Ausgabe 
13.9.1940
 
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über Fragen derSchiffahrtaufderDonaul Mackensen zeigte sich dann ausdem Balkon, und oberhalb Braila. Dabei wurde übereinstim- es wurden ihm neuerlich herzliche Kundgebungen ooerqaio .Öl uiiu. x/u uoro;M sr>nrh pinPm T.pp beim Reicksvrotektor ir

Generalfeldmarschall von Mackensen in Prag.

Prag, 12. Sept. (Europapreß.) Generalfeldmar­schall von Mackensen, der mit seiner Gemahlin und seinem Adjutanten, Oberstleutnant von Gersdorfs, als Gast beim Reichsprotektor Freiherrn von Neurath auf der Prager Burg weilte, wurde bei feiner Ankunft von einer großen Men­schenmenge vor dem Burghof stürmisch begrüßt.

holung weilt.

Oie italienischen Erfolge der ersten drei Kriegsmonate.

bereitet. Nach einem Tee beim Reichsprotektor im Czernin-Palais kehrte der Generalfeldmarschall rme- der nach Marienbad zurück, wo er zur Er'

oberhalb Braila. Dabei wurde übereinstim­mend festgestellt, daß die auf Versailles beruhende Internationale D o n a u k o m m i s s i o n , die sich seither mit diesen Fragen befaßt hat, infolge der neuen Verhältnisse als a u f g e l ö st zu betrach­ten ist. Die Besprechungen wurden durch Unterzeich­nung einer vorläufigen Vereinbarung beendet, worin Vorkehrungen für die Liquidierung der In­ternationalen Donaukommission und Maßnahmen für die weitere Sicher st ellung einer rei­bungslosen Schiffahrt auf diesem Teil der Donau getroffen worden sind.

Rom, 12. Sept. (DNB) In den ersten Krieqsmonaten hat Italien insgesamt 63 Flugzeuge verloren, während sich die englischen Verluste auf 373 Flugzeuge, also das Sechsfache, belaufen. Die Verluste der englischen Marine betragen in der glei- chen Zeit 31 versenkte und 58 beschädigte Einheiten, darunter versenkt zwei Kreuzer sieben Zerstörer, 12 U-Boote und 10 Handelsschiffe; schwer beschä­digt wurden 5 Linienschiffe, 13 Kreuzer 10 Zer­störer, 3 U-Boote, 3 Flugzeugträger und 24 Han­delsschiffe. Die italienische Flotte hat in der gleichen Zeit den KreuzerColeoni , drei Zerstörer, 8 U-Boote und drei kleinere Einheiten, darunter

gleichzeitig die ostpreußische Gruppe den Narew und den Bug durchstieß und in Richtung Siedlce ebenfalls in Front, Flanke und Rücken der Haupt­stadt erschien. Die Gefangenenzahlen wuchsen, die Festungen fielen, die Städte wurden überrannt, und so reihte sich mit unheimlicher Folgerichtigkeit die völlige Einschließung Warschaus an die Tatsache an, daß die Gruppen Pommern und Süd sich nach Eroberung von Brest-Litowsk südlich dieser Festung die Hand gereicht hatten. Die völlige Abschließung nach Osten war dann in dem Augen­blick erreicht, als die russische Armee aus dem glei­chen Grunde wie die deutsche sich auf der ganzen Länge der polnischen Ostgrenze von Plock bis Kaie- miecz in Bewegung setzte, um weißrussisches und ukrainisches Gebiet einer endgültigen Befriedung entgegeckzuführen. Mit dem Fall von Warschau urch der Zertrümmerung der Kutno-Gruppe war die polnische Frage militärisch endgültig gelöst.

An den unerhörten Erfolgen dieses blitzartigen Feldzuges hatten alle drei Wehrmachtsteile ihren Anteil: die Marine vor Danzig und Gdingen, bei Hela und auf der Westerplatte die Luftwaffe in der mit unnachahmlicher Genauigkeit und Schnelligkeit erfolgenden Zerstörung der feindlichen Verkehrswege, Waffenlager und Flugplätze, in der Zertrümmerung rückwärts strebender Kolonnen und in der Begleitung des Bodenangriffs der Heeres- truppen, das Heer mit allen seinen Waffen­gattungen, von denen die Panzerttuppe und die motorisierten Verbände in ihrer ungeheuren Durch- bruchskrast jeden Widerstand zerstampften, um dann vor Radom und Kutno die Hauptlast des blutigen Einschließungskampfes wieder an die unvergäng­liche Infanterie und an die Artillerie abzugeben, während der hastende Vormarsch ohne die großen Leistungen der Pioniere gar nicht zu denken ge- wesen wäre.

