stellen, die damals — im Jahre 1852 — wenig Glauben gefunden haben mag, die uns aber heute wieder sehr zeitgemäß und gar nicht erstaunlich vorkommt: „hiesige Spießbürger", so sagte er, „die immer noch die Waterloo-Schlacht allein gewonnen haben, schwatzen natürlich, als würden sie vorkom- menden Falls jeder ein Pulafox sein, aber wir wis- sen's besser und wissen recht gut, auf welchem Baden das Urbild zum Falstaff gewachsen ist. Ich habe in einem früheren Briefe von der Macht des eng- lischen Nationalgefühls gesprochen, und diese Macht ist da, aber die Klinge, die eine Eisenstange durchhaut, zerbricht umgekehrt wie Glas, und unter dem Schweiß dieses gelderjagenden Volkes rostet jene Klinge von Tag zu Tag und verliert ihren Zauber und ihre Kraft, unbemerkt, aber sicher. Weder Volk noch Parlament, weder Adel noch Geistlichkeit beherrschen England, sondern die Herren in Liverpool und in der City von London. Der Handel hat zu allen Zeiten groß gemacht, aber auch klein: groß nach außen hin, aber klein im Herzen. Er kauft den Mut: er hat ihn nicht selbst — und hier liegt die Gefahr... Der Handel hat nie größere Zwecke als sich selbst, und seine erste Bedingnis ist — die Ruhe. Ein Gewinn in Aussicht gestellt, und bie City von London geht mit jeder Dynastie."
Fontane kommt zu diesem Ergebnis: „England
gleicht den alten Teutonen mit ihren langen weitreichenden Lanzen: sie beschrieben einen Kreis damit, und wer an den Kreis kam, der war des Todes. Aber einmal keck in den Kreis hineingesprungen, so war die Lanze kein Schrecken mehr, sondern eine Last, und das kurze römische Schwert fuhr töd- lich zwischen die Rippen des Riesen. England ist ein Simson, aber erfaßt am eigenen Herde, sind ihm die Locken seiner Kraft genommen... Der Engländer flieht schwer: wenn er flieht, flieht er gründ- lich, und der Schrecken würde panisch sein wie zu Zeiten der Joanne d'Arc."
Wie bitter ernst Fontane diese vernichtende Vorhersage gemeint hat, geht aus einer Anmerkung hervor, die er diesen Worten anschließt: „Seit ich das Obige niederschrieb, sind anderthalb Jahre vergangen. Die Ereignisse dieser letzten Wochen (gemeint ist der Krimkrieg) sind mir kein Beweis, daß ich damals nur Gespenster gesehen hätte. Und wenn innerhalb der nächsten zehn Jahre Hinterindien und China zu britischen Provinzen würden, dennoch ist es wahr, daß die rätselhafte Geisterhand, die dem Belsazar erschien, auch diesem übermütigen England schon das Menetekel Upharsin an seine goldenen Wände geschrieben hat, und daß, wie ein Engländer selbst ahnungsvoll ausrief, »der Anfang vom Ende da iftV' —o.
Frankreichs Kriegsschuld.
Starker Eindruck der deutschen Dokumente im gesamten Ausland.
