Mittwoch,14.AugustM0
Erscheint täglich, anher Sonntags und feiertags
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Ubr desVormtttags
Anzetgen-Preise:
Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. ie mm bei 70 mm Zeilenüreite
Nachlässe:
Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel 8 Plahoorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/o mehr
General-Anzeiger für Oberhessen -iehen?§ch«lstratze 7-9
Fernsvrechanschluß 2251 Druck und Verlag:
MÄWÄWL drLhlschtUmoerstätrdNlcktreiLLmgt
Giehener Familienblätter Heimat imBild-DieScholle Monats-Bezugsvreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
(90.Jahrgang Nr.(y( w @ m
GietzenerAnzeiger
Englands Südküste unter neuen deutschen Lustangriffen.
Klughäfen, Klakbatterien und Gperrballone schwer getroffen. — Bis Oienstagnachmittag bereits 69 Klugzeuge abgefchoffen.
Berlin, 13.Aug. (DBB.) Die Luftwaffe fetzte heute die Angriffe auf die Süd- und Südoftküfte Englands fort. Auf dem Flughafen L a ft ch u r ch wurden sechs hallen vernichtet, Anterkunftsgebäude, Flugplahanlagen und Oeltanks in Brand geworfen. Weitere Angriffe richteten fich gegen Flak- batterien, die durch Bombentreffer autzer Gefecht gefetzt wurden. Zwei grotze bewaffnete Handelsschiffe erhielten schwere Bombentreffer, zwei britische Borpostenfchiffe wurden durch Bomben versenkt. Jagdflieger griffen erneut Ballonsperren über der Südostküste Englands an und schossen dabei 12 Sperrballone brennend ab. Hebet der Themsemündung gelang es, ein brittsches Jagdflugzeug vom Typ Spitfire abzufchietzen, auf dem Flugplatz Laftchuech weitere 10 Spitfire durch Bombentreffer am Boden zu zerstören.
Die britische Luftwaffe versuchte heute Bormittag einen Bombenangriff auf Aalborg in Dänemark. Bon den angreifenden 12 britischen Bombenflugzeugen wurden fechs durch unsere Jagdflieger und fünf durch unsere Flakartillerie abgeschossen, so dah nur ein Flugzeug entkommen ist. kurz nach diesem ersten Anflug näherte sich eine zweite Welle von elf Angreifern der Stadt Aalborg, von denen wiederum 5 Flugzeuge zum Absturz gebracht wurden. Damit sind von 23 angreifenden Flugzeugen 16 abgeschossen worden.
Bach den bisher vorliegenden Meldungen ivur- den heute 38 britische Flugzeuge im Lustkampf, 15 am Boden vernichtet. Dazu kommen noch die 16 Abschüsse bei Aalborg, so daß die Gesamtverluste des Gegners bis zum frühen Bachmittag bereits 69 Flugzeuge betragen. 13 eigene Flugzeuge werden vermißt.
Das Echo in WA.
Neuyork, 14. Aug. (Europapreß.) Die Intensität und die dichte Folge der deutschen Luftangriffe bestärken in den Äugen der no rdame rrkani sch en Presse die Vermutung, daß der langerwartete deutsche Jnvasionsversuch bevorstehe. Im „New Dort Journal American" schreibt Major Raborg, daß Deutschland anscheinend langsam, aber sicher auf einen regelrechten Blitzkrieg hinarbeite. Es werde jetzt klar, daß nicht nur die britische Schifffahrt, sondern die ganzen britischen Insel n das Angriffsziel der deutschen Flugzeuge sind. Der Verfasser bezweifelt die Richtigkeit der englischen Behauptung über die Schwierigkeiten Deutschlands, seine Verluste an Piloten auszugleichen. Seit Beginn des Krieges, erklärt Major Raborg, Me Deutschland eine Ersatzkapazität an Flugzeugen, Tanks, motorisierter Ausrüstung und ausgebildetem Personal, die größer sei als alle Verluste, die es bisher erlitten haben könne.
Einen ungewöhnlich kleinlauten Bericht über das Ergebnis der deutsch-britischen Luftkämpfe vom Montag gab der Korrespondent der Columbia Broadcasting Company in London. In seinen Ausführungen, die der britischen Zensur unterliegen, g a b e r zu', daß in Portsmouth sowie auf einem Flugplatz in Sussex militärische Objekte durch die deutschen Bombenabwürfe beschädigt wurden. Kennzeichnend war insbesondere, daß der Korrespondent die Warnung hore-Belishas, des ehemaligen britischen Kriegsministers, vor einer Überschätzung der deutschen Erfolge unterstrich.
