Nr. 165 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Montag, 15. Zull 1940
jeder auf marschiert P. B.
Die Gießener Flieger-HI., die unter der Betreuung durch den NSFK.-Sturrn 6/75, eine rege Tätigkeit im Modellslugzeugbc ~ wie auch in der Segelst
_ mu, im Segelflugzeugbau, egelfliegerschulung entfaltet, ist
Heilkräutersammlung sehr wichtig
Sine Tagung des Kreisarbeitsausschuffes Wetterau NfH
Aus der Gtaöt Gießen.
Das Marschlied.
Lärmvoll flutet das Leben von der Frühe des Tgges bis spät in die Nacht durch die Straßen. Mannigfach sind die Geräusche des Verkehrs, jedes macht sich durch seine Eigenart auffällig, durch mehr oder mindere Lautstärke und Heftigkeit. Viele Töne und Klänge, die wie'das Läuten der Elektrischen immer wiederkehren, sind uns als helfende und warnende Signale angenehm und beruhigend, während andere, wie das plötzliche Aufschrillen einer Bremse, das Krachen und Gepolter bei einem unglücklichen Zusammenstoß zweier Fahrzeuge, erschrecken und in Aufregung bringen, weil sie einen Unfall bedeuten. Und je nach Veranlagung rennen und hetzen die Menschen, weil sie sich zur Hilfeleistuna aufgerufen fühlen, oder sie biegen bleich und bebend, um ihrem feinbesaiteten Äemüt einen häßlichen Anblick, eine erschütternde Szene zu ersparen, in eine stille Seitenstraße ein. /
mit der praktischen Seite der Arbeit vertraut: mit der Ernte, der Trocknung und dem Versand der Heilpflanzen. Dabei wurden auch die wichtigsten Anwendungen der Heilpflanzen berücksichtigt. Die Ablieferung erfolgt ausschließlich über die Bezirkssammel st eilen an die Gausam- m e l st e l l e. Jede eigenhändlerische Betätigung ist nach den Ausführungen des Gausachbearbeiters in diesem Jahre u n st a t t h a f t und kann in besonderen Fällen nur mit dessen Genehmigung erfolgen. Die Abrechnung kann in diesem Jahre in erfreulichem Gegensatz zum Vorjahre infolge neuer Verrechnungsgrundlagen laufend durchgeführt wer. den.
Im Anschluß an die Arbeitstagung, die in jeder Hinsicht den Mitgliedern des Kreisarbeitsausschusses wertvolle Arbeitsrichtlinien vermittelte, und die von Kreisleiter Backhaus nach Worten des Dankes an alle Mitarbeiter mit dem Führergedenken geschlossen wurde, wurde eine lehrreiche Schau heimischer Heil- und Teepflanzen besichtigt, ebenso die Sammel- und Trockenstelle in der Stadtschule Bad-Nauheim. Damit wurden den Mitarbeitern wertvolle Anregungen für die praktische Arbeit gegeben. In einer Besprechung des Kreissachbearbeiters Oßwald mit den Leitern der Bezirkssammelstellen hatte Gausachbearbeiter Nipper- ger nochmals Gelegenheit, aufklärende Auskunft zu geben, die aus den Kreisen der Mitarbeiter gestellt wurden.
Am Samstag fand in Bad-Nauheim eine Tagung des Kreisarbeitsausschusses Wetterau der Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung (RfH.) statt, zu der Kreisleiter Backhaus alle an der Heilpflanze interessierten Stellen der Partei und Behörde eingeladen hatte. Der Kreisleiter eröffnete die Tagung mit herzlicher Begrüßung und hob die Wichtigkeit der Heilkräutersammelkation im Kriegsjahre 1940 hervor. Hinwei- Jenö auf den Erfolg des Kreises Wetterau, dankte er dem Kreissachbearbeiter RfH., Lehrer Oßwald Wad-Nauheim), für die bisher geleistete Arbeit. Der Erfolg müsse Antrieb zu noch stärkerem Einsatz sein, damit der Kreis auch bei der Heilkräuterernte 1940, die bereits in vollem Gange fei, wieder an der Spitze marschiere im Gau Hessen-Nassau.
