Ausgabe 
17.10.1940
 
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Zum großen Erfolg!

Der Gauobmann

zur Reichsstraßensarnmlung.

NSG. Der Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront, Gauamtsteiter Becker, richtet an die Schaffenden des Gaues Hessen-Nassau folgenden Appell:

Wieder sind alle Schaffenden zu einer Reichsstra- fzenfaw.mlung für das kriegswinterhilfswerk ange- treten. Die Heimat konnte auch auf dem Gebiet des Dinterhilfswerkes Erfolg neben Erfolg stellen, würdig den gewaltigen Ereignissen, die das erste Kriegsjahr brachte.

Denn nun erneut an uns der Ruf ergeht, bei der Reichsftratzenfammlung am Samstag und Sonntag, die die Deutsche Arbeitsfront durchführt, unsere Pflicht zu erfüllen, dann erwarte ich von allen Betriebsführern, Betriebsobmännern, Der- trauensratsmitgliedern und Werkscharmännern, daß sie unter vollem Einsatz auch diese Sammelaktion, die unter der alten Parole

Schaffende sammeln Schaffende geben steht, zu großem Erfolg führen!

Gastspiel des Stadttheaters Gießen in Alsfeld.

A Alsfeld, 16. Oft Im Rahmen des Winter - programms der Kulturgemeinschaft Alsfeld der NSG.Kraft durch Freude" wurde die diesjährige Veranstattungsreihe mit einem G a st spiel des Stadttheaters Gießen eröffnet, das die be­kannte Lehärfche OperettePaganini" zur Auffüh­rung brachte. Es war ein sehr erfreulicher Auftakt für das Winterprogramm. Die Leistungen der Gie­ßener Künstler und Künstlerinnen fanden verdien­ten, oft stürmischen Beifall. Die Aufführung hinter­ließ den besten Gesamteindruck. Der Abend war ein voller Erfolg für das Gießener Stadttheater. Das Haus war bis auf den letzten Platz besetzt. Im Ja­nuar wird als weiteres Gastspiel im Rahmen des Winterprogramms die Zellersche OperetteDer Vogelhändler" durch ^die Gießener Künstler zur Auf­führung gelangen. Es ist sehr erfreulich, daß die jahrelang bestandenen Gastspiele des Stadttheaters Gießen in Alsfeld, das schon unter der Leitung von Hofrat Steingötter im Winter hier regelmäßig gastierte, hoffentlich nun für dauernd wieder aus­genommen worden find.

Gallusmarkt in Grünberg.

"+ Grünberg, 16. Okt. Bei günstigem Wetter nahm der erste Tag des Gallusmarktes einen guten Verlauf. Schon der Morgen brachte zum Vieh- und Schweinemarkt zahlreichen Verkehr, aber auch später war der Besuch wider Erwarten gut. Besonders die gegen Mittag einlaufenden Züge brachten starken Zustrom. An Stelle des sonst viel benutzten Autos trat dieses Jahr das Fahrrad wie­der mehr in den Vordergrund, namentlich die Jugend der Umgegend kam kolonnenweise mit Fahr­rädern an.

Die Besetzung der Juxplatzes war verhältnis­mäßig stark und übte wieder die alte Anziehungs­kraft auf die Jugend aus. (Heber den Verlauf des Schweinemarktes haben wir gestern schon berichtet.) Auch der Krämermarkt wartete mit rund 60 Stän­den auf, annähernd die Hälfte wie sonst. Der Ver­kauf war recht rege. So zeigte der Markt auf der Käswiese bis zum Einbruch der Dunkelheit das all­jährlich gewohnte Bild. Dazwischen flutete der Ver­kehr zwischen Markt und Stadt hin und her. Die Geschäfte, Wirtschaften und Bäckereien hatten reich­lich Zuspruch, und hier mußten alle Hände mit­helfen, um alle Ansprüche zu befriedigen.

Eine besondere Rote erhielt aber der diesjährige Gallusmarkt durch dieBunten Großveranstaltun-

Lebensmrttelkarten-Llmiauschn«rseltennoiwendig

Wenn sich bisher schon vor Antritt einer kleineren Reise oder Wanderung der Umtausch der Lebensmittelkarten in Reise- und Gaststättenmarken durch die Unterteilung der Normalkarten in kleine Eistzelabscdnitte erübrigte, so wird dieser Umtausch in Zukunft auch bei längeren Reisen nur noch in seltenen Fällen notwendig werden.

