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(90. Jahrgang Nr. 200

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Gietzener Anzeiger

mwSS&w General-Anzeiger für Oberhessen S*lei<6<ns..«raS<

Engländer ironisieren sich selbst.

Oer eine einsame Stimme in der Wüste.

Von unserem Or. A.-Korrespondenien.

Lissabon, im August 1940.

Jeder, der einen Blick in die englischen Zeitungen dieser kritischen Tage und Wochen werfen kann, ersieht schon daraus die verheerenden Wirkungen, die die schweren Schläge dieses Frühjahrs und Sommers in der Seele des englischen Volkes an­gerichtet haben. Sorge und Verzweiflung spricht aus jedem Blatt, das man ausschlägt, ttotz aller Bemühungen der Zensur und der amtlichen Pro­pagandastellen, und die Beteuerungen von der uner­schütterlichen Stärke und dem Siegeswillen, die zwischen den beunruhigenden Nachrichten stehen, klingen wie das scheinbar unbekümmerte Flöten des einsamen Wanderers im dunklen Wald, der seine Angst vor sich selber verbergen möchte. Dabei ist der Zeitungswald von einer Einförmigkeit, die er­schreckend ist. Nur die Riesennamen auf der Titel­seite und vielleicht noch die leichten Unterschiede in Papier und Druck lassen die einzelnen Blätter auseinanderhalten, inhaltlich sind sie nicht mehr zu unterscheiden. Selbst dieTimes", die immer noch eine bevorzugte Behandlung bei der Papier­zuteilung genießt und äußerlich ihr Gesicht am wenigsten verändert hat, hat sich ihres Charakters als unabhängiger Mahner und Wächter begeben und sich zum willen- und charakterlosen Megaphon der Propaganda-Piraten desJnformationsministers" Duff Cooper und seines Schildknappen Harold Ni- colson gemacht. Wie weit zurück scheinen die Tage zu liegen, in denen kurz vor Kriegsausbruch ein maßgebliches Mitglied derTimes"-Schrist- leitung dem Schreiber dieser Zeilen versicherte, die Hauptpflicht des anständigen Journalisten und des seriösen Blattes vom Schlage derTimes" in dem nun wohl unvermeidlichen Konflikt werde es fein, vom ersten Tage an und ohne Rücksicht aus die scheinbaren Notwendigkeiten des Kampfes auf billige und gehässige Polemik zu verzichten und alle Kraft aus die geistige Vorbereitung eines anständigen und gerechten Friedens zu konzenttieren. Wenn man unter diesem Gesichtspunkt die Spalten der Times" in den Monaten seit Kriegsausbruch an­sieht, kann man nur sagen: der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert!

Auch der englische Humor ist, wenn man nach der Presse urteilen darf, ein Opfer des Krieges gewor­den. Nur ein einziges Organ zeigt hin und wieder Spuren seines alten Freimutes, seiner alten Un­abhängigkeit und seines alten Humors, wenngleich dieser auch Spuren der Bitterkeit und Gereiztheit zeigt, die er früher nicht besaß. Dieses Organ ist das englischste der englischen Witzblätter,P u n ch". Natürlich schlägt auch derPunch" patriotische Töne an, auch in seinen Spalten fehlt es nicht an ge­schmacklosen Ausfällen gegen den Feind. Aber ganz hat sich dieses Blatt von den Herren des Jnfor- mationsminifteriums nicht unterkriegen lassen. Hier gibt es noch ein kleines Maß von geistiger Unab­hängigkeit. In diesen Blättern hat der englische Dolksgeist lichte Momente.

