Ausgabe 
22.10.1940
 
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kenswerter, als damit die Absicht angedeutet werde, die Operationen der Südchinaarmee zu 0 er« stärken.

Tritt England weitere Flottenstützpunkte an USA ab?

61 o d f) o l m , 22. Okt. (Europapreß.) lieber eine neue englisch « nordamerikanische Aussprache zur Ueberlassung von Flottenstützpunkten berichtet der englische Nachrichtendienst, daß die zu den Kleinen Antillen gehörende Insel Antiqua, die nördlich von Guadeloupe gelegen ist, in Zukunft als Flotten­stützpunkt für die Bereinigten Staaten verwendet werden soll.

Oer Neichsführer ff im Ercorial und in Toledo.

M a d r i d , 21. Okt. (DNB.) Der Reichsführer ff begab sich in Deglettuna des Sekretärs der Falange und des deutschen Botschafters sowie der deutschen

Waffenattach^s nach dem Escorial, um am Grabe des Nationalhelden Josö Antonio P r i m o de Rivera einen Kranz niederzulegen. Der Reichsführer ff wurde vom Madrider Militärgou­verneur, mehreren Nationalräten, dem Madrider Bürgermeister u. a. begrüßt. In dem Königshof prä­sentierte eine Hundertschaft der Falange.

Anschließend begab sich der Reichssührer ff in Begleitung des Chefs der spanischen Polizei, Graf Mayalde, nach Toledo. An der Straße nach Toledo standen Zivilgarde und Mitglieder der Fa­lange Spalier. Die Ortschaften waren mit deutschen und spanischen Fahnen geschmückt. Vor dem A l - c a z a r stand eine Kompanie Polizei und eine Ab­teilung Falangejugend. General Moscardo, der Ver­teidiger der Feste, begleitete den Reichsführer ff durch den Alcazar zur Gedenktafel der Gefallenen und der Erinnerungsschrift an das denkwürdige Te­lephongespräch zwischen General Moscardo und seinem Sohn. Anschließend fand im Rathaus von Toledo ein Empfang statt.

Die Planung -er Jugendarbeit.

Reichsjugendführer Axmann vor der preffe.

Berlin, 21. Okt. (DNB.) Reichsjugendführer Axmann erklärte der Presse, daß es des großen Menschenmangels wegen immer schwieriger werde, tüchtige Jugendführer au besitzen; er hat deshalb mit dem Stellvertreter des Führers vereinbart, daß die Jugendführer der HI. von der Partei übernommen werden. Das letzte Jahr ihrer Tätigkeit in der HI. werden sie bereits zur Partei ab kommandiert. Eine Schule wird ferner den Ju- gendführern für den Uebergang auf die Arbeit in Partei und Staat oorbereiten. Sie werden dann ranggemäß mit Parteiposten betraut. Um solchen Iugendführern, deren Veranlagung sie für Aufgaben im Staate prädestiniert, dem Staat zur Verfügung stellen zu können, werden noch Verhandlungen ge­führt.

Bis jetzt hat die HI. ihre Formationen nach Jahrgängen aufgebaut. In Zukunft sollen auch die Arbeitsgebiete den Jahrgängen angepaßt werden. Zum Beispiel auf dem Gebiete der Fahr­ten wird der Elfjährige nur seine engste Heimat kennen.lernen, erst mit zwölf Jahren wird er ins Lager kommen, mit 17 Jahren wird er das Aus­land sehen. Auch auf dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung und der weltanschaulichen Schulung wird ein fester Plan bestehen, der nach Jahrgängen aufgebaut ist. Auch auf der Akademie für Jugend­erziehung wird der Jugendführer lernen, wie er jedem einzelnen Jahrgang gerecht wird. Durch diese Planung wird jede 'Wiederholung vermieden und viel Zeit gewonnen werden. Der Reichsjugendführer unterstrich die Bedeutung der Freizeit für den einzelnen, der nur durch sie in die Lage versetzt wird, frei Akem zu holen und so besondere Ver­anlagungen pflegen kann.

Der Wunsch des Reichsjugendführers nach rattv- neller Arbeit geht auch aus dem Interesse hervor, das die HI. trotz aller Abgrenzung mit der Schule für die Frage des Lehrernachwuchses hat. Der Mangel an Menschen wird es notwendig machen, daß an manchen Stellen der Posten des HI.'Führers und des Lehrers in einer Per­son vereint sind. Auch die Angleichung der Banne an die Kreise in der Partei, was die Neuerrichtung von 223 Bannen bedingt, liege auf der gleichen Ebene. Der künfttge Bann- sührer in einem Kreise der Partei wird gleichzeitig

