Ausgabe 
19.6.1940
 
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Mittwoch, ,9. Zuni 1940

Ur.H5 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Festungen der Volksernährung

Durch Umschaufeln erfolgt die Durchlüftung des Lagergetreides.

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1940

(Nachdruck verboten!)

20. Fortsetzung.

wohnte in der Unaererstraße und hatte einen großen Kreis von Freunden um sich, die ihm halfen, ein

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griff nach Schmetterlingen und glatten Kieselsteinen,

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Fenster hinaus, ob die Sonne auch noch Sie schien, gleißend, gelb und stark.

Man könnte mal im Dorf drunten meinte Joachim. Aber das Dorf war so

Humor. Die Sonne scheint auch so schön." So", machte Jdachim und sah blinzelnd

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Freunden um sich, die ihm halfen, ein vergnügtes Leben zu führen.

Sie hatte ihm viel geholfen in jener Zeit. Mit

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Mit dem Stechthermometer wird die Wärme des lagernden Getreides ständig überprüft.

(Aufnahmen [2J: Dr. Cornelius.)

Keine Sm von Hauck

Boman von Eharlotte Kaufmann.

und auf jeden Schritt gelauscht hatte, der die Straße herunterkam, ob es nicht sein Schritt sein würde.

Nein, er konnte ihr nicht helfen.

*

Sibylle fuhr mit Joachim in die Weihnachtsferien. Sie fuhren mit dem Auto, mit Joachims grau lackiertem Wagen. Seine Schier waren oben auf das Wagendach geschnallt, und wenn er einmal über» mäßig scharf eine Kurve nahm, klapperten sie.

Sie machten einen Umweg und fuhren am Rhein entlang. In Bonn übernachteten sie. Sie kamen über schlechte Wege und viele gute Wege. In Norddeutsch­land schneite es. In Stuttgart kam die Sonne.

Die Fahrt, durchrast im Siebzig»Kilometer»Tempo, brachte die beiden Menschen einander sehr nahe. Seit Heidelberg sagten siedu" zueinander.Denn wir sind ja nun seit Wochen schon zwei gute Kameraden", meinte Joachim."

Sie kamen ins Allgäu. Weiße Berge und türkis­blauer Himmel begrüßten sie.

Joachim hatte in einem Berghotel zwei Zimmer bestellt. Aber als sie eintrafen, stellte sich heraus, daß nichts frei war.

Warum haben Sie mich nicht verständigt?" fragte Joachim, aber der Hoteldirektor wußte darauf nur bedauernd die Schultern zu zucken.

Weihnachten, mein Herr! Wir wissen nicht, wo uns der Kopf steht. Sie müssen vielmals entschul­digen. Es ist ein schrecklicher Andrang. Aber für die Dame wäre im großen Damenschlafsaal noch ein Bett frei, und wenn Sie selbst, wie eine Menge anderer Herren, mit dem Aufenthaltsraum vorlieb- nehmen würden wir stellen Liegestühle sehr bequeme Liegebetten, hinein. Der Schnee ist ja so ichön hier wie noch nirgends sonst in den Bergen. Sie wären nicht der einzige und haben sicher genug

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ner dann länger^ Zeit ge- setzt werden, vernichtet die Käfer samt Brut. Eine Beeinflussung des Nähr­wertes oder der Genieß­barkeit des Getreides fin­det dabei selbstverständlich nicht statt. Dr. C. O. C.

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NS.-Frauenschast/Frauenwerk.

Die rassenpolitische Arbeitsgemeinschaft hält einen Schulungsabend am Freitag, 21. Juni, 20.15 Uhr, in der Kreisfrauenschaft, Frankfurter Straße 1. Alle Mitglieder sind herzlich willkommen.

Ein Säuglingskurs des Mütterdienstes beginnt am 19. Juni, 20 Uhr, Schanzenstraße 18, DAF., Hinterhaus. \

Hitler-Jugend Bann 116.

Slandortbefehl.

Heute Mittwoch, 19. Juni, Antreten der Fähn­lein 4, 5 und Lehrfähnlein zum Kartoffelkäfer­abwehrdienst pünktlich um 14.30 Uhr an den be­fohlenen Antreteplätzen.

