Ausgabe 
18.6.1940
 
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Nachtwanderung.

Don Jakob Kneip.

Hoch oben in den Spessartwäldern, auf derWeg- sc eide", hatten wir mit der Jugend ein Lagerfeuer c gezündet, und gedachten dort die Nacht zu ver­klingen. Aber als der Mond dann hinter den binnen heraufstieg, als die Morgenkühle uns an» llrhte und der Sang allmählich verstummte, stahl i< mich mit zwei Gefährten vom Lagerfeuer fort, in auf einsamem Waldweg die Nacht zu belau- Itien und den erwachenden Morgen zu erleben.

Oben standen die Sterne, unter uns dunkelten mithin die Täler, lieber den Rasen der Hochfläche, im* der Holzstoß verglühte, schritten wir zu einer Lcaldschlucht hinab. Kaum war der eigene Fuß n|f dem Rasen hörbar. Der Wald, in den wir nun i^abtauchten, stand noch im tiefen Schweigen zu di ser Stunde. Schweigend gingen auch wir; feiner v: gte die große Stille zu stören. Bald aber Werte ein Waldbach irgendwo in der Schlucht, udb über uns strich ein leises Wehen durch die iHärter der Wipfel. Da ertönte plötzlich seitwärts piff einer Lichtung ein langgezogener schnurrender Un und gleich darauf, unheimlich in dieser Stille, [tt Laut wie ein Händeklatschen.

Wir standen einen Augenblick betroffen und kt en uns an. Dann strich es über uns durchs Ge« hl. und nun erkannten wir: es war derZiegen- milter", der gespenstige Nachtvogel! Und wieder tiefes Schweigen um uns her. Wir gingen zu ie Lichtung hinüber, hielten dort eine Weile an »5 lauschten in die Wälder hinab. Em Rehbdck [ H'eckte drüben an der Talwand, wo der Mond in:: zauberhaftem Licht über den Buchenwipfeln imb. Herber Duft stieg vom Waldboden aus. Man vH auf der Lichtung förmlich, wie der Tau stet, die Erde ausatmete, wie alle Baume, -öulcye öd Gräser ihren Duft verströmten.

Mötzlich - war es Wirklichkeit oder Traum? -»ein verhaltener Kuckucksruf fern im Tal. Fragend 4»en wir uns an. NoW nie hatten wir den Rus h Kuckucks zu solch nächtlicher Stunde vernom- nm. Ich zog die Uhr: es war kurz nach zwei. [Mion tönte wiederum der seltsame, nächtliche^Rus, 3tff)er und sicherer klang er jetzt aus fernem 2Lalo- ir. nbe herauf. Immer lauter und schembar naher ieiückt durchbrach er das große, nächtliche ^hwei-

So jäh und einsam durchtönte er die Walder, Fteil es mich mit Schauem überlief.

! Da, als wir weitergehen wollten, klang über uns i einer baumleeren Hohe, leise und zaghaft eine öZelkehle, mit so feinem, silbernem Laut, daß £$annt nach dieser Richtung hinlauschten. Immer YLider stieg das silberhelle Klingen und wuchs in

Aus der Stadl Gießen.

Fünf Minuten Pädagogik.

Die Sommer-Ferien, die in diesem Jahre vom l.Juli bis zum 18. August dauern, stehen vor der Eure. Ehe sie beginnen, scheint es sehr angebracht, ich mit dem Klassenlehrer kurz darüber zu unter- galten, ob und welche Nachhilfen das Kind während )er Ferienwochen braucht. Nach den Ratschlägen )iefes Erziehers werden wir dann dem lernschwachen Kinde entweder Nachhilfestunden erteilen lassen oder n harmloseren Fallen selbst ein wenig nachhelfen

