Ausgabe 
17.7.1940
 
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AbendsonnemWölkchen hoch oben im blauen Him­mel dahinsegelte, als von Europa zu sprechen, wenn damit an jeden einzelnen der Staaten und an jeden einzelnen der Millionen von Bürgern dieser Staa­ten die sehr gegenständliche Frage herantritt:Wie rangieren wir uns unter den neuen Umständen?"

Rosenberg selbst hat im Grunde genommen alle Einwände vorweggenommen. Er hat in seiner Rede den simplen Tatbestand in den Vordergrund ge­stellt, daß nur große Ereignisse jene Bewegung schaf­fen, in der große Entschlüsse gefaßt werden können; wenn sich erst einmal alles wieder in ausgefahrenen Geleisen bewegt, dann will das liebe Ich seine Ruhe, seine materielle Zufriedenheit und die Sicherheit des Beharrens haben. Hinter den mehr sentimentalen Einwendungen desSvenska Dagbladet" steht nichts anderes als dieses sehr natürliche Träaheits- gesetz, das eine so große Rolle in dem gesellschaft­lichen Blutkreislauf und in der menschlichen Ge­schichte spielt. \

Das, wasSvenska Dagbladet" sagt, kann einen doppelten Sinn haben: der Hinweis auf die volks- und stammesmäßige Eigenständigkeit der kleineren europäischen Völker kann eine Realität umschreiben; und zweitens kann derselbe Hinweis ein Aushänge­schild sein, der sich an natürliche Gefühle wendet, aoer im Grunde nur jenes gewichttae Trägheits­gesetz meint, das mit vielen schönen Worten an die urältesten Dinge nicht rühren lassen will. Dieses Trägheitsgesetz ist überall m der ganzen Welt in Geltung, in Deutschland wurde das Scherzwort auf die mecklenburgische Verfassung gedichtet, deren Ar­tikel I laute:Wat so is, det blievt so." Nun, auch die Verfassung Mecklenburgs, die sehr lange von diesem Trägheitsgesetz nicht nur im Scherz, son­dern auch in Wirklichkeit bestimmt war, ist in den .letzten dreißig Jahren mächtig verändert worden. Aber wenn trotz aller radikaler Aenderungen jemand den Mecklenburgern ansänne, ihre landsmannschatt- liche Eigenart an den Nagel zu hängen, so würde dieser nur ein Hohnaelächter ernten.

Man hat dem deutschen Volte durch Jahrhunderte erzählt, daß es seine landschaftlichen Eigenarten nun in staatlicher Zersplitterung erhalten könne. Es hat den Weg zu seiner Einheit gefunden, die einmal so fest mit Ketten am Himmel hing wie jenes Stralsund, das 1629 Wallenstein belagert hat. Aber die einheitliche Sinngebung des Lebens hat in Deutschland noch niemals die landschaftliche oder voltlich-stammesmäßige Eigenart geschmälert. Fritz Reuter war vom Scheitel bis zur Zehe MeÄen- burger, aber deutscher Dichter wurde er erst nach der Reichswerdung, und für diese Reichswerdung hat der Mecklenburger Fritz Reuter seineFestungs- tid" stramm abgesessen, was kein Schriftleiter des Svenska Dagbladet" von sich sagen kann und was man ihm auch gar nicht zumutet. Der Weg von Fritz Reuter zu einem neuen Strindberg oder Hei­denstamm ist gar nicht so weit, auch wenn die rein menschlichen Naturelle sehr verschieden sind. Das neue Europa wird Platz haben für jedes Genie, für alle Talente und für manche Käuze. Dr. Ho.

Spanienbrichlsemedezlehungen zu Chile ab.