Rom, 22. Ian. (DNB.) Der Veröffentlichung des Briefes des Reichsaußenministers von Rlbben- tr o p an den ehemaligen französischen Außenminister Bonnet hat in der italienischen Presse ein starkes Echo gefunden. Der „Popolo di Roma" geht von den Sprichwort aus, daß ein diplomatisch gut ausgerüsteter Krieg bereits bedeutet, daß man chn halb gewonnen habe. Von diesem Gesichtspunkt aus erhalte der Brief des Reichsaußenministers eine große Bedeutung. Frankreich habe seit dem Besuch des Reichsaußenministers, der Aufforderung des Reiches, den Weg der historischen Versöhnung mit Deutschland zu beschreiten, ausdrücklich zugestimmt. Diese Dersöhnuna hätte Europa in eine Aera des Friedens, der Ruhe und der fruchtbaren Arbeit herb ei geführt. Stattdessen ist sie auf tragische Weise entwichen, hauptsächlich durch die Intervention Englands, welche Frankreich gezwungen hat, fein Wort 511 verleugnen. Die Versöhnung habe auf der französischen Anerkennung der deutschen Interessen in Osteuropa beruhen sollen. Die französische Regierung habe versprochen, sich in diese Zone nicht einzumischen, über diesen Punkt lasse der Brief Ribbentrops keinerlei Zweifel. „Voce d'Äalia" sagt: „Die Erklärungen Campinchis zeigen, daß bereits im April 1939 die leitenden Kreise Frankreichs entschlossen waren, gegen Deutschland Krieg zu führen und das polnische Problem nichts anderes als ein bequemer Vorwand dafür war, den Konflikt zu entfesseln. Der Zweck des Krieges sollte darin bestehen, Deutschland einen Frieden au hu« zwingen, der seine Existenz für immer erdrosselt hätte." Das Blatt unterstreicht besonders, daß die italienische Presse früher häufig Gelegenheit hatte, gegen antntaliemsche Aeußerungen Campinchis Stellung zu nehmen.
Auch in nüchtern denkenden schwedischen Kreisen hat sich der Eindruck verstärkt, daß Frankreich grundsätzlich Ende 1938 zu einer endgültigen Bereinigung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Frankreich bereit war und daß es lediglich unter dem Einfluß Londons in den Konflikt Mit Deutschland hineinaeschlittert ist. Man bemerkt besonders die Offenheit, mit der der Reichsaußenminister den verantwortlichen französischen Stellen Deutschlands Haltung zu den Ostproblemen bärge- leget hat und die Diskrepanz, die sich zwischen dem in Paris anläßlich des Besuches des Reichsaußen- minifters dargelegten französischen Standpunkt zu dieser deutschen (Anstellung unb der späteren Hal
tung der französischen. Außenpolitik zu erkennen gibt. Man betont, daß in dem Brief Ribbentrops erneut dem Derständigunswillen Deutschlands gegenüber Frankreich unter Hinweis auf die grünt)- lätzliche Einstellung des Führers außerordentlich lebendiger Ausdruck verliehen wurde, und man übersieht nicht, daß eine Vermeidung des europäischen Konfliktes möglich gewesen wäre, sofern Frankreich sich durch die deutlich ausgesprochenen Warnungen veranlaßt gesehen hätte, auf seiner ursprünglich angenommenen Haltung hinsichtlich der Anerkennung der deutschen Interessensphäre im Osten zu verharren. Im übrigen ist man in urteilsfähigen hiesigen Kreisen der Ansicht, daß die in der Haltung Frankreichs festzustellende Wandlung fei- nesfalls durch die Notwendigkeit der Wahrung irgendwelcher vitalen französischen Interessen bestimmt gewesen sein kann, da eines ber brennendsten Probleme der französischen Politik durch die Bereinigung des deutsch-französischen Verhältnisses erledigt war und daß infolgedessen von außenher der französischen Regierung injiizerte oder sogar aufgezwungene Gesichtspunkte für diese Wandlung maßgeblich gewesen sein müssen. In Kenntnis des jetzt veröffentlichten Briefes des Reichsaußenministers kann man in Schweden sein Erstaunen darüber nicht verber- «n, daß die französische Regierung noch zu der Zeit, da ein europäischer Konflikt durchaus zu vermeiden war, nicht die Gelegenheit ergriffen hat, sich im Interesse des eigenen Landes von krieg streberischen Einflüssen frerzumachen.
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In Haager politischen Kreisen vertritt man Me Auffassung, daß man nunmehr wertvolle Aufschlüsse zu der Frage erhalten habe, inwiefern man in Paris eine Mitschuld an der Zuspitzung der deutsch- polnischen Auseinandersetzung und damit am Ausbruch des Krieges auf sich geladen habe. Es kommt das Erstaunen und eine gewisse Kritik darüber zum Ausdruck, daß Frankreich wegen der polnischen Frage eine dauerhafte Aussöhnung mit Deutschland leichtfertig aufs Spiel gesetzt und damit gleichzeitig auch für die ganze Welt große Nachteile heraUfbe- schworen habe.
