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llr 89 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 16. April 1940

ÄnMlmg des neuen Stadttheater-Intendanten

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Intendant Klein. (Aufnahme: Privat.)

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Kapellmeister Sölln er. (Aufn.: Privat.)

die seenreiche poetische i steht. Die Angehörigen können den Toten besuchen, Felsenklippen von Moen I ihm Speise und Trank darbieten und ihm opfern.

heitsstatue!

Bahnhof- strafle 44 _. 1914A

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Dänische Landschaft.

Don Rudolf Adrian Dietrich.

Bauernlandes Fünen, ll.r

Schönheit Seelands, die Felsenklippen von Moen und Bornholm: das sind gewiß sehr unterschied, liche Eindrücke! Und doch spiegelt über allem der gleiche kühlblaue Himmel mit den vom Meerhauch hergetriebenen Wolkenbändern, sind es immer wie­der die Buchenwälder, die die Kontraste der ver­schiedenen Landesteile etwas aufheben. Sind es die kleinen gepflegten Landorte und Landsitze mit ihren Parks und die in der Umgebung der Haupt­stadt um die Landhäuser noch selbst im kleinsten Format immer etwas parkartig angelegten Gär- ten, die den Grundcharakter bestimmen: ein ge­ruhiges, idyllisch wirkendes Bild. Von ihm wird auch der Lebensrhythmus des Städters getragen, jene gewisse Gelassenheit, zwischen etwas Senti­mentalität und überwiegendem Humor schwankend, mehr voll Sympathie für das Weite als für grüb­lerische Tiefe. Daneben ein Hand zur durchschau­baren, skeptisch betrachteten Illusion, zum naiv-be- deutungsvollen Landschaftsmärchen, wodurch denn der Odenser Schuhmachersohn H. C. Andersen auch der eigentliche Nationaldichter und -Denker Däne­marks wurde; mehr noch als Holberg oder Oehlen- schläger, die offizielleren Repräsentanten, deren überlebensgroße Statuen vor dem Königlichen Theater am Köngensnytorv sitzen, viel mehr als ein Kierkegaard oder ein Baggesen! Und es ist wohl nichts bezeichnender für diesen lyrischen Zug, als die Figur der kleinen Seenixe, die vor der Langen Linie, Kopenhagens schöner Strandallee, träume­risch hinausschauend auf einem Stein im Wasser sitzt, genau so wie man sie aus dem Andersen- märchen kennt: etwas traurig und doch dem Be­trachter ein kleines freundliches Lächeln abfordernd.

Sie befindet sich an ähnlicher Stelle und als ähn­liches Begrüßungssymbol vor der Kopenhagener Küste wie im Neüyorker Hafen die pathetische Frei-

3n einer chinesischenTotenstadt".

Wenn ein Chinese verstorben ist, wird seine Leiche im Sarg zunächst in der Regel noch nicht in einer Gruft bestattet, sondern in derTotenstadt" aufgebahrt, und solange sie hier bleibt, ist die Seele nach uralter Anschauung noch erdverbunden, der Verstorbene befindet sich gleichsam in einem Zwi- schenrsich, wo er den Hinterbliebenen noch nahe-

Jm Anschluß an Besprechungen des Oberbürger­meisters Ritter mit dem neuen Intendanten un- seres Stadttheaters Hans Walter Klein aus Ber­lin, die am gestrigen Vormittag im Stadthaus Bergstraße stattfanden, erfolgte am gestrigen Mon­tag mittag die Einführung des neuen Intendanten in sein Amt durch den Oberbürgermeister. Dazu hatten sich die Gefolgschaftsmitglieder des Stadt-

achung be? egierung - der Verort! !1. 12.1939

Stoffe n fache ine Aus»

Intendant Klein bekannte sich in seiner An- spräche zu den gleichen Gedanken wie der Ober­bürgermeister, dem er für sein Vertrauen Dank be­kundete, und betonte dann, daß er nicht nur selbst mit aller Kraft und allem Können seines Amtes walten werde, sondern auch von allen Gefolgschafts- Mitgliedern des Theaters vollsten Einsatz erwarte. Sein besonderes Bestreben werde auch immer dar- auf gerichtet sein, beste Kameradschaft mit den Ge- folgschaftsmitgliedern des Theaters zu pflegen, und in diesem Geiste wolle er die Zusammenarbeit för- dern und vertiefen. Die Vorstände der einzelnen Ab- teilungen werde er alsbald mit seinen Gedanken und Absichten bekannt machen, die darauf gerichtet seien, freudige Arbeit zu leisten zum glücklichen Gedeihen der Kunst in Gießen.