Madrid, 17. Juli. (DNV. Funkspruch.) Die spanische Regierung gibt in einer amtlichen Rote den Abbruch der Beziehungen zu Chile bekannt. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß Chile durch feine Volksfront-Regierung den spanischen Vaterlandsverrätern stets alle Unterstützung angedeihen ließ und gegenüber der natfonalfpanifchen Regierung immer eine feindfeligehaltung einnahm. Diese erreichte ihren Höhepunkt am 27. Juni, an welchem Tage auf dem größten Platz in Santiago de Chile in An­wesenheit des chilenischen Staatspräsidenten mehrere Redner sich in Übelster Weise gegen Spa­nien und seinen Staatschef General Franco ausliehen. Auf Vorstellungen der spani­schen Regierung wurde mit Ausflüchten geantwortet. Daraufhin sah sich die Regierung Spaniens gezwun­gen, alle Beziehungen zu Chile abzubrechen, ihre konsularischen und politischen Vertreter abzu­berufen und dem chilenischen Vertreter in Madrid, dem Geschäftsträger German V e r g a r a, die Pässe auszuhändigen.

Aegypten soll entwaffnet werden Britischer Anschlag

auf den Rest der Freiheit Aegyptens.

Rom, 16. Juli. (Europapreß.) In den letzten Tagen berichteten Meldungen aus Kairo, die eng­lische Regierung habe die Entwaffnung des ägyptischen Heeres und die Uebergabe des gesamten ägyptischen Kriegsmaterials an die eng-? lischen Besatzungstruppen verlangt. Selbstverständ­lich waren diese Nachrichten von englischer Seite so­fort in Abrede gestellt worden. Nunmehr muß je­doch die Reuteragentur selbst diese Meldungen be­stätigen. Sie verbreitet eme Mitteilung des ägyptt- schen Landesverteidigungsministers, der zwar die umlaufendentendenziösen Gerüchte" zu demen- tteren versucht, aber weiter erklärt, die englische Regierung habe der ägypttschen Regierung den Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß chr das seiner Zeit an Aegypten verkaufte Kriegsmaterial $ u = rüder ft attct werde. Die Stefani-Agentur knüpft an diese Meldung die Bemerkung, die Rückgabe dieses Kriegsmaterials würde einer vollständigen Entwaffnung des ägyptischen Heeres gleich ko mm en. Die Gründe, aus denen die Engländer den Aegyptern die ihnen früher verkauf­ten Waften wegneymen möchten, feien offenkundig. Die Engländer wollten die Aegypter entwaffnen, um ihnen leichter ihren eigenen Willen aufzwingen zu können, d.h. Aegypten zu einer Politik zu zwingen, die den ägypttschen Interessen widerspreche. Großbritannien sei auf diese Weise bestrebt, Aegypten jeden Rest von Selbständigkeit zu nehmen und das Land in ein Schlachtfeld für Die englischen Ziele zu verwandeln.

Italiens Erfolg in Ostafrika.

Rom, 16. Juli. (DNB.)Giornale d' Italia" be­tont, daß Italien mit der Eroberung des Dolo« Zipfels im Nordosten der britischen Kenia-Kolo­nie von einem Gebiet Besitz ergriffen habe, auf das es bereits nach dem Weltkrieg Anspruch erhoben habe. Der Besitz dieses Gebietes sichere Italien in diesem wichtigen Abschnitt Afrikas zahlreiche strate­gische Vorteile. ^3or allem werde damit die Mög­lichkeit direkter Verbindungen zwischen Kisikajo und Mogadiscio und der süd- äthiopischen Küste gegeben. Diese Eroberung ermögliche rasche Zufuhren für die von Mogadiscio nach Moyale vorgestoßenen italienischen Kräfte.

Wenn einmal dieses wichtigste Zentrum des eng­lischen Widerstandes in Kenia gebrochen sei, so werde den Engländern nichts anderes übrig bleiben, als sich hinter den Tana-Fluß zurückzu­ziehen. Außerdem aber habe der italienische Erfolg auch noch eine weitere Folge, indem er ein für alle­mal die Möglichkeit britischer Offensiven in Richtung Dolo ausschließe. Dolo sei ein wichtiger Aus- zangsvunkt von den nach dem Zentrum Abessiniens führenden Straßen. Der italieni­sche Erfolg beweise unzweideutig die Schlagkraft und den Angriffsgeist, den die italienischen Truppen auch in Jtalienisch-Ostafrika haben.

