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Aus -er Stadt Gießen.
Oie letzten Tage.
Nur noch wenige Tage und die Sammlung zur Metallspende sur den Geburtstag unseres Führers 'st zu End- Schon beim ersten Ausruf des General- seldmarschalls Goring wußten wir, daß diese Sammlung zu einem großen Erfolg werden würde Wir haben uns nicht getäuscht. Ganze Berge wertvollen Materials wurden in den Sammelstellen ab- geliefert. Jeder war sichtlich bemüht, seine Nach, barn zu übertreffen. Jeder wollte am meisten ge- bracht haben. Denn wer wollte nicht mit beteiligt sein, wo es doch galt, unserem Führer eine Freude zu bereiten.
Nicht minder erfreuten uns die tausend und abertausend kleinen Spenden, die da herangeschafft wurden. Denn nicht jeder Haushalt wies große Gegenstände aus den gesuchten Metallen auf. Ganz besonders gilt dies für die Haushaltungen jüngerer Leute. Da war es besonders erfreulich, festzustellen, daß auch hier alles zusammengeschleppt wurde, was nicht niet- und nagelfest war.
Aber noch etwas anderes ist uns aufgefallen. Es scheint uns beispielhaft zu sein. In den ersten Tagen der Sammlung erschien manchmal die ganze Familie und schleppte in Körben und anderen Behältnissen alles mögliche heran. Sie hatten, wie sie selbst sagten, alles durchsucht und gut „aufgeräumt". Nun, da die Sammlung sich ihrem Ende zuneigt, kommt gegen Abend der Mann noch einmal und bringt noch eine Reihe von Kleinigkeiten. Diese hatten sich bei einer nochmaligen genauen Ueberprüfung noch herausfinden lassen. „Ja", meinte er selbst, „man staunt wirklich, wenn man einmal richtig nachsieht, was in einem Haushalt alles verborgen ist."
. Und du, mein Freund, wir haben dich ja auch bereits auf unserer Sammelstelle begrüßen können, willst du nicht auch dem Beispiel des Mannes folgen? Willst nichr auch du noch einmal prüfen, ob sich bei dir nicht noch irgendetwas befindet, was man in dieser Zeit, wenn wirklich einmal „Not am Mann" ist, einer besseren Verwendung zusüh- ren könnte, als daß es in deinem Haushalt ein immerhin entbehrliches Dasein führt?
Ich denke, wie alle, die wir den Weg zur Sammelstelle schon gemacht haben, wollen diesem Beispiel folgen. Die meisten unter uns werden noch die eine oder andere Sache finden, die man abliefern könnte. Und wie gesagt, es kommt gar nicht darauf an, daß es große Mengen sind, die wir heranschleppen. Auch für Kleinigkeiten ist "man uns dankbar. Da wollen wir nicht sagen: „Ach, das lohnt sich nicht". Doch, mein Bester, das lohnt sich. Und es ist nützlicher, daß auch diese Kleinigkeit bei der großen Menge landet, als daß sie deinen Haushalt belastet.
Also, alle noch einmal frisch und munter auf die Suche! Wir wollen Boden und Keller auf den Kopf stellen. Wir wollen nicht, daß sich da noch etwas von den gesuchten Metallen herumtreibt. Es wäre wirklich schade darum. Ihr werdet sehen, die Mühe lohnt sich.
BOM-llntergau -116 Gießen.
DDIN.-Werk Gruppe la/116.
Sport und Gymnastik.
Der nächste Dienst findet am 14. 4. statt. Wir sehen uns gemeinsam den Film „Feuertaufe" an. Dazu treffen wir uns um 19.50 Uhr am Gloria- Palast. Erscheinen in Kluft.
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Tageskalender für INitlwoch.
Stadttheater: 19.30—22 Uhr „Die Primanerin". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Feuertaufe". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Hochzeit Mit Hindernissen". — Oberhessischer Kunstoerein: Aus- | stellung Walter Kröll, Gießen von 17—18 Uhr im Turmhaus am Brand.
