Nr. 221 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) NMwoch,18. September 1946
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dies
Ta-
liche Grüße.
einver-
(Nachdruck verboten.)
25. Fortsetzung.
Verpflegungszüge für die Westoffensive
Aus den Feldzützen in Polen, Norwegen und im Westen ist bekannt, daß die Bevölkerung immer wieder über den ausgezeichneten Derpflegungszu- ftand der deutschen Truppen erstaunt war. Eine ungefähre Vorstellung von den riesigen Lebens« mittelmengen, die von der Wehrmacht benötigt werden, vermittelt ein Bericht von Wilhelm Lorch in der „NS.-Lanbpost". Er teilt mit, daß für die Zeit der deutschen Offensive im .Westen bis 21. Juni 4 8 2 0 0 0 Tonnen Verpflegungs-, Genuß- und Futtermittel bereitgestellt waren, eine Menge, die 955 kompletten Derpflegungszügen zu je 30 Wagen entspricht. Die Verpflegung konnte sich im Westen selbstverständlich nicht in genau vorausberechneten Bahnen vollziehen. Alle nur möglichen Hilfsmittel wurden herangezogen. Die blitzschnelle Aufstellung von motorisierten Transportkolonnen und andere Maßnahmen waren notwendig, um in der Versorgung der kämpfenden Truppe keine Lücke entstehen zu lassen. Die volle Bewährung der Der- pflegungsorganisation unter den zum Teil völlig veränderten Bedingungen beim Feldzug im Westen ist das Ergebnis jahrelanger gründlicher Vorarbeit.
Heil Hitler!
Helmut und Elfriede.
Schöneres."
„Da bin ich aber wirklich neugierig", lachte
Klaus zu.cWenn ihm die Sache nicht gefalle, könne er sie ja wieder sein lassen, aber er brauche sich dann nicht den Vorwurf zu machen, eine einmal gebotene Gelegenheit versäumt zu haben. In ihrem Eifer ist etwas wie Gewissensangst. Sie will es nicht sein, die ihn an seinem Vormärtskommen hindert.
„Denk an das kleine Anwesen, das Haus am grünen Strand und an das Fischerboot, Klaus? Du hast mir ja verraten, was du von der Zukunft erhoffst. Niemals kommst du dazu bei dem armseligen Verdienst, den du jetzt hast. Ja, ja, Klaus, ich weiß, daß du manchmal im Traum das Rauschender Nordsee hörst, und daß du Heimweh dorthin hast!"
Er faßt ihre Arme und zieht sie an sich. „Du willst ja nicht mit dort hin, Maria!"
,Lch kann ja nicht, Klaus! Nicht jetzt", sagt sie traurig und senkt den Kopf; ihr Schläfenhaar streift seine Wange. Er küßt ihre Stirn und ihren frischen Mund. „Lot sind, min Seern", raunt er. „Ohne dich will ich nicht dahin. Wir warten ..."
Ihr Zureden gibt dann aber doch den Ausschlag. Er nimmt Reppmanns Angebot an und geht in den späten Nachmittags- und Abendstunden in die Sportschule. Die Behauptung des Leiters, er werde in kurzer Zeit her Hebung die Herrschaft über seinen Körper zurückgewinnen, bewahrheitet sich. Er wird ein guter Lehrer und tüchtiger Trainer.
„Nu haste bet ja nich mehr nötig, so früh uffzu- stehen und mit nach die Halle zu fahren", sagt Pahl, hat aber doch nichts dagegen, daß es Klaus noch wie vor tut. Er behält diese Beschäftigung bei. Sie ist es, die ihn öfters mit Marta zusammenführt. Außer den Sonntagen, denen sie — meistens mit Hindernissen — ein paar Stunden des Beisammenseins abgewinnen, sehen und sprechen sie sich während der Wochentage selten und dann auch nur für Minuten.
