Ausgabe 
18.12.1940
 
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Mittwoch, 18. Dezember 1940

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Streife, bas USA.-!Rififo angesichts der verzweifel-

vergrößern. Man

welche das Gebiet von Basel unter

Flugzeuge

Churchillschen Erkläruw

nen über große Erfolge der englischen Luftwaffe

haben, sowie die britische Herkunft der auf

schiffe für Großbritannien nicht zu erreichen ver-

weiteren Ausfall von

Kriegsproduktionsbstrieben durch die massierten

in der englischen Ernährungs-

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gesteigerte Güte der Ware ausdrücken soll. Wir nicken verhalten beifällig mit dem Kopf, legen ihn aber doch zweiflerisch zur Seite, kneifen prüfend ein Auge zu. Der Verkäufer macht eine Kunstpause, bestellt türkischen Kaffee, der zu jeder Istanbuler Geschäftseinlcitung gehört, ob sie sich nun im dunk- keln Pasar abspielt oder im modernen Büroraum mit Stahlrohrmöbeln. Nun nennt der Verkäufer auch einen Preis. Der erste entscheidende Augen­blick ist gekommen. Wir zucken mit dem Kopf in die Höhe, schnalzen empört erstaunt mit der Zunge, drücken damit aus, daß wir diesen Preis einfach für undiskutierbar halten. So nennen wir einen um 40 v. H. niedrigen Preis. Der Verkäufer lächelt Hohn, ob wir mit ihm einen schlechten Scherz machen wollen. Er windet sich und läßt schließlich 5 v. H. nach. Wir werfen wieder den Kopf, schnalzen mit der Zunge und sagen: 30 v. H. Nachlaß sei unser angeblich letztes Gebot.

Der Verkäufer zuckt mit den Achseln, und wen- bet sich einem anderen Teppich zu, den wir aber nicht sollen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, da wir aufstehen muffen, als taktisches Manöver. (Der

Neuer Angriff deutscher Kampfverbände auf Sheffield

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unbeachtet blieben und böchstens mit neuen Tritten für die unterwürfigen Protestler beantwortet wur­den. Ev.

Schweiz rischer Protest in London.

Bern, 18. Dez. (DNB.) Das Eidgenössische Po­litische Departement teilt mit:Nachdem die Unter­suchung die britische Nationalität der

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den Südbahnhof von Basel und die benachbarten Stadtviertel abgeworfenen Bomben ergeben hat, ist die Schweizer Gesandtschaft inLondon beauftragt wor­den, gegen die neue Bombardierung eine Schweizer Stadt einen um so strengeren P r o t e st zu erheben, als der Vollmond und der Schnee eine vollkom­mene Sicht gewährten und den Piloten gestatte­ten, sich zu orientieren. Die Gesandtschaft wird die vollständige Wiedergutmachung der Schäden verlangen und erneut darauf drängen, daß alle Maßnahmen ergriffen werden, um die Wieder­holung dieser Zwischenfälle zu verhindern."

Aochda tuet (gmhrvit in WA.

Neuyork, 17. Dez. (DNB.) Die trotz Winter­stürmen, Nebel und Dereisungsgefahr unentwegt und planmäßig von den Marinestreitkräften und der Luftwaffe fortgesetzte deutsch« Angriffsaktion gegen England hinterläßt hier wegen der ständig zunehmenden, für die englische Kriegsproduktwns- unb Lebensmittelversorgungslage bedrohlichen Schiffsraumverluste nachhaltigen Einbruck. Hatte fchon Lo"d Lotbians dringliches Werben eine stärkere Aktivierung ber amerikanischen Kriegs-

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Wiederbolung Malllastel l Abschlüsse Meunenüafiel B tMnböorfdmft «vorherige Vereinbarung 125« mehr

Der Wehrmachtbericht vom Dkenslag.

Berlin, 17. Dez. (DJIB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Deutsche Schnellboote stießen in der Nacht zum 16. Dezember bei einem Vorstoß in den Kanal auf einen verband überlegener feind- licherZerslörer. Nach kurzer Gefechtsberührung kamen die feindlichen Streitkräfte außer Sicht. Unsere Schnellboote kehrten un­versehrt in ihre Stützpunkte zurück.