Erstaufführung im Sladtthealer.
Am heutigen Mittwoch findet die Erstaufführung des Lustspieles „Die Primanerin" von Sigmund Graff statt. Spielleitung: Hans Geißler. Es wirken mit: Ruch Eiben, ^Annelife Garbe, Hilde Heinrich, , Elisabeth Leiprecht, Eilly Mauer, Marta Neuhausen,
Wirst 6u K schnffmFcnll?
Vornan von Martina Eckartchelm
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Hänischlob soll anspannen!" knurrt der Haus- U vater. Jupp mault. War es nicht heute mal aus- H nahmsweife schön bei Tisch? Stundenlang hatte 1 man sitzen und Honigzöpfe essen können, Nun muh |?i man wieder spritzen, hinaus auf den Hof. Vorbei ist \ alles, keine gute Stunde wird einem gegönnt. Jupp H hat eine mächtige Wut. Die Hände in den Hosentaschen steht er vor Hänischlob, der die Fuchsstute . aus dem Stall zieht und sie vor den altväterlichen : Planwagen spannt. Jupp strotzt vor Geringschätzung.
Fährt heute noch ein vernünftiger Mensch m so einer Flohkiste? Hannomag, BMW., Opel, DKW., Adler, Mercedes ... geht es ihm durch den Sinn.
„Nächstens mache ich meinen Führerschein , sagt er protzig zu Hänischlob. .
Hänischlob hört schwer. Er schirrt das Pferd an, dann steht er vor Jupp, hält die Hand ans Ohr:
'^Autofahren lerne ich, und der Wagen kommt zum Gerümpel!" _ ,
„Nu untersteh' d'rch! Der kimmt an Quark as aale Gerimpel!" , ,, ... . , c
Jupp geht achselzuckend. Er storcht über den Hof. Der Hefenfranz läuft ihm gerade über den Weg. hefenfranz weiß immer Trost, wenn man einen Aerger in sich hineinzufressen hat.
„Gihst a de Schwelke, Hefenfranz?
„Näh!" gibt der alte Braumeister zur Antwort. „Js su a infamchter Klunkerch, su a Windflugel an Kühlschiffe zerkracht. Kumm ack helfen, Jupp, wenn 'ct> 'n zsammenrichten tu!" ... .
Dem Hefenfranz zur Hand gehen, das ist geraoe bis Richtige. Zorn und Zeit kann man dabei ver-
Iowischen hat Christoph Gräf- mit kurzem Gruß btrs Zimmer verlassen und ist weggefahren, -’iur Hermann weiß, daß sein Ziel das Büro der Auto- bahn in Weißenberg ist.
Erni und Lena räumen den Tisch ab.
„Herrlich, daß du da bist, Tante Lena — einfach herrlich!"
Lena nickt ihr sanft und versonnen ziu
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, 17. April M«
Gießen am Geburtstag des Führers.
Am kommenden Samstag, 20. April, dem Geburtstag des Führers, wird auch.die Gießener Bevölkerung ihre unlösliche Verbundenheit mit dem Führer und die Treue zu ihm und seinem Werk erneut bekunden.
Am Samstagabend wird in der Aula der Universität in festlicher Weise eine gemeinsame Mitgliederversammlung der vier Gießener Ortsgruppen stattfinden, in deren Mittelpunkt eine Ansprache des Hoheitsträgers im Kreise Wetterau, Kreisleiter Backhaus, stehen wird. Die Feierstunde wird mit dem Einbringen der Gießener Ortsgruppenfahnen beginnen. Nach einem gemeinsam gelungenen Lied folgt die Ansprache des Kreisleiters. Anschließend wird der Kreisleiter an eine Reihe langjähriger verdienter Parteigenossen die ihnen verliehenen Dienstauszeichnungen der Partei überreichen. Mit der Ehrung des Führers, dem gemeinsamen Gesang der Nationallieder und dem
feierlichen Ausbringen der Fahnen wird die Feierstunde beendet werden.