An einem Märztage, an dem die Sonne hell scheint und Frühlingserwartung die Gesichter der Menschen freundlicher und zuversichtlicher aussehen macht, bringt Klaus Ware in Ellrichs Laden. Beim Einräumen kann er nur wenig mit Marta sprechen, da sie Kundschaft zu bedienen hat. Nur über das Gelieferte tauschen sie Bemerkungen aus; aber in den wenigen Worten schwingt ein eigener Klang^ und in ihren Mienen und Blicken ist ein Leuchten heimlichen Glückes.
„Na, Fräulein Marta, der junge Mann guckt Sie ja |q strahlend mit jrinen blitzblauey Ai^ey anl
der Betrag mindestens 20 RM. ausmachen. Eine Barauszahlung ist unzulässig.
Dem scheinen Sie sehr zu gefallen!" bemerkt eine Kundin, als Klaus aus dem Laden gegangen ist.
Marta wird rot und macht eine unwirsch abwehrende Bewegung. „Immer wird gleich was Besonderes vermutet, wenn einer mal ’n freundliches Gesicht macht!"
„Darüber braucht man doch nicht aufgebracht zu! sein, Fräulein Marta", sagt begütigend die Frau, schweigt eine Sekunde und sieht Marta an. „Ein bißchen Sonnenschein hat doch jeder nötig", setzt sie noch hinzu. Dann geht sie. „Ach. ja", sagt Maria ganz leise und atmet tief auf, blickt zu Klaus hinaus, der die Ladung des Wagens umpackt. Wie leicht und scheinbar mühelos ihm das von der Hand geht! Wie straff und aufrecht jetzt feine Gestalt ist! ... (fr ist nicht mehr der halbverhungerte, obdachlose Vagabund, der an einem dunklen Novembermorgen ihr» Mitgefühl erweckte. Oft sagt er ihr, sie habe ihn vor dem Untergang bewahrt. Und wenn sie das auch nicht gelten lassen will, tief in sich glaubt sie es doch, und es ist das Wundersame, ist ihr selbst- erworbener Glücksbesitz. Es ist der Grund, aus dem das andere aufgeblüht ist, das Heimliche, Herrliche und Süße. Immer wieder wird sie ungläubig davor und kann nicht begreifen, wie das in ihr Leben gekommen ist und es ganz verwandelt.
Ihr Blick kehrt von Klaus und dem Wagen wieder in den Laden zurück, schweift nach der Tür, die in das nebenanliegende Zimmer führt. Sie hört dahinter die Stiefmutter sprechen, in ihrer verdrießlich- weinerlich klingenden Redeweise. Niemand ist augenblicklich im Laden. Sie benutzt die Gelegenheit, um auf die Straße zu huscheln und den Schecken zu streicheln.
Klaus lacht ihr zu; seine starken weißen Zähne blitzen. Nachdem er den letzten Korb auf den Wagen gehoben hat, tritt er zu Marta. Auch seine Hand tätschelt den Schecken und legt sich dann fest und warm auf die ihre. Sie hält den Blick gesenkt, seine Nähe beunruhigt sie. Unter dem dicken dunkelblonden Zopf in ihrem Nacken ringeln sich ein paar Strähnchen hervor, mit denen der Wind spielt. Auch an der Schläfe lösen sie sich aus dem glatt zurückgekämmten Haar und schimmern im Sonnenlicht. Die beiden Menschen sehen sich an, und in ihnen ist das erschütternd tiefe Glück völligen Einsseins.
. ' (Fortsetzung fpjstl _
Mutter, „was das jetzt wieder ist.
„Ich kaufe Zigaretten, Hustenbonbons und bat", eiferte Helmut, „und schicke es einem Soldaten ins Feld — gelt Mutter, das darf ich doch?"
„Aber ganz gewiß, und wer hat dir denn diesen!
Aus der Stadt Gießen.
Für den unbekannten Freund.
Von Ernst Eimer.
„Mutter!" jubelte der kleine Helmut zur Stuben- tür hinein, „von Onkel Ludwig habe ich zum Ge- burtstag zwei Mark bekommen, und lege sie jetzt zum andern in meine Sparbüchse."
