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diontag, tu Juni 1940

Rr.t4I Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

$d.1846 Gießen im Mgsjahr 1939/40

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Friedenszeiten erprobten und bewährten Maßnah­men nicht in Anwendung kommen können. Es ist verständlich, daß die östlichen Gaue des Reiches als Aufnahmegebiet mehr und mehr in Frage kom­men und die westlichen Gebiete zu entlasten haben. Die Gaue Sachsen, Mark Brandenburg und vor­wiegend Ostpreußen, das gegenüber 12 000 Frei­plätzen in Friedenszeiten durch den ausdrücklichen Einsatz seines Gauleiters die Zahl der Freiplätze auf 56 000 vermehren konnte, sind in diesen Wochen das Reiseziel unserer Kinder aus dem Gau Hessen- Nassau. Dort werden sie für mehrere Wochen Er­holung finden.

Diese von der NSV. auch im Kriege aufgenom­mene Erholungspflegearbeit soll der Kräftigung und Gesunderhaltung der deutschen Jugend dienen, derjenigen Jugend, gegen die, als auch gegen deren Mütter England einen Krieg zu führen gedachte. Die Jugenderholungspslege der NS.-Volkswohlfahrt und innerhalb dieser die Kinderlandverschickung sol­len zu ihrem Teil dazu beitragen, den uns auf­gezwungenen Kampf siegreich zu bestehen.

an dem Lehrgang für Mannschaftsturnen in Wetz­lar. Bei einem im Zusammenhang damit durchge­führten Wettkampf konnte die Mannschaft von 1846 als Sieger hervorgehen. Eine Leichtathletikgruppe habe unter der Leitung von Else Ludwig die Uebungsarbeit ausgenommen. Im Rahmen von Ka­meradschaftsabenden sei für die Kameraden im Felde gearbeitet und ihnen manche Freude gemacht worden. Am Frauenturnen könnten noch mehr Frauen und Mädchen teilnehmen; die Fechtriege habe Zugänge zu verzeichnen.

Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde die neue Einheitssatzung des NSRL. besprochen und einstimmig gutgeheißen. Es wurde im Zusammen­hang damit beschlossen, den Namen des Vereins un­verändert beizubehalten. Bei der Vereinsführerwahl wurde der bisherige Vereinsführer Wiegand vorgeschlagen. Er erklärte sich bereit, das Amt für die Dauer des Krieges fortzuführen. Als stellver­tretender Vereinsführer wurde Kamerad Sauer bestimmt, der sich ebenfalls weiterhin dem Verein zur Verfügung stellt.

Sodann wurde von Rechner Georg Wahl der Kassenbericht erstattet. Die Rechnungsablage ließ er­kennen, daß sich der Verein auf gesunder finanzieller Basis bewegt. Alle Rechnungen wurden beglichen, so daß der Verein gegenwärtig keine wesentlichen Verbindlichkeiten mehr hat. Dem Rechner wurde Dank, Anerkennung und Entlastung zuteil. Nachdem noch über die Frage der Wiederaufnahme des Turn­betriebs in der eigenen Turnhalle gesprochen und der Vereinsführung der selbständige Beschluß in die- ser Sache anheimgestellt war, nachdem ferner noch eine Reihe von Grüßen aus dem Felde zur Kennt­nis gegeben waren, fand die Versammlung mit dem Gedenken des Führers und der Soldaten im Felde ihren Abschluß.

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Schärfste Verdunkelung auch auf dem Lande.

Es muß immer wieder die Beobachtung gemacht werden, daß in Landgemeinden die Verdunkelung nicht streng genug gehandhabt wird. Jeder einzelne möge dabei bedenken, daß jede Lichtquelle auch auf dem Lande als Orientierungspunkt dienen und für die Landbevölkerung zur Quelle großen Schadens werden kann! Die Verdunkelung muß

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Dornotizen.

Tageskalender für Monkag.

Volkstümliche Vorträge der Ludwigs-Universität: Q.30 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- aigstraße 34, Professor Dr. Fischer überIndiens Stellung im Britischen Weltreich, II"; 20.30 Uhr im uerseucheninstitut, Frankfurter Straße 87, Professor )r. Beller überMethoden der Tierseuchenfor- hung". Gloria-Palast, Seltersweg:Tip auf Imalta"; 14.45 Uhr: Wochenschau-Sondervorstellung Generalangriff auf Frankreich". Lichtspielhaus, Kahnhofstraße:Diener lassen bitten"; Gastspiel ussischer KünstlerFeuervogel". Feierstunde zum Kesten des Deutschen Roten Kreuzes: 20 Uhr in der 'ohanneskircheMusik aus großer Zeit".

