zreitag, 1K. August MO
140. Jahrgang Nr. 143
Gietzener Anzeiger
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vrühl sche Unioer sttätsdrvckerei B. Lange General-Anzeiger für Oberhessen *** «ittzrn^Schiilftratze 7-9
505 britische Flugzeuge in acht Tagen verloren.
Am Donnerstag allein 106 Flugzeuge vernichtet bei geringen eigenen Einbußen. Flugplätze und Hasenanlagen in Schottland, Süd-, Mittel- und Ost-England bombardiert.
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Ein Schwarm unserer kampferprobten ,Me-110"-Zerstörer. —- (PK.-Grosfe°Prefse-Bildzentrale-M.)
tl-Vool versenkte britischen l70ü0t-Hilsskreuzer
28 Briten-Flugzeuge vernichtet. Engländer zerstörten nachts die Kirche von Derichsweiler.
Berlin, 16.Uug. (DBB.) Die Verluste auf britischer Seite vom 8. August bis zum 15. August. 20 Uhr. betragen 505 Flugzeuge. 129 Flugzeuge gingen auf deutscher Seite verloren. Diese Zahlen beweisen eindeutig die Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe und ihre Vorherrschaft im britischen Luftraum.
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Bei den ge ff eigen Bombenangriffen entwickelten sich wiederum Luftkämpfe von ungewöhnlichem Ausmaß. Die Ueberlegenheit der deutschen Jagdflieger ermöglichte den deutschen Kampfflugzeugen. wie an den Vortagen, ungehinderten Bombenabwurf, Rur wenige deutsche Flugzeuge fielen der englischen Abwehr zum Opfer. Die deutschen Messerschmitt-Flugzeuge schossen gestern 98 Feindflugzeuge in der Luft ab. Acht Flugzeuge sind nach den vorliegenden Berichten am Boden vernichtet worden, so daß die Gesamtzahl der im verlaus dieser Kämpfe vernichteten britischen Flugzeuge wiederum die Zahl 100 übersteigt. Ferner wurden fünf britische Sperrballone abgeschossen. Den hohen Abschuhzahlen der englischen Flugzeuge steht der Verlust von 29 eigenen gegenüber.
Die Angriffe richteten sich gegen Süd-. Bliftet- und Ostengland. 3m Baume von New Castle — VNddtesborough und in der Grafschaft Essex wurden mehrere Flugplätze sowie Hafenanlagen mit Bomben belegt. Flugzeughallen und Unterkunftsgebäude sowie sonstige kriegswichtige Ziele wurden getroffen, die Rollfelder zerstört. Sturzkampfflieger bombardierten den Flughafen von Hawking westlich Dover und erzielten zahlreiche Treffer, die Brände in den hallen hervorriefen. Zahlreiche feindliche Jäger stürzten sich auf die Deutschen. die ungeachtet dieser Abwehr aus den Wolken herausstiehen und wohlgezielt ihre Bomben warfen. In der Rächt zum 15. August wurde derF1 ugplah K i n 1 o h bei Elgin am Woray Firth (Schottland) erfolgreich mit Bomben belegt. 3m Seegebiet von Peter head wurde ein Ge 1 eitzug angegriffen, bei Aberdeen Flakstellungen erfolgreich bombardiert. Auf dem Flugplatz von Monte Rose zwischen Aberdeen und Dundee wurden durch Bombenabwurf mehrere Brände hervorgerufen.
Der Lustsieg über Aalborg.
Acht Messerschmitt bringen
15 Bristol-Blenheim znm Absturz.
Berlin, 16. Aug. (DNB.) Der OKW.-Bericht über den 13. August meldete u. a., daß deutsche Jager und Flakartillerie feindliche Fliegerverbände, die Aalborg anzugreifen versuchten, zur Umkehr zwangen und von 23 angreifenden 16 Flugzeuge obfchossen. Die deutsche Jagdstaffel, die aus acht Messerschmitt-Flugzeugen bestand und von Oberleutnant Friedrich geführt wurde, verwickelte 15 von den angreifenden Flugzeugen in einen Luftkampf und schoß sämtliche Bristol-Blenheim über dänischem Gebiet ab. Die höchste Abschußziffer bei diesen Kämpfen erreichte der Oberfeldwebel Menge, der vier britische Flugzeuge zum Absturz brachte. Dem schnellen, schneidigen Zupacken dieser deutschen Jäger ist es in erster Linie zu verdanken, daß kein Personen- und Sachschaden in der dänischen Stadt verursacht wurde.