Im Verlaufe des Samstag nachmittags wird Kreisleiter Backhaus im Sitzungssaale des Hauses der DAF. den Ortsgruppenleitern und Kreisamtsleitern des Kreiies Gießen — ebenso wie vorher im Rathaus zu Friedberg für den Kreis Friedberg — Dienstauszeichnungen überreichen und den Frauenschaftsleiterinnen das Ehrenzeichen für Deutsche Dolkspflege übergeben.
Die SA.-Standarte 116 veranstaltet zur Feier des Geburtstages des Führers am Sonntagvormittag, 21. April, etwa von 11.30 bis 12.30 Uhr eine Kundgebung, die aus einer kurzen Feier mit anschließendem Marsch durch die Stadt und Vorbeimarsch bestehen wird. An dieser Kundgebung werden mit den SA.-Kameraden der Standarte 116 auch die Kameraden der Wehrmannschaften teilnehmen.
Der Beitrag des Meters zum tustschutzrambau.
In den Richtlinien über den Beitrag für die behelfsmäßige Herrichtung von Luftschutzräumen ist die Höhe der Geldbeiträge auf 1,— bis 2,50 RM. je zu schützende Person beschränkt. Zur Klarstellung von Zweifeln hat der Reichsluftfahrtminister im Einvernehmen mit den beteiligten Stellen diese Frage in einem Erlaß näher geregelt. Die Umlegung des erstattungsfähigen Kostenbetrages durch den Hauseigentümer soll nicht etwa nach Köpfen erfolgen, sondern nach Maßgabe der wirtschaftlichen Verhältnisse entsprechend der Miethöhe. Häufig ist es vorgekommen, daß Hauseigentümer zur Errichtung des Luftschutzraumes mehr ausgegeben hqben, als sie unter Beachtung des Richtsatzes umlegen konnten. So sind vielfach die Möglichkeiten, von den Hausbewohnern die Bereitstellung ihrer Arbeitskraft oder von Baustoffen und Geräten sowie von Einrichtungsgegenständen zu verlangen, nicht erschöpft worden. Es bestehen keine Bedenken, auch größere Beträge auf die Mieter umzulegen, wenn sich diese freiwillig hierzu statt der Naturralleistungen bereiterklären, oder wenn es unter Berücksichtigung der Verhältnisse sämtlicher Beteiligten angemessen erscheint und das Amtsgericht in diesem Falle die Umlegung zuläßt. Mitunter liegt die Ueberschreitung auch daran, daß über die Behelfsmaßnahmen hinaus endgültige Baumaßnahmen durchgeführt wurden. Diese sind
an die Höchstgrenze der Richtsätze nicht gebunden. Die Kostett für endgültige Baumaßnahmen können mit Zustimmung der Preisbehörden auf die Mieter umgelegt werden.
Der Erlaß regelt weiter einen Lastenausgleich bei der Hergabe von Räumen. Die Hergabe eines hauswirtschaftlich genutzten Kellerraumes zur Errichtung des Luftschutzraums gilt als Beitrag, ein Anspruch auf Entschädigung oder Mietminderung ist dafür nicht gegeben. Den Mietern sind dafür im allgemeinen andere Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Gewerblich oder für Wohnzwecke genutzte Räume sollen nur in zwingenden Ausnahmefällen in Anspruch genommen werden. Ist in einem solchen Falle die Eesatzraumge- stellung nicht möglich und stellt die Hergabe des Raumes ein besonderes Opfer dar, so kann ein Mietminderungsanspruch zuerkannt werden. Die Mietminderung kann für die Dauer des Aufrufs des Luftschutzes auf die durch den Luftschutzraum zu schützenden Personen als laufender Beitrag um- gelegt werden. Das gleiche gilt für den Betrag, der dem Mietwert eines vom Hauseigentümer zur Verfügung gestellten gewerblich oder für Wohnzwecke genutzten Raumes entspricht. Der Richtsatz von 1,— bis 2,50 RM. findet in diesen Fällen keine Anwendung.
