Ausgabe 
15.8.1940
 
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Handlungen befaßte. Anschließend wurde die für die Verhandlungen in Turn-Severin bestimmte unga­rische Abordnung vom Ministerpräsidenten und dem Außenminister mit Anweisungen versehen. Dem Leiter der Abordnung, Gesandten H or y, sind meh­rere höhere Generalstabsoffiziere und Beamte des Außenministeriums zugeteilt.

Frankreich.

Grenoble, 14. Aug. (Europapreß.) Der fran­zösische Ministerrat nahm ein Gesetz über die Pro­zedur des Staatsgerichtshofs und ein anderes über die Unterdrückung der geheimen Gesellschaften an. Das Vermögen der aufgelösten Gesellschaften wird beschlagnahmt und liquidiert. Schwerste Strafen werden den Beamten angedroht, die den aufgelösten Gesellschaften weiterhin angehören. DerPetit Dauphinois" schreibt, dieses neue Gesetz rvird viel­leicht in gewissen Kreisen sehr diskutiert werden. Aber man kann nicht bestreiten, daß es seinen Platz in dem Aktionsprogramm einer Regierung hat, die unterbinden will, daß sich irgend ein Einfluß noch außerhalb der Öffentlichkeit bemerkbar macht.

In Clermont-Ferrand ist eine weitverzweigte Bande von Plünderern unschädlich gemacht worden. Die Bande hatte auf dem Flughafen von Clermont-Ferrand große Mengen von Kupfer, Bord- und Kontrollapparate für Flugzeuge gestoh­len, die sie zum Teil von den Flggzeugen abmon­tierte. Das ganze wertvolle Material wurde dann zu Spottpreisen an Altwarenhändler in der Stadt verkauft". Auch bedeutende Unterschlagungen und Diebstähle hat die Polizei in der Zeugmeiste- rei von Clermont-Ferrand aufgedeckt. Bei einem einzigen Händler konnte sie den Inhalt von zwei Militärlastwagen beschlagnahmen, den der Mann für ein Trinkgeld von den Soldatengekauft" hatte. So hat der Gauner z. B. für hundert funkel­nagelneue Militärmäntel etwas über 5 Mark be­zahlt.

Abschluß der deutsch-slowakischen Handelsbesprechunaen.

Preßburg, 14.Aug. (Europapreß.) Die han­delspolitischen Verhandlungen zwischen Deutschland und der Slowakei wurden mit der Unterzeichnung eines Zusatzabkommens zu den bisherigen Verträgen abgeschlossen. Zugleich wurde ein Protokoll unter­zeichnet, das die Ein- und Ausfuhr zwischen Deutsch­land, dem Protektorat und der Slowakei regelt. Die neuen Vereinbarungen erleichtern den gegenseitigen Warenaustausch und auch die Liquidierung der slo­wakischen Arbeiterüberweisungen aus Deutschland. Auch der Aufbau einer holzverarbeitenden Industrie in der Slowakei ist geplant.

Auch die LlEA.-Truppen in China unerwünscht.

Mailand, 14. Aug. (Europapreß.) Wie der Corriere della Sera" meldet, hat die Regierung von Nanking den Vereinigten Staaten durch ihren Botschafter Tana Liang Si mitgeteilt, daß al.le amerikanischen Truppen in China so rasch wie möglich zurückgezogen werden sollten. Ihr Verbleiben in Schanghai werde ebenso wie die Anwesenheit der Truppen der Westmächte alsu n - rechtmäßig" betrachtet. England habe selbst mit dem Rückzug seiner Truppen die Rechtmäßigkeit der Forderung der japanischen Regierung anerkannt. Der Botschafter habe der Hoffnung Ausdruck ge- geben, daß die USA. im Interesse der Aufrechter- Haltung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern demBeispielEnglands folgen und ihre Truppen schnellstens aus dem Innern Chinas und besonders aus Schang- h a i zurückziehen würden.

Seenotflugzeug rüst das Jlugstcherungsschiff an.

ausgezeichnet wurden, nach Deutschland zu ent­senden, wo sie Gäste der Wehrmacht sein werden.

In Moskau hat der russische Volkskommissar des Aeußeren, Molotow, den neuen rumänischen Gesandten G a f e n c u empfangen.