Alle Lebensmittelkarten, die der Normalverbrau­cher erhält, sind bekanntlich Reichskarten und haben im ganzen Reichsgebiet Gültigkeit. Jede deutsche Gaststätte und jedes deutsche Hotel nimmt die nicht bestellscheingebundenen Abschnitte der Le­bensmittelkarten entgegen. Die Freizügigkeit der Lebensmittelkarten wird nunmehr mit Beginn der neuen Versorgungszeit (21. Oktober) noch wesentlich vergrößert, und damit wird der Kartenumtausch er­heblich eingeschränkt werden können. Bei der F l e i s ch k a r t e fällt nämlich die Bindung der -lin­ken Kartenabschnitte an den Bestellschein' für den Verzehr in Gäststätten und Hotels weg. Damit ist ein Umtausch der Fleischkarte in Reichs­mark en nicht mehr notwendig. Die bis­her auf je 100 Gramm lautenden Einzelabschnitte der linken Seite der Fleischkarte sind durchweg in

Weltanschauung und Wohlfahrt.

Die Aufgaben der NG.-Dolkswohlfahrt.

NSG. Was jahrhundertelang in Staaten und Gemeinden an Fürsorgearbeit betrieben wurde, ging über eine mehr oder weniger erweiterte Armenpflege nicht hinaus. Erst dem Nationalsozia­lismus war es Vorbehalten, die Wohlfahrtspflege als eine schon vorbauende und vorbeu­gende Maßnahme zu erkennen und ihr die alle Gebiete des sozialen Lebens umfassende Vielseitig­keit zu geben. Es hätte deshalb auch keinen Sinn gehabt, die vorhandenen Fürsorgeeinrichtungen zu übernehmen und sie mit nationalsozialistischem Geiste zu erfüllen, denn dazu war vorher zu wenig auf das organische Ganze geachtet gewesen und ein jeder hatte lediglich versucht, für seine weltan­schaulich gebundene Organisation ein Privileg zu erringen.

Es ist aus diesem Grunde notwendig gewesen, eine Einrichtung zu schassen, die auf der Grundlage der nationalsozialistischen Weltanschauung für das ganze Volk arbeitet. Es kann keine Wohlfahrts­pflege als Selbstzweck geben. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, im Dienste des Staates zum Wohle des gesamten Volkes zu stehen.

Die NSV. lehnt es ab, ihre Arbeit aus Mitleid zu hin. Aber ihre Arbeit muß den Menschen, der von ihr betreut wird, stark machen. Wohlfahrtsar­beit ist in erster Linie Erweckung des Selbstbe­hauptungswillens. Gerade deshalb hat auch der Führer die Weiterführung des Winterhilfswerkes gewünscht, obschon es in Deutschland keine Not mehr gibt, für deren Beseitigung solche Anstrengungen gemacht werden müßten. Es ist ein Erziehungs- werk, durch das jeder veranlaßt wird, nicht nur fein eigenes Leben zu sehen, sondern das Leben der

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gen" der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" in der Turnhalle. Während die Nachmittagsveran­staltung schwöchren Besuch aufwies, war der Zu­drang zur Abendveranstaltung derartig stark, daß die geräumige Halle bis auf den letzten Platz be­setzt war; viele mußten umkehren, da kein Platz mehr vorhanden war. Die Veranstaltung war für Grünberg ein großes Ereignis: das besagen schon die Namen der mitwirkenden Künstler und Künst­lerinnen. Es waren dies: Charlotte Schütze vom Deutschen Theater in Wiesbaden als Soubrette, das Ballett Wilius Senzer, Mainz, die fünf Sorgen­brecher, Harry Grüneke vom Stadttheater Gießen als Ansager, der vielseitige Musikclown Kemp-Ar-

50-Gramm-Abschnitte aufgeteilt worden und kön­nen in jeder Gaststätte abgegeben werden. Im übri­gen sind die R e i ch s f e t t k a r t e n , die auf je 5 oder 10 Gramm lautenden Kleinabschnitte, sowie bei der R e i ch s b r o t k a r t e A und B die auf je 50 bzw. 10 Gramm lautenden Kleinabschnitte für die meisten Reisen völlig ausreichend und machen deshalb den Umtausch in Rei.semarken entbehrlich. Bei der Nährmittelkarts können die auf je 25 Gramm lautenden Abschnitte an Stelle von Reisemarken in den Gaststätten ab­gegeben werden. Vor Antritt einer Reise muß aller­dings die Nährmittelkarte, um sie als Reichskarte überall verwenden zu können, durch das zuständige Ernährungsamt abgestempelt werden.

