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Ur. 88 Zweites Blatt

Montag, |5. April M0

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dieses erfreulichen Erfolgs der von der Universität mit dem ersten Trimester als Neuerung eingesühr- ten Veranstaltungen werden nunmehr auch im zweiten Trimester wieder zahlreiche volkstümliche Vorträge und Vorlesungen stattfinden.

Universitätsnachricht..

Das Fach der Erbbiologie und Rassenhygiene in der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg wird im kommenden 2. Trimester von dem Direk­tor des Universitäts-Instituts für Erb- und Rassen­pflege an der Universität Gießen, dem derzeitigen Rektor der hiesigen Universität Prof. Dr. H. W. Kranz vertreten. Die Vorlesungen in Marburg wird Prof. Dr. Kranz neben seinen Amtspflichten in Gießen wahrnehmen.

Kameravschastsappell ehem. 116er.

Die Kameradschaft ehemaliger 116er hielt am Samstag imAuerhahn" unter Leitung von Kame­radschaftsführer Bill ihren gut besuchten Monats­appell ab, der in erster Linie der Bekanntgabe der letzten Kreisbefehle galt. Vor allem wurde auf den Aufrufe an die alten Soldaten, sich überall dort zu betätigen, wo die Heimatfront Hilfe und Unter­stützung braucht, wie z. B. in nächster Zeit in der Landwirtschaft, aufmerksam gemacht. Nach der Be­sprechung einiger organisatorischer Fragen wurden die durchzuführenden Schießübungen besprochen. Wie Schießwart Kamerad Kern mitteilte, werden die Hebungen am letzten Sonntag im April fortgesetzt. Rege Beteiligung ist Pflicht, damit die guten Er­folge des letzten Jahres nicht verlorengehen. Kame­rad Roeder als Propagandawart sprach über die Betreuung der Soldaten durch die Heimat und über die Metallspende. Wie Kameradschaftsführer Bill bekanntgab, wird die Spitze der Traditions­fahne der Sammelstelle zugeführt werden.

Monatsappell der Marine-Kameradschaft Gießen. Im Marine-Bootshaus hielt die Marine-Kame­radschaft Gießen am Samstagabend ihre April­musterung ab, die einen guten Besuch aufzuweisen hatte. Der Kameradschaftsführer gab Eingänge be­kannt. Von den zum Wehrdienst einberufenen Ka­meraden waren Grüße eingegangen und in den letzten Wochen hatten wieder die in Urlaub befind­lichen Kameraden und Angehörigen der Kriegs­marine das Kameradschaftsheim besucht. Dem Ka­meraden Friedrich Gräf wurde von der Kamerad­schaftsführung der Dank für seine 40jährige treue Zugehörigkeit ausgesprochen. Am 14. April sind es 48 Jahre seit dem Tag, an dem die Marinekame­radschaft Gießen von einigen jungen Kameraden, die ihre Dienstzeit bei der Marine abgeleistet hatten, gegründet wurde. Heute zählt die Mari ne kam er ad- schaft Gießen weit über hundert Angehörige. In den langen Jahren des Bestehens der Marinekame­radschaft Gießen wurde erfolgreiche Arbeit geleistet und mancher Junge fand in den zurückliegenden Jahren seinen Weg über die Marinekameradschaft Gießen zur Marine. Von den Gründern sind noch drei am Leben, und zwar die Kameraden Bischofs, Rüdiger und Peter Schmidt.

Infolge der Spendefreudigkeit aller Kamerad­schaftsangehörigen war es möglich, den zum Wehr­dienst einberufenen Kameraden schöne Liebesgaben­päckchen zurechtzumachen. Die Verpackung erfolgte im Verlauf der Musterung und bald werden sich die Kameraden bei der Kriegsmarine einen steifen Grog brauen können.

Der Monatsappell faßte den Beschluß, neben anderen Gegenständen auch die Glocke der Marine- Kameradschaft, die verkleinerte Nachbildung einer Schiffsglocke, dem Führer zur Geburtstagsspende! zu bringen. Der weitere Abend war der Kamerad­schaft gewidmet, ein Film von der Kriegsmarine wurde gezeigt und insbesondere waren die anwesen­den Angehörigen der Kriegsmarine dem Kameraden Herbert dankbar für seine Gesangsdarbietungen.