92 Flugzeuge am Montag vernichtet.
Der Wehrmachtsbericht vom Dienstag.
Berlin, 13. August. (DBB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Am 12. August griffen deutsche Fliegerverbände Husen- und Flugplahanlagen an der englischen Süd- und Südostküste an.
Dabei wurde dec Kriegshafen von Portsmouth mit zahlreichen Bomben belegt Das Großkraftwerk und die Werft von Bofpec stehen in Flammen. Dock- und Kaianlagen, sowie ein Bor- postenboot im Kanal erhielten Bombentreffer. Im Laufe dieser Angriffe kam es zu heftigen Luftkämpfen, bei denen insgesamt 4 3 feindliche Flugzeuge abgefchossen wurden.
Auf den Flugplätzen INanston, Canterbury, Hawkings und L y m p n e gelang es, hallen. Werftanlagen und Anterkunftsgebäude zu zerstören und zum Teil in Brand zu fetzen. In Bl a n ff o n wurde ein britischer Jagdverband beim Start gefaßt und dabei 3 Flugzeuge vorn Bluffer hucrican in der Luft, 4 am Boden vernichtet An anderen Stellen sind weitere 8 Flugzeuge am Boden zerstört worden.
Bei Dover schossen unsere Flugzeuge 2 Sperrballone in Brand. Bei den in dieser Gegend sich entwickelnden Luftkämpfen verlor der Feind 30 Flugzeuge.
3m Seegebief ostwärts Southend griffen Sturzkampfflieger einen stark gesicherten Geleitzug an und versenkten trotz heftiger Jagd- und Flakabwehr 2 Handelsschiffe von zusammen 5400 BAT. Ein weiteres Schiff wurde in Brand geworfen.
In der Bucht zum 13. August erfolgten Bomben
angriffe auf Schiffsziele bei Swansea und Lardiff, sowie Flak- und Scheinwerfersfellungen bei Plymouth und in der $) umbet- Blünbung. DieBerminung britischerhäfen wurde fortgesetzt.
Britische Flugzeuge warfen in der Bucht zum 13. August in Bord- und Westdeutschland Bomben, ohne nennenswerten Schaden unzurichten. Dabei wurden 4 Flugzeuge durch Flakartillerie über deutschem Gebiet ubgeschossen.
Die Gesumtverluste des Feindes betrugen gestern
9 2 Flugzeuge, von denen 12 am Boden, 4 durch Flakartillerie, die übrigen in Lustkämpfen vernichtet wurden. 24 deutsche Flugzeuge werden vermißt.
Ein Gefecht in der B o r b f e e zwischen einigen deutschen Minensuchbooten und mehreren feindlichen Schnellbooten verlies für uns erfolgreich. Es ist unzunehmen, daß mindestens ein feindliches Schnellboot den Hufen nicht mehr erreichte, während unsere Boote unbeschädigt blieben und ihre Tätigkeit plunmähig forfführten.
Lin Hmncane-Zäger stürzt brennend ab.
Diese gelungene Ausnahme wurde aus der Bugkanzel eines Messerschmitt-Zerstörers ausgenommen, der einem Jagdeinsitzer vom Muster .hawker-hurricane seine tödlichen Feuergarben in den Leib jagte. Eine lange Rauchfahne hinter sich herziehend, stürzt der Gegner brennend ins Meer. — (PK.-Atlantic-M.)
„Noch nicht die ganze Kraft der deutschen Luftwaffe."
England unter dem gewaltigen Eindruck der deutschen Angriffe.
Stockholm, 14. Aüg. (Europapreß.) Nach Meldungen aus London ist der Eindruck der jüngsten deutschen Luftangriffe — namentlich derjenigen auf die südenglischen Häfen — gewaltig. Es wird erklärt, die rasenden Kämpfe hätten sich von der Grafschaft Sussex bis zur Themse-Mündung und von dort an die Südwestspitze Englands ausgedehnt. Der Hafen von Portsmouth, so heißt es weiter, werde „von deutschen Bomben systematisch pulverisiert". Man gibt auch zu, daß zahlreiche Ballons der sog. Ballonsperren abgeschossen wurden. Ein bezeichnendes Eingeständnis enchält eine Betrachtung des luftfahrttechnischen Mitarbeiters von Reuter über die Stärke der deutschen Luftwaffe.