Der soeben mit einem Unterseeboot zurückgekehrte Kapitänleutnant Krehschmer versenkte auf die- ser Fahrt gegen den Feind, wie bereits bekannt- gegeben, 34 935 VRT. feindlichen Hanbelsschiffs- raum. Damit hat dieser Offizier eine Gesamtver- senkungszifser von 252 100 VRT. erreicht und als erster llnterseebootskommandant die 250 000-BRT.- Gren-e überschritten. 3n dieser Versenkungsziffer sind drei feindliche Hilfskreuzer und der britische ZerstörerDaring" enthalten.

3n der Nacht zum 16. Dezember wurde Shef- fietd von Kampfverbänden der Luftwaffe erneut und mit erkennbarer Wirkung angegriffen. Ex­plosionen und eine größere Anzahl Brände waren zu beobachten.

3m Laufe des Tages kamen infolge stark dunsti­ger und nebliger Wetterlage nur wenige Flugzeuge um Einsatz. 3n London und an anderen Stellen gelang es, auf kriegswichtige Ziele, Verkehrsan­lagen sowie ein Truppenlager mehrere Treffer zu erzielen.

500 km westlich 3rland wurden zwei feindliche Handelsschiffe mit Bomben ange­griffen. Auf einem Schiff wurde die Ruderanlage beschädigt, ein anderes wurde so schwer getroffen, daß mit seinem Untergang zn rechnen ist.

Die Einflüge britischer Flugzeuge in deutsches Reichsgebiet in der Nacht zum 17. Dezember be­schränkten sich auf West- und Südwestdeutschland. 3h Mannheim wurde durch Spreng- und Brandbomben Gebäude- und Brandschaden u. a. am Schloß und an einem Krankenhaus ver- ursacht. 3n einer anderen Stadt trafen Bomben ein weiteres Krankenhaus. Der in zwei Fa­brikanlagen eingetretene Produktionsaussall ist un­erheblich^ Die Verluste der Zivileeuöltwung befra­gen zehn Tote und fünfzig Verletzte.

Flakartillerie schoß eine Bristol-Blenheim und eine Spitfire ab, 3äger vernichteten einen feind­lich.n Sperrballon. Eigene Verluste sind nicht ein­getreten.

Sinnlose Zerstörungswut der RAF.

Vormittags im Bazar

^>on unserem WEV.'Äerichielstatier.

finde D;> i ien, w »land' fr ,erall id

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piegt.

Wir wollen einen Teppich kaufen: Daß die Preise gkirnken sind, wissen wir, denn ber Außenhandel br Türkei stockt seit dem Kriege, bie großen Tou­ri enkolonnen, orienthungrig unb zu jebem Opfer breit, kommen nicht mehr, die Rundreise-Dampfer iliben auch aus unb bie Einheimischen wollen in itc unsicheren Zeiten auch nicht ihren häuslichen 3:[tanb an Teppichen vergößern. Wir sind keine ^-eppich-Spezialisten", bie unbebingt eine Fuß- ßoBen-Bebeckung aus einer bestimmten Provinz des 3 sten Asien zur Vervollständigung einer teuer ge- Isii: eten Teppichsammlung benötigen. Wir wollen liiten Teppich, schön im Muster, gut erhalten, ohne schickt getarnte Flickstellen, farbecht, alt und [tu einem vernünftigen Preis. Die Labenbesitzer, pift finb es mehrere, bie sich geschickt ergänzen, p en eilfertig ans Werk. Aus bem Stapel werben Mi Teppiche hervorgezerrt: sie kommen aus Buchara, Mui, Belutschistan, Kaisseri, Sparta, Täbris, Ihrbiftcm, Ferrachan, Choraassan. Sie werben ent» 1*11: et, angepriesen, erklärt, zur Seite gelegt unD bi: ber hervorgeholt. Die Verkäufer roenben eine IXirmürbungstaftif an; sie verwirren Blick unb Mgirn durch eine Fülle von DorfKhrungen und bchlen. Wir sind entschlossen, uns nicht bluten zu Pen, zeigen kaum Interesse unb bemühen uns, |« 20 hastig vorgelegten Teppichen bas Bild des fiten ober anberen, ber uns wirklich gefallt, full- MDeigenb unb mit möglichst undurchbringlicher sfe im Gebächtnis festzuhalten, zusammen mit p~i eilig hingeworfenen Preis, ber ja "ur Aus- »p^gspunkt sein bars. Wir befunben zunächst 3nter» mf für Teppiche, bie uns gar nicht befonbers gefab litt, um unsererseits den Verkäufer in bie Irre 9 führen. . .