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Helm IV., die Versicherung der Neutralität erhal­ten; England und Frankreich aber traten am 12. März 1854 auf die Seite der Türkei und er­klärten am 28. März an Rußland den Krieg. Diese Lage konnte zu Verwickelungen zwischen Preußen bzw. Deutschland und den Westmächten führen; die Spannung im deutschen Volke war daher groß. Aus dieser Stimmung heraus griff Karl Wilhelm wieder auf das Gedicht Schneckenburgers zurück und gab ihm Mitte März 1854 die Melodie, die sich bis heute erhalten hat. Der Komponist war am 5. Sep­tember 1815 (also vor bald 125 Jahren) in Schmal­kalden als Sohn eines Organisten geboren und musikalisch sehr gut ausgebildet; 1840 übernahm er die Dirigentenstelle der KrefelderLiedertafel", 1860 wurde er preußischer Musikdirektor, 1865 kehrte er nach Schmalkalden zurück und lebte dort noch bis zum 26. August 1873. Sein Lied wurde aber allgemein bekannt erst am 11. Juni 1854, als dieLiedertafel" zusammen mit anderen Gesang­vereinen ein großes Konzert veranstaltete zu Ehren des Prinzen Wilhelm von Preußen und seiner Ge­mahlin Augusta, die an diesem Tage ihre silberne Hochzeit feierten. Der Vortrag derWacht am Rhein" hatte einen durchschlagenden Erfolg und machte das Lied mit einem Schlage populär; aber wie seinerzeit das Gedicht Schneckenburgers in Ver­gessenheit geraten war, so flaute auch die Begeiste­rung für Wilhelms Komposition bald wieder ab. Wirklich zu Ehren kam das Lied erft* 1870, als Napoleon III. in der bekannten unversckämten Weise dem König Wilhelm den Fehdehandschuh hinwarf; da wurde es zum Kampf- und Trutzlied der ganzen deutschen Dolksstämme, die, ohne äußerlich zu einem Deutschland vereinigt zu sein, doch einmütig zu den Waffen griffen, um die deutschen Lande gegen französischen Hochmut und französische Raub- aelüfte zu schützen; in diesem siegreichen Kriege schlossen sie sich dann endlich zu dem großen Deut­schen Reiche zusammen. Karl Wilhelm hat den Triumphzug seiner Schöpfung noch erlebt und so­gar noch einmal das Lied persönlich in Krefeld dirigiert: am 21. November 1870, während eines Konzerteszum Besten der Verwundeten und zur Beschaffung warmer Kleidung für die siegreichen Kampfgenossen in FrankrAch".

Dem Dichter und dem Komponisten hat dis Nach­welt auch Denkmäler gesetzt: jenem 1892 in Tutt­lingen, diesem 1876 in Schmalkalden und 1877 in Krefeld; in Tuttlingen und in Schmalkalden ist das Porttät Schneckenburgers bzw. Wilhelms an dem Sockel angebracht, während auf dem Sockel jedes­mal eine Germania-Figur sicht, die in Tuttlingen im Begriffe ist, das Schwert zu ziehen, während sie in Schmalkalden sich mit der Linken auf das Schwert stützt und in der Rechten eine Leiex mit Lorbeerkranz hält. H. G.

Aus der Stadt Gießen.

Butter richtig aufbewahren.

Mehr denn je kommt es heute darauf an, ein so wichtiges Nahrungsmittel wie die Butter vor jeg­lichem Verderb zu bewahren. Jedem Deutschen ist eine bestimmte Menge Butter zugesichert. Es schadet damit jeder sich selbst am meisten, der aus Leicht­sinn oder Unachtsamkeit die ihm zustehende But­termenge durch schlechte Behandlung, d. h. durch Verderb verringert.

Butter ist bekanntlich gegen alle äußeren Ein­wirkungen sehr empfindlich, gegen Sonne, Wärme, Luft, Licht und Geruch. Schon einige wenige Mi­nuten direkter Sonnenbestrahlung genügen, um den Oberflächenmengen der Butter einen talgigen Geschmack zu geben. Gegen diese Schäden also gilt es, die notwendigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Am idealsten ist es natürlich, die Butter in einem Eis- oder Kühlschrank aufzubewahren. Da ein sol­ches Einrichtungsstück aber leider noch in den we­nigsten Fällen vorhanden ist, so muß die Haus­frau eben zu anderen Mitteln greifen.