auch der Führer des Jungvolkes fein, so daß die Dienststellung des Jungbannfsihrers überflüssig wird. Das bedeutet neben einer großen Ersparnis an Jugendführern eine Konzentration der Arbeit. Der Bannführer wird daher die Führerauslese voll über­setzen und er wird auch als der einzige Vertreter der HI. zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Kreisleiter kommen. Damit der Bannführer genug Zeit hat, bei seinen Formattonen zu sein, wird er durch einen Hauptbannführer von den Der- waltungsarbeiten entlastet. Der Geldbeitrag für HI., Jungvolk und BDM. wird künftig fort­fallen. Dadurch werden 70 000 ehrenamtliche Geld­verwalter für andere Aufgaben frei. Der Reichs­jugendführer betonte, daß die Beseitigung des Bei­trages die Jugend davor bewahre, beim Einkassieren und Verwalten von Geldern in Versuchung geführt zu werden. Zum Schutze der deutschen Jugend dient auch der Befehl, daß werktags um 20 jeder Dienst beendet sein muß. Dafür werden die Sonntagvormittage herangezogen.

Sehr am Herzen liegt dem Reichsjugenüführer die Herstellung des besten Verhältnisses zwischen Elternhaus und HI. Dadurch werden seelische Kräfte frei gemacht, die wir für den Kampf unseres Volkes brauchen. Zum Schluß betonte der Reichs­jugendführer, daß die Jugend im Großdeutschen Reich zu einem ganz neuen, umfassenden Weltbild erzogen werden müsse. Die Jugendführer würden hinausgesandt werden in die Grenzgebiete, in die neuen Gebiete und ins Ausland, damit ihnen der Blick geweitet werde und sie von diesen Standpunkten aus erkennten, daß das deutsche Volk der Kernpunkt ist, der die größten Kräfte spendet. Die Jugend werde auch vor einem falschen Herren standpunkt bewahrt werden. Es werde ihr immer wieder klarzumachen fein, daß Deutschlands Führungsanspruch in der Welt in seinen höheren Leistungen und seiner höheren Kultur begründet liege. Nur so lange sei auch jeder einzelne führungsberechttgt, solange er in der Lage ist, mehr zu leisten, als der andere, Erzie­hung zur Leistung und Bescheidenheit, so schloß der Reichsjugendführer,und gegen jede Arroganz, das ist einer der wichttgsten Gesichtspunkte nationalsozia- listischer Jugenderziehung".

Sein letzter Flug.

Von Kriegsberichter Heinz Laubenthal.

PK. Ich stehe an einem Soldatengrab. Es ist ein ganz frisches Grab. Noch ohne Kreuz. Ein paar Kränze auf dem kleinen Hügel, aus Eichenlaub und Tanne, wenig Blumen, aber rundum die leuchtende herbstliche Natur. Ein Goldteppich von gefallenen Blättern. Birkenbäume, und dort drüben der Feld­flughafen. Durch die Bäume sehe ich die Maschinen. Der Weg hier zu dem Grab zweigt unmittelbar vom Platz ab.

Ich bin mit zwei seiner Kameraden hierher ge^ gangen.Wir wollten, daß unser Hellmuth hier ganz nahe bei seinen geliebten Maschinen liegt. Flie­gen war fein Leben", sagt der Gefreite neben mir.

Gestern war hier die ganze Staffel angetreten, wir sind um das Grab herumgetteten nach der Bei- setzung. Unser Oberleutnant mit uns. Wir haben Abschied genommen, und unser Staffelkapitän hat gesprochen. Der andere, der mit mir herausgekom­men ist, sagt gar niHts. Er ist der Schreiber, der mit ihm auf seiner Stube lag. Jetzt steht er auf­recht vor dem Grab und macht seinem toten Kame­raden eine Ehrenbezeigung.

Wir gehen. Langsam kommen wir auf den Flug- platz, an den Maschinen vorbei. In die Stille hinein beginnt plötzlich der Gefreite zu erzählen:

Ich gehörte zu seiner Besatzung. Ich bin Flieger- schütze. Mit Hellmuth zu fliegen war eine Lust. Er beherrschte die Maschine und freute sich auf jeden Flug. So war es auch an einem der ersten Oktober- tage. Wir hatten alle schon lange auf einen Son­derauftrag gewartet. Endlich war es soweit. Schlechtes Wetter. Für uns hieß das: Gutes Wet- ter. Also los, wir flogen ganz allein, wir vier Kameraden. Die Wolken hingen tief. Wir ftieqen in die Wolken, die auch den Kanal bedeckten. Uns erschien alles resttos geschlossen, also günstig für uns.

In der Maschine war eine prima Stimmung. Heute würde es hinhauen. Leider war meine FT.« Kopfhaube nicht in Ordnung, so daß ich nicht Horen konnte, was die andern sich erzählten. Aber es schien mir so, als wenn Hellmuth wieder seine echt rheini­schen Witze machte. Er hatte einen herrlichen Humor.

