Ausgabe 
22.1.1940
 
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Frankreichs Marineminister als Kriegstreiber.

Dokumente des französischen Kriegswillens.

Kriegsziel die Verachtung und Zerschlagung des Reiches.

Berlin, 20. Januar. (DNB.) Amtlich wirt) ver- lautvart (dritte amtliche deutsche Veröffentlichung zum französischen Gelbbuch):

Das französische Gelbbuch versucht erneut, den von England entfesselten Krieg als Derteidigungs- kampf hinzustellen und die Welt an den anhalten­den Friedenswillen Frankreichs glauben zu machen.

Demgegenüber werden nachstehend zwei Berichte des deutschen- Geschäftsträgers in Paris aus dem April 1 939 veröf entlicht, die in völliger Deut­lichkeit Wünsche, Ab ichten und Ziele der in der französischen Regierung maßgebend ge- wordenen Gruppe der Kriegsanhänger ent- hüllen. Die in den Berichten wiedergegebenen Aeußerungen des französischen Marineministers

C a m v i n ch i sind unrfo bedeutsamer, als dieser eine besondere Schlüsselstellung im französischen Kabinett innehatte. Der korsische Abgeordnete Carn- pinchi ist einer der maßgebendsten Persönlichkeiten der Radikalsozialisten, der führenden französischen Regierungspartei, in deren Kammerfraktion er eine wichtige Rolle spielte, ehe er von Daladier zum Marine Minister ernannt wurde. Als Chef des Marine Ministeriums hat Campinchi sofort nahe und vertrauensvolle Beziehungen zu den obersten Arrnee- und Marinekreisen ausgenommen, deren Ansichten er mit Erfolg im französischen Kabinett vertrat. Seine Ausführungen sind daher als authentischer Ausdruck der Ansichten der französischen Regierung zu werten.

Der deutsche Geschäftsträger in Paris an das Auswärtige Amt.

der feestrategischen Faktoren, aber keineswegs im­mer der entscheidende. Besonders nicht im gegen­wärtigen Kriege, der im Zeichen der Verwen­dung moderner Waffen steht. Wichttger als die Zahl ist der richtige strategische Ansatz der vor­handenen Einheiten und die richttge Verwendung der modernen Kampsmittel. Die Erfolge, die Deutsch, land hier bereits erzielt hat, sind den Engländern bekannt genug, und gerade das Geschrei, das sich in diesen Tagen vermehrt gegen die deutsche Krieg­führung erhebt, bestättgt uns den Erfolg.

Die Lteberlegenheit der deutschen Kriegswirtschaft.

Ein spanisches Urteil.

Madrid, 22. Januar. (DNB. Funkspruch.) Der Berichterstatter der ZeitungABC" beschäftigt sich mit der Kriegswirtschaft in Deutschland und bei seinen Feinden und schreibt, Deutschlands Preis- und Lohnpolitik, die seit Iah - ren stabil und ausgeglichen sei, habe nicht nur im Frieden die Welt in Staunen versetzt, son­dern tue das besonders jetzt in Kriegszeiten. Wäh­rend in allen übrigen Ländern die Löhne und Kon- funrpreise schwankten, seien sie in Deutschland ab­solut stabil. Dadurch befinde sich das Reich im Gegensatz zu seinen Feinden krieg sw irt- schaftlich in einem großen Vorteil. Hauptsächlich habe hierzu der Vierjahresplan beigetragen. Eine Nachahmung des deutschen Bei- piels fei in England unmöglich: denn einesteils einen die Einfuhrpreise durch den Pfund st urz tark gestiegen, andererseits sei die W i r t s ch a f t s - truktur völlig verschieden. Den Pfundsturz für ne Ausfuhr auszunutzen, dazu fehle es außerdem an einer Organisation der englischen Wirtschaft. Die S ch i f f s o e r l u st e verhinderten ebenfalls Export­möglichkeiten. Das Endergebnis werde wahrschein­lich eine große Inflation in England fein, so wie sie nach dem Weltkrieg Deutschland burchgemacht habe.

Der Wehrmachtsbericht vom Gamstag.