Mit diesem Vorsatz übernahm der neue Intendant sein Amt, zu dessen glücklicher Führung im Interesse unseres Theaters und der theaterfreudigen Bevölke­rung wir ihm unsere besten Wünsche aussprechen.

Eine Unterredung

mit dem neuen Intendanten.

Wir hatten Gelegenheit, uns mit dem neuen In- tendanten zu unterhalten und in einigen grundsätz-

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theaters auf der Bühne eingefunden.

Oberbürgermeister Ritter hielt nach Vorstellung des neuen Intendanten eine kurze Ansprache,

Man verliert nirgend in Dänemark das Gefühl der Nähe des Meeres. Es liegt gleichsam überall in der Luft, nicht nur wo man es von der Küste her sieht. Kleine Trajektdampfer verbinden die grünen Inseln miteinander. So fährt man von Seeland nach Falster, von Falster nach Laaland: oder die Hauptstraße quer durch das Jnselreicy. von Kopenhagen über Korsar und Nybora nach Fünen und von Fünen wieder nach Jutlano. Da­neben liegen noch die zahlreichen ganz fernen In­seln: Aerö und das bis 1918 zu Deutschland ge» hörende Alsen, Langeland und Möen, Samso, Laesö, Anholt und dann abseits für M)J50 Holm. Das Meer dringt auch zum Teil ziemlich well ins Innere: Sunde und Fjorde die größten sind der Limfjord in Nordjütland und der Jsefiorv in Nordseeland.

Was neben der Meeresverbundenheit am meisten auffällt sind die weiten Buchenwälder, die da und dort von Steilküsten oder im Inneren Jüt­lands von Heiden und Mooren unterbrochen Die Eigenart des dänischen Landes offenbaren.. Zwischen ihnen haben sich, wie an der Küste durch die See­fahrt, den Ostseehandel die Hafen- und Handels­plätze nun hier vorwiegend die kleiner gebliebenen Landorte entwickelt, als Markt und Provinzzentten der andern Hauptlebensquelle der dänischen Be­völkerung: der Landwirtschaft. Ihre Situation ist wesentlich begünstigt durch die Geschichte der alten Geschlechter der Rantzaus und Revent ows der Sarnsös, Dannefkjold, Schack, Tott, Ahlefeldt s ., deren Schlösser und Herrensitze über das gange Land verstreut liegen. So entfaltete sich ^exVp ,e weise unter dem Einfluß der alten Geschlechter- iradition das heute noch mittelalterliche Städtchen Sorö auf Seeland als Treffpunkt und Gesiteszen- trum des Landadels.

Von den Gutshöfen und Herrensitzen ausi wurve aber auch das ganze eigenartige Bild der dänischen Landschaft mitgeformt. Etwa mit Heinrich Rantzau, dem größten Bauherrn des Nordens im 1b. 9

hundert, fetzte die Bewegung ein, die m Den fol­genden beiden Jahrhunderten sich ausbreitete unter der Leitung deutscher und dänischer B meister einen bestimmten Grundtypus Der

... er die Aufgaben eines Stadttheaters, beson­ders auch in der Kriegszeit, umriß und der Hoff­nung Ausdruck gab, in dem neuen Intendanten Hans Walter Klein den Mann gefunden zu haben, der unser Gießener Stadttheater zur Zufriedenheit der Theaterbesucher und damit zum Besten unserer Volksgemeinschaft führen roerhe. Weiter teilte der Oberbürgermeister mit, daß Intendant Klein zu­nächst für eine fünfjährige Tätigkeit verpflichtet worden sei. Ferner forderte der Oberbürgermeister alle Gefolgschaftsmitglieder des Stadttheaters auf, ihre Kraft und ihr Können weiterhin, wie bisher, mit größter Hingabe für die Aufgaben unseres Stadttheaters zur Verfügung zu stellen und dadurch beizutraqen zur Erhaltung und weiteren Steigerung des künstlerischen Rufes unserer Bühne, außerdem stets gute Kameradschaft zu halten und allseits dar­auf bedacht zu fein" daß aus der guten Kamerad­schaft heraus ein gedeihliches Verhältnis für die Zusammenarbeit erwachse. Mit diesem Wunsche und in dieser Erwartung erfolgte dann die lieber« gäbe des Amtes an den neuen Intendanten.

lichen Gedanken zu hören, welche Mifsion er für sich zur Förderung unseres Gießener Theaters als Aufgabe hat.