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Das von der finnischen Regierung bestellte Komitee zur Förderung der kulturellen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Finnland hat sein Arbeits­programm festgelegt. Es wird vor allem bemüht sein, die Kenntnis der sowjetrussischen Kultur auf den ver­schiedensten Gebieten in Finnland zu fördern, aber auch die in der Sowjetunion vorhandenen Bestre­bungen, die finnische Kultur kennenzulernen, unter­stützen.

Die britische Forderung nach Beibringung von Navicerts für die Ausfuhr aus spanischen Häfen nach spanischen Besitzungen in Afrika sowie nach den Kanarischen Inseln ist z u - rückgezogen worden. Ein typisches Symptom für die eintretende Schwäche Großbritanniens.

Aus aller Welt.

Dramatische Schachbegegnungen in Bad Oeynhausen.

In den letzten Tagen wurden wieder neue, jedem menschlichen Gefühl und auch der Genfer Konven­tion hohnsprechende Angriffe englischer Kampfflug­zeuge auf deutsche Seenotflugzeuge bekannt. Das Seenotflugzeug, eine deutsche Schöpfung, hat die Aufgabe, in Seenot geratene Angehörige der Luft­waffe zu retten. Hierzu wurde das durch seine Bau­art und durch seine Flugeigenschaften besonders ge­eignete und geräumige Standartslugzeug des Welt­luftverkehrs, die Ju 52, ausersehen. In Seenot ge­

ratene Besatzungen unserer Kampfflugzeuge, aber auch Jäger erhalten von den Seenotflugzeugen ein Schlauchboot sowie unbedingt notwendige Instru­mente und die erforderlichen Lebensmittel, um so lange aushalten zu können, bis das Flugsicherungs­schiff die Besatzung aufnehmen kann. Unser Bild zeigt ein Seenotflugzeug, das ein Sicherungsschiff auf hoher See angerusen hat.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Oer Führer überreicht die Marschallstäbe.

Berlin, 14. August. (DRV.) Der Führer und Oberste Befehlshaber überreichte heute in seinem Ar­beitszimmer in der Neuen Reichskanzlei dem Reichsmarschall und feinen von ihm im Reichs­tag am 19. Juli beförderten G e n e r a l f e l d mar­sch ä l l e n die Insignien ihres Ranges, die 2Har- schallstäbe. Der Führer leitete die feierliche Ueber- gabe mit Worten des Dankes für die Verdienste der Marschälle um den Sieg der deutschen Waffen ein und sprach über die Verpflichtungen, die ihnen der Warschallrang gegenüber Volk und Reich auferlegt. An der Ueberreichung konnten die Feldmarschälle der Luftwaffe Milch, Sperrte und Kessel­ring nicht teilnehmen, da die Kampflätigkeit der Luftwaffe ihre Abwesenheit von ihren Hauptquar­tieren nicht gestattet.

Kleine politische Nachrichten.

Nach der Fahrt des Reichsinnenministers Dr. Frick durch Teile des Unterelsaß führte seine Be- sichtigungsreise durch Gebiete des Oberelsaß und der Vogesen. Auf der Weiterfahrt wurden noch Bel­fort und Mülhausen berührt. In Konstanz fand die Besichtigungsreise ihren Abschluß.

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Reichsminister Dr. Goebbels empfing den Präsidenten der amtlichen italienischen Nachrichten­agentur Stefani, Senator Manlio Morgagni, zu einem Gedankenaustausch über deutsch-italienische

Zusammenarbeit auf dem Gebiete des Nachrichten­wesens. In Begleitung von Senator Morgagni be­fand sich der aus Berlin scheidende Vertreter der Stefani-Agentur, Dr. B o j a n o , um sich zu verab­schieden. Dr. Bojano hat 12 Jahre hindurch die amt­liche italienische Nachrichtenagentur in Berlin er­folgreich vertreten. Gleichzeitig stellte Präsident Morgagni den neuen. Vertreter der Stefani, Dr. Suster, vor, der bisher in Warschau, Paris und airderen Plätzen tätig war.

In Straßburg trafen 30 deutsche Kulturschrift­leiter ein, die einer Einladung des Hauptreferats Kulturpresse der Presseabteilung der Reichsregie­rung und des Chefs der Zivilverwaltung folgten, um Volk, Landschaft und Kultur des deutschen El­saß auf einer mehrtägigen Reise kennenzulernen. Die Schriftleiter wurden von dem Generalreferen­ten für das Elsaß, Major Dr. Ernst, im Rathaus empfangen.