Berlin, 20. Januar. (DNB.) Das Oberkom­mando der Wehrmacht gibt bekannt:

Zwischen Mosel und Pfälzer Wald machte ein Spähtrupp bei einem Zusammenstoß mit einem französischen Spähtrupp mehrere Gesänge.

Die Luftwaffe führte Aufklärungsflüge gegen Großbritannien und Frankreich durch. Hierbei kam es bei der Grenzüberwachung zu Luftkämpfen über dem französischen Frontbe­reich. Lin deutsches Flugzeug ging verloren.

Einzelne feindliche Flugzeuge flogen in der Nacht vom 19. auf 20. Januar abermals über hol­ländisches Gebiet nach Nordwestdeutschland eia.

Der Wehrmachisbericht vom Montag

Berlin, 22. Jan. (DNB. - Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Leine besonderen Ereignisse.

Japanisches Motorschiff von englischem Kreuzer im Pazifik angebalten.

Amsterdam, 22.Ian. (Europapreß.) Die eng- kische Kriegsmarine hat, wie aus London gemeldet wird, damit begonnen, ihre Krieashandlungen ge­gen neutrale Schiffe auf Den Stillen Ozean auszudehnen. So wurde jetzt das japanische Motor­schiffAsana Maru" (17 000 Brgt.) im Nord- Pazifik von einem britischen Kreuzer angehalten. Eine A n z a h l D e u t s ch e r, die sich als Fahrgäste an Bord befanden, wurde von den Engländern an Bord des Kreuzers gebracht. Das japanische MotorschiffAsana Maru" ist eines der schönsten und schnellsten Passagierschiffe auf der nordpazifi­schen Route.

Skandalöse Zustände in einem französischen Flüchtlingslager.

Brüssel, 22. 3an. (DNB. Funkspruch.) In einer stark zensurierten Meldung weist derMotin" auf die skandalösen Zustände hin, die In einem Flüchtlingslager i n L i s i e u x herrschen, wo 284 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren unter­gebracht sind. Diese Kinder so schreibt das Blatt seien ohne jede Pflege sich selb st ü b e r l a s s e n gewesen. Die Zensur hat die nähe­ren Einzelheiten, die derMatin" hierzu veröffent­lichen wollte, gestrichen. Ein Beweis für die Schwere des Falles und große Bedeutung, die man ihm beimißt, liegt bereits darin, daß nicht nur der Unterrichts-Direktor des Seine-Departements an Ort und Stelle eingetroffen ist, um eine Untersuchung einzuleiten, sondern auch der Generalstaats- anwalt im Flüchtlingslager erschien und nach Prüfung der Lage ein gerichtliches Verfahren an- geordnet hat.

Uruguay will die allgemeine Wehrpflicht einführen. Montevideo, 22. Januar. (Europapreß.) Die uruguayische Regierung fordert in einem Gesetz- entwurf die Einführung der allgemeinen Wehr- pflicht. Der Gesetzentwurf, der dem Parlament un­terbreitet werden wird, sieht eine sechsmona- Hge Militärdienstpflicht sowie eine vor­militärische Ausbildung aller Jugend- lichen zwischen 14 und 18 Jahren vor. Nach An­sicht politischer Kreise ist die parlamentarische Mehr­heit für die Regterungsoorlage gesichert.

Das Knegsnotstandsgeseh in der Türkei.

Bukarest, 20. Jan. (Europapreß.) Nach Mel­dungen aus Ankara hat die türkische Nattonaiver- sammlung das Gesetz über die wirtschaftliche Or­ganisierung der türkischen Nation in Kriegszeiten angenommen. Ministerpräsident Refik Saydam erklärte, daß in der ganzen Türkei vollständige Ruhe herrsche. Saydam dankte allen Ländern, die aus Anlaß der letzten Erdbebenkatastrophe ihre Solidarität mH der Türkei bekundet hatten. Zum Aufenthalte des türkischen Delegierten M e - nemencioglu in Sofia erklärte Der Minister­präsident, Mischen Bulgarien und der Türkei herrsche volles Einvernehmen über die Notwendigkeit der Stabilisierung des Friedens und der Sicherheit auf dem Balkan.

Bericht.

Paris, 10. April 1939.

