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I4.tt5. Dezember 194#
Siebener Anzeiger lSieneral-Anzetger für Oderhessen)
296 Zweiter Blatt
>1 Bilanz einer Reise durch Frankreich
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j jtaginof war ein Epigone Daubans. Und Vau- iar war ein Repräsentant des Mittelalters jbilies Mittelalter Frankreichs, /fein moyen-äge hat nil der verborgenen Dynamik, die uns Deutsche )en>gt. wenn wir an die Spannkraft des ewigen Reihe* denken, wenn wir uns unsere Kaiserbilder ml Kaiserdome vor Augen rücken und in der Rose )er Straßburger Münsters den Glutkreis deutscher Vir'.ik verspüren, nichts zu tun Das franz fische Diirelalter, das zeitlich unbegrenzt geblieben ist.
Der Jakobiner Barröre proklamierte: ,L)er Fode- ralismus und der Aberglaube sprechen bretonisch die Ausgewanderten und der Hatz gegen die Republik reden deutsch, die Gegenrevolution spricht ita- lienisch und der Fanatismus baskisch. Zerschlagen wir diese schädlichen Werkzeuge!"
Der Rationalismus beherrschte das mittelalterliche Frankreich, als die Pariser Universität Lockruf der universalen Theologie war. Deshalb empfinden wir die in Stein verkörperte Architektur dieser hochmittelalterlichen Scholastik. Rotte-Dame, als frostig, wenn wir von Straßburg und von Erwin von Steinbach Herkommen, den unendlichen Raum der y etheschen Andacht noch im Herzen und im Gefühl Derselbe Rationalismus zeigt sich Jahrhunderte später noch immer im System dieses Macht- und Derwaltungsstaates. der die Vielfalt feiner Gaue lähmte, die Sprachen bastardisierte, die Provinzen bürokratisierte, die Landschaften verarmte, die Jrredenta züchtete und sede Autonomie erdrosselte
Wir haben die Randlandschaften Frankreichs nur im Norden durchfahren — von Kolmar bis Dünkirchen Wir haben die Normandie nur in Rouen gestreift und die Bretagne nicht erlebt Aber dort, wo wir waren, verließen wir deutsches Sprachgebiet nicht und vernahmen das Echo von Landschaft und Laut. Wir hörten in Kalmar das alemamyische Dytsch. wie wir Klaus Groth's „moderfprak"" bei den flämischen Dichtern aus dem Westhoek und aus Westflandern ablauschten. Ein paar Seiten
ve!he geistigen Ursachen, die in Jahrhunderten ictfimt sind, zu diesem totalen Zusammenbruch ruhten Militärisch: die Maginotlmie war eine
fdl zwar geschichtliche Wandlungen durchg-macht, )ir seine Erscheinungsformen Dauerten, aber nie- ml' sein Wesen Dieses moyen-äge der Franzo- en hieß Scholastik, es hieß königlicher Absolutis- Mi, es hieß Jakobinertum: es hieß Napoleon, es Wk Paris! In ihm lebt das' Wunschbild fedes Rrriaofen fort, sich eine Welt zu bauen, zu kon- liniieren und zu unterwerfen, die bis ans Ende mhdacht. logisch gegliedert und den Regeln einer kilnrischen Vernunft unterstellt ist
saris ist das sichtbare Beispiel dieses in einer eil/: a en Stadt summierten Zenttalstaates. der ‘ groß und — arm machte. Groß.
i oie Fülle der Verschwendung, die klare Pracht ^Grundrisses und die Kühnheit der Schnittpunkte bi?l Stadt wirklich begnadet haben Arm. roetl hielts Gebilde van Anmut und Hochmut auf ÄO't en eines Landes gegangen ist. das viel ichirfere Konturen der Stämme. Land Wielen und Provinzen zeigt als das Reich Die ölte ist Frankreichs wahre ,,Mainlinie". Calais inl Toulouse sprechen fremder miteinander als ^Mls Lübeck und Nürnberg bei uns. So war auch der Wohlfahrtsausschuß der „großen" Kftalution, der die Könige und Royalisten vor )i Guillotine forderte der Vollstrecker jenes Zwing- Uri-, das Richelieu für einzig ..raifonnable" hielt.