il Schließlich ist es aber so weit, daß wir uns Drei piicfe herauslegen lassen. Es ist immer besser, lösi bis drei Teppiche auf einmal zu kaufen, als p-e Zeit beim Feilschen um ein einziges S uck p verlieren. Der unausrottbare orientalisch« U: mpf um den Preis, berPasarlik be- prmt. Wir wissen, baß wir ungefähr auf einen Ijtüis gelangen müssen, ber 30 v. H. unter bem Des [Hhangspreifes liegt, um bem Verkäufer uoch einen f ^lemessenen Verbienst zu lassen. Das bezieht sich pir auf die Behandlung der Stammkundscha,t, Die »^ufkundschaft" zahlt andere Preise, Die 200 uni> ptgr Prozent über bem wirklichen Wert bes Tep- |:icis liegen. So liegt nun ein Ferrachan-^eppich \-:a uns, ein gutes, solides Gebrauchsstuck, in rat- ^-schwarzen Farben. Der Verkäufer lobt bas s-tück. Er führt dazu mit Den tulpenformtg fleo^b ? ?sn Fingern b«r rechten Hand eine

s -Itiibberoegung nach oben aus, bie eine ms Höchste

Mannheim, 17. Dez. (DNB.) Churchills Flie­ger haben bei ihrer letzten nächtlichen Luftattacke das Mannheimer Schloß, ein wertvolles Denkmal des 18. Jahrhunderts, empfindlich beschä­digt Die großen repräsentativen Säle der kurfürst­lichen Zeit, in denen wertvolles Sammelgut zur Schau gestellt war, wurden durch Spreng- undDrandbomben übelmitgenommen. In der mondhellen Nacht konnte ber sehr ausge» dehnte Schloßbau, einer ber größten Europas, ber sich deutlich von allen anderen Objekten abhebt, gar nicht verkannt werden. DieKultursendlinge" Winston Churchills hinderte das jedoch nicht,'ihre Bombenlast gerade auf dieses Ziel abzuladen.

Den britischen Prämiensliegern genügte diese Heldentat" jedoch nicht, und so warfen sie auch die in nächster Nähe des Schlosses befindliche ju/nic |ui ^ivovniuumcu mu#i <ju cuciurcu vci- Haushaltsschule der NSV. sowie mehrere' macht, so dämpfen die Nachrichten aus London angrenzende Wohnhäuser in Brand. Außer- über den unaufhaltsamen, weiteren Ausfall von dem fiel unmittelbar vor der durch Note-Kreuz- Äriegsprobuftionsbetrieben durch bie massierten Zeichen deutlich kenntlich gemachten chirurgi- deutschen Luftangriffe und über die immer breiter scheu Abteilung bes Mannheimer SMtischen flaffenben Lück"N in ber englischen Ernährungs- Krankenhauses eine Bombe, durch deren grundlage die Bereitschaft melier amerikanischer |

Splitter zahlreiche Patienten verletzt wurden. In einer benachbarten Stadt wurde gleich- falls ein Krankenhaus von einer Bombe getroffen, die mehrere Todesopfer forderte. Daß auch diese feigen Taten der sogenannten königlichen Luftwaffe ihre gerechte Sühne finden werden, dafür bürgt bas scharfe Schwert ber deutschen Luftwaffe.

Die brilischen Bombt n auf Vasel

r^on. unserer berliner Schriftleiiung.

Zn der gleichen Nacht, in der die englischen Flie­ger wieder einmal deutsche Krankenhäuser und Kunstbauten am Nhein bombardierten, statteten sie, wie wir schon berichtet haben, auchderSchweiz einen Besuch ab. Der schweizerische Armee stab teilte mit, baßf r e m b e" Flugzeuge mehrere Bom­ben auf Basel abgewogen hätten, bie auf bem Gundelblnger Quartier und dem Areal des Güter- bahnhofes einfchlugen. Einige Bomben feien auch auf Binningen gefallen. Vier Menschenleben seien zu beklagen, mehrere Personen wurden verletzt. Es sei ganz bedeutender Sachschaden enlstanden, und die Herkunft ber Bomben werde untersucht. Uns scheint, daß das Ergebnis dieser Untersuchung von vornherein feftgeftanben hat, denn nur Eng­länder pflegen sich in so rabiater Weise über bie Neutralitätsrechte anderer Staaten unb Völker hinwegzufetzen. In London wird man vielleicht, von einigen schweizerischen Zeitungsganoven noch unter­stützt, achselzuckend von einem kleinenIrrtum" sprechen. Wir kennen solcheIrrtümer". Als vor einiger Zeit britische Bomben auf Marseille fielen, wurde von den englischen Piloten behauptet, sie glaubten sich über Genua befunden zu haben. Beide Städte aber liegen in ber Luftlinie f a st 300 Kilometer üoneinanber ent­fernt. Auf fofeine" Unterscheidungen kommt es den englischen Halbgöttern nicht an. Sie streuen ihre Bomben dorthin, wo es ihnen gerade paßt. Mit Vorliebe suchen sie sich wehrlose Völker ober solche Staaten aus, in denen man aus demokratischer Gesinnung, versteht sich noch immer schweif­wedelnd zur britischen Allmacht cmvorblickt. Die Schweiz dürfte sich also eigentlich nicht wundern, daß ihre in London vorgebr-achten Proteste bisher

