MAIZENA1
») Erhältlich gegen x-Abschnitte der Reichs, brotkarte für S^nDer bis zu 6 Jahren.
E rnährvngSoorschrtften Ifcgen jedem pake« 6et
Aus der Stadt Gießen.
Die Insel der Seligen.
Wir hatten damals im Herbst 1916 hoch oben in den Karpathen als „fliegende Kompanie" viele mit Märschen und Kämpfen angefüllte Wochen hinter uns. Nun sollten wir für eine längere Zeit eine ieste Stellung beziehen. Als wir ihrer ansichtig wurden, lachte unser Herz. Die Stellung log in einem idyllischen Wald zwischen sanften Bodenwellen eingebettet und die Unterstände waren vorzüglich aus- (gebaut.
Jedoch, welche frohe Ueberraschung unser harrte, ahnten wir beim Einzug in die Stellung noch nicht. Krst als ich meinen Kompanieführerunterstand betrat, trat das große Ereignis in die Erscheinung. Ich ivurde nämlich mit einem schmetternden Armee- inarsch begrüßt! Die Verwunderung hatte keine Grenzen. Hier hoch oben, stundenweit von jeder menschlichen Behausung entfernt, Marschmusik? Der Kompanieführer, den ich abzulösen hatte, schmun- elte, als er meine erstaunten Mienen sah. Dann agte er: „Ich kann Ihnen die erfreuliche Mitteilung nachen, daß ich Ihnen außer der Stellung auch noch liefen Grammonphonopparat mit 20 Schallplatten u übergeben habe. Ein Freund der Musik und zu- leich ein Freund der Soldaten hat es aus der deut- chen Heimat hierhergeschickt. Und hier ist das Programm der ,®rabenEapetIe‘, die Ihnen wie uns iele, viele Stunden der Freude und Entspannung ringen wird." Damit schob er mir einen Zettel hin, cuf dem die herrlichsten Musikstücke verzeichnet standen.
Im Nu hatte es sich in der Kompanie herum- cesprochen, daß wir eine „Musikkapelle" hatten, verständlich, daß der Kompanieunterstand alsbald umlagert war. Um sechs Uhr nachmittags hatten mir Me neue Stellung bezogen. Bis tief in die Nacht hinein spielte das Grammophon. Wir wurden nicht nüde, den Klängen der Märsche, Walzer, Lieder und duvertüren zu lauschen. Welch eine tiefe Freude nach den zahlreichen Anstrengungen der letzten Wo- hen! Der Wunsch nach Schlaf, aus den wir uns in tiefer Nacht alle gefreut hatten, war verflogen. Immer wieder wurde die Nadel aufeine Platte gesetzt ind immer wieder ertönten die Weisen der Heimat. ' Am nächsten Tage wurde sofort ein „Grarnrno- xhondienst^ angeordnet. Er bestand darin, daß das Grammophon samt den 20 Schallplatten nach einem xenau errechneten Stundenplan von Unterstand zu Unterstand wanderte. Unendlich viel Glück hat dieses Grammophon, haben diese Schallplatten in unsere Wald- und Bergeinsamkeit getragen.
Der Zufall wollte es, daß sich in unserer Korn- ranie auch ein Musikstudent befand. Als der erste Freudenrausch über das Geschenk aus der Heimat jorüber war und die Wiederholung der Musikstücke ten Genuß etwas abzuschwächen drohte, machte sich tiefer Musikstudent auf den Weg, ging von Unter- fland zu Unterstand und erzählte seinen Kameraden von den Komponisten der Lieder und Opernouvertüren. Und so geschah es auch, daß mitten im Kriege Ztickard Wagner eine Würdigung erfuhr, die er sich voyl nie erträumt haben wird.
Wenn jetzt die „Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht" (Berlin, Kleist- . ftraße 10/12) für unsere Soldaten an der Front bchallplatten sammelt und wenn diese Schallplatten bann hinausgehen in die Stellungen und Ruhelager, Hann wird sicherlich aufs neue das Wort wahr werten, das damals 1916 ein einfacher Soldat aus- fprach: „Immer, wenn hier im Unterstand die Musik aufklingt, fühle ich mich verzaubert auf eine Insel ’ der Seligkeit." * By.
