durch lebhaften Beifall bekundet, der sich mehrfach -u starken Beifallsstürmen steigerte. Damit wurde auch der NSG. -Kraft durch Freude" als Veranstalterin die wohlverdiente Anerkennung für den genußreichen Abend zum Ausdruck gebracht.
Blumschein.
Sportler verkaufen Bücher.
Dem Deutschen waren seine Bucher seit jeher ans Herz gewachsen. Wir wissen von Menschen, die sich ihren Bücherschatz geradezu erhungert hatten, von Männern, die unter widrigsten Umständen die herrlichsten Bücher schufen. Der Führer hat sein Werk „Mein Kampf" während seiner Landsberger Festungshaft geschrieben. Diese Liebe zum Buch ist vom Deutschen nicht wegzudenken.
Am 21./22. September 1940 werden fünf neue Miniaturbändchen zur ersten Reichsstraßensammlung des 2. Kriegs-Winterhilfswerks durch den NS.-Reichs- bund für Leibesübungen und das Sportamt „Kraft durch Freude" zum Verkauf angeboten. Der Gesamt- titel für diese fünf Büchlein lautet „Des Führers Kampf im Osten". Sie zeigen in gedrängtem Nahmen das große Geschehen der Septembertage vorigen Jahres und lassen es an unserem geistigen Auge in vielen Bildern vorüberziehen. Dieses Kampf des Führers im Osten war ein Kampf für uns alle. Es war der Kampf für Großdeutschland, der uns mahnt, nie zu vergessen, was wir ihm und unserer Ehre schuldig sind.
Ob Sammler oder Nichtsammler von diesen stets begehrten WHW.-Abzeichen, ob Bücherwurm oder nicht, alle deutschen Menschen werden am kommenden Samstag und Sonntag sämtliche kleinen Bändchen erstehen und damit einen siegreichen Kampf der ersten Reichsstraßensammlung des Kriegs-Winterhilfswer kes 1940/41 führen.
Schilauf auf Asphalt?
Freilich ist das möglich, beantworten wir die Frage eines Zweiflers, wenn man einen Schi mit einem Rollschuh kreuzt, oder wenigstens so ähnlich. Diese Erfindung des Rollschis ist nicht so neu, wie vielleicht mancher denkt. Dieses Gerät war gedacht als eine Ergänzung zum winterlichen Schilauf, oder besser als ein Mittel vor allem für den Langläufer, sich in der schneelosen Zeit in Form und Hebung zu halten. Nun ist aber einmal der Winter im Gebirge an sich recht lang und der Rollschi an glatten Boden gebunden, zum anderen hat sich im Sport überhaupt immer .mehr die Ansicht durchgesetzt, daß in jedem Uebungszweig eine gewisse Zeit oer Ausspannung und des Ausgleichs durch andere Hebungen notwendig ist. Immerhin ist der Roll- schi ein interessanter Versuch, und die Gießener werden am Samstag und Sontag reichlich Gelegenheit haben, dieses Fortbewegungsmittel besonderer Art durch Augenschein kennenzulernen.
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** Kriegsauszeichnung. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: Dem Oberstabsveterinär d. L. Professor Dr. S t a n d f u h, Direktor des Instituts für tierärztliche Nahrungsmittelkunde, wurde das Krieasverdlenftkreuz II. Klasse mit Schwertern, und dem Oberftabsveterinär d. R. Professor Dr. L u y, Professor für Veterinär-Physik), lögie, die Spange zum E. K. II. Kl. verliehen.
** Polizeiliche Maßnahmen gegen Verkehrssünder. In der Zeit vom 6. bis 12 September schritt die Polizei im Bereich der Po- lizeidirektion Gießen, einschließlich des Polizeiamtes Bad-Nauheim-Friedberg, gegen Verkehrssünder mit folgenden Maßnahmen ein: gegen Kraftfahrzeugführer mit 3 Anzeigen, 4 gebührenpflichtigen und einer gebührenfreien Verwarnung; gegen sonstige Fahrzeugführer mit 14 Anzeigen, 3 gebührenpslich- tigen und 6 gebührenfreien Verwarnungen; gegen Radfahrer mit einer Anzeige, 19 gebührenpflichtigen und 8 gebührenfreien Verwarnungen; gegen Fuß- gänger mit 2 gebührenpflichtigen und 6 gebührenfreien Verwarnungen.