Im Vordergrund steht der Wunfch, das Ansehen des Gießener Stadttheaters, das es in der Vergan­genheit genoß, zu erhalten und zu steigern. Dabei sollen in gleicher Weise und trotz mancher schwierigen Umstände, die sich durch die Kriegs­zeit naturgemäß auch für ein Theater ergeben, das Schauspiel, die Operette und die Oper gepflegt werden, um damit allen Freunden des Gießener Theaters etwas zu geben. Im Vordergrund soll in jedem Falle die künstlerische Leistung stehen, Die sich nicht nur auf Dem Können einzelner Darsteller und Sänger, sondern auf einer disziplinier- ten Gesamtleistung des Ensembles aufbauen soll.

Weiter wird der neue Intendant sein Haupt­augenmerk darauf richten, unser Theater zu einer Kulturstätte für einen initiier breiteren Kreis der Bevölkerung zu machen. Aus diesem Grunde soll auch derder Theaterbesucher von morgen", die Jugend, dem Theater gewonnen werden. Die Zu­sammenarbeit mit der NSG.Kraft durch Freude" soll ebenfalls sehr eng gestaltet werden, um gerade über diese Organisation dem Theater viele neue Freunde zu gewinnen.

Durch die künstlerische Leistung, wie durch die Bemühung, einen großen Kreis von Volksgenossen durch die gleichmäßige Förderung von Schauspiel, Operette und Oper für unser ^Heater zu gewinnen, soll dem Theater sein wirtschaftlicher Bestand ge­sichert werden. Der neue Intendant, Der sich durch seine umfangreiche organisatorische Tätigkeit an verschiedenen Bühnen des Reiches ausgezeichnet hat, fühlt sich hier vor einer besonders wichtigen Auf­gabe. Selbstverständlich wird er sich auch in der Regie betätigen und auf diesem Gebiete seine Lei- ftungsfähigkeit beweisen.

Wie wir im weiteren Verlaufe der Unterhaltung horten, ist sich der neue Intendant der großen Auf­gaben, die insbesondere der Bühne einer mittleren Stadt aufgegeben sind, vollauf bewußt. Seine näch­sten Absichten sind nun, in sorgfältigem Studium die bisherigen Verhältnisse an unserem Theater kennenzulernen, die Spielpläne zu studieren, die an unserem Theater tätigen Kräfte kennen zu lernen, um sie ihrem Können entsprechend einzusetzen, und schließlich neue Kräfte auf Grund feiner weitreichen­den Beziehungen in der deutschen Theaterwelt für unser Theater zu gewinnen.

Der neue Theaterkapellmeister.

Als Nachfolger des bisherigen 1. Kapellmeisters unseres Stadttheaters Paul Walter wurde als neuer 1. Kapellmeister unserer Bühne Otto So ll- n e r verpflichtet. Sein Engagement in Gießen läuft mit Beginn der neuen Spielzeit auf die Dauer von

Es mutet den Fremden seltsam an, wenn er ver­nimmt, daß die Chinesin ihrem verstorbenen Gat­ten seine Lieblingsspeisen in die Totenstadt bringt und nachdem sie ihre Gebete verrichtet hat, die Speisen wieder mit heimnimmt, um sie selbst am Abend zu verzehren. Aber der Verstorbene Hot dennoch seinen Anteil empfangen, denn er hat den Duft der Speisen und Der Getränke genossen und dank Denen durch reichen Segen, die so seiner ge­denken. Nur in einem Land, in Dem der Ahnen­kult in so ausgeprägtem Maße das religiöse und sittliche Leben eines Volkes bestimmt wie in China, ist eine derartige Totenehrung vorstellbar, unbjie offenbart Die tiefe Verbundenheit jedes Angehöri­gen mit feiner Familie auch über das Grab hinaus.