ObenwälderHeimatvereinigungGießen

Die am gestrigen Dienstag im Hotel Köhler ab­gehaltene Veranstaltung derOdenwälder Heimat­vereinigung" erfreute sich eines stattlichen Besuchs. Direktor Hartmann entbot den Erschienenen den Willkommgruß und gedachte voll Stolz und Dank gegenüber Führer und Heer der beispiellosen Was-

Joachim nickte.Es kann so gewesen sein. Es kann. Denn dieser Gode aber schon ein schlechtes Gewissen Hatte, so war es trhnn doch eigentlich eine Dummheit on ihm, daß er die Bescheinigung an die Frau chickte unter Angabe seines Absenders."

Das war eine Dummheit. Zugegeben. Es war »hne Zweifel ein Fehler von ihm, denn nun kann ran ihn fragen. Da er ja aber keine strafbare Hand» Ling begangen hat, braucht er sich nicht unbedingt ! u fürchten. Möglicherweise hat er den Absender Lanz in Gedanken und automatisch auf den Umschlag geschrieben. Nun, wir werden ja weiter sehen, wenn »fr seinen Aufenthalt ermittelt haben. Uebrigens iefjt man, daß aus schlechten Taten nichts Gutes werben kann. Er hat sich seiner Freiheit nicht lange gefreut." Mjülln lächelte und gab Joachim die Hanv.

Kommen Sie gut nach Hause, Herr Keit."

Joachim nickte wieder. Er wurde sich bewußt, daß f*r dauernd mit dem Kopfe nickte, seitdem er in dieses Büro getreten war. ..

Draußen schneite es noch immer, unaufhörlich und Metig. Die Laternen spiegelten sich in der Nasse des Asphalts. Er beeilte sich, nach Hause zu kommen.

In der Dänischen Straße mußte er an der Kunst- Handlung vorbei, in der immer noch das Wintervuo »usgestellt war. Berge im Schnee.

Es war vollkommen unmöglich, sich vorzustellen, isaß die Frau, zu der er manchmal fuhr, nun luittDß war. Es war ja überhaupt merkwürdig, sich vorzu- Vellen, daß sie je verheiratet geroefen mar. oie ist >a ein Kind, dachte er. So jung, so unberührt.

Nun war sie also wirklich allein ...

In der Esmarchstrahe stand em kleines, ro es »uto, aus dem ein Mädchen stieg in dem Augenblick, vls Joachim daran vorbeiging. Er stieß beinahe gegen die rasch aufgeschlagene Wagentur

Verzeihung!" sagte er. Er erkannte Ingeborg Petersen und konnte nicht umhin, stehenzubletben.

Ach", machte sie,bin ich erschrocken. Habe ich dich gestoßen? Hast du dir weh getan?'

Nein, nein. Es ist gar nichts passiert. Wie geht es dir?"

Oh, gut. Danke." Sie lächelte ihn von unten her- auf an.Heute habe ich mir meine Schiausrüstung wieder auffrischen lassen. Ich will Weihnachten in die Berge. Du ja auch, wie ich gehört habe."

Ja, wahrscheinlich", erwiderte er einsilbig.

Wo fährst du hin? Ins Allgäu? Es soll viel Schnee dort geben."

Ja, ich hoffe es wenigstens."

Sie stand ganz nahe neben ihm. Sie war ein gutes Stück kleiner als er und lächelte ununter­brochen.

Ich habe mir wieder Schnallfelle gekauft", be­richtete sie.Meine letzten sind kaputt. Denke dir, ich hatte sie im Koffer auf dem Speicher, und nun sind die Motten hineingekommen. Sie haben den ganzen Seehundpelz aufgefressen. Nun überlege ich mir dauernd, ob ich nicht doch besser daran getan hätte, mir Klebfelle zu kaufen. Was meinst du? Soll ich sie umtauschen?"

Der Schnee rieselte auf das hellblonde Mädchen herab und auf Joachim. Die Scheinwerfer des klei­nen Wagens beleuchteten die stille Straße und den nassen Asphalt.

Klebfelle oder nicht. Für Joachim war diese Frage im Augenblick unendlich belanglos, aber er ant­wortete höflich:Du kannst meiner Meinung nach ruhig die Schnallfelle behalten. Sie tun bestimmt ihre Dienste."