„Recht so, mein Bub", lobte die Mutter, „das
„Boxen sollste? ... Na, denn man zu! Aber seh dir man vor dabei, bet de nich wieder untern Schlitten kommst", sagt der Fuhrmann verdrießlich und stapft davon.
Klaus erzählt am Abend Maria Ellrich von seiner Begegnung mit Reppmann und dessen Angebot. Auch auf sie macht es zunächst unverkennbar einen verstimmenden Eindruck. Aber obwohl ihr eine Beunruhigung anzumerken ist, redet sie ihm doch zu, das Angebot anzunehmen.
Er schüttelt den Kopf und sagt, er habe keine Lust dazu.
„Vielleicht gewöhnst du dich doch an den Gedanken, Klaus", beharrt siss. „Sieh mal, es wäre doch ’ne Möglichkeit für dich, wieder vorwärts zu kommen! Das, was du jetzt machst, is doch nich das Richtige für dich."
„Wieso nicht, Marta?"
Er streicht sacht mit dem Handrücken über ihre Wange und hebt dann ihr Kinn, weil er ühre Augen sehen will, die sie gesenkt hält. „Warum redest du jetzt anders, als du denkst, Marta? Ich weiß, du hältst nichts von dem Boxen. Und sage ich dir nicht jedesmal, wenn mir uns sehen, daß ich nie so zufrieden und glücklich war wie jetzt? — Ich wünsche mir nichts anderes! — Du mußt mir doch glauben, Marta!"
Sie küßt ihn rasch, lehnt ihre Schulter an die feine und nimmt seine harte Hand zwischen ihre beiden Hände. „Das tu' ich ja, mein Klaus! Und was bei mir so wie Abneigung gegen das Boxen aus- sieht, das ist wohl weiter nichts als Unwissenheit! Ich kenne es ja so wenig und konnte mir darum nicht recht umstellen, wie das ein Beruf und ’ne einträgliche f schäftigung sein kann, mit anderen zu ringen und zu raufen, sie niederzuschlagen. Und da habe Ich in meiner Dummheit wohl mal was geredet, was dich gekränkt hat."
Klaus schüttelt den Kopf. „Nein, Maria. Du sahst das nicht so falsch, sahst es nur unvollkommen. Ich denke manchmal auch, die geringe Arbeit, die ich jetzt tue, ist wertvoller und nützlicher. Und deshalb mache' ich mir wenig aus dem Angebot von Reppmann. Ja, wäre das früher gekommen, ehe ich hierherkam und dich kennenlernte ..."
Nun aber wird Marta zur eifrigen Fürsprecherin des Angebots. Er folle es doch versuchen, redet sie
kannst du später einmal gut gebrauchen."
„Nein, nein", zögerte Helmut plötzlich, „ich lege sie doch nicht hinein und weiß etwas viel,
Das Eozialwerk des nationalsozialistischen Deutschlands Or. Ley über die Grundsätze der kommenden Altersversorgung.
„Für mich genug", entgegnete Klaus unerschütterlich. Er hat keine Lust, auf das Angebot emzugehen. Reppmann redet noch eine Weile. Aus einigen Andeutungen merkt Klaus, daß er auch von der Katastrophe etwas weiß, die sein Verschwinden aus der Sportwelt herbeigeführt hat; er merkt Verständnis für seine Scheu, sich wieder in das ihm fremd gewordene Gebiet zu begeben. Es brauche niemand feinen Namen zu erfahren, wenn er es nicht wünsche. Und wenn der auch einst Weltruf hatte, die Gegenwart schreite darüber hinweg, niemand denke heute mehr daran, und von den Schülern, nut denen er zu tun haben werde, kenne ihn keiner ...