Tageskalender für Montag.
Volkstümliche Vorträge der Ludwigs-Universität: 20.30 Uhr im Geologischen Institut, Brau- asse 7, Professor Dr. Klüpfel über „Vulkane inst und jetzt". — Gloria-Palast (Seltersweg): Lauter Liebe"; 14.45 Uhr Wochenschau — „Sondervorstellung „Siegeszug durch Frankreich". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Zwielicht". — Gie- ener Vortragsring (Goethe-Bund, Kaufmännischer herein, Volksbildungsstätte), NSKOV., NS.-Kreis- riegemfbanb: 20 Uhr in der Neuen Aula Vortragsabend Dr. Leonhard Blaß „Der letzte Sprung es alten Löwen".
Deutsche Mütter erhalten das Ehrenkreuz.
In schlichter, feierlicher Form wurde am gestrigen Sonntag den kinderreichen Müttern in unserer Stadt eine schöne Ehrung zitteil. Die Ortsgruppen der Partei hatten die Mütter zu Feierstunden eingeladen, in deren Rahmen ihnen die vom Führer verliehenen Ehrenkreuze überreicht wurden.
Gletzen-Aoro.
Die Feier der Ortsgruppe Gießen-Nord fand am Vormittag im Saale des „Aquarium" statt. Eingeleitet wurde die Feierstunde durch Musikstücke der Kapelle K r e n g e l.
Nach einem Gedicht, von einem BDM.-Mädchen vorgetragen, hielt Ortsgruppenleiter Thomas eine kurze Ansprache, in der er betonte, daß man diese Feierstunde mit besonderem Stolz begehen könne, denn wir stünden alle im Banne der großen Ereignisse der Gegenwart. Wie der Führer für die tapfersten Soldaten an der Front das Eiserne Kreuz gestiftet, habe er auch den kinderreichen Müttern das Ehrenkreuz der deutschen Mutter verliehen. Der Ortsgruppenleiter würdigte dann besonders das Opfer jener Mütter, deren Männer und Söhne für Volk und Vaterland gefallen find. Den kinderreichen Müttern gegenüber habe die Nation eine hohe Verpflichtung übernommen. Jede kinderreiche Mutter könne das Ehrenkreuz mit besonderem Stolz tragen. Abschließend erinnerte Ortsgruppenleiter Thomas an das Wort des Führers: „Mögen Männer Welten bauen — es steht und fällt das Volk mit seinen Frauen!" Der Ansprache folgten weitere Musikstücke und Gedichtvorttäge.
Im weiteren Verlaufe der Feier gelachte Ortsgruppenleiter Thomas auch des Einsatzes von sieben Westwallarbeitern, die zu der Feier eingela- den waren. Er würdigte ihren Einsatz im Rahmen des großen Werkes, durch das verhindert worden sei, daß der Feind den Krieg auf deutsche Reichsgebiete habe tragen können. Für ihren Einsatz bei diesem großen Festungswerk sei ihnen das „Deutsche Schutz- wall-Ehrenzeichen" verliehen worden.
Nach einer würdigen Ehrung der Toten des Weltkrieges, der Gefallenen der Bewegung und der Opfer des gegenwärtigen Krieges und, nach dem Lied vom guten Kameraden, erfolgte die Ausgabe der Ehrenkreuze. 25 Mütter erhielten das Ehrenkreuz der Stufe I (in Gold), 40 das Ehrenkreuz der Stufe II (in Silber) und 89 Mütter das der Stufe III (in Bronze).
Das „Deutsche Schuhwall-Ehrenzeichen erhielten: Hilfspolier August Becker, Vorarbeiter Heinrich Dietz, Hilfsarbeiter Karl Gerlach, Zimmermann Willi Hahn, Bauschreiner Karl Huhn, Hilfsarbeiter Rudolf R a u k o p f und Tiefbauarbeiter Karl Schmidt.