Notizen für den 17. JunL

Sonnenaufgang 5.02 Uhr, Sonnenuntergang 21.49 Ihr. Monduntergang 3.19 Uhr, Mondaufgang '8.58 Uhr.

.Feldpost" an Arbeitsdienstmänner.

Die Gebührenvergünstigungen der Feldpost galten Usher für Angehörige des Reichsarbeitsdienstes nur in bi? im Operationsgebiet' für Zwecke der Wehr­macht eingesetzten, geschlossenen Verbände und Ein- ieiten. Nun sind diese Vergünstigungen auch den Abteilungen des Reichsarbeitsdienstes zugestanden morden, die außerhalb des Operationsgebietes für Zwecke der Wehrmacht eingesetzt sind. Zur Unter* cheidung von den übrigen Einheiten erhalten alle Abteilungen, denen die Gebührenvergünstigung zu- lebiUigt worden ist, Feldpostnummern. Einheiten mb Verbände des Reichsarbeitsdienstes, die keine -eldpostnummer führen, haben also keinen Anspruch Ulf die Gebührenvergünstigung der Feldpost._______

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durfte seiner Wirkung sicher sein. Zwar ging es auch hier im Ergebnis um das glückliche Brautpaar, auch um die mannigfachen Schwierigkeiten, bis es soweit kommen konnte, aber es war nichts Herbeigeholtes, nichts Gewaltsames in der Handlung. Dieher­gelaufene" Magd Christi wird gegen den Willen der selbst auf den Bauern spekulierenden Magd Lena und gegen die Ränke der schnippisch-eifersüchtigen Magd Vroni die Frau des Bauern. Der gütige, lebenserfahrene Altknecht hilft dabei etwas mit und weiß eine Fülle bäuerlicher Lebensweisheit unter feine Zuhörer zu bringen. Daß es dabei auch an der nötigen Derbheit nicht mangelte, versteht sich am Rande. Schließlich tat auch der oberbayerische Dialekt ein Uebriges, um den Darstellern alle Sympathien zu verschaffen. Schade, daß man kein Programm in die Hand bekam, hätte man doch gern gewußt, wie die Darsteller in Wirklichkeit heißen. Die Pausen wurden mit sehr beifällig angenomme­ner Zithermusik, mit Jodlern, Schnadahüpfln, Schuh, plattlern und Watschentanz ausgefüllt.

H. L. Neuner.

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Auch im Kriege Kinderlandverschickung der 71GL

Mit raffinierten Eisspezialttäten den Gaumen zu kitzeln, bietet der Sommerabend auf dem Dorf keine Möglichkeit. Eis gibt es im Dorf nur ein­mal im Jahr, und zwar an der Kirmes einen Groschen die Tüte, wird dann aber auch zumal von der Jugend in unheimlichen Mengen vertilgt. Dafür nimmt der Bauer am Sommerabend den irdenen, bauchigen Krug, steigt in den Keller und zapft ihn voll goldgelben, kühlen, selbstgekelterten Apfelweines; war der Tag gar zu heiß, steigt er auch wohl zwei- ober gar dreimal hinunter.

Und ich sitze dabei und lasse mich nicht nötigen, doch will es mich immerhin gut dünken, daß die Bauern im Sommer früh in ihre Betten zu steigen pflegen. We.nn ich dann langsam durch die Wiesen meinem Hause zugehe, ist schon der Tau gefallen und die hohen Gräser schlagen kühl und feucht um meine Knie.

daher in jeder, auch der kleinsten und abgelegensten Landgemeinde und auch bei jedem Einzelgehöft aufs peinlichste dukch geführt werden. Auch das Küchenfenster muß verdunkelt sein! Wer bei Licht Arbeiten im Stall verrichtet, muß darauf achten, daß aus dem Stallfenster oder aus der Stalltür keinerlei Lichtschein nach außen fallt. Das gleiche gilt für Keller ober Speicher. Die Landbe- bevölkerung muß dieselbe Disziplin üben wie un­sere Volksgenossen in der Stadt. Wer schlecht oder nachlässig verdunkelt, wer ge­dankenlos handelt, hilft dem Feind und trifft die Gemeinschaft und sich selbst.

