2Z./24. November Mü
Tod!
Porte,
Chrenfrie-hofe im Westen
Aus der Stadt Gießen
Der Photo-Schaukasten.
Un.
sich formte.
schäft am Schilf im
weiter bergen.
Wundersam verwandelt scheint nun alles in sem vorwelthaft anmutenden, vom Urhauch
die. der töd-
Tod, Tat, Leben.
Das ist eins der ernstesten und schwersten das über unsere Lippen und durch unsere
hatte. Da hörte er, als er die Augen öffnete, bte Stimme seiner Mutter. Sie saß an seinem Bett und hiell seine Hand. Ihm war, als sähe er seine Mutter zum erstenmal, und in einer tiefen Menschenseligkeit erbebte er durch und durch, wie keine Todesnot, keine Kampseswut und kein Elend seines Leibes ihn jemals hatte erdeben lassen. Sie fragte ihn dieses und jenes, wie nur eine Mutter fragen kann, nicht auf eigene Antworten bedacht, nicht auf Einwände oder auf Widersprüche noch auch nur darauf, daß ihre eigenen Empfindungen zur Geltung kommen möchten. Er sprach zu ihr, und ihm war zumut als schritte er wieder als Knabe durch den Wald und sänge sich sein junges Herz frei unter den Wohltaten und in der Ruhe der grünen Bäume. Er gewahrte darüber, daß die furchtbaren Kriegserlebmsse seiner letzten Lebenszeit ihr Grausen verloren hatten, er wußte keine Einzelheiten mehr, fern am Horizont stand ein düsteres, grollendes Flammenbild Als er von seinem Erleiden sprechen wollte und in die Augen seiner Mutter sah, erkannte er, daß sie alles wußte, und schwieg, denn mehr als eine Mutter fühlt, kann niemand sagen.
Da man über seinen Zustand anders dachte wie er selbst, so war sein Freund benachrichtigt worden, der in der Heimat weilte, und da er nicht herzu- eilen konnte, um den Verwundeten zu besuchen, schrieb er ihm einen Brief, in dem unter mancherlei anderem die Worte standen:
„Erinnerst Du Dich des strahlenden Sommers, der uns, bevor der Krieg ausbrach, auf dem Lande vereinte, und der Sonnentag am Fluß? Wie wir das Helle Wasser durchschwammen und am andern Ufer die beiden Mädchen überraschten, das weiße und das rote, die schreiend und lachend durch die Weiden flüchteten und ihre Strohhüte zurückließen? Wir teilten die willkommene Beute, deren breite Ränder unseren Stirnen Schutz gegen die Mittagssonne boten, und lagen lange im hohen Schilf in der heißen Mittagsglut, ließen die Stunden verstreichen, wie ein gütiger Gott sie sandte, und das Himmels- licht durchqlühte unser Blut. Es war so ruhig, daß man die Flügel der Libellen in der Luft schwirren hörte, und über der glitzernden Flut am Horizont unter den Bergen hob sich der Kirchturm aus den Dorfhäusern.
Das Dorf lag in den sanften Wellen der Kornfelder, eingebettet wie in die Hoffnung auf sein Brot, und die Rohrspatzen riefen im Mittag. Laß das Glück dieser Stunden ein helles Bild der Hoff.
kamen durchweg schlecht weg, während die Jungmännergesichter schwärmerisch als „91^15 groß", als „verführerisch", als „unwiderstehlich", als „rassig"
den ist. , , , 1 / v , - ,
Schon auf dem Gefechtsfelde ragten die einfachen I weiterbauen muß.
Hetzt sparen J 'W' sPät
ragen, die anzuschauen sind wie buschige Inseln auf einer zugeschneiten Fläche. Die waldigen Höhenrücken am jenseitigen Ufer drohen schwarz und düster gleich finsteren Wolkenbänken, die wilde U..
Gletscher durchdunsteten Revier, über das eine liche Stille gebreitet ist — eine Stille, die jener vor Aeonen gleichen mag, als aus Urnebeln diese Welt
nung in Dein genesendes Herz sinken. Alles wird nun, schöner und freier, für Dich wiederkehren ..."
