Ausgabe 
19.7.1940
 
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m. Jahrgang Nrltzy

Gießener Anzeiger

zreltag, Hfl. Juli 1940

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Vrühlsche Universitätrdnttlerel 8. Lange General-Anzeiger für Oberhessen $ «Irhen^chulftras,- 7-9

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9er Siegesmarsch der ruhmreichen Berliner Division durch das Brandenburger Tor

Lagekarte von England aus Grund des OKW.-Be­richts vom Donnerstag, 18. 7.1940. Das Kreuz bezeichnet die Lage der der Bretagne vorgelagerten Insel d'Oessant. (Scherl-Bilderdienst-M.)

richte ohne Ausnahme jene Angst in dem englischen Volk verraten, die sich in Erwartung der Katastrophe für das Land zu erkennen gibt. Es werde behauptet, daß alle Wehrpflichtigen ein­gezogen seien, doch müsse selbst von englischer Seite zugegeben werden, daß man kaum mehr als zehn bis zwölf Divisionen ausgebil- leter Truppen habe. Kennzeichnend für die Richtigkeit dieser Feststellung sei die panische Furcht vor deutschen F a l l s ch i r m t r u p - p en, die in den groteskestemMaßnahmen Ausdruck inde. So sei neuerdings angeordnet worden, daß alle Landkarten und Atlanten aus Bibliotheken und Buchläden entfernt werden müßten und die Be­völkerung selbst alle Landkarten vernichten müßten in dem naiven Glauben, eine Orientierung deutscher Luftlandetruppen dadurch zu erschweren. Churchills

Wachsende Opposition gegen die Londoner Kriegshetzer

Weitere 30000 BRT. in überseeischen Gewässern versenkt

Der Wehrmachtsbericht vom Donnerstag.

Berlin, 18. Juli. (DJIB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

In überseeischen Gewässern operierende deutsche Kriegsschiffe haben weitere 30000BRI. feinb- lichen handelsschiffsraumes versenkt.

Auf Fahrzeugen der Kriegsmarine landeten deut­sche Truppen auf der Insel D'Ouesfant, die der Bretagne vorgelagert ist. Deutsche Kampfflugzeuge griffen den Truppenübungsplatz Aldershot sowie Flugplätze, Jndustriewerke und Hafenanlagen in Süd- und IMltelengland an. Auf dem Flughafen Tunbridge Wells, im Jndustriewerk Lastborne und in den Hafenanlagen in Portland wurden besonders starke Brände beobachtet: ein grohes Rüstungswerk in Greenock erhielt mehrere Bolltreffer.

Bei Angriffen gegen Schiffe im Kanal gelang es, ein Handelsschiff in Brand zu werfen, ein weiteres Handelsschiff und ein Borpostenboot durch Bomben so schwer zu beschädigen, daß die Besatzungen die Schiffe verlassen mußten.

In der Rächt in das Rhein-Ruhr-Gebiet ein­fliegende feindliche Flugzeuge wurden durch Flak­abwehr vertrieben oder am gezielten Bombenab­wurf gehindert. Einzelne planlos abgeworfene Bom­ben richteten weder Personen- noch Sachschaden an.

Lin feindliches Flugzeug vom Wüster Bristol- Blenheim wurde im Luftkampf nördlich Lherbourg abgefchofsen. Lin eigenes Flugzeug ist über dem Kanal abgeslürzt.

Die Insel Ouessant, die jetzt besetzt worden ist, liegt etwa 25 Kilometer vom westlichsten Punkt der Halbinsel Bretagne entfernt und fast genau soweit westlich wie Kap Landsend, der westlichste Punkt Englands! Mit anderen Worten: Die Insel Oues­sant bildet mit Kap Landsend zusammen den Ein­gang in den Aermelkanal, der sich zwischen Calais und Dover schließlich auf 35 Kilometer verengt. Zwischen der Insel Ouessant und Kap 2 ndsend ist der Kanal noch 200 Kilometer breit.

