Ausgabe 
13.8.1940
 
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Churchill pariert mit Lügen.

haben sich durch die französische Niederlage umge­kehrt: Jetzt steht England allein gegen zwei siegreiche Großmächte, und Hilfe von dritter Seite wird es kaum mehr heranholen können. Aus dem vorwaltenden Landkriege in den ersten zehn Mo­naten des Krieges ist jetzt ein Seekrieg gewor­den, weil alle drei beteiligten Mächte durch das Meer voneinander getrennt find. Ein solcher Krieg kann sich nach allen Lehren der Geschichte als reiner Seekrieg im Kampf der Schlachtflotten und im Handelskrieg abspielen oder als kom­binierter Land - und Seekrieg in größe­rem Maßstabe durch Landung auf feindlichem oder neutralen Gebiet, wie es Napoleon 1798 in Aegyp­ten ausgeführt und 1805 gegen England unmittel­bar versucht hat.

Wenn es bis jetzt im reinen Seekrieg zu Kampf­handlungen größeren Maßstabes bisher nur ver­einzelt gekommen ist, weil die Luftwaffe in schmalen Randmeeren dem eigentlichen Kriegsschauplatz feindlicher Flotten die überraschende Operation einer Streitmacht zur See sehr erschwert und außerdem eine gefährliche Bedrohung bedeutet, so zwingt dies schon die englische Seekriegführung zur Defensive: es bleibt also der Handelskrieg als operattve Maßnahme. Blockade und Handels­krieg sind ihrer Natur nach offensive Ope­rationen gegen den Feind. Der Handelskrieg hat allerdings die deutsche Ueberseeschiffahrt vor­übergehend zum Stillstand gebracht, die Blockade aber muß lückenlos und effektiv fein, wenn sie wie im Weltkriege den Feind erdrosseln soll. Beides ist nicht der Fall: nicht nur die Randmeere im Norden wie im Süden Europas entziehen sich dem Zugriff der britischen Flotte, ja sie sind sogar für englischen Handel gesperrt und dem der verbündeten Achsenmächte offen: auch der ganze europäische Osten ist für ihre Versorgung erreichbar geblieben. Die Blockade ist auch nicht effektiv! Im Weltkriege genügte die Sperrung der Straßen DoverCalais und BergenShetlands, um Deutschland vom Weltmeere tatsächlich abzu- schnüren. Heute ist der Kanal eher für England als für Deutschland gesperrt, kann doch kein eng­lisches Handelsschiff ihn mehr ungefährdet passie­ren, um nach London zu gelangen, und die weit nach Norden in die höchst unwirtschaftliche Arktts verlegte ozeanische Sperrlinie von Island bis Grön­land kann offenbar deutschen Kriegs- und Han­delsschiffen und den Prisen aus dem Atlantik den Zugang zur Nordsee nicht mehr verwehren.

So hat sich nicht mir die Blockade als unwirksam erwiesen, auch der Handelskrieg selbst wendet sich gegen England. Der freie Seeverkehr nach England ist lebenswichtig -für das Infelreich, weil weder die Ernährung feines Volkes, noch die Kriegs- wixtschaft. ohne ihn zu sichern und aufrecht zu erhalten sind. Diese freie Seezufuhr ist aber durch den ozeanischen U-Boot-Krieg und die Beherrschung der Luftwege über Nordsee und Kanal zu einem höchst gefährdeten und vor allem höchst verringer­ten Handelsschiffsstrom nach den überlasteten eng­lischen Westhäfen geworden, die allein noch für Cin- und Ausfuhr offen stehen. Der deutsche Handels­krieg zehrt damit am Marke Englands, das dieser Bedrohung nicht Herr werden kann. Heute schon ist vorauszusehen, daß der kritische Au­genblick, wie seinerzeit im Sommer 1917, bald schon bevorsteht.

Als letztes Mittel eines offensiv geführten See­krieges bleibt für England noch die kombinierte Unternehmung, d. h. die Landung einer star­ken Operationsarmee an feindlicher Küste, ein­schließlich Frankreich, Holland und Belgien, ein bei der völligen Ueberlegenbeit der deutschen Luftwaffe höchst aewagtes, ja aussichtsloses Unternehmen (von dem sich daran notwendig anschließenden Landkriege ganz abgesehen). Kaum jpirb man sich in London nach den Erfahrunaen im belgischen Feldzug darauf einlassen wollen. Aber umgekehrt stehen die Aussichten schon besser, da das deutsche Heer und die deutsche Luftwaffe militärisch unbedingt über­legen sind und die in Betracht kommenden See­räume nur schmal und daher leichter zu sichern sind, als bei ozeanischen Unternehmungen über See.