Die britische Luftwaffe sehe ein, daß die neuen Wellen von deutschen Luftangriffen, die seit Donnerstag gegen England unternommen würden, noch nicht die ganze Kraft darstellten, deren Deutschland fähig sei. Deutschland sei in der Lage, Angriffe auf größerer Basis durchzuführen. Der „Daily Telegraph" fürchtet, daß die englische Luftwaffe an einer Stelle der Jnsel- grenze derart beschäftigt werde, daß die Deutschen an anderer Stelle Gelegenheit hätten, unbeobachtet gewisse Aktionen vorzubereiten.
Der Nachrichtendienst hat die brittsche Oeffent- lichkeit bisher noch vollständig im Unklaren gelassen über die Einzelheiten der Luftkämpfe. Obwohl man während des ganzen Montags in London das Dröhnen niederfallender Bomben hören konnte und die Oeffentlichkeit dadurch auf die Schwere der Kämpfe hingewiesen wurde, werden Einzelheiten nicht bekanntgegeben, selbst die in den deutschen Kommuniques gemachten Angaben werden nunmehr verschwiegen. Die Regierung hat Vorsorge getroffen, daß in Zukunft nicht ein einziger europäischer Journalist in die Lage versetzt wird, sich ein Bild von den Wirkungen deutscher Bomben zu machen. Alle europäischen Journalisten werden in London festgehalten. Unterlagen für chre Berichterstattung sind die offiziellen englischen Kommuniques, die Reuter-Berichte und die Darstellungen der englischen Presse. Obwohl also die neutralen Korrespondenten nunmehr einer Kontrolle unterstellt sind, die alles bisher Dagewesene in Schatten stellt, deuten sie nichtsdestoweniger an, daß die deutschen Luftangriffe weitaus erfolgreicher waren, als in dem englischen Kommunique zugegeben wird. Auf der einen Seite behauptet man in den englischen Verlautbarungen, die deutschen Bomben hätten Golfplätze, Sportanlagen, Privathäuser, Schulen und dergleichen.gettoffen, während auf der anderen Seite der Londoner Korrespondent des „Aftonbladet" schreibt: „Es war der heftigste Luftkampf, der bisher ausgetragen worden
ist. Hafenanlagen, Flugplätze und Konvois waren die strategischen Ziele der Deutschen."
Das Home Office hat bestimmt, daß die Provinzen Devon und Cornwall an Englands Südwestküste zu den Gebieten gehören, die von Fremden nicht betreten werden dürfen. Auf Grund einer neuen Verordnung gehören alle südlichen Häfen und Städte von nun an zu den Gebieten, die Beschränkungen unterworfen sind.. Es ist offensichtlich der Sinn dieser Verordnung, die Zerstörungen in den Häfen Portsmouth, Plymouth und Landsend vor unberufenen Augen geheim zu halten. Gerade in diesen Teilen Englands lieaen die besonders wichtigen Nobelwerke uno Pulverfabriken, die infolge der täglichen deutschen Luftangriffe schon beträchtlichen Schaden erlitten haben Dürften.
Propaganda und Wirklichkeit. Die Folgen der deutschen Luftangriffe nicht mehr zu verheimlichen.
Rom, 14. August. (Europapreß.) Die römische Presse bemerkt, daß schon seit den Zeiten Homers auch mit Worten Krieg geführt werde. Im Zeitalter des Rundfunks geschehe es aber häufig, daß versucht werde, durch Worte geradezu Taten und kriegerische Handlungen zu ersetzen. Dies sei in England und in feinem Propaganda ministe- rrum der Fall. Da aber Mißbrauch immer den gegenteiligen Erfolg erziele, so laufe die englische Propaganda Gefahr, bei niemand und vor allem bei den englischen Staatsbürgern keinen Glauben mehr zu finden.
Auch heute noch wage es die englische Propa- gande, so bemerkt z. B. „Popolo di Roma", der englischen Oeffentlichkeit die unheilvollen Folgen der wahrhaft zerstörenden Belagerung Englands durch die deutsche Luftwaffe zu verheimlichen. Doch die Zerstörung der Schiffe und der Häsen, der Lungen, durch die England atme, lasse sich auf die Dauer nicht vor jenen verbergen, die die Folgen zu spüren bekommen würden. Die seit drei Tagen von der deutschen Luftwaffe immer wiederholten Angriffe gegen England kennten keine Ruhepause. Im Gegenteil, sie schwöllen in einem furchtbaren Rhythmus an, träfen die empfindlichsten Punkte der englischen Verteidigung, verursachten immer gewaltigere Materialschäden und erschütterten immer mehr die moralische Widerstandskraft der englischen Bevölkerung. England und insbesondere das südliche England, so schreibt .Lavoro Fascista", lägen nun ständig unter dem Bombardement der von den
Politik und Moral.