Der Gausachbearbeiter der RfH., Apotheker R i p- Perger (Frankfurt a. H.-Höchst), hielt — nachdem der Kreissachbearbeiter allen seinen Mitarbeitern für die geliehene Unterstützung gedankt hatte — einen Vortrag über die volksgesundheitliche und wirtschaftliche Bedeutung der Heilpflanzenfrage. Er behandelte insbesondere die Wesenszüge der neuen Gesundheitsführung des Dritten Reiches, die auch die Heilpflanze wieder mehr in den Blickpunkt des Interesses stellt. Anschließend wurde der Aufbau der Organisation besprochen, die durch den Einsatz der Kreisleitung Wetterau heute über den Kreis hinaus schon bis in viele Gemeinden vorgedrungen ift Sehr wirkungsvolle Lichtbilder machten
Landkreis Gießen.
= Grünberg, 14. Juli. Die Schulen unserer Stadt und Umgebung haben sich bereits fleißig an der Heilkräutersammlung beteiligt. Allein unsere Volksschule hat bereits 33 kg Kamillen, die einen Wert von etwa 100 RM. darstellen, der zuständigen Sammelstelle abgeliefert. In der Leitung der Bezirkssammelstelle Grünberg ist übrigens eine Aende- rung eingetreten. Sie wird nunmehr von Lehrer a.D. Roth verwaltet.
* Hungen, 15. Juli. Für besondere Tapferkeit vor dem Feind wurden der Leutnant Helmuth Schoenhals und der Unteroffizier Ernst Hofmann, beide von hier, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
Kreis Büdingen.
Gettenau, 15. Juli. Am Mittwoch, 17. Juli, begehen Wilhelm K r i e g ck II. und Frau Lina, geb. Spengler, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist heute 74 Jahre alt, während seine 3rau 72 Jahre zählt. Beide sind noch sehr rüstig. Die Frau versieht täglich noch ihre Hausarbeit, während der Mann immer noch unermüdlich mit aufs Feld fährt.
zurückblicken. In vielen Familien half sie der Hausfrau beim Waschen. Einer Gießener Familie hilft sie dabei bereits seit 52 Jahren. Niemals scheute sie den Weg von Wieseck nach Gießen und stets tat sie ihre Arbeit zur allgemeinen Zufrieden- heit. In mancher anderen Familie ist sie seit über 25 Jahren unermüdlich in gleicher Weise tätig. Zu ihrem 75. Geburtstag dürfte ihr mancher herzliche Glückwunsch zugegangen sein. (Auch wir gratulieren und wünschen der hochbetagten Frau einen schönen Lebensabend bei guter Gesundheit.)
Notizen für den 15. juli.
Sonnenaufgang 5.20 Uhr, Sonenuntergang 21.41 Uhr. — Monduntergang 1.58 Uhr, Mondaufgang 17.54 Uhr.
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** M i t dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Der Feldwebel in einer Maschinengewehrkompanie Hans Stephan, Dammstraße 24, wurde bei den Kämpfen um Orleans mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
** M i e t e r j u b i [ ä u m. Die Familie des Steuersekretärs Fritz W o l l g a st wohnt mit dem heutigen Tage seit 25 Jahren im Hause des Schreinermeisters B e i l, Hammstraße 8. Das langjährige Mietverhältnis ist ein Zeichen guten Einvernehmens zwischen Mieter und Vermieter.
Aus der engeren Heimat.
Wehrmannschasts-Oienst.
Auch am gestrigen Sonntag fand wieder eine Besichtigung der Wehrmannschaften der Stürme 32/116 Gießen und Klein-Linden, sowie 44/116 Lang- Göns und Holzheim durch den Führer der SA.- Standarte 116 statt. Die Antrittsstärke war gut. Die Ausbildung selbst befindet sich in stetem Fortschreiten und ist als durchaus zufriedenstellend zu bezeichnen.
