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Zerfahrenheit uni) Illusionen.
Oie italienische presse berichtet aus London und Paris.
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ranten Englands gewesen seien. Eine unmittelbare Folge rst die Herabsetzung allerPapier- Zuweisungen an die englischen Zeitungen auf die Hälfte des bisherigen, bereits erheblich gegenüber Friedenszeiten beschnittenen Verbrauchs. Diese Beschränkung tritt sogar mit rückwirkender Kraft für den Monat März ein. Allen Verbrauchern von Papier wird äußerste Sparsamkeit dringend anempfohlen, weil es noch unsicher sei, ob neue Zuweisungen in absehbarer Zeit überhaupt möglich sein würden.
Die Handelsflotten der skandinavischen Länder.
Die skandinavischen Länder, besonders jedoch das Königreich Norwegen, gehören zu den eifrigsten seefahrenden Nationen. Norwegen, das nur einen Prozentsatz der Bevölkerungszisfer der deutschen Reichshauptstadt Berlin aufweist, besitzt die drittgrößte Handelsflotte der Welt. Die gesamte norwegische Schiffstonnage betrug zu Kriegs-
begjnn 4 738 000 Bruttotonnen, davon waren 1902 000 Bruttotonnen oder 4 0 v. H.
schiffe. 91 v. H. der norwegischen Tankschiffe sind Motorschiffe. Nur 25 v. H. des gesamten Tankschiff- bestandes weist ein Alter von unter 5 Jahren aus. Diese Feststellung ergibt, daß Norwegen die modern sie Tankflotte der Welt besitzt. Die Hauptstadt Oslo ist der Sitz der größten norwegischen Reedereien, diese versügen insgesamt über eine Schiffstonnage von etwa 1 823 000 Bruttotonnen. Hinter Oslo liegt die alte Hanfa- stadt Bergen mit 806 000 Bruttotonnen.
Obwohl Schweden die doppelte Einwohnerzahl von Norwegen aufweist, verfügte die schwedische Handelsflotte zu Beginn des Krieges nur über eine Schiffstonnage von 1540 000 Bruttotonnen. Die empfindlichen Kriegsverluste der schwedi chen Handelsflotte, die sie infolge des brutalen englischen Blockadekrieges hinnehmen muß, machen sich naturgemäß hart bemerkbar. Nicht anders ergeht es Dänemark, dessen Handelsflotte insgesamt eine Schifftstonnage von 1 171 000 Bruttotonnen zahlt.
Die Auffassung in Jtom.
Rom, 15. April. (Europapreß.) Die römischen Blätter meinen, daß die erneuten Versuche der Engländer, die von den Deutschen besetzten Stützpunkte an der norwegischen Küste anzugreifen und den Ausbau der deutschen Positionen ober gar den Nachschub von Kriegsmaterial und Truppen zu stören, völlig gescheitert sind, während die Deutschen ihre Stellungen immer stärker befestigen konnten. „Giornale d'Jtalia" schreibt, die Bilanz des ersten Abschnitts der Operationen in Skandina. Dien sei niederschmetternd für die imperialistischen Demokratien und außergewöhnlich aktiv für Deutschland. Das Ergebnis sei ein großer deutscher Sieg, der äußerst schwerwiegende Folgen haben werde. Die Norweger, die den Deutschen noch Widerstand leisteten, würden vergeblich auf die versprochene Hilfe der Westmächte warten. Jeder Tag, der bahingehe, bedeute für die Deutschen die Möglichkeit einer schnellen Verstärkung und Festigung ihrer Stteitkräfte. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus verliere England seine nächsten und wichtigsten Dersorgungsgebiete. England könne zwar die Rohstoffe und Lebensmittel, die es bisher aus Dänemark und Norwegen bezogen habe, auch in Kanada, Austtalien, Neuste- land usw. kaufen, aber von dort her seien die Transportwege bedeutend länger und in höherem Maße Angriffen ausgesetzt. „Messaggero" stellt fest,
Die Weidenkätzchen.
