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der ganze Bau in Flammen, und wenn die Holz- bubt in der Nähe anderer Gebäude steht, ist bald ein Großfeuer entstanden. Die Bekämpfung eines solchen Großfeuers ist zur Zeit doppelt schwierig, wenn die Hydranten eingefroren sind, so daß die Wasserzufuhr stockt. Ader auch bei nicht eingefrore­nen Hydranten passiert es während strenger Kälte immer wieder, daß die Schlauchleitungen und Spritzen zufrieren und die Feuerbekämpfung un­möglich machen. Wieviel Schaden an augenblicklich so notwendigen Derbrauchsgütern auf diese Weise durch leichtfertiges und unsachgemäßes Heizen ver- ursacht werden rann, dürfte jedem klar sein. Darum Vorsicht bei allen Feuerstellen und Heizungsanlaaen'. Fahrlässige Brandstiftung wird außerdem gerichtlich bestraft.

Noch gültige Fahrpreisermäßigungen bei der Reichsbahn.

Obwohl die Deutsche Reichsbahn vorübergehend, im Interesse einer bevorzugten Abwickelung des Güterverkehrs, Maßnahmen zur Einschränkung des Personenverkehrs treffen und dabei auch Fahrpreis, ermaßigungen Wegfällen lassen mußte, sind doch die wichtigsten Ermäßigungen zum größten Teil weiter beibehalten worden. Aus einer Veröffentlickung des Reichsverkehrsministeriums geht hervor, daß fol­gende 24 Fahrpreisermäßigungen im Personenver­kehr auch jetzt noch in Kraft sind:

1. Für Kinder bis zu 10 Jahren; 2. für hilfs­bedürftige Kinder zur vorübergehenden Unter­bringung auf dem Lande und in Heimen; 3. für mittellose Zöglinge und Pfleglinge von Blinden­anstalten, Waisenanstalten usw.; 4.^ für mittellose Bunde, Taubstumme und Schwerhörige; 5. für Blinde zu Berufsreisen; 6. für hilfsbedürftige Kranke; 7. für öffentliche Krankenpflege (außer Fahrten zur Kur und Erholung): 8. für Kriegsteil- nehmer (beschränkt auf Empfänger von Front­zulage); 9. für deutsche Kriegsbeschädigte bei be­stimmten Reisen; 10. für Schwerkriegsbeschädigte; 11. für ständige Begleiter von Schwerkriegsbescha- folgten; 12. zum Besuch verwundeter oder kranker deutscher Kriegsteilnehmer und zur Beerdigung ver­storbener deutscher Kriegsteilnehmer; 13. für Mo- natskarten und Teilmonatskarten; 14. für Netz- und Anschlußkarten; 15. für Bezirkskarten, An- schlußbezirkstarten und Bezirksteilmonatskarten: 16. für Arbeiterwochenkarten und Kurzarbeiterwochen, karten; 17. für Zeitungsfahrboten: 18. für Heim, arbeitet und Hausgewerbetreibende; 19. für Ar­beiterrückfahrkarten (beschränkt auf einmalige Be- fuchsfahrten im Monat bei Ehegatten und Kin­dern): 20. für deutsche Binnenschiffer (beschränkt wie 19.); 21. für deutsche Seeleute (beschrankt wie 19.); 22. für Schülermonats- und Schülerwochen, karten und Geschwisterschülermonatskarten) 23. für Kleingärtner; 24. für Schülerfahrkarten (beschränkt auf Fahrten zwischen Schul, bzw. Unterrichtsort und dem Wohnort des Schülers). Erhalten bleibt ferner der Wehrmachttarif.

Zur Behebung won Zweifeln weift der Reichs- arbeitsminifter darauf hin, daß die Anordnung über Famllienheimfahrten weiter in Geltung bleibt. Hier­nach dürfen für - die private Wirtschaft auch nach dem 15. Januar 1940 Familienheimfahrten außer- halb des Urlaubs nicht in einem größeren Ausmaße gewährt werden, als sie die Tarif­ordnung zur Regelung von Familienheimfahrten bei den Bauvorhaben der öffentlichen Hand usw. im Deutschen Reichs für die Kriegszeit vom 12. Okto- her 1939 vorsieht; Soweit einzelne tarifliche ober betriebliche Regelungen noch einen weitergehenden Anspruch auf Familienheimfahrten vorsehen, ent­fällt dieser bis auf weiteres.