Oie Engländer aus Moyale .erfolgreich zurückgezogen".

Lissabon, 17.Juli. (DNB.) Nach tagelangem Leugnen muß der amtliche englische Heeresbericht jetzt zugeben, daß die Italiener die an der Grenze zwischen Abessinien und Kenia gelegene Stadt M o - y a l e völlig eingenommen haben. Churchill macht aus der Niederlage natürlich wieder einen Sieg. Wörtlich heißt es nämlich:An der Nordgrenze von Kenia wurde die Garnison Moyale in der Nacht zum

(PK.)....., im Juli. (DNB.) Der Staffel-

kapitän Oberleutnant S. hat die Besatzungen zu sich befohlen. Es geht wieder auf Feindflug! Unter uns liegt das besetzte Gebiet. Ruhig fliegen un­sere Maschinen den befohlenen Kurs. Das' Festland liegt kalt hinter uns. Die Wasserfläche des Kanals leuchtet hell zu uns herauf. Ungemein klar ist die Sicht. Weit geht der Blick hinüber bis dorthin, wo sich Englands Küste bereits am Horizont abzeichnet. Noch läßt sich keine feindliche Maschine blicken. Schon können wir die jäh abfallende englische Küste und die breiten Flußmündungen er­kennen. Die Spannung in uns wächst. Was wer­den die nächsten Minuten bringen? Werden unsere Kampfflugzeuge dort drüben, die wir jetzt bemer­ken, unbehelligt von der englischen Abwehr, die gro­ßen Anlagen mit ihren Bomben belegen können?

Da sehen wir rechts vor uns Sprengwölk­chen der Flak. Immer mehr grauwsiße lup­fen zeichnen sich am blauen Himmel ab. Man ver­sucht, das große Werk vor dem Angriff zu schützen. Aber unsere Aufmerksamkeit richtet sich nun nach einem optieren Punkt.Jäger, Jäger!" Ich schaue mich um. Der Flugzeugführer, Oberfeldwebel W., deutet nach der Seite. Ja, dort drüben ein Punkt, der sich schnell vergrößert. Und da wieder einer und dort ... die Zahl der Gegner ver­größert sich. Sie nehmen Kurs auf die Stelle, wo unsere Kampfflugzeuge eben ihr Werk vollenden. Nun beginnt unsere Arbeit.

Mit Vollgas drauf! Wir werden ihnen schon den Weg verlegen. Pfeilschnell zogen unsere Maschinen dahin. Da erkennen die Tommies die drohende Gefahr. Blitzschnell lassen sie von ihrer vermeintlichen Beute ab, wenden sich dem neuen Gegner, uns, zu. Längst ist das ruhige Dahin- fliegen zu einem wilden Kurbeln und Drehen ge­worden. Jeder versucht, den Gegner an seiner ver­wundbarsten Stelle zu fassen, den günstigsten Punkt zum Angriff zu erwischen. Ehe sich die Engländer besinnen können, sind wir hinter ihnen. Vor uns versucht eine Spitfire verzweifelt, einen unse­rer Kameraden abzuschütteln. Er dreht verwegene Rollen, zieht wieder an. Umsonst. Leutnant G. ist hinter ihm her, folgt jeder seiner Bewegungen. Nun hat er ihn in seinem Visier. Sin Feuerstoß. Die Spitfire beginnt zu schwanken. Noch gleitet sie, eine Rauchfahne hinter sich herziehend. Dann aber geht sie in jähem Sturz nach unten. Ein Gegner ist unschädlich gemacht. Wir sehen, wie der englische Flugzeugführer mit dem Fallschirm abspringt und der Erde zustrebt.

Drüben treibt der Kommandeur, Hauptmann O., einen Gegner vor sich her. Der rollt und ttudelt,

15.Juli mit Erfolg zurückgezogen." An­ders geht es nicht mehr.

Neue Lustangriffe auf Gibraltar.

