Ausgabe 
18.10.1940
 
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Zreitag.18. Oktober WV

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Kr.247 Zweiter Blatt

Zm Lazarett

Fragen und Freund mutz

,en en

Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Mo­nate, die ich und viele, viele Kameraden jetzt im Lazarett liegen. Uns, die die Kugel, der Granat- oder Bombensplitter getroffen. Uns, die wir ausge­schaltet sind aus dem gewaltigen Geschehen dieser Kriegszeit, uns, über die die Zeit dieser Tage, Wochen und Monate hinweggegangen ist, als wäre das für uns gar nichts: hierzuliegen! Sie geht dar­über hinweg, währenddessen Gewaltiges zur Tat geworden und noch im Werden ist.

Wie war es noch damals, als wir die erste bange Frage auf dem Verbandplatz oder im Feldlazarett an den Arzt richteten: Wie lange wird es dauern, wann sind wir wieder draußen? Dachten wir da­mals nicht alle, in einigen Wochen wieder bei der Kompanie, den Kameraden sein zu können? Und jetzt sind für die, die das heiße Eisen tiefer traf, aus den Wochen Monate geworden. Wie waren wir froh und dankbar, im ersten weißen Bett zu liegen, Ruhe zu haben und zu wissen, das Schau­keln der Bahre, das Rütteln des Sanka ist vorbei; jetzt fängt die Hilfe und damit die Heilung an. War uns das Leben im Lazarett nicht seltsam, uns, die wir aus der Front gerissen wurden? Wie blickten wir mit verwunderten Augen, wenn wir morgens von unserer Schwester geweckt wurden, der Kaffee ans Bett kam, man uns die Wünsche vom Mund ablas? Wie schauten wir dem Tageslauf zu, nach­dem wir die ersten schmerzensreichen Tage, blaß und teilnahmslos daliegend, überwunden hatten? Immer wieder verglichen wir unser jetziges Leb-en mit dem vor 3, 5 oder 10 Tagen. Es war schon seltsam! Langsam wurde uns erst so ganz bewußt, daß wir verwundet im Lazarett lagen, von der Front abgeschnitten.

In letzter Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß Fahrzeuge, die bei Fliegeralarm in dringender dienstlicher Angelegenheit unterwegs waren, ange­halten wurden, um sie für die Dauer des Alarms zum Halten an Ort und Stelle zu veranlassen. Andere Fahrzeuge wurden bei Fliegeralarm ohne Beleuchtung aus der Fahrt betroffen. Beide Vor­gänge entsprechen nicht den Verkehrsoorschriften und den auch bei Fliegeralarm vordringlichen Erforder­nissen des öffentlichen Verkehrs. Es fei daher nach einer Mitteilung der für den öffentlichen Verkehr maßgeblichen Polizeidirektion Gießen zur sorgfäl­tigen Beachtung folgendes festgestellt:

Grundsätzlich haben bei Fliegeralarm die Fahr­zeuge auf den Straßen in Stadt und Land sofort anzuhalten und ihre Insassin in den Ortschaften den nächsten öffentlichen oder privaten Luft­schutzraum aufzusuchen. Die Fahrzeuge müssen scharf an die rechte Straßenseite herange­fahren und mit vorschriftsmäßig abge­blendeten Lichtern beleuchtet sein.

'Dagegen dürfen alle Kraftfahrer und Rad­fahrer. die sich im Dienste der Polizei, des Lnsl- schuhes, der Feuerwehr, des Sanilälswefens, der dringenden ärztlichen Versorgung von Ver­letzten und Kranken unterwegs befinden, alfo

daß hier kein Krieg gedroht hat und drohen wird. Wir haben dazu unser Teil beigetragen. Dann lese ich weiter. Vor mir habe ich die Verse deutscher Dichter des Weltkrieges, des Dolkstumskampfes an den blutenden Grenzen des zerstückelten Nachkriegs­deutschtums und GedichteVolk an der Arbeit. . Zeigen diese nicht den Weg langer, harter Kampf­jahre? Neben mir liegen weiter die Reden Fichtes an die deutsche Nation. Waren sie damals nicht schon Künder einer neuen Zeit und ist heute die Erweckung des deutschen Menschen aus Fremdhen und Knechtschaft nicht schon zur Tat geworden? So mache ich mir in all der Stille und Ruhe meine Ge- danken.