Mit dem Gedenken des Führers und seiner siegreichen Soldaten fand die Feierstunde ihren Abschluß.
Die Ortsgruppe Ost
nun der deutschen Mutter die Ehre zuteil geworden, die ihr gebühre, denn sie stehe als Trägerin des Lebens zwischen Vergangenheit und Zukunft, sie sei der unerschöpfliche Born des blutsmäßigen Lebens des Volkes, ihre Kraft versiege niemals, denn sie sei voll der Liebe. Der schönste Ruhmeskranz, den Die Göttin des Lebens zu verleihen habe, gebühre daher der Mutter. Auch der Führer sei dankerfüllt gegenüber der deutschen Mutter und habe als äußeres Zeichen seines Dankes das Ehrenzeichen für die deutsche Mutter geschaffen.
Anschließend wurde über 60 Müttern das Ehren- . kreuz nebst Urkunde überreicht.
Außerdem konnte die Ortsgruppe noch 8 Westwall-Ehrenzeichen an Männer verleihen, die dem Rufe des Führers folgend, durch ihre Arbeit mit- halfen, die Grenzen des Reiches zu sichern.
Die Feierstunde wurde in schöner Weise musikalisch umrahmt durch Darbietungen von Frau Fischer (Klavier), Frl. Zimmer (Geige) und Herrn Mürrle (Geige). Mit dem Gruß an den Schöpfer und Führer des Großdeutschen Reiches sand die eindrucksvolle Feierstunde ihren Abschluß.
Oie Ortsgruppen Süd und Mitte
hatten die Mütter am gestrigen Nachmittag in der Aula der Universität versammelt. Auch hier eröffnete die Jugendgruppe der Frauenschaft durch Lieder die feierliche Stunde, denen ein Musikstück, ebenfalls ausgeführt von Frau Fischer, Frl. Zimmer und Herrn Mürrle, folgte.
Ortsgruppenleiter Weber (Ortsgruppe Mitte) sprach zu den Müttern der beiden Ortsgruppen. Er wies einleitend auf die Worte des Führers hin, was der Mann einsetze an Heldenmut, setze die Frau ein in ewig geduldigem Leiden und Ertragen. Jedes Kind, das sie zur Welt bringe, fei eine Schlacht, die sie bestehe für Sein oder Nichtsein ihres Volkes.
Damit sei klar gekennzeichnet, so betonte der Redner, welche Wertung die deutsche Mutter durch den Nationalsozialismus erfahren habe. Die deutsche Frau als Hüterin völkischer Ewiakeit sei wieder m den Mittelunkt des natürlichen Lebens des Volkes und der Familie gestellt. In der Erfüllung ihres naturgewollten und naturbedingten Schicksals diene sie als Mutter in erhabener Weise der Nation. Niemandem schulde ein Volk größeren Dank als feinen Müttern, und nur ein Volk, das feine Mütter ehre, heilige den Quell feines Daseins. Mit der Stiftung des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter habe der Führer für alle Zeiten der deutschen Mutter ihren hervorragenden Rang im Volke gesichert. Ein tapferes Volk brauche auch tapfere Mütter, und' nur tapfere Mütter würden ihrem Volke eine tapfere Jugend schenken, die seinen Bestand und seine Freiheit in allen Gefahren und Kämpfen zu sichern vermögen. Der Redner gedachte bann noch der Mütter, die ihre Männer für das Vaterland gaben, und die nun allein auf sich gestellt alle Sorgen und Arbeit auf sich nehmen müßten, ebenso derer, die ihre Söhne dahingegeben haben für das Lebensrecht des Volkes. . r .
186 Mütter empfingen anschließend aus der Hand ihrer Ortsgruppenleiter, unterstützt von den Frauen- schaftsleiterinnen der beiden Ortsgruppen und Jungmädeln, das Ehrenkreuz nebst Urkunde und Blumen. Während der Uebergabe der Auszeichnungen hörte man in zart-verhaltener Weise die Melodie des Deutschlandliedes.