Jngeborg Riehl, Rose Stirl: Hans Caninenberg, Walter Erler, Gert Geiger, Viktor von Gschmeidler, Siegfried Lowitz, Hans Albert Schewe, Hans Seitz, Karl Volck. Bühnenbild: Karl Löffler. 28. Vorstellung der Mittwoch-Miete.
Geh. Iustizrat
Prof. Arthur Benno Gchmidt t-
In Tübingen, wo er im Ruhestand seinen Lebensabend verbrachte, ist am Sonntag der emeritierte Professor D. theol. h. c., Dr. jur. Geh. Justizrat Arthur Benno Schmidt im 7$. Lebensjahre verstorben. Der Heimgegangene wirkte früher in Gießen und hat sich um die Förderung unserer Universität große Verdienste erworben.
Arthur Benno Schmidt stammte aus Leipzig. An der Universität seiner Vaterstadt studierte er, dort bestand er auch die Referendar-Prüfung. Er promovierte mit einer Arbeit „Die Grundsätze über den Schadensersatz in den Dolksrechten" zum Doktor der Rechte. Nach seinem Vorbereitungsdienst an verschiedenen Gerichten habilitierte er sich im Februar 1887 mit einer rechtsgeschichtlichen und rechtsvergleichenden Studie „Das Recht des Ueberhangs und Ueberfalls" bei der Juristischen Fakultät der Universität Leipzig für die Fächer des deutschen Rechts. Zwei Semester später wurde ihm die venia legendi auch für Kirchenrecht erteilt.
Im August 1889 erfolgte feine Berufung an die Universität Gießen als ordentlicher Professor mit Lehrauftrag für deutsche Rechtsgeschichte, Kirchenrecht, Völkerrecht und Rechtsenzyklopädie. Mit dem
„Hast viel zu tun in dem großen Haus, Kleine?" „Sehr viel! Man ist so angebunden! Manchmal hab' ich doch auch Sehnsucht nach der Stadt, nach Freundinnen ober Kino! Manchmal, rück' ich ein« fach aus, fahre nach Bautzen oder Löbau ober auch nur nach Weißenberg. Dann mutz die Klutzigen alles machen." .
Nun ja, Lena versteht. So ein junges Ding, das noch nicht weiß, wohin mit sich selbst, das noch die ganze Unruhe der Jugend in sich hat, kann wohl nicht anders. Blitzt ihr nicht die Lebenslust aus den nußbraunen Augen?
„So, die Kluttigen versorgt bann alles!
Die Kluttigen ist ein Dragoner. Sie ist ein starkknochiges Wesen von unbestimmtem Alter und versteht etwas von der Sauberkeit in Haus und Hof. Aber sie hat eine rauhe Stimme und ebensolche Hände. Warme Fürsorglichkeit kann man von ihr kaum verlangen. , , .
Wie doch hier die Mutter fehlt! Lena hat nie eine Ahnung davon gehabt. Während sie noch reden, kommt Hermann ins Zimmer.
,Nanu? Bist du denn nicht drüben auf der Malztenne? Der Hefenfranz wollte den Grünmalz nach der Schwelke bringen--"
„Der hämmert mit Jupp zusammen einen zerbrochenen Windflügel zurecht."
Hermanns Stimme Hingt zerstreut. Niemals kommt der Große sonst am Vormittag wieder herüber aus der Brauerei. _, „
In der Ecke der Stube steht das alte Schreibpult. Es ist mit Zetteln und Büchern überhäuft.
„Ich muß mal wegen des Hopfenfelhers schreiben." . . , . , . ««
Jetzt? Das machst du doch immer abends?
Der Ton, in dem Erni zu Hermann spricht, Hingt nicht sehr freundlich. Lena sieht sie erstaunt an. Hermann scheint es gar nicht ernst mit dem Schreiben zu sein. Seine Hände gehen nur eine Weile wie suchend über die Hefte und Zettel.
„Und was machst du denn heute morgen, Lena? fragt er ruhig.
' Ich?" lacht Lena em wenig, „ich helfe der Erm.