„Sie brauchen nicht mehr, als Sie hier verdienen? — Na, hören Sie, Tjaden, wenn ich alles gelten lasse, was Sie mir einwenden, das aber nicht! Man braucht immer mehr, als man gerade hat. Sjenegen Sie sich nicht den Weg, sondern überlegen Sie sich mein Angebot! Scharwerken Sie hier vorläufig m Gottes Namen weiter, aber kommen Sie abends em paar Stunden zu uns, und verdienen Sie sich was dazu! Machen Sie mir doch nicht weis, daß tote sich nichts anderes wünschen, als hier Ihren Karren ^Klaus ^la'cht und zuckt die Achseln. Es ist für ihn nicht wichtig und notwendig, daß der fremde Mensch ihm glaubt. Aber er läßt sich schließlich doch das Versprechen abnötigen, die Sache gründlich zu überlegen. Er verwahrt die Karte, die ihm Reppmann gibt, erwidert dessen herzhaften Händedruck und sieht ihm nach, wie er mit langen elastischen Schritten davoneilt. n/, , , .. .
„Wat wollte denn der von dir? fragt Pahl, der cus einiger Entfernung die Unterhaltung mit angesehen hat. „Haste dir ooch nischt uffschwatzen lassen?
Klaus sieht an ihm vorbei und hat em Flimmern in feinen Augen. »Ich soll wieder boxen,
Berlin, 17. (Sept. (DNB.) Reichsorganisationsleiter Dr. Ley veröffentlicht im „Angriff" einen Aufsatz über die Grundsätze der neuen deutschen ozialiftischen Gesetzgebung. Er beruft sich für den Aufbau der Altersversorgung auf zahlreiche Äußerungen Bismarcks, der für den Soldaten der Arbeit bereits eine „31 a a t s p e n f i o n" gefordert hatte und schreibt u. a.:
Aus den Besitzlosen Besitzende zu machen, lehnte das liberalistische Bürgertum von vornherein und aus Prinzip ab. Bismarck geißelt die Engstirnigkeit dieses deutschen Bürgertums, und ist mit dem, was nachher als Unfall-, Alters- und Jnvalibenoersiche- rung herauskommt, absolut nicht einverstanden. Er bezeichnet das, was nun als Gesetzeswerk herauskommt, als einen Wechselbalg dessen, was er gewollt hat. Bismarck sagte 1881 zu seinem Mitarbeiter Moritz Busch: „Der Staat muß die Sache in die Hand nehmen. Nicht als Almosen, sondern als Recht auf Versorgung, wo der gute Wille zur Arbeit nicht mehr kann. Warum soll nur der, welcher im Kriege ober als Beamter erwerbsunfähig geworden ist, Pension haben und nicht auch der Soldat der Arbeit?"---„Ich wollte
an Stelle des Armengesetzes ein Staatsgesetz haben, das dem Arbeiter für sein Alter statt der Armenversorgung eine Pension sichern sollte, die ihm bis zum Tode ein unabhängiges Dasein ermöglicht. Meiner Meinung nach hat jeder Arbeiter das Recht auf ein Existenzminimum, und ich wünschte, daß ihm dies vom Staate eben in seiner Eigenschaft als Arbeiter gewährt werden sollte."
Wie sehr Bismarck den Dersicherungsgedanken ab- lehnte, geht aus einer Äußerung vom 11. September 1887 hervor: „Den Satz) daß man nicht die Gesamtheit der Steuerzahler zugunsten einzelner Klassen der Bevölkerung belasten dürfe, vermag ich als richtig nicht anzuerkennen. Die Alters- und Invalidenversicherung ist ein allgemeines und nationales Bedürfnis, welches daher aus dem Nationalve.r mögen befriedigt werden sollte." Wie sehr Bismarck an die Richtigkeit seiner Gedankengänge, daß man durch die Gesamtheit der Station die Besitzlosen durch eine Staatspension auch zu Besitzenden machen müsse, glaubte, ergibt sich aus einer Unterredung mit Moritz Busch aus dem Jahre 1881. Da heißt es in geradezu prophetischem Sinne: „Diese Sache wird sich durchdrücken. Der Staats» sozialismus paukt sich durch. Jeder, der diesen Gedanken wiederaufnimmt, wird ans Ruder kommen."