Häufig meldet der OKW.-Bericht von den Erfolgen der deutschen Küstenartillerie die schon manches feindliche Schiff unter ihr wirkungsvolles Feuer nahm. Diese Spezialisten, Entfernungsmesser und Befehlsübermittler, werden wenig genannt, obwohl sie viel zu den Erfolgen unserer Marineartillerie beitragen. — (PK-Mcndel. — Scherl-M.)
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ms Groteskes verleiht, durch die Stollen, Kose- . gmften. Betonwerke. Panzertürme. Kommando- Hübe und Munitionskammern dieses kriegerischen V- z-iqwerkes und dieser Riesenfestung unter Tag tnbeS 5m e Ueberzeuaung ttägt er mit kokettem <5t<rr»
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I Hochwald rührt uns ein französischer Kapitän. ;on Beruf Bergbauingenieur, der in Deutschland tui-ert hat und ein reibungsloses Deutsch spricht, ml einer geschickten Prahlerei, die der Situation
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genannt wird, nicht von der Parabel als Wurfbahn. sondern von der b a l l i st i s ch e n Kurve. Diese ist durchaus nicht symmetrisch, sondern in ihrem absteigenden Ast ^erheblich steiler als im aufsteigenden Wie weit Theorie und Praxis voneinander abweichen, kann schon daraus entnommen werden, daß die Granate einer Kruppschen 24-cm- Kanone bei einer Anfangsgeschwindigkeit von 640 Meter in der Sekunde und einen Erhebungswinkel von 45 Grad nach der Wurfsormel 42 Kilometer
trug „La terre gut meurt“. Sterbendes Land Rainer Maria Rilke hat dies beftätigt, als er, unbestochen von der Patina der königlichen Metropole, in Paris erkannte, was deutsch sei. durch die Erfahrung dessen, was nicht deutsch ist: „Mich ängstigen die vielen Hospitäler, die hier überau sind Ich verstehe, warum sie bei Verlaine, bei Baudelaire und Mallarnte immerfort Vorkommen. Man sieht Kranke, die hingehen ober hinfahren, in allen Braßen. Man steht sie an den Fenstern des Hotel-Dieur in ihren seltsamen Trachten den traurigen, blassen Ordenstrachten der Krankheit Man fühlt auf einmal, daß es in dieser weiten Stadt Heere von Kranken gibt, Armeen von Sterbenden, Völker von Toten."
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Um WIsm vor: die Maginotlinie. Messieurs, dies müssen 5if zugeben, war an dieser Stelle unüberwindlich rdheM, lei dieser Begegnung spürte ich zum ersten Male en jöll q eindeutig, w o Frankreicb st ecken ge- ^^loHeben »ft, warum es den Krieg verlor und
Es bedarf keines Gegenbildes mehr, um zu spü- ren. was das Reich dem an Tragweite und Zukunft. an der Sendung seiner Volkskraft entgegen zu stellen hat Wir haben mit Erschütterung erlebt, woher der Zuwachs an Kraft kam der unsere eiege verdoppelt hat, als wir auf dem Douaumont ftan» den und Verdun sahen, das kein deutscher Soldat von 1916 mit eigenen Augen sah: Aus den zwet Armeen, die sich gegenseitig bestärkten, der Armee der Toten deren Kreuze in dieser heroischen Landschaft unbekränzt vom Ruhm des Opfers fett 1918 stehen, und der Armee der Lebenden, die 1940 wie. verkehrte, um einzulösen, was in dieser Landschaft voller Narben an Saat aufging.
Fritz Reuter wären uns hier nützlicher gewesen als „laut de mieux“ das Französische Durch die lothringischen Wälder fuhren wir mit den Augen des deutschen Dichters Mungenast. wie wir an die Landschaft Theodor Storms bei Husum und Schleswig dachten, als wir das herrliche Bauern- land des flämischen Dichters Stijn S t r e u v e l s , seine grauen Städte am grauen Meer durchfuhren.