In einer solchenTotenstadt" mieten sich die Hin­terbliebenen zur Aufbahrung der Verstorbenen ein kleines Haus, in dem der Sara aufgestellt wird. Vor der Stadt auf einer kleinen Anhöhe liegt Die von einer Steinmauer umschlossene und von einem Tor­hüter bewachte Totenstadt, in der es verschiedene Straßen und Gassen gibt, die an den Totenkam­mern vorbeiführen. Die Kammern sind von einem hellen Licht durchflutet, in der der sehr farbenfroh aufgeputzte Altar steht. Auf glitzernden Spruch­bändern sind Worte zu lesen wie diese:Wir führen dich, wir geleiten dich in das Paradies der höchsten Freude!", und auf der Altardecke prangen die Fünf Kostbarkeiten", die beiden Leuchter, die bei­den Blumenvasen und das Weihrauchbecken, Die in keiner Tatenkammer fehlen. Außerdem stehen neben der Seelentafel, die von einer ewigen Lampe be­schienen und von zwei Genien bewacht wird, Geräte, die der Verstorbene zu gebrauchen liebte. Sein Stuhl, sein Trinkgefäß und seine Wasserpfeife sind hier zu finden; manchmal sind aber auch Toilettengeräte, Schmuck und bei Kindern Spielzeug für den Toten bereit gestellt, der hinter dem Altar in seinem Sarg aufgebahrt ist, wie durch einen Vorhang hin­ter den von der Decke herabhängenden Spruchbän. dern verborgen. Oft bewachen Papierpuppen, die Diener und Dienerin darstellen, den auf zwei Bänken ruhenden Sarg, unter dem ein Topf Reis als Wegzehrung für die Seele auf ihrer langen Wanderung aufgestellt ist. Nach einigen Monaten, seltener nach einem Jahr und noch später, wird der Sarg dann aus Der Totenstadt in eine Gruft über* führt. C. K.

zusammenfügt.

Dabei kommt wohl im Höhepunkt Der Geist des 18. Jahrhunderts am meisten zum Ausdruck. Wenn man bereits in Kopenhagen sich immer wieder und trotz der betontenModernität" der Kopenhagener und Kopenhagenerinnen dennoch bei allen entschei­denden Kunst- und Formfragen überall den min­destens ein Jahrhundert zurückliegenden Vorbildern gegenübergestellt fühlt, so findet man die Zeugnisse und Erzeugnisse dieser poetischen Epoche vor hun­dert bis hundertfünfzig Jahren in zahllo en Ab­wandlungen im ganzen sich wiederholend. AlsIn­seln der frohen Einsamkeit" waren diese Stamm­sitze der höfischen und diplomatischen .Welt im 18. Jahrhundert ausgebaut worden, und der ganze Güter- und Geistesaustausch des Landes vollzieht sich zwischen diesen Besitztümern, den Landstadt- chen und Marktplätzen. Es war daher durchaus irrig, als jemand die Behauptung aussprach: Kopenhagen sei Dänemark. Konzentrierte sich hier der Handel, die Wissenschaft, wurde ebenso die kul­turelle und geschichtliche Entwicklung Dänemarks hier gleichsam in zusammengedrängter Form aus­gezeichnet, so liegen die Quellen dieses Äustmmen- flusses doch weithin in der dänischen Landschaft und Landschaftskultur. Man merkt das schon bei den in unmittelbarer Nähe der Residenz der Chn- ftiane und Frederiks gelegenen Statten wie Strom borg und Hillerod, Hirschhvlm und Roskilde, deren Namen gewissermaßen die engere dänische Staats» historie registrieren. Aber selbst mitten in dem Großstadtverkehr Kopenhagens empfindet man noch etwas von der Gelassenheit, die aus der dänischen Landschaft und dem Landleben stammt. Immer wieder ist der Landschaftscharakter der Maßstab für das Wesentliche und Eigenartige.

Nicht daß diese Landschaft sich" nun deshalb Überall'gleichsähe. Unterschiedlichkeiten hat man sehr bald herausgefunden: die herbe Westküste Jütlands nördlich Esbjerg mit ihrer kargen F.fcherwelt Die Moorlandfchaften hinter Veste unD Koldmg unD Die weiten Heidestrecken in Jnnerjut and die Aecker, die sattgrünen Weiden, Die Pferdekoppeln Des

Aornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrEmilia Galotti'« Gloria-Palast (Scltersroeg):Feuertaufe". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Hochzeit mit Hin­dernissen".

BDM-Untergau 116 Gießen.

Die Schulung für Monat April für die Führe­rinnen des BDM.-Werks des Standortes Gießen findet am Mittwoch, 17. April. 20 Uhr, im Moser­heim statt.

Wichtig bei Einberufungen zum Wehrdienst.