Einen solchen lichten Moment finden wir auch in der dritten Juli-Nummer vomPunch", in der der bekannte Humorist und Parlamentsabgeordnete A. B. Herbert die Fallschirmjäger-Psychose die zur Zeit in England herrscht, einmal gründlich durch den Kakao zieht. Herbert macht sich lustig über die Anordnungen, wonach überall im Lande die Landkarten eingezogen, die Wegeschilder besei­tigt, die Bahnhofsnamen übermalt werden muffen, um etwaigen deutschen Luftlandetruppen die Orien­tierung zu erschweren. Da der deutsche Generalstab die deutschen Fallschirmjäger mit Waffen und Ma­terial aller Art ausrüste, so meint Herbert, so fei es doch immerhin möglich, daß sie nicht nur Land­karten mitbringen, sondern auch _ im Kartenlesen aus gebildet sein würden. Sie würden sich dann schnell orientieren können, auch ohne Wegeschilder. Um sie wirklich in Verlegenheit zu setzen, sollte man vielleicht falsche Ortsnamen, oder am besten teils falsche und teils richtige an den Wegweisern anbringen.

Weiter, so fährt Herbert ironisch fort, könne man die Verwirrung der deutschen Landetruppen noch steigern, indem man chren Zeitsinn in Verwirrung brächte. Alle Kirchenuhren sollen auf v e r s ch (e - dene Zeiten eingestellt, die Zeitungen mit verschiedenen Daten versehen werden. Dann wurden die deutschen Soldaten, die an Ordnung gewohnt seien, gegenüber einem solchen Chaos einfach ver­rückt werden. Aber lassen wir Herbert selber spre­chen:Euch ist bereits gesagt worden, daß Ihr Euren Kraftwagen unbeweglich machen sollt. Das gleiche sollte mit den Pferden ge­schehen. Bindet die Hinterbeine fest an den Kops, und der Feind wird ratlos sein. Die Freiwilligen der lokalen Verteidigung sollten als K ü h e ver­kleidet werden. Polizisten sollten ihre Uniformen und ihre Amtsmiene ablegen und wie verdächtige Subjekte herumlungern. Omnibusschaffner sollten sich als Polizisten verkleiden und mit Handgrmiaten ausgerüstet werden. Wenn es längs unserer Kusien unbeleuchtete Leuchtbojen gibt, sollte man sie wieder beleuchten und an falschen Plätzen verankern.^ Der Palast von Westminster (das Parlamentsgebaude) sollte in eine Festung verwandelt werden, die vis zum letzten Mann verteidigt werden mußte, und das Parlament sollte auf dem Fischmarkt in Bu- lingsgate (der wegen der unverblümten Ausdrucks­weise seiner regelmäßigen Besucher berühmt ist) zu- sammentteten. Big Ben (den großen Uhrturm des Parlamentsgebäudes) sollte man nach Soho (einem hauptsächlich von Ausländern besuchten Londoner Stadtteil) transportieren, um die Fallschirmvoys zu täuschen. Den Hyde-Park sollte man grau an­streichen, damit er mit der Themse verwechselt wird, und Pappschiffe darin aufstellen ... usw.'

Sv blödelt Herbert dahin und reißt dabei den ganzen Ernst, mit dem amtliche und unbeamtete G'schaftlhuber die englische Bevölkerung zum Levee en mässe gegen die kommende deutsche In­

vasion aufzupeitschen versuchen, in Stücke. Herr Duff Cooper wird entrüstet sein, aber sich dann wohl rasch wieder beruhigen. Denn, es ist ja nur eine einsame Stimme in der Wüste der großen englischen Presse, die blindlings den Weisungen eines Ministeriums folgt.

Llnterhaussorgen.

Kritik an der Disziplin des Heeres.

Madrid, 23.Aug. (Europapreß.) In der poli­tischen Aussprache, die sich an die Churchill-Rede am Dienstag anschloß, wurden von verschiedenen Rednern Bedenken wegen der Disziplin im englischen Heer zum Ausdruck gebracht. So sagte Oberst Moore Brabazon, niemand werde in Frage stellen, daß in der Armee keine so gute Diszi­plin herrsche, wie man sie in der alten regulären Armee gewohnt gewesen sei. Der Abgeordnete Quentin Hogg, ein Sohn des früheren Kriegs- minifters Hore-Belifha, der feit neun Monaten im

Berlin, 23.Aug. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Kampfverbände der Luftwaffe griffen gestern im Rahmen der bewaffneten Aufklärung je einen Ge­le i t z u g im Seegebiet von Berwick und in den Downs an und erzielten auf vier Handelsschiffen mehrere Treffer. Außerdem wurde der Flug­platz Manston mit guter Wirkung mit Bom­ben belegt. 3m Laufe des Tages kam es über Südoftengland zu einigen für unsere Jagdflieger erfolgreichen Luftkämpfen. Bei Nachtangriffen auf

Eine Milchmädchenrechnung der britischen Propaganda.