Wilhelm Haug gefallen.

NSG. Tapfer und mutig, wie er gelebt und als Altgardist der Bewegung für das Werden des Reiches gestritten 'hatte, kämpfte und fiel vor dem Feind Gauamtsleiter Wilhelm Haug, Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt im Gau Hessen-Nassau.

Seit 1925 stand Pg. Wilhelm Haug als einer der Ersten in Hessen für den Führer und seine Idee unter den Fahnen der Bewegung. Das Opfer, das er als wahren Inhalt der nationalfozialistischen Weltanschauung predigte, hat er nunmehr selbst ge­bracht, und damit hat seine immer wieder bewiesene vorbildliche Haltung ihre höchste Vollendung ge­funden.

Verzicht auf Abgeltung des Urlaubs bei höherem Gebaltseinkommen.

Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirt­schaftsgebiet Hessen teilt mit:

Infolge der durch den Krieg immer stärker zutage tretenden Verknappung an Arbeitskräften ist es für viele Betriebe nicht möglich gewesen, den Gefolg­schaftsangehörigen ihren Urlaub für das Jahr 1939 durch Gewährung von Freizeit zu erteilen. Der Herr Reichsarbeitsminister hat daher angeordnet, daß ein Verfall des Urlaubsanfpruchs vor dem 1. Oktober 1940 nicht eintritt. Im übrigen kann ab 1. Juni 1940 eine Abgeltung des Urlaubs für 1939, soweit er nicht erteilt werden kann, erfolgen.

Während unsere Soldaten unter Einsatz ihrer Kräfte rückhaltlos und opferbereit immer weiter in Feindesland Dormärtsftürmen, versteht es sich eigent­lich von selbst, daß die Angestellten mit höherem Gehaltseinkommen auf Abgeltung des Urlaubs kei­nen Anspruch erheben. Ich gebe daher der Erwar­tung Ausdruck, daß Angestellte und Arbeiter mit einem Monatseinkommen von mehr als 250, bis 300, RM. im allgemeinen im Bewußtsein, ein persönliches Opfer in dem Kampf für Deutschlands Größe und Freiheit zu bringen, von einem Antrag auf Abgeltung des Urlaubs absehen. Soweit im Einzelfall über die vorgenannte Einkommensgrenze hinaus berechtigte Gründe für eine Abgeltung des Urlaubs geltend gemacht werden können, darf dies nur mit meiner ausdrücklichen vorherigen Genehmi­gung erfolgen.

Eine Abgeltung des Urlaubs 1940 kommt vorerst überhaupt nicht in Frage. Die Betriebsführer sollen vielmehr im Interesse der Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Gefolgschaft versuchen, Urlaub durch Gewährung von Freizeit im Rahmen des betrieblich Möglichen zu erteilen.

Wertvolle deutsche Schäferhunde vor dem Preisrichter.

Unter starker Beteiligung der Hundezüchter und Hundefreunde fand am gestrigen Sonntag auf dem Platz vor der Viehversteigerungshalle Rhein-Main eine Schau deutscher Schäferhunde statt, für die die Züchter und Halter der Kreisfachschaft Gießen (Gießen, Marburg und Wetzlar) etwa 40 Tiere vorführten. Die Leitung der Schau lag in Händen des Kreisfachschaftsvorsitzers W e h r u rn (Grohen- Buseck). Preisrichter war der in den Kreisen der Hundezüchter bekannte Landesfachschaftsleiter Rei- ßenweber (Jena).

Die Schau diente vor allem dem Zweck, den

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Tegernseer Bauerntheater.

Bauerntheater ist nicht etwa nur Laienfpieltheater, es ist aber auch nicht Theater im Sinne unserer städtischen und staatlichen Bühne. Bauembühnen, wie wir sie von Schliersee und von Tegernsee her kennen, sind eigenständige Erscheinungen im deut­schen Theaterlebey, kaum Schwankungen unter­worfen in der Gestaltung des Spielplanes, im Genre der Aufführung, unerschüttert, in gutem Sinne kon­servativ in der Leitung und immer wieder zurück­greifend auf den dörflichen volkstümlichen Lebens­kreis, wenn es gilt, Darsteller zu ergänzen.

