2I./22. September 19<0|
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 224 Zweiter Blatt
Die Mordnacht von Bethel
Neue Untaten der Royal Air Force
treffen können. Ein klarer Faden Wasser- rieselt sicht und nimmt mit einem letzten Seufzer des Be- 1' s. „yttniSon hnn-finci 9fhfrhiph nnn her UuCli.
ist rettungslos verdorben. Wäh- Hersagst, bräunt sich der Kuchen
gung von Bethel verwendet.
Durch 38 Jahre hindurch hat „Vater Bodel- schwinah" sein Werk betreut, allen, die in Bethel Aufnahme gefunden hatten, ein wirklicher Vater, der auch dem ärmsten und schwächsten Menschenbruder mit der gleichen liebenden Hilfsbereitschaft entgegenkam. Und ebenso wie dieser Mann zu geben verstand, so verstand er auch zu werben und zu bitten. Als Reichstagsabgeordneter und in zahlreichen Vorträgen hat er das deutsche Volk immer wieder für fein Werk zu interessieren gewußt und es zur Mithilfe aufgerufen, und so konnte Bethel trotz aller äußeren Sorgen und Schwierigkeiten ständig wachsen und seine Ziele tätiger Nächstenliebe immer weiterstecken. Seit 30 Jahren schlummert der alte Bodelschwingh nun schon aus dem stillen Friedhof von Bethel, an der höchsten Stelle des Zionsberges, der die ganze Anstalt überblickt. An die Stelle des Vaters ist der Sohn, der Pastor Fritz von Bodelschwingh, getreten, unter dessen Händen das große Liebeswerk sich im gleichen Geiste weiter entwickelt. Im Weltkriege war, ebenso wie auch jetzt wieder, ein Teil der Anstalten als Lazarette eingerichtet, wo zahlreiche Verwundete Pflege und Betreuung finden, und es zeugt von einem beispiellosen Grad sittlicher Verrohung, wenn die britischen Kriegsverbrecher ihre Nachtflieger auf gerade diese auch in England wohlbekannten Anstalten barmherziger Nächstenliebe ansetzten und sich auch Menschen fanden, die in Ausführung der brutalen Befehle Churchills ihre todbringenden Bomben unter hilflose kranke Kinder fallen ließen.
C. K.
Hilfsbedürftigen strömten ihm zu, die Hilfsbereiten teilten sich ihm zur Verfügung.
Als er die Leitung von Bethel übernahm, hatte die rechte Aufgabe den rechten Mann gefunden. Der Pflegeanstalt für Epileptische fügte Bodelschwingh 1 olche für Schwachsinnige, Geisteskranke, Gebrechliche und Asoziale bei, in eigenen Diakonissenhäusern wird der pflegerische Nachwuchs herangebildet, eine Theologieschule mit Konvikt steht den Studenten offen. Die Organisation von Bethel ist weitgehend auf Selbstversorgung aufgebaut, so gut wie alle Arbeit wird von den Kranken selbst geleistet, jeder wirH einen Kräften und seinem Können entsprechend be-
Das Herbstprogramm des Znsel-Verlages.
Unter den Neuerscheinungen des In« sel-Verlages zu Leipzig steht an erster StellS ein großer Roman „Der Henker" von Edzard Schaper. Einen neuen Erzähler stellt der Verlag mit dem Geschichtenbuch „Das Kugelspiel" von Jo-, Hannes Moy vor, einen neuen Dramatiker in Hans Jüngst, dessen Schauspiel „Achill unter den Weibern" am Berliner Staatstheater, zur Urauf« sührung gelangt. Von Friedrich Schnack erscheint eine Erzählung ,Ler glückselige Gärtner", von An- ton Coolen der Roman „Das Wirtshaus zuv Zwietracht", von Edgar D a c q u 6 ein Buch übeL den Schöpfungsmythus „Die Urgestalt". Reinhold Schneider gibt seine gesammelten Aufsätze un« ter dem Titel „Macht und Gnade" heraus. Jlsd S ch u n k e veröffentlicht ein Buch über „fiebert und Werk des kursächsischen Hofbuchbinders Jakob Krause". Im Bereich der klassischen Dichtung er« scheinen Eichendorffs Werke in zwei Bänden« herausgegeben von Rudolf Bach, Schillers Werke in drei Bänden (Volks-Schiller), herausge« geben von Reinhard Buchwald, eine neue Gesamt« ausgabe von Goethes „Faust" und Stifters „Witiko". Das große Werk „Buch deutfchetj Dichtung" wird mit dem Band „Das späte Mit« telalter" fortgeführt. In die „Bibliothek der Ro« mane" wurden ausgenommen Stifters Romart „Der Nachsommer" und „Die Geschichte des Gil Blas von Santillana" von Le Sage. Die Insel« Bücherei erfährt einen Zuwachs von zehn Bän« den. Ueber die Neuerscheinungen unterrichtet bat Ärrlel-Almssach das öah» 1941»/
Jahr wird das freilich Tränen geben, und der red« ° elige Kutscher wird seine Sorgen haben. Das ist dann schlimm für die beiden, allein deswegen kanrt der Meister das Weltenwerk doch nicht einhalten« Was wissen wir! Vielleicht müßte er die Sonnei anders lausen lassen, bloß um diesem Kutscher aus der Not zu helfen.