Berlin, 24.Aug. (DNB.) Presse und Rund­funk in England nehmen die Peröffentlichungen der britischen Außenhandelsziffern für den Monat Juli zum Anlaß für eine maßlos übertriebene Propa­ganda über die Entwicklung des britischen Außen­handels. Doll Stolz wird verkündet, der Gesamt­wert der britischen Ein- und Ausfuhren in den ersten 7 Monaten 1940 liege um 177 Mill. Pfund Sterling über dem Ergebnis der ersten sieben Mo­nate des Jahres 1939, ein Beweis, daß Englands Schiffahrt uneingefchränkt in der Lage geblieben fei, die Insel mit notwendigen Lebensrnitteln und Roh­stoffen zu versorgen. Man vergißt in London aller­dings zu erwähnen, daß ein einfacher Vergleich der Wertziffern des Vorjahres mit denen von 1940 aus einer Reihe von Gründen ein voll ig falsches Bild gibt. Das britische Pfund Sterling ist seit dem August 1939 um etwa 20 Prozent im Werte abgesunken, was selbstverständlich eine entsprechende Verteuerung der Ein- und Ausfuhren bewirkte, so daß allein schon aus diesem Grunde die in diesem Jahr erhöhte Wertziffer keineswegs eine Steigerung der Menge in der Ein- und Ausfuhr bedeuten muß. In gleicher Weife haben sich auf die Wert- ziffern die allgemeine Steigerung des Preis­niveaus an den Weltmärkten ausgewirkt und weiterhin die gewalttge Steigerung der Transportkosten nach der britischen Insel. Eine genaue Berücksichtigung aller dieser Faktoren würde zweifellos ergeben, daß der britische Außen­handel zwar, obwohl wertmäßig erhöht, men­genmäßig einen gewaltigen Rückschlag gegenüber dem Vorjahr aufzuweisen hat.

Nicht minder wichtig bei der Bettachtung der neuen brittschen Außenhandelsziffern ist aber die

Berlin, 23. Aug. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vor­schlag des Oberbefehlshabers des Heeres das Ritter­kreuz zum Eifemen Kreuz verliehen an: General­major Freiherr von ßangermann und Erle ncamp, Kommandeur einer Infanterie- Division, Generalmajor von Rothkirch und P a n t h e n , Kommandeur einer Infanterie-Divi­sion, Generalmajor von Seydlitz-Kurzbach, Kommandeur einer Infanterie-Division, Oberst Freiherr von Lützow, Kommandeur eines Infanterie-Regiments, Oberst von Bünau, Kom­mandeur eines Infanterie-Regiments, Oberst Wes- z e l, Kommandeur eines Infanterie-Regiments.

Generalmajor Freiherr von Langer - mann und Erlencamphatander Wegnahme

Heeresdienst steht, erklärte, die Moral im Heer fei nicht so gut wie bei der Luftwaffe und bei der Marine. Der Bürokratismus in der Armee verlang­same die Maschinerie derartig, daß selbst die tüchtig­sten Leute keine rechte Bewegung erzielen konnten. Der Abgeordnete Lees Smith kritisierte den Secret Service, der im Gegensatz zum vori­gen Kriege sich diesmal als die schwächste Waffe Englands erwiesen habe. Der Ab­geordnete führte dies auf gewisse Leute in der Lei­tung zurück, forderte die Loslösung des Secret Ser­vice vom Kyiegsministerium und seine Unterstellung unter einen besonderen Minister.

