und daoonfährt. Da wird man ihn wohl lange nicht mehr auf dem Gräfehof zu sehen bekommen. Der zieht sich jetzt in seine Bautzner Junggesellenbude wie in eine Festung zurück.
„So ein Mist!" sagt Jupp und macht die Schuppentür zu. „Erst denkt man Wunder, was für ein Pfundstag wird, und dann fliegt die ganze Bescherung auf ..."
Mit einemmol verstummt er. Horcht auf das, was Hermann und Lena zusammen reden; sie stehen in der Haustür.
„Du kannst es. glauben", sagt der Kronprinz, der noch vor Stunden sich als ausgemachter Weiberfeind gebärdete, „du kannst es glauben, in diesem Haus fehlt die Hand einer Frau."
Auch Erni hört diese Worte. Sie ist baß erstaunt.
Aber da fühlt sie Tante Lenas Hand auf ihrer Schulter. „Geht zu Bett, Kinder. Morgen sieht wieder alles anders aus."
Zu guter Letzt noch ein aufmunterndes Wort an diesem schlimmen Tag! Es tut wohl und löscht das aus, was sich trübe und beunruhigend in den Schlaf hineinschleichen wollte.
Am nächsten Morgen ist Erni Gräfe schon sehr früh im Vorgarten zwischen Balsaminen und Löwenmaul. Das bunte Dirndlkleid hat von allen Blumenfarben einen Klecks abbekommen.
„Zu gießen brauchst du heute nicht", belehrt Jupp von der Haustür her, „die Sonne zieht Wasser!"
„Ach was, gießen! Blumen pflücke ich!"
„Blumen? Hat denn jemand Geburtstag?"
„Unsinn! Sollen bloß auf dem Kaffeetisch stehen, heute früh!"
Jupp pfeift durch die Zähne. Er versteht. Blumensträuße sind sonst nicht Mode im Gräfehaus. Blumen stehen ja im Garten, man braucht ja nur zum Fenster hinauszusehen oder vor die Tür zu treten, da hat man sie gleich, die dicken Margueritensterne, die knalligen Pfingstrosen, die großen blauen Glocken und dann später die Sonnenrosen — einen ganzen Zaun voll!
Heute ist irgend etwas Besonderes los. Es läßt sich nicht mit Worten ausdrücken. Es liegt in der Luft. Aehnlich wie zur Kirmes ist es. Erni hat auch die Korallentassen aus dem Glasschrank genommen.
„Du", fragt Jupp wißbegierig, „rückst du auch, Honig 'raus?"
2a, da liegt ja schon die saftige Wabe auf dem!
Teller, und der Brotkorb ist voller Mohnzöpfe. Das olles geschieht natürlich. Tante Lenas wegen. Die hat die Luft von Kirmes And Festzeit mitgebracht!
Endlich sitzen sie am Kaffeetisch. Da entdecken sie alle mit Erstaunen, daß Hermann eine rote Nelke im Knopfloch hat. Eine rote Nelke — der Große! Der immer durch die Welt geht, als sähe er sowas Kleines wie eine Blume gar nicht.
Was ist nun eigentlich an dieser Tante Lena, daß sie alles umkrempelt? Gewiß, ihr Haar ist sehr schön blond, und ihr Gesicht ist mit, und ihre Hände --ja, die Hände! Vielleicht sind sie es?
Diese Hände nehmen jetzt Jupp einfach das Messer aus der Hand, streichen Horrig aus den Mohnzopf, und sie machen es, wie eigentlich nur eine Mutter streichen kann.
Ja, das ist es, jetzt weiß es Jupp, und seine Augen werden wahrhastig ein bißchen feucht! Das ist es. Plötzlich weht etwas durchs Haus, das an Mutter erinnert, und nun tut es wohl. Dankbar leuchten ein paar Bubenaugen.