Der ungarische Ackerbauminister, Graf Michael T e l e k i, 'wird auf Einladung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft zu einem etwa einwöchigen Besuch in Berlin eintreffen. Der Mi­nister wird vorbildliche Einrichtungen der deutschen Landwirtschaft besichtigen. So das Staatsgestüt Trakehnen und andere Zuchtstätten sowie Neubau­siedlungen.

Der Verband der bulgarischen Reserveoffiziere hat vom deutschen Oberkommando eine Einladung er­halten hundert bulgarische Reserve­offiz i e r e ,'die im Weltkriege mit Deutschland zusammen kämpften und mit dem Eisernen Kreuz

Am Dienstag wurde in Bad Oeynhausen d i e 10. Runde des Meisterturnie/s des Großdeut- schen Schachbundes ausgetragen.' Schmidt, der im Kampf um die Schachmeisterschaft lag, konnte gegen Ahnes nur ein Unentschieden erreichen. Kieninger dagegen gewann sein Treffen gegen Hans Herr­mann. Der Kölner, der nur einen halben Punkt zurücklag, hat somit Schmidt erreicht. Ferner ge­wann als Anziehender Regedzinski gegen Engert. Mit den schwarzen Steinen gewann Gilg gegen Heinicke und Dr. Lange gegen Kranki. Unentschie­den endeten die Partien Dr. Lachmann gegen Rich­ter und Rudi Keller-Dresden gegen Hans Keller- Wien. Im Nachzug war Gilg gegen Heinicke und Dr. Lange gegen Kranki erfolgreich. Die Partie KohlerBrinckmann wurde nach achtstündigem Kampf abgebrochen. Das Treffen Kohler gegen Kranki wurde unentschieden gegeben.

In der 11. Runde gab es eine heiße Begeg­nung zwischen Engert und Kieninger. Engert hatte gegen den Anwärter auf die Meisterschaft Gewinn­stellung erreicht, aber mit seiner Bedenkzeit war er sehr unvorsichtig umgegangen, so daß Kieninger» der bei der Geschwindigkeit, mit- der der Gegner spielen mußte, sich taktisch hervorragend verhielt, schließlich das Treffen gewann. Schmidt, der neben Kieninger an der Spitze lag, hielt Gleichstand mit ihm durch seinen Sieg über Dr. Lange. Ebenfalls als Nachziehender gewann Rudi Keller-Dresden gegen den früheren Deutschlandmeister Richter, der nun zwar noch den.3. Platz innehat, gegen die Spitze aber empfindlich zurückgefallen ist. Kranki wurde der Punkt gegen Hans Herrmann kampflos vom Turnierleiter zugesprochen, weil Herrmann verspätet im Turniersaal erschien. Als Anziehender gewann Ahues gegen Heinicke. Die beste Partie des Tages dürfte die Begegnung GilgKohler gewesen sein. Der nachziehende Münchener nutzte eine Un­genauigkeit Gilgs aus; in nur 21 Zügen siegte Koh­ler als Schwarzer. Der Spitzenstand ist nun: Kie- ninger-Köln und Schmidt-Danzig je 8)4 Punkte, Richter-Berlin 7, Kohler-München 6)4 und eine Hängepartie, Gilg-Troppau 6)4, Rudi Keller-Dres­den 6 Punkte.

SonderposisiempelWaffenstillstandskommission".

Das Postamt Wiesbaden 1 stempelt die Briefpost der Waffenstillstandskommission mit einem besonde-

Einsatzflughafen X.

Lustwaffe und

Arbeitsdienst in

gemeinsamer Arbeit auf Frankreichs Boden.

Die guten Geister der Front.

Oie treue Kameradin jedes Feldgrauen: Oie Schwester.

Von Kriegsberichter Dr. 3- Rieder.

Ueber die weiten Ebenen Nordfrankreichs dröhnen die Motoren unserer deutschen Flugzeuge ihr he­roisches Lied:Bomben auf Engelland ..." Immer wieder sieht man Einzelflugzeuge, Ketten und Staf­feln, die aus dem Feindfluge gegen Englands Küsten sind oder von dort zurückkehren oder die über den Gewässern des Kanals und des Atlantik treue Wacht halten. Ehe sie starten und nachdem sie zurückgekehrt sind, ist der Einsatzflughafen ihr Heim. Dort gönnen sie sich die Ruhe, dort treffen sie alle notwendigen Vorbereitungen, dort werden sie in jeder Hinsicht betreut.