Der französische Marineminister Campinchi hat sich einem mir als zuverlässig bekannten Vertrau­ensmann gegenüber dieser Tage mit großer Offen­heit über feine Auffassungen zur politischen Lage ausgesprochen. Hierüber teilt mir der Vertrauens­mann folgendes mit:

Die Behandlung der Tschechoslowakei durch Deutschland beweise so habe Campinchi ausge- führt daß sich der Führer einer Politik ver­schrieben habe, von der er nicht mehr ablassen könne. Aber selbst wenn man dem Führer die Ab- sicht zubillige, sich mit dem gegenwärtigen Zustand zufrieden zu geben, wäre dies kein Argument, das für die Aufrechterhaltung des Friedens sprechen würde. Europa sei durch die Politik Deutschlands, vor allem durch die Beseitigung der Tschechoslowa­kei, so stark aus dem Gleichgewicht geraten, daß die Hegemonie Deutschlands in bedrohliche Nähe gerückt fei. Für Europa gäbe es daher nur mehr die Alternattve, entweder eine solche Hege­monie Deutschlands willenlos hinzunehmen, oder sich ihr zu widersetzen. England und Frankreich seren bereit und entschlossen, letzteres zu tun. Dies feien die Gründe, weswegen er, Campinchi, (eit Wochen den Krieg für unvermeidlich halte. Es sei ihm bekannt, daß Deutschland sich vor einem Krieg nicht fürchte, und zwar namentlich deshalb, weil es glaube, ihn in kürzester Zeit durch eine überragende Luftwaffe siegreich beenden zu können. Diese Ansicht sei eine gefährliche Illusion. Deutschland stehe heute schwächer da als am Vor­abend des Weltkrieges, und es werde nicht allein die europäischen Länder, sondem mit alleiniger Ausnahme von Italien und Japan die ganze Welt zum Gegner haben. Das Ergebnis des Krieges werde also zweifellos die Niederlage Deutschlands 'ein.

In diesem Falle werde ihm aber ein Frie­den auf erlegt werden, gegen den der Friede von Versailles nichts gewe­sen fei. Der Friedensvertrag, der den nächsten Krieg beenden werde, müsse nach dem Muster des Westfälischen Friedens ausfallen, d. h. d a s Reich völlig zerstückeln und In feine Bestandteile zerlegen. Nur dann könne man hoffen, während eines verhältnismäßig langen Zeitraumes Ruhe zu haben.

Man stelle sich häufig vor, daß die führenden militärischen Kreise Frankreichs vor einem Kriege zurückschreckten. Diese Auffassung sei falsch. Er, Campinchi, habe während der Septemberkrise in dauernder Fühlung mit General Garnelin gestanden, und er könne versichern, daß dieser sich aufs schärfite gegen die Preisgabe der Tschecho-Slo. wakei ausgesprochen habe. Erst kürzlich Hobe wieder eine Besprechung zwischen dem Minister für die Landesverteidigung und den Vertretern des Gene­ralstabes stattgefunden, wobei General Garnelin wiederum aus (einer Auffassung keinen Hehl ge­macht habe. General Garnelin fei der Ansicht, daß die strategische und militärische Stellung Frank­reichs, möge sie in letzter Zeit auch noch so viele Einbußen erlitten haben, keinen Zweifel über einen erfolgreichen^ Kriegsausgang erlaube."

Die Ausführungen Campinchis sind bezeichnend dafür, daß die Stimmung hier weitgehend durch den Gedanken an den als unvermeidlich angesehe­nen Krieg beherrscht wird.

Das Regierungsprogramm, wie es auch in den Notverordnungen zum Ausdruck gelangt, ordnet alles dem Ziel der Landesverteidigung und der Rüstungsvermehrung unter, und auch im Parla­ment sowie in der Bevölkerung regt sich seit den März-Ereignissen in der Tschechei kein Widerspruch dagegen, wie es nach der Septemberkrise der Fall war. Bräuer.

Der deutsche Geschäftsträger m Paris an bas Auswärtige Amt.

Bericht.