Aber wie das auch sein mag, für den, der dert Kummer tragen muß, für den ist er riesengroß und bergeschwer, er füllt die Welt aus und verfinstert das Sonnenlicht, so groß ist der Kummer, und macht wenig aus, ob er nun einem Fuhrknecht obei* einer Magd auf dem Herzen liegt.
Berlin, 20. Sept. (DNB.) Kaum hat das ' deutsche Volk die Kunde von dem brutalen Kindermord in Bethel verno-mmen, treffen neue Meldun- : gen ein von einer nicht minder gemeinen und hin- : terhältigen Bombardierung rein ziviler Gegenden. Diesmal ist Heidelberg getroffen. Diesmal hat Churchill den Befehl gegeben, in dieser Stadt, in der weit und breit keine militärischen Ziele sind und die in der Welt einen Ruf als Stätte der Wissenschaft und historischen Erinnerungen genießt, Bomben zu werfen. Am schwersten betroffen wurde die Heidelberger Siedlung Psassengrund. Die Feststellungen haben ergeben, daß der britische Flieger im Tiefflug bei mondheller Nacht mehrmals über seinem Ziel kreiste und dabei genau erkannt haben muß, daß es sich um eine Gruppe kleiner Siedlungshäuser handelte, wie sie von Angehörigen der werktätigen Bevölkerung bewohnt werden. Trotzdem ging der Flieger plötzlich tiefer herunter, stieß auf eines der ersten Hauser der Siedlungsgruppe nieder und warf dann sieben Bomben unmittelbar hintereinander ab. Die Gewalt der Detonationen erschütterte die kleinen Häuser in ihren Grundfesten. Eines der Häuser wurde von einer Bombe getroffen, wobei ein st ädtischer Arbeiter und seine beiden Kinder ums Leben kamen.
Dasselbe verbrecherische Vorgehen der Royal Air Force mußte ick der kleinen badischen Stadt Bruchsal fetgestellt werden. Auch dort erfolgte her
Hagens Abschied von der Welt.
Ich liege auf dem Rücken ganz tief im Kräuterwald versunken, um mich ist nur das grüne Blattgewirr, und gleich darüber der Himmel, den halte ich mit meinen Händen ausgespannt. Manchmal taumelt ein Käfer in trunkenen Schwüngen durch die Bläue, ein paar scheckige Falter wirbeln vorbei im seligen Tanz der Liebe, und so oft ein Lufthauch von der Schattenseite her über die Lichtung zieht, hebt sich der Chor der Bienen gewaltig brau» send aus den Brombeerbüschen. Aber immer ist das Rauschen der bewegten Wipfel da, dieser tiefe und satte, dieser so ruhige und breitströmende Klang, der nie gänzlich verstummt, und den ich immer im Ohr habe, auch in der Fremde, wenn es still um
d
Aus der Stadt Gießen, s
Der Herbst beginnt... :
Gemerkt hat man es ja schon seit einer ©eile, aber nun ergibt sich die unumstößliche Tatsache: de? Sommer ist von hinnen, der Herbst beginnt. Am 23. September tritt die Sonne in das Zeichen de« Waage, und damit übernimmt der Herbst offiziell das Reginient, um es für die nächsten drei Monats zu führen. Wie es gewöhnlich ist beim Wechsel des Jahreszeiten, fo hat es sich auch diesmal wieder er« wiesen: man spürte den neuen Herrscher schon, ehS er überhaupt sichtbar in Erscheinung trat.