Biele Hunderttausende umsäumten am Donnerstagabend Die festlich geschmückte Dst-West-Äcyse zum Lranoenourger xor uno zu oen Minden, um die erste aus dem Westen heimkehrende Berliner Division aus übervollem Herzen und mit dankbarem Jubel zu begrüßen. Der Gauleiter der Reichshauptstadt, Reichsminifter Dr. Goebbels, und der Befehlshaber des Ersatzheeres, General der Artillerie Fromm, begrüßten die heim- kehrenden Truppen auf dem Pariser Platz. Unser Bild zeigt den Einzug der ersten Kolonnen durch das Brandenburger Tor. Auf einem Podium vor der Tribüne links Reichsminister Dr. Goebbels und der Befehlshaber des Ersatzheeres General der Artillerie Fromm. (Scherl-Bilderdienst-M^

Stockholm, 18. Juli. (Europapreß.) Mit der wachsenden Spannung und Unruhe in England be­schäftigt sich die Stockholmer ZeitungFolkets Dag- bladet". Das Blatt schreibt:Je länger die deutsche Offensive auf sich warten läßt, um so größer wird die Nervosität in England. Das ist auch ganz natür­lich. Die sich immer wiederholenden Luftangriffe müssen eine deprimierende Wirkung auf die Bevölkerung haben. Auch die fortdauernde Blockade des Jnselreichs schafft wachsende Schwie­rigkeiten im Lande und muß besonders befruchtend aus die Bildung oppositioneller Gruppen und ihre untergrabende Tätigkeit wirken. Bezeichnend ist, daß die Angriffe gegen Chamberlain und seine Anhänger in der Regierung nach kurzer Pause wieder aufgelebt sind."Folkets Dagbladet" ver­weist dann auf eine am lebten Sonntag in England abgchaltene Tagung von Vertretern der Ar­beiterklasse, in der nicht nur Chamberlain, sondern auch Churchill heftig angegriffen und die Forderung nach einer Arbeiterregierung für England erhoben wurde. Das Blatt beschäftigt sich auch mit Churchills großspuriger Erklärung, London bis zum letzten Haus zu verteidigen, wobei es die Frage aufwirft, was denn Englands Frauen und Kinder zu dieser Exklärung sagen. Das Blatt stellt fest, daß die Furcht in Eng­land eine zunehmende Opposition gegen Churchill bringe und daß man Churchill bereits jetzt als den be st gehaßten Mann in England bezeich­nen könne. Die deutsche Taktik der Zermürbung sei sehr wirksam, sie werde noch zu sehr entscheidenden mnerpolitischen Veränderungen in England führen. _

AuchGöteborgs Morgenpost" meldet aus Lon­don, daß die innere Spannung Englands von Tag zu Tag zunehme. In weiten Kreisen sei man der Ansicht, daß auch Churchills Stellung wesentlich geschwächt wäre. Man erkläre, daß die schlechte Lage des Premierministers vor allem auf der Oran-Affäre beruhe. Sie werde voll nur von dex Admiralität, der Labour-Party und dem Eden-Flügel der Konservativen Partei ge­billigt, jedoch vom König und dem Oberhaus ungeachtet der Parteistellung sowie von großen Finanzkreisen verurteilt. Unter der französischen Be­völkerung Kanadas habe es Demonstra­tionen gegen England gegeben. Mit einer gewissen Unruhe habe man in England die Mel­dung aufgenommen, daß zwölf kanadische Depu­tierte der Regierung eine Entschließung zustellten, in der sie forderten, daß die nach England ge­schickten kanadischen Divisionen sofort zurückge­holt werden sollten, sofern England seine Angriffe auf Frankreich verschärfe. Churchill werde auch für die großen Verluste der englische n H a n - bei s flotte durch die deutschen Luftangriffe ver­antwortlich gemacht. Es gebe jetzt so wenig Kriegs­schiffe in England, daß diese die englische Flotte nicht schützen könnten.Financial News" erkläre, daß es gegenwärtig für England unmöglich fei, eine größere Menge von Waren aus Südamerika heran­zuschaffen. .

Das KopenhagenerFaedrelandet macht oarau aufmerksam, daß die aus London eintreffenden Be-

Solider Warenhaushalt.