Man kann Butter zum Kühlen direkt ins Wasser legen, wenn man die Kühlwassermenge regelmäßig erneuert. Ein erfolgreiches Hausmittel aber ist es auch, Butter in ein feuchtes Tuch einzuschlagen. Das verdunstende Wasser kühlt bekanntlich, und die bei der Verdunstung entstehende Kälte, die sog. Verdunstungskälte, hilft uns, die Butter vor zu großer Wärmeeinwirkung zu schützen. Noch besser ist es freilich, die Butter von ihrer Umhüllung zu befreien und sie lückenlos in ein Steingut- oder Porzellangefäß einzufüllen. Stellt man diese But­terdose bann an den kühlsten zur Verfügung stehenden Ort in der Speisekammer oder im Keller, dann ist damit ebenfalls eine längere Haltbarkeit der Butter gewährleistet. Die Hausaeräteindustrie schließlich hat besonders konstruierte Butterdosen herausgebracht.

Die wärmere Jahreszeit steht bevor. Die Gefahr für die uns zur Verfügung stehenden Buttermengen wird damit von Tag zu Tag größer. Darum müssen gerade die kleineren Mengen, die heute an den Verbraucher abgegeben werden, sorglich und pfleg­lich behandelt werden, weil sie ja meist über meh­rere Tage reichen sollen.

Vornotizen.

Tageskalender für TNonlag.

Gloria-Palast (Seltersweg): NSG.Kraft durch Freude", 16 und 20 Uhr, Gastspiel Robert Gaden. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Hochzeit mft Hin­dernissen". Volkstümliche Vorträge und Vor­lesungen der Ludwigs-Universität Gießen: 20.15 Uhr Vortrag von Professor Zschietzschmann über: Griechische Götterbilder, mit Lichtbildern, im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstraße 34; 20.15 Uhr Vorlesung von Professor Vollrath über: Krieg und Frieden, unter besonderer Berück­sichtigung innerbritischer Zustände, im Großen Physikalischen Hörsaal, Stephanstraße 34. Ober- hessischer Kunstverein: Ausstellung Walter Kröll, Gießen, von 17 bis 18 Uhr im Turmhaus am Brand.

NS.-Frauenschast, Ortsgruppe Mitte.

Volkswirtschaft - Hauswirtschaft und Hilfsdienst, Donnerstag, 18. 4., um 20.15 Uhr imSchipkapaß".

Gemeinschaftsabend, Mitte, am 29. 4. um 20 Uhr imBurghof". Vortrag über Amerika von Pgn. Schaper.

Volkstümliche Vorträge und Vorlesungen der Universität.

Die im Verlaufe des ersten Trimesters der Uni­versität Gießen veranstalteten volkstümlichen Vor- träge und Vorlesungen hatten bei der Bevölkerung so starkes Interesse gefunden, daß die Abende dieser volkstümlichen Wissenschaft stets gut, zum Teil so­gar außerordentlich stark besucht waren. Angesichts

vcr sogar zuversichtlich. .

Oer Lauf begann. Wir rannten alle wie tou.

5e>er kleine Vorsprung wurde begeistert gefeiert, hier Verlust durch Schmähungen geahndet. Es ging tiaen und drüben heiß her. Bald hatte der andere, unser Haufe einen kleinen Vorsprung: es ging für und ab, hin und her, aber während die drüben, kls letzte Waffe das Fritzle hatten, mußten wir ®t Jonathan antretey. Mr wurde plötzlich Lange.

Ein Engländer richtet fein Volk

Von Or. Paul Rohrbach.

Oie Wacht am Mein.