Die „Neue Züricher Zeitung" sagt, Ausgangspunkt für die deutsche Argumentation bilde die Auffassung, daß Frankreich die Expansionspoli- tik Deutschlands in Osteuropa zu dmden sich verpflichtete. Der französischen PoMk werde durch die letzte deutsche Veröffentlichung der Vorwurf gemacht,
Goldaienschwank.
Don Karl Burkeri.
Der Alois Lichtscheitel hat aus dem Weltkrieg einen Schwank mit heimgebracht. Wenn er gut aufgelegt ist, gibt er ihn manchmal zum besten. Der Schwank aber geht so:
Wir von der Achten haben einen Kompanieführer gehabt, mit dem ein jeder recht wohl zufrieden hat sein können. Weglehner hat er sich geschrieben, seinen andern Namen weiß ich nicht, tut aruh weiter nichts zur Sache. Die Hauptsache: wir waren gut versorgt mit ihm, und daß einmal einer über chn gemault hätte, das hat es einfach nicht gegeben.
Unser Hauptmann hat von einem jeden in der Kompanie gewußt, wie er sich schreibt und wo er her ist, wie er in Friedenszeiten sein Brot verdient hat und was sonst noch mit ihm los ist. Unter Hauptmann hat es dir, ohne erst beim Feldwebel anfragen zu müssen, auf den Tag hin sagen können, wann du mit dem Urlaub dran bist, und ein Versehen oder eine Ungerechtigkeit hat s bei uns nicht gegeben. Unser Hauptmann hat mit der Mannschaft aus der Feldküche gegessen, und wenn mir in Ruhe gekommen sind oder wenn er wieder mit uns in Stellung gegangen ist, dann ist er nicht auf einem Gaul geritten, sondern dann ist er marschiert wie mir, und sogar einen Tornister, einen richtigen Mannschaftstornister, hat er allemal auf dem Buckel gehabt. „Was ich bei mir hab, das hab ich bei mir", hat er gesagt und „auf jemand anders soll sich ein Soldat nicht allzu sehr verlassen."
In einem Stück aber ist der eine und andere dann doch nickst ganz einverstanden gewesen mit unserm Hauptmann. In einem Stück da war er doch gar zu genau. Wenn du halt an so einem Kirschgarten vorbei kommst und die zeitigen Kirschen hängen die schier bis ins Maul, da meint man eben doch, es wär grab keine Todfünd', wenn man sich an ber lieben Gottesgab' ein wenig verlustieren töt. Aber unser Hauptmann hat eben da gar keinen Spaß verstanden. „Wir sind hier im Elsaß", hat er gesagt, „wir stehen nicht in Feindesland. Zum Requineren hab' ich keinen Auftrag, und plündern gibt es bei mir nicht. Ihr werdet euch darnach richten!" Und das taten wir dann auch: denn daß einem wegen einer Handvoll Mira- bellen ober Pflaumen ber schöne Urlaub für einstweilen gesperrt sein sollte, das wollte man doch lieber nicht riskieren.
Ist auch zu keiner Zeit was Ungerades vorgekommen bei der Achten, soviel man gehört hat, ist keine Klage eingelaufen beim Regiment oder gar noch höher droben, und daß unser Hauptmann da draus nicht wenig stolz gewesen ist, das kann sich ein jeder ja denken.
Aber einmal haben sie ihm eben doch einen Streich gespielt, hab selber nichts dafür können, bin nur so dabeigestanden, rote es vor sich gegangen ist, und — unfern Herrn Hauptmann in Ehren! — daß es mich nicht hinterher ein wenig gefreut hätf, das will ich durchaus nicht in Abrede stellen.
Hat sich im Spätherbst xugetragen, an einem Donnerstag in der Früh ist's gewesen, weiß es noch wie heut. Waren ein paar Wochen in so einem kleinen Rebsteckendorf in Ruhe gelegen, aber nun war das eben wieder vorbei, und nun marschierten wir da auf der Landstraße, marschierten in Gottes- namen wieder den sakrischen Bergen entgegen, wo uns der Franzose und wer weiß, was noch alles erwartete.