Lena Oetteking sieht die Stube freilich mit anderen Blicken als der junge Jupp Gräfe. Gewiß, sie sieht auch die Sonne, den alten, ehrwürdigen Hausrat, die hölzernen Schiebeläden, die rechts und links der vielen Fenster über der holzverschalten Wand sitzen, den großen grünen Kachelofen, die altväterliche Uhr, deren langdaumelndes Pendel von einem buntgemalten Holzkasten geschützt ist. Auch die grün- und grauglasierten Zittauer Steinzeugschüsseln auf dem Tellerbrett bewundert sie. Aber was nützt das alles, wenn der Hausherr auch heute mit finsterer Miene am oberen Tischende sitzt und seinen Kaffee wortlos Und mürrisch hinuntergießt? Spürt man nicht immer noch dunkle, feindselige Gedanken hinter seiner Stirn? Ist es nicht überhaupt so, als liefen lauter seine Sprünge durch die kleine Familiengemeinde? Zuweilen stoßen Lenas Augen mit denen Hermann Gräfes zusammen, seinen Augen, die abwechselnd von einer grüblerischen Trauer und jäh aufzuckender Leidenschaft sind, graue Augen, die immer vom Hell ins Dunkle spielen. Hermanns Gesicht ist wohl das fesselndste in der Runde, bei allen andern Gräfes liegen Gedanken und Gefühle offen sichtbar in Miene und Gesicht; des Aeltesten Seelenleben aber geht wohl unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich, er scheint der zu sein, der es am schwersten hat.
(Fortsetzung folgt.)
H. Hochstätt er wurde einstimmig beschlossen, den seitherigen verdienten Dereinsführer erneut in Vorschlag zu bringen. Mit einem kameradschaftlichen Beisammensein wurde die Versammlung beschlossen.
IrühjahrSarbeiten der Kaninchenzüchter.
Der Kaninchenzüchterverein Gießen führt zur Zeit Stallbesichtigungen bei seinen Mitgliedern durch. Wie alljährlich, so verbindet auch diesmal wieder die Stallschaukommission mit der Zuchttierbesichtigung eine Beratung am Stall über die Aufzucht. Es kann heute schon berichtet werden, daß das Zuchtmaterial der Vereinsmitglieder in erstklassiger Verfassung angetroffen wurde. Die Besichtigungen haben auch ergeben, daß die Stallbaufrage fast bei allen Mitgliedern vorbildlich gelöst ist. Auch die Pflege und die Reinlichkeit aller Zuchtanlagen ist mustergültig. Die Stallschaukommission legt besonderes Gewicht auf die Reinlichkeit in und außer der Stallanlage, auf den Gesundheitszustand der Tiere, auf das Vorhandensein der erforderlichen Futtergeräte und der Fellspanner, sowie auf die Züchtung der anerkannten Wirtschaftsrassen.
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Aeue Röhren nur gegen alte.
Ru ndfu ntteiln ehmer, die für ihre Empfangsgeräte Ersatzröhren benötigen, sollen künftig beim Kauf neuer Röhren die unbrauchbar gewordenen abgeben. Die alten Röhren sind für ihren Besitzer völlig wertlos, für die Weiterverarbeitung stellen sie jedoch einen brauchbaren Rohstoff dar. JA vielen Haushaltungen liegen noch überflüssige verbrauchte Rundfunkröhren zwecklos umher, auch diese müssen der Wiederverarbeitung zugeführt werden. Annahmestelle ist jedes Rundfunkgeschäft Jeder Volksgenosse, der alte Rundfunkröhren abgibt, hilft die Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft stärken.
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** Bestandene Prüfung. Vor dem Fach- ausscbuß der Reichstheaterkammer hat Frau Anni Kieferdorf, Gießen, Bahnhofstraße 42, am 12. April in Stuttgart die Abschlußprüfung für die Kunstgattung „Gesellschaftstanz" bestanden und damit den Leistungsnachweis erbracht.