Jahreshauptversammlung

de« Obst- und Gartenbauvereins.

ImBurghofs fand am Sonntag die Jahres­hauptversammlung des Obst- und Gartenbauvereins statt. Zunächst wurden die Bestellungen für die Obstbaumspntzungen, für Bohnenstangen, Baum­stützen usw. entgegengenommen.

Dereinsführer Junker erstattete den Jahres- oericht, in dem zunächst auf die Besichtigungen der Kirschdaumanlagen in Alten-Duseck zur Zeit der Blüte und die Gartenbegehung am Nahrungsberg hingewiesen wuve, die für die Beteiligten von prak-

Oie Verdunkelung der Straßenbahn.

Das Verhalten bei Fliegeralarm.

Um eine einwandfreie Verdunkelung auch bei den Straßenbahnen zu erzielen, ist eine einheitliche Aus­richtung der notwendigen technischen Maßnahmen erforderlich. Der Reichsverkehrsminister hat jetzt im Einvernehmen mit dem Reichsluftfahrtminister und dem Reichsführer jf und Chef der Deutschen Polizei entsprechende Anweisungen erlassen.

Als Stirnlampe ist eine blendfreie, nach oben ab­geschirmte Lampe zu verwenden. Die Zielschilder und Linienbezeichnungen sind in Betrieb zu lassen, damit die Straß enbahnsahrzeuge im Straßenver- kehr als solche ertennbar find und nicht mit Kraft­fahrzeugen verwechselt werden und damit die Fahr­gäste die einzelnen Linien hinreichend unterscheiden rönnen. Ihr Lichtschein soll bei Dunkelheit und klarer Sicht bis zu einer Entfernung von 100 Me- ter sichtbar, aus einer Entfernung von 500 Meter jedoch nicht mehr wahrnehmbar fein. Das gleiche gilt für Fahrtrichtungsanzeiger, die ebenfalls in Betrieb bleiben. Die Linienbezeichnung muß auf etwa 30 Meter erkennbar fein. Jeder Zug muh

rotes Schlußlicht führen. Die Lichtaustrittsöffnungen müssen so verdunkelt werden, daß kein direktes Llcht auf die Straße fällt. An den Wagenfenstern und Hiren find Zug- ober Rollvorhänge zu schließen. Sind Vorhänge nicht vorhanden, so muß die In- nenbeleuchtung verdunkelt werden. Durch teil weife AbbleNbung der Fensterflächen mit geeigneten Mit­teln kann Dies erleichtert werden. Die Beleuchtung im Wageninnem muß für die ordnungsmäßige Durchführung des Abfertigungsdienstes ausrerchen.

Gleichzeitig gibt der Minister Richtlinien für das Verhalten bei Fliegeralarm. Die Straßenblchn- wagen find unverzüglich stillzusetzen, wobei zwischen den Zügen ein Abstand von 10 Meter mindestens verlangt wird. Die gesamte Fahrleitung aus der Strecke wird fünf Minuten nach Ertönen des Flie­geralarms spannungslos gemacht. Fahrgäste, Fah­rer und Schaffner verlassen die Wagen und be­geben sich nach Abschließen der Türen zum nächsten Luftschutzraum, über dessen Lage Fahrer und Schaff­ner an ihrer Fahrstrecke unterrichtet sein mirffen.

Papier aus Kartoffelkraut.

1940 erstmalig große Kartoffelkrautabnahme.

Deutscher Forschergeist hat bfre Aufgabe gelöst, das Kartoffelkraut als industriellen Rohstoff auszu­werten. Nachdem die in Thürmaen erstmalig unter- nommenen Versuche einen vollen Erfolg gebracht Haden, ist der Weg zur Großerzeugung frei gewor­den. Jetzt kommt es entscheidend darauf an, die Rohstoffueferung selbst zu mobilisieren. Diese Auf- gäbe ist der deutschen Landwirtschaft gestellt. Das KartofsÄkraut eignet sich nach den bisherigen Er­gebnissen besonders gut als Rohstoff für die Papier­industrie.

