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(90.Jahrgang Nr.(y( w @ m

GietzenerAnzeiger

Englands Südküste unter neuen deutschen Lustangriffen.

Klughäfen, Klakbatterien und Gperrballone schwer getroffen. Bis Oienstagnachmittag bereits 69 Klugzeuge abgefchoffen.

Berlin, 13.Aug. (DBB.) Die Luftwaffe fetzte heute die Angriffe auf die Süd- und Südoftküfte Englands fort. Auf dem Flughafen L a ft ch u r ch wurden sechs hallen vernichtet, Anterkunftsgebäude, Flugplahanlagen und Oeltanks in Brand gewor­fen. Weitere Angriffe richteten fich gegen Flak- batterien, die durch Bombentreffer autzer Ge­fecht gefetzt wurden. Zwei grotze bewaffnete Han­delsschiffe erhielten schwere Bombentreffer, zwei britische Borpostenfchiffe wurden durch Bomben versenkt. Jagdflieger griffen erneut Ballonsper­ren über der Südostküste Englands an und schossen dabei 12 Sperrballone brennend ab. Hebet der Themsemündung gelang es, ein brittsches Jagdflug­zeug vom Typ Spitfire abzufchietzen, auf dem Flug­platz Laftchuech weitere 10 Spitfire durch Bomben­treffer am Boden zu zerstören.

Die britische Luftwaffe versuchte heute Bormittag einen Bombenangriff auf Aalborg in Dänemark. Bon den angreifenden 12 britischen Bombenflugzeugen wurden fechs durch unsere Jagd­flieger und fünf durch unsere Flakartillerie abge­schossen, so dah nur ein Flugzeug entkommen ist. kurz nach diesem ersten Anflug näherte sich eine zweite Welle von elf Angreifern der Stadt Aalborg, von denen wiederum 5 Flugzeuge zum Absturz gebracht wurden. Damit sind von 23 angreifenden Flugzeugen 16 abgeschossen worden.

Bach den bisher vorliegenden Meldungen ivur- den heute 38 britische Flugzeuge im Lustkampf, 15 am Boden vernichtet. Dazu kommen noch die 16 Abschüsse bei Aalborg, so daß die Gesamtverluste des Gegners bis zum frühen Bachmittag bereits 69 Flugzeuge betragen. 13 eigene Flugzeuge werden vermißt.

Das Echo in WA.

Neuyork, 14. Aug. (Europapreß.) Die Inten­sität und die dichte Folge der deutschen Luftangriffe bestärken in den Äugen der no rdame rrkani sch en Presse die Vermutung, daß der langerwartete deutsche Jnvasionsversuch bevorstehe. ImNew Dort Journal American" schreibt Major Raborg, daß Deutschland anscheinend langsam, aber sicher auf einen regelrechten Blitzkrieg hinarbeite. Es werde jetzt klar, daß nicht nur die britische Schiff­fahrt, sondern die ganzen britischen In­sel n das Angriffsziel der deutschen Flugzeuge sind. Der Verfasser bezweifelt die Richtigkeit der eng­lischen Behauptung über die Schwierigkeiten Deutsch­lands, seine Verluste an Piloten auszugleichen. Seit Beginn des Krieges, erklärt Major Raborg, Me Deutschland eine Ersatzkapazität an Flug­zeugen, Tanks, motorisierter Ausrüstung und aus­gebildetem Personal, die größer sei als alle Verluste, die es bisher erlitten haben könne.

Einen ungewöhnlich kleinlauten Bericht über das Ergebnis der deutsch-britischen Luftkämpfe vom Montag gab der Korrespondent der Columbia Broad­casting Company in London. In seinen Ausführun­gen, die der britischen Zensur unterliegen, g a b e r zu', daß in Portsmouth sowie auf einem Flugplatz in Sussex militärische Objekte durch die deutschen Bombenabwürfe beschädigt wurden. Kennzeichnend war insbesondere, daß der Korrespondent die War­nung hore-Belishas, des ehemaligen britischen Kriegsministers, vor einer Überschätzung der deut­schen Erfolge unterstrich.

92 Flugzeuge am Montag vernichtet.

Der Wehrmachtsbericht vom Dienstag.

Berlin, 13. August. (DBB.) Das Oberkom­mando der Wehrmacht gibt bekannt:

Am 12. August griffen deutsche Fliegerverbände Husen- und Flugplahanlagen an der englischen Süd- und Südostküste an.