Zum Schluß beglückwünschte Ortsgruppenleiter Grahlmann (Ortsgruppe Süd) die mit dem Ehrenkreuz ausgezeichneten Mütter und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie dieses Ehrenzeichen noch lange bei bester Gesundheit tragen möchten.
Mit dem Treuegelöbnis für Führer und Reich schloß die schlichte, eindrucksvolle Feierstunde.
GießenerLugend im Gemeinschafisdienst.
Hitler-Jugend hilft
dem Deutschen (Noten Kreuz.
Die jüngste Sammlung für das Kriegshilfswerk des Deutschen Roten Kreuzes hatte neben vielen anderen Sammlern vom DRK. und der NSKOV. auch die Jugend unserer Stadt wieder einmal für eine große Sache aufgerufen. Die Jugend, phantasie- voll, wie sie ist, trat in verschiedener Form für die edle Aktion ein. Mit anhaltender Begeisterung wurden die Sammelbüchsen geschwungen, und als die schönen Kränzchen mit den sommerlichen Blumen ausverkauft und nachdem auch die blauen Kornblumen alle abgesetzt waren, wurde um Pfennig- Spenden gebeten. Noch manches Geldstück wanderte in die Büchsen.
Froher Sonntagvormittag im Lazarett.
Im Garten eines Reservelazaretts bereiteten am gestrigen Sonntagvormittag eine stattliche Schar Mädel vom BDM.-Werk und eine Anzahl Hiller- jungen den Verwundeten, Aerzten und dem gesamten Lazarettpersonal einige schöne Stunden.
Ein Orchester von 16 Jugendlichen, Jungen und Mädchen, geleitet von Oberkameradschaftsführer I m b e s ch e i d t, eröffnete im Bund mit der etwa 70 Mädchen zählenden Singschar mit dem Lied „Und die Morgenfrühe, das ist unsere Zeit" die abwechslungsreiche Vortragsfolge. Es war eine Freude, die Jungen und Mädchen musizieren zu sehen. Sie er-
hatte die Mütter am Vormittag zu einer Feierstunde in die Aula der Universität eingeladen. Die geräumige Aula war vollbesetzt. Nach dem Einbringen der Ortsgruppenfahne wurde die Feier mit zwei Gedichten „Meine Mutter" und „Die Hand des Führers" eröffnet. Sodann fang die Jugendgruppe der Frauenschaft zwei Lieder.
Anschließend sprach Ortsgruppenleiter T r e f e r. Nach der Begrüßung des Kreisgeschäftsführers Weber als Vertreter des Kreisleiters betonte er in feiner Ansprache an die Mütter die große, nie versiegende Mutterliebe, die allein nur imstande sei, unermüdlich Tag für Tag über Gedeihen und Gesundheit des Heranwachsenden Lebens zu wachen. Er gedachte besonders der Mütter, die ihre Söhne im Kriege und in den Kämpfen um das Dritte Reich dem Vaterland hingegegeben haben. Sie feien über sich selbst hinausgewachsen, denn sie hätten das Leben, das sie geschaffen und mit unsagbarer Liebe reifen sahen, dem Ganzen geschenkt. Es sei das Schicksal einer Mutter, daß sie ihr Kind niemals für sich allein behalten dürfe. Wohl bleibe sie im Innern mit ihm verbunden, aber die äußeren Schicksale der Söhne und Töchter umschlössen einen eigenen Lebenskreis. Im Reiche des Führers sei
Die Sondervorstellungen, die im Lichtspielhaus und im Gloria-Palast am Sonntagvormittag stattfanden und vor den aufgeschlossenen Kameraden der HI. und den Kameradinnen des BDM. die neueste Wochenschau brachten, wurden durch die Hitler- Jugend und durch die Pimpfe ausgestaltet und glücklich umrahmt. Neue Soldatenlieder wurden gesungen, ein Ziehharmonika-Orchester brachte mehrere schneidige Märsche zum Vortrag und die Fanfaren kamen auch zur vollen Wirkung. Die Amtsleiter der NSV., Biedenkopf und I ö ck e l, hielten kurze Ansprachen und rückten der Jugend die überragende Bedeutung der gegenwärtigen Ereignisse vor das geisttge Auge. Als Ertrag der beiden Sondervorstellungen konnte der Betrag von 1300 RM. dem Deutschen Roten Kreuz zur Verfügung gestellt werden.