** E i n N i e s e n p i l z mit dem respektablen Gewicht von 2 Pfund wurde uns aus Lollar überbracht. Es handelte sich um einen Birkenporling, der im Walde bei Lollar an einer absterbenden Birke gefunden wurde. Ein gleich großer Pilz steht noch an diesem Baume. Wie uns von sachverständiger Seite erklärt wurde, handelt es sich bei diesem Pilz um einen Gelegenheitsparasiten, der das Eingehen des Baumes herbeiführt und beschleunigt. Der Pilz nimmt nämlich dem Raum alle lebenswichtigen Nährstoffe weg und mästet sich damit, während der Baum zugrunde geht. Porlinge sind übrigens, solange sie sich noch in butterweichem Zustande befinden, eßbar, allerdings ohne besonderen Wert.
Oie Gießener Sportler einsatzbereit für bas WHW.
Turner, Sportler und Wanderer!
Am 21. und 22. September sammelt der deutsche Sport für das Kriegs-Winterhilsswerk 1940/41.
Dieser Ehr en au ft rag, den der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen zur Durchführung der 1. Reichsstrahensammlung erhalten hat, ist für uns von allergrößter Wichtigkeit und stärkster Bedeutung. Uns dieses großen Vertrauens und des stolzen Auftrages in einer Zeit, in der unsere Soldaten die Heimat schirmen, würdig zu erweisen, muß die Alten, wie die Jungen, die Männer, wie die Frauen, die Buben, wie die Mädel unserer Vereine und Gemeinschaften mit höchster Einsatzfreudigkeit für das stolze Werk der Kriegs-Winterhilfe erfüllen. Wir müssen diese 1. Reicysstrahensammlung im Glauben an den Führer, an unser Volk und an den Endsieg unserer Waffen zu einem bisher noch nicht erzielten Sammeleraebnis steigern.
Kameraden und Kameradinnen! Tut eure Pflicht. Unser Einsatz muß ein überwältigender Sieg sein. Mit den Sammelbüchsen auf die Plätze und Straßen, in die Betrieb« und die Wohnungen.
Deutschland muß leben!
Heil dem Führer!
Der Sportgauführer:
011« r b e i n, SA.-Hauptsturmsichrer.
2. Aießener-KanuGtadtmeisterschast.
Der Kriegsausbruch hat im Vorjahr die Durchführung der Gießener Kanu-Stadtmeifterschaften verhindert. Nach einjähriger Zwischenpause wird nun am kommenden Sonntag im Rahmen der Schauveranstaltungen der Fachämter Kanu-, Noll-, Rad. und Schisport die 2. Gießener Stadtmeister- schäft im Faltboot ausgefahren, und zwar erstmals auf dem Schwanenteich an der Schlageter- straße.
Zunächst gehen in der HI.-Klasse A Eller und Wagner von der GRG., sowie Becker. Büttner und Falkenhalner (Paddlergllde) ins Nennen. Dann steigen die Stabtmeisterschaf-
ten im Einer-Wanderfaltboot, in denen sich Weil (GRG.), Thiemann, Schäfer und Rohn von der PGG. messen. Im Wanderfalt- boot-Zweier kämpfen Büttner-Falken- Hainer, S ch ä f e r - W e b e r , Thiemann- Rühl und Rohn-Würzl (sämtlich PGG.) um die Stadtmeisterschaft. Zum Schluß kommt bann noch etwas Neues: Eine Iuaendmannschaft der PGG. wird gegen eine Mannschaft der Aktiven (sämtlich PGG.) die 1. Schwanenteichstafette über 3200 Meter ausfahren.
Aus den Rahmenveranstaltungen sind zu nennen: ein Aufbauwettbewerb für Wanderfaltboote und die Errichtung einer kleinen Z e l t st a d t. Für die Kleinen aber gibt es Rundfahrten auf dem Teich.