Mit dem Herbstanfang haben wir wieder die Tag« und Nachtgleiche erreicht, das bedeutet also, daß zrt diesem Zeitpunkt Tag und Nacht einander gleich ind und je zwölf Stunden währen. Aequinoktlkunl nennt der Astronom diesen im Jahresablauf wich« tigen Vorgang. Er kennzeichnet damit den Termin, an dem der Mittelpunkt der Sonne bei ihrem schein« baren Umlauf um die Erde in den Aequator tritt« Zweimal im Jahre erleben wir diesen Vorgang: im Frühjahr, wenn das Tageslicht im Zunehmen be« griffen ist, und jetzt im Herbst, wenn wir uns wiedeS auf der absteigenden Linie bewegen. Von nun art wird sich das Schwinden des Tageslichtes immer deutlicher bemerkbar machen, bis am 22. Dezember der tiefste Punkt erreicht fein wird.
Im allgemeinen bringt der Herbst zu Beginn ferner Herrschaft beständiges und klares Wetter. Bis weit in den Oktober hinein kann man jedenfalls immer noch mit schönen Tagen rechnen, und wenn des Himmel auch bann und wann ein unfreundliches Gesicht zeigt, so ist er aber auch imstande, mit Son« nenglanz und berückender Schönheit zu überraschen« Unter den Jahreszeiten gilt der Herbst als Roman« tiker und in der Tat vermag er einen Stimmungs« zauber zu entfalten, der einzigartig ist. Er kann bis! Buchenwälder zu festlichen Sälen verwandeln, irt denen alle Farbenpracht verschwenderisch leuchte^ er weiß die Landschaft in ein Meer von Licht und Farbe zu tauchen, daß man andächtig verweilen mutz« und es ist ihm möglich, jedem einzelnen Gewächs oder Gesträuch im Garten an einem einzigen Tags mehr Schönheit zu vermitteln, als es vorher jemals
fchäftigt, sei es in der Landwirtschaft oder der Gärtnerei, sei es im Handwerk oder in der Verwaltung, die Frauen und Mädchen in der Küche, bei der 2ßä= scherei, in den Plätt- und Nähstuben. Es handelt sich ja nicht nur darum, die Kranken unterzubringen und ihnen die möglichst beste Pflege angedeihen zu lassen, sondern es handelt sich um den einzelnen Menschen, der sich als lebendiges Glied im Dienst des gemeinsamen Ganzen fühlen und so zur Befriedigung, Fröhlichkeit und Dankbarkeit gebracht werden soll. „Wer danken gelernt hat, ist gesund geworden", lautete einer der Grundsätze Bodelschwinghs. Seine besondere Liebe gehörte „seinen lieben Brüdern von der Landstraße", den Arbeits- und Obdachlosen, die in den achtziger Jahren noch völlig sich selbst und damit oft dem Elend, dem Laster, dem Verkommen überlassen waren. Für sie gründete er nach dem Leitsatz „Arbeit, nicht Almosen" zwei Stunden von Bethel entfernt die Kolonie Wilhelmsdorf, zu der später noch die Kolonie Hoffnungstal, der Verein Arbeiterheim und andere kamen. Hier wurde Oedland kultiviert, die Arbeiter in festen Heimstätten angesiedelt und der Ertrag des Landes für die Verfor-
Aus winzigen Anfängen ist Bethel, die „Stadt der Nächstenliebe" bei Bielefeld, hervorgewachsen. Im Jahre 1867 gründeten zwei tatkräftige Bielefelder Männer auf einem kleinen Bauernhof em Heim für epilevtische Kinder. Ein junger Lehrer, der schon Erfahrung in der Behandlung solcher । Kranken hatte, übernahm die Leitung, em Biele» selber Arzt und ein Pastor betreuten im Nebenamt die junge Anstalt. Wie groß das Bedürfnis nach einer Pflegestätte dieser Art war, bewies der überraschend große Zustrom von Kranken, nicht nur von Kindern, sondern auch von Erwachsenen, Männern und Frauen aus allen Volksschichten. Schon nach drei Jahren mußte der Bau eines neuen Hauses in Angriff genommen werden, das 180 Kranken Platz bieten sollte. Das ursprüngliche Haus erhielt den Namen „Ebenezer", auf deutsch „Bis hierher hat der Herr geholfen", das neue wurde „Bethel getauft und gab diesen Namen den ganzen, heute so weit ausgedehnten Anstalten.