Wie der Geschäftsführer des Kartoffelwirtschafts, verbandes Thüringen, Dr. Bremer, in denMit­teilungen für die LaiHwirkschaft" ausführt, könnte nach tot neuesten Berechnungen etwa die Hälfte der Kartoffelkranternte des rund drei Millionen Hektar umfassenden deutschen Kartoffelanbaues zur ausreichenden Jahreserzeugung an Rotations- und KunsiÄruckpapier genügen. Diese Feststellung kenn­zeichnet zugleich die ungeahnten Möglichkeiten der neuen Rohstoffquelle Kartoffelkraut. Die Kartoffel­krautsammlung muß deshalb in großem Maßstab organisiert werden. Zur Zelluloseverarbeitung wird möglichst sauberes, Matt freies Kartoffelkraut mit

einem Wassergehalt von höchstens 18 v. H. benötigt, also schlechthin heutrockenes Kartoffelkraut, da an- bernfaUs die Gefahr eines Verderbs zu groß wäre. Das Kraut ausgesprochener Frühkartoffelsorten eig­net sich kaum zur Sammlung. .

Zur Verwertung von Kartoffelkraut ist inzwischen mit dem Sitz in Dresden eine Gesellschaft gegrün­det worben, die erstmalig im Frühjahr 1940 alles aus der Ernte 1939 geborgene Kartoffelkraut ab­nehmen wird. Das Organisationsgebiet ist zunächst auf die Landesbauernschaften Hessen-Nassau, Kurhessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Schlesien, Mark Brandenburg, Mecklenburg unlb Pommern beschränkt. Eine spätere Erweiterung der Erfassungsgebiete bleibt vorbehalten. Zur Verein- fachung der Organisationsarbeit sind Landhandel und Genossenschaften mit der Abnahme beauftragt worden. Für das abnahme fähige Kartoffelkraut er­hält der Erzeuger einen Preis von 2 RM. je 100 Kilo. Vielleicht das entscheidenste Moment ist, daß 'durch die gleichzeitig mögliche Verwertung von Knolle und Kraut der Kartoffelanbau selbst eine weitere und zur Sicherung unserer Ernährungs- Wirtschaft nur erwünschte Festigung erfahren wird.

tischem Nutzen waren. Im ab gelaufenen Jahre wür­ben wiederum mehrere aufklärende Vorträge über den Gemüseanbau und den Obstbau durchgeführt, die große Beachtung fanden. Der Verein hat durch seine praktische Arbeit zur Förderung des Gemüse­anbaues beigetragen und erstrebt auch weiterhin eine Entlastung des Marktes. Den Mitgliedern konnte vor allem durch die gemeinsame Spritzung ber Obstbäume, durch den gemeinschaftlichen Bezug von Pflanzmaterialten aller Art und durch prak­tische Ratschläge wertvolle Unterstützung bereitet werben. Weiterhin konnte durch einen Abschluß mit ber Stadt Pachtland für neue Gärten zu günstigen Bedingungrn vermittelt werden. Die Kleingärtner wurden in einem eigenen Verein zusammengefaßt. Die Mitgkiederbeweguna wies eine steigende Ten­denz auf und nur durch Gründung des Kleingart- nerverein5 würben 73 Mitglieder abgegeben. Der Kassenbericht weist eine gesunde wirtschaftliche Grundlage aus. Der Verein verfügt über praktische Gerätschaften, die den Mitgliedern zugute kommen.

Dereinsführer Junker gab Aufschluß über die oermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den Mitgliedern des Kleingartenvereins und legte einen Vorschlag vor, der einstimmig gebilligt wurde. Um eine bessere Gemeinschaftsarbeit leisten ju können, wurde ber Beitrag den durch den Lanoesvettmnd vorgeschriebenen Sätzen angeglichen. Den Mitglie­dern sollen vor allem wertvolles Pflanzenmaterial zu vorteilhaften Preisen beschaftt werden. Im Der-

laufe ber Aussprache wurde darauf hingewiesen, baß den Kleingärtnern die Gärten für die eigene Nutznießung unterhalten, die Grundsteuern ermä­ßigt aber ganz erlassen werben können.

In diesem Jahre muß im ganzen Stadtgebiet eine gründliche Spritzung ber Obstbäume durchgeführt werben. Der Dereinsführer erläuterte die dazu er­lassenen behördlichen Anordnungen. Für die Mit- glteber führt der Verein auf Bestellung die Sprit­zungen durch. *

** Lehrgang für Handarbeitslehre­rinnen. Im Seminar für technische Lehrerinnen ber städtischen Frauenarbeitsschule in Gießen soll Ostern 1940, genügende Beteiligung vorausgesetzt, ein Lehrgang zur Ausbildung als Handarbeits­lehrerin eröffnet werben. Das Stadtschulamt Gie­ßen gibt darüber heute näheres bekannt. Interessen- ten mögen diese Veröffentlichung sorgsam beachten.