Die Bauerntheater haben meist ihren eigenen Büh­nendichter oder aber sie stützen sich auf die Dichter ihres ureigensten Lebenskreises, wie Thoma, Anzen­gruber, Vitus usw., und geraten damit nicht in die Gefahr, etwas geben zu wollen, was ihrer Art etwa nicht läge. So war auch das, was man am Sams­tagabend in unserem Stadttheater zu sehen und zu hören bekam, in allen Einzelheiten aus der Lebens­art des dörflichen Menschen gegriffen. Das Ergeb­nis: blutvolle Unmittelbarkeit und Lebensnähe.

Das StückAlles in Ordnung" von Franz Vitus

Brahms-Anekdote.

Ein reicher Frankfurter Handelsmann, der als sehr musikliebend galt und Brahms, den er be­sonders schätzte, zu Gast geladen hatte, ließ, nach­dem den vortrefflichen Speisen genügend Ehre an­getan worden war, aus einer besonderen Flasche die Gläser füllen, hob sein Glas gegen Brahms und toastete ihm mit den Worten zu:

Mein lieber Doktor, in Anbetracht der Feier­lichkeit dieser Stunde habe ich aus meinem Keller beh besten Tropfen holen lassen, bas ist sozusagen ber Brahms unter meinen Weinen!"

Brahms nahm einen Schluck, kostete und meinte bann seelenruhig:

Nicht schlecht, aber wenn das Ihr Brahms ist, wie wär's, wenn Sie jetzt Ihren Beethoven aus dem Keller holen ließen?"

R. Weber von Webenau.

der Nacht auf: Das Käuzchen schwebt lautlos aus dem Schalloch des Kirchturmes, die Fledermäuse fahren im Zickzack um die Giebel der Scheunen, und Nachtfalter schwirren um die Lichter.

Eine Reihe anderer findet sich nur zu einer Gast­rolle im dörflichen Sommerabend ein. Im Mai brummen die Maikäfer mit einem lauten Klacks gegen die Fensterscheiben, und die Kinder sind eifrig hinter ihnen her, sie mit langen Stangen, an deren Ende ein Buschen grünen Laubes ober ein Stroh­wickel der erhöhten Treffiicherheit wegen angebracht ist, aus der Luft zu schlagen und in Zigarrenkasten zu sperren. Noch vor dem Tage des längsten Lichtes beginnt eine Nachtigall in den Gärten vor dem Dorf zu fingen. Solange sie dort draußen schier kein Ende des Jubelns und Schluchzens findet, gehen allabend­lich die Liebenden hinaus, ihr zu lauschen, und fassen sich an den Händen und werden ihrer Liebe voll Lust und leiser Wehmut inne. Scheint es nicht fast zuviel des Guten, ein Zuviel an Stimmung, wenn ich noch die Glühwürmchen nenne, die, sich suchend, durch die Büsche geistern und wie unwirk­lich im Grase aufleuchten?

Nur weniges kenne ich, was sich so mit allen Sin­nen genießen läßt wie gerade ein Sommerabend. Die Haut atmet die Kühle der sinkenden Nacht, Auge und Ohr sind auf leichte und angenehme Art gefangen von dem Weben und Wispern der som­merlichen Dämmerung. Sollen da Nase und Gau­men leer ausgehen? Stärker und vernehmlicher duf­ten die Blumen am Abend, und die Süße des Gold­lacks im Bauerngarten hinter der Scheuer dringt bis auf die Bank vor dem Haufe, wo sie den Frauen und Mädchen, die so etwas eher empfinden als die Männer, gar lieblich eingeht. Zur Zeit ber Heuernte mischt sich ber Duft, in ben bie fnschge- mähten Gräser und Wiesenblumen sterbend sich verströmen, mit dem würzigen Ruch des tagsüber schon in der Sonne getrockneten Heues, streicht durch die Gassen und steigt bis in die Stuben und Schlaf­kammern der Bauernhäuser. Wenige Wochen spä­ter weht der Atem der reifenden Aehrenfelder durch das Dorf, quillt dann wie von Brot der Duft ber sommerheißen Garben herüber von den Aeckern.