Bei kurzfristig Dienenden, die -ihre Wohnung bei- behalten, wird nach den Bestimmungen zur Reichs- melbeorbnung eine Abmelbung bei Der polizeilichen Melbebehörbe an sich nicht gefordert. Während Des Krieges werden jedoch künftig Die Einberufungsbe­fehle folgenden Zusatz erhalten:

Von der Einberufung ist der polizeilichen Melde- behorde und ber Lebensmittelkartenausgabestelle münblich ober schriftlich Kenntnis zu geben, ge­gebenenfalls durch Angehörige ober sonstige nahe­stehende Personen "

Die Beachtung dieser Bestimmung liegt im eige­nen Interesse der Einberufenen. Durch die Abmel­dungen entstehen ihnen hinsichtlich ihrer Wohnung aber ihres Unterstützungswohnsitzes keinerlei Nach­teile.

Robert (Saiten

und sein Tanzsympbonie-Orchester.

Die NS.-^emeinschaftKraft durch Freude" konnte bei dem gestrigen Gastspiel des Tanz-Sym« phonieorchesters Robert Gaden (im Gloria-Palast) wieder ein volles Haus verzeichnen. Wer dabei an ber scharf akzentuierten Musik, an der Eigenart der Musik, wie sie ein Tanz-Symphonieorchester über­haupt pflegt, grundsätzlich seine Freude hat, kam gestern abend voll auf seine Rechnung. Das Orche­ster musiziert schmissig und routiniert und kennt sichtlich keine technischen Schwierigkeiten. Robert Gaden führt sein Orchester mit weitausholender unD temperamentvoller Bewegung, und fast führt seine Art des Dirigierens hinüber zur Andeutung von tänzerischem Rhythmus. Daß sich nach der Musik dieses Orchesters ganz ausgezeichnet tanzen liehe, wird bereits nach den ersten Takten klar.- Wer gerne tanzt, hält es also kaum auf dem Stuhle aus.

Das Programm des Abends war reichhaltig, aber doch nicht zu umfangreich und nahm im Grunde nur 1'/- Stunden in Anspruch. Man hörte spanische, ungarische, slawische und argentinische Tänze, Tangos, Walzer und Csardas, schließlich auch Kom­positionen im Schlagerton und solche, die einen virtuosen Einsatz der Instrumente gestatteten. Im Programm las man die Namen Dostal, Brahms, Dvorak, Sarasate, Strauß usw. Von Mozart wurde ein Menuett gespielt, bei dem sich die wenigen be­teiligten Musiker sehr an Den Charakter Der Kom­position hielten und auf Die dem Orchester sonst eigene Art des Musizievens verzichteten. Einige solistische Darbietungen, in Denen u. a. auch Die Harfe einmal besonders hervortrat, wurden dani- bar auf genommen.

Die zahlreichen Zuhörer geizten nicht mit deitt Beifall, und das Orchester muhte sich zu mancher Zugabe bzw. Wiederholung verstehen. N.

Mitgliederversammlung der <&R(5.

Am Samstag fand eine Mitgliederversammlung ber Gießener Rubergesellschaft statt. Nach ber Be­grüßung gedachte Vereinsführer Stubienrat Schar- m ann des am 7. April an der Westfront 'gefalle­nen Ruderkameraden, Oberzahlmeifter Lotharingen de Grain, dessen Andenken geehrt wurde. Es konnte wieder eine Anzahl Feldpostbriefe, insbe­sondere ein erfreulicher Brief aus Graubenz ver­lesen werden. Anschließend würbe ber Geschäfts­bericht besprochen. Der Vereinsführer berichtete über bie Versammlung Des Ortsringes bes NSRL. und gab die neue Einheitssatzung bekannt, die an­genommen wurde. Es wurde beschlossen, den Na­men des Vereins bei'zubehalten. Unter der Leitung Ides Ehrenmitgliedes und langjährigen Vorsitzenden

weitläufigen Parkanlagen umgebenenHerre- Iqaarbs" schuf. Diese Parks wollten in nichts die natürliche Landschaft etwa übertrumpfen. Es ist tm Gegenteil ein ausgesprochener Landschaftskult, eine Betonung und Pflege des Landfchaftsbildes, das ich in diesen großen und mittleren Parkanlagen

Aus der Stadt Gießen.

Vollkornbrot.

Sn Deutschland ist, im Gegensatz zu anderen Ländern, der Genuß des Vollkornbrotes nie ganz aufgegeben worden, wenn sich auch die Neigung zum Verzehr von Weißbrot sehr verstärkte. Die Wissenschaft hat rechtzeitig die Schädigungen nach- gewiesen, die der ausschließliche Verzehr von Weiß­brot der Volksgesundheit zufügt, und eine vernünf­tige Aufklärungspropaganda hat dem Vollkornbrot sehr bald zu voller Anerkennung verholfen.