Von Wolfgang Zenter
Der Soldat hat Wache. Er geht das kurze Stück, das ihm zugemessen ist, auf und ab, auf und ab. 0wischen seinen Brauen steht eine kleine, scharfe alte, wenn er über das Vorfeld feindwärts späht. Die Luft ist ganz klar, der Wald weit hinter den Stellungen des Feindes hat einen helleren Schimmer als sonst. Es ist, als hingen hauchfeine Netze aus goldenen Fäden vor der Ferne. Zwischen den Stellungen, hoch oben, jubelt eine Lerche.
Der Soldat geht seinen Weg, auf und ab, zwischen der Grabenbiegung und bem Weidengebüsch, verhält jedesmal den Schritt ein wenig, ehe er wendet, und lauscht. Nichts ist zu hören als das Jubeln der Lerche und der leise schmatzende Ton, mit dem sich die Stiefel im Schreiten von dem nassen Lehm- boden lösen. Der Frost ist längst aus der Erde — und an dem Weidengebüsch haben die silbergrauen Kätzchen die braune Hülle gesprengt.
Der Soldat ist im Dienst. Sein ernstes, junges Gesicht späht unter dem Helmrand feindwärts. Die eine Hand ist fest um den Schaft der Waffe geschlossen. Die anbere Hand aber bricht, ehe er wiederum wendet, einen Weidenzweig ab und schiebt ihn zwischen die Knöpfe des Waffenrocks. Es wird ihm nicht bewußt, das Gesicht bleibt streng und gespannt. Denn er ist im Dienst. Erst als er abgelöst wird, sieht er mit einem Lächeln auf den Zweig an seiner Brust herab und tastet über die weichen Weidenkätzchen, und er spürt, daß eine gewaltige Freude in ihm ist, daß Frühling ist, daß das Leben neu auf- steigt und etwas noch nicht Faßbares, etwas Großes, Frohes, nahe bevorsteht.
Dies mag einem Soldaten am Westwall ge- schehen — mag schon vor Jahrhunderten geschehen sein, da deutsche Soldaten unter Prinz Eugen vor Belgrad lagen, oder vor einem Vierteljahrhundert in Flandern, wo viele Weiden stehen und im Früh« jahr die jungen Kätzchen tragen. Es wird dem Soldaten kaum bewußt bis zur Klarheit geformter Worte — es leuchtet nur für einen kurzen, ver- huschenden Augenblick auf, in dem der Soldat, der Hüter und Wahrer des Lebens, den ersten Zeichen des auferstehenden, neu aufsteigenden Lebens be- Segnet,
Amerika meldet:
Von neuem englifdiem Vorstoß.
Neuyork, 13. April. (DNB.) „Evening Star" will erfahren haben, baß eine britische Transportflotte mit mehreren Divisionen ausgelaufen sei und sich zur Zeit auf hoher See befände, um Truppen entweder in Norwegen oder in Holland zu landen. Die letztere Annahme sei, so sagt „Evening Star", wahr- scheinlicher, denn England könne kaum die Deutschen aus Norwegen verdrängen. Deshalb werde England an der norwegischen Küste nur Scheingefechte führen.
Englische Marinesoldaten enthüllen Churchills Absichten.
Oslo, 15. April. (Europapreß.) Daß eine Landung englischer Truppen in Norwegen bereits seit langem von der Londoner Regierung vorbereitet worden ist, geht jetzt auch aus Angaben hervor, die gefangene englische Marine- soldaten bei ihrem Verhör in Bergen gemacht haben. Danach haben englische Landungstruppen schon Anfang April in einem ostenglischen Hafen zur Verschiffung bereitgestanden. Als sie England nach Norwegen verließen, wurde ihnen gesagt, sie sollten durch Landbesetzungen die englischen Minenfelder in den norwegischen Hoheitsgewässern decken. Man war mehr als überrascht als Deutschland schneller zu schlug als die Engländer und alle diese Punkte dieses neutralen Landes besetzen ließ, von denen es in England hieß, sie sollten von den englischen Marinesoldaten eingenommen werden.
Besprechungen beim König der Belgier.
Brüssel, 13. April. (Europapreß.) König Leopold III. hatte am Samstagvormittag Besprechungen mit Ministerpräsident Pierlot, Außenminister S p a a k und Landesverteidigungs- mintfter General Dens. Außerdem empfing der König den neuen norwegischen Gesandten Korn zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens.
wißheit in der Lage Frankreichs schaffe. Die Reaktion aber in der Bevölkerung Frankreich sei eine immer mehr sich verschärfende Verwirrung und wachsendes Mißtrauen, das in Entsprechender Weise durch die übelste Laune auf dem Finanzmarkt bewiesen werde.
