nicht die geringste Beeinträch- tigung erfahren bars. Es ist ein fesselndes Privatissimum über den internen Betrieb bes Güterbahn- Hofs, bas wir jeboch an dieser Stelle in den Hintergrund treten lassen wollen. Unsere Schritte lenken wir wieder hinaus zum Außendienst.
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Weiter führt unser Weg hinaus in das von emsigster Arbeit erfüllte Leben und Treiben des nächtlichen Rangierbetriebs. Nach wie vor fauchen die Lokomotiven und rollen die Güterwagen, einzeln oder in kleinen Gruppen, vom Ablaufberg her über die verschiedenen Weichen in die zahlreichen Gleisstraßen hinein, deren jede ihre besondere Bestimmung hat. Dazwischen schreiten die Männer des Rangierdienstes an den Wagenkolonnen entlang und lösen mit langen Hebeln die Verbindungen, um dadurch die Wogen zur Verteilung auf die Gleisstraßen frei zu machen von dem langen Zug. Dazu sind die Rangierer tätig, die mit ihren Signalen bem Lokomotivführer bedeuten, was er je- wells zu tun, also zu brücken ober zu ziehen, und wie lange er seine Maschine unter Zug ober Druck au halten hat. Aber bie Männer zwischen den Gleisen sinb in ber Dunkelheit nicht allein auf sich ge- stellt. Ihre Arbeit hängt eng zusammen mit bem Wirken der Männer, bie hoch oben im oerbunfel- ten Stellwerk unermüblich mit geringen Hebelgriffen bie Weichen zu stellen haben, damit die Wagen oder Wagengruppen in bie für sie bestimmten Gleise gelangen können. Zwischen ben beiben Arbeitsgruppen erfolgt die Verständigung von Fall zu Fall durch entsprechenben Zuruf. Dennoch haben bie Männer im Stellwerk es nicht minber schwer als ihre Kameraben zwischen ben Gleisen, benn bort oben in dem Stellwerksgebäude, in das wir zwecks Umschau hinausgestiegen sinb, herrscht ber gleiche Cha- ratter ber Dunkelheit wie unten zwischen den Gleisen. Unter diesen Umständen stets mit absoluter Sicherheit den richtigen Griff an den Weichenhebeln zu tun, erfordert ein außergewöhnlich großes Maß von Sicherheit in der Bedienung der Apparatur und ein nickt geringeres Maß von Schnelligkeit des Entschlusses, gepaart mit höchstem Verantwortungsbewußtsein. Aber hier oben wie dort drunten zwischen ben Gleisen find alle diese Männer in bewundernswerter Art in ihren schwierigen Beruf und aus ihr harmonisches Zusammen- arbeiten eingespielt, sodaß die Wagen und Züge, unablässig über die Weichen donnernd, hin und her rollen können, bis sie schließlich an ihrem Endpunkt zur vorgesehenen Verwendung bereit stehen. Und so geht diese Arbeit nicht nur Tag für Tag, son
dern auch Nackt um Nacht unablässig weiter, zwar erschwert durch die Verdunklung, aber gemeistert durch bin vorbilblichen Einsatz aller bieser Männer.
Die Zeit ist mittlerweile weit vorgeschritten. Die Nacht schließt alles Geschehen in ihre Unburch- bringlichkeit ein. Mit uns stehen ber Leiter bes Bahnhofes unb der Vorsteher des Güterbahnhoses weit draußen fast am Ende ber Bahnanlagen zwischen ben Gleisen. Unseren beiden Begleitern vom Flügelrad ist dieser nächtliche Betrieb, Der in feinen Einzelformen mancherlei Gespensterhaftes an sich hat — wir denken hier z. B. an das plötzliche Austauchen heranrollender Güterwagen aus der Finsternis auf kurze (Entfernung, mit dem die Männer
Zer Wchkling aus Korsika
Homnn von Heinz üorenMambrecht
Nachdruck verboten.
I.
Es war beängstigend, es flößte Furcht ein. Viktor Gienant rann ein Schrecken durch den Körper, er griff nach dem Kops. Doch noch ehe er ihn fassen konnte, taumelte er und fiel. Er fiel nicht hort, er spürte nichts von einem Sturz, er sank und versank in eine beruhigende wohltuende Weichheit.
Was war denn nun? War er ohnmächtig geworden? Nein, denn seine ©lieber wurden ja noch immer von dem fürchterlichen Grauen gerüttelt. Es war aber auch eine ganz unheimliche Einbildung: Plötzlich, so ganz aus dem blauen Himmel heraus, das Augenlicht verlieren zu müllen. Die Knöpfe an den Uniformen der Kameraden hatten begonnen zu zerfließen und In der Ferne zu schimmern wie trübe Sterne.