Als dieser Brief den Ort seiner Besttmmung er» reichte, war der verwundete Mann gestorben. Eine barmherzige Schwester überreichte ihn stumm der Mutter, als sie Abschied von ihrem Sohn nahm. Da hob sie die wächsernen Hände, die auf der Brust lagen, und schob den Brief darunter, denn sie dachte sich, er gehört ihm. So hatte es den Anschein, als drücke der Tote das unvergängliche Lebensblatt an sein ruhendes Herz, das Bild der strahlenden Land- Fluß, die lachenden Mädchen und das sanften Sommerwind.
ein gutmütiges Lächeln, einen verliebten Schelmenblick wahrscheinlich nach dem geliebten Mädchen, der fungen Braut hin. Die Köpfe der jungen Menschen in Zivil verrieten deutlich die Absicht, irgendwie sieghaft, bezaubernd, begehrenswert zu wirken. Da bohrte einer über den fest verschränkten Armen seinen starren Blick auf den Beschauer, als fordere er von ihm, aus dem Wege zu gehen; ein anderer hatte den linken Arm aufgestemmt und sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger geklemmt, als bedürfe die Denkerstirn dieser Stütze; die Mehrzahl der Mädchen lachte mit Augen und Mund, oft blitzte eine Perlenreihe tadelloser Zähne aus; bei vielen wirkte der Augenaufschlag nach oben, manchmal bei leicht gesenktem Gesicht, schauspielerisch, man erkannte das Bemühen, große Augen zu haben; eine stützte beide Arme auf und lehnte die rechte Wange an die verschränkten Hände, wobei sehr dekorativ der Ring an einem Finger zur Geltung kam. Am natürlichsten sahen die Kinderbilder und Aufnahmen von Säuglingen aus.
Meine stille Betrachtung wurde durch ein paar Mädchen gestört, die hinter mich getreten waren und mit zustimmenden und abfälligen Worten an den Bildern Kritik übten. Die Mädchenbildnisse
Nachtnebel.
Von Kurt H. Kauffmann.
Mannshohes Schilf und dichtstehende Binsen, ein undurchdringliches, ewig im Winde raschelndes, wisperndes Ried, in dem die Wafservögel quarren und quäken, begrenzen westwärts zum ehemals vulkanischen Hegau hin den Bodensee, der in diesem Endteil Ueberlinger See heißt, zum Unterschiede von dem großen Obersee.
Hohe, mit dichten Wäldern bestandene, von schmalen und stellen Schluchten gespaltene Bergzüge, auf deren höchsten Kuppen tausendjährige Ruinen und alte Burgen stehen, umschließen das einsame, fjordähnliche Gewässer, dessen abgründige Tiefe einst die alten, die ganze Landschaft zerklüftenden Gletscher, die von den Alpen niederwuchteten, in titanischer Gewalt aufrissen.
Unendlich weit gen Westen bis an den Fuß der den Horizont begrenzenden Höhenzüge dehnt sich eben wie eine Tafel der alte, seit Jahrhunderten verlangte See, heute ein mooriger und wasserreicher, von quellenden Rinnsalen durchzogener Grund voll fetter, üppiger Wiesen, in denen wie in einer Parklandschaft Gruppen großer Weidenbäume, buschige Inseln von Erlen und riesige, schlanke Pappeln itehen, in deren schwindelnd hohen Gipfeln vielfach Krähen reiften.