Sind Zinsen noch zeitgemäß? s
Zu den erstaunlichsten Dingen, die besonders seit dem Kriegsausbruch in Deutschland vorgehen, gehört im Blickfeld ausländischer Finanzleute und Wirtschaftsführer die Geldflüssigkeit des Reiches und die Art der Finanzierung der Kriegskosten. Reichswirtschaftsminister Funk hat auf die vielen Fragen über das „viele G e I d" vor einiger Zeit kurz geantwortet: „Das viele Geld kommt von der vielen A r b e i t." In der Tat ist durch diese schlagende Formulierung alles Wesentliche gesagt, was zur Erklärung des finanziellen Wunders notwendig ist.
Im Zusammenhang hiermit gewinnt gerade in diesen Wochen das Zinsproblem wieder an aktueller Bedeutung. Seit dc»r Machtübernahme sind die Zinssätze ständig zurückgegangen, und seit dem Kriegsbeginn kann man von einem Zinsfuß von etwa 4 v. H. als die allgemein gültige' Regel sprechen. Diese Entwicklung ist die Folge der überlegenden Staatsführung, die ohne Rücksicht auf Golddeckung und Devisenbilanz die politischen und wirtschaftlichen Probleme Meisterte. So ist es gelungen, die Zinsknechtschaft, um die härteste Begriffsbestimmung für den früheren Zustand zu wählen, zu brechen und damit die Arbeit vor dem Kapital an die erste Stelle zu rücken.
Wenn es nun heute in Deutschland keine Kapitalherrschaft mehr gibt, so taucht die Frage auf, ob man überhaupt noch Kap italzi nsen gewähren kann und soll. Man kann wohl feststellen, daß nach der Beseitigung der Monopolstellung des Kapitals und der Kapitalisten die Hute übliche Zinspolitik mit wesentlich anderen Augen angesehen werden muß als früher. Der nationalsozialistische Staat regelt und überwacht Hute die Preise und bestimmt den Einsatz des Kapitals; er hat eine vom Ausland unabhängige deutsche Volkswirtschaft aufgebaut und regelt den Außenhandel und die Devisenbilanz nach seinem Ermessen. Auf die Reichsbank haben keine ausländischen Kapitalisten mehr Einfluß, sondern sie führt ihre Aufgaben nach dem Willen des Führers und der Reichsregierung durch.
Bei dieser Sachlage kann eine mäßige und den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechende Zinsgewährung nur nützlich sein, weil durch sie der Sparsinn weitester Bevölkerungskreise angeregt wird und weil durch die Bildung von Kapital für den freien Markt die notwendigen Gelder für kapitalschwächere, aber ausbaufähige Unternehmungen bereitgestellt wird. Die Zinsen ipielen ja für Die großen Betriebe keine sehr entscheidende Rolle, sondern vielmehr für den kleineren Geschäftsmann, Handwerker, Angestellten, Arbeiter und Beamten, der sich oftmals durch Auferlegung von Beschränkungen ein kleines Vermögen zusammenspart. Sicherlich würde der gerade in diesen Kriegsmonaten festgestellte Zug zu den Sparkassen und Banken rückläufig werden, besonders nach dem Kriege, wenn die Konsummöglichkeiten wieder größere Aufwendungen gestatten. Das Hegt aber nicht in der Absicht der deutschen Wirtschaftspolitik, denn die Förderung des Sparwilligen stärkt den Unternehmungsgeist und kommt somit der Allgemeinheit zugute. — Schließlich ist es selbstverständlich, daß die Kreditgewährung nicht kostenlos erfolgen kann, weil schon die Verwaltung und die Risikodeckung ein Einkommen aus Zinsen für die Banken und Kreditanstalten notwendig macht.