So ab'und zu kamen jetzt ein paar Wolkenlocher. Das war ganz gut, man konnte sich mal orientieren. Deckunqsrnöglichkeit gab es immer noch genug. Jcun muß bald die englische Küste überflogen werden. Da schüttelt plötzlich der linke Motor. Zwei-, drei­mal. Kommt aber wieder zu sich. In der Kabine wird es ruhig. Wir vier achten auf die Instrumente, auf die Geräusche. Hellmuth fliegt.

Da reißt das Gewölk auf. Ausgerechnet vor der englischen Küste. Alles liegt klar da, strahlende Sonne, hellklarer Himmel, und wir flogen wie aus dem Präsentterteller vor der englischen Küste. Das ist schlecht zur Erledigung unseres Auftrages. Wjo zunächst mal kehrtgemacht, eine große Kurve über dem Kanal in den Wolken gemacht und einen neuen Anflug in größerer Höhe. Merkwur- digerweise steigt unsere Maschine nicht. Da muß doch etwas nicht in Ordnung sein. Wir kommen nicht höher, und wieder kehren wir um.

Nochmaliger Anflug. Die &üfte lag vollkommen offen da. Jetzt eine Kehre, und schon sehen wir die Hafen - undKaianlagen von H. liegen. Da ist die lange Mole. Der Bombenschütze, Unteroffizier Z., liegt schon über dem Visier und wirft. Ich kann hinten genau beobachten: erste, zweite, dritte, vierte da, die fünfte Bombe liegt ganz dicht neben der Kaimauer, die weiteren gehen in Reihen in die Hafenanlagen. Ich erkenne die Detonationen. Da läßt Hellmuth die Maschine mit steilem Gleitflug herunterkippen. Ich denke: aha, Richtung Heimat. Die Flak war wach geworden, wie Sie sich denken können, gerade nach dem Bombenabwurf. Da bal­lerte es ganz gehörig, und die Wölkchen lagen ver­dammt nahe. Einmal mürben wir hochgehoben. Es war also höchste Zeit.

Nun sind wir in den Wolken. Ich wende mich nach vorn, und sehe ... unten, auf dem Boden der Maschine ... ja, tft das wohl Blut? Nein, das muß Oel sein, die Bremsflüssigkeit sieht so ähnlich aus. Ob Hellmut das schon gemerkt hat? Die Maschin? muß doch etwas abbekommen haben.

Ich drehe mich um, will es ihm sagen. Zu dumm, daß meine FT.-Haube nicht in Ordnung ist. Ich schreie es Hellmuth in die Ohren. Er scheint nicht zu verstehen. Was ist denn los?

Das sollte ich erst nachher erfahren. Hellmuth war getroffen worden von einem starken Flaksplitter im rechten Oberschenkel. Er war schwer verwun­det: aber er hielt die Maschine. Er biß auf die Zähne. Er dachte im Augenblick nur an feine Kame­raden und an die kostbare Maschine.

Jetzt versucht Unteroffizier Z. mit seinem Koppel das Bein abzubinden. Der Blutverlust rft riesig. Es war also nicht die Bremsleitung. Ich sehe, wie das Blut durch den Fallschirm sickert. Auch Unteroffizier Z. rinnt das Blut aus dem Gesicht. Er muß eine Augenverletzung abbekommen haben. Ich helfe, so gut ich kann. Hellmuth ist bleich. Er muß rasende schmerzen haben. Er muß doch seine Fuße in den Pedalen halten, um zu steuern.

Wir fliegen ganz niedrig über dem Master hin. Z. hält mit ihm zusammen den Steuerknüppel, spricht chm Mut zu. Aushalten, Hellmuch, ziehen ziehen!" Wir müssen wieder hoch. Bald kommt die Küste.

.Höher, ziehen!" Wir waren an die französische Küste herangekommen. Da ist die Steilküste, die Kreidefelsen sind unter uns. Hellmuch und Z. machen verzweifelte Anstrengungen, höher zu kommen. Da ist ein Einschnitt, eine Flußmündung. Wir hinein. Hellmuch gibt dem Funker den Befehl, mit der Heimatstatton in Verbindung zu treten, es gelingt nicht. Wir krebsen so mit vereinten Kräften dahin.

Da sieht Hellmuch einen Feldflugplatz unserer Jäger in der Nähe der Küste. Das Fahrwerk war schon heraus, wir haben noch eine Affenfahrt. Das muß schief gehen. Da drüben rast ein Wald auf uns zu. Wir [dreien Hellmuth zu:Durchstarten, Pulle rein, Gas ziehen!" Er schafft es, wir kommen wieder hoch. Mit äußerster Willensanstrengung reißt er unseren Vogel im letzten Augenblick wieder hoch. Wir atmen auf. Hellmuth wird es schwarz vor den