Ja, glaubst du? Sie sind leichter anzumachen, nicht wahr? Ach, es wäre furchtbar nett von dir, wenn du dir meine Sachen einmal ansehen und mir deinen Rat geben würdest"

Er versprach höflich, sich ihre Sachen einmal anzu. sehen. Er wußte, daß sie damit gerechnet hatte, ein­mal seine Frau zu werden, so wie auch seine Mutter es sich dachte, und er wußte, daß sie durch seine plötz­liche Zurückhaltung und Kälte enttäuscht war. Er konnte ihr nicht helfen. Sie war ihm so fremd ge- worden. Sie hatten sich gar nichts zu sagen. Er ver- stand nicht, daß er Jahre hindurch Sehnsucht nach ihr gehabt hatte. *

Er verabschiedete sich und eilte nach Hause. Er ließ sie zurück neben ihrem kleinen Wagen unter dem sinkenden Schnee auf der stillen, vornehmen Straße, obgleich er wußte, daß sie hier nur auf ihn gewartet hatte, daß sie mit Absicht hier im Wagen gesessen

Geld und Sorge. Sie hatten sich geliebt Sehr. Als sie bann heirateten und Sibylle mit ihrem letzten Gelb in bte verlassene Fischerkate am Meer erstand und in Ordnung bringen ließ, glaubte sie, keinen Wunsch mehr zu haben.

Ade-r das Leben bringt immer wieder Wünsche. So, wie das Meer neue Wellen heranschiebt, wie der Wind immer wieder um die Kipfel der Berge streicht immer wieder bringt das Leben neue Wünsche, neue Sehnsüchte.

Und so hatte sie auch später in den Jahren ihrer Ehe wieder neue Wünjche gehabt. Nicht nach Reisen und Vergnügungen ober Geschenken. Sie wollte malen und scyaffen und vorwärtskommen. Sie dachte daran, einmal ein schöneres Haus zu haben und Kinder und einen Mann, der ... sie wollte zu ihm aufschauen.

Aber Detlef lag am Strand und träumte und

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der Süßstoff meist den gleichen Dienst wie der Zucker. Will man das Gericht geschmacklich uerbej- em und an Nährwert bereichern, so empfiehlt sich )er Zusatz einer kleinen Zuckermenge neben dem Süßstoff. Süßstoff ist außerordentlich billig. Eine kleine Packung kostet nur 20 Pfennige.

Süßstoff löst sich leicht in kalter Flüssigkeit: et tonn aber auch ohne Bedenken mitgekocht werden. Erst'in allerjüngster Zeit ist auf Grund von Be­hauptungen, baß bas Mitkochen von Süßstoff Spei­en und Getränken einen Nachgeschmack verleiht, ein groß angelegter Versuch in dieser Richtung dnrchgefüh'rt worben mit dein Ergebnis, daß bet richtiger Anwendung und bei den üblichen Koch- temperaturen eine Beeinträchtigung des Kochgutes nicht erfolgt. Zum Einkochen nimmt man Süßstoff in Kristallform (N-Packung ober Süßwunder-Ta- bletten). Die O-Tablettcn eignen sich infolge eines Zusatzes von Natron, ber lebiglich zum Zwecke der Dosierung beigegeben ist, weniger für Koä>zwecke.

Gießener Schlachtviehmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungvmarkt) in der Viehversteige­rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 43, Bul­len 34,5 bis 48,5, Kühe 18 bis 43,5, Färsen 38 bis 60, Kälber 40 bis 63 Rpf. je Vt kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,10, bl (135 bis 149,5 kg) 1,10, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,10, c (90 bis 119,5 kg) 1,08, d (80 dis 89,5 kg) 1,02, ef (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,10, i (Altschneider) 1,10, g2 (andere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 NM. Marktverkauf: Auftrieb etwas schwächer, alles ausverkauft.

** Beim 'Futterholen vom Wagen überfahren. Gestern nachmittag wurde eine junge Landwirtsfrau aus Gießen - Wiefeck beim Futterholen von dem beladenen Fuhrwerk über­fahren. Die Räder gingen der bedauernswerten Frau über die Brust, wodurch die Verunglückte schwere Brust- und Rippenouetschungen erlitt. Die Frau mußte der Chirurgischen Klinik zugeführt werden.