** Vom V H C., Zwei ave re in Gießen, wird uns geschrieben: Eine Wanderung im beginnenden Frühling führte der Zweigverein Gießen des DHC. am Sonntag durch. Von Der Lahnbrücke, an der sich eine ansehnliche Zahl Wanderer getroffen hatte, ging man an der Lahn hinauf bis zum Wißmarer Steg. Ein Gang an einem Fluß entlang hot immer feinen besonderen Reiz. Unterwegs erfreuten viele Frühlingsboten: die ersten Blüten in den Lahngärten, grünende Wiesen, die dem Auge besonders wvhltun, prächtige, von ferne leuchtende Weidekätzchen — die erfte Nahrung der Bienen —, trillernde Lerchen und die in unserer Heimat wohl gerade eingetroffenen Schwalben. Nach einer für gen Rast in der Nähe der Ruine Badenburg, von der man schöne Ausblicke auf die umliegenden Dörfer und Berge genoß, begann am Lollarer Brünnchen der Aufftieg zum Lollarer Kopf, den sicherlich mancher Gießener noch nicht näher kennt. Noch andere Frühlingsboten, wie Lerchensporn und Maikraut, sahen wir hier. Nach dem Abstieg führte der Weg an der am Wald gelegenen Holzmühle vorbei, alsdann entlang der sich durch einen schönen Wiesen- avund schlängelnden Lumda nach Daubringen. Dort hielt man nach mehrstündiger Wanderung die Mittagsrast. Sodann wanderte man nach Lollar, von wo nach der üblichen Schlußrast, während der man auch der einberufenen WaiÄerbrüder gedachte, die Heimfahrt an getreten wurde. Auch diese Wanderung trug bei den Teilnehmern zur Entspannung und zur Stärkung von Körper und Geist für den Alltag bei.
Aerdunkelungssünder werden gerichtlich bestraft.
Lpd. Bad Vilbel, 15. April. Ein Geschäftsmann hatte einen polizeilichen Strafbefehl erhalten, weil er nicht verdunkelt hatte. Auf seinen Einspruch verurteilte ihn das'Amtsgericht Bad Vilbel zu einer Geldstrafe von 40 RM. und den Kosten des Verfahrens. In dem Urteil wurde zum Ausdruck gebracht, daß Verstöße gegen die Derdunkelungsbe- Stimmungen in Zukunft nicht mehr mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung abgemacht werden können, sondern angezeigt und gerichtlich bestraft werden müssen.
Das neue Grunderwerbsteuergesetz
Das an! 29. März 1940 verkündete neue Grunderwerbsteuergesetz, zu dem am Tage darauf eine Durchführungsverordnung erlassen wurde, tritt am 1. Mai d. I. in Kraft. Obwohl die Steuersätze unverändert bleiben, bringt die Neufassung des Gesetzes doch eine Fülle von Aenderungen, mit denen sich die interessierten Kreise bekannt machen müssen. Entgegen der bisherigen Regelung im Altreich, wo die Entstehung der Steuer an den Eigentumsüber, aong geknüpft war, tritt die Steuer im neuen Gesetz schon nach dem Verpflichtungsgeschäft ein. Diese Neuerung ist aus dem bisher in Oesterreich geltenden Recht entnommen, das damit zum Teil in das nun allgemein gültige Grunderwerbsteuerrecht eingebaut ist. Im übrigen atmet das Gesetz in der neuen Fassung nationalsozialistischen Geist, roas besonders aus den Begriffsbestimmungen klar hervorgeht.
Der Grunderwerbsteuer unterliegen, soweit sie sich auf inländische Grundstücke beziehen, die folgenden Rechtsoorgänge:
1. Ein Kaufvertrag ober ein anderes Rechtsgeschäft, das den Anspruch auf Uebereignung begründet; 2. die Auflassung, wenn kein Rechtsgeschäft vorausgegangen ist, das den Anspruch auf Uebereignung begründet; 3. der Uebergang des Eigentums, wenn fein den Anspruch auf Uebereignung begründetes Rechtsgeschäft vorausgegangen ist und es auch feiner Auflassung bedarf. Ausgenommen ist der Uebergang des Eigentums im Zwangsversteigerungsverfahren; 4. das Meist- gebot im Zwangsversteigerungsverfahren; 5. ein Rechtsgeschäft, das den Anspruch auf Abtretung eines Uebereignungsanspruchs oder der Rechte aus einem Meistgebot begründet; 6. ein Rechtsgeschäft, das den Anspruch auf Abtretung der Rechte aus einem Kaufangebot begründet. Dem Kaufangebot steht ein Angebot zum Abschluß eines anderen Vertrages gleich, kraft dessen die Uebereignung verlangt werden kann; 7. die Abtretung eines der in Ziffer 5 und 6 bezeichneten Rechte, wenn kein Rechtsgeschäft vorausgegangen ist, das den Anspruch auf Abtretung der Rechte begründet.