Der Erhöhung der Freizügigkeit der Reichsfleisch­karte läßt daher, ganz allgemein gesehen, den Um­tausch von Lebensmittelkarten in Reisemarken in Zukunft auf einige wenige wohlbegründete Fälle beschränken. Unnötiges Warten an den Schaltkrn des Ernährungsamtes, wie es bisher an den Haupt- umtauschtagen bei Beginn einer neuen Versor­gungszeit oft unvermeidlich war, wird dadurch vie­len Volksgenossen erspart bleiben.

Gesamtheit. Dieser Erziehungsauftrag ist politisch außerordentlich bedeutsam. An der Bereitwilligkeit zur Mitarbeit am Leben der Gesamtheit wird zu einem Teil das Verständnis des Einzelnen für die Maßnahmen der Partei ermessen.

Aus der gemeinsamen Verpflichtung erwächst der bevölkerungspolitische Auftrag der NSV., der sich im HilfswerkM u 11 er und Kind" wieder­spiegelt, das in 1265 Hilfsstellen den Müttern des Gaues Hessen-Nassau Rat und Beistand gewährt. Mehrere Mütter- und Kinderheime sind als Zeugen einer zur Tat gewordenen Volksgemeinschaft ent­standen. 125 mit NS.-Schwestern besetzte Gemeinde­stationen sind im Dienste der Volksgesundheit tätig. 658 NSV.-Dauer-, Ernte- und Hilfskindergärten stehen für die Betreuung unserer vorschulpflichtigen Kinder im Gau Hessen-Nassau zur Verfügung.

lieber 50 000 ehrenamtliche Helfer der NSV. haben in unserem Gau große politische Aufgaben zu erfüllen. Ohne diese ehrenamtliche Mitarbeit wären die gewaltigen Aufgaben nicht zu löfen Jeder Helfer wird deshalb das Bewußtsein, prak­tisch mitarbeiten zu dürfen, als eine besondere Ge­nugtuung empfinden. Es müssen daher immer wie­der neue Menschen an die NSV.-Arbeit herange­führt werden, um sie nach ihren Anlagen und ihrer Begabung teilnehmen zu lassen an der Wandlung zur neuen weltanschaulichen Gestaltung.

Es ist eine Sendung der NS.-Volkswohlsahrt, auf dem Gebiete der sogenannten freien Wohl­fahrtspflege besonders diejenigen Ausgaben vor­wärts zu treiben, deren Erfüllung einer völkischen Pflicht entspricht.

noldi, der jugendliche Akkordeonsolist Ernst Form- halms, die drei Elanos, Exzentriker und das Salon­orchester einer Panzereinheit unter Leitung von Ka­pellmeister Graf. Stürmischer Beifall wurde den hervorragenden Darbietungen der Künstler zuteil. Der NSG.Kraft hurch Freude" gebührt für diese großartige Veranstaltung besonderer Dank.

Landkreis Gießen.

Watzenborn-Steinberg, 16. Okt. Der seit Kriegsbegjnn zur Wehrmacht einberufene Weißbinder Karl Kolmer von hier wurde zum Unteroffizier befördert und für Tapferkeit vor dem Feinde bei den Kämpfen im Westen mit dem Eiser­

nen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Auf Grund frefa williger Meldung gehörte er bereits 1935/36 ein! Jahr der Wehrmacht an und. nahm auch an dem Einmarsch in das Sudetenland teil.

# Mainzlar, 16. Oktober. Der Gefreite Willi Kirdorf von hier wurde am 1. Oktober zum Un­teroffizier befördert. Am Sonntag begann auf dem hiesigen Schießstand das öffentliche Preis* schießen zugunsten des Kriegs-WHW. Der Besuch war sehr rege, ein Zeichen dafür, welch großer Beliebtheit sich das Kleinkaliberschießen bet alt und jung erfreut. Das Schießen wird am kom­menden Sonntag fortgesetzt.

Kreis Alsfeld.

* Burg-Gemünden, 17. Oki. Hier wurds der 17 Jahre alte Karl Otto Stein von einem Bulldogg angefahren und leider schwer verletzt. Der Bedauernswerte erlitt einen Schädelbasisbruch und eine Gehirnerschütterung. Das Rote Kreuz mußte ihn nach - Gießen in die Chirurgische Klinik ein­liefern.