Am Sonntagnachmittag trat die Bannspielschar mit einem Platzkonzert am Stadttheater hervor, das wieder die mannigfachsten Darbietungen brachte. Anschließend wurde durch die Stadt marschiert und am Selterstor ein zweites Konzert gegeben. Selbstverständlich wurden die Zuhörer wieder lebhaft und erfolgreich mit den roten Büchsen angegangen.
„Braut in Haaren." Von Hans Friedrich Blunck.
Der See bläst mir feinen kühlen Wind nach, und die Bleßhühner rufen mir, während ich durch die bchilfwege zum Dorf streife, ihre kleinen ungeduldigen Schreie zu. Sie haben die ziependen Jungen gegen viele Feinde zu verteidigen, gegen den Hecht jom Seegrund, gegen die Schildkröte, die zuweilen lom Moor herüberkommt, und gegen die Raubvögel aus der Höhe. Auch ich bin nicht ihr Freund. Bin unduldsamer Schlingel, ein unfreundliches Tier it dies Wildhuhn; die prächtig gefärbten Enten heißt es mir vom See, und sogar den Hauben- iaucher, der in der Balzzeit wohl der bunteste und schönste all unserer heimischen Vögel ist, umimt diese kleine schwarze Henne an. Sie weiß auch, daß ich sie nicht mag, und ziept ungeduldig hinter mir her: „(EU dich doch, mein Mann will mit den Kindern ousgehen."
Bei den Bleßhühnern haben sich Hahn und Henne h die Erziehung geteilt; Mutter führt die Kinder über den schirmenden Schilfrand "hinaus, um sie Kuchen zu lehren, und Vater durchspaht wahrend- Mfen das Rohr nach Feinden; kein anderer Vogel darf in der Nähe sein, er beißt und treibt alles aus.
Nun ja, ich will eure Gesellschaft auch gar ■mdjt! Aber ich bin dennoch froh, als ich bald danach sehe, mit welcher Freundlichkeit, unter sorgendleisem Ziepen, die kleinen Küchlein aus dem Rohr heraus fcren Abendausgang tun. Ach, alle 2RrUterIuf>Feit beglückt; immer denkt ^man sE an die Süße des öchutzqefühls, das man als Kind bei den Eltern ei^fand^Mitunter, wenn man sich, im Traum in lot befindet, kommt ein helfender Ri^/' ^Vaters Jüae trägt. Oder wenn man tm Schlaf einsam eine Seite, dunkelnde Ebene durchwandert, sticht wissend moher noch wohin man eilt, leuchtet wie em Heller Lchein das Lächeln der Mutter, das irgendwo zu tröstender Wirklichkeit wird.
Noch einmal, bei der ersten Kate am Weg^ver- i halt mein Schritt, das Auge folgt der flüggen Schar, der Schrei des Blesthuhns fitngt zart und weich, , nährend es gluckt und lockt und die Kuwer kleine i stufe von Freund und Feind, Laute der Freude
Md des Warnens lehrt.