** Fällige Seifenkarten. Das Wirt­schaftsamt gibt begannt, daß ab 1. Februar der Ab- scyrntt 2 für Rasierseife und die Abschnitte E für Seife und Seifenpulver der gelben Reichsseffen- karte fällig werden. Die auf die roten Zusatzseifen» karten zustehenden Mengen an Seifen und Seifen- pulver werden am 1. jedes Monats fällig.

Das 14. Sinh.

Lpd. Dieburg, 22. Jan. Der Familie des Landwirts Frühwein im benachbarten Mün­

ster wurde bas 14. Kind, ein kräftiger JungH, geboren. Bei dem zwölften Kind hatte ber Führer die Ehrenpatenschaft übernommen.

Aus der engeren Heimat.

Landkreis Gießen.

A ßollar, 22.Jan. Am heutigen Montaa voll- endete der Rentner Wilhelm Deußing, Adolf- Hitler-Straße 189, bei bester Gesundheit sein acht- z i g st e s L e b e n s j a h r. Wir gratulieren herzlich.

* Londorf, 23. Januar. Der Altrentner Joh. Honig hier, Horst-Wessel-Straße 28, feiert am heutigen Dienstag, 23. Januar, bei guter körper­licher und geistiger Gesundheit seinen 80. Ge- burtsta g. Der Jubilar, ber noch eine kleine Landwirtschaft betreibt, nimmt noch regen Anteil an allen Geschehnissen des Tages. Seine Ehefrau, die ebenfalls im 80. Lebensjahre steht, ist chm eine treue Gefährtin. Der alte Herr diente im Jahre 188083 in der 2. und 9. Kompanie des damaliaen 2. Großh. Hess. Jns.-Regt. 116 und war Mitgründer des in jenen Jahren neuaufgestellten 3. Bataillons. Dem Jubilar auch unsere herzlichen Glückwünsche.

Untreue Angestellte.

Sie wollten sich mit gestohlenen Waren selbständig machen.

LPD. Frankfurt a.M., 22. Jan. Bei einer Firma ber Eisenwarenbranche kam man vor länge­rer Zeit bahinter, daß ein jetzt 38jähriger Angestell­ter sich gröbliche Verfehlungen zuschulden kommen ließ, indem er yeimlich Kunden mitWaren belieferte, ohne den Ausgang ber Waren in den Büchern einzutragen, und von diesen Abneh­mern Schmiergelder genommen hatte. Der An­gestellte und zwei seiner Abnehmer wurden des­wegen vom Schöffengericht bestraft. Nachher stellte sich heraus, daß der Angestellte unter Mitwissen eines 33jährigen Kollegen die Firma in noch weit erheblicherem Umfange geschädigt hatte. Es wurden nicht nur Außenstände heimlich einkas- fiert, sondern man ging dazu über, große Posten. Lagerbestände und Sendungen neuer Waren bei - feite zu schaffen, denn es bestand der Plan, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Zu diesem Zwecke waren in einem Vorort und in der Stadt je ein Lagerraum gemietet worden, wohin Waren im Werte von 22 000 RM. gschafst wurden. Die beiden Angestellten hatten sich jetzt wegen der Ver­fehlungen vor ber Großen Strafkammer zu ver­antworten, die jeden zu 1 Jahr und 10 M o» naten Gefängnis verurteilte.

Jolanthe auf nöcktiicker Streife.

Lpd. Langen, 21. Jan. In einer der letzten Nächte irrte in ber Darmstädter Landstraße ein drei Zentner schweres schlachtreifes Schwein umher. Zwei junge Burschen trieben es nach ber Polizeiwache, wo man denAusreißer", ber offenbar einem Schweinetransport entwichen war, in Gewahrsam nahm. Die PoNzei sorgte sogar in der Nacht noch durch Beschaffung eines Bündels Stroh für ein warmes Nachtlager des Borstentieres.

DtunOfunTprogromm

Mittwoch, 24. Januar.