Es ist in den letzten Jahren kaum vorgekommen, daß sich ein Gelehrter mit den früher oft behandelten Beziehungen zwischen Politik und Moral beschäftigt hat. Man hat sich überzeugt, daß für den Politiker und Staatsmann in der Ausübung seines Berufes andere Gesetze maßgebend sein müssen, als für den Privatmann. Grundsätzlich erkennt man die Berechtigung der Forderungen an, die einst der Florentiner M a ch i a v e l l i aufgestellt hat und die darin gipfeln, daß der Staat zur Erhaltung und Erweiterung feiner Macht jedes, also auch jedes an sich unsittliche Mittel anwenden muß.
Haben sich aber im nationalsozialistischen Deutschland nicht auch auf diesem Gebiet die Anschauungen geändert? Gewiß bleibt es dabei, daß der Staat Macht ist und daß — nach Treitschke — unter allen politischen Sünden die Schwäche die verwerflich st e ist und „die Sünde gegen den heiligen Geist der Politik" bedeutet. Gewiß hat auch der Führer selbst den Satz aufgestellt, daß eine Regierung Macht braucht und sie „mit brutaler Rücksichtslosigkeit" anwenden muß, um ihre als richtig erkannten Ideen durchzusetzen. Aber während Machiavelli und seine Nachfolger den absoluten Herrscher oder den Staat als Selbstzweck im Mittelpunkt ihrer Ueberlegungen sehen und meist unter ganz anderen Bedingungen beurteilen, betonte der Führer schon in Verbindung mit der Forderung brutaler Machtanwendung in den ersten Kampfjahren, daß dabei Voraussetzung ist, daß die Ziele des Staates „wahrhafttg dem Wohle des gangen Volkes" entsprechen müssen.
Uno das ist für uns das Entscheidende, daß nunmehr im Mittelpunkt unseres Lebens und also auch unseres politischen Handelns das Volk steht und nicht der Staat oder der absolut herrschende Fürst. Was könnte auch der Führer gemeinsam haben mit dem italienischen Diplomaten der Renaissance-Zeit, der in seinem Buche schrieb: „In jedem Staate gibt es zwei verschiedene Gemütsbewegungen, die daher rühren, daß das Volk die Herrschaft und Unterdrückung der Großen nicht ertragen mag, die Gro-
franzüsischen, belgischen und holländischen Stützpunkten aus in endlosen Wellen vorstoßenden deutschen Fliegerstaffeln. Diese Staffeln hätten die systematische Zerstörung aller englischen See- und Luftstützpunkte begonnen. Das eine wie das andere Ziel werde zweifellos erreicht werden.
Auch britische Ballonsperren wurden von unseren Fliegern vernichtet.
Der deutsche Wehrmachtsbericht meldete in den letzten Tagen mehrmals erfolgreiche Angriffe deutscher Jagdflieger auf Ballonsperren an der englischen Küste. — Unser Bild zeigt englische Sperrballone während des Auflassens. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
• Die vielgerühmte Erfindung der Briten, die übrigens im Prinzip uralt ist, die Verteidigung durch Ballonsperren, kann das Schicksal Englands nicht wenden. Diese Ballonsperren entstehen auf die Weise, daß motorisierte Wagen die Ballons tra= aen, die an Stahltauen bis zu 3 oder 4000 Meter hoch steigen, selten bis 5000 Meter. Während nach Möglichkeit die Ballons sich in den Wolken verbergen, sollen sich an ihren Stahltauen unsere Stukas fangen und zerschellen. Diese Ballonsperren wechseln natürlich häufig den Ort ihrer Aufstellung, aber zunächst bedarf es einer gewissen Zeit, sie zu errichten, und dann haben sie den Nachteil, daß sie überflogen und aus dieser größeren Höhe vernichtet werden können. Außerdem richten sie beim Abschuß durch die schleifenden und herabstürzenden Stahl- ttossen eine große Verwirrung und vielfache Zerstörungen am Boden an. Die zu ihrer Unterstützung herbeigezogenen Flaks setzen übrigens durch ihr Feuer diese Ballone selbst in Gefahr. Die Abschüsse der Ballons durch die deutschen Flugzeuge beweisen klar, daß sie kein wirksames Abwehrmittel darstellen können.