Nachmittags erhalte ich meistens von meinen An­gehörigen, ehemaligen Schulkameraden, die auf Ur­laub sind, und anderen Bekannten Besuch. Die größte Freude ist es aber stets, wenn frühere und jetzige Regimentskameraden, meine besten Freunde, mich aufsuchen. Dann nimmt mein Fragen und deren Erzählen kaum ein Ende. Der Freund mutz von den Kämpfen, von Paris und der jetzigen Be­satzungszeit, von den Kameraden und allem, was inzwischen sich bei der Kompanie, dem Regiment ereignet hat, berichten Wir erinnern uns gemeinsam verbrachter Stunden, gedenken leise der Kamera­den, die in Polen, Norwegen und im Westen ge­fallen sind, und tauschen Nachrichten über den, der im hohen Norden, fernen Osten und Westen nach siegreichem Kampf Wache hält und sich für den kommenden Hauptschlag gegen England vorderer- tet. Ueberall stehen sie, die Kameraden, Soldaten, unsere Wehrmacht, bereit für diesen Tag, der kom­men wird. Für diese, aber nicht für mich und die anderen, die hier ebenso auf ihre langsame Genesung warten. Wir können nur mit unseren Gedanken bet ihnen fein und ihnen aus sehnsüchtigem Herzen Glück und Sieg wünschen. Unsere Parole ist: Ruhe, Geduld, Abwarten! Aber ich bin noch jung, mir

fällt das so schwer!

Es ist Sonntag geworden. Auf d^n langen Flu­ren und Treppen trappelt und schlürft es. Ver­wundete werden in ihren Betten zum Aufzug ge­fahren. Heute ist Bunter Nachmittag, es soll einige lustige Stunden geben. Wer dabei war und die heiteren Gesichter unserer Soldaten, der Schwestern und Aerzte, die in ihrem schweren Dienst solche frohen Stunden besonders verdient haben, be­obachtet hat, sab den Zweck dieses Nachmittages erfüllt: Ueberall Dlank? Augen, aus denen Lebens-

rende spielbewegte Finale ist von launigem Froh­sinn erfüllt.

Die Sonate op. 31 N r. 3 in Es-dur (1802) läßt erkennen, wie sich Beethoven mit der Sonaten­form auseinandersetzt und sie sich persönlich zu eigen gewinnt. Während etwa das Kopfthema der E-ckur-Sonate sogleich in abgeschlossener Formung erklingt, läßt Beethoven das Thema hier allmählich in seiner endgülttgen Gestalt erwachsen. Durch die Ausnützung der verschiedenen Höhenlagen zur Be­leuchtung des Thematischen erweitert er die instru­mentalen Ausdrucksmittel. Ein Scherzo, das sich in seiner Auswirkung vornehmlich auf das Stakkato stützt, bindet Gesanglichkeit mit feinsinnigem Humor. In dem folgenden Menuetto zieht sich die Kanttlene in Anmut und Gefühlsweichheit dahin; einen be­sonderen Gegensatz dazu gibt das Trio mit seinen springenden Akkorden. In der Coda verliert sich das Menuetthema im Dämmerlichte des Moll. Das Fi­nale (presto con fuoco) stürmt und schäumt fast im Charakter einer Tarantella einher.