Schi, Paddel und Rollschuh
Der Gießener Schiklub hat den Beginn seiner Winterarbeit in den Dienst der WHW.-Sammlung gestellt und führt am Samstagabend in einem Lichtbildervortrag die Schiläufer und alle, die es im kommenden Winter werden möchten, zunächst einmal im Film in die Berge und Schigebiete. Der Film, der unter dem Titel „Der Winter ist mir net z'wider" läuft, dürfte die Sportbegeisterten sowie alle Freunde des Winters und der schneebedeckten Berge in großer Zahl vereinen.
So nah ist der Winter aber doch noch nicht, daß nicht auch der Sommersport noch ein Wort zu sagen hätte. Ein Paddelfilm vereint Naturschönheiten des Ammersees und Oberbayerns mit bem fröhlichen Leben der Kanuten auf Flüssen und Seen und ruft den Beschauer zum Mitmachen, zum Wasserwandern auf.
Und schließlich „Ein alter Svort wird wieder jung", ein Film vom Rollschulauf! Der Bildstreifen, Der unter Mitwirkung der besten deutschen Läufer hergestellt wurde, zeigt den Aufbau dieses Sportzweigs von den einfachsten bis zu den schwierigsten Bogenformen. Auch die Freunde des Eislaufs werden hier auf ihre Kosten kommen.
Das Programm der Handballer.
Es ist selbstverständlich, daß auch das Fachamt Handball vei dem Großeinsatz des deutschen Sports am kommenden Wochenende mit allen zur Verfügung stehenden Kräften beteiligt ist und daß überall dort, wo selbständige Abteilungen bestehen, der Handball in erhöhtem Maße zum Einsatz kommt. Die Handballer stellen sich, wie immer, gern und willig in den Dienst der Sache, sie werden ihr Teil zum restlosen Gelingen des Tages beitragen. Daran sollen alle Freunde und Anhänger des Handballs erkennen, daß die Reihe auch an ihnen ist, es ihren Spielern gleichzutun und sich so einzusetzen, daß die Voraussetzungen für einen hundertprozentigen Erfolg geschaffen werden.
Obwohl die Veranstaltungen in den einzelnen Orten nicht bekannt sind, werden die Spiele, die wir nachstchend zusammenfassen, Höhepunkte bilden.
Daneben wird in allen Orten, wo gleichzeitig Fußballmannschaften bestehen, ein interessanter Ber- gleich durchgeMhrt. So wie in Gießen (Oswalds- garten) eine Fußball- und eine Handballmannschaft je eine Halbzeit ihr Spiel gegeneinander zeigen, wird es überall dort (ein, wo beide Sportarten betrieben werden. Es treten an:
Lützellinden — Hochelheim; Beuern — Großen- Buseck; Hörnsheim — Lang-Göns; Oberkleen — ßang^öns II.; Dornholzhausen — Hörnsheim; Holzheim — Dutenhofen; Garbenheim — Wehrmacht; W.-Niedergirmes — Wehrmacht; Gießen — Wehrmacht; Katzenfurt — Wehrmacht; Krofdorf — Heuchelheim; Niederkleen — Dornholzhausen; Lang- Göns — Holzheim; Hausen — Watzenborn-Steinberg; Atzbach — Garbenheim; Launsbach — Krofdorf Igd.; Klein-Linden — Spv. 1900 Gießen.
Die Spiele der Fußballer.
Im Rahmen her ersten Reichsstraßensammlung des 2. Kric. WHW., für die der deutsche Sport eingesetzt wird, führen die Vereine des Bezirks 8 eine Reihe von Spielen durch, deren Ertrag aus-> schließlich dem WHW. zugute kommt. Die Fußballer mit ihren Anhängern wollen zeigen, daß die Siege des kommenden Sonntags für die Gemeinschaft erftritten werden. Sie glauben, daß ihnen Dabei jede Unterstützung des sportinteressierten Publikums zuteil wird. Durch Paarungen von spielstarken Mannschaften hat jeder Zuschauer die Gewähr, daß er Kämpfe zu sehen bekommt, die hinter den sonstigen Spielen nicht zurückstehen.