Diese Nachhilfe durch Elternhand versuche sich iber beileibe nicht mit strengemEinpauken" und ^glichen stundenlangen Hebungen, wodurch der Zweck der Ferien sinnlos gemacht würde. Es sind ;anz andere Mittel angebracht; wir verlegen uns nif die List. Mangelt es in Erd- oder Naturkunde o beschaffen wir für diese Zeit geeignete Bücher, )ie dem Kinde auf unterhaltende und spannende Art Kenntnisse vermitteln. Die heutige Jugendliteratur st reich an solchen Schriften, und der Buchhändler erät die Eltern gerne. Hapert es bei den Spra« gen, so ist auch da Rat zu schaffen: ebenfalls sind ;s die Bücher, die wir als Hilfstruppen heran« jchen. Selma Lagerlof, die große Dichterin und Menschenkennerin, berichtet aus ihrer Jugendzeit, man ihr, die sehr schwer mit dem Französischen ertig wurde, eine Märchensammlung in französi- cher Sprache schenkte; Märchen aber liebte die leine Selma leidenschaftlich, und so führten die Contes de fies" sie ins Französische ein.

Da es aber auch Kinder gibt, die sich nicht viel rus Lektüre machen, so muß für diese ein anderer Leg gefunden werden, und dieser führt über die izitelfeit zum Erfolg. Kluge Mütter werden ihre Sinder selten umsonst über Belehrungen auf diesem :3er jenem Gebiet bitten müssen.Ich habe seit Itr Schulzeit so viel vergessen", sagt eine solche ühitter beispielsweise,aber wie war das doch mit Washington, wann lebte der eigentlich oder was :at er?" Sie kann sich auch nach der Entwicklung ler Frosche oder der Beschaffenheit Australiens er« Imbigen, kann um Hilfe bei der Uebersetzung eines nglischen Buches bitten oder so tun, als finde sie >ch nicht durch eine Rechenaufgabe hindurch, lieber» laupt das Rechnen! Häufig steht diese Klippe in Zusammenhang damit, daß Kinder im praktischen .eben nicht nötig haben, sich mit der Welt der Zahlen luseinanberzusetzen, daß Zahlen ihnen -wenig ver­baute Begriffe sind. Bespricht man aber mit ihnen, »ieviel Kilometer man heute gewandert ist, wieviele lestern, wieviele wahrscheinlich in dreißig Tagen, latm erwacht schon eher das Interesse an den un« ingenehmen Ziffern.Du schwimmst hundert Me- :r in zwei Minuten, Karl sagt, er braucht dazu -in 100 Sekunden; Emst sagt, er macht 50 Meter i 50 Sekunden wer schwimmt nun eigentlich im schnellsten?" Solche Fragen verlocken eher zur Beantwortung als die des Rechenbuches.

Eine weitere Erleichterung der Ferienarbeiten l-deutet es, wenn wir Prämien für besonders ' erarillige Leistungen aussetzen. Eine Ruderfahrt i Oer Ausflug für eine gut geschriebene Seite, eine :<f)tig errechnete Aufgabe, ein auswendig gelerntes Gedicht. Sehr kluge Eltern verstehen es, die Absicht ji ausgezeichnet zu verschleiern, daß die Kinder wirk- !ch nichts merken und ohne Verstimmung in den fetten genügend Lehrstoff bewältigt wird.

Tageskalender für Dienstag.

i Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrTrockenkursus" ; - Gloria-Palast (Seltersweg):Tip auf Amalia". ! chtspielhaus (Bahnhofstraße):Diener lassen bitt tim"; Gastspiel russischer KünstlerFeuervogel".

Stadttheater Gießen.

Am heutigen Dienstag wird erstmalig das Schi- lastspielTrockenkursus" von Kurt Bortfeld wieder- hlt. Spielleitung: Hans Geißler. Die Vorstellung

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Gietzener Anzeiger (Seneral-Anzetgrr für Oberhessen)

Blumen für unsere Soldaten.

Sie erste Reichsstraßensammlung des Kriegshilfswerkes für das Deutsche Rote Kreuz.