Wie weit man auch sieht, es ist eine stille, verträumte Landschaft voll wehmutsvoller Schönheit, weit entrückt aus allem lauten Getriebe der Welt. Wenn es dämmert, tritt das Wild aus den Wäldern und äst auf den einfanten Wiesen, und auch die Füchse schnüren durch das Gelände auf der Suche nach Raub; ihr heiseres Bellen mischt sich mit dem
Am meisten lassen sich die Menschen bei besonderen, zumal festlichen Anlässen, wie beispielsweise Familienfeiern photographieren. Man ist in netter Gesellschaft beisammen, wie nicht alle Tage, und wünscht sich darum ein Bild von ihr. Dagegen sind Einzelaufnahmen vornehmlich im jugendlichen Alter beliebt. Sobald junge Menschen heimliche Herzenswünsche aufglühen fühlen, sobald die Sehnsucht erwacht, zu ihrem Ich das ideale Du zu finden, und sie darum mit Sorgfalt und mehr oder weniger Eitelkeit ihr Aeußeres zu pflegen beginnen, gehen sie eines Tages zum Photographen. Sie wollen ein schönes Bild von sich, ein Bild, das sie so anziehend und begehrenswert erscheinen läßt, wie sie sich selber im Spiegel sehen. Sie kennen vorn Kino her soviel charakteristische Männer- und anmutige Mädchengesicher, daß sich viele geradezu auf ihren Lieblingstyp, wenn auch oft unbewußt, zurechtmachen. Sie haben Aehnlichkeiien zwischen sich und dem Schauspieler auf der Leinwand entdeckt, und wenn sie auch reicht davon träumen, ein Glanz zu werden wie er, die Haare lassen sie sich ebenso schneiden wie er, die Friseur ebenso formen wie sie.
Ich sah mir, während ich auf einen Bekannten wartete, in einem Straßenschaukasten eines Photographen die Bilder an. Es waren viele Soldaten-
Srrzen geht. Wie trostlos und hoffnungslos, wenn r Tod rücksichtslos das Liebste und Letzte nimmt, «as ein Mensch auf Erden noch hat! Wer das Zcid und die Klage der Menschen kennt, der weiß, dcß es um den Tod etwas Bitteres, etwas Grau- jornes, etwas Furchtbares ist.
Und doch hat sich das Menschenherz mit dieser Tllsache nicht zufrieden geben können. Als ob es ahnte, daß das doch noch nicht der ganze lob sei! Daß zum Tode doch noch eine andere &ite gehöre, die wir nicht immer gleich erkennen Mb sehen, weil sie sozusagen hinter dem Tode liegt, jamm sagt der Dichter mit Recht vom Menschen: , . beschließt er am Grabe den müden Lauf,
noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf!" Sind doch auch die Kränze, mit denen wir die Gräber schmücken, eigentlich Siegeszeichen und Lebenssymbole, ebenso wie die Kreuze,
Krieger zu fordern. Ist doch mit ihr dem Soldaten selbst am letzten gedient. Nicht nur die harte Notwendigkeit, alle verfügbaren Beförderungsmittel für den großen Kriegszweck und für den Sieg einzusetzen, verbietet die Heimführung schon ohne weitere Begründung. Sondern draußen ist alles getan, um in würdigster Form die gefallenen Soldaten zu ehren und ihnen jene heilige Stätte der ewigen Ruhe zu gestalten, die dem wehrhaften Manne
von einem Hause zum andern zu gehen. Aber in dunkler Nacht ist es schon anders, oder gar als Spähtrupp in unbekanntem Gelände den gutgetarnten Feind aufzuspüren und nicht zu wissen, ob er uns nicht aus einer verborgenen Bodenwelle belauert, das erfordert Mut und Vertrauen. Auch der Tod ist ein Gang in unbekanntes Gelände. Da hilft es uns, wenn wir erst selbst Gräber unser eigen nennen, Gräber, über denen das Zeichen des Lebens steht, Gräber, über denen der unvergängliche Sonnerealanz einer unsterblichen Tat leuchtet, Gräber, um Die nicht das Dunkel des Todes, sondern das Licht des Lebens flutet.
Daß es solche Gräber gibt, das wissen wir feit dem großen Weltkrieg, wo aus den Gräbern der
In einer Betrachtung zum Totensonntag führt Oberstleutnant M a 11 h a e i in der vom OKW. herausgegebenen Zeitschrift „Die Wehrmacht" aus, daß vor das innere Auge nun neben den unzähligen und unscheinbaren Kreuzen derer, die v 0 r 25 Jahren im blutigsten aller Kriege fielen, die rischen Grabstätten derer treten, die seit 15 Monaten in Ost und Nord und West, in den Fluten der endlosen Gewässer und in dem erbittert umstrittenen Luftraum beim Angriff den stolzen Soldatentod starben. Dort aber, wo ihn das feindliche Geschoß zu Boden warf, dort, wo Wind urzd Wasser und Erde in seinem Blute sich röteten, dort hat er das letzte Opfer gegeben und dort soll auch die Stätte sein, die die irdische Laufbahn des Soldaten für immer beschließt.