Dem Vertreter des Kopenhagener Blattes „Ber- lingske Tidende" erklärte der Führer der deutschen Jagdstaffel: „Wir lagen in Bereitschaft, als wir telephonisch die Mitteilung von dem Kommen der Engländer bekamen. In einer Minute waren wir mit unseren Maschinen gestartet. Wir flogen zunächst nach Norden und hielten uns in der Nähe von Aalborg. 20 Kilometer nördlich der Stadt sahen wir dann die englischen Einheiten in 2000 Meter höhe Unsere Jäger gingen sofort zum Angriff über, auch die Flak begann zu schießen. Wir hinderten den Feind daran, die vorgenommenen Ziele angreifen zu können. Die ersten englischen Maschinen stürzten nördlich von Aalborg ab, die anderen fielen in den Lim-Fjord. Gleich nach dem ersten Abschuß versuchten die Engländer nach Westen abzudrehen. Aber in ganz kurzer Zeit — es waren nicht einmal fünf Minuten — waren alle ihre Maschinen brennend zu Boden gestürzt. Auch eine, die durch Tiefflug zu entkommen versuchte, wurde von uns verfolgt und zu Boden gebracht. Keine der angreifenden englischen Maschinen hat die Küste wieder erreicht. Keiner der Engländer konnte zurückkehren. Soweit sie nicht im Kampfe fielen, wurden sie gefangengenommen. Nach der Nückkehr zum Ausgangspunkt konnte jeder unserer Jäger beweisen, daß er eines oder mehrere der englischen Flugzeuge abgeschossen hat. Nach dieser Zurückweisung werden die Engländer wohl die Lust verlieren, den Lufthafen von Aalborg nochmals anzugreifen."
„Faerdelandet" schreibt, der enorme Verlust, den die Engländer bei dem Angriff auf Aalborg erlitten haben, lasse sich nicht leugnen, weil diese Tragödie sich am hellichten Tageund vorneutralen Zuschauern abspielte. Ein Eingeständnis dieser völligen Niederlage sei, daß die englischen offiziellen Meldungen noch nicht mit einem Wort den mißglückten Angriff auf Aalborg erwähnt haben.
Der Wehrmachtsbenchi vom Donnerstag.
Berlin, 15.Aug. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Eines unserer Unterseeboote versenkte im Atlantik den britischen Hilfskreuzer „I r a n 6 f t) l o a n i a“ von 17000 BRT.
Trotz ungünstiger Wetterlage setzten die deutschen Fliegerverbände am 14. August ihre Angriffeauf Hafen- und 3ndustrieanlagen, Flugplätze, Luft- sperren und Truppenlager in Süd-undWittel- en g la n b fort.
In Cardiff, Weston und Portland wurden Hafenanlagen zwischen Brighton und Ceoes ein Umspannwerk, bei BJorcefter und Salisbury Rüstungswerke wirksam mit Bomben belegt. In Süd- und Südostengland richteten sich die Bombenangriffe vorwiegend auf Flugplätze und gegen die Truppen- lager Aldershot. Bei diesen Angriffen kam es zu heftigen, für uns erfolgreichen Luftkämpfen.
Durch die zahlenmäßig geringen britischen Nachtangriffe vom 14. zum 15.August wurde bei De- richsweiler eine Kirche zerstört, sonst kein besonderer Schaden angerichtet.
Die Verluste des Gegners am gestrigen Tage betrugen 28 Flugzeuge. Davon wurden 22 im Luftkampf und mindestens 6 am Boden zerstört. 12 deutsche Flugzeuge werden vermißt.
Britische Bomben auf eine unter Denkmalschutz siebende Dorskirche.
Berlin, 15.Aug. (DNB.) wie im OKW.-Be- richt bekanntgegeben, warf der Feind in der Rocht zum Donnerstag Bomben auf das kleine Bauerndorf Derichsweiler bei Düren im Rheinland ab. Ls ist unerklärlich, aus welchen Gründen sich die Engländer gerade dieses kleine harmlose Dorf als ihr Opfer auserwählt haben. Sie haben ausgezeichnet getroffen. Ihre Bomben trafen mitten in die Dorf kirche, die auf Grund ihres wertvollen Inhaltes unter Denkmalschutz steht und die gänzlich zerstört wurde. Der innere Raum des
Gotteshauses ist völlig ausgebrannt. Es flehen nur noch die IHauerreffe. Im Vergleich zu diesem Schaden sind die sonstigen an diesem Ort durch den Luftangriff angerichteten Schäden gering. Irgendwelche militärische Objekte, Rüstungsindustrie oder dgl. befinden sich in der näheren und weiteren Umgebung dieses Ortes nicht.