Als aus dem klanglichen Leben des Akkords ge­boren, könnte man den Kopffatz der Sonate op. 5 3 (1804) bezeichnen. Energiegefüllte, in kleine Notenwerte gelöste Dreiklänge und motiviftifche Bil­dungen führen zu dem gesanglichen, in feiner Art einfachen und eingängigen Seitenthema hin. Auf spielerische Bravour ist aber auch das Schlußrondo dieser Sonate eingestellt. Zu der Zeit, als Beethoven diese Sonate schrieb, finden wir in feinen Skizzen­büchern Entwürfe zu Fingerübungen. So liegt die Annahme nahe, daß hier sein Bemühen um die Er­weiterung der Klaviertechnik besonders ausgeprägte Gestalt erhalten hat. Ursprünglich hatte Beethoven als zweiten Satz ein später selbständig veröffent­lichtesAndante favori vorgesehen, jedoch wohl mit Rücksicht auf die Länge war der Plan gefallen. Dem Rondo geht eine Adagio-Einleitung voraus, die-sich mit ihrer tiefsinnigen Innerlichkeit in Gegen­satz zu dem Kommenden stellt. Das Rondo-Thema glaubt man vielfach als eine Erinnerung an ein rheinisches Volkslied, also an die Bonner Jugend­zeit Beethovens, ansehen zu können. Dem Grund­gedanken werden zwei Zwischensätze in verwandten Moll-Tonarten entgegengeftettt. Nach einem klang­lichen Absinken vorn Fortissimo bis zum dreifachen Piano gipfelt noch einmal der Hauptgedanke in dem Prestisfimo der Coda, verbrämt von lang anhalten­den Trillerketten im Lichte äußerster technischer Brillanz. Die drängende Gestaltungskraft, wie sie sich in dieser dem rheinischen Gönner Beethovens, dem Grafen Waldstein, gewidmeten Sonate

nicht allein.

Dann verlassen mich meine Träume und ruhig soll ich noch zwei Stunden geschlafen haben.

Ja, es war geschafft.

Die Operation liegt schon lange zurück. Die ersten kümmerlichen Gehversuche, die mir viel Sorge um das Später erwachsen ließen, sind vorüber. Es geht jetzt besser, aber lange wird es noch dauern, bis ich wieder dienstfähig werde. Grau, wie draußen der Himmel an manchen der letzten Regentage, sah es oft in mir aus.

Heute fitze ich im Freien in der Sonne, lese und lasse ab und zu meinen Blick in das schöne Hessen- land mit seinen Burgen, Dörfern und dunkel be­waldetes Höhen, über das herbstlich werdende Land streifen. Wie schön ist das alles und so befreiend,

offenbart, findet noch einmal ihr Gegenstück in dem Spätschaffen mit der großen B-dur = oonate o p. 1 0 6 (1818).

Die Veranlassung zu ihr soll der neue Flügel mit feinen weitgehenden klanglichen Möglichkeiten ge­geben haben. Sicher ist, daß hier die Probleme der Klaviertechnik in ihrer Bindung an das Instrument mit kühn in die Zukunft schauender Phantasie ein Ziel gesteckt erhalten; zum andern aber erkennt man auch hier, wie in vielen Spätwerken des Meisters, das Hinstreben zu einfachstem thematischem Mate­rial. Um so intensiver und verttefender wirkt sich

Zwischen Leben und Tod." __Ein italienischer Fliegerfilm

im Lichtspielhaus.

Dieser Film der Degeto, unter der Gesamtleitung Vittorio Mussolinis, eines Sohnes des Duce, geschaffen und auf der 6. Biennale in Venedig mit der Coppa Muffolini ausgezeichnet, entspricht in Thema und nationaler Haltung etwa unserem Pour-le-merite=gilm; er schildert das Schicksal des italienischen Fliegerhauptmanns Serra. Nach­dem Serra den Weltkrieg überstanden hat, scheint das Leben keinen Sinn und keine Aufgabe mehr für ihn zu haben. Die Fliegerei, der er sich ver­schrieben hat, bietet wenig Chancen; in einem bür­gerlichen Berus, den man ihm anbietet, mag er nicht unternommen; seine abweisende Haltung kostet ihn die wirtschaftliche Existenz, die Trennung von feiner Frau und feinem sehr geliebten Sohn, der die fliegerische Begabung und Begeisterung des VÄers geerbt hat. In Südamerika hofft Serra neue Möglichketten zu finden, fällt aber nur üblen

Wer Darf bei Fliegeralarm fahren?

Fahrzeuge find vorschriftsmäßig zu beleuchten.

Beethoven-Gonaten.

Z«m Konzert von Wilhelm Backhaus.

Im Sefamiroerf Beethovens wird man der Reihe feiner Klavierfcmaten eine gewichtige totei» luna einzuräumen haben. Zumal in feiner ersten Schaffensperiode ist der Klaviervirtuose Beethoven wegweisend für die innere Durchdringung und Neu- Organisierung der überlieferten Form; denn erst in spaterer Zeit tritt bei ihm die Trennung ^zwstchen dem schaffenden und ausübenden Künstler ein.