In der Geschichte Frankreichs taucht immer wie­der eine Erscheinung auf, die man nicht einmal sonderbar, vielmehr ganz diplomatisch nennen kann: sobald im Innern des Landes etwas nicht in Ord­nung war, suchte man die Aufmerksamkeit des Vol­kes auf außenpolitische Dinge abzulenken. So war es auch 1830 nach der Pariser Juli-Revolution, die einen gewaltsamen Thronwechsel bewirkte, dadurch aber hinterher heftige Parteikämpfe entfachte. Da griff man wieder ein altes Projekt auf: man er­zählte dem Volke in Reden und Schriften, daß der Rhein und die Rheinlande zu Frankreich gehörten und nicht nur zu Frankreich zurück müßten, sondern auch wollten. Einer der Haupthetzer war der Ministerpräsident Thiers. Wie sehr die Leidenschaft der Franzosen aufgestachelt und ihre Lust an kriege­rischen Abenteuern entfacht war, beweist am besten die Tatsache, daß Thiers 1840 den Ausbau der Stadt Paris zu einer gewaltigen Festung durch­setzte. Wenn er aber bei seinen Raubzug splänen mit der Uneinigkeit Deutschlands gerechnet hatte, durch die er leichtes Spiel zu haben glaubte, so hatte er sich gerade in diesem wichtigsten Punkte schwer getäuscht. Seit den Freiheitskriegen war bei den deutschen Volksstämmen der alldeutsche Gedanke nicht wieder eingeschlafen und wenn auch schwere Enttäuschungen jeglicher Art die Verwirklichung immer wieder vereitelt hatten, so blieb doch die Hoffnung und der fefte Glauben an die Einigung Deutschlands stets lebendig. Man war nicht willens, sich den Herrschgelüsten und Gewalttaten eines französischen Machthabers wieder auszusetzen, son­dern fest entschlossen, einem Angrift der westtichen Nachbarn mit aller Kraft und allen Mitteln ent­gegenzutreten. Diese Stimmung des deutschen Vol­kes tritt aus den Reden und Schriften jener Zeit leuchtend hervor, besonders aus verschiedenen ein­drucksvollen Dichtungen. Zu diesen gehört auch das LiedEs braust ein Ruf wie Donnerhall", das Max Schneckenburger im Sommer 1840' in Bern schuf. Er war aber ein Deutscher, denn am 17. Februar 1819 in Thalheim bei Tuttlingen (Württemberg) geboren; in Bern lebte er damals als Gehilfe in einem Drogengeschäft, bis er 1841 an der Grün­dung und Leitung einer Eisengießerei zu Burgdorf bei Bern teilnahm; dort starb er schon am 3. Mai 1849; im Jahre 1886 wurden seine Gebeine in der deutschen Heimat beigesetzt. Sein Kampf- und Trutz­lied geriet aber allmählich in Vergessenheit, als die drohende Kriegsgefahr gebannt war und die Grün­dung eines Deutschen Reiches wieder keine Ver­wirklichung gefunden hatte.

Im Oktober 1853 entstand der sog. Krimkrieg

krnährt oder halb verhungert ober durch die tausend 'e mit einen und ein sog. Nahrungs-Ersatzmittel, mit denen sie Unr; ''ch jetzt erhalten, vergiftet werden, so wird ihre

Die deutsche Generation, die den Weltkrieg noch mit Bewußtsein miterlebt hat, kann die Wirkungen 'der englischen Blockade auf unfern Ernährungsstand damals und heute nicht vergleichen. Hätte 1914 auf deutscher Seite derselbe Weitblick geherrscht, wie diesmal schon vor und unmittelbar bei Beginn des Krieges, so hätte es mit der Lebensmittelversorgung nie so schlimm werden können, wie gegen Ende des Weltkrieges. Heute können wir dem Versuch der Feinde, uns durch Hunger zu bezwingen, in Ruhe entgegensehen. Vermutlich haben jene selbst es schon begriffen, daß sie es nie und nimmer auf diesem Wege schassen werden. Es wird aber nützlich sein, wenn wir uns, um die Psyche unserer Feinde an einem Stück ihrer Selbstoffenbarung recht zu ver­stehen, an ein gewisses Dokument aus der letzten Zeit des Weltkrieges erinnern,und an die Antwort, die ein menschlich und gerecht'denkender Engländer darauf gab.