Der sittliche Gehalt der soldatischen Ueberlieferung und der ausschlaggebende Werl der angewandten Kriegserfahrung war durch die Reichswehr des Generals von S e e ck t in eine Zeit hinüber geret­tet worden, in der die neue Wehrmacht des Führers auf dieser sicheren Grundlage einer hochstehenden Ausbildung und Führung weitergebaut hat. Die blutigen Verluste aber, die die deutsche Wehrmacht einem zähe kämpfenden Gegner gegenüber erlebt hat, hat das deutsche Volk in dem Bewußtsein ge- ttagen, daß auf dem polnischen Boden nicht nur die Ostgrenze gesäubert wurde, sondern auch der größte Kampf um die deutsche Freiheit überhaupt in An­griff genommen ward.

Oie Liquidierung der Internationalen Oonaukommission.

Wien, 12. Sept. (DNB.) In Wien haben unter deutschem Vorsitz Besprechungen von Sachverstän­digen der beteiligten Regierungen stattgefunden

denz, von Krakau und der Westerplatte, die Ver­nichtung mehrerer feindlicher Divisionen und die Einbringungen von 10 000 Gefangenen und 126 Ge­schützen. Der nächste Abschnitt, etwa vom 8. bis 10. September zu rechnen, trägt das Kennzeichen der Verfolgung. Tief nach Mittelpolen hinein stoßen die Gruppen Ostpreußen, Pommern und Süden, die Provinz Posen, bisher im Angriff aus­gespart, wird besetzt, die Weichsel in breiter^ Front erreicht, der Narew überschritten und im Süden in jagender Eile der gallische Raum erobert.

Da stellen sich, nachdem schon vor Tschenstochau und in der Tucheler Heide einige polnische Divisio­nen nach dem völligen Versagen der polnischen Heeresleitung im Gegenstöße tapfer kämpfend unter» gegangen waren, die noch zahlreichen und kampf­kräftigen Gefechtsverbände westlich Warschau zum entscheidenden Kampf. Am 10. September werden die Räume von Radom und Kutno zum erstenmal im Heeresbericht genannt, und sie sollen noch viele Tage als Zeichen der verzweifelten pol­nischen Gegenwehr wiederkehren. Während aber schon am 14. September die Radomer Gruppe mit 66 000 Gefangenen, 143 Geschützen und 38 Pan­zerwagen sich ergeben mußte, klammert sich die Kutnoer Gruppe in erbittertem Widerstand an den Boden. Wurde die Umklammerung hier immer fester und nahmen die blutigen polnischen Durchbruchs­versuche nach allen Himmelsrichtungen an Heftig­keit fast täglich zu, so wurde dies alles aber schon überschattet von dem fünften Kampfabschnitt, als dessen deutliches Ziel Warschau galt. Im Süden über den San, die Wisloka, den Tanew und den Dnjestr auf Przemysl und Lemberg vorstoßend und nach Nordosten einbiegend, fühlte die Südgruppe bereits in den Rücken von Warschau vor, während

Lügen haben kurze Beine.

Wirkung m die Ferne", heißt eins der schönsten Balladenaedichte Goethes. Die Wirkung einer Hand­lung, von der in diesem Gedicht die Rede tft, nt dem Betroffenen höchst unerwünscht wett verräte­risch. So ist es C h ur ch i ll jetzt r^t seiner Rund­funkrede ergangen. Sie hat^gerade m dem Land, auf das sie in ihrer Tendenz zum nicht ge- ringen Teil abgestellt war, in den Vereinige ten Staaten eine sehr merkliche Enttäu­schung verursacht, weil in chr unangenehme Tat­sachenunterschiede gegenüber den Ruhmredigkeiten Churchills festgestellt werden. Darüber hinaus hat aber die Neuyorker Börse mit einem Nachlassen der Kurse auf das Rundfunkgeschwätz des hauptamt­lichen englischen Regierungslügners geantwortet.