Der Hauptmann bildete wie allemal den Beschluß der Kompanie, und dieweil ich doch im letzten Glied marschiert bin, hab ich's alles mit anhören können, was sich da hinter meinem Buckel zugetragen hat. Ist also auf einmal ein Bauer neben dem Hauptmann hergelaufen und von einem Gockel hat er was daher geschwätzt. „Ein Prachtgockel!" hab ich ihn sagen hören. „Bei meiner Seel', der schönste Gockel im ganzen Dorf!" hat er weiter behauptet. Erst ein Jahr sei er gelaufen und einen Preis, ganz gewiß einen Preis hätf ein solcher Staatsgockel auf jeder Geflügelschau bekommen müssen. Aber'damit sei es jetzt halt vorbei. Hin sei der Gockel, maus- hin. Heut' in aller Früh müßt' es ihm ans Leben gegangen sein, denn noch blutswarm hat man seinen Kopf auf dem Mist gefunden, und auf wen man das zeihen müsse, nun, dem Herrn Hauptmann, brauche man doch wahrlich nicht mit dem Holzschlägel zu winken.
Nein, das hat er nicht vonnöten, sagt unser Hauptmann, er hat ganz gut verstanden, wo man hinauswolle, nur wäre die Frage, ob man dabei auf der richtigen Spur fei; er hoffe ja nicht, daß man in der ersten Hitze dahergelaufen komme und seine Leute grundlos verdächtige, aber man werde sa sehen.
Ich brauch' auch nicht lang herumzuschneiden im langen (9ras; furz und gut, mein Hauptmann läßt die Kompanie anhalten, läßt einschwenken, läßt rühren, sagt uns, um was es sich handelt, läßt die Gewehre zusammensetzen, läßt bie Tornister ab- nehmen, ein jeder muß den seinen aufschnallen und nun wird man ja gleich sehen, wo das rare Gockel- vieh daheim ist.
Der Hauptmann geht selber von Tornister zu Tornister, ber Dauer muß überall dabei sein, speck- tet mit langem Hals in jeden Muckel hinein, sieht alles und jedes, was der Soldat so mit sich fuhrt, nur einen Gockel sieht er halt nicht. Und weil er den nicht zu sehen kriegt, wird er immer kleiner und kleiner, und wie man beim letzten Mann angekommen ist, steht ber arme Dauer ganz ratlos und elend da, und am liebsten wär' er jetzt recht weit weggewesen.
Eine deutsche Dichter-Tagung
Dr. Goebbels fordert Mobilisierung der
In Berlin begann eine Tagung der Dichter und Schriftsteller mit den führenden Männern des Rundfunks, um alle Kräfte für den uns aufge- zw un gen en Kampf einzusetzen. Der Betriebsführer der Reichsrundfunkgesellschast, Direktor Foß, konnte etwa 50 namhafte Dichter und Schriftsteller, an der Spitze den Präsidenten ber Reichsschrifttums, kämm er Hanns I 0 h st und unter ihnen den greifen Max Halbe begrüßen. Für die Abteilung Schrifttum im Reichsministerium für Volksauf- flärung und Propaganda hieß Ministerialdirigent H a e g e r t bie Teilnehmer willkommen. Nach einem Wort von Dr. Goebbels fei gerade. die Dichtkunst berufen, eine besondere Aufgabe zu erfüllen. Dem Dichter sei durch den Rundfunk Gelegenheit gegeben, zu Millionen zu sprechen. Zwischen dem Dichter und dem Rundfunk eine enge Zusam- menarbeit zu schaffen, sei eine Aufgabe des deutschen Kulturschaffens.
lieber bie Aufgabe des Dichters, bie geistigen Waffen in diesem Kampf um das Recht und das Leben des deutschen Volkes einzusetzen, sprach der Leiter ber Abteilung Rundfunk im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Ministerialdirigent Berndt. Der Dichter müsse mit- ten i m Erleben der Zeit stehen und seine Einfälle aus dem ungeheueren Geschehen unserer Tage für sein dichterisches Schaffen empfangen, so wie die Dichter ber Freiheitskriege dem Volke Mut und Tapferkeit, Schwung und Kraft gaben, so soll auch der Dichter unserer Tage seinen An-
geistigen Kräfte der Nation.
teil bei dem Kampf um das Leben der Nation haben.