Im Jahre 1872 kam der Mann nach Bethel, der es zu dem umfassenden Werk christlicher Nächstenliebe machen sollte, als das es heute in der ganzen Welt berühmt ist, Pastor Friedrich von Bo- d e l s ch w i n g h. Dieser damals elnundoierzig- jährige Mann hatte schon eine reiche Erfahrung auf dem Felde sozialer Liebestätigkeit gesammelt. Er war der Sohn des preußischen Finanzministers von Bodelschwingh, und hatte sich nach bestandener Reifeprüfung zunächst der Landwirtschaft zugewandt. Mit 22 Jahren war er Inspektor über einen großen Guter - komplex in Pommern. So war er nicht ausschließlich ein Mann der Wissenschaft, sondern er kannte das praktische Leben und die bäuerliche Arbeit aus eigener Erfahrung. Schon in diesem ersten Beruf galt eine seiner Hauptsorgen den ihm unterstellten Tagelöhnern, und immer klarer wurde es ihm, daß im Kampf gegen Armut, gegen Trunksucht, gegen äußere und innere Verelendung seine eigentliche Aufgabe läge. Mit 23 Jahren entschloß er sich zum Studium der Theologie. Sein erstes Amt fand er 1858 als Hilfsprediger der deutschen Gemeinde in Paris, 1864 wurde er Pfarrer in Dellwig in Westfalen. UeberaU, wo er hinkam, blühte das Gememde- leben auf, feine warme christliche Nächstenliebe, verbunden mit feiner männlich herzhaften, kraftvoll zupackenden. Art, gewann ihm die Gemüter, die
aus dem Fels, aber gleich daneben ist der Boden trocken, da werden wir eine Feuerstelle bauen und Mus kochen. Unter uns fällt der Wald steil ab, man ieht über die Wipfel weg bis in das Dorf hinunter.
Klaus muß das krachende Feuer hüten und auf- paffen, daß keine Fliege ins Wasser fällt, wahrend ich den Teig anrühre. Schade, die Heidelbeeren sind noch nicht reif, aber auch so wird es uns schmecken, ich nehme es mit den besten Köchen der Welt auf, was die schwierige Kunst des Muskochens betrifft. Ein Frauenzimmer träfe es überhaupt nie, denn das ist eine Männerkunst, keine Windbäckerei. Es hilft nicht, wenn dir einer sagt, nimm soviel Mehl und soviel Schmalz und Wasser und Salz, da muß viel Unwägbares dazukommen, ehe sich diese vier Urelemente des Genusses glücklich vereinigen Du mußt es verstehen, das Mehl mit der richtigen Hitze und Schnelligkeit abzubrühen, und nebenher gleichsam mit dem sicheren Blick, mußt du das Fett m der Pfanne überwachen und den Zeitpunkt erhaschen, in dem es eben zu rauchen anfangen will. Nicht, daß es etwa schon im geringsten rauchte, das wäre um eine Ewigkeit verfehlt.
Niemals aber brächte eine Frau die Sammlung und Entschlossenheit des Geistes auf, die nunmehr nötig wird. In Zeit von zwei Vaterunsern ist das Mus gar, oder es ist rettungslos verdorben. Wahrend du das erste hersagst, bräunt sich der Kuchen unterwärts, beim Amen wendest du ihn blitzschnell mit einem glücklichen Ruck, und bei der siebenten Bitte ziehst du das fertige Mus vom Feuer. Funken schwelen dir auf der Haut, der würzige Rauch treibt dir die hellen Tränen aus den Augen. Aber das können auch Freudentränen sein, ein letztes Mal rührst du die krümelige Masse durch, locker und goldgelb fällt sie von der Schaufel, und em unbeschreiblicher Wohlgeruch steigt dir in die Na>e. Mit Mühe hältst du das Wasser deiner Begierde im Mund zurück, wenn du nun gegen den Lössel bläst, um den ersten Bissen zu verkosten
Mus ist auch kein Schlemmergericht, mit dem sich einer den Bauch vollschlagen kann. Sondern es legt sich warm und füllig in den Magen, und wenn du schweigsamer Mann, dein Teil gegessen hast, dann meist du, für dein Lebtag satt und gegen alle Versuchungen des Gaumens gefeit zu fein
Nach der Mahlzeit kommt uns beide der Schlaf an wie sich denken läßt; wir haben m dieser Hinsicht viel einzubringen. Jeder räkelt sich eine passende ■ Mulde im Gejtrüxx zurecht, WM den Hut ins Ge-
mich wird. ... _ , r ..