6.10 Uhr: Betriebssport. 6.30: Von Leipzig! Frühkon-ert. Der Gaumusikzug des Reichsarbeits­dienstes Arbettsgau XIV, Halle. 7 bis 7.15: Nach­richten. 8: Landvolk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.30: Schulfunk (Mittelstufe). Sendereihe:Dom bäuer­lichen Leben und Wirken".Winterarbeit um den Bauernhof". 10: Frohe Weisen. 11: Konzert. 11.50: Das Mikrophon unterwegs. 12: Mittagskonzert. Es spielt das kleine Rundfunkorchester. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Der fröhliche Lautsprecher. 16: Nachmittagskonzert. Das große Orchester und ber Chor des Reichssenbers Köln. 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Was bringen die Theater in unserem Sendegebiet? 18.25: Das Mittwochs» konzert des Reichssenders Frankfurt. 19.10: Bilder und Klänge aus Moselfranken (10).Spott und Scherz in Moselfranken." Hörfolge. 20: Nachrichten. 20.15: Uebertragung vom Deufichla-idsender. Da- zwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: , Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

29 Fortsetzung.

kommt.

haben, bei Gelegenheit frage ich Klarissa mal, ob sie ihn kaufen will."

mal rüber und sieb dir seinen Stammbaum an, der und die Konifere, du, das wäre eine Zucht. Wie ist es, ich kaufe sie dir ab."

Nein", ruft Anne und beugt sich weit aus dem

Sattel,gar kein Gedanke an Verkauf, Vater Schä­fer. Grüßen Sie Karl von mir, doch die Koni ist unverkäuflich. Wer ich möchte wohl den Baldur

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CARL DUNCKER VERLAG - BERLIN WM

Klarissa reift nach Nauheim, unb ein fremdes Pferd ist auf den Wiesen des Birkenhofes. Es lohnt nicht, über das Tier zu sprechen. Ein Knecht legt ihm den Halfter um unb bringt es zu feinem Herrn zurück, damit ist die Sache aus ber Wett. Vielleicht hatte man sonst doch noch darüber gesprochen, aber Klarissa, die Alte vom Birkenhof, fährt fort, bas ist ! wichtiger als alles andere. Seht doch, was sie für Denn man los, den nötigen Zaster hat sie ja." | rote Wangen hat und wie hell find die Augen in Lachend wendet Anne sich um. Sie sieht den alten dem gelben Gesicht. Wird sie gesund wiederkommen, Schäfer langsam bas große Gatter öffnen unb über wirb sie überhaupt wiederkommen? Was wirb dann die Weiden wandern und auf einer Erhebung sieht aus dem Birkenhof? Ist es nicht so, als schwebe das le, abgesondert von den andern, eines der Pferde! Schicksal dieses herrlichen Hofes in der Luft? Ja, tehen. Mähne und Schweif flattern im Wind, der, darüber lohnt es zu sprechen unbGottogott" zu chmale Kopf ist vorgereckt. Weit öffnet sich Annes sagen, was bedeutet da ein frembes Pferd auf den

ren, ber die Frauen nach Balke bringt; Klarissa will von einem Auto nichts wissen. Doch der Wagen kommt noch nicht; Vater Dfitzner aber kommt unb meldet, daß draußen auf oen Weiden ein fremdes Pferd ist. Er hat schon seine Kutscherlivree an, die wohl kaum weniger Jahre auf den Nähten hat wie er auf dem Buckel. Ja, unb er sagt, daß es wohl einer von Schäfers Hengsten ist, wie ihm scheint.

Anne kriegt einen raren Kopf. Sie ist plötzlich ganz vertütert unb rennt dahin, als wäre ber Leib­haftige hinter ihr. Nun ist sie bei den Weiden, aber

herrlicher Baldur!

Konifere wiehert laut, und wie ein Echo schallt es von den Weiden zurück.

Am Montag reist Klarissa nach Nauheim; am Montag geht die große Reise los unb wieder ein­mal ist das tneifje Haus durcheinandergeschüttelt: jeder läuft hierhin und dahin, jeder kramt, hastet und rennt. Klarissa und Marie reifen ab; hoho, die Herrin unb die Köchin reifen; die eine ist die Seele dieses Hofes unb die andere ist sein Magen. Sie sorgen jede für ihren Teil, aber beide sorgen sie gut Sie find seit vielen Jahren hier nicht herausgekom­men, und nun haben sie heiße Wangen vor Auf­regung. Unb jeder läuft unb will ihnen noch Gutes tun und Gefallen erweisen. So wirbeln oEc durch­einander wie kribbelnde Ameisen; es sehtte eine Kläre, die klar und sachlich über allem steht.