So still, wie er gefallen, so still mag der Krieger da ruhen, mitten unter seinen Kameraden. Aufrecht und in der ganzen Erhabenheit des großen Opfers soll Deutschland fern den Gräbern seiner Gefallenen stehen, und der persönliche Verlust mag niemanden verleiten, die Heimholung der toten
o?oT barunter, ta Ä 5# und charakterisiert würben. Ich sah mich um: es lächcl- Schneid nur so ausstrahlten. Einzelne zeigten auch ten mich Kmdergesichter an ... 1 •
Stadtthealer Gießen.
Am heutigen Samstag wird der große Operetten- Erfolg „Der Tanz ins Glück" von Robert Stolz wiederholt. Die musikalische Leitung hat Arthur Apell, die Spielleitung Harry Grüreeke. Tanzlettung: Irmgard Trömel. Chöre: Nadine Galla. Außer Miete.
Am Sonntagmorgen findet die 3. Morgenveran- taltung statt. Dem Charakter des Tages entsprechend kommt folgendes Programm innerhalb des Zyklus „Deutsche Kammermusik" zur Durchführung: Händel, Sonate in g-moll; Brahms, Vier ernste Ge änge; Beethoven, Streichquartett c-moll. Es wir- ken mit: Ilse Winhold (Alt), Otto Söllner am Flu- qel und das Streichquartett des Städtischen Orchesters: Franz Kerzisnik, Karl Jost, Paul Blümers, Ernst Schneider. Joachim Ernst tragt „An die Gefallenen" von Weinheber vor.
Am Sonntagabend wird zum letzten Male bte große Oper von Verdi „Die Macht des Schicksals" wiederholt. Es war notwendig, bei den seitherigen Aufführungen wegen Zeitmangels einige Streichun- gen in der Oper vorzunehmen, damit die Besttm- muregen für den Deranstaltungsschluß eingehalten werden konnten. Am Sonntag wird nunmehr das Werk unverkürzt, wie in der Erstaufführung, gespielt werden können. Die musikalische Leitung der Oper und die Einstudierung des großen Extra- sinqchores hat Otto Söllner, die Spielleitung Intendant Hans Walter Klein. Bühnenbilder: Karl Löffler. Chöre: Nadine Galla. Tanzleitung: Irmgard Trömel. Außer Miete.
Gießener Vortragsring.
Dm Rahmen des Gießener Vortragsringes wird auf Einladung der Dolksbildungsstätte Gießen, des Goethe-Bundes Gießen, der Kulturellen Vereinigung (fr. Kaufmännischer Verein) und der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde am Montag, 25. November, der Direktor der Zoologischen Sammlung des Bayrischen Staates in München, Universi- tätsprofefsor Dr. Hans Krieg» über das Thema „Zu den Indianern des Gran Chaco (Südamerika)" sprechen.
Ortszeit für den 24. Ttovember.
Sonnenaufgang 9.03 Uhr, Sonnenuntergang 17.20 Uhr. — Mondaufgang 2.17 Uhr, Monduntergang 14.48 Uhr.
Ortszeit für den 25. November.
Sonnenaufgang 9.04 Uhr, Sonnenuntergang 17.19 Uhr. — Mondaufgang 3.35 Uhr, Monduntergang 14.48 Uhr.
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Stadtcheater: 18.30 bis 21 Uhr „Der Tanz ins Glück". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die unvollkommene Liebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstratze: „Wie konntest du, Veronika". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung W. Jmkamp im Foyer des Stadttheaters.
Tageskalender für Sonntag.