Wie bekannt wird, findet am kommenden Sonntag ein Tagesdienst der Wehrmannschaften für die Stürme 3/116 und 6/116 in Grünberg statt. Zum erstenmal werden zu diesem Dienst die Wehrmannschaften in einheitlicher Uniformierung antreten.
Tod durch Starkstrom.
* Heuchelheim, 14. Juli. Am Freitagnachmittag fuhr der 52jährige Landwirt Ferdinand Sack von hier mit seinem Kuhfuhrwerk auf seinen in der Gießener Gemarkung liegenden Acker, um Futter zu holen. Da verschiedene Ortseinwohner später das Gespann führerlos am alten Heuchelheimer Weg stehen sahen, traten sie näher und fanden Sack neben einem Mast der elektrischen Hochspannungsleitung tot vor. Wie der Verunglückte den Tod gefunden hat, konnte bisher nicht völlig aufgeklärt werden, da niemand den Vorfall beobachtet hatte. Mutmaßlich liegt eine Verkettung unglücklicher Umstände vor.
Aber mit einem Male bricht Gesang in die Straße ein und übertönt alles mit feiner anwachsenden Stärke. Der gehämmerte Takt des Marschfchrittes trägt die von Männerstimmen geschmetterte Weise. Und noch ehe die Kolonne sichtbar wird, weiß jedermann: die Soldaten kommen! Knaben und junge Burschen nehmen mitpfeifend die Weife auf. Mädchen geben ihr heimlich ein warmherziges Echo. Groß und klein — bis dahin hastig über den Bürgersteig eilend ober säumig schlendernd — wird in den Marschschritt der Vorbeiziehenden hinejngerissen. Selbst der Außenseiter, der sich seiner magischen Gewalt zu entziehen sucht, muß auf ihn hören und sich nach ihm richten, wenn er seine Schritte anders setzen will. Alten Männern leuchten die Augen in Erinnerung ihrer eigenen Soldatenzeit, und manch einer möchte am liebsten mit geschultertem Spazierstock es den kleinen Jungen gleichtun, die auf dem Bordstein des Bürgersteiges Schritt zu halten versuchen.
Soldaten! Minutenlang ist nichts äu hören als ihr Gesang. Er hat sich sieghaft über alle Geräusche des Verkehrs durchgesetzt. Soldaten! Worte und Blicke der Vorübergehenden verraten, daß sich seine Art mit ihnen beschäftigt. Heimlich die ganze Straße mit.
neter Vorführungen aufwartete und eine erstaunliche Sicherheit bewies. Seine Bälle schienen aller physikalischen Gesetze spotten zu wollen. Maya und Williams zeigten Cowboyspiele, intereffante Hebungen mit kurzem und langem Lasso, Kunstschießen auf alle möglichen Arten des Anschlags und schließlich ein sehr sensationelles Messerwersen, das allgemeine Bewunderung auslöste.
Der zweite Teil des Programms brachte zunächst einen sehr graziösen Drahtseilakt von Frl. Säst o n i, dann die Vorführung eines rassigen Sechse r- zuges arabischer Scheckhengste; ihnen folgte der komische Esel Schnucki, mit dem die Clowns allen möglichen Unfug anstellen konnten, am Doppeltrapez sah man hoch über den Köpfen der Zuschauer allerlei tollkühne Vorführungen, schließlich gab es noch ein lustiges Eselreiten und ein Ama- teur-Preisreiten, bei denen es viel und herzlich zu lachen gab. Mit vielen, zum Teil sehr drastischen Scherzen, warteten die Clowns auf und rissen da- mit ihre Zuschauer zu manchem Heiterkeitssturm hin. Befriedigt von den mancherlei ausgezeichneten Darbietungen verließen die Besucher das Zelt.
Die Herstellung von Plockwurst.