Der Oberspielleiter des Deutschlandsenders und des Reichssenders Berlin, Gerd Fricke, machte die Teilnehmer der Tagung dann mit dem techni- fchen Teil der Rund funk arbeit, vornehmlich dem politischen Hörspiel, bekannt. Reichssendeleiter Ha- bamowski wies darauf hin, daß Kultur, Politik und Propaganda, die sich alle des Wortes bedienen, wesensbleich seien. Propaganda und Politik feien ebenso sehr gemeinschaftsblldende Kräfte wie die Kultur.
Die Dichtertagung fand ihren Höhepunkt in einer Begrüßung durch Reichsminister Dr. Goebbels, in feinem Ministerium.
Der Kampf um bie endgültige Erhebung Deutsch- lands zur souveränen Großmacht, so sagte der Minister, erfordere nicht nur den restlosen Einsatz aller militärischen und wirtschaftlichen, sondern in gleicher Weise die Mobilisation der geistigen Kräfte der Nation. Die Nation habe ein Recht, den restlosen Einsatz auch der Persönlichkeit und bet Kunst des schöpferischen deutschen Menschen zu fordern. Der Appell des Ministers fand tiefes Verständnis und lebhaften Widerhall. An dem Empfang nahmen u. a. teil: Halbe, Schaffner, Rehberg, Ielusich, Professor Kluge, Menzel, Eggers, Graf Bosfi-Fedrigotti, Tumler, Ettighofer, Dr. Lüdke und viele andere bekannte deutsche Dichter und Schriftsteller.
daß sie durch ihre Einmischung in die deutsch-polnische Auseinandersetzung die Grundlage der deutsch- französischen Verständigung zerstört habe. Ihre Hal- tung werde mit dem Geist der Pariser Erklärung als unvereinbar bezeichnet.
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Auch in der b e I pf f d)en Oeffentlichkeit mißt man der Veröffentlichung des Briefwechsels Ribbentrop—Bonnet für die Klärung ber Verantwortung für den Krieg große Bedeutung bei. lfQe Soir" hebt hervor, daß Frankreich es gewesen fei, bas seine Politik änderte, nachdem es die Lebensinteressen Deutschlands anerkannt hatte.
Bundesrat Motta qestorben.
Bern, 23. Januar. (DNB. Funkspruch.) Der Vorsteher des Eidgenössischen politischen Departe. mente, Bundesrat Giuseppe M 0 tta, ist am Dienstagvormittag in Bern nach einem Schlaganfall gestorben. Giuseppe Motta war 1871 in Airolo geboren worden. In Freiburg, München und Heidelberg studierte er Rechtswissenschaften und wurde bann Advokat in seinem Heimatkanton Tessin. Dort trat er seit 1895 als konservativer Politiker hervor, wurde 1899 in ben Nationalrat gewählt und 1911 in den Bundesrat, wo er von 1912 bis 1917 bte Bundesfinanzen leitete. In den Jahren 1915 bis 1920 bekleidete er das Amt des Bundes» präfrbenten. Seit 1920 war Motta Chef des potttt- fchen Departements, leitete also als solcher die auswärtigen Angelegenheiten ber Schweiz. Das Jahr 1927 sah ihn wieder als Bundespräsidenten, für das Jahr 1931 wurde er zum Vizepräsidenten des Bundesrats gewählt, 1932 war er wiederum Bundes- Präsident, im ganzen fünfmal. Motta beherrschte die drei Landessprachen der Schweiz geläufig und erfreute sich sowohl in der Schweiz als auch tn internationalen Kreisen größten Ansehens.
Die Wahlen in Bulgarien.