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Rom, 14. April. (Europapreß.) »Lavoro Fas- cista" schreibt, die Londoner Presse erkenne an, ,Haß höchste militärische, maritime und moralische Werte auf dem Spiele ständen". Um die schwere Enttäuschung und die ernsten Besorgnisse der Oefsentlichkeit zu besänftigens lasse die englische Presse durchblicken, daß zum Schutze dieser hohen Interessen von den militärischen Stellen „eine starke Hilfe für Norwegen, ein Expedittonskorps, vorbereitet werde. Da es sich um ein schwieriges Unternehmen handele, müsse alle Ungeduld beiseitegestellt werden. Man spare auch nicht mit Drohung en gegenüber den Neutralen, Sympathien gegenüber Deutschland könnten zum Verlust des Kolonialbesitzes führen. Diese Sprache scheine an Belgien und Holland gerichtet zu sein. Durch diplomattsche Kundgebungen in Verbindung mit der Londoner Diplomatenkonferenz werde auch ein unverminderter Druck auf den Donau- und Balkan raum ausgeübt.
Narvik.
Das Erztor der Welt über dem Polarkreis.
In den Auseinandersetzungen um Skandinavien spielte und spielt der in der ganzen Welt bekannte Erzverschiffungshafen N a r v i k an der nordnorwegi- scheu Westküste eine bedeutsame Rolle. Dieser Hasen ist das Erzverladetor der ganzen Welt, denn die meisten Staaten Europas und zahlreiche außereuropäische Nationen holen von hier auf dem See- wege die hochwertigen schwedischen Erz e, dir in Nordschweden bei Kiruna gefördert werden. Narvik ist, wie gesagt, zwar nur ein Erzverschif- fungshasen, aber darum von um so größerer Bedeutung.
Als Ende vorigen Jahrhunderts die Ichwedlschen Erze mit der zunehmenden Industrialisierung der Kultuvstaaten eine immer größere Nachfrage erfuhren und man auf dem Landwege über Schweden bzw. dem Seeweg über die Ostsee den verkehrsmäßigen Anforderungen nicht mehr genügend entsprechen konnte, wurde zwischen der schwedischen und norwegischen Regierung der Plan einer Eisenbahnverbindung des Erzförderungs- gebiete mit eingm möglichst nahen Hafen an der norwegischen Küste in Erwägung gezogen Verhältnismäßig schnell wurde eine Bahn von Kiruna zur norwegischen Grenze gebaut. Als Hafen wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts der Flecken Nar - v i k im langgestreckten Osot-Fjord gewählt, in erster Linie, weil er die nächste Verbindung auf dem Landweg darstellt, dann weil er durch die Wirkungen des Golfstromwassers während des ganzen Winters eisfrei ist, und schließlich, weil sich genügend Ausweituxgsmöglichkeiten für die Hafenan* lagen ergeben.
Narvik hat sich in vier Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Häfen Norwegens entwickelt, es ist zum Erztor der Welt geworden, denn täglich werden hier Taufende von Tonnen Erz auf Schiffe aller Nationen verladen. Diesem ständig steigenden Umsatz entsprechend konnte Narvik seine Einwohner- zahl von 75 zu Beginn des Jahrhunderts auf 10 000 in der Gegenwart erhöhen, wobei zu berücksichtigen ist, daß diese Einwohner ausschließlich Arbeiter und Angestellte der Hafengesellschaft sind. Diesem schnellen Wachstum und der zunehmenden handelswirtschaftlichen Bedeutung entsprechend wurde Narvik auch verkehrsmäßig immer mehr erschlossen. Die Stadt ist auf dem Landwege durch die Eisen- bahn, in der Luft durch eine Fluglinie und längs der norwegischen Küste durch fahrplanmäßig ver- hältnismäßig eng verkehrende Schnelldampfer mit der Umwelt verbunden.