Madrid, 17. Juli. (Europapreß.) Seit dem brittschen Angriff auf die französische Flotte im Hafen von Dran wird Gibraltar t ä g l i ch p o n unbekannten Flugzeugen überflo­gen. Am ersten Tage wurden fünf Bomben auf den Felsen von Gibraltar geschleudert. Die bri­tische Flak und die britischen Kriegsschiffe nahmen stets sofort das Feuer auf, ohne bisher auch nur einen einzigen Treffer zu erzielen. Am Montag er­folgten wieder zahlreiche Einflüge, und zwar um 8, 15, 18 und 19 Uhr und dann mit Unterbrechungen von vierzig Minuten bis in die Nacht hinein. Besonders heftig war der letzte An­griff. Da die englischen Behörden verhindern, daß Nachrichten ins Ausland gelangen, ist es schwierig, die durch die Luftangriffe verursachten Schäden an­zugeben. Den Hafenarbeitern wurde unter An­drohung schwerster Strafen verboten, sich mit der Bevölkerung über die Wirkung der Luftangriffe zu unterhalten. Unter der Bevölkerung Gibraltars steigt die Nervosität.

gleitet dann plötzlich nach ünten. lieber dem Boden fängt er sich wieder und verschwindet . Die Kost­probe hat ihm genügt Aber wo -ist. plötzlich Leut­nant W., der eben noch hinter uns lag? Sollte ihn ein feindlicher Jäger...? Nein, draußen, über dem Küstenstreifen hat er einen Engländer gestellt. Er läßt nicht mehr locker. Der Gegner versucht, aus dem Hagel der Geschoßgarben herauszukommen. Es gelingt ihm nicht, ßeutnant W. sitzt ihm auf dem Nacken. Gleich wird er ich habe den Ge°

Neueste Lagekarte von England. Gezeichnet auf Grund des OKW.-Berichts vom Dienstag, dem 16. Juli. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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danken noch nicht zu Ende gedacht, da ist der Tommy schon abgestürzt. Schneller und schneller stürzt er nach unten, schlägt wie ein Stein auf bem Wässer auf und versinkt. Der Wind treibt den Pi­loten, dem es gelungen ist, mit dem Fallschirm abzulpringen. auf das Land zu. Unser Kamerad hat seinen ersten Luftsieg errungen.

Unser Auftrag ist durchgeführt. Der angreifende Gegner ist versprengt und von seinem Ziel abgetrie­ben worden. Glatt landen unsere Maschinen wieder auf dem Flugplatz. Keiner fehlt. Caratiola.

Das Bayreuth der Arbeiter und Soldaten.

Bayreuth, einst ein Treffpunkt aller wirklichen Musikenthusiasten und auch jener Welt, in der man ich nicht langweilt; heute ein Wallfahrtsort von Arbeitern und Soldaten, wobei KDF. die Regie dieser Wallfahrt zur Kunst in eine idyllische deutsche Stadt übernommen hat. Aus dem mitteldeutschen Industrie- und Braunkohlenrevier von Halle und Umgebung sind bereits die erstell zwei Züge ein- getroffen, wobei die Reichsbahn Wert darauf legte, rund 2500 Bayreuth-Gäste in modernsten Wagen zu dfördern. Man kann sich wohl vorstellen, wie chon dieAuffahrt" durch Thüringen, das grüne Herz Deutschlands, mit seinen weiten Fichten- und Tannenwäldern und idyllischen Tälern für die Menschen aus der Magdeburger Börde eine höchst erquickliche Abwechslung gewesen ist. DieSaison" wurde eröffnet mit demFliegenden Holländer".