Zu den Grundstücken im Sinne des Gesetzes rechnen nicht Maschinen, die zu einer Betriebs-, anlage gehören, Mineralgewinnungsrechte, Apo
thekengerechtigkeiten und sonstige Gewerbeberechtigungen. Dagegen stehen den Grundstücken gleich Erbbaurechte, Erbpachtrechte und Gebäude auf fremdem Boden.
In dem Gesetz sind zahlreiche Steuervergünstigungen vorgesehen. Von der Besteuerung sind ausgenommen u. a. der Grundstückserwerb durch einen Ehegatten bei der Begründung der ehemaligen Gütergemeinschaft sowie der Erwerb eines Grundstücks durch Personen, die mit dem Veräußerer in gerader Linie verwandt sind. Weitere Steuerbefreiungen gibt es beim Erwerb eines Grundstückes durch Schaffung von Arbeiterwohnstätten und überhaupt im Rahmen des Kleinwohnungsbaus. — Die Steuer wird von dem Wert der Gegenleistung berechnet oder vom Wert des Grundstücks, wenn eine Gegenleistung nicht vorhanden oder nicht zu ermitteln ist, sowie bei der Vereinigung aller Anteile oder beim Uebergang aller Anteile einer Gesellschaft und bei den entsprechenden schuldrechtlichen Geschäften. Die Steuer beträgt grundsätzlich 3 v. H., jedoch nur 2 v. H. soweit Grundstücke in eine Kapitalgesellschaft gegen Gewährung von Gesellschafts- rechten eingebracht werden. Dies gilt aber nicht für Grundstücksgesellschaften. Derselbe Steuersatz von 2 o. H. tritt ein, wenn bei der Verschmelzung von Genossenschaften Grundstücke der aufzunehmenden Genossenschaft auf die aufnehmende Genossenschaft übergehen und wenn bei der Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in eine Genossenschaft Grundstücke der umzuwandelnden Gesellschaft auf, die Genossenschaft übertragen werden. Die Stadt-' und Landkreise können nach den Vorschriften des Finanzausgleichgesetzes einen Zuschlag zur Steuer erheben. Schließlich können die Finanzämter im Einvernehmen mit den Steuerpflichtigen Pauschbeträge festsetzen. Die Steuer wird einen Monat nach der Bekanntgabe des Steuerbescheids fällig. Wenn ein Erwerbsvorgang rückgängig gemacht wird, bevor das Eigentum am Grundstück auf den Erwerber übergegangen ist, wird die Steuer nicht erhoben oder'erstattet. Steuergesetzliche Bestimmungen, die den neuen Vorschriften des Grunderwerbsteuergesetzes entgegenstehen, treten mit dem 1. Mai außer Kraft.
9Jt.-$pori
Stand der Fußballspiele um die Knegsmeisterschast.
Verein Spiele
Gew.
Unentsch. Derl.
Pkte.
Spv. 05 Wetzlar
11
7
1
3
15:7
DfB.-Rb. Gießen
11
7
0
4
14:8
FC. W.-Steinbg.
8
6
0
2
12:4
T.- u. Spv. Naunh.
9
3
4
2
10:8
1900 Gießen
7
3
1
3
7:7
T.-u. Spv. Rodheim
7
2
1
4
5:9
Ehringshausen
9
2
1
6
5:13
Sportfr. Wetzlar
6
0
0
6
0:12
Nachdem der VfB.-R. Gießen seine schweren Spiele in Wetzlar und in Watzenborn-Steinberg gewonnen hatte, nahm man allgemein an, daß für ihn die Möglichkeit bestehe, wenigstens soviel Spiele zu gewinnen, um mit knappem Vorsprung Meister zu werden. Der vergangene Spielsonntag hätte die Entscheidung schon insofern bedeuten können, als die Wetzlarer gegen Steinberg knapp gewannen und nach ihrem Punktverlust in Naunheim die Stellung des VfB.-R. Gießen bedeutend verbessert war. Dadurch, daß die DfB.-Reichsbahner in Rodheim überraschend verloren und auch von 1900 klar geschlagen wurden, hat die günstigste Aussicht Watzenborn-Steinberg, Jedoch werden auch die Wetzlarer und auch 1900 Gießen noch bei der Entscheidung mitsprechen.