Vor seiner Vertagung nahm das Unterhaus noch einen Gesetzentwurf an, der das Statut der sog. alliierten" Streitkräfte in Großbritan­nien regelt. Diese werden unter britischen Oberbefehl gestellt, sollen aber unter dem direk­ten Kommando der eigenen Offiziere bleiben. Selbst­verständlich haben einige allzu neugierige Abgeord­nete die Frage gestellt, welches die Verbün­deten Englands denn feien. Der parlamen­tarische Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, Sir Edward Grigg, ließ sich auf das Drängen der Abgeordneten zu der Erklärung bewegen, daß mansich auf di e Zukunft vorbereiten" müsse. Er könne versichern, die brittsche Regierung hoffe noch vor Ende des Krieges die Unterstützung zahlreicher Verbündeter zu finden.

mehrere Flugplätze in Cornwall und Dales, auf eine Flugzeugfabrik in Reading und ein Flugmotorenwerk in Rochester zeigten Brände und Explosionen die Wirkung der abge­worfenen Bomben. Die Verminung briti­scher Häfen wurde fortgesetzt.

Britische Flugzeuge warfen in der Nacht zum 23. August in Westdeutschland ohne besondere Wir­kung Bomben. In einer Stadt -mürbe ein Wohn­haus zerstört, mehrere beschädigt und einige Zivil­personen verletzt.

Der Feind verlor gestern in Luftkämpfen 11 Flugzeuge sowie 2 Sperrballone. Zwei deutsche Flugzeuge werden vermißt.

Tatsache der gegenüber dem Vorjahr eingetretenen gewaltigen Verschiebung im britischen Außen­handel zwischen Einfuhr und Ausfuhr. Die Notwendigkeit erheblicher und vor allem teurer Rüstungskäufe in ben Vereinigten Staaten seit Kriegsausbruch erhöhten den Pas­sivsaldo der brittschen Handelsbilanz von Monat zu Monat gewaltig, wertmäßig ausgedrückt liegt also die Einfuhr monatlich um 50 bis 60 Mill. Pfund über der britischen Ausfuhr. Die britischen Goldbestände sind zum größten Tell be­reits nach den Vereinigten Staaten ab geflossen und auch die früher als unerschöpf­lich bezeichneten Auslandsguthaben des brittschen Reiches sind schon so sehr zusammenge- schrumpft, daß die britischen Regierungskreise heute mit ernster Besorgnis Uebertegungen wegen der künftigen Finanzierung ihrer Auslandskäufe an= stellen müssen.

Wenn der Londoner Rundfunk aus der Tatsache, daß eine Abordnung britischer Antiquitäten- unb Kunsthänbler nach ben Vereinigten Staa­ten reift, um dort ben Absatz von Kunstschätzen unb Antiquitäten zu fordern, einen Beweis für die Aus­dehnung der britischen Ausfuhr macht, bann ist bas schon fast ein Gipfelpunkt der Naivität. Infolge der gewaltigen Steuerlasten, die den britischen Bezügen auferlegt wurden, ist es verständlich, baß in Englanb heute Kunstschätze und Antiquitäten nicht mehr stark gefragt sind, unb aus biefem Grunbe sieht es die britische Regierung naturgemäß gern, wenn Bemühungen im Gange sind, derartige Dinge in Amerika abzusetzen, um auf diesem Wege dringend benötigte Devisen zu beschaffen, bas bedeutet freilich, daß England heute schon, ähnlich wie Deutschland nach dem verlorenen Weltkrieg in den Jnflationsjahren gezwungen ist, wichtige Teile feines Volksvermögens im Ausland zu verschleudern, um Mittel zur Bezahlung der Einfuhr dringend benötig­ter Rohstoffe zu erhalten.