Zur gleichen Zeit lesen wir das Telegramm, daß das Londoner Philharmonische Or­chester unter Sir Thomas Beecham eine Aus­landsreise unternehmen muß ... zu dem eingestan­denen Zweck, den überaus mißlichen Finan­zen des Orchesters wieder einigermaßen auf die Beine zu helfen. Schon vor Ausbruch des Krieges hat Sir Beecham einer der weniger wirklichen temperamentvollen Musiker, die England hat, eine Landsleute in einem sehr drastischen Brief auf )ie finanzielle Schwindsüchtigkeit seines Orchesters aufmerksam gemacht. London, die größte Stadt der Welt, hat keine ständige große Oper wie wir in Berlin oder Wien oder München ober Dresden ober Hamburg ober Köln ober Frankfurt, fonbern ist auf Gastspiele durchreisender Theatergruppen angewiesen! In bieses Bilb paßt es, baß mit bem Kriegsbeginn im September 1939 mehr als 40000 Bühnenschaffende, Sänger, Musiker, Schauspieler unb Regisseure auf b i e Straße gesetzt wür­ben. Einzelne berühmte Schauspieler bas Star­wesen kommt aus Englanb! weiß Lonbon zil eiern. Mit biesen Renommier-Psunben, bie für bas reiche Englanb boch nur ein Bettelgroschen sind, tauft sich die society, dieGesellschaft", von der echten Kunstpflege los.

kömmltch, unb die Regierung könne unten feinen Umständen das Risiko auf sich nehmens Kindertransporte ohne Begleitschiffe nach UeberseS zu entsenden. Das Haus, bas die Ausführungen Attlees schweigend aufnahm, geriet erst bann wieder in Bewegung, als ein Abgeordneter der Labour Party die peinliche Frage an die Regierung stellte, wie es denn möglich gewesen sei, Tochter und Sohne bemittelter Kreise Englands nach Uebersee in Sicherheit zu bringen, ja sogar Kin­der von Kabinettsmitgliedern nach Nordamerika und Kanada zu schaffen. Es müsse auf das Volk einen sehr merkwürdigen Ein­druck machen, wenn es Kenntnis davon erhalte, daß für. die Kinder bemittelter Kreise genügend Ge­währ zur sicheren Ueberquerung der gefährdeten Ge­wässer gegeben sei.

Daß es sich bei dem bisher erfolgten Abtransport von Kindern aus England nach den Vereinigten Staaten tatsächlich nur um die Söhne und Töchter wohlsituierter Eltern handelt, wird nun auch von englischer Seite ausdrücklich bestättgt. Der Daily Telegraph" schreibt über die Ankunft der evakuierten Kinder in Neuyork:Es muß betont werden, daß die Kinder, die heute und gestern hier eingetroffen sind, ausschließlichdie K i n- der wohlsituierter Eltern sind, die zu­meist Freunde oder Verwandte in den Vereinigten Staaten haben." Interessant ist ein Blick in die Liste der Flüchtlinge, die dieDaily Mail" ver­öffentlicht. U. a. werden dort angeführt: Lady K n o 11 y s mit zwei Kindern, Lady Bailey mit Kindern,Baron und Baronesse" Alfonse R o t - schilb mit Sohn und Töchtern, die Frau des jüdischen Warenhausmagnaten Frau Siefs, mit Sohn und die Kinder des Chefs der Imperial Che­mical, Lord Melchett. Man sieht daraus, er han­delt sich nur um Kinder gut gestellter Eltern, gro­ßenteils jüdischer Rasse.

Britischer Lustangriff auf Kopenhagen.

Stockholm, 16. Juli. (Europapreß.) Kopen­hagen ist in der Nacht zum Dienstag erneut einem Luftangriff ausgesetzt worben. Eine Anzahl eng­lischer Flugzeuge erschien kurz vor Mitternacht in der Nähe der dänischen Hauptstadt und warf dort wahllos Bomben ab. Der Angriff soll eineinhalb Stunden gedauert haben. Heber Perso­nen- ober Sachschäden ist nichts bekannt.

England bereitet neue Verletzung internationaler Abmachungen vor.

Berlin, 16.Juli. (DNB.) Der britische Rund- fünf stellt am 15.7. die Behauptung auf, daß die deut- schen Fabriken jetzt täglich 21 Stunden lang Gift­gas her st eil en und knüpft daran bie ironische Bemerkung, Deutschland würbe sich sicherlich bald über bie Verwendung von Giftgas durch England zu beklagen haben. Die Absicht, bie der britische Rundfunk mit seiner Meldung verfolgt, ist allzu durchsichttg, als daß sie in der Welt Ein­druck macht. Deutschland hat den Krieg bisher streng nachden Bestimmungen des Döl kerrechtes geführt. Jetzt aber scheinen bie Bri­ten wieder einmal, wie schon so oft, eine neue Verletzung internationaler Abmachungen be­gehen zu wollen. Die Begründungen hierfür sollen angeblich deutsche Vorbereitungen zum Gaskrieg sein, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Wir warnen England!