Paris, den 22. 4.1939. Äm Anschluß an den Bericht vom 10. 4.1939. Der in dem vorbezeichneten Bericht erwähnte Vertrauensmann hat dieser Tage eine weitere Unterredung mit dem französischen Marineminister Campinchi gehabt, über die er die in der An- läge bei gefügte Aufzeichnung angefertigt bat. In dieser Unterredung hat Herr Campinchi wiederum die Ansicht vertreten, daß ein Krieg zwischen Deutschland und den Westmächten unvermeidlich geworden sei und diese Auffassung namentlich von den Chefs des Generalstabes uni) des Admiral- stades geteilt werde. Brauer.

Anlage.

Unferrebunq

mit dem Kriegsmarineminister CEfar Lampinchi am 24. 4 1939.

Der Minister vertrat auch in dieser Aussprache, und zwar mit den gleichen Argumenten wie in der vorigen, den Standpunkt, daß der Krieg unver- m eidlich geworden sei. Er betonte, daß er diesen Standpunkt jederzeit verttete und die Mehr­zahl der Äebtnettsmitgll<öe< f«int*

Auffassung teile, dem deutschen Dynamis- mus müsse jetzt mit allen Mitteln entgegengewirkt werden.

Die beherrschende Stellung des Deutschen Reiches im östlichen und südöstlichen Raum Europas könne weder von Frankreich noch von England geduldet werden: deshalb sehe der Minister bereits in dem wahrscheinlich nahe bevorstehenden Vorgehen gegen Polen einen Kriegsgrund.

Es fei offensichtlich, daß Deutschland sich die Lö­sung des Korridor-Problems für zuletzt auf gespart habe, weil die Unlogik des Korridors und der Abtrennung Danzigs vom Reich von der ganzen Welt empfunden werde und es des­halb geglaubt habe, daß das Aufwerfen dieser Frage keine Schwierigkeiten machen werde.

Die Fehlspekulation liege aber. darin, daß die westlichen Demokratien rein psychologisch zu einem Zustand gelangt seien, der unter allen Umständen jede Gewaltlösung verbiete. Es bestehe fein Zweifel mehr darüber, daß Frankreich fest ent­schlossen sei, für Polen in den Krieg zu ziehen. Dabei liege dieser Bereitschaft nicht etwa eine besondere Sympathie für das bedrohte östliche Volk zuarunde, (onbern lediglich der Wille, dem deutschen Dorwärtsdrängen einen Riegel oorzuschleben. Es sei durch­aus nicht ausgeschlossen, daß zwischen Oberst Beck und der Wilhelmstraße bereits eine grundsätzliche Einigung über die Fragen, die zwischen Berlin und Warschau schwebten, erzielt worden sei. Aber es fei nicht recht vorstellbar, daß Beck gegen den eindeu­tigen Willen der MehrheH der polnischen öffent­lichen Meinung handeln könne. Herr Beck könne sehr schnell demissionieren, und dann sei es wahr­scheinlich, daß die Aufrechterhaltung des Status quo in Danzig, Posen usw. von den Polen als vitale Fragen für Warschau betrachtet würde, was auto­matisch Frankreich und England zu marschieren zwinge.

Das die Lage auf dem Balkan anlange, fo müsse die Integrität Rumäniens, Grie­chenlands und Jugoslawiens diesen Ländern nötigenfalls von Frankreich aufge­zwungen werden. Die Unabhängigkeit dieser Völker müsse ihnen garantiert werden, sogar dann, wenn sie selbst zur Entgegennahme einer solchen Garantie nicht bereit seien.

Es gebe feinen Zweifel darüber, daß die Entente- Flotte im Mittelmeer gegenüber der Achsen flotte eine erdrückende Uebermacht aufweife. Ferner dürfe man nicht vergessen, daß die Engländer und Fran­zosen über die besten Stützpunkte im Mittelmeer verfügten, die es ihnen erlaubten, feine Zugänge jederzeit zu versperren. Außerdem habe England gute Arbeit im italienischen Jmpe- riutn, insbesondere in Abessinien" ge­giftet. Der Minister fonne versichern, daß England heute nur auf den Knopf zu drücken brauche dieses Worte stamme von einem bedeutenden Eng­länder um den Zufammenbr.ch des ganzen ita­lienischen Imperiums herbeizufuhiem In den ita­lienischen Kolonien, und insbesondere in Abessinien, warteten die Eingeborenen nur darauf, daß man ihnen Gewehre in die Hand gebe.