Nun sah er wieder. Freilich wie durch Schleier zuerst. Aber es wurde rasch besser, olles nahm wieder feine wirkliche, nahe, feftumriffene Gestalt an. Die Kameraden plauderten wieder um ihn her, ihre Wasfenröcke glänzten von blanken Knöpfen, von Orden und Ehrenzeick^en und Epauletten; die Nacken der Frauen wuchsen zart und duftend aus den Kleidausschnitten-, der riesige Spiegel, der, aus einem Stück, die ganze eine Schmalseite des großen Festsaales einnahm, verdoppelte den langen Raum und olles, was er entgelt: Die Herren in Uniform und Frack, die Damen in großer Toilette, die strahlenden Kronleuchter, die Schlachtengemälde mit den Ruhmestaten des Regiments im glorreichen Jahr 1870/71.
Da kam auch Hans Lorring auf Ihn zu, sein Dataillonsodjutont, und fragte, ob er bereits für die Quadrille engagiert habe, unb ob fein Karree schon vollständig sei.
Doch, es war alles wieder In Ordnung. Mit jungen gesunden Augen sah er wieder In das bunte Gewühl des Regimentsballes, den bas Offizierkorps um bie Faschingszeit 1914 in ben Räumen bes Kasinos veranstaltete.
Unb dennoch war etwas nicht ganz In Ordnung. Höchst sonderbar! Ob es denn tatsächlich so etwas
gab wie ein früheres Leben? Ob man mehrmals lebte? Wie könnte man fönst der Einbildung unterliegen, daß man eine Szene, eine ganze Bege- benheit schon einmal erlebt hätte — genau mit denselben Worten, demselben Bewegungen, unter denselben Umständen, wie man sie im Augenblick erlebte! Es war gewiß vollendeter Unsinn. Wie sollte es denn in einem früheren Leben Frisuren ä la Kronprinzessin Cecilie gegeben hoben oder ein Gefecht bei Nuits, davon ein Gemälde dort an ber Längswand hing, oder Orbonnanzen mit bem Namenszug R. WI. auf ben silbernen flachen Knöpfen.
Uni) boch! Als Hans Lorring ihn eben anrebete, begann es. Genau diese Worte hatte Lorring schon einmal zu ihm gesprochen unb auch bamals hotte er die weißseidene Schleife bes Tonzorbens am linken Oberarm getragen. Unb alles folgcnbe — er hatte es schon einmal erlebt, ganz gewiß! Ja, er wußte sogar genau, wie unb mit welchem Inhalt sich der nächste Augenblick bem Dorangegangenen anreihen würbe. Sein Gehirn erlauerte die nächste Sekunde, und er war überrascht, als dann eintrat, was ihn kaum überraschen konnte, weil er es schon voraussah. Aber nur das überraschte ihn daran: daß es eintrat, daß feinem Gehirn vorübergehend Seherkraft innezuwohnen schien.
Er machte sich auf den Weg, Thea Jmmenhoff zu suchen, die ihm die Quadrille versprochen hatte. Aus bem Festsaal ging er durch bie kleine Innenhalle in ein hinteres Rauchzimmer, obwohl er — aus dem früheren gleichartigen Vorgang — wußte, daß sie sich nicht bort aufhielt, fonbern in einem links angrenzenden Klubzimmer, dos er unmittelbar von Der Innenhalle aus hätte erreichen können. Beim Durchschreiten bes Rauchzimmers glänzte ihm aus bem Glasschrank, in bem der Waffenrock Kaiser Wilhelms I., des ersten Chefs des Regiments, hing, fein Gesicht entgegen, und er fuhr sich gewohnheitsmäßig über den Scheitel, um oas olonbe Haar glatt 'zu brücken. Selbst biefe nebensächliche Geste, so fiel Ihm ein, hatte er in dem früheren Abrollen der gleichen Szene ausgeführt.
Jetzt muß ich also in das Klubzimmer, dachte er verwundert. Dort steht Thea bei einer Gruppe junger Offiziere. Aber es ist auch ein Herr In Zivil dabei. Doktor Mervinger. Und Mervinger hat eine besondere Bedeutung gehabt — damals, in jener
parallelen Begebenheit. Aber was für eine? Es iel ihm nicht ein, so sehr er auch fein Gehirst an- trengte. Eine gute war es nicht, nein, eine gute nicht. Mervinger bedeutete irgendeine Gefahr.
Wieso eine Gefahr? dachte Viktor weiter. Doktor Mervinger ist doch ein guter Bekannter von mir. Fast ein Freund. Er ist zwar um zehn Jahre älter als ick, unverheiratet, schon Besitzer einer bedeutenden Zellstvffabrik, er ist Reserveoffizier bei ben Bruchsaler Dragonern unb auf jeben Fall erstklassige Familie, anders würbe er ja gar nicht hier ein- geloben fein. Also wieso eine Gefahr?