Sofia, 22. Januar. (Europapreß.) Der dritte Sonntag der Wahlen zur bulgarischen Sobranje brachte der Regierung Kjosseiwanoff einen neuen überwältigenden Sieg. Von ben am Sonntag in den Verwaltungsbezirken Plowdiw (Philippopel)
Wie ein Tropf steht er da vor unferm Hauptmann, weiß nicht, was er sagen soll, will so was wie eine Entschuldigung vorbringen, aber der Kom- panieführer bedeutet ihm nur kurz, daß er sich scheren möchte, und daß er bas so ohne weiteres darf, bas ist ihm jetzt auch das liebste, und wie ein verprügelter Hund trollt er davon.
Hatte nicht gaschen, rote sich Stucker drei vom zweiten Zug, während das alles vor sich gegangen ist, mit luftigen und frechen Augen angeblitzt haben, auch ber Herr Hauptmann hat nicht bemerkt, wie sie jetzt heimlich atif den Steckzähnen gelacht haben und daß unter denen fein Bursch, ber Alois, dabei wäre, selbes hat er sich schon gar nicht träumen lassen. %
Droben in der Stellung fackelte am Abend, ber diesen Tag beschloß auf Feldwache 4 in einem Kanonenöfchen ein munteres Feuer. In einer Pfanne brutzelte daselbst der rare Gockel, ben ber Alois, der niemals etwas falsch machte, vorsichtshalber im Tornister des Herrn Hauptmanns verstaut hatte.
Schach.
Wenn sich bie Familie nach bem Abendbrot gern ütlid) rm ben Wohnzimmertisch zusammenfindet -r~ und dies wird heute im Zeichen ber Verdunkelung ber Regelfall fein —1, taucht manchmal die Frage auf: „Was machen wir jetzt?" Unter all ben Gesellschaftsspielen, bie bann herausgeholt werden, verdient das Schachspiel besonderen Vorzug. Gewinnen ober Verlieren hängt hierbei nicht wie z. B. beim „Mensch ärgere dich nicht" von der zufälligen Augenzahl der Würfel ab, sondern von bem überlegenen Lenken der einzelnen Figuren. Es ist nur zu bedauern, daß sich das Schachspiel nicht längst ber allgemeinen Beliebtheit erfreut, bie ihm gebührt. Die dabei zu leistende Denkarbeit wird von dem, der das Spiel beherrscht, ja auch gar nicht als Anstrengung ober Belastung empfurtoen, sondern als geistige Ausspannung in würdigem Rahmen. Nur bie, bie es noch nicht kennen, glauben, daß es „zu sckwer" sei. Besonders Kindern sollte man schon in frühen Jahren dieses ritterliche Spiel beibringen, bas in so hervorragender Weise dazu geeignet ist, ben wachsenden Geist zu schulen und logisch denken zu lernen. Jeder Volksgenosse hat bie Möglichkeit, sich für wenig Gelb in KdF.-Kursen in die Geheimnisse des Schachspiels einweihen zu lassen, es mit seiner Familie zu spielen und manche erholsame Stunde dadurch zu finden.
Jede Partie stellt einen Feldzug im Kleinen vor. Es gilt bei diesem Zweikampf des Geistes, den feindlichen König zu schlagen. Jede ber beiden Parteien verfügt über bas gleiche Material, durch Tat
und Wratza (Nordwest-Dulgarien) gewähllen 41 M- geordneten stehen 38 hinter der Regierung. Somit sind bis jetzt in ben fünf Verwaltungsbezirken Schumen, Burgas, Plewna, Plowdiw und Wratza zusammen 109 Abgeordnete gewählt, von denen 9 9 (rund 92 v. H) Regierungsanhänger sind. Die Regierung Kjosserwanoff hat damit bereits jetzt eine Stimmenm ehrheit von rund 6 2 v. H. in der Sobranje. Am kommenden Sonntag werden die Sobranje-Wahlen mit ben Abstimmungen in den beiden noch ausstehenben Wahlbezirken Sofia und Stara Zagora ihren Abschluß fm- ben, wo zusammen noch 51 Abgeordnete zu wählen sind. Auf Grund des bisherigen Wahlausfalles rechnet man damit, baß von ben 160 Sobranje- Abgeordneten etwa 145 (90 v. H.) die Regierungs- Politik vertreten werden.
Kleine politische Nachrichten.