"Dich ausruhen solltest du, dich in den Garten setzen oder ein bißchen umsehen! Soll ich dir vielleicht einmal die Brauerei zeigen?"
Da« würde mich freuen, Hermann! Vielleicht später, jetzt möchte ich erst Erni em wenig zur Hand gehen."
©ommerfemefter 1893 wurde sein Lehrauftrag auf deutsches Privat- und Handelsrecht ausgedehnt. Während 47 Semestern entfaltete Prof. Dr. Schmidt an unserer Ludoviciana eine sehr erfolgreiche Tätigkeit. Auch persönlich verwuchs er immer mehr mit unserer Stadt und ihrer Bevölkerung. Im Februar 1897 wurde er van dem damaligen Großherzog als Vertreter der Universität Gießen in die Erste Kammer berufen. Dadurch hatte er die Möglichkeit, sich auch an dieser Stelle in mannigfacher Art der Universität Gießen förderlich anzunehmen. Im April 1897 erfolgte feine Ernennung zum Mitglied des Hessischen Derwaltungsgerichtshofes. Im Amts- jahr 1900/01 war er Rektor der Universität. Im November 1900 wurde ihm der Titel eitles Geheimen Justizrates verliehen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit an der Universität war er noch als eifriger ehrenamtlicher Mitarbeiter im Oberhessischen Geschichtsverein, im Gießener Kunstoerein, dem Gleibergverein und dem damaligen Dheater- oerein tätig. Während seines Gießener Wirkens erschien aus seiner Feder eine ganze Reihe von Veröffentlichungen über die verschiedensten Gebiete des Rechts.
Im Frühjahr 1913 übersiedelte Prof. Dr. Schmidt nach Tübingen, um an der dortigen Universität Nachfolger von Rietschel zu werden. Beim Ausbruch des Weltkrieges im August 1914 rückte er als Kompanieführer mit ins Feld. Im Frühjahr 1916 kehrte er nach Tübingen zurück und nahm im folgenden Wintersemester seine Lehrtätigkeit wieder auf. Von April 1917 bis April 1918 war er Rektor der Universität Tübingen. Seine Verdienste auf kirchlichem Gebiete
„Jetzt laß Lena erst mal mir — schließlich ist sie ja meine Tante", fährt Erni unwirsch dazwischen. Hermann tut, als höre er es nicht. Er will wohl aus dem Zimmer gehen, da kommt er an Lena vorbei.
„Rauchst du?" Er stellte eine angebrochene Schachtel Zigaretten vor sie hin. „Bitte, nimm dir!"
Lena sieht ihn mit einem schnellen, warmen Blick an. Die Schachtel hält sie noch in der Hand, als er schon wieder das Zimmer verlassen hat.
„Sollte man’s glauben? Der Große hat die Spendierhosen an. Was du alles fertig bringst, Tönte Lena!"
Lena Detteting schließt die Zigaretten in ihre Tasche. Sie hat noch nie geraucht. Sie weiß nicht, weshalb sie die Zigaretten nicht einfach ausschlug.
„Kdmm, Erni, wir wollen jetzt erst mal in die Küche gehen."
Christoph Gräfe sitzt inzwischen unter feiner altmodischen Wagenplane und rollt die Landstraße nach Weißenberg zu. Es geht abwechselnd durch Wiesen und kurze Heidestrecken. Ab und zu tut sich in einer Niederung ein schilfiger Teich auf. Hinter hohen Eichen, ein weites Stück von der Landstraße ab, taucht ein großes Gebäude auf: die Belzig-Braue- rei. Dor ein paar Monaten war sie zu verkaufen, diese Bruchbude! Hermann wollte sich darauf stürzen und die Konkurrenz aufkaufen. Zum erstenmal am heutigen Tage lacht Christoph Gräfe. Immer langsam voran, Herr Sohn! In einem Vierteljahr sind wir die Konkurrenz sowieso los. Pleite ist sie bann! Nur Geduld und Spucke! Gestern im Kretscham haben sie schon erzählt, daß der Belzig-Karl aus dem letzten Loch pfeift. Hilft nichts, Junge, dein Alter hat den Dreh doch besser raus als du. Er, dein Vater, hat immer noch das letzte Wort.