Dabei wurde dec Kriegshafen von Ports­mouth mit zahlreichen Bomben belegt Das Groß­kraftwerk und die Werft von Bofpec stehen in Flammen. Dock- und Kaianlagen, sowie ein Bor- postenboot im Kanal erhielten Bombentreffer. Im Laufe dieser Angriffe kam es zu heftigen Luft­kämpfen, bei denen insgesamt 4 3 feindliche Flugzeuge abgefchossen wurden.

Auf den Flugplätzen INanston, Canter­bury, Hawkings und L y m p n e gelang es, hallen. Werftanlagen und Anterkunftsgebäude zu zerstören und zum Teil in Brand zu fetzen. In Bl a n ff o n wurde ein britischer Jagdverband beim Start gefaßt und dabei 3 Flugzeuge vorn Blu­ffer hucrican in der Luft, 4 am Boden ver­nichtet An anderen Stellen sind weitere 8 Flug­zeuge am Boden zerstört worden.

Bei Dover schossen unsere Flugzeuge 2 Sperr­ballone in Brand. Bei den in dieser Gegend sich entwickelnden Luftkämpfen verlor der Feind 30 Flugzeuge.

3m Seegebief ostwärts Southend griffen Sturzkampfflieger einen stark gesicherten Geleitzug an und versenkten trotz heftiger Jagd- und Flakabwehr 2 Handelsschiffe von zusammen 5400 BAT. Ein weiteres Schiff wurde in Brand geworfen.

In der Bucht zum 13. August erfolgten Bomben­

angriffe auf Schiffsziele bei Swansea und Lar­diff, sowie Flak- und Scheinwerfersfellungen bei Plymouth und in der $) umbet- Blünbung. DieBerminung britischerhäfen wurde fortgesetzt.

Britische Flugzeuge warfen in der Bucht zum 13. August in Bord- und Westdeutschland Bomben, ohne nennenswerten Schaden unzurichten. Dabei wurden 4 Flugzeuge durch Flakartillerie über deut­schem Gebiet ubgeschossen.

Die Gesumtverluste des Feindes betrugen gestern

9 2 Flugzeuge, von denen 12 am Boden, 4 durch Flakartillerie, die übrigen in Lustkämpfen vernichtet wurden. 24 deutsche Flugzeuge werden vermißt.

Ein Gefecht in der B o r b f e e zwischen einigen deutschen Minensuchbooten und mehre­ren feindlichen Schnellbooten verlies für uns erfolgreich. Es ist unzunehmen, daß min­destens ein feindliches Schnellboot den Hufen nicht mehr erreichte, während unsere Boote unbeschädigt blieben und ihre Tätigkeit plunmähig forfführten.

Lin Hmncane-Zäger stürzt brennend ab.

Diese gelungene Ausnahme wurde aus der Bugkanzel eines Messerschmitt-Zerstörers ausgenommen, der einem Jagdeinsitzer vom Muster .hawker-hurricane seine tödlichen Feuergarben in den Leib jagte. Eine lange Rauchfahne hinter sich herziehend, stürzt der Gegner brennend ins Meer. (PK.-Atlantic-M.)

Noch nicht die ganze Kraft der deutschen Luftwaffe."

England unter dem gewaltigen Eindruck der deutschen Angriffe.

Stockholm, 14. Aüg. (Europapreß.) Nach Meldungen aus London ist der Eindruck der jüng­sten deutschen Luftangriffe namentlich derjenigen auf die südenglischen Häfen gewaltig. Es wird erklärt, die rasenden Kämpfe hätten sich von der Grafschaft Sussex bis zur Themse-Mündung und von dort an die Südwestspitze Englands ausge­dehnt. Der Hafen von Portsmouth, so heißt es wei­ter, werdevon deutschen Bomben systematisch pul­verisiert". Man gibt auch zu, daß zahlreiche Ballons der sog. Ballonsperren abgeschossen wurden. Ein bezeichnendes Eingeständnis enchält eine Betrach­tung des luftfahrttechnischen Mitarbeiters von Reu­ter über die Stärke der deutschen Luftwaffe.

Die britische Luftwaffe sehe ein, daß die neuen Wellen von deutschen Luftangriffen, die seit Don­nerstag gegen England unternommen würden, noch nicht die ganze Kraft darstellten, deren Deutschland fähig sei. Deutschland sei in der Lage, Angriffe auf größerer Basis durchzu­führen. DerDaily Telegraph" fürchtet, daß die englische Luftwaffe an einer Stelle der Jnsel- grenze derart beschäftigt werde, daß die Deutschen an anderer Stelle Gelegenheit hätten, unbeob­achtet gewisse Aktionen vorzubereiten.