Am Samstag und Sonntag findet die nächste große Straßensammlung zugunsten des Deutschen Roten Kreuzes statt, bei der Kunstblumen und Sträußchen verkauft werden. Jeder Deutsche wird dabei durch ein reichliches Scherflein seine enge Verbundenheit mit den an der Front kämpfenden Truppen bezeugen. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Bon 42 250 Verwundeten sprach der Bericht des OKW. in seinem zusammenfassenden Bericht nach der Vernichtungsschlacht in Flandern und im Ar­tois. Wie ein stiller Trost für die deutschen Mütter stand diese Zahl neben dem stolzesten (Sieg der deutschen Geschichte, der dem Feinde Millionenver­luste beibrachte. Kein Volk auf der Erde hat das Recht, stolzer und dankbarer zu sein als wir. Und so vergaß keiner in der Heimat, daß jeder dieser verwundeten Soldaten und ihrer 10 000 gefallenen Kameraden erst durch sein schweres Blutopfer den Sieg in der Entscheidungsschlacht herbeigeführt hat. In jeber^Stunbe sind wir mit heißem Herzen bei ihnen. Sie haben mit dem Führer die letzten Reste einer Zeit der Worte hinweggefegt. Nur die Tat kann jetzt bestehen und das Opfer.

Um so großer erwächst die Forderung an die Heimat,.sich der Tapferen der Flandernschlacht, der

Stürmer von Verdun und der Bezwinger der Magi- not-Linie würdig zu erweisen. Am kommenden Samstag und Sonntag wird sie Gelegenheit haben, dieser Forderung zu entsprechen. Die Kämpfer des Weltkrieges, die Männer der NSKOV., die jungen Soldaten von morgen, die Jungen der HI. und die Männer und Frauen des Deutschen Roten Kreuzes werden in diesen Tagen mrt Blumen für die 1. Reichsstraßensammlung des Kriegshilfswerks für das Deutsche Rote Kreuz auf die Straße gehen.

Kann unsere materielle Spende auch das Opfer unserer Soldaten nicht erreichen, so muß ihre Hohe doch in einem bestimmten Einklang zu diesem Opfer stehen; denn jede gekaufte Blume wird -zu einer Hilfe für den tapferen verwundeten Soldaten, der der Heimat mit seinem Leib die Schrecken des Krie- ges fernhielt und sie von Tag zu Tag näher dem Siege bringt.

holt gleichzeitig die 32. und letzte Vorstellung der Dienstag-Miete nach.

Notizen für den 18. 3unl

Sonnenaufgang 5.02 Uhr, Sonnenuntergang 21.50 Uhr; Monduntergang 4.00 Uhr, Mondauf- gang 20.05 Uhr.

Gießener Wochenmarktpreise.

* G i e ß e n , 18. Juni. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Wirsing,

klarem, kühnem Triller zu den verblassenden Ster­nen hinauf: das Lied der Heidelerche, des wunder­samen, einsiedlerhaften Tagesverkünders! Und schon erwachte auch die Amsel unter uns im hohen Buchenwald. Ihr Lied erschallte weichin durch den Grund und weckte die Schläfer im Geäst; denn schon horten wir auch die Misteldrossel, die größte aus der Drosselsippe, mit ihrem Morgenrus. Aber sie sang mehr laut als schon. Ja, eintönig und hart schien ihre Molodie im Vergleich zu dem Wohl­laut und den reichen, quellenden und schmelzenden Kadenzen der Singdrossel, die nun, dicht an unserem Wege, in, dies herrliche Trio des Drosselgesanges mit einfiel. Unbestreitbar: sie, die Singdrossel, war die Meisterin! Aber ein wenig in den eigenen Ge­sang verliebt und eitel schien sie auch; denn die schönsten ihrer neuerfundenen Sätze wiederholte sie drei- und viermal. Hoch oben auf der Spitze einer Tanne saß sie, und das erste Gold des Morgen­rots lag auf ihren Flügeln.

Aus dem Tannendunkel aber klang nun ein leiser, feiner Unterton in dieses Drosselkonzert; wir hatten den schüchternen Sänger bisher nicht be­obachtet. Es war das Goldhähnchen, das hier seinen dünnen, klingenden Faden zwirnte. Und dann perl­ten die hellen Morgenlaute des Rotkehlchens mit dem Gold der ersten Frühe über uns aus dem Blattwerk auf unseren Pfad. Rehe wechselten vor uns über eine Lichtung und verschwanden drüben an der Bergseite in der Dickung. Bald drang der Schein des Morgens mit fahlem Nebel durch die Stämme, und nun war es eine ganze Schar von Meisen, die da und dort in den Tannen ihren klei­nen, bescheidenen Vers zusägen" begannen.