Alles trat ein, wie er es von bem früheren Erlebnis her kannte: Durch bie zurückgezogene Portiere, bie bos Rauchzimmer vom Klubzimmer trennte, sah er Thea Jmmenhoff bei Doktor Mer- ofnger unb seinen Kameraben stehen. Sehr jung, sehr zart unb sehr scheu ftanb sie da und lieh mit einem verwirrten Lächeln all die schönen Redensarten der Leutnants über sich ergehen, lieber ber Hellen Stirn thronte in luftiger Frisur stumpfblvn- bes Haar, die blauen Augen hatten noch ben träumerischen Glanz der Mädchenjahre. In dem schneeweißen Abendkleid mit Schleppenansatz — bem ersten, bas sie besaß! — glich sie einer jartgllebrlgen Puppe, einem zerbrechlichen Spielzeug.
Nun wirb sie mich gleich entdecken, sah Viktor Gienant weiter voraus, sie wird sich mit einem Aufatmen aus der Gruppe lösen und mit einem befreiten Lächeln auf mich zukommen. Sie wird wie hilfesuchend meinen Arm nehmen und lauter kleine scheue Satze flüstern, die nur für mich bestimmt sind. Das alles wird sehr schön sein.
Thea Jmmenhoff wandte ben Kopf unb sah ihn. Sie hob ein wenig beibe Hände nach ihm hin, lief fast auf ihn zu und hing sich an ihn. Die scheuen, kleinen Satze kamen.
„Oh, Viktor, endlich sind Sie wieder da! Schrecklich steif ist es hier ... All diese Uniformen machen mir Angst ... Ich glaube, ich würde im Geben feine richtige Offiziersfrau abgeben ... Sieben Sie diese Art von Gesellschaften? Ich nicht. Ich reite lieber mit Ihnen aus ... Ach, all diese schrecklichen Nackenausschnitte! Man weiß gar nicht, wo man Hinsehen soll. Ich finde es schrecklich. Verzeihen Sie, daß ich davon spreche ... Finden Sie eigentlich mein Kleid annehmbar? Ich kann mich gar nicht an die langen Röcke gewöhnen. Und erst die Schleppe! Ich lebe in ständiger Furcht, mich
hineinzuverheddern und hinzufallen. Furchtbar, Viktor, das können Sie mir glauben ... Morgen wollen wir wieder zusammen ausreiten, ja? Dai ist bann meine Entschädigung für heute. Morgen... Oh, was ist das? ,Carmens Die Quadrille?"
Viktor lauschte entzückt. Was für ein wundervolles Geschöpf, diese zarte kleine Thea! Und er allein von all seinen Regimentskameraden, von all ben reichen Söhnen ber Mannheimer Finanz unb Inbustriearistokratie, er allein war ber Auserkorene. Was für ein Glückspilz er boch war!
An ber Tür nach einem vorberen Durchgangszimmer erschien Theas Vater, englischer Diplomaten fopf mit sübbeutsch gemütvollem Einschlag. (Ein paar Orden auf dem gut geschnittenen Frack, einer sogar unter der weißen Schleife am 5)als. Besitzer großer Kohlengruben und Eisenwerke an der Saar. Ein gewaltiger Krösus. Wahrhaftig, Viktors Glück war gar nicht auszudenken. Er selbst war von Haus aus arm wie eine Kirchenmaus. Sein Vater. Preuße, war Derwaltungsbeamter in Straßburg, die Mutter, Französin, schwärmte für Paris, Nizza, Cannes unb hatte auch sonst große Allüren, deren Erfüllung bem alten Herrn nicht eben leicht fiel, zumal außer Viktor noch drei Kinder da waren. Da blieb für den Leutnant nur ein Monatswechsel von hundert Mark. Verdammt wenig für einen jungen lebenshungrigen Offizier der Kaiser-Wilhelm- Grenadiere, bei denen jeder zweite Offizier guter alter Preußenadel war!
Kommerzienrat Jmmenhoff nickte den beiden wohlwollend zu und verschwand wieder. Er wußte sein spät geborenes Nesthäkchen bei Viktor Gienant wohl in bester Hut. Er konnte sich getrost in irgendeine Alteherrenecke zurückziehen, wo man ihn mit Tanzverpflichtungen verschonte.
Ja, die Musik hatte einige Takte aus der „Carmen" gespielt, als Aufforderung, sich zur Quadrille aufzustellen. Thea am Arm. begab sich Viktor nach dem großen Spiegelsaal. Diesmal benutzte er das Durchgangszimmer, aus dem eben der Kommerzienrat aufgetaucht war, den sogenannten Vortrags- faal, der feinen Namen von ben Kriegsspielen unb Vorträgen hatte, die im Winterhalbjahr darin ob- gehalten wurden An einer Wand hingen die Bild' nisse der bisherigen Kommandeure des Regiments, dasjenige des bei Nuits gefallenen Obersten war von einem Lorbeerkranz umrahmt.
(Fortsetzung folgt.)
und deshalb ein für allemal Die Schuhe putzt man mit
Erdal