Bezeichnend für die heutige Jugenderholungs­pflege ist eine spezialisierte Erholungsfürsorge als gesundheitlich Maßnahme. Das erholungsbedürftige Kind, fei es aus der Stadt, fei es vom Lande, soll dort untergebracht werden, wo ihm auf dem schnell­sten Wege zur Wiederherstellung der vollen Ge­sundheit und Leistungsfähigkeit verholfen werden kann. Zur spezialisierten Erholungsfürsorge gehö­ren die Kinderlandverschickung und die Kinderheim­entsendung. Unter den durch den Krieg bedingten Verhältnissen wird stärkerer Wert aus die örtliche Erholungspflege gelegt, wofür in verschiedenen Kreisen unseres Gaues Einrichtungen vorhanden sind.

Alle diese Formen der Erholung haben ihre be­sonderen Aufgaben, und es ist gerade jetzt nötig, die Kinder für die einzelnen Erholungsmaßnahmen auf Grund ihres Gesundheitszustandes genauestens aus­zuwählen. Dies ist nur möglich auf Grund einer gut ausgebauten Organisation und Planung, wie sie der NS.-Volkswohlfahrt zur Verfügung stehen. Jetzt im Kriege ist eine überlegte Planung von besonderer Wichtigkeit, da in vielen Fällen die in

Gommerabend.

Von Ernst JRinf.

Wer dem Sommerabend begegnen will, findet ihn :icht zwischen den Zeilen hoher Häuser, die um liefe Stunde die auf gegangene Glut .des Tages iurückstrahlen, auch nicht in dem Trubel illuminier- tr Bier gärten ober an den Tischen, die der Kaffee­tausbesitzer, die Kühle des Abends berechnend, ins freie gestellt hat. Vielleicht daß wir ihm am Rande Ist Stadt begegnen, wo die Straßenzüge sich lichten mb schließlich ganz aufhörend sich in Feldern und Schrebergärten verlieren. Doch wer den richtigen 6ommerabenb sucht, der muß hingehen, wo dieser bi sich zu Hause ist: aufdasDorf.

Zwar ist er dort spät, denn der Bauer ruht nicht tjer, als bis die sinkende Dunkelheit ihm das Licht far seiner Hände Arbeit nimmt. Und Ruhe: wohliges kmtspanntsein des Körpers und des Geistes, machen rft bas Labsal aus, als das mir den Sommer- öenb empfiiwen. Gewiß, die in der Stadt emp- fnben und verdienen dieses Labsal nach des heißen Iiages Mühen und Schweiß nicht minder als der Sauer, auf dem Dorfe aber ist es gleichsam hand- reiflich. So, wie ber Bauer vom Felde gekommen t-, sitzt er vor der Haustüre ober auf dem gestapel­te Holze: das blaue Hemd über der Brust weit t fen und die Aermel hochgekrempelt, die Hose aus t-aunem Rippensamt durch einen ledernen ©urtei <shalten. Die breiten Hände, trotz sichtlicher Müde rod) voll gehaltener Kraft, liegen schwer auf den Smien. Bild des Feierabends schlechthin.

Es ist die Stunde, wo die ersten Abendschauer isn den Bergen wehen und mit linder Frische um­fangen, was von der sengenden Glut der.Sonne tagsüber ausgetrocknet nach Kühlung lechzt, Oie frbe und die Bäume, die Menschen und die Blu­men, die Tiere und die Pflanzen. Und wahrend die rißigen Tiere des Tages, die Kühe und Pferde t tn Ställen, die Schmetterlinge und Bienen, zu glafen sich anschick-n, und di- Sogei m >hren I -stern noch einmal leise piepsen, bevor fr« Sen Impf unter den Flügel stecken, wacht das Getier

Der Turnverein 1846 Gießen vereinigte am ver­gangenen Samstag eine stattliche Anzahl feiner Mit­glieder imSchipkapaß" zur diesjährigen Jahres- Hauptversammlung. Vereinsführer Wiegand hieß die Kameraden willkommen und gedachte dann der im heldenmütigen Kampf für das Vaterland gefalle­nen Kameraden Heinrich Herbert, Georg Kör­ner und Karl Althaus, sowie des verstorbenen Kameraden Scheerbarth. In herzlichen Worten wurde der Gefallenen gedacht und zum Ausdruck ge­bracht, daß ihr Andenken in aller Zukunft in hohen Ehren gehalten werde. In herzlicher Weise wurde ferner der 52 Mitglieder gedacht, die draußen vor dem Feinde stehen.