Kreis Wehlar.

* Hörnsheim, 17. Okt. Der 18 Jahre alte Spengler Richard Glaum von hier stürzte bei Bauarbeiten so unglücklich ab, daß er einen Schä« delbasisbruch und einen Unterarmbruch davontrug. Der bedauernswerte junge Mann mußte nach Gie« ßen in die Chirurgische Klinik verbracht werden.

Frankfurter Schlachlviehmarkt.

Frankfurt a. M., 17. Okt. (Vorbericht.) Es kosteten: Ochsen 37 bis 46,50 RM., Bullen 35 bis 44,50, Kühe 20 bis 44,50, Färsen 36,50 bis 45,50, Kälber 34 bis 59, Hämmel 34 bis 51, Schafe 12 bis 44, Schweine 50 bis 58 RM. Marktverlauf; Alles zugeleilt.

Dorsicht vor Kohlenoxydvergistungen.

Die bevorstehende Winterzeit hat dem Reichs- arbeitsminister Veranlassung gegeben, vor unge­eigneter Beheizung der Arbeits- und Aufenthalts« räume, der Aborte und der Einstellräume von Kraftwagen zu warnen. Bei jeder Verbrennung von Kohlen, Leuchtgas und Motortreibstoffen kann Kohlenoxyd in gesundheitschädlicher, ja selbst töd­licher Menge entstehen. Es ist deshalb gefährlich und unzulässig, geschlossene Räume mit offenem Kohlenfeuer ohne Abzug der Verbrennungsgase zu heizen. Auch sogenannte G l ü h st e i n e aus Küh­ler- und Autoheizungen dürfen zum Beheizen ge­schlossener Räume nicht benutzt werden. Ihre miß« bräuchliche Benutzung hat in vergangenen Wintern mehrfach tödliche Unfälle verursacht. Besonders ge­warnt werden muß vor der Beheizung der Gara­gen durch die M o t o r a b g a f e. Das Laufenlassen des Motors in geschlossenen Einstellräumen für Kraftwagen ist lebensgefährlich und deshalb un­bedingt verboten.

Zwiebeln im Zopf - lustig und trocken.

Auf dem Lande hat sich vielfach eine altbewährte Art des Ausbewahrens von Zwiebeln erhalten. Sie ist praktisch und wertvoll, so daß sie besonders für die Aufbewahrung von kleineren Mengen allgemein empfohlen werden kann. Die Zwiebeln werden nach diesem Verfahren nach der Ernte und nach dem Abtrocknen nicht wie sonst üblich abge­dreht: das lange Kraut wird vielmehr zusammen- geslochten, so daß die Zwiebeln einen Zopf bilden. Diese Arbeit ist kaum größer als das Abdrehen jeder einzelnen Zwiebel, also das Entfernen des Krautes. Wenn die Zwiebelköpfe nicht zu groß und schwer sind ein Gewicht von mehr als einem Kilogramm ist uiworteilhast lassen sie sich be­quem in einem frostsicheren Raum an einer Schnur nebeneinander aufhangen. Sie nehmen so keinen Platz im Vorratsraum in Anspruch Und können an der Lust gut nachtrocknen, so daß Verluste durch Fäulnis ausgeschlossen find. Außerdem sind die Zwiebeln bei dieser Aufbewahrungsart immer zur Hand. Je nach Bedarf kann der Zwiebelzopf ganz oder teilweise ab genommen werden.

ROMAN VON

MARIA von KIRCHBACH

ftn der letzten Minute vor seinem Tod war es dem Professor Arturo Landi, als stehe er auf dem Pu Khao Tong, dem Goldenen Berg. Unter ihm breitete sich Bangkok, die königliche Stadt, mit" ihren hundert Tempeltürmen, deren märchenhafte Pracht in der Sonne aufglühte. In den trägen Fluten des Menam spiegelte sich die flammende Keramik des Wat Arun, des Tempels der Morgenröte, dessen Gold, Blau, Kupferbraun und Rosenrot im Wasser zu tausend bunten Scherben zerbrochen schien, wenn die Rüder eines vorbeigleitenden Bootes die Fluten zerteilten.

Der Wind spielte in Den Aesten der Baume um den Grabbau Buddhas. Eine Prozession zog heran. Die Menschen in ihren gelben und blauen Gewändern wirkten wie Schemen, un­geheure Pilzhüte verdeckten ihre Gesichter.