Im Herbst vorigen Jahres wurde die Herstellung von Rohwurst mit Ausnahme von frischer Streichmettwurst nach Braunschweiger Art allgemein verboten. Dieses Verbot erstreckte sich auch auf Zervelat- und Plockwurst. Nach einem neuen Erlaß des Reichsernährungsministers ist nun die Herstellung von Plockwurst wieder erlaubt worden, weil diese Wurst sortegerade für die heiße Jahreszeit wegen ihrer Härte und Dauerhaftigkeit besonders geeignet ist. Der Reichskommissar für die Preisbildung hat in dem Erlaß gleichzeitig einen Verbraucherhöchstpreis für Plockwurst und Braunschweiger Streichmettwurst festgesetzt; er darf 1,60 RM. für das halbe Kilo nicht übersteigen.
Gießen-Meseck.
Am gestrigen Sonntag konnte unsere, Mitbürgerin Frau Margarete Will in aller körperlicher und geistiger Frische ihren 75. Geburtstag feiern. Die Jubilarin kann auf ein arbeitsreiches Leben
Dornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Donauschiffer". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Grenzfeuer"; in beiden Häusern neueste Tonwache.: „Die Heimkehr des Führers. — Zirkus Holzmüller: 16 und 19.30 Uhr Vorstellungen.
BOM.-Llniergau 116 Gießen.
Stelle für Leibeserziehung.
Bett.: Unterführerinnendreikämpfe der Mädel und Jungmädel.,
Am heutigen Montag, 15. Juli, führen wir die Durchführung der Führerinnenwettkämpfe weiter: ab 18 Uhr für die JM.-Führerinnen, ab 19.30 für Mädelführerinnen. Gleichzeitig können die Uebungen für die Leistungsabzeichen abgenomen werden.
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Sportamt ASG. „Kraft durch Freude".
Dienstag, den 16. T. 1940, von 19.30 Uhr bis 21 Uhr, Universitätssportplatz, Sp ort ab zeichenab- nahme. Es finden jeden Dienstag leichtathletische Vorbereitungskurse statt. Abnahmeprüfung für das Sportabzeichen wird durch die Presse jeweils bekanntgegeben. 3232V
GießenerFlieger-HI.ini Sommerlager
am gestrigen Sonntag nach Maar bei Lauterbach gezogen, um dort für den Zeitraum von 13 Tagen Sommerlager zu beziehen und sich nachhaltig der Segelflugschulung zu widmen. Schauplatz der Schulung ist die Bilskuppe bei Maar, ein für die Segelfliegerschulung sehr günstiges Gelände. Vorgesehen ist die Ablegung der Anrufung, bei günstigem Wetter soll aber auch die B-Prüfung geflogen werden. An dem Sommerlager, das über den Zeitraum von insQefamt 6 Wochen geführt wird, wird die ober« hessische Flieger-HI. in mehreren Kursen teilnehmen. Gegenwärtig sind etwa 20 HJ.-Kameraden aus Gießen, ferner Kameraden aus Grünberg, Alsfeld und Lauterbach im Lager. Nach dem Abschluß dieses ersten Kurses werden zwei weitere Kprse durchgeführt, so daß also bis Mitte August um die Bilskuppe reger Segelflugbettieb herrschen wird. Die technische Leitung hat NSFK.-Truppführer Senn, die organisatorische Leitung des Lagers liegt in den bewährten Händen des stellvertretenden Sturmfüh- rers des Sturms 6/75 des NSFK. C r ö n i g e r
Gastspiel Zirkutz Holzmüller.
Auf Oswaldsgarten hat der Zirkus Holzmüller für die kurze Zeit von drei Tagen feine Zelte auf- geschlagen. Am Samstagabend wurde die erste Vorstellung gegeben. Unter dem Zelt, das etwa 2000 Personen fassen mochte, harrte eine erwartungsvolle Menge jener Kunst, die vom Zirkus erwartet, und wie sie immer wieder gerne gesehen wird. Leider ah man den „Wunderelefanten" Nelly nicht, der angekündigt war, auch die Raubtiernummer fehlte. Was das reichhaltige Programm aber brachte, gereichte dem kleinen Zirkus zur Ehre.