Am Samstag stehen sich zwei Mannschaften auf Oswaldsgarten gegenüber. Beide Mannschaften bestehen aus sieben Mann. Die erste Halbzeit wird Handball, die zweite Halbzeit wird Fußball gesvielt. Man ist gespannt, wie das Endresultat aussehen wird.
Am Sonntag:
1. Stadtmannschaft A — Wehrmacht.
Auf dem Waldsportplatz stehen sich diese Mannschaften zum Kampfe gegenüber. Die Mannschaft
der Wehrmacht ist die erste.Mannschaft eines Luftwaffensportvereins, der mit seiner neu ins Leben gerufenen* Fußballmannschaft zum erstenmal vor die Öffentlichkeit tritt. Die Mannschaft spielt mit: Fischer 1900 Schlitz II Goß MB.-R. 1900
Schlitz I. Anton Godglück alle DfB.-R.
Ehmann Kraft Ziegler Funk Heeg
VfB.-R. 1900 VfB.-R. 1900
2. Stadtmann schäft B — Heuchelheim. Aufstellung der B-Mannschaft:
Borschel DfB.-R. Schneider Fleischhauer 1900 VfB.-R. Stühler Jäger Steinmann 1900 VfB.-R. Seitz Nikolai Reisinger Rohm Fröhlich alle VfB.-R.
Ebenfalls in stärkster Aufstellung spielt die B- Mannschaft in Heuchelheim. Da die Gastgeber als Heimmannschaft gefürchtet sind, dürste auch hier der Sieger erst mit dem Schlußpfiff feststehen. Spielerisch gesehen, sollten die Gießener einiges vovaus- haben.
3. Watzenborn-Steinberg — (Sorben- teich.
Das erneute Zusammentreffen beider Mannschaften wird Klarheit darüber geben, ob das große Spiel der Garbenteicher auf eigenem Platz gegen den Meister nur eine einmalige Erscheinung war, oder ob die Gäste tatsächlich in ihrer Spielstärke so große Fortschritte gemacht haben. An Temperament wird das Spiel sich besonders auszeichnen.
4. Großen-Linden — K l e i n - L i nd e n.
Im Rahmen des Turn- und Sporttages in Allen- dorf spielen beide Mannschaften. Gerade sie müssen sich darüber klar sein, daß ihre Aufgabe darin bc-
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Schickt Illustrierte an die Front!
Der Frontsoldat wird dafür dankbar sein.
steht, Fußball zu spielen, wie er sein soll. Beide Mannschaften verfügen über die notwendigen Kräfte, um die Schönheit des Fußballspieles zu zeigen. Bei der Ausgeglichenheit der Spielstärke ist der Ausgang des Spieles vollkommen ungewiß.
Zum Schluß soll noch erwähnt werden, daß in der Gruppe Dill und Wetzlar insgesamt 10 Spiele ftattfinben. Auch hier werden spannende Kämpf« zu erwarten sein.
Zugendfußball der Sp.-Vg. 1900.
Am kommenden Sonntag ist die 1. Jugend- Mannschaft der Spielvereinigung 1900 zu einem Freundschaftsspiel in Großen-Linden. Die Blau- Weißen, die am vergangenen Sonntag eine hohe Niederlage einstecken mußten, werden versuchen, diese wieder auszuwetzen.
Die 2. Jugend trifft auf die gleiche des Sportvereins 1926 Leihgestern und dürfte wohl kaum um eine Niederlage herumkommen.
Aus Oer engeren Heimat.