In seinen weiteren Darlegungen erstattete der Vereinsführer Bericht über die Arbeit des Vereins während der Kriegszeit. Er betonte, daß, wenn auch die Turnhalle des Vereins für den turnerischen Be­trieb nicht zur Verfügung habe stehen können, doch der Turnbetrieb in der Turnhalle der Schillerschule mit gutem Erfolg fortgeführt worden fei. Insbeson­dere die Uebungsgemeinschaft mit dem Männerturn­verein habe sich bewährt. Einen starken Auftrieb habe das Kinderturnen erfahren, es fei im Wachsen begriffen, und neuerdings habe auch das Turnen der Kleinstkinder eingeführt werden können.

Kamerad Franz Sauer erstattete dann den Be­richt über die Uebungs- und Wettkampftätigkeit der Turner. Erfreulich stark sei die Beteiligung der Altersturner an den Turnstunden. Mit Freude wurde des Erfolges des Turners Kaiser bei den Meisterschaften in Berlin gedacht. Eine lebhafte Tätigkeit habe der Turnverein auf dem Gebiet des Kinderturnens und des Kleinstkinderturnens (Kin­der im Alter von 3 bis 6 Jahren) entfaltet und bereits gute Ergebnisse erzielen können. Man hofft, daß dereinst aus dem Kinderturnbetrieb manches Kind für den Verein gewonnen werde. Im Hin­blick auf den vom Reichsfportführer angeordneten Werbetag für das Kinderturnen wurde beschlossen, am 29. und 30. Juni mit der Kinderturngruppe öffentlich hervorzutreten. Erinnerungen galten dem Grünberger Fest.

Die Fachwartin für das Frauenturnen Jdel Hauck konnte erfreulicherweise von einem lebhaf­teren Besuch der Frauenturnstunden berichten. Er­freulich sei ferner die gute Zusammenarbeit in der Uebungsgemeinschaft mit dem Männerturnverein und dem Postfpvrtverein. Der Verein beteiligte sich

Aus Oer StaOi Gießen.

Die deutsche Eiche.

Während die Griechen und Römer ihren Göttern iimftDolIe Tempel erbauten, erwählte sich der na- ursinnige Deutsche zur Verehrung seiner Gottheiten dm ihm heiligen Eichenhain.

Nicht in kalten Marmorsteinen, Nicht in Tempeln dumpf und tot, In den frischen Eichenhainen Webt und rauscht der deutsche Gott."

N (Uhland.)

Hier wohnte bei dem ihm heiligen Baume Donar, !er Lieblingsaott des deutschen Bauern; hier schleu­derte er im Ungewitter seinen Hammer gegen die Iraststrotzenden Bäume; unter weitschattenden Eichen kannten die dem Gott entzündeten Opfer feuer.

Viele Eichen galten als heilig und unverletzlich, ,nd ihre Verehrung ging soweit, daß man ihre .fruchte den Toten mit ins Grab gab. Die berühm­tste aller deutschen Eichen war die aus dem Leben les Bonifatius bekannte Donareiche in der Rhön. )ie heilige Eiche bei Romove, unter der die Gotter- ülder der alten Preußen standen, maß sechs Ellen m Durchmesser blieb im Sommer und Winter grün, ind ihr Laubdach war so grün, daß nicht Regen och Schnee durchfiel. Eine weitere heilige Eiche icnd bei Wehlau, eine andere nahe beim Frischen i>aff, eine dritte bei Thorn. Zahlreich waren in der lateren christlichen Zett die sogen. Bildeichen, d. s. reit Heiligenbildern geschmückte Eichen. Außer bei len Deutschen fand die Eiche auch bei andern Vol- !?rn Sead)hing. Bei den Persern stand sie im Alter- um in hohem Ansehen; bei den Griechen und Römern war sie dem Jupiter geheiligt. Bei den kelchen spielte namentlich die auf den Eichen schma- vtzende Wurzel in der Heilkunde der Druiden cne hervorragende Rolle.

Dem Deutschen war die Eiche von jeher ein Sinn- Ill) der Kraft. Ein Eichenkranz ehrt den Empfän­ger wie einst der Lorbeerkranz den Sieger bei den ilympischen Spielen.