Kaum kommt man weiter. Denn auch das Abend ; kiewölk, das in unruhig dunklen Wogen von West überm See aufschlägt, ist schon, und der Duft am : Weg hält gefangen. Alle Kütner des. Dolfs haben
ihren Blumengarten, der mit Löwenmaul und Goldlack und schon verblühten Tulpen gefüllt ist. Der Hauslauch oben im Strohdach ist ebenso nötig wie die „Brennende Liebe" vorm Fenster. Wir tragen ja mit den Namen der Blumen immer zugleich das Gleichnis und die Sehnsucht nach frohem Geschick und Schelmerei in unseren Garten. So rot und farbenwild die Blüten sind, ohne ihren Namen wäre die „Brennende Liebe" doch nur halb so schön. Wie haben wir als Kinder gelauscht, wenn Mutter vom Rittersporn pflückte und dazu flink eine Geschichte erzählte, die sie eben erst erdacht hatte. Oder wenn sie „Pferdchen und Wagen" oder „Eisen- Hut" zeigte — ich sehe sie alle wieder in dem duftenden Gärtlein, das mich noch bleiben heißt. Schade, daß die Märchennamen der Blumen noch nicht gesammelt sind, und daß die Kinder heute langweilige Ausdrücke der Wissenschaft und der lateinischen Gärtner lernen, die ihnen nichts sagen. Haben wir Menschen, die wir so viel erfinden und bauen, nicht mehr die Kraft, die neuen Blumen, die zu uns kommen, mit kleinen Wundernamen zu benennen und zu umdichten? Ach, was nützen die größten Maschinen, wenn wir kein rechtes Gleichnis für neue Farben und Stauden finden, die in unfern Gärten aufspringen.
Auch die „Jungfrau im Grünen sehe ich letzt, ihre blauen Augen leuchten so schelmisch, als wartete sie heimlich auf einen Bursch zum Stelldichein; halb verborgen hat sie sich, damit nur einer, der sie sucht, und nicht jeder am Weg ihrer gewahr wird, und steht gerade hinter der „Amerikanerin", das ist die üppige fremde Blume, die unsere Kätner, so sagen sie mir, aus dem Samen zogen, den Ausgewanderte ihrer Sippe heimgebracht hätten.
Der Name ist gut und wirkt doch ein wenig langweilig. Auch ist mir, als hätte ich diese Blume längst gekannt und verloren, ehe ich sie hier im Garten des Holzschuhmachers wiederfand. Die mattroten, allzu offnen Blüten, die dünnen grünen Blatter, die eigentlich nur ein Gewirr von Haaren scheinen, sind mir schon früher begegnet. Da plötzlich, während ich zurückzudenken suche, fällt mir em lehrendes Lächeln meiner Mutter ein, ein wenig wehrend, weil ich weiter fragen könnte. Das ist nicht die „Amerikanerin", das ist doch die „Braut in Haaren", kommt es mir in den Sinn — ober irre ich mich? Aber jetzt glaube ich mich wirklich zu erinnern und begreife heute, nach langer, langer Zeit, auf einmal auch den doppelten Sinn des Blumennamens und das befangene Spiel in den Augen der Mutter ‘ ~
„Braut in Haaren", ach, das ist die Braut, die ohne Kranz getraut wird; es ist das üppige, das feiner Liebe allzu offne Jüngferlein. Wirklich, sieht die Blume in ihrem wilden Haar schmuck nicht danach aus? Jetzt muß ich lächeln; ein rechter Name ist's, ein guter Neckname. Nach dreißig ober vierzig Jahren — heute verstehe ich auf einmal feine Bedeutung und verstehe spät, sehr spät, das ängstlich schalkhafte Lachen, mit dem die Mutter einstmals meine Frage einhielt. Ach, daß ihr eigner Junge doch eine andere fände, ach, daß sie's ihm nie zu erklären brauchte, was die Jungfer ohne Kranz, die „Braut in Haaren" war!
Ich weiß nicht mehr, wie lang ich über den Namen sinnen mußte; ich weiß nur, daß ich heute, vor des Holzschuhmachers Garten, die Antwort auf eine vergessene Frage meiner Jugend fand. Und ich nicke einem Schatten zu, ich freue mich an der überreich blühenden „Braut in Haaren", ich freue mich der feinen Schelmerei im Bild des Namens und lächle erstaunt über mein spätes Verstehen, lächle, daß ich in einer verlorenen und wiedergewonnenen Blume meiner Mutter Sorge nach vierzig Jahren verstand.
Büchertisch.