Zuerst und in zwei schönen Vorführungen hatte man Gelegenheit, schöne Pferde zu bewundern. Eines der prächtig gehaltenen Pferde erwies sich als außerordentlich musikalisch und zeigte sich in ver- chiedenen Tänzen. Außerdem erwies es sich als ein ausgezeichneter Steiger. Eine fesche Reiterin tat ein klebriges, um lebhaften Beifall herauszufordern. Eine junge Künstlerin zeigte kühne Akrobatik in der Kuppel des Zeltes und fand alle Anerkennung. Den tärfften Beifall im Verlauf der Vorstellung erhielt )er ungemein gewandte und phantasievolle Jongleur Rudi Sarno, der mit einer Fülle ausgezeich-
Kein Verlaß auf Chanchitos!
Von Hermann Krause.
An dem Ladentisch der zoologischen Handlung „Zum kleinen Hagenbeck", größtes Haus für Papageien, Affen und Aquariumfische am Platze, lehnt der Buchhalter Gottlieb Knipperling. In seinen Augen schimmert eine leise Trauer und in seinen Mundwinkeln stehen zwei harte ^Falten, die er- kenyen lassen, daß Herr Knipperling Schweres durchgemacht hat.
,Zch komme wegen Ihrem Chanchito-Pärchen, das ich hier vor drei Wochen gekauft hab! Damit haben Sie mir ja ein schönes Kuckuckusei ins Aquarium gelegt!"
„Na, erlauben Sie mal! Die Chanchitos waren gesund und prächtig gewachsen! Aus meiner eigenen Zpcht!"
„Prächtig gewachsen ja! Aber was ist das schon? Ein reißender Steppenwolf kann auch prächtig gewachsen sein, — deshalb setz ich ihn mir noch lange nicht zu Hause aufs . Sofa! — Der Charakter ist das Entscheidende.
„Wollen Sie damit etwa behaupten, meine Chanchitos hätten einen schlechten Charakter?"
„Mehr noch! Sie haben gar feinen! — In der ersten Zeit aing es ja noch, — da schwammen sie friedlich im Aquarium rum und knabberten nur die Algen ab, aber dann kam die Laichzeit, und da ging die Buddelei los!"
„Na ja, ein bißchen graben tun sie schon!"
„Ein bißchen sagen Sie? — Ich hab allerhand erlebt, aber so etwas noch nicht. Und dabei traf die Hauptschuld eigentlich das Weibchen! Wenn das Männchen eine Grube fertig gebuddelt hatte, kam das Weibchen angeschwommen, guckte sich die Sache an und zog ein Gesicht, als wollte es sagen: „Schöner Käse! Ungeschickter konntest du dich wohl auch nicht anstellen!" — Na, da blieb dem Tier ja gar nichts anderes übrig, als wieder rin mit der Nase in'n Schlamm und ein neues Loch gebuddelt! Kennt man ja, wie die Weiber einen schikanieren können! — Meine Wasserpflanzen sind dabei natürlich ein« gegangen wie'n Mako-Hemd in der ersten Wäsche!"
„Damit hätten Sie aber rechnen müssen, Herr Knipperling!"
„Rechnen? Na, hören Sie! Ich habe Aquarium- si'che gekauft und keine wahnsinnigen Maulwürfe! ui>d bann diese Hinterlist und Rauflust! — Ich hab da beispielsweise ein Moderlieschen in dem gleichen Bassin —
„Aha!"
„Gar nicht „Aha"! Das Fischchen ist völlig harmlos und zurückhaltend! Bei den ganzen Hochzeitszeremonien der Chanchitos hat es diskret in die andre Ecke geguckt! Kein Wort gegen mein Moderlieschen! Vor kurzem war es noch ein lebensfrohes, gutgenährtes Tier, — heute nach den dauernden Angriffen der Chanchitos kann man sämtliche Gräten zählen, — und neulich kam ich gerade dazu, als es sich schon eine Wasserpestranke um die Kiemen gelegt hatte, um sich aufzuhängen!"
„Na, na, — Sie übertreiben!"
„Ich übertreibe nicht, ich untertreibe! da können Sie meinen Nachbarn, den Klawuttke, nach fragen!"