Gerabe in jüngster Zeit steigerte sich die Bedeu- tung Narviks als Umschlaghafen sehr wesentlich. So hat her russisch-finnische Handelsvertrag, der nach dem Friedensschluß abgeschlossen wurde, den Bau einer Verbindungsbahn Kandalakscha (Rußland) — Kemijärvi (Finnland) vorgesehen, die ihrerseits unmittelbaren An s chl u ß an die nach Narvik fahrenden Züge erhält. Wenn auch die handelsmäßigen Beziehungen zwischen Rußland und Finnland und die sich daraus ergebenden internationalen Ausweitungen erst im Entstehen begriffen sind, so ergibt sich doch damit schon fpr Narvik eine gesteigerte Zukunftsbedeutung. Ferner haben die schwedischen Handelsgesellschaften vor einiger Zeit beschlossen, an Stelle der 3um Teil sehr langwierigen Verschiffungen auf dem Landwege und durch die Ostsee einen Teil der Ausfuhrgüter zum Umschlaghafen Narvik umzuschal- ten. Allgemein bekannt ist das große Ausmaß der laufenden Erzverschiffungen von Narvik aus, die selbst während des Krieges nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach Großbritannien und Frankreich liefen, da entsprechende Handelsabkommen zwischen Norwegen und den kriegführenden Ländern bestanden. Großbritannien und Frankreich haben diese durchaus den Neutralitätsgesetzen entsprechenden Abmachungen gebrochen und damit das bekannte Eingreifen Deutschlands herausgefordert. Heute steht der norwegische Erzhafen unter deutscher Kontrolle. Im übrigen gibt der Schutz Deutschlands gegenüber dem nordischen Raum die Gewähr dafür, daß die friedliche handelswirtschaftliche Situation Skandinaviens keine Störung mehr erfährt. Die nordischen Länder können gewiß sein, daß sie an Stelle der englischen und franzö- schen Abnehmer in dem von Deutschland gesicherten mitteleuropäischen und südosteuropäischen Raum genügend Absatz für ihre Güter finden, bis normale Friedensverhältnisse wieder eintreten.
Noch ein paar Worte über die landschaftliche Lage Narviks. Die Stadt liegt im hohen Norden
Ehrenrettung des Faultieres.
Von Professor Or. Hans Krieg, München.
Ja, ich weiß schon, daß alles schmunzelt, wenn man vom Faultier spricht. Ganz recht, es ist das Tier, das so unendlich viel Zeit zu haben scheint, dos Tier mit dem dummen, selbstzufriedenen Lächeln im Gesicht. Es entspricht auch durchaus der Wahrheit, daß ihm schon zu Lebzeiten Motten im Pelze wachsen und daß es sozusagen schon zu Lebzeiten Grünspan ansetzt insofern, als seine derben, strohigen Haare in regenreichen Zeiten einen grünen Hauch tragen, der von den Algen herrührt, welche an ihnen wachsen. Es ist nicht zu bestreiten, daß dieses Tier ein groteskes Geschöpf ist, ein dankbarer Gegenstand teils guter, teils billiger Witze.
Meinet nicht, daß wir merkwürdigen Zeitgenossen, die man uns Zoologen, Tierkundler, nennt, nicht auch herzlich und geradezu unanständig laut lachen können, wenn irgendein Tier in ungewollter Komik uns freundlichst an allerhand Eigenschaften unserer Mitmenschen erinnert. Ich würde es für eine dumme Wichtigtuer ei halten, wenn einer von uns am Affenkäfig im Zoo mit Leichenbittermiene vor- beiginge ohne Sinn für das Lustta-Parodisttsche, welche eine gesunde und lebensfrohe Affenschar uns vorgaukelt, oder wenn er etwa angesichts spielender Löwenkinder sich die Brille zurechtrückte, um schleunigst einen frvhsinroMord enden wissenschaftlichen Dorttag über die Katzen im allgemeinen und Felis leo, den Löwen, im besonderen von Stapel zu lassen.
Die Tatsache, daß ich diesen Artikel mit solch' goldenen Worten beginne, wird im klugen Leser aber schon den Gedanken erweckt haben, daß ich eigentlich nicht von komischen Dingen reden will. „Aha", wird er denken, ,^mar sagt er zuerst „Zwar", aber nachher sagt er „Aber!"
Sehr richtig, genau so ist es!