Deutsches Frauenwerk: 15 Uhr in der Universitätsaula Literarische Feierstunde, Clara Nordstrom lieft aus eigenen Werken. — Stadttheater: 1L30 big 12.30 Uhr Kammermusik; 18 bis 22 Uhr „Die Macht des Schicksals". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die unvollkommene Liebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wie konntest du, Veronika". — Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr Ausstellung W. Jmkamp im Foyer des Stadttheaters.
Literarische Feierstunde des Deutschen Frauenwerks.
Zugunsten des Winterhilfswerks findet am morgigen Sonntag eine literarische Feierstunde statt, die vom Deutschen Frauenwerk veranstaltet wird. Bei dieser Feier wird die Dichterin Clara Nord- st r ö m aus eigenen Werken lesen. Im Gegensatz zu der Ankündigung vor einigen Tagen ist der Beginn der Feierstunde auf 15 Uhr anberaumt worden.
Gefallenen unser neues Leben erstand. So gibt es allezeit Gräber, von denen der deutsche Dichter — Borries von Münchhausen — sagt:
„Je länger du dort bist, Um so mehr bist du hier, Je weiter du fort bist, Um so näher bei mir. Du wirst mir notwendiger Als das tägliche Brot ist. Du wirst mir lebendiger, Je länger du tot bist!"
Da ist dem Tode wahrhaft die Macht genommen und ein neues Leben ans Licht gekommen. Da ist aus dem Tode durch rechte Tat das wahre Leben geworden. Das ist unser Glaube. M.
Schmalen der Rehe. Es sind dieses seltsam melancho, lisch stimmende Laute, die einem die Einsamkeit und Weltenferne dieser Landschaft noch bewußter machen.
Dieses entlegene, weithin nur spärlich besiedelte Gelände ist im Herbst nach Sonnenuntergang der Tummelplatz der Nebel. Sie steigen aus dem (Uten sumpfigen Seeboden gleich den bleichen, weißen Dämpfen unterirdischer Geysire. Schwer und träge haften sie zunächst am Boden wie ein dicker milchiger Brei. Allmählich lösen sie sich von der Erde. Der sacht wehende Abendwind spielt mit ihnen, lockert ihr dichtes Gewebe und weht sie spielerisch hierhin und dorthin. In wundersam geformten Schwaden, in rauchigen Dünsten, in dichten Schleiern wogt und wallt es allenthalben. Die weiß- graue gestaltlose Masse, der in der Nachtkühle erkaltende Atem des uralten Sees tief da drunten, beginnt auf einmal zu leben und gerät in immer heftigere Bewegung.
Höher heben sich die Nebel und umschweben Busch und Baum. Im Geäst verfangen sie sich gleich zarten Gespinsten. Ein Gleiten, Schwanken, Schweben und Weben überall. Immer dichter und hoher werden die Gesträuche. Niedriges Gestrüpp ist bereits in dem grauen Gewoge ertrunken. Wo es einst stand, ist jetzt eine graue Leere, das Nichts. Verschwunden ist, was eben noch war, als wäre es , fortgezaubert.