Der Nachrichtendienst hat die brittsche Oeffent- lichkeit bisher noch vollständig im Unklaren gelas­sen über die Einzelheiten der Luftkämpfe. Obwohl man während des ganzen Montags in London das Dröhnen niederfallender Bomben hören konnte und die Oeffentlichkeit dadurch auf die Schwere der Kämpfe hingewiesen wurde, werden Einzelheiten nicht bekanntgegeben, selbst die in den deutschen Kommuniques gemachten Angaben werden nun­mehr verschwiegen. Die Regierung hat Vorsorge ge­troffen, daß in Zukunft nicht ein einziger euro­päischer Journalist in die Lage versetzt wird, sich ein Bild von den Wirkungen deutscher Bomben zu machen. Alle europäischen Journalisten werden in London festgehalten. Unterlagen für chre Bericht­erstattung sind die offiziellen englischen Kommuni­ques, die Reuter-Berichte und die Darstellungen der englischen Presse. Obwohl also die neutralen Kor­respondenten nunmehr einer Kontrolle unterstellt sind, die alles bisher Dagewesene in Schatten stellt, deuten sie nichtsdestoweniger an, daß die deutschen Luftangriffe weitaus erfolgreicher waren, als in dem englischen Kommunique zugegeben wird. Auf der einen Seite behauptet man in den englischen Verlautbarungen, die deutschen Bomben hätten Golfplätze, Sportanlagen, Privat­häuser, Schulen und dergleichen.gettoffen, während auf der anderen Seite der Londoner Kor­respondent desAftonbladet" schreibt:Es war der heftigste Luftkampf, der bisher ausgetragen worden

ist. Hafenanlagen, Flugplätze und Konvois waren die strategischen Ziele der Deut­schen."

Das Home Office hat bestimmt, daß die Provinzen Devon und Cornwall an Englands Südwest­küste zu den Gebieten gehören, die von Frem­den nicht betreten werden dürfen. Auf Grund einer neuen Verordnung gehören alle südlichen Häfen und Städte von nun an zu den Gebieten, die Beschränkungen unterworfen sind.. Es ist offensicht­lich der Sinn dieser Verordnung, die Zerstörungen in den Häfen Portsmouth, Plymouth und Landsend vor unberufenen Augen geheim zu halten. Gerade in diesen Teilen Englands lieaen die beson­ders wichtigen Nobelwerke uno Pulver­fabriken, die infolge der täglichen deutschen Luftangriffe schon beträchtlichen Schaden erlitten haben Dürften.

Propaganda und Wirklichkeit. Die Folgen der deutschen Luftangriffe nicht mehr zu verheimlichen.

Rom, 14. August. (Europapreß.) Die römische Presse bemerkt, daß schon seit den Zeiten Homers auch mit Worten Krieg geführt werde. Im Zeitalter des Rundfunks geschehe es aber häu­fig, daß versucht werde, durch Worte geradezu Taten und kriegerische Handlungen zu ersetzen. Dies sei in England und in feinem Propaganda ministe- rrum der Fall. Da aber Mißbrauch immer den gegenteiligen Erfolg erziele, so laufe die englische Propaganda Gefahr, bei niemand und vor allem bei den englischen Staatsbürgern keinen Glau­ben mehr zu finden.

Auch heute noch wage es die englische Propa- gande, so bemerkt z. B.Popolo di Roma", der englischen Oeffentlichkeit die unheilvollen Folgen der wahrhaft zerstörenden Belagerung Englands durch die deutsche Luftwaffe zu verheim­lichen. Doch die Zerstörung der Schiffe und der Häsen, der Lungen, durch die England atme, lasse sich auf die Dauer nicht vor jenen ver­bergen, die die Folgen zu spüren bekommen würden. Die seit drei Tagen von der deutschen Luft­waffe immer wiederholten Angriffe gegen England kennten keine Ruhepause. Im Gegenteil, sie schwöllen in einem furchtbaren Rhyth­mus an, träfen die empfindlichsten Punkte der eng­lischen Verteidigung, verursachten immer gewal­tigere Materialschäden und erschütterten immer mehr die moralische Widerstandskraft der englischen Bevölkerung. England und insbesondere das süd­liche England, so schreibt .Lavoro Fascista", lägen nun ständig unter dem Bombardement der von den

Politik und Moral.