Don den Zinsverbilligungsmaßnahmen sind nicht betroffen die Altwertpapiere und Privat- Hypotheken, und Maßnahmen auf diesem Gebiet sind wohl vorläufig auch nicht zu erwarten, weil die Form der privaten Hypothek zu Gunsten des Pfandbriefes im Rückgang begriffen ist. Man ist der Meinung, daß gegen diese Entwicklung nichts eingewendet werden kann, da die kurzfristige Pnvat- hypothek Gefahren mit sich bringt und deshalb die unkündbare Tilgungshypothek das Anlageideal in diesem Sektor darstellt. Die Gewährung solcher unkündbaren Tilgungshypotheken wird aber hauptsächlich den öffentlichen Stellen obliegen, weil dem Privatmann, der Kapital hergibt, durch eine ratenweise Zurückzahlung desselben nicht gedient ist, zumal die zurückfließenden kleinen Summen dann häufig einfach mitausgegeben werden. Bei der heute vorherrschenden Tendenz, private Hypotheken in unkündbare Tilgungshypotheken umzuwandeln, kommt es im übrigen auf dem Wege der Verständigung zwischen Schuldner und Gläubiger meistens schon zu Zinsherabsetzungen, so daß die bis vor kurzem noch festzustellenden Fälle von Zinsüberhöhungen
guten Vorschlag gemacht?"
„Ach — mein Schulkamerad, der Rimmel-Hans hat seinem Bruder auch ein Päckchen an die Front geschickt. Aber Mutter — ich habe ja gar keinem Bruder bei den Soldaten."
„Liebes Kind, es gibt auch Soldaten draußen, die! keine Angehörigen mehr haben und sich freuen, wenn jemand an sie denkt. Soll ein solcher beim Päckchen bekommen?"
„Ja freilich, Mutter", freute sich der Junge, „abetf es muß heute noch zur Post."
„Das kann geschehen", lachte die Mutter, kaufte gleich mit ihrem Buben die Liebesgaben ein und holte an der Auskunftstelle die Anschrift eines Soldaten.
Als Helmut bann emsig am Einpacken war, kam seine Schwester Elfriede dazu. „Hier diese Pulswärmer", meinte sie, „legen wir auch noch ins Päckchen. Sie waren für Vater als Weihnachtsgeschenk bestimmt, aber ihm kann ich doch wieder neue strickem"
„Natürlich kannst du das", schmunzelte der Junge und war über die willkommene Bereicherung seines Päckchen hoch beglückt.
Dem unbekannten Freund schrieb Helmut dann noch diesen Brief:
.Lieber Soldat!
Du rauchst doch wohl, und die Bonbons sind gegen den Husten. Wenn ich groß bin, komme ich auch zum Militär. Wir Buben spielen schon oft Soldaten, und der Feind wird immer verhauen und gefangengenommen. Die Pulswärmer hat meine Schwester Elfriede für dich gestrickt. Sie meint, im Winter kannst du sie gut gebrauchen. Das glaube ich auch, denn sie wärmen. Schreibe uns doch auch einmal.
Wir wünschen Dir alles Gute und senden herz-
KlausiäiigteinneiiesLebenan
Roman von Helene Kalisch
Copyright 1939 by Prometheus-Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr ,/Sieger". -»• Gloria-Pulast (Seltersweg): „Truck, der Pandur", — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Seitens fprünge".
immer seltener werben. Schließlich gibt es noch bie richterliche Vertragshilfe, bie dort angerufen werben kann, wo im Einzelfall noch solche überhöhten Zinssätze für private Hypotheken in Kraft sinb.
Abschließend kann festgestellt werden, daß auch von der Zinsseite her sich die deutsche FinanFwirt- schäft in einer glückhaften Entwicklung befindet und baß ber verbilligte Zins als eine Belohnung des Sparwillens durchaus würdig ist, erhalten zu bleiben.
lleberzahlte Lohn- und Kapitalertragssteuer.