Die Bombenangriffe auf Städte Norditaliens.
Barbarische und feige Kampfmethoden der britischen Flieger.
Nom, 16. Aug. (DNB.) Zu den heimtückischen Bombenangriffen der Royal Air Force aus offene Städte Norditaliens erklärt Agenzia Stefani: Die Explosiv- und Brandbomben sind einzig und allein auf Wohnviertel der norditalienischen Städte ab- geworfen worden, was man nur an- gemeine und barbarische Verbrechen bezeichnen könnte. In Alessandria sind drei Kinder unter den Trümmern eines bombardierten Hauses ums Leben gekommen, neun Feuerwehrleute wurden durch die Explosion einer Bombe mit Zeitzünder getroffen, wahrend sie gerade im Begriff waren, die verschütteten Opfer aus den Trümmern zu bergen. Bisher waren Bomben mit Zeitzündern nur von Verbrechern bei Attentaten verwandt worden. Nun werden sie auch von den Engländern benutzt mit der barbarischen Absicht, die Hilfsaktionen für die Opfer der Bombardierung zu verhindern.
Ebenso wie bei ihren Luftangriffen auf deutsche Städte führt die englische Luftwaffe ihre Aktionen geaen die italienischen Städte nur nachts durch und beweist damit, daß sie nicht in der Lage ist, sich tagsüber mit den Jagdflugzeugen und dem Bo- oenabwehr der Achsenmächte zu messen. Die englischen Luftpiraten geben aber damit ganz offen ihre eigene Unterlegenheit und Feinheit zu, was sich auch daraus ergibt, daß sie an Stelle von Militärzentren Wohnviertel mit Bomben belegen. Um n a ck Mailand zu gelangen, sind die englischen Flugzeuge, wie Stefani abschließend feststellt, von Como her eingeflogen, was beweist, daß sie die Neutralität der Schweiz verletzt haben.
Zeder sucht, was er nicht hat.
Neulich hörten wir im Zugabteil, wie eine junge nette Dame auf der Fahrt aus dem Vor-Alpeniand ihrem offensichtlichen Bräutigam die Frage vorlegte: „Wie kommt es doch wohl bloß, daß die Bauern auf Berg und See gar nicht ehen, ja geradezu nicht sehen wollen? haben denn unsere Bauern kein N a t u r g e f ü h l?" Es war nicht nur eine sehr nette, sondern auch eine ehr intelligente junge Dame, und der Tonfall zeigte an, daß sie eben nicht bloß eine Frage stellte, um Konversation zu machen, sondern daß sie hier ein Problem empfand.
Die junge Dame wußte, daß sie mit ihrer Problemstellung eine große und illustre Kollegenschaft hat. Das ganze Problem der Landflucht wird durch diese Problemstellung berührt. Der Städter geht auf das Land, enthusiasmiert sich am dörflichen Frieden, begeistert sich an der Natur; und manches Kind vom Lande strebt mit allen Kräften in die Stadt. Kein geringerer als der Eiserne Kanzler hat — genau so wie jene junge Dame — erkannt und klar herausgestellt, daß der Landmann in der üblichen Naturbetrachtung keine Entspannung findet. In seiner letzten Rede, die er überhaupt im Deutschen Reichstag gehalten hat, und zwar aus Anlaß der Abschlußberatungen über die soziale Gesetzgebung, sagte Bismarck am 18. Mai 1889, wobei er von seinen Erfahrungen auf seinem Gut Darzin ausging: „Da habe ich gefragt: Was ist denn das, was euch in Berlin so anzieht? Wohnung, Behandlung, alles ist kaum so gut wie zu Hause. Schließlich habe ich ausfindig gemacht: das einzige, was mir die Leute mit einem gewissen Erröten als durchschlagenden Grund sagten: ja, so einen Ort, wo im Freien Musik ist und man im Freien sitzen und Bier trinken kann, ja, den hat man in Varzin doch nicht! (Heiterkeit.) Das ist also ein Anziehungsmittel nach den großen Städten. Ein ruhiger, ordentlicher, ehrlicher Mensch, der aber nicht zu Hause bleiben wollte, hat mir dies schließlich als Motiv angeführt, und es ist ja zum Verständnis unserer inneren staatlichen Verhältnisse notwendig, solche Sachen sich zu erklären ..."