Was ist Vollkornbrot? Nach behördlichen Bestim- mungen und den Richtlinien des Vollkornbrot-Aus­schusses ist nur solches Brot als Vollkornbrot zu bezeichnen, das alle Bestandteile des Getreidekorns, also auch den Keimling, die Schalenteile usw. ent­hält und das nicht unter Verwendung von Süßungs­mitteln oder Zusatz irgendwelcher Substanzen her­gestellt ist.

Es gibt verschiedene Arien von Vollkornbrot, die nach verschiedenen Mehl-Aufbereitungsmethoden und Backverfahren zubereitet werden. Arn bekanntesten sind die Namen: Steinmetz-, Klopfer-, Simons«, Grahambrot. Sie sind nach den Wissenschaftlern benannt, auf Die die jeweiligen Schrotungs-Verfah­ren zurückgehen. Wahrend man z. B. beim Stein» metzbrot Die äußerste Schale durch besondere Ver­mahlung entfernt, wird das Vollkornbrot nach Dr. Klopfer geschlagen, während es beim Simons-Ver­fahren gemälzt wird. Auch durch Brühen eines Teils des Schrotes, wodurch man eine schnellere Quellung Der Stärkekörner erzielt, wird eine Be- ieinflussung Des Brotgeschmacks erzielt.

Zur Teiglockerung wird bei allen diesen Broten Sauerteig verwandt. Je nach den Backeigenschaften des zur Verarbeitung gelangenden Schrotes be­stimmt sich die Menge des zuzusetzenden Sauerteiges und auch die Temperatur, mit welcher der Teig ge­macht wird.

Die Beschaffenheit des Vollkornbrotteiges im Ge­gensatz zu anderem Roggenbrotteia bezeichnet der Fachmann alskurz". Dies ist darauf zurückzuführen, daß die fein zerkleinerten Schalenbestandteile im Mahlgut enthalten sind und die Bindefähigkeit der Stärketeile sehr beeinflußt wird.

, Daß das Vollkornbrot gegenüber gewöhnlichem Roggenbrot etwas teurer ist, begreift sich aus dem umständlicheren Aufbereitungsoerfahren des Voll-

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e Verkaufs. kornschrotes und der wesentlich längeren Backzeit, Stadtkreise- die diese Spezialbrote erfordern. Sie beträgt je nach 55 wie folgt» Gröhe und Art des herzustellenden Brotes für Normal-Vollkornbrot 2 bis 6 Stunden, für Spezial-

1315 'Vollkornbrot, wie Simonsbrot und Pumpernickel,

ebensmtttel- 16 bis 20 Stunden. Auf diese lange Backzeit ist bei er Zeil m letzteren die dunkle Farbe zurückzuführen. Auch nach dem Backen erfordert Vollkornbrot eine sehr pfleg- eiedaaen llt liche Behandlung, nicht nur seitens Des Verkäufers, 1 sondern auch seitens Der Hausfrau.

Vollkornbrot ist dem Verderb durch Schimmel­befall mehr ausgesetzt als Helles Brot. Der Schim­melpilz kommt aber niemals aus dem Brot, wie oft angenommen wird, sondern wird stets von außen herangetragen. Feuchtigkeit und Wärnie begünstigen die Entwicklung von Schimmelbakterien. Vollkorn­brot muß kühl und luftig lagern! Leichtes Antrock­nen der Randseiten verhindert das Schimnieln. Voll­kornbrot Darf nickst in Brotbüchsen oder sonstigen luftdichten Behältnissen liegen. Don Vollkornbroten, die in Papierhüllen abgegeben werden, ist die Hülle

zu entfernen.

Auch Pfingsten daheim!

All das, was hinsichtlich der Beschränkung der Vergtiügungs- und Ausflugsreisen für das Oster­fest galt, hat mit Rücksicht auf die kriegswirtschaft­lichen Belange und auf die nach wie vor starke Beanspruchung der Reichsbahn auch für die Pfingst- feiertage Gültigkeit. Man wird sich also entschließen müssen, auch die Pfipgstfeiertage zu Hause zu ver­bringen, oder aber in Der heimatlichen Umgebung, soweit sie auf Fußwegen und Ausflügen zu Fuß zu erreichen ist, und die Reichsbahn nicht in An­spruch nehmen. In Anbetracht der großen Ereig­nisse Der Gegenwart und im Hinblick auf Die gro­ßen Opfer, Die unsere Soldaten bringen, wird sicher- lich auch Den Volksgenossen in der Heimat Der Ber­ückst auf Die Pfingstreise kein allzu schweres Opfer fein. ___