Der Klavierspieler Beethoven stellte in der Arl seines Vortrags wie auch mit der starken Gestal­tungskraft seiner Phantasie bei der Improvisation etwas bisher noch nie Erreichtes bar. Je me^r oer persönliche Akzent im Werk Platz greift desto hoher werden seine Ansprüche an die Ausdrucksmittel des Klaviers: in der Loslösung der Technik von ihrer bisherigen Selbstgeltung, in den ständig wachsenden Forderungen an den Klavierbauer nach Laßerer SMangftärte, Tragkraft und M°dulati°nst°higt-'t des Tones.

'Beethovens Klaoiersonaten sind als Dokumente persönlicher Kündung zu werten. Daher fiel es den zeitgenössischen Pianisten schwer, sie mit lhrem be­deutungsvollen Inhalt voll zu erfassen und im Vor­trag auszuschöpfen: Beethoven selber stellt bei ihnen wohlMechanik" oderAftektatton fest, vermißt aber doch diewahre Pflege semer Geistes- kinder". Unsere größten Meister des Klaviers haben immer, haben ständig für die Sonaten vorn Podium aus geworben; im Erfolg ober entschied neben voll­endetem technischen Können höchste musikalische und menschlich-geistige Reife. In der Gegenwart aber ist Wilhelm Backhaus mit der eindringenden und vertiefenden Kraft seines Beethovenspiels zum matz- geblichen Darsteller dieser Schätze unserer Klavier­literatur geworden.

Ein Bild von reicher Fülle des Einfalls gibt die S onate op. 10 Dir. 2 in F - d u r (1798) mit ihrem Kopfsatz; selbst in der Durchführung greift Beet­hoven nicht auf die ausgestellten Themen zurück, sondern führt neue Gedanken ein der sprudelnden Eingebung improvisierender Phantasie folgend. Mit ,einem Inhalt weist der zweite Satz m f-moU (ein Allegretto an Stelle des sonst üblichen lang, tarnen Zeitmaßes) schon in die Zukunft, fast mochte Sn be Unstono-Einsatz des Themas an den dritten Satz der C-moll-Symphome (Fünfte ) denken. Das mit klopfenden Rhythmen sich emfuh-

Aus der Stadl Gießen.

Rücksicht auf Gegenseitigkeit!

Die besten Waffen unserer inneren Front, wie auch des draußen kämpfenden Soldaten find Ner- oenstärke, Disziplin und Tatkraft. Diese drei ur­soldatischen Begriffe sind seelisch eng miteinander verknüpft; im besonderen wird nur der zu hoher Tatleistung kommen, der sich selbst in guter Zucht hat; und dazu wiederum gehört Nervenkraft. Es ist also höchstes Gebot der Zeit, sich die Nerven ge­sund zu erhalten; denn auch heute, ja gerade heute gilt das gute, alte Hindenburgwort:Sieger wird die Nation sein, die die besten Nerven hat!" Es ist also unbedingt 'erforderlich, daß jeder einzelne das (einige dazu tut, die Nervenkraft seiner Volks­genossen zu schonen und zu stärken. Dazu gehören Freundlichkeit im gegenseitigen Verkehr, Bereit­willigkeit in allen Lebenslagen und Unterlassung aller unnötigen Aufregungen. Zu diesen vermeid­baren Erregungen aber gehört der Lärm;' wer ihn vermehrt, anstatt ihn nach bestem Können auszu­schalten, treibt Mißbrauch mit der Volkskraft und Volksgesundheit.

Das Bedürfnis, unnötigem Lärm entgegenzu­treten oder unvermeidlichen Lärm von uns ferm