Es ist jetzt einundzwanzig Jahre her, daß fünf Monate nach dem Abschluß des Waffenstillstandes, Ende März 1919, die Hungerblockade, wenn auch nicht formell beendet, so doch einigermaßen gemildert wurde. Der Krieg selbst hatte 4 Jahre und 3 Monate gedauert und vom deutschen Heer 2 Millionen Todesopfer gefordert. Fast zwei Drit­tel der täglichen Verlustzahl während des Krieges erlitt Deutschland auch während des sog. Waffen­stillstandes weiter, hauptsächlich unter den Frauen, Kindern und Schwachen, denn auch nachdem wir alle Bedingungen für das Aufhören der bewaff­neten Feindseligkeiten erfüllt hatten, wurde uns keinerlei Lebensmittelzufuhr erlaubt, ja nicht ein­mal Seefischfang und Milcheinfuhr, um die Säug­linge zu retten. Warum nicht? Offenbar doch, um die Dauerwirkungen der Blockade nicht zu beein­trächtigen. Hier der Beweis!

Dies Dokument wurde in den Northclifte-Zeitun- gen dem englischen Leser als ein Triumphgeschrei des Hasses vorgetragen. In Deutschland war man sich so wenig über die Absicht klar, die geschilderten Wirkungen der Blockade noch auf unabsehbare Zeit fortdauern zu lassen, daß man versuchte, Eindruck durch den Nachweis zu machen, daß auch nach Ab­schluß des Waffenstillstandes täglich etwa 800 Men­schen durch die Fortdauer der Hungerblockade star­ben, daß die Sterblichkeit der Säuglinge und Klein­kinder sich gegen die Friedenszeit nahezu verdop­pelt hatte usw. Die Feinde aber sprachen bei sich: Vortrefflich! Das gerade wollten wir ja erreichen! Auch der Franzose Clemenceau sagte nach dem Waffenstillstand geradeheraus: Vingt millions de trop! Zwanzig Millionen Deutsche zuviel!

Der englische Zeuge gegen diese Unmenschlichkeit, den wir anführen wollen, ist E. D. Morel: schon während des Krieges ein ungehörter Rufer zur Selbstbesinnung in England. In seiner Schrift Früchte des Sieges" (The Fruits of Victory1*) finden sich zwei Kapitel: 'Das Massaker der Un­schuldigen" undEnglands Ehre". Darin heißt es von den Alliierten:

Dom November 1918 bis Ende März 19 19 haben sie trotz der wiederholten Proteste ihrer eigenen Kommissionen und britischer Offiziere und Soldaten die Anwendung der abscheulichsten und unmenschlichsten aller in diesem Kriege be­nutzten abscheulichen Waffen, der Blockade, nicht nur in vollem, sondern sogar in verschärftem Maße aufrechterhalten. Und indem ihre Mäuler für den öffentlichen Gebrauch von pharisäischen und salbungsvollen Phrasen trieften, setzten sie dies mörderische und anarchiegebärende Verfahren fort, während sie insgeheim über die Siegesbeute die Zähne fletschten."

Als das deutsche Volk seine Zustimmung zu den im voraus von Präsident Wilson aufgestellten und von den Verbündeten angenommenen Frie­densgrundsätzen erklärte und seine Waffen nieder­legte was geschah bann? Wir beteiligten uns daran, dem deutschen Volk Bedingungen der de­mütigsten Art aufzuzwingen. Es ergab sich darein, weil es nicht anders konnte, worauf wir fortfuh- ren, es trotz dem Waffenstillstand auszuhungern. Fünf Monate lang fuhren wir fort, die deutschen Frauen und Kinder verhungern zu lassen. W v war da unsere nationale Ehr e?"

Und wenn sie diesen Pakt der Schande (das Friedensdiktat) nicht unterzeichnen, dann sagen wir ihnen mit den Worten jenes kraftvollen Verteidi­gers der menschlichen Freiheiten, Lord Curzon, wir sagen ihnen - wir mit unfern sauberen Händen, den reinen Herzen, mit unserem mitleidvollen Ge­müt, unfern veredelten und menschenfreundlichen Gefühlen daß wir weiterhin ihre Frauen und Kinder dem Hungertod preisgeben werden, wäh­rend wir unsere eignen Wänste füllen und Gott bitten, unsere Geschäfte zu segnen. Fürwahr, wir werden wohl noch an einem Ueber- maß der Ehre ersticken!"