des Lagers von Chalons, an der Ueberroinbung des Rhein-Marne-Kanals, am Gewinnen der Schweizer Grenze und an der schwierigen Säuberung des Schweizer Jura durch Führungskunst unb persön­liches Beispiel in vorderster Linie entscheidenden An­teil gehabt. Er hat wesentlich zum Gelingen der großen Durchbruchs- und Umgehungsoperation bei« getragen. Generalmajor von Rothkirch unb Panthen fuhr hinter dem ersten Spähttupp im feindlichen Feuer in Troyes ein und trug so aus­schlaggebend zu der raschen Besetzung der Stadt bei. Nach heftigen Feuerüberfällen auf den Di Vi­sion sst ab wurden bei diesem kühnen Vorgehen 6000 Mann gefangengenommen, zahlreiches Kriegsmate­rial erbeutet und außerdem das weitere Ab fließen ftanzösifcher Kräfte nach Südwesten verhindert. Die von Generalmajor von Seydlitz-Kurzbach

Umfebrunfl aller Serie.

Zu Beginn der Woche hat Deutschland die totale Blockade der britischen Inseln erklärt. Das bedeutet, daß jedes Schiff, gleichgültig unter welcher Flagge, in wessen Auftrag unb mit welcher Ladung auch immer, das sich in ben von der Reichsregierung zum Operationsgebiet erklärten Seeraum um England begibt, dies auf eigene Verantwortung und Gefahr tut. Es kann nicht erwarten, noch einmal besonders aeroarnt zu werden, es kann wegen der Art seiner Ladung keine Ausnahmebehandlung verlangen und kann auch nicht damit rechnen, eine offengehaltens Fahrrinne zu finden. Alle drei Punkte machen den grundlegenden Unterschied klar zwischen der bis­herigen Praxis der Seekriegführung und der totalen Blockade. Bislang wurde ein von deutschen Fliegern oder Seestteitkrästen auf der Fahrt nach England angetroffenes neutrales Handelsschiff nach den Re­geln des Seekriegsrechts angehalten und feine La­dung auf Konterbande untersucht. Nach bet schon in ben ersten Wochen des Krieges von England vor­genommenen ganz willkürlichen Erweiterung des Begriffs der unbedingten Konterbande auf alle Arten von Waren, Rohstoffen, Maschinen, die bis­lang nach internationaler Gepflogenheit als bedingte Konterbande betrachtet worden waren, die nur der Beschlagnahme verfiel, wenn sie nachweislich für die Regierung des feindlichen Staates ober für Zwecke feiner Wehrmacht bestimmt war, hatte diese Unerscheidung viel von ihrer Bedeutung verloren. Immerhin zeigten die Verhandlungen des deutschen Oberprisenhofes in Hamburg, daß das Deutsche Reich in krassem Gegensatz zu England beftrebt war, auch unter schwierigsten Umständen Handel unb Schiffahrt, soweit sie sich an bie anerkannten Regeln bes Seekriegsrechts hielten, loyale Behandlung zu­teil werden zu lassen, während England alles dar­auf anlegte, auch die neutrale Schiffahrt völlig zu unterbinden, soweit sie sich nicht ausschließlich bri­tischen Zwecken dienstbar erweisen wolltt. Dazu biente das Verschleppen neutraler Schiffe oft über weite Strecken unb mitten durch minenverfeuchts Gebiete in brittsche Häfen, wo sie bann zur Unter­suchung ihrer Ladung oft wochenlang festgehalten wurden, ohne ihnen bie Möglichkeit zu geben, mit ihren Reedereien ober auch nur mit ihren Konsuln in Verbindung zu treten. Die Folgen waren häufig verdorbene Waren und dazu durch bie erzwungenen Umwege unb die lange Liegezeit gewaltig erhöhte Unkosten. Dazu gehörte ferner das berüchtigte Sy­stem der schwarzen Listen in Verbindung mit den navycerts, womit England mit größter Rücksichts­losigkeit den gesamten neutralen Handel unter seine Kontrolle zu bringen suchte, denn die in den neu­tralen Häfen stationierten britischen Konsularbehör- ben verlangten nichts weniger als Einsicht in die Geschäftsbücher der neutralen Firmen, um festzu- stellen, ob sie noch Handel mit Deutschland trieben, bevor sie die Papiere der auslaufenden Schifte mit ihremUnbebenklichkeitsvermerk" versahen.