Ich liege jetzt kurz vor dem Feind, 30, 20, dann 15 Meter. Es blitzt und knallt ganz luftig um mich herum. Wie an Silvester die Knallfrofche. Auf ein­mall fticht's im Arm. Erstes warmes Blut rinnt an der Hand entlang. Die knallenden Blitze um mich herum werden mir zu feurigen Augen kleiner häß­licher Teufel. Und trotzdem, wo sind diese Teufel, der Feind, ich sehe sie nicht. Was soll ich tun, ick), der ich verantwortlich bin für meine Männer, die sich hinter mir an den Boden pressen? In diese Gedanken hinein schreit mein Melder auf:Helft mir, tut das weh!" Ich springe zu ihm, da zischt es neben mir. Im Knallen sehe ich in ein riesiges Teu­felsauge. Und schon reißt mich eine stechend-heiße Gewalt zu Boden. Mich hat's erwischt! Wankend erhebe ich mich und schaue in zwei von Zwielicht grau verzerrt erscheinende Tommygesichter, vom flachen Stahlhelm bedeckt. Jetzt krieg ich euch! Wut, eine unbändige, ganz persönliche Wut erfaßt mich. Ich schieße hin, werfe die letzten Handgranaten, dränge 'mich durch das fperrrenbe Drahthindernis, achte keine Riffe und Schrammen, stolpere mit meinem verletzten Bein, falle, fchlepve mich wei­ter.Rechts herum, ran, drauf!", fo schreie ich. An den Feind muß ich, wie, ist gleich. Und ich komme hin und mit mir andere. Ich stehe wankend auf der Brüstung des Sandsackwalles. Vor mir liegen sie, die Feinde, kreuz und quer. Die geballte Ladung hat ihre Wirkung getan! Angesichts dieses Sieges und Todes wird mein wallendes Blut ruhiger. Kameraden sind um mich, sie helfen mir, ich bin

Und dann kam die erste Operation. Mit äußer­lich frohem Mute ließ man sich zum Operations­saal hochfahren, während im Innern die bange Frage stand, wird es jetzt besser werden, werde ich zur vollen Beherrschung meiner Glieder kommen, wird dieses Glied ganz oder teilweise erhalten blei­ben, werden die brennenden Schmerzen aufhören, werden die Splitter, das Geschoß gefunden werden?

Aber lange Zeit zu diesen Gedanken bleibt nicht, denn schon erhalte ich im Vorraum die einschlä­fernde Spritze, daß es wie eine Welle durch den ganzen Körper dringt. Dann werde ich in den Operationssaal gefahren, sehe mit halbem Blick Aerzte und Schwestern, in deren Händen mein Ge­schick liegt, lautlos in weißen Kitteln herumhan­tieren. Ich spüre noch den süßlichen Geruch des Narkosemittels, zähle 1, 2, 3 ..., dann langsamer werdend 17 ... 18 ... 19---und höre die

letzten Zahlen nur noch in weiter Ferne. Ja, und bann?

Ich werbe wach, habe bie Augen noch geschlossen, offne sie bann vorsichtig. Wo bin ich, was war los? Weshalb ist alles so ruhig? Da spricht mich jemand an. Ich wende den Kopf, und vor mir sehe ich wie durch einen Schleier das gut bekannte Gesicht um serer treusorgenden Schwester. Ich will mich weiter wenden, sehen, was mein Kamerad nebenan macht; da schmerzt »es stechend im heiß brennenden Bein, bas unbeweglich und bleischwer scheinbar nur an mir hängt und zieht.Ein Schluck Wasser", so spreche ich leis' unb schwer. Aber bis die Schwester das Glas bringt, bin ich schon in unruhige Träume gesunken.

Vor tnir sehe ich Aerzte, große Apparate, alles in kaltem Weiß, sehe eine Aetherwolke über mir schweben und habe einen faden Geschmack im Hals. Man greift nach mir, ich will mich wehren, aber vergeblich! Dann führt mich mein Traum weiter: Im Zwielicht des Morgengrauens tasten wir uns im nebligen Wald an den Feind. Totenstille! Ne­belhafte Gestalten springen, nein tanzen vor mir rückwärts von Baum zu Baum. Ich will schießen. Aber eine gewisse Scheu, diese unheimliche Stille zu brechen, hält mich davor zurück. Es war gut so. Es sind Kameraden von nebenan. Dann peitschen die ersten Schüsse durch's Geäst, betonieren bie Handgranaten.