Neben mir liegt Klaus und schlajt. Er kräuselt die Lippen im Traum und bläst den Atem aus runden Wangen, wie es Kinder tun.
Aber es ist köstlich, hier zu sitzen, mit dem Blick über das Tal hin, und unten liegt das Dorf mit seinem kleinwinzigen Leben ins Wiesengrün hineingestreut. Wie seltsam, zu denken, daß man selber in dieser Käferwelt daheim ist und voll unnützer Wichtigkeit darin umherläuft, während man, in der Nähe besehen, doch von ganz stattlichen Maßen ist und eine Menge Platz braucht, wenn man einmal auf dem Bauch liegen will. Nur sechsmal kirchturm- hoch über den Dingen, und schon wird alles rührend klein und ein bißchen spaßig. Und wenn man das erwägt, dann darf man es wohl auch dem lieben Gott nicht verübeln, daß er manchmal unser Gestrampel von der heiteren Seite nimmt, wie es den Anschein hat.
Nein, ich glaube nicht, daß Gottvater sich ereifern kann wenn er den alten Michael sieht, wie er jetzt über den Kirchplatz geht. Gleich hält ihn der Geiz wieder auf, und er kratzt etwas aus dem Boden, einen Schuhnagel vielleicht, mit dem er den Schuster um einen Groschen bringen kann. Oder wenn der Herr den Gaul betrachtet, der dort ganz allem einen Streuwagen durch die Gasse zieht, bis er irgendwo ansteht. Ich sehe durch das Glas, wie er den Kopf über den Zaun.hängt und Lilley aus dem Pfarrgarten frißt, ungestraft, weil der Kutscher weit hinten bei einem Mädchen steht und ihm etwas sehr Eindringliches zu sagen hat. Ich kann es mir denken, und Gottvater hört es sogar ganz genau, aber auch er schickt nicht Pech und Schwefel über den Kutscher.
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Pastor von Bodelschwingh zeigt ausländischen Journalisten einen von britischen Bomben zerstörten Schlafsaal für epileptische Kinder. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Die Stadt der Nächstenliebe.
Bombenabwurf bei hellem Mondschein im Tiefflug a u f ein dicht bevölkertes Wohnviertel, das genau zwischen der Stadtkirche und dem Kränkenhaus lag. Irgendwelche militärische Ziele, Fabrikgebäude oder Bahnanlagen befinden sich im Umkreis von einem Kilometer der Einschlagstellen nicht. Durch den niederträchtiaen Ueberfall wurden auch hier fast ausschließlich Volksgenossen der minderbemittelten Bevölkerungsschicht betroffen und um ihre bescheidenen Wohnstätten gebracht. So fiel eine Bombe in ein einstöckiges Häuschen und brachte dieses und das Nachbarhaus zum Einsturz. Eine andere Bombe verschüttete zwei Mädchen, von denen das eine leicht verletzt geborgen werden konnte, während das andere den Tod fand. Zwei Häuser weiter wurde ein achtjähriger Junge durch Bombensplitter lebensgefährlich verletzt.' Auch das Schloß von Bruchsal, ein herrlicher Rokokobau der ehemaligen Fürstbischöfe von Speyer, wurde bei dem britischen Luftangriff auf das schwerste in Mitleidenschaft gezogen. Eine Bombe, explodierte auf dem Gehsteig unmittelbar vor dem Schloß und beschädigte einen Flügel des Gebäudes erheblich. Das deutsche Volk wird alle diese Schandtaten nicht vergessen, und die Vergeltung wird Ausmaße annehmen, wie sie sich Churchill und seine Kriegsoerbrecherclique wohl in, ihren schlimmsten Angsttraumen nicht vorstellen können.