Das erste deutsche Perkehrsklumeug, das den regulären Flugdienst auf der Strecke Berlin — Moskau von deutscher Seite eröffnete, traf Montag nachmittag auf bem Moskauer Flughafen ein. Trotz des starken Frostes von über 30 Grab hat bie große beutsche Maschine ihren Flug planmäßig zurückgelegt.
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In Essen verschied nach längerer Krankheit der bekannte Eisenindustrielle Otto Wolff im Alter von 59 Jahren. Otto Wolff war Mitglied zahlreicher Aufsichtsräte größerer deutscher Montankonzerne unb eifennerarb eitenber Unternehmen.
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Mit einem feierlichen Schlußappell der ehemaligen Amtswalter ber „Deutschen Vereinigung" wurde in Bromberg die Tätigkeit dieser großen Volksorganisatton abgeschlossen.
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Der jugoslawische Ministerpräsident Zwetko- witsch empfing Montag ben politischen Sprecher ber deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, Franz Hamm, ber mit ihm die Frage einer deutschen Vertretung im Senat sowie verschiedene Schulfragen besprach. Ferner wurde die Haltung ber
tik und Klugheit kann jeber gewinnen ober durch überschnelle und unüberlegte Züge verlieren. Acht Bauern ziehen auf jeder Seite auf, die ihren König decken, aber nicht mehr für ihn tun können, als Schritt für Schritt vorwärtszugehen und ihm in ehrlichem Kampfe ihr Leben zu opfern. Dazu kommen dann die Edelleute, die ihn umgeben; sie haben einen weitaus größeren Machtbereich, unb das Verhalten dieser Getreuen ist maßgebend für Sieg oder Niederlage. Zu diesen Getreuen gehört auch die Dame — eigentlich die wichtigste Figur im Spiel —, bie sich manchmal selbst einsetzen muß, um ben Sieg des Königs au retten. Die ritterliche edle Karnpfesart kommt besonders darin zum Ausdruck, daß der feindliche König nicht hinterlistig nieder- gemacht, sondern daß er sogar durch ein „Schach" darauf aufmerksam gemacht wird, wenn ihm eine Niederlage droht.
Wer das Schachspiel erst richttg kennen und schätzen gelernt hat, wird oft genug aus der Stellung der Figuren Probleme wiedererkennen, die ihn im täglichen Leden bewegen. Unb diese Stellungen der Figuren sind so vielfach, daß sie sich so gut wie nie wiederholen. Schon in alten Zeiten hat man dieses königliche Spiel dadurch zu würdigen versucht, daß man es in kostbarem Material herstellte. In den Juwelenkellern des Grünen Gewölbes in Dresden ist ein Schachspiel zu sehen, das aus Hellem und dunklem Bernstein hergestellt ift Im Schaufenster eines Berliner Ebelmetallaefchäftes war vor kurzer Zeit ein Spiel ausgestellt, dessen Figuren unb Felder aus Silber und Goll» getrieben waren. Im Kunstmuseum einer größeren Stabt Deutschlands steht in einem Saal eine Erzplastik, bie ein Königspaar aus Schweden beim Schachspiel wieder gibt. Gebäpde, Haltung und Ausdruck der Spielenden zeigen, wie die beiden im Spiel gefangen find. Zu allen Zeiten haben führende Männer des Geistes und der Faust Echolung unb Entspannung bei diesem schönsten aller Spiele gefunden, und es wäre sehr zu begrüßen, wenn das Schachspiel gerade heute mehr und mehr zu einem wahren Dolksspiel werden würde. H. K.
Falsch verstanden.
Em regierender Fürst beehrte einmal eine Klein- stadt mit seinem Besuch. Der Fürst war ein wenig nervös und leicht reizbar, und so geriet er sogleich in allerhöchsten Zorn, als ber Stadibarbier ihn beim Rasieren verletzte.
„Das kommt vom Saufen!" schrie er den Haarkünstler wütend an.
Der Barbier nickte überzeugt: „Jawohl, ganz meiner Meinung, Hoheit: vom Saufen. Das macht die Haut fo spröde!"