Die Laune des alten Gräfe hat sich angesichts der Belzig-Brauerei etwas gebessert. Er trägt den Kopf wieder höher. Statt aber geradenwegs in Weißenberg einzufahren, macht er einen beträchtlichen Umweg. Das Pferd hat eine ganze Weile zu traben, bis es an die Stelle kommt, wo sich von Görlitz her die neue Autobahn bis nach Sachsen vorgeschoben hat. Kecke, bunte Häuschen stehen da auf frisch aufgeworfenen Erdhügeln. Sogar Fahnen wehen vergnügt im Winde. ‘Das ist also eine Baustelle der Autobahn?
Gräfe sieht auch eine halbfertige Unterführung
erkannte die Theologische Fakultät der Universität Gießen am 20. Mai 1927 durch die Ehrenpromotion an. Im Sommer 1930 mußte Prof. Dr. Schmidt wegen Krankheit seine Vorlesungen aussetzen, mit dem Ende des Sommersemesters 1931 trat er in den Ruhestand.
Als Wissenschaftler und als Mensch genoß er in Gießen und in Tübingen bei seinen Kollegen und Schülern, aber auch über diesen Kreis hinaus, bei allen Volksgenossen, die mit ihm in Berührung gekommen waren, große Wertschätzung.
Das schönste Geburtstagsgeschenk für den Führer.
Wenn der Führer Geburtstag hat, bann ist das ein Tag im Leben unseres Volkes, an dem die Beweise rührender Liebe und unerschütterlicher Verbundenheit besonders zahlreich sind. In all bett Jahren finb wahre Berge von Geschenken und Zeichen ber Hilfsbereitschaft in bie Reichskanzlei nach Berlin geroanbert, unb ber Führer yctt biese oft wertvollen und nützlichen Gegenstände dann immer wieder jenen Kreisen unseres Volkes zugute kommen lassen, auf denen die Last des Schicksals besonders schwer lastete.
Auch in diesem Jahre, in einer Zeit, da wir uns in einem schicksalhaften Kampfe gegen die plutokratifchen Mächte des Geldes und des brutalen Unrechts befinden, schenkt das deutsche Volk seinem Führer all das wertvolle Metall, das nur irgendwie entbehrt werden kann, und das für unsere Rüstung, für die Schlagkraft unserer Waffen unentbehrlich ist.
Wenn der Führer am 20. April Geburtstag hat, bann wirb sein treuester Mitkämpfer, ber General- felbmarschall Hermann Göring, vor ihn hintreten unb ihm melben können: „Das deutsche Volk hat mit dieser Metallspende zu Ihrem Geburtstage ein bisher ungekanntes Beispiel der Solidarität geboten!"
Mtv. Gießen lieferte zur Metallspende ab.
Der Männerturnverein Gießen hat der Sammelstelle ber Metallspende in Gießen einen aewichts- mäßig sehr umfangreichen Beitrag abgeliefert. Der Verein spendete alle in seinem Besitz befindlichen Gegenstände aus Zinn, Messing, Kupfer, Blei unb Bronze, darunter auch bie Bronzeketten von dem Ehrenmal auf bem Turnplätze des Vereins. Die Vereinsführung und die Mitglieder vertreten mit Recht den Standpunkt, daß auch die Ablieferung der Ketten von dem Ehrenmal zum Besten des Vaterlandes eine geziem en de Ehrung der im Weltkriege gefallenen Kameraden barstellt.
Der Kohlenbezug für den Winter -1940/41.