So ist England auf allen Fronten der Krieg­führung hoffnungslos in bi e Defensive g e - drängt. In der Defensive ist aber noch nie­mals ein Seekrieg gewonnen worden, auch der deutsch-englische Krieg wird hiervon keine Aus­nahme fein.

Englische Luftpiraten öfter Holland.

Amsterdam, 13. August. (DNB.) In der Nacht zum Samstag haben wiederum englische Flugzeuge versucht, in niederländisches Luf tg er­biet einzufliegen und niederländisches Leben und Eigentum zu vernichten. Durch die deutsche Lustab-

Plumper Schwindel.

Don unserer Berliner Schrifileitung.

Nach dem abschließenden Bericht des Oberkom­mandos der Wehrmacht haben die Engländer in der großen Luftschlacht, die sich am letzten Sonntag über dem Kanal abspielte und in deren Mittel­punkt der Angriff auf Portland stand, 93 Flugzeuge verloren. Wir haben schon des öfteren Gelegenheit gehabt, darauf hinzuweifen, daß von deutscher Seite Abschüsse feindlicher Flieger nur gemeldet werden, wenn sie ganz zweifelsfrei und von Zeu­gen beobachtet wurden. Wir wissen, daß wir uns auf die deutschen amtlichen Angaben genau verlas­sen können.

Wie aber immer in solchen Fällen, wird auf der englischen Seite sofort frech drauflosgelogen, und die eigene große Niederlage bedenkenlos in einen Sieg verwandelt. Aber diese Lügerei ist nicht nur frech, sondern sie ist auch unglaublich dumm, denn man gibt sich nicht einmal die Mühe, die von den verschiedenen Seiten ausgegebenen Mitteilungen miteinander abzustimmen, sondern findet nichts da­bei, daß sie sich glatt widersprechen. So heißt es auf einer Seite, an dieser letzten Luftschlacht wären 50 deutsche Flugzeuge beteiligt gewesen. Im Rund­funk gibt aber ein sogenannterMarineberichter- statter" den Verlust an deutschen Maschinen mit HO an. Es kommt eben gar nicht darauf an. Weiter heißt es in_ dem amtlichen englischen Bericht, in Portland wären nur ein paar Wohnhäuser getrof­fen worden, zwei Kriegsschiffe hätten ganz "leichte Beschädigungen, der Geleitzug sei wie im Frie­den weitergefahren, und Sperrballone seien über­haupt nicht abgeschossen worden!

Man bescheidet sich nun auch keineswegs damit.

wehr wurden triefe englischen Versuche größtenteils verhindert. Ein englisches Flugzeug, das bei der Insel Walcheren den Versuch unternahm, die Schelde zu überqueren, wurde durch Flakfeuer ver­trieben. Eine Brandbombe, die das Flugzeug ab­warf, fiel ins Wasser. Ein holländischer Zivilist, der leichtsinnigerweise nicht Deckung genommen hatte, wurde durch Flaksplitter verletzt. Bei Alphen in Nord-Brabant, in der Nähe der belgischen Grenze, wurden durch die Engländer zwei schwere Bomben in einen Wald geworfen, wobei ein holländischer Zivilist getötet und ziviles Eigentum beschädigt wurde. Bei Aalsmeer in der Provinz Nord-Holland wurden zwölf Bomben durch die Engländer abgeworfen, die ein Wohnhaus schwer, ein anderes leicht beschädigten. Zahlreiche Treibhausanlagen wurden vernichtet. Bei Venlo wurde eine Reihe von Häusern durch eng­lische Bomben leicht beschädigt.

Oie Schweiz und das Wirtschaftsabkommen mit Deutschland.