Ein verdienter Heimatforscher gestorben
LPD. Alsfeld, 19. September. Im Alter von 62 Jahren ist der hiesige Oberreallehrer Karl Dotter gestorben. Durch seine jahrelangen Arbeiten auf dem Gebiete der heimatgeschichtlichen Altertumsforschung und Heimatkunde, als Verwalter des Archivs der Stadt Alsfeld und als tatkräftiger Förderer des Alsfelder Stadtmuseums ist er in weiten Bevölkerungskreisen bekannt geworden. Seine archivalischen Forschungsarbeiten im städtischen Archiv hatten u. a. für die Stadt Alsfeld den großen Vorteil, daß ein in früheren Jahrzehnten durchgeiichrter Plan der Aufteilung des großen Waldgebietes „Der Homberg" bei Alsfeld, in dessen Verlauf die Stadt Alsfeld zugunsten des hessischen Staates erheblich benachteiligt worden war, wieder ans Tageslicht gebracht wurde und nun eine nach gerechten Maßstäben durchgeführte Neuordnung erfuhr, bei der die Stadt Alsfeld einen großen Teil des vorher in hessischem Staatsbesitz befindlichen Waldes als Eigentum zugesprochen erhielt. Auch als Mitarbeiter und späterer Leiter der „Mitteilungen des Alsfelder Geschichts- und Altertums- vereins" hat sich Dotter um die Stadt Alsfeli) und die oberhessische Heimatgeschichte in hohem Maße verdient gemacht.
Frankfurter Schlachtvlehmarkk.
Frankfurt a. M., 19. Sept. Es notierten je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 45,5 bis 46,5, b) 41 bis 42,5, c) 37 bis 37,5; Bullen a) 44 bis 44,5, b) 40,5, c) 35 bis 35,5; Kühe a) 43,5 bis 44,5, b) 39 bis 40,5, c) 25,5 bis 34,5, d) 18 bis 24,5; Färsen a) 45 bis 45,5, b) 40,5 bis 41,5, c) 36,5; Kälber, Doppelender, bester Mast 65 bis 74, andere Kälber a 59, b) 55 bis 59, c) 45 bis 50, d) 35 bis 40; Hämmel b2) 48 bis 51, Schafe a) 44, b) 37 bis 40, c) 12 bis 32; Schweine a) 58, bl) 58, b2) 58, c) 57, d) 54, e) 52, Sauen gl) 58. Marktoerlauf: alles zugeteilt.
talänglndelH
Roman von Helene Kalisch
Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Elchacker, Gröbenzell bei München
27. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Er versucht ein Lächeln, das aber nicht gelingt, zieht den Atem durch die Zähne. „Geschehen ist nichts. Es ist nur nötig, daß mir miteinander reden, Maria! ..." Er folgt ihrem Blick und bemerkt, wie sich die Scheibengardine an der ins Nebenzimmer führenden Tür bewegt, sieht Marta rot werden. Sie wendet fid) um und raunt ihm au" „Ich kann heute nid) weg, es geht Vater schlechter ..." Scheinbar ihre Vorräte musternd, geht sie im Laden hin und her und jagt halb abgewendet laut zu ihm: „Nein, ich kann heute nid)ts bestellen! Vielleicht fahre Id) morgen früh selbst nach der Zentralmarkthalle und kaufe ein. Ich muß erst sehen, was wir brauchen!"
Er hat verstanden, nickt ihr zu und geht.
Am nächsten Vormittag trifft er Maria in der Markthalle. Die Waren, die sie gekauft hat, sind bereits auf Pahls Wagen. Sie selbst will schnell mit der Straßenbahn zuriick, weil sie nid)t lange von Hause fernbleiben kann. In einem der Gänge zwi- jchen den Derkaufsständen, In dem es stiller ist, weil mehrere Stände geschlossen sind, reden sie miteinander.
„Was hattest du bloß, Klaus?" fragt Marta. „Ich konnte In der Nacht nicht schlafen vor Unruhe! Immer sah ich dein Gesicht und deine Augen vor mir — die sahen so aus, als hättest du Angst vor etwas ..." Sie versucht ein Lachen. „Du, und Angst haben ..."
Er preßt ihren Arm. „Ja, Maria, es ist was aufgewacht da drinnen", sagt er, auf seine Brust deutend. „Es ist geweckt worden von Mutter Pahl."
„Was denn?" fährt Marta auf. „Sie soll sich doch nich elnml|d)cn und fein Gerede machen! Ich weiß, sie meint es gut, aber — sie kann doch das alles nid) richtig verstehen! Und sie soll dir nich den Kopf warmmachen!"
Er streicht mit dem Handrücken über ihre Wange.