Jeder, der auf einer Reise in einem Hotel ab­steigt, weiß, daß er mit allen Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen, unbedingt rechnen kanp. Für ihn ist der Aufenthalt im Hotel eine sorafältige Be­treuung zwischen den Strapazen der Reise, ein Aus­ruhen, ein Erholen, eine Auffrischung. Und so ist es auch mit den Einsatzflughäfen für unsere Front­slieger. Hier läuft still und selbstverständlich wie nach einem geregelten Uhrwerk eine bis ins kleinste durchdachte und ausgearbeitete Organisation/ In einem Teile dieses Räderwerks schalten die getreuen Kameraden unserer Flugzeugbesatzungen, die Männer des Bodenpersonals. Sie be­treuen die Maschinen, sorgen für die Sicherheit des Fluges und nehmen so selbst einen großen Anteil an den Erfolgen, auf die unsere Luftwaffe mit Recht so stolz ist. Aber sie können nicht alles allein machen, Viele Hände sind notwendige um einen solchen Ein­satzflughafen für die Flieger zu dem zu machen, was um bei unserem Vergleiche zu bleiben im Alltagsleben das Hotel ist. Hunderterlei kleine Dinge sind notwendig, aber jedes dieser Dinge ist wichtig und darf nicht vernachlässigt oder gar übersehen werden.

Da ist nun auf vielen Flughäfen, die im besetzten Gebiet besonders im Küstenbereiche entstanden sind, der Arbeitsdienst eingesetzt worden, um mit seiner bewährten Organisation und der Begeiste­rung seiner jungen Männer all das zu schaffen und zu sichern, was ein solcher Flughafen im fremden Lande braucht. Diele Arbeitsmänner aus fast allen Gauen Deutschlands arbeiten auf den weiten Ge­bieten Hollands und Belgiens und kommen so zu einem Erlebnis des Krieges, wie es für diese Ju­gend gar nicht schöner und stärker sein kann. In wenigen Wochen, ja man kann sagen, in wenigen Tagen hat sich eine enge und ideale Zusammen­arbeit zwischen Luftwaffe und Arbeitsdienst ent­wickelt, und alles steht im Zeichen des gemein­samen Kampfes, um einst als Sinnbild deutscher Frontkameradschaft im Zeichen des letzten und größten Sieges zu leuchten.

Als der Arbeitsdienst vor wenigen Wochen in die­ses Gebiet einzog, war so gut wie nichts für unsere Flieger vorhanden. Die alten englischen und fran­zösischen Flugplätze waren zum großen Teil von unseren Stukas zerstört worden, die Startbahnen waren zertrümmert, das Gelände war durch gewal- tige Sprengtrichter zerfetzt, und wo einst, die Schup­

pen standen, lagen nur noch verkohlte Trümmer. Wo solche Feindflugplätze von unseren Fliegern weiter benutzt werden sollten, galt es, alles ganz neu aufzubauen. Diese Arbeit übernahm un­ser Arbeitsdienst. Das oft wellige, mit Gräben durchzogene und durch Bodenerhebungen durchsetzte Gelände wurde eingeebnet, Tausende von Kubik­meter Schotter und Erdmaterial wurden für diesen Zweck herbeigeschafft, Startbahnen wurden herge­richtet, all die für einen richtigen Militärflugplatz notwendigen Einrichtungeb und Sicherheitsvorkeh­rungen wurden gebaut und dies alles in der oft erstaunlich kurzen Zeit von nur wenig Tagen. Die Jungens sind mit einer leidenschaftlichen Begeiste­rung bei dieser Arbeit, wissen sie doch, was ihr Einsatz bedeutet und wieviel von der raschen Voll­endung der ihnen gestellten Aufgaben abhängt.