Campinchi sieht dem kommenden Krieg, den er, wie erwähnt, für unvermeidlich hält, hinsichtlich seines Ausganges nach wie vor mit größtem Opti­mismus entgegen. Mein Einwand, daß da s R e i ch niemanden angreif en , also feinen Kriegs­zustand schaffen würde, fand die Erw'derung daß die unmittelbare Kriegsgefahr nicht so sehr in einem möglichen Angriff Deutschlands liege als viel- mehr in der Tatsache, daß die deutsche Politik Der- haltmsse schaffen könne, die Frankreich seinerseits zwingen konnten, den Deutschen Krieg zu machen. Endlich bemerkte Campinchi, daß er die Ansicht vertrete, daß es unzweckmäßig sei, die krie- gensche Entscheidung mit künstlichen Mitteln immer wieder hinauszuschieben. Herr Chautemps beispiels- wecse empfehle immer Zeitgewinn. Warum? Die Zeit habe schon gegen die französischen Interessen gearbeitet und sie werde auch in Zukunft gegen sie arbeiten. Uebrigens seien die entscheidenden Mili- tärs der gleichen Ansicht. Campinchi zitierte noch einmal General G a m e l i n, den Admiral Dar- l a n und fügte nochals besonderen Scharfmacher" den Chef des militärischen Kabinett Daladiers Ge­neral Decamp, hinzu.

Aus den oben abgedruckten Berichten ergibt sich folgendes:

1. Im April 1939 waren die leiten­den Männer Frankreichs zvm Krieg gegen Deutschland entschlossen. Campinchi erklärt ausdrücklich,daß die Mehr­zahl der Sabineltsmilglieder feine Auffassung teile". Es sei falsch zu glauben,daß die führen- den militärischen Kreise Frankreichs vor einem Kriege zurückschreckten". Der französische Ober­befehlshaber, General Gamelin, hätte sich bereits im September 1938 aufs schärfste gegen die Friedenspolitik ausgesprochen.

2. Campinchi hält es für unzweckmäßig, die geplante kriegerische Entscheidung hinauszu­schieben. Die maßgebenden Militärs, neben Ga- melln und dem Flottenchef Darlau, bezeichnen­

derweise auch der Chef des Militärkabiuetts Da- ladiers, der General Decamp, sind gleichfalls der Ansicht, daß die Zeit gegen Frankreich arbeite.

3. Zwingender Kriegsgrund für Frankreich ist angeblich die Furcht voreiner Hegemonie- Deutschlands in Europa. Mit anderen Worten, es muß mit Waffengewalt verhindert werden, daß Deutschland die Stellung ver­läßt, die ihm der Machtwille der Westmächte in Versailles zugewie- fen (ja He.

4. Die polnische Frage ist auch für Lampinchi ein willkommener Vorwand für die Auslösung des Krieges gegen das Reich, obwohl er zugibt, daßdie Unlogik des Korri­dors und der Abtrennung Danzigs vom Reich von der ganzen Welt empfunden werde". Denn Campinchi befürchtet geradezu, daß zwischen Oberst Beck und der Wilhelmstraße bereits eine grundsätzliche Einigung über die Fragen, die zwischen Berlin und Warschau schwebten, er­zielt worden sei". Sollte wirklich eine Verstän­digung zwischen der deufichen und der polni­schen Regierung zustande kommen, so bleibt die Regierung gebildet werden könnte, diedie Aufrechterhaltung des Status quo in Danzig, Posen usw. als vitale Fragen für Warschau be- lrachten würde".

5. Der geplante Krieg gegen Deutsch­land ist als K o a l l t i o n s k r i e g zu führen. Lampinchi hofft, Deufichlandwerde nicht allein die europäischen Länder, sondern mit alleiniger Ausnahme von Italien und Japan die ganze Welt zum Gegner haben". Kleinere neutrale Staaten müssen zur Teilnahme am Einkreisungsfeldzug gewonnen werden, wenn sie sich nicht friedlich dem Drucke der Destmächte fügen.Die Integrität Rumäniens, Griechen­lands und Jugoslawiens müsse diesen Ländern nötigenfalls von Frankreich aufgezwungen wer­den. Die Anabhängigkeit dieser Völker müfie ihnen garantiert werden, sogar dann, wenn sie selbst zur Entgegennahme einer solchen Garantie nicht bereit seien".