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Istanbul, im Dezember 1940.

Pasarlik" ist ein türkisches Wort unb heißt tjinbeln; besser gesagt,verbissenes, ausgeklü- ' ctes, hartnäckiges unb zeitraubenbes Kämpfen i un ben Prei s". Den Stamm bes Wortes fih» j dii wir wieder im WortBazar"; in der neuen ti tischen Lateinschrift alsPasar" mit bem Ton ar der zweiten Silbe geschrieben. Jede Drientftabt ha ihren Pasar, so auch Istanbul. Man kennt ihn ais zahlreichen Reisebeschreibungen. Diese Gewölbe» hcllen sind alt unb baufällig, unb seit Jahren über« Itjen sich die Stabtväter, woher sie bie Summen erbringen werben, um dieses verwitterte Viertel, ar dem ber Zahn ber Zeit erfolgreich nagte, neu hrzurichten. Dafür ist aber anscheinenb fein Gelb vrhanben, Feuchtigkeit, muffiger Altertumsduft b?iten sich in ben kilometerweiten Gängen aus, shcken in ben Derkaufsgewölden, bie aber bes elek- d chen Lichtes heute nicht mehr entbehren. Das |f notmenbig; denn natürliches Licht gibt es im ®:far nicht unb nach alter Sitte werben feine (eueren eisenbeschlagenen Tore beim Sonnenun« tigang geschlossen.

, Der kundige Pasar-Besucher wählt, wenn er ernst- flie Kaufabsichten hat, bie frühe Morgenstunbe, ^glichst am Montag. Im Orient ist man aber» Kubisch. Der Verkäufer beutet es als gutes Omen, nnn er am Montag in der Frühe gleich ein Ge­käst abschließen kann. Er ist daher zu größeren Dchlässen bereit, um sich ben guten Wochenbeginn sichern. Beim Betreten bes Pasars wird ber l.nbe sofokt von ben sprachgewanbtenAnreißern" ir Empfang genommen, bie durch unerkennbare (jjten an unerkannt babei stehendeLäufer" so­ff ich das Signal durch ben Pasar gehen lassen, jemanb" gekommen ist. Wenn also ber Aus- Iciiier bie Schwelle bes Pasars überschritten hat, b:nn weiß man schon in allen Teppich- unb Antika- iltöen, daßKundschaft" gekommen ist. Die orts- afäffigen Fremden werdenindividuell" angefaßt, itjn kennt ihre Nationalität, ihre Kaufkraft, ihre des Verhandelns, kennt auch ihre Liebhabereien, wiß, ob sie Teppiche, Waffen, Porzellan, Möbel, khmuckfachen aber sonst eines ber tausend £ füge |i kaufen pflegen, bie man im Pasarpasa- riiren" kann. Die Hänbler, Türken, Griechen, Ar­ni nier, Juben, finb also schon im Dilbe, noch ehe k Kund« ben Weg durch die schlecht gepflasterten ' Ange angetreten hat. Rechts und links sind bie ('ifaufsftänbe, kümmerlich ausgestattet, schlecht be- III k. chtet, im Sommer sind sie wundervoll tüftf, im 1; E.nter feucht, trotz des offenen Holzkohlenbeckens, 1 113 spärliche Wärme verbreitet. Im Verkaufsraum fnb bie Teppiche aufgeftapelt, in Glasfchränken 1 gl feem Juwelen, (echte unb falsche!), ©überarbeiten, i qi den Wänden prangen handgewebte Seidenstoffe, pt-fifd)e Handdrücke. Es riecht nach Altertum und Üliuerschwamm, kaltem Zigarettenrauch und tür- Müchem Kaffee. An der Wand hängt ein Spiegel, ' ir seinem Rahmen stecken, wie in ber Garberobe ei er Primaballerina, die Besuchskarten derillu- r.Käufer, bie ben Laben schon beehrt haben I ii'b ber Besitzer protzt mit dieser Namensliste, bie : i ei als Beweis für »gute Bedienung anzuführen