Arturo Landi fühlte heiße Freude, daß es ihm doch gelungen war, allen Hindernissen zum Trotz, nach unendlichen Leiden herzukommen. Run tauchte die Spitze des Zuges aus den Bäumen auf, nun drängte auch die Masse der Pilger in den Klosterhof. Er faßte Elmas Hand, um nicht von ihr getrennt zu werben. Durch die Seide ihrer Bluse fühhte er ihre zarte Haut. Er hätte ihr etwas sagen wollen, aber es schien ihm, fein Herz werde eher zerspringen, als daß er Worte finden könne. Und wäbrenddessen warf sie der mächtige Pilgerstrom, daß sie wie ein Ball auf den Wogen tanzten. Ihm war, als ob Elma seufzte.3d) kann nicht mehr atmen", sagte sie.Sie zerdrücken mir die Brust."

Jetzt waren aller Augen auf ihn gerichtet. Sie wollen uns toten", schrie Elma auf. Er stand flach gegen die Mauer gepreßt, daß die roh behauenen Steine ihm in den Rücken dran, gen. Elma war unter den Füßen der Pilger verschwunden. Aber er konnte sich weder bücken noch schreien. Er konnte auch nicht mehr atmen. Sein Herz schwang wie eine Glocke gegen feine Rippen. Plötzlich fühlte er, wie seine Wirbel»

äule brach. Nun bin ich tot, dachte er. Er pürte einen Schmerz, der wie ein Lanzenstich einen Körper durchstieß. Sein Kopf fiel aus eine Brust, Finsternis umgab feine Augen.

Elma Landi beugte sich über den Toten. Sein Gesicht, durck) Jahre des Leidens abgezehrt, glich einem aus Wachs gebosselten Bildnis. Der Mund war halb offen, die Nase mit den feinen Flügeln ragte zwischen den dichten Bogen der Brauen. Die Augen waren van bleifarbenen Schatten umgeben, zwischen den dunklen Wim­pern hervor gläyzie die erstorbene Pupille. Aus der Stirn standen feine Schweißtropfen.

Er war stumm hinübergegangen. Hatte er ge» litten? Hatte irgendein Traum ihn noch beun­ruhigt?

Sie neigte sich und durchforschte dieses tote Desicht. Die Augen gaben keine Antwort. Aber der Mund, der so ausdrucksvoll in Zärtlichkeit und Spott gewesen war, sprach noch. Er sagte ihr: Ich war müde. Ich bin gern schlafen ge­gangen. Nur die hochgezogenen Augenbrauen schienen abweisend in Verwunderung.

Sie richtete sich auf und atmete tief. Sie hatte gedacht, daß der Tod sie erschüttern werde. Aber nun stand sie erstarrt, ohne jedes Ge­fühl. Sie konnte nicht umhin, über sich selbst zu staunen.

Sie ging mit wankenden Knien zum Fenster und schob die Vorhänge beiseite. Did Helle der ersten Frühe mischte sich mit dem Schein der Nachtlampe, die unter einem mattgrünen Schirm brannte. Sie öffnete das Fenster, um die er- stickende Luft des Krankenzimmers hinauszu- lassen. Sie stand und füllte die Lungen mit dem jäh eindringenden Hauch des Morgens, daß ihr schwindelte und sie sich am Vorhang fest­halten mußte.

Dann wandte sie sich wieder um. Sie löschte die Lampe, sie schloß den noch cmfgeschlagenen

Grammophonkasten und ordnete mechanisch die Gegenstände auf dem Arzneitisch. Das Glas, aus dem der Tote getrunken hatte, war leer. Aber auf der Platte lag noch eines der Röhr» chen, aus denen eine hastige Hand die Tablet­ten herausgerissen hatte. Sie ergriff die Röhr- chen. Eines zersplitterte an dem buntgefleckten Terrazzogestein des Bodens. Das andere fchleu» derte sie hinaus in den Garten, irgendwohin, ohne Vernunft, ohne Bewußtsein.

Eine sanfte Glut färbte schon den Himmel. Der ganze Garten erschauerte im Frühwind. Sechs schlug die Turmuhr. Das Weiß des Kies» gerölls auf den Wegen und das dunkle Grün des Buchfes und der immergrünen Sträucher wirkten kalt und traurig.