Es gab in Frankreich Stimmen genug, die sich gegen die Degradierung des Landes, seine Bevormundung^ und Entrechtung wehrten. Denn dies muß man begreifen, daß Frankreich nicht nur gegen Deutschland ein Versailles aufgerichtet hat. sondern gegen sich selb st in Form eines innenpolitischen Diktats Man muß Versailles gesehen haben in seiner prachtlüsternen Langeweile, in seiner logischen Einförmigkeit, in seiner fast ägyptischen Fürstenlaune, um zu empfinden, was an ger- manischer Freiheit, an gotischer Inbrunst, an land- schaftlicher Eigenart der Staatshauptstadt rund um die Isle de France zum Opfer gefallen ist.
Wir empfinden es daher als eine Rechtfertigung der Geschichte, wenn in den Trümmern von Rouen oder Amiens unversehrt und ausgespart, von deut- schen Truppen unter Denkmalschutz gestellt. Kathedralen aufragen, an denen einstmals germanische Phantasie gearbeitet hat. bevor Frankreich absolu- tistisch, jakobinisch und napoleonisch wurde
So gleicht das Bild von Frankreich, das wir Heimbringen, einem Zentral- und Zwangsstaat, der in seinen autonomen Randlandschaften völlig aufgeblättert ist. Frankreich, angeblich pathetischer Schirmherr der ..unterdrückten Nationen", hat bei sich selbst mehr „Minderheiten" an Deutschen. Italienern. Flamen. Bretoney und Basken in die Jrredenta getrieben, als die Versailler Scheingebilde Polens und der Tschechoslowakei ehemals zusammen Frankreich machte das Land im ganzen Umkreis seiner Randgebiete zum Schauplatz seines Invasionen, seiner Sprachverordnungen, seiner Kulturpropaganda. seiner zlemter und Pfründen, seiner Verwaltungsdressur
Was Frankreich hätte retten können, wären noch im 19 Jahrhundert Gestalten gewesen wie jener normannische Riese Millet, der Maler der Bauern und Handwerker, der Aehrenleserinnen und Steinklopfer, des Meeres und der Erde, der in Barbizon, diesem französischen Worpswede, seine Pinselkraft aus der Andacht zum Lande schöpfte, als ob er mit Breughel hätte sagen wollen: ich hasse das modische Aftenspiel der Städte und gehe zu euch Bauern, meinen Verwandten, hinaus Schon damals aber schrieb Rens Ba zi n seinen pessimistischen Roman, der den wahrsagenden Titel
In der letzten Zeit wurden wiederholt die englischen Küstenstellungen, namentlich Dover, fein Hasen sowie den Kanal passierende Geleitzüge unter Fernfeuer seitens des Heeres- und Der Marineartillerie genommen. Unser Artikel berichtet einige interessante Dinge aus der Wissenschaft von der Ballistik.
In der Mechanik schließt sich an die Gesetze vom freien Fall, die gänzlich von der Schwerkraft beherrscht werden, die Lehre vom schiefen Wurf. Dabei kommen zur Schwerkraft noch zwei andere Faktoren hinzu, nämlich die Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses und fein Erhebungswinkel gegenüber der horizontalen Richtung. Die graphische Darstellung der Wurfbahn eines Ge- schosses zeigt eine schöne Parabel, die zu beiden Seiten ihres Scheitels symmetrisch verläuft. Die abgeleiteten Formeln über die Höhe des Scheitelpunktes und über die Wurfweite lasten sich gut für mathematische Aufgaben verwenden. Dabei ergibt sich die Schlußfolgerung, daß mit einem Erhebungswinkel von 45 Grad die größtmögliche Schußweite erreicht wird. Man gewinnt somit den Eindruck, als ob dieses Problem keine Schwierigkeit mehr biete.
Oer Luftwiderstand stört die Theorie.