♦♦ 21 u f d e m Heimweg von der Schule verunalückt. Am gestrigen Dienstag verunglückte ber 12 Jahre alte Schüler Herbert Becker aus Butzbach auf betn Heimweg vom Schulbesuch in Gie­ßen. Am Ortseingang von Heuchelheim fuhr der Junge mit seinem Fahrrad auf einen Leiterwagen auf und erlitt dabei erhebliche Verletzungen im Ge­sicht. Die Bereitschaft Gießen vom Deutschen Roten Kreuz mußte den bedauernswerten Jungen nach der Chirurgischen Klinik bringen.

Amtsgericht (Sieben.

Der F. M .in Bad-Nauheim hatte einen Straf­befehl über zwei Wochen Gefängnis erhalten. Er war beschuldigt, im April einem Arbeiter ein Paar halblange Schaftstiefel und einem anderen Arbeiter eine Weste entwendet zu haben. Gegen den Straf­befehl legte der Angeklagte Einspruch ein, er wurde aber in der Hauptverhandlung überführt. Dem An­trag des Anklagevertreters entsprechend wurde der Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von zwei Wochen verurteilt.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 19. Juni. (Dorbericht.) Es kosteten Kälber 30 bis 65 RM., Hämmel 36 bis 51, Schafe 20 bis 44, Schweine 50 bis 56 RM. Markt­verlauf: Kälber, Schafe und Schweine zugeteilt

fentaten unserer ruhmreichen Soldaten, vor deren Siegeszvg nunmehr auch die Franzosen nicht mehr standhalten können. Auf aktenmäßigen Darstellun­gen fußend, erzählte sodann Studiendirektor Dr. Walter seinen Landsleuten vomRäuberunwesen im Odenwald um 1800" in längeren Ausführungen, die mit Spannung verfolgt wurden.

Zucker oder Süßstoff?

Um Zucker zu sparen, kann man in vielen Fällen, in denen man bisher Zucker verbraucht hat, Süß­stoff verwenden und dadurch den Zucker entweder völlig ersetzen oder die bisherige Znckermenye er­heblich ocrrin-aern und durch Süßstoff ergänzen. Gegen Süßstoff besteht vielfach noch ein Vorurteil. Manche Hausfrau hat in der Tat mit Süßstoff schon schlechte Erfahrungen" gemacht. Das ist aber fast immer nur darauf zurückzuführen, daß der Süß­stoff falsch verwendet wurde. Zucker sollte im lag» lichen Speiseplan hauptsächlich Dort verwendet wer­den, wo außer dem süßen Geschmack vor allem auch der hohe Nährwert des Zucker (hoher Brennwert, teilweiser Ersatz für Fett) wichtig ist. Dort, wo es nur darauf ankommt, Speisen zu süßen, leistet

Zur Desinfektion und Wundversorgung

gebraucht man die seit über 10 Jahren ärztlich erprobia und bewährte Sepso-Tinktur, die in allen Apotheken und Drogerien in Fläschchen zu sünfundfünfzig Pfennigen und in Tupsröhrchcn zu ncununbbicr^ Pfennigen er­hältlich ist. Sie desinfiziert wie Jod-Tinktur und wird genau so angewandt. Sepso-Tinktur findet nicht nur bei Hieb-, Stich-, Biß-, Schnitt- und Schürfwunden An- lücnbung, sondern auch bei Entzünbungen in der Mund­höhle und des Zahnfleisches sowie zur Desinfektion von Pickeln und Insektenstichen. Infolge ihrer großen Tiefen­wirkung erweist sie sich ferner bei Prellungen, Quet­schungen und in allen Fällen, in denen eine gesteigerte Durchblutung des Gewebes erwünscht ist, als sehr brauch­bares Behandlungsmittel.

Wir wissen aus den Veröffentlichungen über die gewaltigen Getreidemengen, die unsere vorsorgliche Staatsführung angehäuft hat, daß der Brotkorb Deutschlands in diesem Kriege gefüllt ist und von unseren Gegnern nicht in die Höhe gezogen werden kann. Hat die Lagerung solch riesiger Vorräte, so wird mancher fragen, nicht auch Nachteile im Ge­folge? Kann die ParoleKampf dem Verderb jetzt erst recht" auch hierbei restlos befolgt werden?