England fehlt nicht nur das Bedürfnis nach Auf- richtig feit, fordern auch das Bedürfnis nach Folge­richtigkeit. Es reimt sich schlecht zusammen, wenn weiterhin behauptet wird, der Wirtschafts­krieg gegen Deutschland sei nicht minder aussichtsooll als bisher, wenn aber auf der anderen Seite unter Berufung auf die ungeheure wirtschaft­liche Ueberlegenheit Deutschlands in beweglichen Worten schleunigste und umfassendste Wirt- chaftshilfe von Amerika erbeten wird. Wir Deutschen haben nie eine hohe Meinung vom britischen Warenhaushalt gehabt. Wir hatten stets das Empfinden, daß unsere Gegner viel zu lange, nämlich Jahrzehnte ja Jahrhunderte lang aus dem Vollen geschöpft haben, als daß sie sich ohne empfindliche Störung ihres Gemütszustandes in Selbstbeschränkung und Verzicht schicken könnten. Aber noch etwas anderes ist uns an unserem Geg­nern aufgefallen: sie haben keine Achtung vor den Gütern, die uns die Erde schenkt, und vergeuden sie kaltblütig, wenn ihnen das aus irgendeiner Er- roägung heraus nützlich vorkommt. Sie haben kurz nach Kriegsausbruch eine lange Konterbandeliste aufgestellt und darauf auch solche Waren gesetzt, die für die Kriegführung auch nicht die geringste Be­deutung besaßen. Sie tragen die Schuld, wenn Bra­silien abermalls Millionen von Sack Kaffee ms Meer schüttet, Argentinien Millionen von Tonnen Mais unter Dampfkesseln verheizen läßt, wenn die gesamte westafrikanische Kakaoernte dem Verderben überantwortet wird und wahrscheinlich auch um­fangreiche Baumwollbestände zur Vernichtung be­stimmt werden. Die Engländer maßten sich an, das klassische Handelsvolk zu sein. Sie haben in den letzten zehn Monaten gezeigt, daß sie schlechte Treuhänder der Güter und Schätze sind, die die Natur den Menschen anvertraut.

Wer die ausländische Presse verfolgt, kann fest­stellen, daß der Eindruck, den Großbritanniens Wirtschastsgelvichtt auf alle Völker des Erdballs ausübte, noch immer ein wenig nachwirkt, und daß es in manchen Ländern auch bei ausdrücklicher Bei­behaltung der Neutralität.einige Reservate zugun­sten des alten Handels- und Wirtschaftsvolkes gibt. , Aber unverkennbar mischt sich in die Pressebetrach- tungen die Feststellung, daß an der Vergeudung wertvoller Wirtschaftsgüter und an schweren Ver­lusten der betreffenden Poduzentenländer die Regie­rung des Vereinigten Königreiches die Schuld trägt. Man fragt sich, ob es alle 15, 20 oder 30 Jahre wie es der Londoner Regierung beliebt einen Krieg und damit eine Krise für die Interessenten der von England blockierten Erzeuger- und Ver­brauchergebiete geben soll. Man fragt sich, ob man es als unabänderlich hinnehmen soll, daß ein- oder zweimal innerhalb eines Menschenalters eine große Wertgerstörung und Warenentwertung eintritt. Im­mer deutlicher wird gefordert, daß es Großbritan­nien künftig unmöglich gemacht werde, das Ver­mögen und die wirtschaftliche Wohlfahrt aller Völ­ker des Erdballs für seine politischen Interessen einzusetzen und zu opfern.