Es wird in der Tat nicht nur in den Vereinigten Staaten aufgefallen fein, daß Churchill im Gegen­satz zu seinen Sommerreden jetzt eine Invasion schon wie eine bevorstehende Tatsache behandelt und daß er sich, natürlich vergeblich, bemühte, durch ent­sprechende Anspielungen irgend etwas Näheres über die von ihm beschworene Invasion aus Deutschland herauszulocken. Es spricht nicht gerade für eine innere Zuversicht Churchills, wenn er etwa erklärte: Die Bombenangriffe auf London sind ein Teil eines Jnoasionsplanes, der mit der üblichen deut­schen Gründlichkeit und Tatkraft vorbereitet wird. Hier zeigt sich in sehr Umschriebener Form deutlich die Angst vor dem, was England und seinen Kriegs­hetzern bevorsteht.

Es wirkt nur wie ein kläglicher Ablenkungsver­such für diese Angst, wenn Churchill sich zu ent­schuldigen versucht: er habe zwar im Hinblick auf das Stärkeverhältnis zwischen der deutschen und der englischen Luftwaffe vor einiger Zeit erklärt, selbst verdreifachte Angriffe könnten England nicht erschüttern aber er habe dabeinicht an die bar­barischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung, sondern an die Kämpfe zwischen den beiden Luftwaffen gedacht". Das ist nun der Gipfel der Heuchelei von einem Menschen, der ja diebarbarischen Angriffs auf die Zivilbevölkerung" Deutschlands s e l b st be­sah l e n und sie nach den Vergeltungsangriffen der deutschen Luftwaffe noch unter Einbeziehung natio­naler deutscher Stätten verstärkt hat.

Es ist Churchills Pech, wenn wenige Stunden vor seiner Rundfunkrede die vollgültige Wider­legung feiner verlogenen These ausgerechnet in derTime s" zu lesen war, die schrieb, Lon­don geschehe heute nur das, was die Bevölkerung Westdeutschlands'Monate hindurch" erlebt habe. Wir wollen uns mit der unsinnigen Uebertreibung in diesem Satz gar nicht erst auseinandersetzen. Wir stellen lediglich fest, daß das offiziöse Londoner Or­gan die Planmäßigkeit englischer Fliegerangriffe auf die deutsche Ziviloevölkerung in vollem Gegensatz zu Churchill öffentlich plakatiert hat.

zogen werden, daß die Verstärkung und Umgrup­pierung der Flak in London als eine englische Trumpfkarte betrachtet wird.Londons Bodenver­teidigung hat sich bisher geweigert, die Karten auf den Tisch zu legen", schreibt das Blatt und fahrt fort:Nun aber ist diese Trumpfkarte abgespielt worden. Es müssen Hunderte, wenn nicht Tausende von schweren Geschützen dieser Art gewesen sein. Von allen Seite blitzte es, und Granaten regneten zur Erde." Trotz diesesmörderischen Feuers" ist es der deuffchen Luftwaffe gelungen, wesent­liche Treffer zu erzielen. Im Nordwesten der Stadt sollen Hunderte von Brandbomben abgewor­fen worden sein. Jrn Südwesten tobte noch in den Morgenstunden ein R i e s e n b r a n d , der durch einen Gasrohrbruch entstanden war. Eine weitere Eisenbahnstation liegt in Trümmern. Auf dem durch einen Wasserbehälter vor Brandge­fahr geschützten Dach eines Londoner Fleet-Street- Blattes fiel eine Bombe nieder und fchlug bis zum

Stockholm, 13.Sept. (DNB.) London erlebte am Donnerstagnachmittag gegen 4 Uhr englischer Zett den ersten Flugalarm dieses Tages. Der bri­tische Rundfunk teilte um 5 Uhr mit, daß der Alarm noch nicht abgeblasen wurde, lieber der Themse- Mündung wurden wieder deutsche Bomber, beglei­tet von Jägeraeschwadern, gesichtet. Nach einer Mit­teilung des britischen Nachrichtendienstes wurden auch über Südwestengland, Nordwestenaland sowie Wales Bomben abgeroorfen. Die deutschen Bom­benmaschinen feien über London wie über den an­deren Gebieten von einer Wolke von- gern b eg leitet gewesen.