Daß diese unerhörte Anmaßung auf nichts an­deres hinauslief als auf eine großzügig angelegte Wirtschaftsspionage, hat bie Praxis erwiesen. Wenn dieses System sich bälb totlaufen sollte, so lag bas wahrlich nicht an der Zagheit der brittschen Agen­ten, sondern an der Einsicht neutraler Reederkreise, daß man hier mit ihren eigenen Interessen auf die schamloseste Weise Schindluder treibe. Freilich gab es in vielen Ländern noch immer geschäftstüchtige Reeder genug, bie sich um bes bloßen Verdienstes willen dem britischen Druck beugten unb dazu noch Schiff und Besatzung auf jeder Fahrt gewissenlos den größten Gefahren aussetzten. Denn es waren ja nicht nur deutsche Luft- und Seestteitkräste, die die Schiffahrtsrouten nach England scharf über­wachten, sondern auch schon vor der Erklärung der totalen Blockade waren große Teile der britischen Gewässer mit Minen verseucht und wenn auch diese

befehligte Division hat die verlängerte Maginot- time ostwärts Trelon am 17. Mai nach schwerem Kampf durchbrochen. Der Divisionskommandeur hat Feind und Gelände persönlich sorgfältig erkundet und dann die Truppe zweckentsprechend angesetzt und geführt. Am 26. und 27. Mai erzwang die Division die Uebergänge über den Kanal de la Haute Deule. Starke feiiülliche Gegenangriffe wurden ab« gewiesen. Der Uebergang über die Somme erfolgte am 5.Juni. Oberst Freiherr von Lützow hat stets in vorderster Linie seine Bataillone in hervor­ragender Weise zum Erfolg geführt. Seinem per­sönlichen Schneid ist es wesentlich zu verdanken, daß der Angriff über die Scarpe bei Monchy ost­wärts Arras am 23. Mai in kürzester Zeit und mit nur geringen Verlusten gelang. Beim^Uebergang über die Aisne und den Kanal am 9. Juni war das von Oberst von Bünau kommandierte Infan­terie-Regiment innerhalb des Korps am weitesten nach Süden vorwärtsgekommen. Hierdurch waren die Voraussetzungen für ben Uebergang der Divi­sion und den Brückenschlag geschaffen. Dieser Erfolg ist in erster Linie dem tapferen, vorbildlichen Ver­halten des Kommandeurs zu danken. Oberst von Bünau führte in vorderster Linie den Uebergang über die Aisne und beteiligte sich persönlich mit der Handgranate in der Hand am Kampf gegen Hecken- unb Baumschützen. Als keine Meldungen vom zwei­ten Bataillon des Regiments eintrafen, ging er allein im stärksten feindlichen Artilleriefeuer auf­recht zum II. Bataillon nach Neufchatel und gab auch hier in vorderster Linie die entscheidenden Befehle, O b e r st W e s z e l hat sich besonder^ hervorgetan, als es galt, von der Aisne über den Rhein-Marne- Kanal nach dem Plateau von Langres vorzustoßen, die Saone und den Doubs zu überschreiten und schließlich die Schweizer Grenze zu erreichen. Hier war es allein seiner persönlichen Tatkraft und seiner ziel- bewußten energischen Führung zu verdanken, daß sein Regiment unaufhaltsam vorwärtsdrang und dem Gegner große Verluste zufügte. Im Verein mit zwei Panzer-Divisionen erreichte Oberst Weszel als erster die Schweizer Grenze, kämpfte das Sperrfort Pon- tarlier nieder und verlegte somit großen Teilen der französischen Armee den Rückzug nach Westen unb Südosten»

Angriffe ans englische Geleitzüge.

Bombenwürfe auf Flugplätze und Rüstungswerke lösten Brände und Explosionen aus.

Der Wehrmachtsbericht vom Freitag.

Die Schrumpfung des britischen Außenhandels.

Wachsender Passivsaldo der Außenhandelsbilanz.

Verdiente Truppenführer mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.