Wir haben eines der Lagerhäuser ausgesucht, die als moderne Festungen der Volksernährung der Sicherung unserer Brotversorgung dienen. Hier wer- den die meisten Gefahrenquellen durch sachgemäße Kontrolle und auf ausreichenden Erfahrungen be­ruhender Vorbehandlung von vornherein ausgeschal- tet. Das Hauptmoment dabei ist die Vermeidung einer zu hohen Feuchtigkeit und Wärmeentwicklung im Getreide, die Fäulnis herbeiführen kann. Durch Umschaufeln der auf Schüttböden lagernden Körner oder durch Lüftung und Abkühlung der in Silo schächten aufgestapelten Getreidemengen mittels Ven­tilatoren wird sie vermieden. Ein anderer Weg ist, gleich bei Ankunft des Getreides mit mariner Luft oder durch Vakuumtrockner die Feuchtigkeit auf 13 v. H. herabzusetzen. Die Gefahr einer nachträg­lichen Wärmeentwicklung, der Bildung sogenannter Wärmenester" in den Getreidestapeln begegnet man durch ständige Kontrollen der von Menschenhand bedienten Stechthermometer oder elektrisch betriebe­ner Fernthermometer.

Der Bekämpfung des Kornkäfers, des Hauptfach- lichen tierischen Schädlings der Brotfrucht, wird ebenfalls besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Verluste, die durch dieses Insekt entstanden, beziffer­ten sich früher auf jähr- lief) 100 Millionen Mark. Jetzt aber ist es gelungen, seine verderbliche Wir­kung weitgehend zu ban­nen. Mit einem besonde­ren Sieb werden Schüttel­proben des Getreides vor- genommen, wobei die kleinen Käfer durch die Drahtmaschen fallen. Ist so eine Getreidepartie als käferverseucht erkannt, so kommt sie in besondere, mit Zinkblech ausgeschla­gene Schächte, die als Gaszellen dienen. Ein neuartiges, hochwirksames Gas, unter das die Kör-

Oh, das geht alles", sagten sie und waren ver­gnügt.

Dann versuchte Joachim mit frischem Eifer gleich ein wenig auf den Gipfel zu steigen, mit frisch ge­wachsten Schiern, während Sibylle sich auf der Ter­rasse in Decken einpacken ließ, um braun zu werden, sie, die vom Sommer her immer noch braun war.

Sie atznete tief, als wolle sie den Geruch des Schnees in sich aufnehmen, der weiß und glitzernd bis zur Brüstung heraufreichte. Der Bergwind strich über sie hinweg. Er war kalt und herb und stark. Heber die Terrasse flogen die Bergdohlen.

Sibylle träumte. Sie gab sich diesem Ausruhen- dürfen, dieser nie erhofften Reise ganz und gar hin. Alles Erinnern an früher schob sie zurück. Ihre stille Jugend im Haus einer alten Tante, denn die Eltern waren früh gestorben, ihr kurzes, hastiges Studium, das durch ein kleines Erbteil ihres Onkels sicher- gestellt war und das sie in München hinter sich ge­bracht hatte, ohne daß sie dabei jemals in die Berge gekommen war. Die Zeit, in der sie Detlef Hauck kennenlernte....

In München war das gewesen, in Schwabing. Er

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Aus der Stadt Gießen.

Oer Geächtete.

Er gehört zur Rasse der rebhuhnfarbigen Italie­ner und hat sich in seinen zehn Lebenswochen zu tinem prächtigen Junghahn entwickelt, der allen juheren Anzeichen nach seinen Mann stellen wird. Sein Kamm ist schärf gezackt und leuchtet rot, seine Bruft beginnt sich in edlem Bogen zu wölben.