.Klawuttke? Das ist doch der, der die Rioulus züchtet?"
„Ebenderselbe! Ich kann ihn ja eigentlich nicht leiden mit seinen blöden Rivulus-Fisihen! Wie kann man sich bloß Rivulusse ins Bassin setzen! Da leg ich mir doch lieber nen toten Bückling auf den Teller und betrachte den! Hab ich mehr von! — Aber bei der Angelegenheit mit dem Moderlieschen ift Klawuttke Zeuge!"
Ich glaube Ihnen ja auch ohne Klawuttke! Trotzdem werden Sie sich entsinnen, daß ich Sie auf die Unverträglichkeit dieser Art aufmerksam gemacht habe!"
„So? Haben Sie mich etwa auch darauf aufmerksam gemacht, daß ich mir einige Glasaugen auf Vorrat hinlegen muß, wenn ich Ihnen die Viecher abkaufe, he??"
„Bitte — wieso Glasaugen?"
„Weil mir die Biester dauernd ins Auge springen, wenn ich sie mal von oben betrachten will! 30 Zentimeter hoch, — vom Wasser durch die Luft ins Auge! Sie, das ist ein Schmerz, als wenn Sie unvermutet eines mit ner heißen Bratpfanne ins Gesicht kriegen!"
„Oh, das ist allerdings unangenehm —!"
„Kann man wohl sagen! Ich trage zum Glück einen Kneifer, — oder besser, ich habe einen getragen! Beim letzten Sprung ist er mir nämlich ins Aquarium gefallen!"
„Ja, konnten Sie ihn denn nicht wieder raus—?"
„Leider nein! Der Kneifer ist genau vor die Grube mit der frisch ausgeschlüpften Brut gefallen! Ich bin eine weiche Natur, Herr Muffte, ich habe nicht das Herz, eines Kneifers wegen mit roher Hand in eine Kinderwiege zu fassen — ich habe ihn einstweilen dringelassen! —"
„Aber nun sagen Sie mir endlich, Herr Knipper- fing, weshalb sind Sie nun eigentlich zu mir gekommen?"
„ „Um mich zu beschweren!"
„Das haben Sie nun ja reichlich getan! Ich sehe bloß nicht ein, was ich dabei tun soll! Chanchitos sind Chanchitos, dafür können Sie mich doch nicht haftbar machen!"
„Dafür nicht! — Ich bin fein Unmensch, Herr Musste! Ich verzeihe den Biestern mein abgemagertes Moderlieschen, — aber ihre Unzuverlässigkeit verzeih ich ihnen nie, — darauf hätten Sie mich aufmerksam machen müssen!! Wenn Chanchitos nun mal bösartig sind, — schön — sollen sie bösartig fein! Aber nicht mal so und mal so!"
„3a, hören Sie, — ich verstehe wirklich nicht —" „Werden Sie gleich! Zuverlässigkeit verlange ich von den Tieren, will ich damit sagen!"
„Zuverlässigkeit??"
jawohl! Wenn schon sonst nichts, dann wenigstens das! — Und deshalb frage ich Sie, Herr Muffte, — — mindestens zehnmal hab ich den Klawuttke ans Aquarium geführt und ihn von oben hineingucken lassen, — bitte, warum sind ihm die Biester nicht auch ins Auge gesprungen wie mir???????" --
„Sie sollen ihn nicht haben .. .■*
Dor hundert Jahren machte dieses Lied die Runde durch das ganze deutsche Vaterland. Daß sein Lied einen derartigen Erfolg haben würde, war dem Dichter, dem jungen Kölner Juristen Nikolaus Becker, auch in seinen kühnsten Träumen nicht eingefallen. Friedrich Wilhelm IV. gewährte ihm ein Ehrensold, König Ludwig von Bayern schickte ihm einen Ehrenbecher, Ernst Moritz Arndt widmete ihm sein Lied „Vom deutschen Rhein...", und selbst der alte Fürst Metternich, der sonst für Volksströmungen nicht viel übrig hatte, billigte die durch das Lied entstandene nationale Bewegung, weil sie sich nach außen nach Frankreich wandte und sich von innerpolitischen Forderungen fernhielt. lieber den Anlaß zu dem Lied, der weltpolitischen Verwicklungen entsprang, sind wir im allgemeinen wenig unterrichtet. Um so dankenswerter ist, daß Prof, Dr. Gustav R o l o f f, der im Ruhestand lebeiifce Historiker der Gießener Universität, in einem Aufsatz von Velhagen & Klasings Monatsheften auf diese Verwicklungen ausführlich eingeht, und zwar in einer Zeit, da wir die französischen Anmaßungen nach dem Besitz des Rheins endgültig vernichten. Das Lied hatte insofern besondere Bedeutung, als, es dem Auslande zum erstenmal die Einigkeit des deutschen Volkes, unabhängig von jeglichen dynastischen Erwägungen, offenbarte.