Höherragende Gebüsche und die großen Bäume recken sich noch aus den milchigen Dämpfen, in die zu versinken sie sich zu wehren scheinen. Ihre Aeste greifen wie die verzweifelt ausgestrecken Arme Ertrinkender in die Luft. Doch unablässig steigt die graue Flut. Immer spukhafter und gespenstischer wird das Bild, das der inzwischen aufgegangene Mond nun hell mit silbrigem Licht bescheint. Ringsum eine dicht geschlossene, fast schneeig weiße Masse, aus der vereinzelt Wipfel versunkener Bäume
Le mir über ihnen errichten. So steht auch am ' Grabe noch mutig und getrost der Glaube an das ! Leben. Und nicht bloß die fromme Seele denkt sk, nein, auch die kämpferische, heldische Seele um ftrer tapferen Kämpfer da draußen fühlt und emp- ■ fftdet ebenso, wenn wir das Bekenntnis verneh- : .Jien: „Wir werden sie ja alle wiedersehen, das ist reine felsenfeste Ueberzeugung, zu der ich mich ' md) vielen Erfahrungen mit Hilfe Gottes durchge- fingen habe, und die aufgebaut ist auf wirklichen Erlebnissen, und so fest ist, daß ich hoffen kann, s; bleibt auch und entwickelt sich immer schöner Jüb herrlicher." (Fliegerleutnant Heinrich Gonter- wann t)
Derselbe Glaube also auch da, wo Männer serben im Kriege. Und woher kam ihnen solcher Glaube? Gewiß nicht aus frommer Gewöhnung «lein, wenn mir bedenken, daß es die schmerfte Zewährungsprobe ist, die in der Todesstunde von 113 gefordert mirb. Ob mir dann sterben können ad mie mir sterben, darin zeigt sich unsere innere rast oder Ohnmacht. Da bittet ein tapferer Kämp- r in feiner ernstesten Stunde nicht um Derscho- iing oder Erhaltung, „aber um das eine bitte ich ch, lieber Gott, laß mich recht sterben! Nicht it einem Wimmern auf den Sippen, auch nicht it einem letzten Jammern im Herzen! Um einen ohere, glückhaften Soldatentod bitte ich dich" ... InD ein anderer bittet: „... Gott, laß uns siegen! red menn ich fallen soll, nimm dich der Meinen 'n und laß mich als einen anständigen Kerl faire, menn es fein muß ..." So mar ihre letzte ' rrb größte Sorge nicht der Tod, sondern d i e "echte Tat. Sie ahnten etmas davon, daß der ob allein überrounben merben kann durch die Tat. !ebkr dem Tod steht die Tat!
Tat! Das ist bas, erlösende Wort, das den Tob toerminbet. Als am 17. April das beutsche Volk tircf) ben Wehrmachtbericht Kunde davon erhielt, biß bei ber helbenhaften Verteidigung von Narvik I ir Führer der kleinen Zerstörerflottille, Kommo- ! bre B 0 nte, in heldenmütigen Kampfe gegen «»redliche Uebermacht mit seinem Boot unterge« Lingen war, „da haben mir .die Flaggen mieber virgeheißt, und über der Trauer steht der Stolz, Die über dem Tod die Tat steht. Der Tod hat keine sttacht über ben Helden Lebt er nicht weiter in n Gesprächen ber Männer am Ruder, am Ge- hütz, im Maschinenraum? Kennen mir chn nicht in Rauschen des Nordmeeres? Es ist etmas Seltenes um ben Tob eines Kameraben, der durch die • at über uns und über sich selbst hinaus rnuchs"...
Ja, über dem Tod steht die Tat! Das gilt wahr j nb wahrhaftig von allen, die durch die tapfere at den Tod und feine Schrecken überwunden ab en. Sie leben, ob sie gleich gefallen sind. In 5 manchem, jungen deutschen Soldaten wird durch eser Helden Beispiel und Vorbild der Grundstein im Tapfersein und zum Ausharren gelegt.
Leben! Darum glauben mir reicht an den Tob, Indern burch .die Tat an bas Leben, das nter dem Tode steht und das stärker ist als ber Bob. Freilich müssen mir erst Ohren und Sinne »kommen für diese neue mafjre Welt des Lebens, , e uns noch so ungernohnt ist, oft so erschreckend inb beängstigend. Es gehört weder Kunst noch :7ut dazu, am hellichten Tage auf ebener Straße
Holzkreuze mit dem Namen empor, sie schmückten Blumen und der durchschossene Stahlhelm, und bereits in ber brüten Woche nach bem Beginn ber großen Schlacht in Frankreich erstanden draußen im Westen die Ehrensriebhöfe, in benen die Toten gebettet mürben. Große meiße Kreuze, sauber gearbeitet unb mit leuchtender schwarzer Schrift versehen, Blumen und mündige gärtnerische Anlagen kündeten von meither den Ruhm derer, die hier in Reih und Glied nebeneinander liegen unb letzte Zeugen bes großbeutschen Freiheitskampfes für alle Zeiten bleiben merben.