In Schul- und Lehrbüchern kann man lesen, daß die Faultiere zu den sog. ,Lahnarmen" gehören, und daß sie mit den ebenfalls in Südamerika lebenden Ameisenbären und Gürteltieren nachweislich recht nahe verwandt sind. Und wer diese drei Tier- gruppen miteinander vergleicht, der kommt wohl selbst auf den Gedanken, daß es immerhin des
Faultiere? Ich spreche aus Erfahrung. In der brasilianischen Küstenstadt Santos, berühmt als größter Kaffeehafen der Wett, steht in öffentlicher Anlage eine Gruppe mächtiger Würgfeigenbäume. Ich wußte, daß auf diesen Bäumen sieben Faulttere lebten. Aber wie oft suchte ich nach ihnen und fand kein einziges, obgleich es doch dort viel, viel leichter war, sie zu entdecken, als draußen im düsteren, lianenverhängten Urwald.
Die einzigen tterischen Feinde der Faulttere sind einige wenige große Raubvogelarten. Raubvögel aber finden bewegungslose Beuteltiere meist nicht und langsame schwerer als ruhelos rasche. Und weil nun die Faultiere zudem mehr bei Nacht unterwegs sind, als am Tage, so haben sie Grund, sich sicher zu fühlen. Wozu sollen sie rascher sein? die Blätter laufen ihnen ja nicht davon.
Noch eins. Wer diese Tiere für schlapp und wenig lebenstüchttg hält, der täuscht sich gewaltig. Kein Mensch, auch der beste Turner ber, Welt nicht, wäre fähig, dieselbe Ausbauer und Kraft aufzubringen, über welche das viel verlachte Faultier verfügt. Die gewagtesten langsamen Klirnmzüge reiht es scheinbar mühelos aneinander und verzichtet sogar auf die kraftsparende Hilfe jeglichen Schwunges. Mach' es nach! Und wer, wie ich, schon die Aufgabe hatte, Faulttere zu jagen oder gefangene zu töten, der hat mit maßlosem Erstaunen festgestellt, daß diese „komischen" Tiere über eine geradezu unerhörte Lebenszähigkeit verfügen.
Also: dieses Tier ist gewiß weder fix noch in menschlichem Sinne schlau oder klug. Aber es ist gerade das, was es bei seiner Lebensweise sein muß: heimlich, bescheiden und zäh. Die Bolivianer nennen es gerne „Perrico ligero", das „geschwinde Peterchen". In diesem Namen liegt zweifellos der Sinn für das Komische, Bizarre in diesem Tier. Ader ein Bolivianer sagte mir auch einmal: „Es ist das tüchtigste Vieh auf Gottes Erdboden. Schau' nur in sein blödes Gesicht, muß nicht ein Geheimnis dahinterstecken, ein Teufel vielleicht?"
Nun, an den Teufel glauben wir nicht. An das Geheimnis schon eher. Aber ist es nicht auch nur ein Teil jenes großen Geheimnisses, für das wir Menschen so vielerlei Namen haben. „Schöpfung" etwa, oder »Gesetz oder Entwicklung und An- pasjung?"
Da der erhoffte und unvorsichtigerweise der französischen Oesstntlichkeit versprochene getoaUtge Sieg im Norden ausgeblieben fei, so berichtet der Pariser Korrespondent der „Tribuna", fahre nun die Pariser Presse fort, Luftschlösser für die Zukunft zu bauen. Man gebe sich der gefährlichen Illusion hin, auf diese Weise das heilige Feuer im Lande zum Auflodern bringen zu fön« dessen vollständiges Fehlen eine ernste Uroge- eit in der Lage Frankreichs schaffe. Die Reak-
Nachdenkens wert ist, wieso diesen Tieren ihre Verwandtschaft äußerlich so ganz und gar nicht anzu- merken ist. Da steckt nun wirklich eines der größten naturwissenschaftlichen Probleme. Es gipfelt in der Feststellung, daß aus Geschöpfen, die gerne in» fame Ahnen haben, durch die auslesende, züchtende Wirkung der Natur schließlich ganz verschiedene Anpassungsformen entstehen können: Ameisenbären, welche zahnlos sind und mit ihrer langen, klebrigen Wurmzunge Termiten und Ameisen auf- lecken, grabende, hartgepanzerte Gürteltiere und phlegmatische Faultiere, die auf Bäumen leben und Blätter fressen. Das ist wahrhaftig kein Witz, sondern es ist die besonders eindringliche Veranschaulichung grunbl ege rotier Naturgesetze, welche in allen möglichen Graden und Formen alles Lebendige beherrschen — letzten Endes auch uns Menschen, die wir uns so gerne einbilden, über den Natur- gesttzett zu stehen.