Die in vielen Friedensjahren geschaffene und be­währte Führung des Arbeitsdienstes hat hier in Belgien und Frankreich zum Teil ganz neue For­men angenommen. Hier wird der Arbeitsdienst zum selbstlosen Großunternehmer, der in eigener Regie alle Hilfskräfte heranzieht, die irgendwie erforder­lich sind. Da werden Lastkraftwagen und andere Fahrzeuge herbeigeschafst, mit denen die oft großen Materialtransporte durchgeführt werden, ja, sogar Kleinbahnen werden instandgesetzt oder gemietet, um die Transporte zu beschleunigen, arbeitslose Franzosen oder Belgier werden da und dort zu Hunderten angestellt, um unter der Leitung des Arbeitsdienstes an den umfangreichen Bauarbeiten mitzuhelfen, und sie lernen dabei mit sichtlichem Staunen deutsche Tatkraft, deutsche Organisation und deutschen Arbeitswillen kennen lauter Dinge, von denen dieses belogene und betrogene Volk bis­her eine grundfalsche Vorstellung hatte. Nicht nur mit seinen Arbeiten, sondern auch durch seine ganze Haltung leistet so unser Arbeitsdienst im besetzten Lande eine Pioniertätigkeit im schönsten, mensch­lichen Sinne des Wortes. Die Führerschaft des Ar­beitsdienstes, die immer schon beispielgebend war in der Erziehungsarbeit und in der Menschensüh- rung, hat damit neue Führungsaufgaben gestellt er­halten, und sie löst sie wiederum mit der altgewohn­ten Meisterschaft, mit ihrem Können und Wissen, dem Können bei der Arbeit und dem Wissen um den Menschen.

Wir könnten hier die Arbeit an einem bestimm­ten dieser Frontflugplätze schildern. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Flughafen T. Aber bald kämen wir bei einer solchen Schilderung darauf, daß er gar nichts besonderes an sich hat. Wohl sind manchmal die Geländeverhältnisse, die Arbeitsmög­lichkeiten, die Unterkunftsfragen verschieden. Im Grunde genommen jedoch ist dieser Flughafen T öfter im besetzten Gebiete zu finden. Und so hat dieser Großeinsatz unseres Arbeitsdienstes seinen höchsten und schönsten Sinn erhalten. Er ist die Vorbedingung und der Auftakt zum nächsten Groß­einsatz in diesem Schicksalsfriege Deutschlands dem Großeinsatz der Luftwaffe gegen den Erbfeind des Kontinents, Alfred Strobel,

Das kommende Wochenende ruft ufts alle in der Heimat wieder z ujn Opfer für das Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz auf. Mr besin­nen uns im Glück des Sieges und der behüte­ten Heimat auf die Blutopfer unserer helden­mütigen Soldaten, deren Gesundheit durch jede Gabe gestärkt wird. Was der Einsatz des . DRK. und das Wirken feiner Helferinnen der Front bedeutet, schildert hier ein Soldat selbst:

PK. Es gibt in dieser großen Zeit, abseits vom geschichtlichen Geschehen, vom Heldentum unserer Frontsoldaten so viel entsagungsvollen und opfer­bereiten Einsatz, der im stillen wirkt, im Schatten größerer Entscheidungen steht und doch schwer mit in die Waage fallt, wenn die Leistungen dieser Zeit gewertet werden sollen. In vorderster Linie stehen hier die Frauen und Mädchen vom Deut­schen Roten Kreuz, die, oft fern der Heimat, Tag für Tag und Nacht für Nacht als Helfe­rinnen auf den Bahnhöfen und in den Lazaretten ihren Dienst versehen und durch ihre stete, stille Hilfsbereitschaft den Soldaten der Front richtig Kameraden geworden sind. Es ist nur der Alltag dieser DRK.-Helferinnen, der hier zu schildern versucht wird, der Alltag, wie er ebenso auf jedem anderen Bahnhof in der Nähe der Front abläuft.

Schwester Erika, Schwester Gertrud, Elftiede und die andern, deren Namen ich nicht erlauschen konnte, verstanden so nett zu plaudern, daß ich mir wohl vorstellen konnte, wie es für die Lazarettkranken richtige Feierstunden sein mußten, wenn die netten freundlichen DRK.-Helferinnen zu ihnen auf Besuch kamen und chre Freizeit für sie opferten.Opferten", wenn die Schwestern das hären würden, sie würden beftimmt böse werden, denn sie haben mit so über­zeugender Begeisterung von ihren Lagarettbe suchen erzählt, daß nach ihrer Ansicht der AusdruckOpfer" auf keinen Fall am Platze ist.