Endlich ist nun wohl alles eingepackt unb alles In bester Ordnung. Gleich wirb der Wagen vorfah-

Weiden? r

Und Klarissa selbst? Ach, sie ist ja ein Wrack.-Sie läßt ihren Hof und alle Menschen, die sie liebt, zurück. Wie doch die Wälder im Saft stehen und die Birken; wie so und in dieser Morgenstunde die Felber rauchen. Geliebtes Land, Klarissa weife von keinem Opfer mehr, sie weife nur noch von ihrer Liebe.

Neben ihr im Wagen ist Marie und ihr gegen­über sitzt Anne. Wie jung sie ist, ein junger und blühender Mensch. Warum mußte Willem Schöne- mann sich mit einer Malerin verloben? In welche Hände kommt dieses Land einmal, werden es gute und starke Hände sein?

Wie froh Marie heute aussieht, ihre Lippen sind so frisch, als wäre sie zwanzig Jahre. Hannes Perl hat Marie zum Abschied geküßt, und er hat gefaat: Na, denn hall dich munter, Marie, und wenn du zurückkommst und wenn es dem Fräulein Wegner pofet, bann können wir fa wvll bas Aufgebot be-

chmale Kopf ist vortzereckt. Weit öffnet sich Annes Herz dieser Schönheit. Welch ein Tier! Schöner,

Da vorne am Knick steht ber alte Georg Schäfer.

Sein roter, kugelrunder Kopf ist vor Vergnügen v------

noch roter geworden.Bist du denn toll, Deern? i Koni steht nicht wie sonst in der Nähe der Tür,

Du bringst ja meine ganzen Röster in Aufregung", nein, ganz hinten ist sie, und auch als Anne sie

schreit er und fuchtelt mit beiden Armen in der | ruft, kommt sie nicht wie sonst. Sie hebt den Kopf

Lust.Aber Donnerwetter, Mädel, du unb dein unb geht nicht von des Hengstes Seite, der neben

Pferd, ihr gehört auf die Rennbahn. Nach Hamburg- > ihr ist. Da stehen sie beieinander, ganz^dicht, Bal- Horn gehört ihr und nicht auf Schäfers Weiden, bur unb Konifere, unb mit erhobenen Köpfen sehen Hast du den Baldur gesehen, wie ber lief? Komm sie Anne entgegen, die langsam über die Wiesen

stellen unb nach der nächsten Ernte heiraten, ja, Marie, wenn die Rüben brinne sind." Das war alles, ein paar lächerliche kleine Worte, und bas Glück ist da und Maries Lippen sind frisch und ihre Augen blank.

Die Alte vom Birkenbof seufzr. Sreht es nicht gerade so aus, als sei Anne in letzter Zell schmal geworden?Wirst du dich auch nicht kaputt machen, geliebtes Kind? Du sichst nicht so frisch wie sonst aus, scheint mir."

Anne lächelt, und sie denkt, daß sie der Dante jetzt alles gesagt hätte, alles, was ihr fast bas Herz erdrückt, wenn Marie nicht dabei gewesen märe. Wie gut doch Klaristas Augen sind, Vater- und Mutteraugen. Ob sie ihr von der Begegnung in Balholm erzählen soll, wenn Klarissa gesund aus Nauheim kommt? Sie weiß es nicht, sie weiß vieles nicht, und das macht traurig, bas macht ihre Wangen schmal.

Bald darauf fährt der Zug ab. Klarissa lehnt am Fenster, und Anne stcht auf dem Bahnhof, es ist fast so, wie es neulich in Bremen war.

Klarissa und Ehristian wie grenzenlos wäre das Glück der jungen Anne, wenn diese beiden sich die Hände reichen würden. Aber sie tut ja nichts dazu, daß es soweit kommen könnte. Sie steht blaß und schmal vor der Tante, und plötzlich sagt sie: Klarissa, möchtes du nicht den Baldur kaufen? Konifere liebt Balfour."

Klattssa lacht, sie lacht laut heraus.Aber Kind, für wen soll ich den Baldur denn kaufen? Ich kann solch junges Tier nicht mehr reiten, das ist aus, für mich tut es der Bursche. Aber", ihr Gesicht wird hell, wenn du mir einen Mann auf den Hof bringst, der dich und das Land Hebt, bann soll der den Äalbur haben, so wahr ich lebe, das soll er."