In diesen Monaten, in denen sich Großbritannien bemüht, den schweren Schlag abzuwehren, zu dem das von ihm angegriffene Deutschland ausgeholt hat, wird darüber diskutiert, ob andere Völker auf Grund ihrer Veranlagung und Erziehung nicht mel- leicht bester geeignet wären, für kleinere Völker einen gefunden Warenhaushalt durchzuführen. Vom alten Preußen heißt es, daß es sparsam bis zur Knauserigkeit gewesen sei. Man belächelte die in den behördlichen Amtsstuben geübte Praxis, die be- nutzten Briefumschläge an den geleimten Stellen aufzutrennen, zu wenden und auf der unbenutzten Seite zum zweitenmal zu verwenden. Als der Na­tionalsozialismus die Sammlung von Altpapier, Stostreften, Altmetallen ufw. anordnete und unter

Haltung verrate wachsende Unsicherheit, und seine Regierung sei ebenfalls von Unsicherheit geprägt. Alle Anzeichen ließen somit darauf schlie­ren, daß der endgültige deutsche Angriff England mitten in einer p olitis che n Krise antreffe. Die Presse der englischen Arbeiterpartei wendet sich in charfer Sprache gegen die Propaganda- Methoden Duff-Coopers. Die Verbreitung alscher Gerüchte über angebliche Meinungsverschie- )enheiten zwischen Hitler und seinen Generalen und über nur in der Einbildungskraft vorhandene Unzufriedenheits-Kundgebungen der Bevölkerung Deutschlands, so schreibe derDaily Herald", bliebe sowohl im Inland, als auch im Ausland erfolglos. Statt sich durch derartige kindische Erfindungen selbst zu täuschen, müsse man den Tatsachen ins Gesicht sehen.News Chro- nick" wendet sich gegen das Gesetz über die Ver­folgung der Verbreiterfalscher" Gerüchte. Die Regierung möge lieber ihre Macht gegenüber jenen politischen Persönlichkeiten und der Finanzwelt ge­brauchen, bet denen zahllose Kundgebungen der Un- zuftiedenheit und des Defaitismus festzustellen seien.

Große Schwierigkeiten der britischenLevante-Truppen

Nachschub und Verpflegung nur auf riesigen Umwegen.

Rom, 18. Juli. (DNB) Wie Stefani meldet, wird die Lage der englischen Streitkräfte in der Levante immer schwieriger. Die Bombenangriffe italienischer Lustgeschwader gegen Haifa haben riesige Brände in den Petroleumdepots und den großen Raffinerien verursacht. Haifa als Endpunkt der großen Pipeline des Irak ist gleichzeitig einer der wichtigsten militärischen Stützpunkte Palästtnas. Die große Raffinerie war erst 1939 für die Ver­sorgung der englischen Flotte in Kriegszeiten fertig- gestellt worden. Mit ihrer Zerstörung ist der briti» schen Flottenorganisation in dv Levante ein schwe­rer Schlag zugefügt worden.

Andererseits fehlt es im östlichen Mittelmeer an Trockendocks, was um so schwerer ins Gewicht fällt, als viele englische Schiffseinheiten durch Granaten oder Fliegerbomben beschädigt wurden. Die italienische Sperre zwischen Sizilien, Pantelleria und der afrikanischen Küste hindert die englischen Streitkräfte daran, Nachschub und Verpflegung von Gibraltar her zu erhal­ten. Malta wird mehr und mehr evakuiert. Einige Geleitzüge mit Lebensmitteln und Munition an Bord haben von Matta aus nach Alexan­drien gelangen können, aber das englische Expe­ditionskorps in Aegypten und Palästina so­wie die Flotte und die Luftstützpunkte müssen fort« gesetzt versorgt werden. Der Nachschub kann fortan nur über Südafrika und den Su­dan erfolgen unter Ueberwindung riesiger Entfer­nungen und größter Schwierigkeiten. Die englischen Truppen sollen übrigens sehr unter der hohen Temperatur an der libyschen Grenze und bei dem gleichzeitig starken Druck der Italiener leiden.

Churchill

raubt auch Frankreichs Handelsflotte.

Stockholm, 19. Juli. (DNB.) Das britische Handelsministerium teilt mit, daß alle franzö­sischen Handelsschiffe, die sich in briti- schen Häfen aufhalten, von der Regierungnach Maßgabe des Verteidigungsreglements" beschlag­nahmt werden. Dieser neue Raub der britischen Piraten wird mit der zynischen Bemerkung bemän- : telt, daß nach Kriegsschluß eine Entschädigung für ihre Verwendung gezahlt und die Schiffe an Frank- reich zurückgegeben werden sollen.