Wenn am Ende des Krieges die Grenzen sich öffnen, dann mag der tausendfache Strom der Angehörigen sich hinausergießen in die Ehrenha i n e, die vom polnischen Raum über die Schneefelder Norwegens, an ben Dünen des Kanals, der Nordsee unb bes Atlantischen Ozeans entlang unb in den westlichen Ländern bis hinab zum Rhonetal und zur spanischen Grenze den hart erftrittenen Sieg Großdeutschlands auch fernen Geschlechtern noch sinnfällig machen werden: Denn in ihnen liegt die ewig sichtbare Verpflichtung, das zu erhalten, was sie mit ihrem Blute einst erkämpft haben. Dann erst werden sie ruhig schlafen, die Toten der groß- deutschen Wehrmacht, weil sie wissen, daß Deutschland ihres Opfers sich wert gezeigt, wenn sie wissen, daß nicht kleinmütige Trauer und selbstischer Schmerz diejenigen verzehrt, die die Wirkung ihres Opfers für Kind und Kindeskind in seiner ganzen imnje zu gejiauen, uit -------.1 Gröhe erst erfahren werden sondern daß groß-
ziemt, menn er auf dem Felde Der Ehre geblie- herziger Stolz und em eisenharter Wille das Ge- - - 1 schlecht erfüllt, das auf ber Grundlage ihres Opfers
Der letzte Brief.
Von Waldemar Bonsels.
Bei den schweren Kämpfen in Frankreich, im Frühjahr dieses ruhmreichen Jahres riß ein Granatsplitter dem jungen Gefreiten bie Seite auf, es war nur ein Streifschuß, ber ihm viel Blut, aber nicht e: nmal die Besinnung kostete. Er sah in ber Morgendämmerung einen Kameraden auf bem Verbandplatz unb lächelte ihm zu. „In die Heimat", sagte er mit blassen Lippen unb hob bie Hanb nach Osten. (’»2luf Wiebersehen", fügte er hinzu.
Abel^ie Heilung nahm einen langsamen Verlauf, unb man konnte ben Verwundeten erst nach Wochen MM Feldlazarett in die Heimat befördern. Der $ug fuhr ohne Eile nach Norden, unb der Kranke sch die Berge und Bäume am Fenster wandern und vußte bald, daß es wieder deutscher Boden mar, Iber ben er dahinrollte, unter deutschem Himmel mb im lauen Frühlingswind, ber bie Wiesen seiner Heimat berührt hatte. Es ging weit bahin, bis m e ner frühen Morgenstunde die Luft einen herben (>alzgeruch und die Frische der Meerweite über V in schmales Lager wehte. Er hatte bas Meer , Hernals gesehen, unb sein Gruß mutete ihn zugleich frembartiq und wohltuend an, ihm war, als cb sein Herz sich in einer ganz neuen Freiheit Der Hoffnung weitete.
Seine WunDe schien zu heilen, langsamer zwar md nicht auf jene sichere Art, Die er wie ein selbst- rerständliches Recht seiner Jugend erwartet hatte, ; mb zuweilen verwunderte ihn Die bedächtige Sorgfalt unb Die zurückhaltenDe Ermutigung seiner Um- ! cebung. Mit welch eigenartigen EmpfinDungen Der (Erinnerung roerDe ich später an Diesen weißen Saal nit seinen großen Fenstern zurückDenken, ging ihm iurtf). Den Sinn, an Das wechselnd Licht an Den Scheiben, an Die unpersönliche unD Doch so innige । ^reunDlichkeit Der fremDen Wohltäter und an mein schmales, leichtes Bett zwischen Den anDeren Betten. Denn bisweilen Die Fenster geöffnet wurden so forte er Hähne krähen, Die Sperlinge schrien in Der Morgendämmerung, und einmal sang eine ■ümja <mf Der Spitze eines Birnbaumes, dessen Zweige sich Kor seinen Äugen im Himmelslicht bewegten.
Einige Tage nach seiner Einlieferung m das neue ! Lazarett erwachte er gegen Mittag aus emem träum, in Dem er ein LieD von unvergeßlicher «utze ter Schwermut unD Des Heimwehs vernommen