Dom Schuhinstintt des Wildes.
Die Natur hat dem Tiere nicht nur allerlei Schutzeinrichtungen in feinem schweren Kampf ums Dasein mitgegeben, sondern auch Schutzinstinkte, die es veranlassen. Gefahren aus dem Wege zu gehen. Besonders scharf sind diese Schutzinstinkte beim Wild entwickelt, das sie auch besonders nötig (jat, da es vom Menschen so viel verfolgt wird. Diese Instinkte sind aber bei den einzelnen Wildarten recht ungleich verteilt, wie die Jäger immer wieder beobachten können. Sehr reich ausgestattet mit Schutzmitteln ift z. B. der Bär, der mit einer äußerst feinen Nase und einem scharfen Auge ausge- ftattet ist und mit gewaltigen Kräften eine gleiche Menge von Mut und Gewandtheit wie List und Verschlagenheit verbindet.
Das Schwarzwild ist sehr viel unbeholfener, plumper, und man kann jagen, daß die Sauen zu dem am leichtesten erlegbaren Wild gehören. Die Tiere vergessen beim Fraß überhaupt jede Vorsicht und lassen den Jäger ganz nahe herankommen. Eine Vorsichtsmaßregel des Schwarzwilds liegt jedoch darin, daß sie zu ihrem Aufenthalt mit Vorliebe solche Plätze aufsuchen, auf denen sich zerstreut liegende Felsblöcke befinden, und da sie ihren Körper sehr ruhig halten, so kann man ganz nahe an ihnen vorbeigehen, ohne sie wahrzunehmen. Sie sind sich auch dieses Vorteils bewußt und lassen den Menschen ruhig herankommen, bis sie aus seinem Verhalten erkennen, daß er sie entdeckt hat.
Bei Hirscken und Rehen ist das Wahrnehmungs* vermögen schärfer entwickelt als bei den Sauen, dafür haben sie aber eine stark ausgeprägte Neugierde, die sie zu manchen Unvorsichtigkeiten verleitet. Während Bär, Luchs, Wildkatze, Wolf, Fuchs beim geringsten verdächtigen Windhauch flüchten, sucht sich das Rotwild erst von der Stichhaltigkeit der gehabten Wahrnehmung zu überzeu- gen. Daher kommt es vor, daß Rotwild und Rehe den Jäger direkt anlaufen und erst auf wenige Schritte Enfemung erschreckt umkehren. Die Rehe kennen die besonderen Gaben ihrer Feinde ganz genau und gehen, wenn sie von einem Bären verfolgt werden, immer durchs Wasser, um keine Witterung zu hinterlassen, während sie bei dem mit schlechte-' rem Geruch ausgestatteten Wolf der Schnelligkeit ihrer Läufe vertrauen. Hoch entwickelten Schutzinstinkt zeigt der Hase, wenn er, um sich nicht zu verraten, mit einem langen Satz ins Lager springt, zeigt der Fuchs, wenn er den ausgestreuten Giftbrocken verscharrt oder benäßt. Rotwild, das von Hunden hart bedrängt wird, flüchtet auf den Menschen zu, weil es bei ihm eher Mitleid und Scho- nung erwartet. c. K.