Ist es nötig, dieser Charakteristik Englands durch einen Engländer noch etwas hinzuzufügen? Viel­leicht nur dies eine: doß Morel, wenn er noch lebte, keine Ursache finden würde, anders über englische Ehre zu urteilen, als im. Jahre 1919, daß er aber sich einem deutschen Volk aeyenübersähe, dessen Führung nichts versäumt hat, seine Abwehr- mittel auf allen Gebieten, auch auf dem der Er­nährung, so zu kräftigen, daß England vergeblich dagegen angehen wird.

EinwohNM Im September 1918, kurz vor dem Waffenstill­stand, veröffentlichte der englische Haß-Einpeitscher, Lord Northcliffe, in seinen Zeitungen der Times", die ihm damals gehörte derDaily , Mail" und anderen Blättern das Gutachten einer 'n em U englischen medizinischen Autorität, des Doktors iberfühiM Daleeby. In diesem hieß es wörtlich:Wenn deutsche Eltern heute schlecht ernährt oder unter-

Jch sah mich nach ihm um: er stand, obwohl noch nicht an der Reihe, sprungbereit, er hatte aufge­rissene ' Augen, er klemmte den Mund zusammen und war bleich. Hatte ich ihm zuviel aufgeladen, als ich ihm unsere Ehre anvertraute?

Jetzt nahte der vorletzte Läufer, uns alle er­faßte die ungeheure Spannung des Endkampfes. Mach's gut", schrie ich Jonathan zu, der guckte sekundenlang zu mir hin, der Blick war wie em Gelöbnis, und bann sauste er ab. Aber da stolperte er in der Aufregung, sechs, sieben Schritte, drüben hatte bereits das Fritzle mit ihm gleichgezogen. Doch nun faßte sich Jonathan wieder, er legte los, wie keiner von uns ihn jemals gesehen hatte. Sein ganzer Körper ruckte und bebte, er hatte weder Stil noch Eleganz in seinem Lauf, aber unerhört viel Wallen und Hingabe. Wir wurden ganz still, wir schauten und staunten. Jeder gestand sich, hätten alle so ihre Aufgabe erfüllt, müßten wir jetzt weit im Vorteil liegen. So aber hing es vou Jonathans Lauf ab, er hielt sein verrücktes Tempo bis zum Ziel, das er als Sieger erreichte.

Jonathan ging auf die Seite, um sich auszu- schnaufen. Er'stieß die Lust in kurzen, dicken Zugen aus, als säße er zwischen ganz engen Wanden. Das Blut wühlte in seinem Kopf und stand rot, ge­staut wie eine Wehr, hinter der Haut. Aber die Augen glänzten.Hab ich's geschafft?" frug er, obwohl er bereits um den Ausgang wußte. Wir versicherten es ihm, und dann bekannte der eine, daß er ihm dies niemals zugetraut hätte, und der andere nannte ihn einen Heimtücker, der bisher mit feiner Fähigkeit zurückgehslten. Als sie gegan­gen waren, suchte er mein Gesicht. Ich schüttelte den Kopf. Nein, das war es nicht, was die anderen meinten, es war nichts als das Vertrauen, die Kameradschaft und die Knabenehre, das ihm die Kraft verliehen. Die Worte dafür fehlten mir wohl, aber inwendig spürte ich das Richtige. Und ich sagte es ihm ebenfalls mit einem Blick.

Zeitschriften.

__ bie neue linie" (Verlag Otto Beyer, Leip- 3ta) veröffentlicht in ihrem Aprilheft einen inter­essanten Beitrag, in dem Maschinen der deutschen Luftwaffe gezeigt und ihre Funktionen im modernen Luftkrieg beschrieben werden. Zur (Erinnerung an bie spanische Erhebung bringt bas Heft schone Bilder Über Kastilien. Ein Aufsatz des Kunsthistorikers Rich. HamanDas Doppelgesicht der spanischen Kunst enthält hervorragende Farbtafeln von Gemälden der drei größten spanischen Maler Delasguez, Goya und El Greco. Besonderes Interesse verdient auch eine BildreiheDer Feind", die die wichtigsten Typen der Feindflugzeuge vorführt; ein BeitragDie Werk­gemeinschaft" zeigt in ungestellten Aufnahmen die Gesichter von Arbeitern und Ingenieuren eines Ru- stllNHsdötrtebeÄ»

Jonathan.