In der Praxis ist es aber anders als im Lehrbuch. das für Schulen bestimmt ist. Im Schullehr- buch wird der Luftwiderstand entweder gar nicht erwähnt oder mit der kurzen Bemerkung abgetan, daß er bei größeren Geschwindigkeiten die Geschoßbahnen verändere. Demgegenüber spricht die Ballistik. wie die Wissenschaft vom Geschütz und Geschoß
.-.^.mtische Verkörperung jenes Defensivgeistes, bet» leBtBtthn|bn Ursprünge in den Grabenburgen des Stellungs- «fllhiilfces von 1915—1918, im Phlegma des wuiuni|t6i e g e r s" zu suchen sind Die technischen Mittel b.g Mden zwar zu einer gewaltigen Steigerung geübt aber ihr Einsatz blieb ohne die Leidenschaft le-Wagemuts Moralisch: die Vergötterung I? Kampfmaschine, der Glaube an eine »lMwirkende Präzision führte zur Ueberschätzung
tat 5-7 ..
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lereinej Verein f Woilli! Oietei.
Ar fahren über Hagenau, die alte Reichsstadt n Kaiserpfalz im Umerelsaß. über Sulz und chenbronn nach Hochwald und Schönburg, m massivsten Werke der Maginotlinie. Die Namen ji? bie Franzosen beibebalten muhten, klingen nach Mendorfs und Adalbert Sütter lieber der gäh u Jen Einfahrt in bas Westwerk dieser riesigen [JPr, ß ifeiaU., die sich Frankreich sett 1926 hier gebaut steht bas Jahr ber Vollendung — 1933, Aus- jener Symbolik ber Tatsachen, bie bie Ge- " - Me in Zetten Des Krieges stärker zu offenbaren | qt als m solchen des Fnebens
r ieibpl ie künftige Geschichtsschreibuna wirb vermutlich geistigen, moralischen unb daher auch militari, jdjti Ursachen bes französischen Zu- Oeu^,. -sori m e n b r u ch e s ,m Namen jenes Mannes 11 §W|Men- dessen Werk ben Franzosen das dogmatische Sesthl kampfloser Sicherheit verlieh unb bennod) 5'iech, 1UI Ausbruck ber Willenslähmung einer z e n Nation war. bes Generals Magi-
30 Uhr
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Hals über Kopf.
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“ Eine Erinnerung aus dem Weltkrieg.
Vuf bem Bahnhof sah ich neulich ganze Scharen um Urlaubern aus ben Zügen quellen, schwer- Ndt. aber mit frohen Gesichtern, die von ber nD!. ’lijjen, langen Fahrt von der Front her schon 5 ' »Yb mehr wußten. ________ _
1 Unb mir fiel ein. wie ich bamals im. Weltkriege, ü ®ar im Dezember 1917, gerabezu uver ftp’ in Urlaub fuhr. Wir lagen in ber berudjtig* tei ..Lausechampagne" an der Butte de ^ohure. SelLeid)! kennt einer ber Lese-Kameraben die Ge- W. ba: Sommepy, Mariapy unb so bie Division 6am Liry Ueberall unvorstellbarer Dreck von Dem Hchrnasch aus Lehmboben unb Kreide Immer feucht in ben tiefen Stollen vorne in denen bas Brot unb die spärlichen „Fettigkeiten nut dartschlmgen an die niedrige Decke hangen muy- iA. sonst fraßen die Ratten alles weg
Hein Urlaub war seit ein paar Monaten fällig mb auch bewilligt Aber keine Aussicht wegzukom» ton seit Wochen auch keine Ablösung vorne in d's Stellung. Längst hatte ich nach ^aus geschrte- bm (unb natürlich auch an ein überaus erstrebens- Btres Mäbchep)- es wirb auch zu Weihnachten >de! er nichts mit bem Urlaub, alles Gute usw 1 Am 22 kommt einer von uns nut einer kleinen in ben Stollen beruhter, bie er bmten in bim Wälbchen geholt hat. wo ber Gefechtsstanb bn Artilleriekommanbeurs ist W.r machen uns btrm. bem Bäumchen einen foliben Fuß zu geben, gfü! Mitteln ber Truppe", wie man barnals fagte 14 wird ja wohl bis zum Heilten Abend nach »ne durchkommen, es ist ^it Tagen fast ganz JU fein Mensch schießt Das Material zu einem ftilen Grog haben mir schon aufgejpart. unb ben Unraum machen mir ers. am ^i .«en Mend Itin fauber. loroeit davon bei bem Hefen Schlamm k in den Grüben die Rede lern kann Aber er Ul doch ein bihchen .estlich werden, einer mutz auch ltd ein paar Tannenzweige aus,ber ..Eiak>pe Ikn. Das wäre ja gelachi. wenn alte ®J'«9er
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4 Nh einen Weihnachtsersatz schaffen konnten« hier, ’i b: p 25 Meter von ben französischen Graden en
In bas Gehämmer quakt bas Telephon: Ich nehme ben Hörer. Ganz fern eine Stimme. „Ich verstehe kein Wort — hört doch mal mit dem Ge- kloppe auf — die Leitung mutz wieder irgendwo Erbberührung haben, wir müssen gleich mal Störungspatrouille gehen. Also bitte nochmal?" Dann erkenne ich bie Stimme bes Wachtmeisters: ich kann öfort in Urlaub fahren unb wenn ich mich sehr beeilte, bann könnte ich noch in Charleville ben Schnellzug nach Köln» kriegen, aber es müßte im Galopp gehen.