Geschäftemachern in die Hände; das mtt amerika­nischer Reklamebetriebsamkeit aufgezogene Wagnis eines Transozeanfluges, mit dem sich Serra die Rückkehr in die Heimat und eine neue, würdigere Existenz zu erkämpfen hofft, scheitert: Serra gerät unterwegs in ein Unwetter und wird als verschol­len aufgegeben. Nach Jahren taucht er als schlich­ter Soldat auf dem erythräischen Kriegsschauplatz wieber auf, und hier münjbet das private Schicksal des Hauptmanns in ein größeres, überpersönliches Schicksal ein; man begreift von hier aus sogleich die hohe Auszeichnung des Films auf der Biennale und durch das deutsche PrädikatStaatspolitisch wertvoll": es geht hier um die Idee der Fliegerei überhaupt, um den nationalen Gedanken, die große faschistische Aufgabe des Imperium Romanum, das sich im schwarzen Erdteil neuen Lebensraum er­kämpft und behauptet. Serra findet endlich die späte Erfüllung der Sehnsucht seines fliegerischen und kämpferischen Lebens: in einem schweren Ge­fecht gegen abessinische Uebermacht gelingt es ihm, eine notgelandete Maschine, in dessen Führer er seinen schwerverwundeten Sohn wiedererkennt, mit letzter Kraft, selbst tödlich getroffen, ins Haupt- quartier der Italiener zurückzufliegen und Hilfe für einen überfallenen Truppentransport zu alar­mieren. Serra opfert fein Leben, ,aber sein Sohn wird gerettet und empfängt die Auszeichnung, die den Vater nicht mehr erreicht.

*

Die Spielleitung Goffredo Alefsandrinis hat die nulionale und imperiale Idee, die der Fabel zugrundeliegk, kraftvoll herausgearbeitet und gewinnt in den Kampfszenen im abessinischen Hoch­lande, die mit außerordentlichem Realismus und romanischem Temperament dargestellt unb gedreht wurden, dramatische Höhepunkte von mitreißender Spannung. (Mehrere tausend Schwarzhemden, Askari, Legionäre unb Galla-Reiter waren für diese Filmschlacht bei 50 Grad im Schatten als Statisterie eingesetzt.) Den Hauptmann gibt schlicht und sym­pathisch, in soldatischer Haltung, ohne dabei an­ziehend persönliche und menschliche Züge vermissen zu lassen, Amedeo N a z z a r i (deutscher Svrecher:, Werner Pkedath). Aus dem geschickt besetzten Solistenensemble heben sich neben ihm Roberto Villa und Gino M o r i (Aldo Serra), Egisto 01 i d i r i unb Guglielmo Sinaz hervor. Die deutsche Fassung bearbeitete R. W. Noack. Im Vorprogramm sieht man die neue Wochenschau, auf die an dieser Stelle schon hingewiesen wurde.

Hans Thyriot,

zuhalten, ist mit der Zunahme des öffentlichen Ver- . kehrs und mit dem Heranwachfey technischer An­lagen gestiegen. Schon vergangene Jahrhunderte gingen dem immer aktueller werdenden Problem zu Leibe. So war die Betätigung lärmmachender Handwerke schon frühzeitig an besondere Konzes­sionen unb damit meist an die Ausübung fern von Wohnvierteln gebunden. Wir finden rechtliche Ent­scheidungen oder auch Gewohnheitsrechte etwa des 16. und 17. Jahrhunderts, die besagen, daß ein lärmmachendes Gewerbe etwa des Böttchers ober Kesselschmiedes sich nicht in Wohnvierteln ansässig machen dürfe. Beispielsweise konnte ein Gelehrter ober sonstiger Kopfarbeiter mit Erfolg da­gegen angehen, daß sich ein solcher Handwerker in seiner Gegend niederlieh; anderseits mußte er den normalen gewerblichen Lärm in Kauf nehmen, wenn er in eine Gegend zog, wo solche Gewerbe heimisch waren. Wir haben heute ähnliche Rechts­grundsätze; bie Gründung lärmdrohender Fabriken ist im allgemeinen in der Nähe opn Wohngegenden ausgeschlossen. Zugleich sind die Unternehmer ver­pflichtet, lärmftoppenbe Maßnahmen zu treffen.