Rücktritt des japanischen Kabinetts.

Tokio, 16. Juli. (DNB.) Dos Kabinett Ponai ist am Dienstag zurückgetreten. Doch wurde Ministerpräsident Ponai vorn Kaiser gebeten, bis auf weiteres *irn Amt zu bleiben.

Dazu berichtetTribuna" aus Tokio, beson­ders bedeutsam erscheine die Tatsache, daß die Seinukei, eine der beiden bedeutendsten Par­teien Japans, nach 41jährigemBestand die Selbst­auflösung beschlossen habe, um die Bildung einer Nationalen Einheitspartei zu fördern. An der Spitze dieser Einheitspartei solle der ehemalige Ministerpräsident Fürst K o n o y e stehen. Auch die Fraktion Kuhara der Seiyukei- Partei habe sich aufgelöst. Auch die reformistische Fraktion Nakajima werde sobald als möglich den gleichen Beschluß fassen. Kriegsminister-H ata habe vor dem Ministerrat am Dienstag dem Mini­sterpräsidenten Ponai Mitteilungen über die Hal­tung der militärischen Kreise zu der neuen nationa­len politischen Organisation gemacht. Der Kriegs­minister habe den Ministerpräsidenten ersucht, diese Einstellung der militärischen Kreise zu berücksich­tigen.

Wird England unter Kriegsrecht gestellt?

Stockholm, 16. Juli. (Europapreß.) Ganz England soll, wieNya Dagügt Allehanda" mitteilt, jetzt unter Kriegsrecht gestellt werden. Be­sondere Kriegsgerichte sollen im ganzen Land er­richtet werden, um alle Personen, die gegen die Notverordnung verstoßen, sofort abzurteilen. Be­reits am Montag wurde ein Pastor zu vier Wochen Gefängnis verurteilt, weil er die Glocken seiner Kirche hatte läuten lassen. Damit hatte er gegen bie Verordnung verstoßen, das Kirchenglocken nur bann geläutet werben sollen, wenn feindliche Fall- schirmttuppen gesichtet werden. Eine große An­zahl von Personen wurde in den letzten 48 Stun­den zur Rechenschaft gezogen, weil sie gegen das Schweigegebot verstoßen hatte. Das behördliche Eingreifen trägt in London keineswegs zur Be­ruhigung bei, sondern vergrößert im Gegenteil die Nervosität. Der Regierungsvorschlag der Ausrufung des Kriegsrechts im ganzen Land begegnet teilweise

schon scharfer Kritik.News Chronicle" schreibt, damit würden die letzten Rechte, die jedem Staatsbürger nach der Verfassung zuständen, £ e nommen. Es würde eine gefährliche Situation entstehen, wenn die Regierung bie Zivilgerichte durch rein militärische Gerichte ersetze.

Die in ganz England mit großer Sorge und Spannung erwartete Erklärung über die Frage des Abtransports der Minderjährigen aus England nach Uebersee wurde am Dienstag» nachmittag im Unterhaus abgegeben. Lordstegelbe- wayrer 21 tt I e e bestätigte die bereits in der letzten Woche veröffentlichte Verlautbarung, daß England unter bpn gegebenen Umständen nicht in der Lage sei, Kinder nach Uebersee in «Ächerheit zu bringen, obwohl von den Dominien sowie von den Vereinigten Staaten alle nur erdenklichen Erleich­terungen getroffen worden seien. Die Kriegs- m a r t n e fei in dieser gefahrvollen Zett nicht ab-

Luftwaffen-Kriegsberichter werden unterrichtet.

General der Flieger W. unterrichtet in feinem Standort Berichter einer Lustwaffen-Kriegsberichter- Kompanie über bevorstehende Operationen. (PK.-Lübbert-Scherl-M.)

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Lustkampf über Englands Küste.