Es ist eine auffallende Erscheinung, daß die Form der einzelnen Mannschaften von Sonntag zu Sonntag Schwankungen unterworfen ist, die aber auch jede Voraussage über den Hausen wirft. Daher ist es auch müßig, theoretische Betrachtungen über die Möglichkeiten der einzelnen Mannschaften anzu- stellen. Die Tagesform und das Glück, ohne das es eben im Fußball nicht geht, werden zum Schluß die Meisterschaft entscheiden. Sowohl 05 Wetzlar,
als auch Watzenborn-Steinberg haben noch schwere Spiele auswärts auszutragen. Es wäre daher auch hier verfrüht, in einer dieser Mannschaften den Kriegsmeister zu sehen. Mag es für die einzelnen betroffenen Mannschaften oft schwer sein, mitsehen zu müssen, wie ein verlorenes Spiel ihren Tabellenstand grundlegend verändert, so ist es doch für die Fußballgemeinde ein erfreuliches Ereignis, denn so ist, wie man sagt, wieder „alles drin" und die Zuschauer werden auf ihre Kosten kommen, indem es eben wirkliche Kämpfe zu sehen gibt.
Handball im Bereich VIII.
Tv. Hochelheim schlägt Tv. Anspach 8:5 (2:5).
Man hatte Anspach offensichtlich unterschätzt. Anders kann man sich nämlich das eigenartige Ergebnis nicht erklären. Hochelheim lag bis kurz vor Schluß noch klar im Nachteil, obwohl es rein spielerisch gesehen, gewisse Vorteile hatte. Allerdings darf nicht unberücksichtigt bleiben, daß sich die Gäste, durch günstige Seitenwahl bedingt, einen gewissen Vorteil verschaffen konnten, von dem sie dann während des ganzen Spieles zehren konnten. Das Blatt wendete sich vier Minuten vor Schluß grundlegend. Hochelheim kam mehr und mehr auf und gestattete das Treffen zu einem vielbejubelten Sieg, der auch in dieser Höhe keineswegs unverdient war.
Hochelheim stellt heute eine Mannschaft, die zweifellos keinen Gegner mehr zu fürchten braucht. Die Jungens, die zwar verstärkt antraten, rafften sich zu einer Leistung auf, die lediglich durch ungeheures Schußpech getrübt wurde. Die unmöglichsten Sachen wurden verpaßt, und was aufs Tor kam, wurde von dem vorbildlich arbeitenden Torhüter gehalten. So nur war es möglich, daß die Gäste einen knappen Vorsprung bis fast zu Schluß halten konnten, I
dann allerdings in einem erstaunlichen Elan nieder, gerungen wurden. Uederhaupt konnte das Spiel vorn ersten bis zum letzten Augenblick begeistern und wird ob feiner Lebendigkeit und der getrage, nen Spannung den zahlreichen Zuschauern unvergessen bleiben.
In Dutenhofen fand am Vormittag das Turnier der Jugendstaffel B um die Bannmeisterschaft des- Bannes 88 statt. Acht Mannschaften spielten in zwei Gruppen und leisteten sich Kämpfe, die einen Ueb erb lick über den tatsächlichen Stand des Nachwuchses im Bezirk Gießen gaben. Dabei ist von besonderer Bedeutung, daß in wesentlicher Beziehung kein Unterschied bestedt und daß alle Gegner fast ohne Ausnahme gleicy stark waren. Die Ergebnisse waren nur ganz knapp, und oft gAtug konnte der Sieger erst in letzter Minute fest-gestellt werden.
Um die Bannmeisterschast im Fußball.
1900 im Endspiel von Buhbach glatt geschlagen.
Am Sonntag wurden auf dem Sportplatz der Spieloereinigung 1900 die Endspiele um die Fuß- ball-Bannrneisterschaft ausgetragen. Es stellten sich aus den 8 Gruppen 5 Mannschaften und zwar folgende Gruppensieger: Butzbach, Großen-Linden, Klein-Karben, Wölfershettn und 1900 Gießen. Es gab sehr schöne Spiele. Die Auslosung ergab folgende Spiele, die in je 2 mal 20 Minuten durchgeführt wurden.
1900 1. Jugend — Großen-Linden 2:0 (1:0).