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Verkäufer kennt bas Manöver, es gehört zur Spiel­regel!) An ber Türe lassen wir uns wiberwillig aushalten, hören uns gelangweilt einen weiter er­mäßigten Preis an, schütteln ben Kopf und gehen ein paar Gewölbelängen weiter; machen Miene, bei ber Konkurrenz einzutreten. Die ist schon längst informiert über bas, was wir suchen und über un­sere Derhandlungstechnik. Es beginnt nun ein Pa­laver bei der Konkurrenz, bas von uns aber nur als Schein gebacht ist. Wir kehren auch ber Kon­kurrenzfirma ben Rücken unb werben nun auf ber Pafargaffe prompt roieber vorn ersten Verkäufer angehalten, der uns diesmal eindringlich unb weich gestimmt bittet, ihm boch ben Schmerz nicht anzu­tun, etwa bei ber Konkurrenz zu kaufen.

So gehen wir also roieber ins erste Gewölbe zurück, und wenn beibe Teile Lust unb Zeit haben, wirb noch einmal eine WeilePasarlik" gespielt, mit brastischen Gesten und blumenreichen Red"wen» düngen, die darin gipfeln, daß ber Verkäufer schwört, der Zuschlagspreis werde ihm überhaupt keinen Verdienst lassen. Uns läßt das ungerührt, wir nehmen es ruhig auf unser Gewissen, wenn ber Kaufmann durch uns ruiniert wirb, benn es stimmt doch nicht. Schließlich enbet bann auch bas Geschäft in der Atmosphäre herzlicher Freundschaft unb allgemeiner Zrüriebenheit. Wir haben 25 v. H. heruntergehanbelt, ber Verkäufer verdient immer noch 15 v. H. So ist alles in schönster Ordnung!

Wo fällt die Entscheidung?

13on unterer berliner (Srhnfheiiung.

Als dieser Krieg von ben Briten vorbereitet würbe, waren in England bie Meinungen geteilt, ob bie Insel bamals burch europäisch Söldner­staaten geschützt sich lediglich auf eine Verteidi­gung beschränken unb bas Schwergewicht in ben britischen Orient-Wehrraum verlegt werben solle, ober nicht. Der Orient mit Aegypten als Drehpunkt war gewissermaßen eine Art Drehscheibe des Em­pire. Die raumpolitische Bebeu'ung war gegeben durch die Tatsache, baß alle Luflweg? unb bie Schiffahrtslinie mich Jnbien durch den Suezlanal und durch sein östliches Glacis führten, und die Linie Kairo- Khartum Kapland bie AfrikabrsiZun­gen Großbritanniens verband. Die Insel Cypem und Malta sowie Palästina finb vorgeschobene Ba­stionen zur Sicherung dieses Orientbesitzes. Aleran- bria ist der maritime Eckpfeiler dieser gesamten Be­festigung. Daneben geht eine zweite wichtige unb Äu sichernde Linie von Alexandrien nach Kairo JsmailiaBagdad mit einer Abzweigung nach bem wichtigen Oelhafen Haifa, und von Bagdad aus nach Baffora. D efes Qelgebiet, vor allem im Irak, ist für die englische Flotte lebenswichtig. Die Ge­fahren, die diese ganze strategische und politilche Schlüsselstellung bedrohen, sind bie jubensreundliche Politik im Raume um Palästina, bie bie Arab"r in Erregung brachte, bann beren Auswirkung auf ben Irak, Aegypten und Saudi-Arabien, und vor allem bie Stellung Italiens in Abessinien unb ber Cyre- naifa. Wie England aus der Zwickmühle zwischen Judentum und Arabertum herauskommen will, ist augenblicklich weniger wichtig als sein Versuch, sich gegenüber Italien zu behaupten. Italien führt dort den Hauptkampf gegen bie Briten.