Die Leitung des Verteidigungsabschnittes London hat anscheinend eine Umgruppierung der Luftab­wehr Londons vornehmen lassen. Neutrale Beobach­ter waren in der Nacht zum Donnerstag ebenso wie die Londoner selbst überrascht über die Positio­nen, von denen aus gefeuert wurde. Aus einem Telegramm desAftonbladet" muß der Schluß ge-

Unser Bild berichtet von dem Bombardement des 10 Kilometer südostwärts London gelegenen Mugpiatzes 53 i q g i n Hill durch die deutsche Luftwaffe. Die Zahlen bedeuten tm einzelnen: 1. Bombeneinschläge, 2 Flugzeughallen, 3. Montagehalle, 4. Lagerhallen und Nebengebäude, 5. Werft und Lagerhallen, 6 Werkstattgebäude, 7. Befehlsgebäude, 8. Unterkunftsgebäude, 9. Kraftstation, 10. Verwaltungsgebäude, 11. Flugzeuge. (PK.-Presse-Bild-Zentrale-M.)

ausländische Beobachter in London sahen.

Kraftwagenpark durch. Trotz aller abschwächen, den Mitteilungen muß ein amtliches Kommuniquö zugeben, daß Welle auf Welle deutscher Ma­schinen über London hinwegbrauste. Unter den in Brand geschossenen kriegswichtigen Anlagen be­finden sich auch zwei Fabriken. Trotz der an­geblichen Geringfügigkeit der deuffchen Aktionen dauerte der Luftalarm von Mittwochabend 22 Uhr bis zum Morgengrauen des Donnerstags. Es war das vierte Mal, daß die Londoner Bevölkerung am Mittwoch in die Luftschutzkeller gehen mußte.

Die durch die deuffchen Luftangriffe verursachten Beeinträchtigungen des Londoner Verkehrs haben die Behörden gezwungen, die Oeffentlichkeit zu einer sparsameren Benutzung der Ver­kehrsmittel aufzufordern. Reisen nach und aus London dürfen nur noch in dringenden Fällen an­getreten werden.Stockholms Tidningen" bestätigt, daß die großen Eisenbahnstrecken in die Provinz ebenso schwere Beschädigungen davongetragen haben wie die Güterverkehrsstrecken,wenngleich sie auch in keinem Falle vollständig gesperrt wurden". Auch das Straßennetz ist in der größten Unordnung. Noch immer sind zahlreiche Sttaßen in den Außen­vierteln versperrt durch eingestürzte Fabriken, Ka­sernen und Lagergebäude oder von Bombenkratern aufgerissen. Die Tätigkeit der deutschen Flieger hat sich auf eine systematische Erweiterung der bis­herigen Zerstörungen konzentriert. Die Flieger setzen ihre Arbeit genau an dem Punkte fort, an dem sie zu Ende des letzten Luftangriffs aufhörten. Das Feuermeer in der Stadt wächst und die Rauch­decke wird schwerer und dicker mit jedem Angriff.

. Freitag, der dreizehnte.

Von Christian Bock.

Ob man nun abergläubisch ist oder nicht jeden­falls kommen manchmal Tage, an denen ein wah­res Geprassel von kleinen Unglücksfällen auf uns niedergeht, unausweichlich, mit treffsicherer Genauig­keit, als gäbe es wirklich geheime Gesetze, nach denen wir an solchen Tagen geärgert werden vom Morgen bis zum Abend hin. Als seien die gewohn­ten Dinge, die wir harmlos glaubten, verschworen gegen uns.

Am Boden liegen Schnüre, bereit, in einer Schlinge unser linkes Bein zu fangen, daß wir stürzen, Stühle haben sich heimlich so hingestellt, daß wir sie rammen müssen, und wenn sie uns den eichenharten Arm ins Rückgrat stießen, wackeln sie nachher harmlos hin und her, es sieht wie ein Gelächter aus und so, als sagten sie mit Hohn: Entschuldigen Sie bitte! Bücher, die wir greifen wollen, rutschen wie von ungefähr über die Tisch­kante weg, fallen klatschend auf den Boden, und wenn wir fluchend gehen, sie aufzuheben, sehen sie uns von unten her mit Vorwurf an, als hätten wie sie selbst gestoßen. -

Und was sich sonst an solchem Tag für Unglück irgend ereignen konnte heute ereignet es sich. Die Waagschale der Gerechtigkeit mißt mit falschen Maßen, als hätte irgend jemand die Faust auf die Schale gelegt, daß nichts Gutes mehr geschehen will. Und was du immer heute unternimmst, es gerät dir nicht.

Solche Dinge geschehen wenn man dem Aber­glauben glauben will besonders gern an Frei­tagen und Dreizehnten. Wieviel Unglück muß es da erst geben, wenn ein Freitag ist und ein drei­zehnter dazu!