Endlich bog unser Wea hinaus ins Freie. Im Morgendämmern öffnete sich vor uns ein Tal mit sanften Wiesengründen, aus denen helle Nebel auf­zogen; und als wir vollends aus dem Walde her­austraten, leuchteten die höchsten Wipfel über uns im Gold der Morgensonne. Ein Baumpieper ließ eben am Waldrand, auf der Spitze einer Tanne, feine glockenhellen Laute in den Morgen steigen; ein Specht lachte hinter ihm auf. zwei Häher trätsch­ten neben uns ihren Warnruf und flogen durchs dunkle Geäst. Drüben aber, wo der Bach in den Wielen zuweilen zwischen den Erlen aufleuchtete, hüpfte und schaukelte eine Bachstelze, und der Schmirl ließ in den Büschen am Bergrand seinen zärtlich klingenden Roller ertönen.

Wir wanderten durch ein Wiesental hinab und hörten darin einen Bach rauschen, der uns geleitete. Der Morgen wurde klarer über den Waldbergen. Der Talgrund erweiterte sich. Da erklang in der Ferne eine Glocke: wir waren wieder dem Lande der Menschen nahe!

x/i kg 22, gelbe Rüben, das Bund 20, Spinat, Yi kg 8 bis 12, Römischkohl 15 bis 20, Bohnen (grün) 35, Erbsen 35 bis 40, Mischgemüse 8 bis 12, Tomaten 55, Zwiebeln 17, Meerrettich 30 bis 70, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln, alte, % kg 5 Rpf., 50 kg 4,15 RM., neue, Vi kg 15 Rpf., Kirschen 40 bis 65, Stachelbeeren (unreif) 20 bis 25, Erdbeeren 80 bis M, Blumenkohl, das Stück 20 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 40 bis 60, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Rpf.

Chauny.

Von Otto Robolsky.

Auch Chauny ist wieder in deutscher Hand. Kleine Stadt an der Oise und einem Kanal, 9000 Einwoh­ner. Stilles Städtchen, nicht sonderlich von Belang. Da war (ch mal. Es war im Weltkrieg, gegen Ende Oktober 1914. Wenn nicht die Kanonen von ferne her gebummert hätten, manchmal am Tage und manchmal in der Nacht, und wenn nicht deutsche Soldaten auf den Straßen gewesen wären, hätte man an Frieden glauben können. Alles ging ruhig seinen Gang, gemächlich, ein bißchen verschlafen. So gut wie nichts war versehrt (später im Kriege wurde das freilich anders). Die Einwohner waren dageblie­ben, mit wenigen Ausnahmen: der^Herausgeber des OrtsblättchensLa D^fense nationale war als Erster getürmt. Er war auch Vorstand der Bogen­schützengilde gewesen und mochte sich gesagt haben, daßmit dem Pfeil, dem Bogen" nicht viel aus» zurichten fei.

Es war noch sehr warm, und ich, schon winterlich ausftaffiert, schwitzte weidlich. Die Sonne schien, und es gab mörderlich viel Fliegen. Eines Tages beim Essen imPot dEtain (imZinnernen Topf") wurde die Nachspeise aufgetragen. Sie sah schwarz aus, und ich fragte meinen Nachbarn am Tisch, was man- sich wohl Darunter vorstellen solle. Ein paar Tage länger eingesessen als ich, wedelte er statt der Antwort stumm mit der Hand. Und siehe da, die Nachspeise schwirrte zu drei Vierteln in die Luft. Das verbleibende Viertel sah rosa aus und schmeckte süß. -

Um in der Gewohnheit zu bleiben, schwitzte ich auch des Nachts. Denn das Bett der guten alten Madame Doche, bei der ich in Quartier lag, war bochgetürmt und auf arktische Temperaturen ein­gerichtet. Es war eine gute Vorübung zum Eskala- dieren, wollte man in das hohe Bett gelangen. Doch es gelang. Das Bett stand im Staatszimmer des ersten Stocks, im Salon. Er war ein Puppenstübchen, und das kleine Haus der Madame Doche war ein Puppenhaus. Aber natürlich durfte in dem Salön- chen der Kamin nicht fehlen. Doch es war ein blin­der Kamin, nur zum Ansehen, nicht zum Heizen, geschweige denn zum Wärmen.