Die. beiden Auffüllungen über Die beste Verteidi­gung Englands und des Empire entsprachen etwa dem Kampf zwischen ben Kleinengländern ber Glad- stonezeit und den englischen Imperialisten, als deren hervorragendster Typ Joe Chamberlain, ber Vater ber englischen Politiker ber Zeit nach bem Welt­kriege, gilt. Die englische Psyche hat sich zunächst nicht klar für bie Verteibigung bes einen ober bes anbern Teiles, für ben Kops (tionbon unb Zubehör) ober für ben Magen (Aegypten) entschieben. Immer­hin wurden in Aegypten unb überhaupt im Der­beren Orient alle Machtmittel Englanbs, Luftwaffe, Tanks unb motorisierte Infanterie ber Empirelän- ber, vereinigt, bie Flotte würbe in Gibraltar unb, da Malta unhaltbar war, in Alexcmbria massiert unb verstärkt. Kriegsminister Eben besuchte bieses Riesenfort ber Englänber, und durch Griechenland und die Türkei wurde bie Sicherung gegen Norben unb Nordosten hin vollenbet. Neben­bei fei bemerkt, bah bie Verstärkung ber englischen Ostmittelmeerflotte gegen Italien wesentlich zum Verlust ber norbeuropäischen Positionen Churchills beigetragen hat.

Äls bie furchtbaren und ganz England zerrüt­tenden Schläge auf bas Haupt bes britischen Em­pire, auf bie Insel selbst, einsetzten, war ber briti­sche Orientwehrraum außerordentlich stark mit Ab- wehrwaffen versehen. Die englischen Nachschublinien nach dort waren überbelastet. Unter bem deutschen Bornbarbement mußte Churchill irgenbwelche Ent- laftungsoffenfiDen versuchen, unb er begann sie im Orient. Er wollte damit zweierlei erreichen: einmal bie Stimmung ber Kriegslüsternen in ben Vereinig­ten Staaten heben, die Englanb zu Hilfe kommen sollen, und zweitens bie Briten ber Insel selbst aufpulvern, bie ihre furchtbare Not und die Zer­schneidung ber englischen Zufahrtsstraßen nicht durch Churchillphantasien behoben sehen. An ber Tatsache, baß wir Deutschen bie Briteninsel in einer furchtbaren Zange haben, hat ber englische Vor­stoß im Mittelmeerraum nichts geändert. Dieser Auszehrungsprozeß geht weiter. Vergeblich versucht Churchill, ihn durch Prestlgeerlolge im Mittelmeer­raum auszuhalten. Griechenland steht in einer strate­gischen Lage, die für die Engländer immer prekärer wird, je länger ber General Zeit für bie Italiener arbeitet. Die Wüstenschlacht um Sidi Barani gegen bie Italiener hat Anfangserfolge, die sich fe nach bem Bedarf ber englischen Propaganda stimmunas- gemäß verwerten lasten, aber eine Wirkung auf btt

Jahrgang Nr.2yy 9 lMtw

Gießener Anzeiger

£SSs mSmSuv General-Anzeiger für Oberhessen "ssäSK*

bei Bombardements lebenswichtiger Industriezen­tren Deutschlands ber Wirklichkeit nicht entsprechen und baß die Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe gegenüber ber RAF. ständig zunimmt.

Das ZRifferfrem für e'nen gefallenen Melden.

Berlin, 17. Dez. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber ber Vehr macht verlieh auf Borschlag bes Oberbefehlshabers bet Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes bem am 14. Mai 1940 als Kommobore feines Slnrzkampfgefchwaders gefallenen Oberst Schwarhkopff. Reichst.at- schall G ö r i ng übertanble die hohe Auszeichnung der Dilwe des in Krieg unb Frieden besonders verdienten Offiziers mit einem persönlichen Hand­schreiben, in dem er ausführte:Ihrem Galten war es vergönnt, fein Leben für fein Aa'erland dahln- zugeben, als er in ktiegsenttcheidender Stunde, siegreich an der Spitze feines Ge'chwaders dahin­stürmend, dem Borbringen bet erbgetmnberen Schwesierwaffen burch bie feindlichen Reihen Bahn brach. Der Führer hat baher meinem Dorschlag slallgegeben, biefem tapferen Geschwaderkommobore, ber seinen Fliegern in Krieg unb Frieben Ansporn unb Beispiel war, bas Ritterrkeuz des Eisernen Kreuzes zu verleihen."