Es ist ja eigentlich müßig, zu beschreiben, wie Rote-Kreuz-Helserinnen mir Soldaten nennen sie einfachSchwestern" gleichsam als diegu­ten Hausgeister der Front" wirken und walten. Jeder zünftige Landser kennt sie, wenn er schwer beladen auf den Bahnhöfen herumgestapft ist ober wenn er im Lazarett gelegen hat, er kennt ie auch schon von ftüher her. Verladen im Trans­portzug, haben wir um fünf oder sechs Uhr früh, durchrüttelt von langer Fahrt, steif vorn Sitzen oder chlechtern Liegen, unausgeschlafen, mit klebrigen Augen den Kopf in irgendeiner Station zum Fen­ster hinausgestreckt in das Grau des Dämmermor- aens. Und auf einmal hielt uns so ein Mädel einen Becher dampfenden Kaffees unter die Nase, das einzige, was einem in diesem Augenblick richtig be­kömmlich war. Und der freundliche Blick leitete wie ein nutes Omen den neuen Taa ein.

Auj dem Bahnhof in Srülfel es heute um

fein Haar anders. Ja, ihr lieben DRK.-Helferinnen, ihr wißt wohl oft selbst nicht, wie wohl euer Anblick allein oft schon dem Soldaten ist, überhaupt, wenn er van der Front kommt. Da seid ihr dem Landser mit eurer Sauberkeit, euren ungeschminkten Lippen, eurem herzlich-frischen Blick, mit eurem natürlichen Wesen und eurer klingenden deutschen Sprache nicht nur dieguten Hausgeister der Front", sondern noch viel mehr, ein Stück der Heimat.

Also, die Helferinnen vom Brüsseler Bahnhof machten nicht viel Umstände, sie setzten mir eine Erbsensuppe vor alle' Achtung vor der Schwe­ster, die sie gekocht hat und erzählten dann frisch von der Leber weg, viel Ernstes, Trauriges, viel Heiteres, viel Nüchternes und vor allem viel Inter­essantes, was eben der Alltag einer DRK.-Schwester bringt. Sie erzählten, wie sie vor vierzehn Tagen hierher kamen. Auf dem Bahnhof habe es fürchter­lich ausgesehen. Trümmer lagen da herum, Scher­ben, Schmutz, Drähte hingen an den Wänden, alles war verwahrlost, in chaotischem Zustande von den Engländern von wem denn auch sonst? zu- rückgelassen worden, die hier zerschlugen, was sie in der Eile des Abzuges (den Belgiern offenbar zum freundlichen Angedenken) Zerschlagen konnten. Der Bahnhofskommandant machte aber rasch Ord­nung, und heute sieht es schon ganz sauber aus. Dann hatten sie sich eingenistet, und 'dann begann eben der Alltag.

Es tarnen Züge von der Front, Trans­portzüge, vollgestopft mit Soldaten. Die Soldaten waren durfttg, die Züge lang, und die flinken Schwestern mußten mit ihren schweren Kannen den ganzen Zug entlang laufen und immer wieder ein- schenken, und alles so schnell als möglich, damit ja jeder an die Reihe kam. Immer wieder mußten sie dazu frische Berge belegter Brötchen aufstreichen, denn allzu schnell verschwanden sie in den hungrigen Mägen der Landser, und daß Soldaten eine zug­kräftige Kehle haben, versteht sich von selbst, auch bei Kaffee, wenn er so freundlich kredenzt wird.

Dann kamen die L a z a r e 11 z ü g e, die Schwer­verwundetenzüge und die Transporte mit den Leichtverwundeten. Was gab es da erst zu tun, zu laufen, zu erledigen, zu bestellen, zu kaufen, zu be­sorgen! Verbände mußten angelegt oder erneuert werden, Verletzungen behandelt, Fußkranke gepflegt. Magenkranke betreut werden usw., in endloser Folge, lieber 600 Hilfeleistungen ernsterer Natur sind in dem großen dicken Buch eingetragen, das dort auf dem Tisch liegt. Und dabei ist das nur ein Teil ihrer Arbeit.

Viel bedeutender ist ihr nicht ausgeschriebenes, nicht registriertes Wirken, ihre ständig vor­handene Hilfsbereitschaft. Das alles hat ihnen in den Herzen der deutschen Soldaten einen Platz gesichert, der ganz obenan steht, ganz vorn an erster Stelle, wo geschrieben steht:Und die 'deutsche grau war unseres Kampfes rveM*