6. Der Einkreisungsplan ist auch gegen das mit dem Reich verbündete Ita­lien gerichtet. England und Frankreich könn­ten jederzeit die Zugänge zum Mitlelmeer sper­ren und Italien von der freien See ausschlie­ßen. Lin führender Engländer erklärte groß­sprecherisch, daß bereits alle Vorbereitungen zur Anterminierung des italienischen Kolonial­reiches getroffen feien. *

7. Ziel des Kampfes ist nicht etwa die Ver­hinderung einer angeblichen befürchteten Hege­monie Deufichlands in Europa, Ziel ist ein Friedensdiktat,gegen das der Frieden von Versailles nichts ge­wesen sei". Dieses Diktat,das den nächsten Krieg beenden werde, müsse nach dem Muster des Westfälischen Friedens ausfallen, d. h. das Reich völlig zerstückeln und in feine Bestand­teile zerlegen".

Die W e st m ä ch t e haben somit den Krieg zu dem von ihnen gewählten Zeitpunkt unter Be­nutzung des willkommenen polnischen Vorwan­des vom Zaun gebrochen; sie wollten diesen Krieg unter Mitwirkung der zur Teil­nahme zu zwingenden Neutralen führen; ihr Kriegsziel ist die Vernichtung und Zer­schlagung des Reiches.

Stritte Neutralität Norwegens.

Oslo, 20. Jan. (Europapreß.) Im Verlauf bet Thronrededebatte im norwegischen Storthing fuhrt« der Ministerpräsident aus, daß man Norwegen müder durch Drohungen noch durch Lockungen dazu bringen könne, die politische Linie der unbedingten Neutralität zu verlassen. Es sei notwendig, in den mündlichen und schriftlichen Aeußerungen Vor« sicht und Zurückhaltung walten zu lassen- Der Außenminister tadelte es, daß die norwegisch« Presse oft allzu schnell mit Behauptungen von Schiffstorpedierungen bei der Hand fett Dres bringe eine Gefährdung der Neutralität mit Nch' denn feit dem 28. Oktober 1939 sei, soweit man miffe, keine einzige Torpedierung eines norwegr- schen Schiffes durch deutsche U-Boote erfolgt. Die großen norwegischen Schiffsverluste seien auf o? VV.n m11«. b c r Kriegszone zurückzuführen», AH dre Behauptungen der englischen und französi- schen Presse, innerhalb der norwegischen Hoheits« gemässer operierten deutsche U-Boote, entbehrten leglicher Grundlage. Mit Bezug auf den Finn- ? nJ? o n f I i ft erklärte der Außenminister, daß sämtliche nordischen Länder sich darin einig seien, den Sanktionsparagraphen des Statuts der Genfer Liga als außer Kraft gefetzt zu betrachten. Kleine politische Nachrichten.

Tausende Soldaten aller Waffengattungen, dar­unter insbesondere auch Verwundete, umsäumten einer Einladund von Ministerpräsident General­feldmarschall Göring folgend am Samstag- nachmittag das riesige Oval der Berliner Deutsch- landhalle, um sich von dem atemraubenden der artistisch-zirzensischen Darbietungen in i Ders, Sensationen" mitreißen zu las­

sen. Die Direktion der Deutschlandhalle hatte dich» Sondervorstellung zu Gunsten der Soldaten und Verwundeten, Generalfeldmarschall Göring anläß­lich seines Geburtstages zur Verfügung gestellt.

Am Sonntag fand in Danzig in Anwesenheit des Reichsknegerführers ---Gruppenführer General der Infanterie Reinhard die Errichtung des Gau- kriegerverbandes Weichsel im NS> Relchskriegevbund statt. Zu dem feierlichen Akt waren Abordnungen der ReichskriegerverbSnde, der Partei, der Wehrmacht und des Staates erschienen.

to./HntDefenbeit des Reichsstatt- -alter, Gauleiter ©reifer das 1894 gegründet ftat