Ich kenne Faulttere nicht nur aus dem Zoo, sondern ich habe sie in ihren heimischen Urwäldern beobachtet, gefangen, studiert und — bewundert. Ich habe ihnen oft so lange zugesehen, daß ich mich meiner eigenen vergleichsweise so hastigen Bewegungen ein wenig zu schämen begann und mir sagte: „Probier's einmal langsamer, vielleicht geht es so auch." Das ist natürlich ganz unwissenschaftlich und auch ein wenig töricht, aber daß eine gewisse Lebensweisheit drinliegt, wird mir keiner bestreiten. Wenn wir unser Leben blätteressend auf Bäumen zubringen könnten, dann hätten mir es nicht nötig, alle zehn Minuten auf die Uhr zu sehen. Das Faultier — das leuchtet nun ein — hat Zeit. Und nicht nur das. Langsamkeit, Bedach- tigleit ist für dieses Tier genau so eine zweckmäßige Eigenschaft, wie es für einen Wolf zweckmäßig ist, ein rascher Läufer oder für das Wiesel, ein kühner kleiner Draufgänger zu sein.
Wenn eines Tages in allen Urwäldern die klugen und behenden Affen ausgerottet fein sollten, dann wird, vermute ich, das Faultier immer noch dort sein Leben fristen. Man kann heute schon in vielen Teilen Brasiliens die Probe aufs Exempel machen. Das Faultier ist ein ruhiger, stiller und unauffälliger Gast, drum hat es wenig Feinde. Geh' in den Wald und suche es! Affen findest du leicht — vorausgesetzt, daß es noch welche gibt — aber
mer stärker befestigt und ausgebaut werden. Dazu kommt, daß der deutschen Verteidigung in der deutschen L u f t m a ch t eine Waffe zur Verfügung steht, die nicht nur für die Beobachtung und Aufklärung, sondern auch unmittelbar für die Verteidigung eingesetzt wirh. Der Angreifer, der aus dem Raume der Nordsee vorstoßen muß, kann nicht ohne weiteres an die Küste heranfahren, denn nicht nur die Küste selbst ist in Verteidigungszustand gesetzt, sondern auch die Meereszone, die vor der Küste liegt. Den Engländern, die etwas von der Sache verstehen, ist wohl auch eine Ahnung darüber auf» gegangen, baß ein Angriff auf die von der deutschen Wehrmacht verteidigten norwegischen Küste ebenso aussichtslos ist wie ein Angriff auf die deutschen Küsten in der Deutschen Bucht. Sonst hätten die „Times" nicht geschrieben, ein Angriff brauche lange Zeit und viele Vorbereitungen. Die Verteidigung wird aber darüber hinaus wachsen und stärker werden.