Vorn morgigen Donnerstag ab ist bei den Geschäftsstellen des Wirtschaftsamtes der Kohlenbedarf für das Kohlenwirtschaftsjahr 1940/41 anzumelden. Die Verbraucher sind in drei Gruppen eingeteilt, und zwar gehören zur Verbrauchergruppe I die Haushaltungen mit Einzelofenheizungen, zur Verbrauchergruppe II die zentralbeheizten Häuser, Etagenheizungen und zentrale Warmwasserversorgungsanlagen, zur Verbrauchergruppe III die Wehrmacht, Pehörden, Anstalten usw. Die einzelnen Gruppen haben in der Farbe voneinander abmeU chende Anmeldeformulare auszufüllen. Da diese Formulare sofort bei ber Empfangnahme in ben Geschäftsstellen bes Wirtschaftsamtes ausgefüllt werben müssen, also nicht mit nach Hause genom- men werben können, ist es unbedingt notwendig, daß zur Antragstellung für die einzelnen Haushaltungen nur solche Personen in den Geschäftsstellen des Wirtschaftsamtes erscheinen, die über die Zahl der Haushaltsangehörigen und über die Zahl der vorhandenen Brennstellen in den Wohnungen genau Aufschluß geben können. Auf den Anmeldeformularen für Haushaltungen mit Einzelofenheizung (Derbrauchergruppe I) befindet sich auf ber Rückseite eine Uebersicht, aus ber ersichtlich ist, wieviel Punkte an Kohlen ber jeweilige Haushalt er« Krümenk!»tÄ
Loren, Arbeiter. Geschäftiges Gewimmel treibt unaufhaltsam vorwärts. Kilometer um Kilometer streckt die Bahn sich weiter vor auf Roda, auf den Hutberg, auf die Gräfewiesen zu. Ein kriechendes Un« aeheuer, diese Straße, das seine Quellen aussäuft, sein Bier, j einen Geldsack, sein Kontobuch, sein Haus, sein Leben dazu. Ja, so wird es werden!
Und nun ist er in der richtigen Stimmung für sein Vorhaben, jawohl! Die Stücke sollen fliegen, wenn er im Büro, drüben in Weißenberg, loslegt! Die Wänibe sollen wackeln! An die Gräfewiefen soll ihm' keiner?
Rumpelnd fährt der Wagen auf der alten Salz- straße. Was weiß Christoph Gräfe davon, daß er auf historischem Boden dahinrollt, daß nicht nur die friderizianischen Truppen, sondern auch Theodor Körner und Goethe hier entlang zogen? Der alte Gräfe ist in eine dicke Zornwolke gehüllt, hat fein Auge für die ferne Lausitzer Bergkette, die gerade hier sichtbar wird und als vielgewellte Wand von Süden herübergrüßt — nichts sieht er! Selbst das Weißenberger Rathaus, an dessen Mauern der wilde Wein sich schon zu verfärben beginnt, lockt ihm heute keinen wohlwollenden Blick ab, als er sich endlich die bergige Straße, vorbei an kleinen Häuschen und bäumen fronen Gärten, bis zum Markt hinaufgewunden hat.
Che er das Büro der Autobahn betritt, muß er aber doch noch einen mächtigen Brocken herunter« schlucken. Als er gerade seine Fuchsstute zum Halten bringen will, setzt sich kurz vor ihm ein kleiner schnittiger Sportwagen in Bewegung. Am Steuer sitzt natürlich die Jutta von Plessen. Er sieht gerade noch die kleine freche Sportmütze auf dem glatten, blonden Bubenkopf, sieht eine winkende Hand, blitzende Augen. Motorengeräusch surrt auf, und schon entschwindet hinter dem freistehenden Rathaus das flinke Wägelchen und hinterläßt nichts anderes als blauen Dunst.
Christoph Gräfe sitzt wie an genagelt. Zwar macht die Fuchsstute einen kleinen Seitensprung, wahrscheinlich weil Gräfes geballte Fäuste unwirsch an der Seine gerissen haben, dann wartet sie geduldig, bis der Herr sich zum Aussteigen bequemt. Zuerst geschieht aber nichts. Gräfe spuckt nur in hohem Bogen auf das Weißenberger Pflaster. Ein kleiner Junge, der nach einer Weile am Wagen vorbei- kommt, sagt zu seiner Mutter:
„Mutter, ist das Karafeck?" (Forts, folgte