Sein einziger Fehler ist seine Schreckhaftigkeit int) Furcht vor sechs Hühnern, mit denen er feit ;a)cl Wochen Pferd und Stallung teilt. Sie behan- leiten ihn vom ersten Augenblick an als Eindring, ing, wider den sie sich, bei aller sonstigen Mißgunst gegeneinander, sofort in stillem Einvernehmen ver­bündeten. Und der kleine Unerfahrene tat das lörichtste, was er tun konnte, als sie mit ihren Schnäbeln nach ihm hieben: er riß mit flüchtigen Sprüngen aus und suchte sich sogar vor ihnen zu verstecken, anstatt Gleiches mit Gleichem zu ver­alten. Das wissen die Hennen nun, und sie scheinen sch geradezu ein teuflisches Vergnügen daraus zu machen, ihm immer und überall ihre Ueberlegen- zeit zu zeigen. Der Aermste muß sich wie ein Dieb einen Lebensunterhalt aus der FutterschüsseUstehlen, Znd nur die vorübergehende Abwesenheit einzelner Hühner, sobald sie sich zum Legenest zurückziehen, sber ihre Trägheit, bte es liebt, mit vollgepfropftem Baud) in eine Sandkuhle gebuddelt die Minuten 01 verdösen, verschaffen ihm zuweilen die ersehnten reien Augenblicke, die ihn doch noch auf seine Kosten kommen lassen.

Denn er sieht trotz alledem gut aus, der kleine Kerl, der sechs zu eins durchhält! Er wächst sogar Zusehends, und sein Rückengefieder zeigt schon einen chwachen Schimmer seiner künftigen Pracht. Und mit der zunehmenden Größe scheint auch die Selbst­behauptung sich zu festigen. Im Stall, wo allabend- ich eine toste Hetzjagd hinter ihm her tobte, und er sich schließlich ein bescheidenes Schlafplätzchen xu ebener Erde suchen mußte, behauptet er jetzt chon seinen Sitz auf der Stange.

Er wandelt sich zu seinem Vorteil, der Geächtete. Er wird kecker und dreister. Und als er gestern ylotzlich den Hals krampfhaft nach vorn reckte und 3en Schnabel öffnete, hätte ich ihm helfen mögen > Dor Freude. Aber der sieghafte "Hahnenschrei blieb noch aus. Immerhin, der Versuch ist gemacht! Und eines Tages wird den erschreckendenDamen" sein herrischesKikeriki" entgegenschallen! Seine Selbst- Behauptung wird sich zum Selbstbewußtsein stei­gern, und er wird sich Mann fühlen. Dann könnte ?r den Unverträglichen ihre Bosheit vergelten, denke ch, obschon ich selbst nicht an so etwas glaube. Er roirb vielmehr den Kavalier spielen und mit den Schnöden schöntun. So sind die Männer !>

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Volkstümlicher Vortrag der Ludwigs-Universität: 20.30 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- rvigstraße 34, Professor Dr. Glöckner überEin­führung in die Aesthetik der bildenden Künste" Zweiter Teil: Zeichnung und Malerei). Stadt- thcater: 19.30 bis 22 UhrTrockenkursus". Glo- ria-Palast, Seltersweg:Tip auf Amalia". Licht- Fpielhaus, Bahnhofstraße:Diener lassen bitten"; Gastspiel russischer KünstlerFeuervogel".

Sladtthealer Gießen.

Am heutigen Mittwoch letzte Wiederholung von .Trockenkursus", Schi-Lustspiel von Kurt Bortfeld. Spielleitung: Hans Geißler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 32. und letzte Vorstellung der Mitt­woch-Miete statt.

konzerkgemeinschaft blinder Künstler Südwestdeukschland".

Blinde Künstler veranstalten am morgigen Don­nerstag, 20. Juni, in der Aula der Universität ein Konzert. Die Dvrtragsfolge wird bestritten von Maria Kujawa, Wiesbaden (Sopran), und Otto Schneider, Heidelberg (Klavier). Die Sängerin singt Lieder von Schubert, Reger und Trunk. Otto Schnei­der spielt eine Sonate von Mozart und bringt dann Werke von Chopin und Liszt. Blinde Künstler rool- en zur Verbreitung deutschen Kulturgutes beitragen, anb so haben sie es sich zur ernsten Aufgabe ge- I Nackt, ihre Zuhörer am inneren Erleben guter t Musik teilnehmen zu lassem________.

wie der Bera, und so blieben sie. Sibylle bekam eine Koje im großen Schlafsaal angewiesen, und Joachim freundete sich mit seinen Leidensgenossen an, die griff nach Schmetterlingen uni gleich ihm die Nacht auf Liegestühlen verbringen nach Miesmuscheln und Tang, sollten. 1 (Fortsetzung |

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