— Professor Dr. Friedrich Grimm: Dom Sinn dieses Krieges. Preis 80 Rpf. Verlag Hermann Hillger KG., Berlin-Grunewald. Ideen sind es, die das Schicksal der Völker bestimmen. Sie allein zeigen den Gang der Geschichte von höherer Warte aus und bringen Klarheit in die Fülle der sich überstürzenden Ereignisse. Zeitgeschichtlich weist der bekannte Staatsrechtler die tieferen Ursachen des gewaltigen Ringens unserer Tage nach mit weitgehenden Rückblicken in die europäische Geschichte.
— Paul Scheffer, Max Clauß, Julius Krauß: „USA. 1 9 4 0", Roosev e lt- Amerika im Entscheidungsjahr. Kartoniert 2,80 RM. Deutscher Verlag, Berlin. — Die Frage, wie sich die USA. im gegenwärtigen Kriege auf die Dauer verhalten werden, gehört zu den wichtigsten. Es ist vor allem ein Mann, von dem das weitere politische Verhalten der Vereinigten Staaten ab-, hängen wird: ihr Präsident Franklin D. Roosevelt. Wenn auch die (Stimmung des amerikanischen Volkes in seiner großen Mehrheit jede kriegerische Verwicklung in den europäischen Konflikt vermieden sehen öiH, jo liegen doch btf Wahren Absichten des
Präsidenten selbst und seiner einflußreichen Umgebung noch im Schoße der Zukunft verborgen. Jede Schilderung des heutigen Amerika muß also notwendigerweise die Person Roosevelt, seine Pläne und Leistungen in den Mittelpunkt stellen, um von dieser erstaunlichen, wenn auch nicht leicht auf eine Formel zu bringenden Erscheinung her die innere und äußere Situation der USA. verständlich zu machen. Drei Autoren äußern sich in diesem Buch über Roosevelt-Amerika, indem sie ihm aus sehr verschiedenen Gesichtswinkeln höchst bemerkenswerte Erkenntnisse abgewinnen: zwei bekannte Journalisten, Paul Scheffer und Max Clauß, und ein Mann der Wirtschaft, Julius Krauß, der jahrzehntelang im amerikanischen Bankgewerbe an wichtiger Stelle tätig gewesen ist.
— Adalbert von Soerne: Englands Flotte mit einer Karte von 16 Bildern, 12 Zeichnungen und zahlreichen Tabellen. Verlag Gerhard Stalling in Oldenburg. Preis 1,80 RM. — Auf die Frage, welche Waffen England in diesem Kriege einzusetzen hat, gibt hier der Presseleiter des Reichsbundes Deutscher Seegeltung knapp aber übersichtlich und erschöpfend Auskunft, lieber die englischen Werften und Flottenstützpunkte unterrichtet die Broschüre ebenso wie über sämtliche Kriegsschiffe mit Einzelangaben nautischer und artilleristischer Art. Das Büchlein wird als Ergänzung der Zeitungslektüre sehr erwünscht sein. L.
— Kapitän zur See Reichard t: Denn mir fahren gegen Engeland. Bilder vom Einsatz der deutschen Kriegsmarine im großdeutschen Freiheitskampf. Verlag Schweiger & Pick in Celle. Preis 0,50 RM. — Welch hohe Bedeutung der Kriegsmarine in diesem Kampf zukommt, haben wir eben erst bei der deutschen Aktion in Norwegen mit Bewunderung gesehen. Es ist daher besonders zu begrüßen, daß hier ein Fachmann, an- knüpsend an Seekriegsereignisse der letzten Zeit, über die Waffen des Seekrieges und die Art ihres Einsatzes ungemein klar und doch höchst feffelnd spricht. Viele marinetechnische Begriffe, die charakteristischen Eigenschaften der einzelnen Schiftsgattun- gen und ihre Verwendung wie auch die Waffen des Seekrieges: Mine, Torpedo, Wasserbombe u. a. werden auch für den Laien durchaus verständlich erläutert und in einer Reihe von Bildern und Zeichnungen dargestellt. So ist ein Büchlein entstanden, das heute jedermann, besonders auch unserer Äugend^ hochwillkommen sein Wird. k