Gedanken nach dem Mskochen.;
Don Karl Heinrich Waggerl.
Es ist noch früh am Tage, über uns bricht der fiimmel auf, ein lichter Fleck zuerst, eine blaue Intel, rosig umschaumt vom Gewölk. Jenseits leuchten chon die Wiesen in der Sonne, uns aber weht schon ne Kühle des regensatten Waldes entgegen. Wir teigen langsam, es ist ein Genuß, jeben Xntt im groben Geröll des Weges bedächtig zu wählen Im Dorbeistreifen spürt man zuweilen wohlig die Rauheit eines Brombeerblattes auf der Haut, es tropft aus den hohen Wipfeln, und alles Laub ist blank lyld schimmert freudig grün in der Nasse.
Oft bleiben wir stehen, schöpfen Luft und wechseln ein paar Worte. Ich zeige dem Kameraden allerlei, eine Hirschfährte im moorigen Grunds es ist aber nur ein schwacher Hirsch gewesen. Da blüht die Nagwurz noch, sie ist sehr selten und em bißchen unheimlich, und gelbes Fettkraut, dem man es auch nicht ansieht, daß es Mücken fressen kann.
Ja, hier herum ist mir mancherlei bekannt. Auf diesem Fleck fand ich einmal neun gute Steinpilze und nachher nie wieder einen, und dort auf der Lichtung wächst edle Arnika, später, es ist noch zu sruy
weichen wir vom Weg ab, aber es ist schwierig, in dem wüsten Unterholz die Richtung zu finden und vor allem nicht merken zu kaffen, daß man bald selber zweifelt, ob man jemals das -lcht der Sonne wieder sehen wird. Mühsam drangen wir uns durch, der Nadelboden ist tückisch glatt. uno immerfort verspieht sich das Werkzeug im Geäst. Wir klettern über zahllose Graben, ^ott weiß, ob es nicht immer derselbe Graben ist, es sieht einer wie der andere aus.
Klaus stolpert jedenfalls gutgläubig hinter mir her. Einmal, während ich mich verstohlen umsehe, fällt er mir bis zum Bauch in ein verdammtes Moderloch. Wortlos und kleinlaut kriecht er wieder heraus, und ich muß ihm zum Trost verheißen daß wir gleich an unfern Ort kamen, obwohl ich ihn mel lieber fragen möchte, ob vielleicht er wisse, wo hier eigentlich vorn und hinten ist. M
Dann aber wird es endlich doch hell vor uns, ein paar Schritte noch, und wir stehen tn der war- ©rolartig sagt Klaus und fetzt sich gleich ins Bee- yertfraut MMch. HM Satten wie es M vW
erreichen konnte.
Nichtsdestoweniger ist der Herbst der Schrittmacher des Winters. Wenn er uns heute noch ein freund« liches Gesicht zeigt, so macht es ihm aber auch nicht? aus, ebensogut bald den Frost oder gar den SchneS zu schicken. Und der Baum, der jetzt noch fein buntes Laub wie eine stolze Krone trägt, kann unter Um« ständen bald einsam um sein letztes Blättchen trauern« das ein garstiger Wind von bannen weht.
Dornoiizen.
Tageskalenber für Samstag. 1
Gloria-Palast, Seltersweg: „Trenck, der Pan« bur". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gefähr« liche Frauen".
Tageskalenber für Sonntag.
Stabttheater: 19 bis 21.15 Uhr Hochzeitsreise ohnS Mann". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Trenck, bev Panbur"; 11 Uhr Wochenschau — Sonbervorstel« lung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gefahr« liche Frauen".
3n unseren Familienblättern beginnen wir am heutigen Samstag mit dem Abdruck eines neuen Romans, der einen Stoff von größter Aktualität in geschichtlich zuverlässiger, aber temperamentvoll bewegter fesselnder Darstellung behandelt.
SUEZ
PFORTE DER VOLKER
hat Josef Sebastian Schalt seinen Roman eines Kanals genannt, der ungemein spannend von der Verwirklichung einer großen umwälzenden Idee in zähem Kampf gegen das politische Intrigenspiel Englands erzählt. 3m Augenblick des Zusammenstoßes zwischen Italien und England auf ägyptischem Boden wird der Roman bei unseren Lesern besonderes Interesse finden.
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