Es ist in den letzten Jahren kaum vorgekommen, daß sich ein Gelehrter mit den früher oft behandel­ten Beziehungen zwischen Politik und Moral be­schäftigt hat. Man hat sich überzeugt, daß für den Politiker und Staatsmann in der Ausübung seines Berufes andere Gesetze maßgebend sein müssen, als für den Privatmann. Grundsätzlich erkennt man die Berechtigung der Forderungen an, die einst der Florentiner M a ch i a v e l l i aufgestellt hat und die darin gipfeln, daß der Staat zur Erhaltung und Erweiterung feiner Macht jedes, also auch jedes an sich unsittliche Mittel anwenden muß.

Haben sich aber im nationalsozialistischen Deutsch­land nicht auch auf diesem Gebiet die Anschau­ungen geändert? Gewiß bleibt es dabei, daß der Staat Macht ist und daß nach Treitschke unter allen politischen Sünden die Schwäche die verwerflich st e ist unddie Sünde gegen den heiligen Geist der Politik" bedeutet. Gewiß hat auch der Führer selbst den Satz aufgestellt, daß eine Regierung Macht braucht und siemit brutaler Rücksichtslosigkeit" anwenden muß, um ihre als richtig erkannten Ideen durchzusetzen. Aber während Machiavelli und seine Nachfolger den absoluten Herrscher oder den Staat als Selbstzweck im Mittel­punkt ihrer Ueberlegungen sehen und meist unter ganz anderen Bedingungen beurteilen, betonte der Führer schon in Verbindung mit der Forderung brutaler Machtanwendung in den ersten Kampf­jahren, daß dabei Voraussetzung ist, daß die Ziele des Staateswahrhafttg dem Wohle des gangen Volkes" entsprechen müssen.

Uno das ist für uns das Entscheidende, daß nun­mehr im Mittelpunkt unseres Lebens und also auch unseres politischen Handelns das Volk steht und nicht der Staat oder der absolut herrschende Fürst. Was könnte auch der Führer gemeinsam haben mit dem italienischen Diplomaten der Renaissance-Zeit, der in seinem Buche schrieb:In jedem Staate gibt es zwei verschiedene Gemütsbewegungen, die daher rühren, daß das Volk die Herrschaft und Unter­drückung der Großen nicht ertragen mag, die Gro-

franzüsischen, belgischen und holländischen Stütz­punkten aus in endlosen Wellen vorstoßenden deut­schen Fliegerstaffeln. Diese Staffeln hätten die systematische Zerstörung aller eng­lischen See- und Luftstützpunkte be­gonnen. Das eine wie das andere Ziel werde zwei­fellos erreicht werden.

Auch britische Ballonsperren wurden von unseren Fliegern vernichtet.

Der deutsche Wehrmachtsbericht meldete in den letzten Tagen mehrmals erfolgreiche Angriffe deutscher Jagdflieger auf Ballonsperren an der englischen Küste. Unser Bild zeigt englische Sperrballone während des Auflassens. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Die vielgerühmte Erfindung der Briten, die übrigens im Prinzip uralt ist, die Verteidigung durch Ballonsperren, kann das Schicksal Englands nicht wenden. Diese Ballonsperren entstehen auf die Weise, daß motorisierte Wagen die Ballons tra= aen, die an Stahltauen bis zu 3 oder 4000 Meter hoch steigen, selten bis 5000 Meter. Während nach Möglichkeit die Ballons sich in den Wolken ver­bergen, sollen sich an ihren Stahltauen unsere Stu­kas fangen und zerschellen. Diese Ballonsperren wechseln natürlich häufig den Ort ihrer Aufstellung, aber zunächst bedarf es einer gewissen Zeit, sie zu errichten, und dann haben sie den Nachteil, daß sie überflogen und aus dieser größeren Höhe vernichtet werden können. Außerdem richten sie beim Abschuß durch die schleifenden und herabstürzenden Stahl- ttossen eine große Verwirrung und vielfache Zer­störungen am Boden an. Die zu ihrer Unterstützung herbeigezogenen Flaks setzen übrigens durch ihr Feuer diese Ballone selbst in Gefahr. Die Abschüsse der Ballons durch die deutschen Flugzeuge bewei­sen klar, daß sie kein wirksames Abwehrmittel dar­stellen können.