Großen-Linden stellte eine spielstarke Mannschaft ins Feld, deren Sturm besser zusammen spielte, als der 1900er. Es. dauerte einige Zeit bis es 1900 gelang den Führungstreffer zu erzielen. Nach der Pause hatte die Verteidigung von 1900 viel Arbeit zu leisten, aber Großen-Linoen brachte es zu keinem Tor. Kurz vor Abpfiff erzielte 1900,noch 1 Tor und somit kamen die 1900er in die Zwischenrunde.
Buhbach — Klein-Karben 2:1 (0:1).
Klein-Karben hate Wahl und spielte mit dem Wind. Die Butzbacher mußten stark verteidigen um ihr Tor rein zu halten. Nach kurzer Zeit erzielten die Klein-Karbener ihr einziges Tor. Nach der Pause gingen die Butzbacher mächtig aus sich her- aus und zogen gleich. Sie stürmten jetzt mächtig auf das Tor der Klein-Karbener und erzielten bis zum Schluß noch 1 Tor. Butzbach siegte verdient.
1900 1. Jugend — Wölfersheim 3:0 (1:0).
Das einzige Vorschlußspiel sah die Gießener in schlechter Verfassung. Bis zur Halbzeit brachten sie nur einen Treffer hin. Im Verlauf der 2. Halbzeit« ließen die Leistungen sehr nach. Die Blauweißen erzielten noch zwei weitere Tore und kamen somit mit Butzbach ins Endspiel.
1900 1. Igd. — Buhbach 1. Igd. 1:3 (1:0).
Bei diesem Spiel wurden 2 mal 40 Minuten gespielt. Es war das schönste Spiel des Tages. Mit' dem Wind spielend erreichten die 1900er nur ein Tor. Bei besserem Zusammenspiel des Sturmes hätten sie bestimmt mehr erreichen können. In der 2. Halbzeit wurde 1900 in die eigene Hälfte gedrängt. Butzbachs Sturm verstand die Torgelegenheiten auszunutzen. Drei Tore waren die Ausbeute. Butzbach konnte verdient als Bannmeister 1940 den Platz verlassen.
Zuchthaus für Päckchenmarder.
LPD. Frankfurt a. M., 15. April. Das Som dergericht Frankfurt verhandelte zwei Fälle, in denen sich Angeklagte an Feldpostsendungen vergriffen hatten. Beide Angeschuldigte waren unbestraft. Der eine Angeklagte, der im 58. Lebensjahr steht, hatte Päckchen umzusortieren, die von Frankfurt aus weitergingen. Schon am zweiten Tage seines Stellenantritts wurde er überführt, eine Wurst, die er unter Päckchen.fand, sich angeeignet zu haben. Ferner wurde ihm nachgewiesen, daß er sich ein Päckchen vollständig aneignete und die Verpackung und einen Brief ins Klosett warf, während er die Füllung des Pcckets in die Tasche steckte. Der Angeklagte wurde wegen Vergehens gegen § 350 des StrGB. und Verbrechens gegen die Paragraphen 348 und 349 StGB, unter Ausnutzung des Kriegszustandes zu 3>4 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der zweite Angeklagte, der 56 Jahre alt ist, war in der Paketumschlagstelle des Ostbahnhofs beschäftigt, wo er sich in gleicher Weise verging. Er wurde mit 3 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust bestraft.
MslöuK schaffen, Ätna?
Vornan von Markina if tforbfjclm
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Wie? Sie wollen gar nichts darüber gehört haben?" — Gräfe läßt sich nicht dumm machen, o nein — „das glauben Sie doch selber nicht!" Und nun zeigt es sich, daß Herr Schneider der Ansicht ist, daß auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört.
„Na, erlauben Sie mal, das ist ja die Höhe! Und übrigens ist es mir doch ganz wurscht, ob die Trasse später mal rechts oder links verläuft, östlich oder westlich. Ich habe nur mit den Vorarbeiten zu tun."
Den Gräfeleuten wird himmelangst, denn Vater Gräfes Gesicht läuft blau an.