Bern, 12. Aug. (Europapreß.) Zum Abschluß des deutsch-schweizerischen Wirtschaftsabkommens schreibt der Berner Korrespondent derNational­zeitung":Die kontinentale Entwicklung der politischen und vor allem der wirtschaftlichen Verhältnisse bringt es mit sich, daß die straff organi­sierte deutsche Wirtschaft für unser einge­engtes Land eine außerordentliche Bedeutung erhält, die um so gerechtfertigter ist, als sich das Reich auch in Kriegszeiten als leistungsfähiger und störungsfreier Exporteur und Ab­nehmer erwiesen hat. Die Verständigung über die Kohlenlieferungen ist der Schweiz, das braucht wohl nicht näher begründet zu werden, eine willkommene B o t s ch a f t.' Die Tatsache, daß die schweizerische Außenhandelspolitik sowohl mit Deutschland selber als auch mit Staaten, in denen der wirtschaftliche Einfluß des Reiches vorherrscht, ihre befriedigenden wechselseitigen Beziehungen fort- etzt, darf als lichtvoller Ausblick in die nächste Zukunft mit ihren zweifellos stark veränder­ten machtpolitischen Verhältnissen gewertet werden."

Zahresversammluna des Bundes der Deutschen in Ungarn'.

Budapest, 12. Aug. (Europapreß.) Arn Sonn­tag fand in Hidas, einem schwäbischen Dorf im Kornitat Baranya, der sogenanntenschwäbischen Türkei", die Jahreshauptversammlung desBundes der Deutschen in Ungarn" statt. An der Kundgebung nahmen zahlreiche Vertreter der ungarischen Behör- den und ein Vertreter des deutschen Gesandten von

die Tatsachen der Wirklichkeit glatt auf den Kopf zu stellen, sondern wärmt auch Dinge wieder auf, die längst in aller Welt aufgeklärt sind. So meint Sunday Times", der glänzende Sieg in der Luft beweise, wie auch schon in Dünkirchen die hin­reichende Ueberlegenheit der englischen Luftwaffe. Weiter ist der Unsinn nun wirklich nicht zu treiben! Sind die Herren von derSunday Times" wirklich der Meinung, daß sich die vernichtende Niederlage von Dünkirchen inzwijchen in England nicht bis ins letzte Dorf herumgesprochen hat?

Man bleibt natürlich nicht bei der propagandisti­schen Lüge, sondern zieht auch das sentimentale Re­gister. So berichtet der Einwohner einer südeng­lischen Stadt (die vorsichtigerweise nicht genannt wird), er habe über 50 Flugzeuge beim Angriff ge­zählt, es habe ausgesehen wie ein Bienenschwarm. Sehr schön, so wird es sicher gewesen fein! Und daß dieser Bienenschwarm Honig gebracht hat, ist ja wohl nicht anzunehmen. Aber nun kommt der Haken bei der Geschichte: I n einer Kjrche wären die Kinder getade beim Gottesdienst gewesen, sie hätten nun hinter einer Mauer Schutz gesucht und während des Angriffs fromme Lieder gesun­gen. Man versteht ohne weiteres, was mit dieser Schilderung beabsichtigt ist: der Welt soll klarge­macht werden, daß die Deutschen sich natürlich aus­gerechnet die Kirchzeit für den Angriff ausgesucht haben. Die Tatsachen sehen anders aus. Wenn die Engländer in diesem Augenblick ihrem Volke die große Luftniederlage von Portland so vorsetzen würden, wie sie den Tatsachen entspricht, dann wäre eine unbeschreibliche Panik die Folge. Die Furcht davon ist es, die die englische Regierung veranlaßt, ihre Zuflucht zur faustdicken Lüge zu nehmen. Aber lange wird sie sich mit solchen brüchigen Behelfs­mitteln nicht über Wasser zu halten vermögen.

Erdmannsdorff teil. Die Versammlung gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung und einem be­geisterten Bekenntnis 3um deutschen Volkstum. Der Bund der Deutschen in Ungarn" sandte an Reichs - verweser von Horthy ein Huldigungstelegramm.

Der flämische Akiivismus.

Eine Brüsseler Huldigung für Dr. Borms.

Brüssel, 12. Aug. (Europapreß.) Zu Ehren des unlängst aus der Gefangenschaft in Frankreich heimgekehrten flämischen Aktivisten Dr. August Borms wurde am Sonntag in der Königlichen Oper in Brüssel eine große H u l d i g u n g s f e i e r veranstaltet. Dabei überbrachte der alte Professor op eie er5 aus Gent seinem Kampfgenossen die Grütze der älteren Generation. Er erinnerte an die Zeit des Weltkrieges, in welcher Borms als der Vorsitzende des Rates von Flandern unter dem Schutz der deutschen Besatzung sich für eine Verbesserung der Stellung Flanderns eingesetzt hatte.