Von Heinrich Litterer.

(Einer von uns hatte ihn im Spaß Jonathan ge­nannt. Und weil uns der Name gefiel, behielten wir ihn bei. Jonathan war dick und plump. Wenn er «s Laufen kam, schnaufte er. kurz und griff nach öcin Odem. Das erhöhte nicht die Achtung vor ihm. Jonathan war eine Figur, die viel Lächerliches ente hielt. e

Aber manchmal spielte dieser Jonathan doch eine Hotte. Wenn wir in der Schule, in zwei Hausen geteilt, gegenseitig zum Wettlauf an trat en, wobei einer den anderen ablöste, war jene Schar, der Jonathan zufiel, von vornherein nahezu aussichts­los. Jonathan büßte prompt den Vorsprung ein, btn seine Kameraden abgerungen hatten, und bas geb bann rechtschaffenen Aerger.

Einmal frei mir die Aufgabe zu, als Führer der einen Schar, zusammen mit Erich, dem Führer des anderen Rudels, eine Mannschaft aufzustellen. Ich bekam Vorhand und durfte zuerst wählen. Ich nahm mir den, der mir als bester Läufer bekannt mar, Dich den zweitbesten, ich den drittbesten ... und Ketzt blieb, wie zu erwarten, nur noch Jonathan ütrig: er kam an Erich. Erich betraf der Ausgang «r Wahl hart: er hatte gehässige Augen, als er Hf Jonathan zutrat, diesen in die Seiten puffte imb mit erhobener Faust drohte:Paß auf, wenn vir verlieren, Specksack, elender!" Es war wohl Jufall, daß ich auf den ganzen Vorfall aufmerksam öitrbe: ich merkte die innere Unruhe, mit der Jo- ncthan sich an bas Ende ber Auslese versetzt sah, >L faßte einen seiner halb verzweifelt en, ängstlichen Siicfe, und auf einmal hatte ich Mitleid mit ihm. Wenn mir, von Rechts wegen Jonathan zugefallen märe, hätte ich vielleicht auch so gehandelt wie Dich, aber so hatte ich einen inneren Spielraum, her es mir gestattete, zu Erich zu sagen:

»Laß mir den Jonathan, Erich, du kannst dafür ttiinen Fritz haben!" Es war ein schlechter Tausch, hei ich machte, und meine Kameraden protestierten lU't. Doch wie einem geheimen Befehl gehorchend dies ich alle diese Anträge und Angriffe zuruck Md sagte nur, mit einem langen Blick auf Jo na­hm:Der wird uns nicht im Stich lassen, gelt, Hcnathän?" Knaben eh re ist so heilig wie Mannes- tiye. Als Jonathan, der mich verstanden ni(Me, wußte ich, daß -er sein Bestes gab, ja, ich

Nachkommenschaft ein dementsprechend minderwer­tiges Erzeugnis sein. Sie wird in weitem Maße ollen möglichen Varietäten erblicher Leiden unter­worfen sein. Sie wird wenig widerstandsfähig sein gegen die Ansteckung der Tuberkulose, möglicher­weise verkrüppelt, mißgestaltet, ober im Wachstum liniernormal ... Ich gehe weit' im Vorausblick auf bie Zukunft Deutschlands; ich spreche aus, daß richt nur Zehntausenden von noch ungeborenen Deutschen ein Leben physischer Minderwertigkeit vorausbestimmt ist, so gewiß, als sei durch Rechts- verfahren ihnen ein solches Urteil gesprochen, son­dern daß Tausende von noch gar nicht erzeugten Deutschen, wenn ihre Zeit gekommen sein wird, einem solchen Schicksal ins Angesicht schauen wer­den. Rachitis wird vielleicht die gewöhnlichste Form sein, in ber ber untaugliche Deutsche ber Nachkriegsperiobe angetroffen werben wirb. Man , nennt in Deutschland bie Rachitis dieenglische Krankheit". Nun wohl, es kann bazu kommen, baß sie diese Bezeichnung in Zukunft noch besser als in der Vergangenheit verdient, beim die britische Blockade ist an erster Stelle verantwortlich für Deutschlands jetzige fürchterliche Ernährungsnotlage jnb infolgedessen für die Dauerwirkungen, die Heren Folge sein werden."