Auf einmal spürte Elma, daß sie vom Kopf bis zu den Füßen erzitterte, daß Schweiß aus allen Poren brach und ihre Haut überströmte. Es war ihr, als wache sie aus einem Traume auf und begreife erst jetzt, was sich zugetragen hatte. Sie trat nochmals an das Bett, auf dem der Tote lag. Die Mundwinkel hatten sich gesenkt, die Brauen ihre Spannung verloren. Sie drückte die Augen zu. Sie nahm eine der schlaff auf der Decke liegenden Hände und küßte sie. Sie legte die Hand zurück. Dann ging sie durch das Schreibzimmer auf Den Flur hinaus. Sie ergriff den Hörer des Telefons. Auf der anderen Seite meldete sich eine schläfrige Stimme:Doktor Ricordi."

Hier spricht Elma Landi. Mein Mann ist soeben gestorben. Ich bitte, kommen Sie."

Sie wartete im Schreibzimmer, bis das Schrillen einer Glocke ihr den Arzt ankündigte. Niemand war in der kleinen Villa als sie; der Gärtner und Pförtner und feine Frau waren einer Erbschaftssache wegen nach Ostia verreist. Sie schritt zur Tür und ließ Ricordi ein, wie noch zuletzt vor zwei Wochen.

Der Arzt, schmächtig und streng, folgte Elma in das Schlafzimmer. Inzwischen war die Sonne voll aufgegangen.

Dr. Ricordi untersuchte den Entseelten mit einiger Umständlichkeit. Er streckte die Hand nach dem Glas aus. Scharf blickte er Elma an. Wollen Sie mir nicht sagen, Signora, wie das geschehen konnte?" Er räusperte sich und wartete.

Ich weiß es nicht", sagte die Frau mit leiser, belegter Stimme.

Sie wissen nicht, Signora?"

Mein Mann hat heute nacht, als ich nicht bei ihm war, eine Ueberdosis feines Schlaf mit» tels genommen. Er hatte mir verboten, Sie wieder zu rufen. Seit vorgestern litt er an krampfartigen Anfällen, die ibn fast verrückt machten» Sein Leben war, bedenken Sie, eine

Kette von Qualen, deren Ende nicht abzusehen wär. Nuss ist er von diesen Qualen erlöst."

Der Arzt zuckte mißbilligend die Achseln. Professor Landi war so matt, daß er sich kaum M bewegen vermochte. Es überrascht mich, daß er ohne Hilfe zu solchem Handeln fähig war."

Slma Landi schwieg. Die Blicke des Arztes wanderten. Dieses Schweigen war, er zweifelte nicht mehr daran, ein Verhehlen. Er wollte die Frau fragen, wo die Hülfen der Schlaftabletten feien. Da trat fein Fuß auf Die eine, die zer­schellt war und zwischen den Marmorstückchen des Bodens glitzerte. Das Bild des Kranken» Zimmers war in Eile verändert worden, so viel schien sicher.Ich werde", sagte er,die Polizei benachrichtigen müssen. Bitte bleiben Sie in­zwischen nebenan."

Er ergriff seine Inftrumententasche und ging aus den Flur. Kein Laut drang zu Elma Landi. Ihre Stirn brannte, in ihren Augenhöhlen bohrte ein Schmerz, aber dann wurde ihr kalt vor Ekel. Sie sprang auf und lief durch ihr Schlafzimmer in Den Baderaum. Sie mußte erbrechen. Nachher war ihr leichter. Sie ging wieder in das Schreibzimmer. Jetzt waren wohl die Polizeibeamten da. Sie lehnte den Kopf in die Hände.

Der Polizeikommissar fand sie schlafend und mußte sie wecken. Ihr Gesicht war erschöpft, bleich und sehr jung. Sie sah nicht aus wie ein Mensch, der einen anderen mit Vorbedacht töten konnte. Nichtsdestoweniger hatten Die Be­amten festgestellt, daß hier Spuren verwischt worden waren. Drei, vier Schritte vorn Fenster hatte der Detektiv, der den Kommissar beglei­tete, im Gras die leeren Glasröhrchen entdeckt.

Der Kommissar rüttelte Frau Landi am Arm. Signora!"

Sie war sofort wieder wach Ihr Gesicht wurde verkrampft und sah älter aus. Die Lider der ein wenig schief stehenden Augen flatterten. Ich habe viele Nächte nicht geschlafen", ent­schuldigte sie sich.

Es tut mir sehr leid, Signora", sagte Der Kommissar.Ich muß Sie bitten, mit mir zu kommen."

Fortsetzung im neusten Heft der

Berliner Illustrirten