Am Morgen liegst du noch friedfertig schlummernd da, ein guter Mensch, nichts Böses ist in dir, und harmlos ahnst du nicht in deinem Schlaf, daß du umstellt bist diesen Taa vom ftühen Morgen an. Wie einer, der, ohne davon zu wissen, auf dem Rücken ein Pappschild trägt mit dem lächerlichen Text daraus, und hinter ihm freuen sich die Leute, so einer bist du heute.

Du wachst aus deinem Schlaf und Frieden auf und siehst mit Schrecken, daß du die Zeit verschlafen hast. Der Wecker steht ganz stumm auf deinem Tisch am Bett und tut, als hätte er gar nichts getan:

Bitte sehr, ich habe geweckt. Du hast nur nichts ge- hört.

Da richtest du dich auf und überdenkst es dir und ehe du es merkst, bist du schon mit dem linken Bein zuerst aufgestanden. Schnell folgt die Rache der Dinge deinem frevelhaften Tun. Die Telefon­schnur faßt dein Bein in kunstgerechter Schlinge. Und du entfliehst den Dingen nicht. Wenn du ins Badezimmer wanderst das Unglück wandert mit. Brühheißes Wasser schlägt dir auf die arglos hin- gehaltene Hand, und wenn du dich mißttauisch schabend rasierst ritzt dir das Messer dennoch unversehens die Haut, daß sich der weiße Schaum mit deinem Blut färbt.

Und wenn du wiederkommst aus dem Bade­zimmer ist schon das Unglück dir vorausgeschli- chen und sitzt, nach Mäuseart versteckt, im Telefon. Du hast noch kaum begonnen, dich anzuziehen, da rasselt vom Unglück angetrieben, das Telefon, und aus der Hörmuschel kommt dir ärgerliche Nachricht, daß du vor Wut der Fernsprechtechnik fluchst, hoch in der Hand das Telefon, das du zertrümmern möchtest.

Das Lied ist lange nicht zu Ende. Dein Kragen­knopf ging morgendlich spazieren, dein Schuhband reifet und dein Pullover ist so sonderbar an diesem Morgen! Indessen du den Kopf tief in ihm hast und gar nichts sehen kannst, verwirren heimlich sich die Aermel, und wenn du oben her­ausgekommen bist, siehst du mit stierem Blick die unbegreifliche Verwirrung an. Nach langen mühe- vollen Kämpfen endlich ziehst du mit glücklichem Gesicht die wollene Bekleidung richtig an.

Indessen wartet schon, dich wieder zu erschrecken, im Spalt der Tür ein Brief mit schwarzer amt­licher Beschriftung, damit du heute nicht zu über­mütig würdest.

Da schickst du dich dann an zu gehen. Und siehe, wie du den Mantel knöpfen willst, löst sich in dei­ner Hand vom Faden, der immer länger wird, ein Knopf. Du kannst mit Trauer diesen Knopf besehen, von vorne, und wenn du willst, von hinten auch: der Knopf fft ab.

Und während du da stehst mit deinem Trauer­blick, zerrt schon das Unglück eifrig draußen im Flur am Glückshufeisen, das du einst gläubig über deine Tür hängtest. Wie du die Tür aufschließt, fällt es glückbringend dir auf den Kopf, daß du dich, meterlange Fluche fluchend, duckst.

Nein, es ist noch lange nicht zu Ende, es kann noch mancherlei geschehen an diesem Tag.

Du bist noch nicht einmal zur Tür heraus, und wenn du ohne Unfall nach draußen kommen soll­test das Unglück dieses Tages wird noch mit dir wandern durch alle Straßen, wohin du gehst und wo du bist.

Ich habe dir gleich gesagt, du bist noch nicht ein­mal draußen. Die Tür, im Bunde mit allen, die dich heute ärgern wollen, hält einen Zipfel deines Mantels fest und zieht mit einem Ruck an dir.

Du bist schon sanft geworden, du drehst dich um und holst, ganz milde gestimmt, aus der Tür den Zipfel deines Mantels heraus und schließt die Tür.

Und für den Rest des Tages wünsche ich dir nun Sanftmut des Herzens und der Hände, diesen Tag zu Ende zu bestehen.

Büchertisch.