Madame Daches Häuschen nebst Garten lag am Rande der Stadt. Gleich dahinter war Gegend. Als ich mal des Nachmittags unvermutetnach Hause" kam, fand ich das Haus verschlossen. Nachbarinnen nahten sich und erklärten mir, Madame Doche müsse jeden Augenblick kommen, sie sei nur auf den Fried­hof gegangen, wie jeden schönen Tag, zum Grabe ihres Gatten.Oh. eile est tres riebe, Msieur, trds riebe, erzählten sie mir ungefragt.Sehr reich?" Na, das war wohl sanft übertrieben. Und da kam sie schon um die Ecke, mit der Gießkanne, und ent-

Dienstag, 18. Juni 1940

Verbilligte Eisenbahnfahrt auch für neue Kriegsbeschädigte.

Die Vergünstigungen, die Kriegsbeschädigte bei Reisen mit der Eisenbahn genießen, sind mit svfor« tiger Wirksamkeit auf die kriegsbeschädigten Teil­nehmer am gegenwärtigen Krieg ausgedehnt wor­den. Fahrpreisermäßigungen werden zunächst bei bestimmten Reisen gewährt, und zwar an Kriegs­teilnehmer, die wegen einer im Kriege erlittenen, amtlich anerkannten Dienstbeschädigung dauernde Schädigung der Gesundheit zurückbehalten haben. Diese Kriegsteilnehmer reisen zum halben Fahr­preis 2. «ober 3. Klasse bei Fahrten, die in ur­sächlichem Zusammenhang mit der Kriegsdienstbe-

Unsere Zähne sind ein lebendiger Teil des Körpers* ZedeVernachlässigung der Zähne rächt sich an unserer Gesundheit.

CHLO RO DO NT

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schädigung stehen, also etwa zur Behandlung durch Fachärzte oder in Heilanstalten, oder zum Besuch von Kurorten, oder zum Erholungsaufenthalt, ober bei Fahrten zu Ausbilbungslehrgängen usw. Für jebe einzelne Fahrt ist von ber amtlichen Fürsorge­stelle ein Antrag beim Abgangsbahnhof zu stellen. Schwerkriegsbeschäbigte, b. h. zu 50 v. H. ober mehr erwerbsbeschränkte Kriegsbeschäbigte, bei benen ber auf ber Kriegsbienstbeschäbigung beruhende körper­liche Zustanb bie Benutzung ber 2. Wagenklasse er« forbert, können bei beliebigen Fahrten auf Fahr­ausweis 3. Klaffe bie 2. Wagenklasse benutzen, auch wenn ber Fahrausweis schon eine Ermäßigung ein« schließt, wenn also nur ber halbe Fahrpreis bezahlt zu werben braucht. Erforberlich ist» hierfür eine Bescheinigung ber amtlichen Fürsorgestelle. Außer- bem sinb noch eine Reihe von Vergünstigungen für Begleiter von Kriegsbeschäbigten vorgesehen.

Unfallschutz für ehrenamtliche Helfer.

Anläßlich von Unfällen, bie ehrenamtlich tätige Hilfskräfte von Ernährungs- unb Wirtschaftsämtern in Durchführung ihrer Dienstobliegenheiten erlit­ten haben, weist ber Reichsinnenminister barauf hin, baß an sich ehrenamtliche Hilfskräfte von Ge- meinben nur Anspruch auf Ersatz ihrer Auslagen unb bes entgangenen Arbeitsverdienstes im Rah, men von Zeugengebühren haben. Es entspreche aber bem gesunben Volksempfinben, biefe Vorschrif­ten auch in ben eingangs erwähnten Fällen anzu- roenben. Die Gemeinben seien baher berechtigt und verpflichtet, ehrenamtliche Helfer, die in Ausübung ihres Dienstes einen Unfall erleiden, hierfür ange- meffen zu entschädigen. Wenn allerdings ein An­spruch gegen einen Dritten auf Erstattung der Un­fallkosten besteht, kann gegen die Gemeinde fein Anspruch erhoben werden.