Klarissa!" Anne streckt die Arme aus, wie kann ich es nur so schnell jagen, so in ein paar Worten? Ach da fährt ber Zug hin, eine Hand winkt. Kla­rissa winkt aus. Anne hat die beste Gelegenheit verpaßt. Soll sie ihr schreiben? Nein, bas geht auf keinen Fall. Also muß sie warten, ja, sie muß wieder warten. Sie geht zum Wagen zurück, sie hat den Kopf gesenkt. Ihr Gesicht ist blaß. Wie ein schmaler, herber Knabe sicht Anne Wegner aus.

Die Tage gehen dahin. Sie schleichen nicht etwa, nein, sie rasen wild und toll darauflos. Gott mag wissen, woher auf solch einem großen Hof immer wieder die Arbeit kommt! Ein Glück, daß Franz Pegel da ist. Zwar muß er sich noch schonen, er muß sehr gepflegt werden. Aber Luise ist die Frau, die bas versteht. Sie ist nie müde, und nie ist sie verdrießlich. Wen ber Kranke ärgerlich wirb, be­

gegnet sie ihm immer mit gleichbleibender Freund­lichkeit. Und ist es fast so, als ginge ein Teil ihrer Kraft auf Franz über, weil sie ihm die Schwere ber Krankheit ganz aus dem Bewußtsein nimmt. Sagt er aber:Es geht mir heute wirklich besser, Luise, ich glaube, das kommt wohl daher, weil du mich so gut pflegst", dann antwortet sie wohl:Nein, das kommt von dem Tee, den bu jetzt trinkst. Das ist ein ausgezeichnetes Rezexst von Klarissa. Ich finde auch, deine Kräfte nehmen täglich zu, Franz. In der vergangenen Woche war dein Rücken lange nicht sv aerobe, wie er heute ist. Wundervoll, wie deine Ge­sundheit fortschreitet, du wirst bald wieder ganz gesund sein."

Luise ist eine Frau vom Lande, die es vielleicht nicht besser weiß. Aber alles, was recht ist, Franz fängt an, ihren Worten zu glauben. Er sieht feinen Rücken an und sagt:Ja, du kannst wirklich recht haben", und er fühlt sich mteber jung, unb manch­mal merkt er, dafe er morgens bei ber Arbeit flötet. Er findet seine Frau nicht mehr dumm, er entdeckt vielmehr die tiefe und natürliche Intelli­genz des Landkindes in ihr. Und sie ist nicht mehr so zurückhattend, wie sie früher aus Furcht war, von ihm verlacht zu werben. Das Ehepaar rückt ein­ander näher. Er sagt auch, daß er Kinder haben möchte, wenn er wieder gesund ist. Es ist nicht gerade so, daß sie Hand in Hand sitzen, bewahre, aber er fühlt seine Krankheit kaum mehr, wenn Luise bei ihm ist. Verläßt sie aber wirklich mal auf kurze Zeit das Haus, bann ruft er ihr nach: Bleib nicht zu lange fort!"

5a, bas sagt Franz, und Luise geht umher, schimmernd, wie eine Kerze. Sie möchte über jeden Menschen, den sie, kennt und liebt, die Hände breiten und jedem nur Gutes tun, und als sie eines Mor­gens Irene Waitz zusammengebrochen vor des Ver­walters Stubentür findet, macht sie kein großes Geschrei und sagt nicht eilt Wort darüber, wie sie Irene fand. Für sie ist Irene krank. Ein einsames und krankes Kind, dem man helfen muß, das ge­pflegt werden muß. Sie behält Irene bei sich Int Haus und pflegt sie mit der gleichen Liebe, mit der sie den eigenen Mann pflegt und umforgt.

Irene ist wild, ungebärdig und gar nicht dankbar. Aber sie ist krank, ein seelisch unb körperlich voll­kommen zusammengebrochener Mensch. Luise ver­langt keinen Dank, Luise möchte nur helfen. So kommt es, baß Irene mit dem Verwalter Paul Würz unter einem Dach wohnt, doch Paul kümmert sich nicht um sie. Er kommt nicht, er schickt ihr feine Blume, Irene Waitz ist nicht mehr für ihn da, ja, hatte er nicht seine Tür vor ihr verschlossen?

(Fortsetzung folgt)