„Was sagen Sie, Mann? ,Wurscht ist ihnen das? Aber mir ist es nicht wurscht! Glauben Sie vielleicht, ich sitze hier friedlich in, meinem Haus und warte, bis man mir die Luft abdreht? Haben Sie schon etwas von meinen Quellwiesen gehört? Die Quellen brauche ich nämlich für mein Bier! Damit Sie es wissen — mein Bier ist berühmt bis nach Berlin hinauf! Noch einer soll mir sagen, daß ihm das wurscht ist!" Und damit donnert er mit seinen wuchtigen Schritten wieder zurück auf seinen Platz.
Und nun ist lastende Stille im Zimmer. Lena Dettefing wagt als erste die allgemeine und schweigsame Betretenheit zu unterbrechen.
„Ihr habt Sorgen wegen der Autobahn. — Das tut mir wirklich leid." Ihre Stimme Hingt tastend. Da ist aber schon Hermanns Baß dazwischen
„Lassen wir das heute abend. Das sind Männersachen. Wir werden es unter uns ausmachen."
Christoph Gräfe sieht mit einem schiefen, aufhorchenden Blick zu seinem Sohne hinüber. Was ist denn das? Das klingt ja wie eine Zurechtweisung. Wie kommt der sonst zurückhaltende Hermann dazu, sich so etwas anzumaßen?
Auch Lena sieht sich jetzt.den Großen an. Eigentlich zum erstenmal bewußt. Ihr Interesse hat vor allem den Kindern ihrer Schwester gegolten. Jetzt bemerkt sie, daß dieser Hermann ein feines Gesicht hat und einen klugen Blick. Wie von innen heraus bricht aus diesen Augen ein starkes Feuer. Und dabei sind sie hell, von einem merkwürdigen ©rau.
Lena schweigt, auch die anderen bleiben stumm. Fühlen sie es, daß in dieser Stunde etwas anders geworden ist auf dem Gräfehof?
Herr Fred Schneider findet es auf einmal reichlich an der Zeit, aufzubrechen. Er will noch bis Weißenberg. Im Hausflur zieht er Lena ein wenig beiseite.
„Du, ich hätte noch ein Anliegen. Ich wollte es schon den ganzen Tag sagen — könntest du mir — ich bin gerade mächtig in der Klemme — zwanzig Mark, Lena, wenn du mir die leihen könntest?"
Lenas Gesicht verzieht sich. Es ist ihr peinlich. Christoph Gräfe geht gerade vorbei zur Treppe. Wenn der Schneiders Anliegen gehört hat, — unangenehm wäre das.
Lena geht zur Haustür und öffnet sie. „Du wohnst ja hier in der Nähe, Fred. Komm mal vorbei mit deinem Wagen. Im Augenblick geht es nicht."
Lena bricht schnell ab. Dor der Tür stehen Erni und Jupp und sehen sich den Schneiderschen Wagen an. Jupp wirft mit großen Worten um sich: „Oben- gesteuerte Ventile" und dergleichen mehr.
„Es tut mir leid", sagt Erni zu Schneider, „daß Sie von uns Gräfes einen so wenig netten Eindruck bekommen haben."
„Von Ihnen einen ausgezeichneten, Fräulein Erni!"
Sie ist etwas verwirrt. Aus dem kleinen Seidentuch feiner Jackentasche strömt Parfümgeruch. Er gibt ihre Hand gar nicht wieder frei. Ein feiner Mann, denkt Erni, indes er in feinem grauen Slipon um den Wagen schwenkt.
„Gute Fahrt!" ruft sie ihm nach.
Sie will ins Haus zurück, bleibt aber unwillkürlich stehen. Drinnen brandet ein Sturm. Vaters und Rudolfs Stimmen. Eine lauter als die andere. Erni hält sich den Kopf. Gott, o Gott! So ein kritischer Tag! Wie Mord und Totschlag klingt es da drinnen. Schämen sich die beiden denn gar nicht vor Tante Lena?
Jetzt wird die Tür aufgerissen. Rudolf stürmt heraus.
„Um Gottes willen, was ist denn los?"
„Keine Stunde bleibe ich länger hier! Ich lasse mir doch die Jutta nicht beleidigen!^
„Aber Rudolf, du weißt doch, Vater ist gerade heute so aufgebracht!"
„Ist mir gleich, ich lasse mir das nicht bieten!"
Da hilft kein gütiges Zureden. Erni muß zusehen, wie Rudolf sein Motorrad aus dem Schuppen holt.
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