Bismarck zetert nicht — er beobachtet und denkt nach. Er nimmt zum Gewährsmann auch nicht irgendeinen Liederjahn, der in der Stadt ein ungebundenes Leben führen will, sondern einen „ruhigen, ordentlichen, ehrlichen" Menschen und sieht in dem weiteren Verlauf der Rede „die größere Ungebundenheit des Lebens" nur als einen mitsprechenden, aber nicht ausschlaggebenden Faktor an. Aber nun zurück zu dem Problem, das unsere junge nette Dame aufgeworfen hat:
Für den Bauern (und vielfach auch für den Soldaten) ist die Natur der Feind! Die Natur muß überwunden und gebändigt werden. Das geschieht immer wieder unter Umständen, die als Notstand anzusprechen sind, heute reift auf unseren Feldern eine herrliche Ernte. Aber denken wir noch daran, daß in diesem Vorfrühling die Zeit verdammt knapp wurde? Der Winter blieb lang im Land und wollte nicht weichen. Das Wetter ist ein Umstand, über den der Mensch keine Gewalt hat. Und es kommt auch nicht allein darauf an, daß es genug Sonne und genug Feuchtigkeit gibt, sondern z. B. auch darauf, daß zur Zeit der Korn- blüte ein milder Wind den Blütenstaub durch leidlich trockene Lust hindurchträgt. Das Kalben einer Kuh ist auch kein Rechenexempel. Wer dem Acker einen übernormalen Fruchtertrag, dem Vieh eine hohe Milchergiebigkeit, der Henne eine große Legefreudigkeit abgewinnen oder abzwingen muß, der
Italiens Offensive in Somaliland.
Kritische Lage der britischen Truppen.
Genf, 16. August. (Europapreß.) Die Lage in Britisch-Somaliland wird auch in Großbritannien für weitaus ernster angesehen, als man bisher zuzugeben bereit war. Davon zeugt der offene Brief des militärischen Mitarbeiters von „Exchange Telegraph", der schreibt: „Die am Sonntag wieder aufgenommene italienische Offensive in den Gebieten des Jajagurgan-Passes mit dem Ziel, nach Berbern vorzustoßen, ist auch am Montag mit größter Kraft und Entschlossenheit durchgeführt worden. Die Italiener sind zweifellos an Zahl weit überlegen. In dem Kampf am Sonntag, der mit großer Erbitterung geführt wurde, vermochten die Italiener an einer Stelle einen sehr beträchtlichen Einbruch in die britische Verteidigungslinie zu erzwingen. Angesichts der bedeutenden Uebermacht ist die Lage zweifellos ernst. Zahlreiche Geschütze und drei Maschinengewehre sind den Italienern am Jajagurgan-Paß in die Hände gefallen."
In einem in Kairo herausgegebenen britischen Kommunique wird zugegeben, daß die englischen Streitkräfte seit Mittwoch vor den italienischen Truppen zurückweichen und eine schwere Nie- derlage erlitten haben. Nach stundenlangen heftigen Kämpfen mußten die Engländer Positionen einnehmen, die bedeutend weiter hinter der Front liegen. Die Italiener setzten bei ihrem Vormarsch sowohl starke motorisierte Einheiten als auch die Luftwaffe ein. Der Einsatz der motorisierten Bodeneinheiten hat in englischen Militärkreisen überrascht, da man bisher angenommen hatte, daß auf Grund der Bodenverhältnisse und der klimatischen Gegebenheiten großzügige Operationen motorisierter Einheiten kaum möglich sein würden.
3talienifd)er Wehrmachtsbenchl.
Rom, 15. August. (DRV.) Der italienische Wehrmachtsbericht vom Donnerstag fjaf folgenden Wortlaut.
Die Operationen in Britisch-Somaliland sind mit harten Kämpfen, an denen die Luftwaffe wirksamen Anteil hat, invollerLntwicklung. Unseren Truppen fielen Gefangene und Waffen in die Hände.