„Doch, soll sie! Recht hat die alte Frau!" setzt er mit unterdrückter Heftigkeit hinzu. „Mich muh man mal aufrütteln, weil ich wie im Traume lebe! Da habe ich dich gefunden ... Ich nehme alles! ... Ich bin ja dankbar, Marta ... Wenn ich Gott im Herzen danke, weil fid) für mich alles zum Guten gefügt hat und mir das Leben wie neu geschenkt ist, dann danke ich zugleich immer dir — das ist dann eins. Aber weiter auch nichts, Marta! Und da steckt ein Fehler, Marta, eine Schuld. Id) durfte nicht in den Tag hineinleben und mir keine Sorge machen, während sie über dich herfallen und dich lästern, did) in den Dreck zerren! Du, die so gut ist wie selten ein Mensch ..."
„Aber sei doch still, Klaus! Ach, nun bist du ganz außer dir", sucht Marta den Erregten zu beschwichtigen. Dann aber kann sie nicht mehr — kann nicht anders, als sich der Erleichterung hingeben, die fein Miterleiden ihrer heimlichen Qual ihr schenkt. Sie schluchzt leise, unterdrückt aber gleich wieder das Weinen. „Id) wollte lieber nicht zu dir von dem allem viel reden, Klaus", flüstert sie, ihre Tränen trocknend. „Wcsiin du mich so ansiehst ... Ach, ich habe Immer Angst, daß in dir etwas aufwacht, etwas Gefährliches! Du (ollst dich nicht noch einmal durch Jähzorn unglücklich madicn ... Nicht meinet- wegen. Das wäre bas Allerschlimmste! Lieber will id) alles auf mich nehmen."
„Sei still, min Deem", raunt er und streicht wieder fad)t über chre Wange. Und diese zarte Liebkosung und sein ,Sei (—till, min Deern‘, so wie er es sagt, ad), es schenkt ihr das süße, warme Glücksgefühl und die einzige, herrliche Gewißheit, die alles leicht macht, was fönst unerträglid) wäre.
„Ich weiß, was es jetzt zu tun gilt", hört sie ihn sagen, „längst hätte Ich es tun müssen. Ich gehe zu einem Anwalt wegen der Scheidung meiner früheren Ehe."
Sie blickt in sein Gesicht, hält seine Hand fest. „Ach, mein Klaus ... Du wirst von mir nich denken, daß es mir bloß ums Standesamt zu tun ist", sagt sie in beklommenem, erregtem Ton. „Ich habe did) lieb und hab' nid) danach gefragt, ob wir uns heiraten können ober nich. Und wenn das nich richtig war, so muß Id) es auf mich nehmen. Und ich tue es gern, trotz allem. Denn (eit du gekommen bist, weiß ich erst, warum ich lebe! All die Jahre vorher, da war ich im Dunkeln und habe mich gebangt nach
einer Seele, nach einem Menschen, der zu mir gehört ..." Sie lehnt sich an ihn und sieht ihm in die Augen. „Alles kann ich ertragen, wenn du zu mir hältst, Klaus. Und — nun weiht du auch das andere, was ich dir noch nicht sagen wollte ..."
14. Kapitel.
Klaus Tjaden sucht einen Rechtsanwalt auf, um die Ehescheidung einzuleiten. Als er dessen 'Büro wieder verläßt, ist er völlig benommen, treibt ziellos in dem Strom des Straßenverkehrs. Er kommt an einen Platz, auf bem eine Kirche steht, von Bäumen unb Grünanlagen umgeben. Er setzt sich auf eine Bank. Der Kopf schwirrt ihm von all Den Gesetzesparagraphen, bie ihm ber Jurist vorgelesen hat; von den eherechtlichen Bestimmungen, bie ihm als ein ungeheurer Wirrwarr erscheinen. Nur eines hat er klar begriffen: Die gesetzliche Frist zur Erhebung ber Scheidungsklage ist für ihn längst verstrichen. Er hätte sie spätestens sechs Monate nach Kenntnis des Scheidungsgrundes erheben müssen.