Die Bismarcksche Prophezeiung geht nun heute, nach fast 60 Jahren, in Erfüllung. Ein Größerer als er, Adolf Hitler, unser Führer, hat diesen Gedanken in vollendeterer Weise wiederaufgenommen und hat auch die machtpolitischen Voraussetzungen geschaffen, um diese Ideen in die Tat umzusetzen. Die Sozialversicherungen haben ihren Zweck erfüllt. Jetzt jedoch müssen sie Größerem Platz machen, um den Bismarckschen Gedanken vom Staatssozialismus, wie er ihn in der Staatspension für die Enterbten und Besitzlosen sieht, zu verwirklichen^ Die neue Altersversorgung ist auf diesem Grundgedanken fertiggestellt und dem Führer bereits übergeben. Das Gesund- heitswerk über eine umfassende Gesundheitsführung unserer Nation steht vor der Vollendung. Ein Sozialwerk über Lohn, Leistung, Urlaub, Freizeit, Kündigungsschutz, Arbeitszeit und Arbeitsrecht ist in Bearbeitung. Ein Gesetz über Berufs- erziehung, Berufswettkampf und Leistungskampf der deutschen Betriebe ist in Angriff genommen. Die Planungen für ein großzügiges, umfassendes Siedlungs - und Wohnungsprogramm werden mit Energie und Tatkraft vorwärtsgetrieben. Und ich kann versichern, daß, sobald der Krieg durch den größten Sieg aller Zeiten für Deutschland beendet sein wird, auch alle Voraussetzungen, Planungen und Gesetze für das großzügig st e Sozialwerk aller Zeiten und aller Volker beendet fein werden und vorgelegt werden können.
Es bleibt mir nur noch übrig, dem deutschen Arbeiter zu sagen, daß auch dieses Werk allein dem Wollen und der Jnittattve des Führers entspringt. Alle großen und neuen Gedanken stammen allein von ihm. Der Unterschied Englands und Deutschlands liegt in den handelnden Personen. Churchill, Chamherlain, Halifax, Eden und wie sie alle heißen sind englische Lords, sie kennen nur das System der Almosen. Sie haben selbst nie die Not, Elend und Armut gekannt. Der Führer dagegen kennt aus feinem Leben den Hunger und die Not, er weiß um die Sehnsucht der Besitzlosen und breiten Masse, und deshalb weiß er auch, daß diese Millionen, die das Schicksal um ein Eigentum und Besitz betrogen hat, ein Anrecht an bie Gemeinschaft, an die Nation haben. Aus diesem göttlichen Recht der Enterbten der Nation kommt der Rechtsspruch, den der Führer durch seinen Auftrag zu einem Aus- und Aufbau einer großzügigen und umfassenden Altersversorgung gegeben hat.
Der Reichsfinanzminister hat sich damit standen erklärt, daß die Finanzämter bei der Veranlagung für 1939 überzahlte Lohnsteuer und überzahlte Kapitalertragssteuer auf den festgesetzten Kriegszuschlag zur Einkommensteuer a n r e ch n e n. Das gleiche gilt für die Anrechnung des im Steuerabzugsverfahren vom Arbeitslohn ober von Kapitalerträgen einbehaltenen Kriegszuschlags zur Einkommensteuer auf bie festgesetzte Einkommensteuer. Voraussetzungen sind: Die Beträge müssen bei ber Veranlagung zur Einkommensteuer ober zum Kriegszuschlag zur Einkommensteuer für 193 9 angerechnet werben. Die Anrechnung für ein anberes Jahr, z. B. auf die Vorauszahlungen für 1940, oder auf anbere Steuerschulden, z. B. auf bie Umsatzsteuer für 1939, ist nicht zulässig. Ferner muß
3n unseren Famttienblättern werden wir am Samstag mit dem Abdruck eines neuen Romans beginnen, der einen Stoff von größter Aktualität In geschichtlich zuverlässiger, aber temperamentvoll bewegter fesselnder Darstellung behandelt.
SUEZ
PFORTE DER VÖLKER
Hat Joses Sebastian Schall seinen Roman eines Kanals genannt, der ungemein fesselnd von der Verwirklichung einer großen umwälzenden Idee in zähem Kampf gegen das politische Intrigenspiel Englands erzählt. Im Augenblick des Zusammenstoßes zwischen Italien und England auf ägyptischem Boden wird der Roman bei unseren Lesern besonderes Interesse finden.