Das gleiche gilt für Vergnügungsstätten; denn der alte Busch hat recht, wenn er sagt:Musik wird oft nicht schön empfunden, weil sie stets mit Ge­räusch verbunden!" Und die leider immer noch zu wenig beachteten Bestimmungen über die Aus­übung von Hausmusik und den Betrieb von Rund­funkapparaten streben in gleicher Weise die Scho­nung des arbeitenden, alsv auch ruhebenötigenden Volksgenossen an. Es ist bekannt, daß Lärm bei U Übersteigerung eines gewissen Grades, den man allgemeingültig mit Lärmmesseapparaten nach Phon" rechnend messen kann, gesundheitsschäd­lich ist. Der Staat tritt durch scharfe polizeiliche Aufsicht energisch für die Gesundheit der Staats­angehörigen ein. Unterstützung fordert der Staat dabei von allen denjenigen, die hier als Helfer m Betracht kommen. Das sind in hervorragendem Maße bie Lehrer und mehr noch die Eltern, also die Erzieher unserer Jugend. Es ist doch Tat­sache, daß ein wesentlicher Teil des vermeidbaren Lärmes dnrch schlecht beaufsichtigte Kinder hervor- qerufen wird. Damit ist keineswegs gefordert, daß die Kleinen zu scheuen Duckmäusern erzogen wer­den; aber jedes Kind muß frühzeitig die Rücksicht üben lernen, die es später als Erwachsener auch einmal fordern wird unb fordern darf! Ein Larm- fpicl, dessen tragendes Moment nur bie Freude am Lärm ist, muß aus erzieherischen Gründen eben­so unterbunden werden, wie es von jebem kinder­lieben Erwachsenen gern, ja freudig ertragen wird, wenn bie Kleinen bei munterem, sinnreichem Ge- meinschaftsspiel auch einmal allzu laut unb sroy- lich sinb. Denn Freude unb Lustigkeit stört mdjt, wohl aber sinnloses läppisches Lärmen alsZweck an sich". Gerade jetzt, wo von jedem einzelnen von uns doppelte Leistung verlangt wird, danken mir es jedem, der unnötigen Lärm vermeidet! V. A.

die Gestaltungskraft aus.

Eine heroisch-pathetische Stimmung durchzieht den monumental sich entfaltenden ersten Sab beffr~ mottoartiger Eröffnung mit vollgriffigen Akkord« seine weitere Entwicklung mit mannigfacher thema­tischer Durchdringung gegenübersteht. Ein unrasttges Scherzo wird zur Brücke zu einem Adagio voll tiefster ergreifender Jnnenfchau, wie es wohl ein­malig in der gesamten Sonatenliteratur dasteht. Der Versunkenheit aber folgt bie Tat; ihr gibt Beet­hoven in dem Finale stärkste Unmittelbarkeit in dem Widerstreit der Kräfte, in der Fuge. In grandioser Weise führt er hier die strenge gebundene Form in freier Verbreiterung und Vertiefung zu über­wältigenden Ausdruck durch.

Dr. Hermann Hering.

in irgendeiner Funktion des bei Fliegeralarm erforderlichen Luftschuhdienst - Verkehrs stehen z. V. ein Angehöriger des Sicherheit, unb Hilfsdienstes, der sich auf der Fahrt zu feiner Dienststelle befindet die Fahrt fortfehen, sie dürfen also nicht zum hallen und Aufsuchen des nächsten Luftschuhraumes gezwungen wer­den. Alle diese Fahrzeuge dürfen aber auch bei Fliegeralarm nicht ohne Beleuchtung fahren, sondern sie müssen die vorschrifts­mäßig abgeblendeten Lichter brennen haben, natürlich nur die kleinen Lichter, unter keinen Umständen, auch nicht beim Passieren von Stra­ßenkreuzungen, Ecken ober bergt, bie großen Lampen einschalten, denn jeder weithin leuch­tende Lichtschein muß vermieden werden.

Auch Fußgänger, die sich bei Fliegeralarm im Hilfspolizeidienst, im Luftschutzdienst usw. unterwegs befinden, sind nicht anzuhalten, wenn sie auf dem Wege zu ihrer Dienststelle oder zur Erfüllung eines dienstlichen Auftrages an einem anderen Platze un- terwegs sind und sich ausweisen können.

Es ist selbstverständlich, daß Verstöße und vor allem bewußte Mißbräuche dieser Verkehrs- und Beleuchtungsvorschriften bestraft werden.