Wie vor den Kopf geschlagen hat er vor bem Anwalt gesessen, ber in verschiebenen Büchern nachschlug und hunbert Fragen an ihn richtete. Alles ist roieber aufgerührt, was wie mooriger Grunb unter ber still unb klar geworbenen Flut feines Lebens ruhte.
Was geht ihn heute bie Frau noch an, bie ihm einmal die Sinne verwirrte? Unendlich fern ist sie ihm. Schwere Erschütterungen unb bittere Not waren wie eine weite Wanberung unb völlige Wanblung, bie ihn von ihr entfernt haben. Aber ba stehen irgenbroo in einem Buche ein paar geschriebene Worte — unb bie bebeuten eine noch immer geltenbe Binbung?
Der Anwalt wirb an Dietmuthe schreiben, um ihr nahezulegen, ihrerseits bie Scheibungsklage zu erheben. Man müsse abwarten, hatte er sich geäußert, ein langwieriger Rechtsstreit, der allerhand Geld kostet und dessen Ausgang fraglich sei, stehe ihm wahrscheinlich bevor. —
Die Woche vergeht, ehe er wieder mit Maria sprechen kann. Zweimal bringt er inzwischen Ware in ihren Laden, aber es sind jedesmal Leute da. Einmal ist sogar ihre Stiefmutter anwesend, die ihm giftige Blicke zuwirft. Im Hinausgehen hört er eine halblaute Bemerkung, aus ber er bas Wort „Zuchthäusler" auffängt. Da reißt es ihn; er macht
eine Wendung zurück, will auf bie Frau zu. Da aber ist in bem rötlichen Nebel, ber vor feinen Augen schwimmt, Martas kreibeweißes Gesicht. Er hört ihr leises, beschwörenbes: „Klaus!" Er sieht bie Angst in ihren Augen.
Als er ben Laben betrat, hatte sie ihn fraaenb angesehen. Er vermag nichts über fein Gesicht, rann ihm keinen hoffnungsfrohen, zuversichtlichen Aus- bruck geben, wenn schwere Sorge ihn bebrüeft. Arme Marta! ... Wie sicher unb fröhlich war sie, als er sie fennenlemte, unb jetzt? ... Mußte sie ihn vor dem Verkommen retten, um selber so elend zu werden?
Am Sonntag aber ist wieder sie es, bie ihm bie Seelenbürbe leichter macht. Als er ihr bas Ergebnis feiner Unterrebung mit bem Anwalt mitteilt, seufzt sie tief auf unb sagt mit einem ermunternben Lächeln: „Na, Klaus, es ist. boch ber Anfang. Wir müssen es abwarten." Sie legt ben Arm um seinen Nacken. „Es lohnt sich boch, barum zu kämpfen, für unser Glück, nicht wahr? Ich glaube, wir schaffen es boch."
Da nimmt er sie in bie Arme unb küßt sie, bis ihr ber Atem vergeht.
Ihre Zuversicht macht auch ihm bas Leben roieber Heller. Sie verspricht ihm, mit ihm zu gehen, wohin er will, wenn er enblich ganz frei fein wirb. Jetzt ist etwas Neues in ihr — eine neue Forberung, bie vor allen anberen steht. So redet sie Klaus Mut zu unb hat es selbst so sehr nötig, sich aus dem kurzen Glück ihres Beisammenseins Kraft zum Ertragen bes so harten, so mit Bitterkeiten angefüllten Alltags mitzunehmen. —
Von bem Rechtsanwalt erhält Klaus ben Befcheib, baß Dietmuthe es ablehnt, bie Scheibungsklage zu erheben.
Als er es Marta erzählt, sieht sie ihm an, wie Zorn unb (Erbitterung in ihm wühlen, wie sich als gefährlicher Zündstoff Haß anfammelt gegen bie Frau, bie ihm schon einmal sein Leben oerborben hat unb ihm nun roieber schwere Hinbernisse in ben Weg (egt. Das erkennt Marta mit sicherem Gefühl, obwohl sie beibe in ihrer schweren Weise nur wenig barüber reben. Da gesellt sich Angst zu ihrer eigenen Not. Sie weiß wenig von biefer Frau; Klaus ist selten zum Reben über sie zu bewegen.
(Fortsetzung folgt.).