Mennnsch!!! Jetzt aber Beine in die Hanb! Schnell bas Grabenkrämchen zusammengepackt. Kol- lektivabschieb von ben Kameraben. Als ich nach zweieinhalb Stunben im Duartierborf ankomme, bin ich in Schweiß gebadet unb habe einen erheblichen Teil Frankreichs an mir. An Umziehen ist nicht zu benfen. Also schnell ben gröbsten Dreck heruntergekratzt. im Rekorbtempo gepackt unb bann erwische ich gerabe noch bas Trittbrett bes Last- autos mit bem der Küchenunterofsizier zur Intendantur losfahren will Wenn wir jetzt keine Panne haben, kriege ich vielleicht doch noch ben Bummelzug von ber nächsten Station, ber mir zu bem Schnellzug ab Charleville verhilft
Ich habe sie beibe geschnappt Aus bem Bahnhof in Charleville halte ich mich gar nicht erst mit dem Kampf um die dichtbelagerten Wagentüren auf, werfe mein Gepäck burch ein offenes ^Fenster, schwinge mich hinterher unb falle brinnen in eine fürchterliche Enge. Es ist manchmal kaum zu unterscheiben. ob Die Lanbser auf, bem Gepäck ober bas Gepäck auf ben Canbfern sitzt. So geht es durch die Nacht nach Köln Alles ist übermüdet unb. steifgefroren, und wenn mal einer burchaus an bas Unbe des Wagenganges muß — unb irqenbroer muß immer - bann gibt es alle Tonarten bes Ge- fchimpfes vom Gebrummel bis zu Herzhaftigkeiten saftigster Sorte Das nimmt keiner krumm Mal will ja auch ber Solbat feine Ruhe haben, erst recht im Urlauberzug zu Weihnachten
In Köln Galoppfrühstück am Bahnsteigkiosk aus bem Brotbeutel (ber Küchenbulle ist boch eine gute Seele soll auch eine prima Zigarre kriegen, wenn ich wieder da bin?) Dann wird ber Fenstersprung von Charleville wiederholt, die einzige Möglich- kett für mich schmächtigen Hering, unzerquetscht in
ben im Augenblick gestürmten Zug zu kommen. Und bann stehen wir uns dis Berlin wieber bie Knochen steif, eine Stunbe nach ber andern, bis zu ben Knien sind wir verstorben vor Kälte unb in ben Abortraum haben sich vier Mann gequetscht, weil sie nicht mehr wußten, wohin vor ben immer noch nadjbrängenben Kameraben. Aber bas ist alles ganz egal, von Berlin ab verteilt sich bas schon mehr Auf einer Station reißt eine kleine kugel- runbe Beamtin bie Wagentür auf, starrt einen Augenblick entrüstet in bie Preßpackung aus Menschen unb Gepäck unb schreit: „Der Gang mutz sofort frei gemacht werden!" Die unzeitgemäße Zumutung verursacht bei uns donnerndes Gelächter Empört schlägt sie die Tür zu.