Karl Bartz: Lilienbanner und Preußenaa r". Die Schicksale der Brüder Baum­garten. Roman. Ganzleinen 7,50 RM. Deutscher Verlag, Berlin. DieVier Kameraden" waren das Jahrhundert des Dreißigjährigen Krieges.Lilien­banner und Preußenaar führt in das Jahrhundert Friedrichs des Großen, des Siebenjährigen Krieges, des Kampfes zwischen Franzosen und Enaländern um Kanada. Mit der Phantasie des Erzählers und mit dem Wissen des Historikers setzt Bartz seine Bilder aus der Vergangenheit einer deuffchen Fa­milie fort. Pankraz und Rudolf Baumgarten, die Söhne eines reichen Augsburger Kaufmanns, schei­den aus dem Elternhaus. Pankraz reift in die Neue Welt, nach Quebec. Rudolf soll in Frankfurt a. M. in die Lehre gehen und wird, von einem Werber betrogen, Rekrut in Berlin. Als Infanterist des Preußenkönigs macht er Siege und Niederlagen mit, wird zum Offizier befördert, kommt heil aus den Kasematten von Prag, an deren Mauern er als Spion erschossen werden sollte, und gewinnt das besondere Vertrauen des Königs. Pankraz wird seit der Ueberfahrt von einer Liebe zu einer Depor­tierten verstört, die unter entehrender Strafe seufzt, kauft sie frei, muß erkennen, daß sie für ihn nichts fühlt als Dankbarkeit, und veffteht erst, als sie stirbt, die Tragödie ihres Geschicks. Dieses Geschehen ist von Bartz mit plastischer Sicherheit festgehatten.

Wilhelm Fredemann: Heimkehr der Söhne, Roman (Preis in Leinen geb. RM. 4,80) Verlag Rütten und Loening, Potsdam. Westfalen, das Land der großen Höfe alter, stolzer Bauern* gefchlechter, ist der Schauplatz dieser Geschichte einer Liebe, die die auch im bäuerlichen Denken eng gezogene Grenze, die Bauern und Heuerlinge scheidet, niederreißt und mit der Rückkehr auf einen einst von leichtfertigen Ahnen verschleuderten Be* sitz ihre Erfüllung findet. Die behäbig breit sich streckende Landschaft und ihre wortkargen, sturen, in sehr bestimmten Vorstellungen befangenen Men­schen schildert Fredemann mit seinem Gefühl für den Wert ihrer Eigenart. Fern aller falschen Sen­timentalität wie aller gekünstelten Manier ist hier mit gesunden, kräftigen Farben ein Bild bäuer­lichen Lebens gemalt, oas aus der Wirklichkeit kommt und daher uns lebhaft anspricht. Dr. Fr. W. Lange.

Franz Schauwecker: Mann zwi­schen Heute und Morgen. Preis Ganzleinen 4,80 RM. (Verlag Hesse & Becker, Leipzig.) - (117) - Das Hin und Her der spannenden Begebenheiten, der sich zuspitzende Konflikt, die bald wachsende, bald ab­schwellende Bewegung menschlicher Triebkräfte, die getreue Darstellung der sittlichen Eigentümlich­keiten jener Zett nach dem Weltkrieg, das gibt dem Roman den Stoff und seine charakteristischen Züge. Von dem Verhalten eines Bergassessors Ijängt es ab, ob ein großes deutsches Berg- und Industrie- wert in die Hände ausländischer Finanzmänner gelangt. Seine Zustimmung würde ihm eine große Zukunft eröffnen und die geliebte Frau zuführen. Aber seine innere Haltung verbietet es ihm, länger Dienst für diesen Verrat zu leisten. Er zerschlägt sein eigenes Leben, um vor sich selbst bestehen zu können, bis auch ihm eines Tages die Anerkennung zuteil wird. Ein Roman, der neben der großen Handlung unvergängliche Werte vermittelt.

Finnische Reise. Von Heinz Flügel. L. C. Wittich Verlag, Darmstadt. Gebd. 3 RM. (349) Ein besinnliches Buch, in dem die Land­schaft und Kultur, das Volkstum und die Geschichte der Finnen mit viel Liebe und Verständnis geschil­dert werden. Es führt den Leser im Geiste in ein Land, für das einst auch deutsche Soldaten im Kampfe standen, das aber auch durch seine Schön­heiten der Landschaft sich bei uns großer Sym­pathie erfreute. Man verdankt der fesselnden Lek­türe manche Stunde eines stillen geistigen Genusses, der das Büchlein noch besonders schätzenswert macht.