Die norwegische Küste ist fest in deutscher Hand. Daß das erreicyt wurde, blitzschnell sogar, widerlegt, daß die Engländer Herr über die Nordsee sind. Chamberlain hat im Unterhaufe höhnisch ausgerufen, es sei eine Prahlerei, wenn die Deutschen behaupteten, sie beherrschten die Nordsee. Das Auslegen der Minen in der norwegischen Fahrrinne war ein Streich, auf den die englische Regierung sich so viel eingevildet hat. Immer und immer wieder be- haupteten die Plutokraten, sie verfügten über die größte Seemacht aller Zeiten und Völker, sie seien die Herren über alle Küsten und alle Straßen auf dem Wasser und in der Lust. Trotz dieser überwäl- ttgenden Seemacht ist vor den Toren Englands eine deutsche Flottenaktton ausgeführt worden, die in ihrer Wucht, in / ihrer genialen Konzeption und strategischen Durchdachtheit ohne jedes Gleichnis in der Seekriegsgeschichte dasteht. Der Lügenlord hat über die angeblich verkrüppelte deutsche Flotte gehöhnt, so daß es erst recht nicht zu verstehen ist, wie die gewattiafte Seemacht der Erde außerstande war, den furchtoarsten Schlag, der England bisher jemals zugefügt worden rst, abzuwehren und gar zu verhindern. Es ist schon so, daß ber Lügenlord alle Kriegsschiffe ausgesandt hatte, um den Abschluß der deutschen Aktton zu verhindern. Aber diese englischen Schiffsverbände sind jedesmal von deutschen Flugzeugen sehr wirkungsvoll angegriffen und zu- rütfge trieb en worden. Wer die Lügentechnik Churchills kennt, der weiß sofort, daß die Verluste, die die englische Flotte auch bei ihren Vorstößen an die norwegische Küste hat eirostecken müssen, sehr schwer sind. Sonst hätte der Lügenlord im Unterhaus nicht erst ein langes und breites erzählt, was alles an frei erfundenen deutschen Verlusten über den englischen und französischen Lügerofurok gegangen ist. Wenn der Lügenlord mit solchen Dingen kommt, wenn er der deutschen Wehrmacht irgendwelche Ver- lüste andichtet, dann ist es sicher, daß die englische Flotte solche Schläge erlitten hat, daß er sie nicht einmal dem Kabinett einzugestehen wagt.
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Der Verlust des schwedischen Erzes.
Amsterdam, 14. April (Europapreß.) Die wirtschaftlichen Nachteile, die England durch die Entwicklung in Skandinavien erwachsen sind, schildert der Londoner Finanzkorrespondent des „Tele- graaf" in einem längeren Bericht. Der Berichterstatter sagt, es sei nutzlos zu bestreiten, daß die Entwicklung der abgelaufenen Woche einen schweren Schlag für das englische Wirtschaftsleben bedeute. Zwar hätten die Londoner Banken bereits seit einiger Zeit ihre skandinavischen Kredite erheblich ab« gebaut, aber immerhin sei der Harü>el mit diesen Ländern noch sehr bettächttich gewesen. Von der englischen Exportindustrie werde besonders die Baumwollindustrie und der Kohlenbergbau betroffen. Besonders ernst sei aber der Ausfall der schwedischen Eisenerz- Zufuhren. In normalen Zeiten habe England vierzig Prozent seines Eisenerzes aus Schweden bezogen. Das schwedische Eisenerz habe besondere Eigenschaften, so daß die stark spezialisierten englischen Schmelzeinrichtungen abgeändert werden mußten. Außerdem habe England ungefähr 50 Prozent seines Ferromangans und einen noch erheblicheren Prozentsatz seines Molybdäns und anderer Basis-Metalle aus Norwegen bekommen. Gerade der Ausfall dieser sehr wichttaen Metalle und Legierungen kommen Englarrd sehr ungelegen. Schließ- lief) wird in dem Bericht des „Telegraaf" auch noch die englische Zufuhr von Holz, Z e l l st o f f u n d Papier erwähnt, bei denen die skandinavischen Länder und Finnland bei weitem die größten Liefe-
daß die englisch-französische Gegenoffensive, die aus einem plan- unb ziellosen Durcheinander von Operationen der Flotten- und Luftstteitkräfte bestanden habe, alle ihre taktischen und strategischen Ziele verfehlt habe. Man könne ohne Furcht vor einem Dementi versichern, daß die Lage in Norwegen sich ständig mehr zu Gunsten der deutschen Streitkräfte entwickle. Die „Stampa" schreibt, die Deutschen hätten die Schlacht sowohl in der Lust, als auch zur See gewonnen, weil sie mit den Häsen südlich Narviks frei verkehren könnten. Ausschlaggebend sei die Beherrschung des umstrittenen Meeres. Die Engländer seien aus dem Skagerrak vertrieben und daher geschlagen worden. Die von den Westmächten mit der Verletzung der norwegischen Neutralität verfolgten Ziele hätten sich voll- ständig zum Vorteil Deutschlands umgewandelt. Auf wirtschaftlichem Gebiet stunden alle Hilfsquellen Skandinaviens Deutschland zur Verfügung, weil für Schweden nur noch die Ostsee offen stehe. Don der norwegischen Küste blicke und ziele man mittelbar in das Herz Großbritanniens.
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