Bis Berlin gibt es stundenlange Verspätung. Unb bann kommt es tatsächlich bazu, baß ich in Char- lottenburg aus bem noch langsam fahrenden Zug springe, brühen auf bem anderen Gleise fährt eben mein Schnellzug nach bem Osten an. Ich brülle, ber Fahrbienstleiter auch, eine Wagentür geht auf. ich springe aufs Trittbrett, zwei Kameraben von ber Marine friegen mich beim Kragen zu fassen unb heben mich samt Gepäck wie ein Paket in ben Zug. Hinter mir knallt bie Tür zu, an ber gerade ber immer noch schimpfenbe Fahrdienstleiter vorbei- gleitet.
Jetzt ist es geschafft. Am nächsten Morgen klaube ich mich steif wie eine Holzfigur mühsam zusammen Da ist ber gemütliche Bahnhof ber elterlichen Stabt, ba klingeln bie kleinen Straßendahnwägel- chen Zu Hause gibt es erst ein allgemeines Freu- dengeschrei. aber auch gleich ben Sprechchor: „Um Gottes willen. Junge wie siehst Du benn aus??" Unb da merke ich erst, baß ich noch immer ben halben Graben von ber Butte be Tahüre an mir habe, eine schön verteilte Kruste, mal bicker und mal bünner, bie stellenweise schon abbricht.
Auf einmal ist Frieden unb Ruhe ba unb ein steifer Grog. Windstärke 12 Ja und die Geschenkpäckchen für mich sind jetzt dort in der Laufechampagne. aber am Heiligen Abend ist bann mein Platz auf bem Gabentisch boch so voll, baß ich es mit ber Angst bekomme, wenn ich an die Rückfahrt denke Rückfahrt? Quatsch — jetzt sind wir erst mal geschlagene 12 Tage bei Muttern. Dann kann es meinetwegen wieder losgehen. Wenn es fein muß. auch wie^r Hals über Kopf. LL
Gauß und das Jieb>uhn.
Als Karl Friedrich Gauß Professor an ber Sternwarte zu Göttingen war, verkehrte er in einer kleinen, guten Gaststätte, beren Oberkellner ihn be* rounberte unb an seinen Forschungen lebhaften, oer* ftänbnisDollen Anteil nahm.
An einem Abenb.— Gauß hatte Rebhuhn gegessen unb war vom Mahl unb ber Bebienuna sehr angetan — legte er ein Geldstück auf ben Tisch unb bemerkte. „Es stimmt?"
Dem Oberkellner gefiel es nicht, von Gauß ein so reiches Trinkgelb zu nehmen, er zögerte, Gauß aber bemerkte:
„Ader nehmen Sie es nur. Sie haben es oerbient, baß ich mich einmal zu Ihren Gunsten verrechne?"
Darauf antwortete biefer: „Aber Sie bürfen boch nicht sagen, baß Sie, ber Sie als einziger bie Bahn bes ersten Planetoiben berechneten, sich bei einem Rebhuhn verrechnen können .. .*
..Warum nicht", lachte Gauß, „wenn man will, ist boch auch ein Rebhuhn so eine Art Himmelskörper, unb feine Bahn habe ich wirklich noch nicht errechnet." Br.
Eine tolle Fahrt.
Aus Cordoba wirb berichtet: Ein eigenartiges Erlebnis hatte biefer Tage ein spanischer Autobesitzer der mit seinem offenen Kraftwagen durch einen Hohlweg bei Cabra fuhr Ein am Abhang stehender Esel scheute plötzlich, rutschte aus unb sprang bem Autofahrer birekt in ben Wagen Doller Schreck trat biefer statt auf bie Bremse auf ben Gashebel unb raste davon, wobei er einen hochbelabenen Bauernwagen streifte Bei bem Anvrall fiel bie Bäuerin, gerabe neben ben Sitz bes Fahrers — unb fing mörberlich zu schreien an. als sie hinter sich den Esel erblickte In diesem Augenblick raste das Auto aus dem Hohlweg heraus, der Fahrer verlor ben Rest seiner Sicherheit unb fuhr an ein Brückengelänber. Dabei mürben er, bie Bäuerin unb ber Esel in hohem Bogen herausgeschleubert unb landeten nach kurzer ßuftreife im Fluß Außer einem kalten Bad ist aber erstaunlicherweise allen Dreien nichts weiter geschehen. Dem Auto war natürlich nicht mehr zu helfen«
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