Vorschüsse bei FliegerschSden.

Der Reichsminister des Innern beschäftigt sich in einem Erlaß mit der Gewährung von Vorschüssen bei Fliegerschäden. An sich setzt die Gewährung eines Vorschusses nach der Sachschädenfeststellungs- Derordnung in jedem Fall eine förmliche Fest­stellung des Schadens nach bestimmten Vorschttften voraus. Der Minister erklärt jedoch hierzu, daß sich die Feststellung zunächst auf einen Teil des Scha­dens beschränken kann. Solche Teilfeststellungen tön*

schuldigte sich wegen der Verzögerung. Im übrigen pflegtfr'roir uns über ein durchaus neutrales Thema zu unterhalten, über das Wetter. Ja, das war Ma­dame Doche, die Witwe, klein, dick und behäbig, schwarz gekleidet. Ihr Kater war gleichfalls schwarz, dick und behäbig.

In der Mitte der Stadt ragte die altersgraue, gedrungene Kirche auf. Wenn man mittags an ihr vorbeiging, traf man den Herrn Lehrer. Das war ein kleiner alter Herr mit einem schütteren Bart und fiibergrauen Locken, von der Last der Jahre gebeugt, in einen altväterischen Gehrock gehüllt, auf einen umfangreichen Regenschirm gestützt, mochte auch der Himmel in ungetrübter Bläue strahlen. Die alte Kirche und der alte Lehrer, Spitzweg hätte ein Bildchen aus zeitloser Zeit daraus gemacht. Wie denn überhaupt etwas Stehengebliebenes über der ganzen kleinen Provinzstadt lag. Indessen hatte der Zeitgeist immerhin einen Abstecher auch nach Chauny unternommen: ein Holzbau war da, an dem stand: Skating Rink; eine Rollschuhbahn also. Die war wohl mal der Treffpunkt der jeunesse dor£e von Chauny gewesen. Auch scheint es dort Variete ober Kabarett gegeben zu haben. Plakate von Pariser Gastspielgesellschaften waren in Resten noch daran zu sehen. Paris die Leute verdrehten die Augen und schnalzten vielsagend mit der Zunge, wenn sie davon sprachen:Paris, ah Paris!"

Es ist nicht weit von Chauny nach Paris. So hundert Kilometer vielleicht. Sv wie von Berlin nach Wittenberg ober nach Bitterfelb etwa.

Lotterie und Moral.

Vor 150 Jahren herrschte ein heftiger Streit dar­über, ob das Lotteriespiel als moralisch oder un­moralisch anzusehen sei. Allmählich beruhigten sich die Gemüter jedoch wieder, und 1819 stellte ein Geistlicher in einem Buch mit dem Titel:Bern­hard und Philibert, Gespräche über Glücksspiele" fest:Man kann mit Recht sagen, daß die Lotterien ihrem Grunde nach unschuldig sind; denn man hat sie allerdings anzusehen als eine Art freiwilliger Geschenke und Gaben, welche auf eine billige Ma­nier aus vielen Beuteln gesammelt und nach des Glückes Zufall wieder ausgeteilt werden. Es ist dabei kein Betrug, noch gottloses Wesen zu befin­den: sondern ein Jeder, welcher sich entschließt einzulegen, hat Sicherheit genug, daß er nach sei­nem Lose dasjenige werde richtig erhalten, was ihm das Glück oder die Vorsorge Gottes möchte darin bescheeret haben .." Diese vernünftige Auf­fassung hat sich im Laufe der Zeit durchgesetzt; heutzutage wird es keinem Menschen einfallen, das Lotteriespiel alsunmoralisch" zu bezeichnen. Mit der Deutschen Reichslotterie als einem staatlichen Unternehmen ist die beste Garantie für einen in jeder Hinsicht einwandfreien Verlauf gegeben.