Dr. Borms, der nach dem Weltkrieg vom bel­gischen Gericht zum Tode verurteilt wor­den war und die Jahre 1919 bis 1929 im Gefäna- ms verbracht hatte, und der jetzt nach der Deporta-

c5 10. Mai neue Leiden in französischen Zivilgefangenenlagern erdulden mußte, ergriff dann selbst das Wort und forderte eine Vereinigung aller flämischen Kräfte, was allein eine Verwirklichung der nationalflämischen Wünsche mit M> bringen könnte. Diese Forderungen nach einer Zusammenfassung der flämischen Nationalisten aller Richtungen unter der Leitung von August Borms war auch am gleichen Tage in einem Aufruf aus- '9£!p,r°d,en' der in der nationalflämischen Zeitung Volk en Staat" veröffentlicht wurde.

Englands Jtaub an den französischen Getreideschiffen r.r? * ' r121 (Europapreß.) Wie das franzö­

sische Versorgungsministerium mitteilt, befanden sieh.bei Abschluß des Waffenstillstandes etwa 300 größere französische Dampfer, die mit Lebensmitteln beladen waren, auf dem Wege nach Frankreich. Ein sehr großer Teil dieser Schiffe sei widerrechtlich in den britischen gafen fe st gehalten und ein weiterer großer Teil von englischen Kriegsschiffen aufgebracht wor­den Diese Handlungsweise wird als ein britischer Dkebstahl an dem französischen Volksvermögen, der m Die Hunderte von Millionen Franken geht und ungezählte französische Frauen und Kinder mit Hunger bedroht, bezeichnet. Ein Teil der franzö­

sischen Versorgungsflotte befinde sich, so heißt es weiter, sicher in neutralen Häfen und in Häfen des französischen Kolonial« reichs. Das französische Versorgungsministerium ist bemüht, die sichere Ueberführung dieser Handelsflotte in die Häfen des Mutterlandes zu bewerkstelligen, um einem zweiten britischen Dieb- stahl zuoorzukornrnen.

Abgesehen von der Unmenschlichkeit, dem ehema­ligen Verbündeten sozusagen das Brot wegzuschnap- pen, zeigt diese englische Handlungsweise allerdings auch, wie katastrophal es um die britische Versor­gung bestellt ist, da die Briten aus dem Meere selbst den ehemaligen Freunden das Brot wegnehrnen müssen, um die eigene Bevölkerung über Wasser zu halten.

Griechische Llebergriffe gegen Albanien.

Albanischer Jrredentenführer von griechischen Emissären ermordet.

Rom, 12. Aug. (DNB.) Ein alter Vorkämpfer des albanischen Jrredentismus, Baut H 0 ggia, ist auf albanischem Gebiet dicht an der griechischen Grenze ermordet worden. Die Leiche ist ohne Kopf aufgefunden worden, man erfuhr später, daß die Mörder griechische Emissäre waren, die den Kopf nach Griechenland mitgenommen und den dortigen Behörden übergeben hatten. Der Kopf Daut Hoggias ist dann auf Befehl der griechischen örtlichen Behörden von Dorf zu Dorf getragen und öffentlichausgestellt worden, um die in der Ciamuragegend wohnenden Albaner einzuschüchtern. Daut Hoggia, der Vorkämpfer für die Befreiung jener unerlösten albanischen Gebiete, hatte jahre­lang unter seinen Landsleuten außerordentlich aktto für die Wiedervereinigung seiner engeren- Stamm« Provinz mit dem Mutterlande Albanien gewirkte Von den griechischen Behörden verfolgt, war er gezwungen gewesen, in Albanien Zuflucht zu neh­men, wo er des öfteren Todesdrohungen erhielt.

Wie die Agentur Stefani dazu mitteilt, werde fein Opfer nicht vergebens fein, denn die Nachricht des grauenvollen Mordoerbrechens habe die Al­banier im (Eiamuragebiet tief aufgewühlt. Es fei dies nicht die einzige Episode der griechischen Unter­drückungspolitik. Vor einigen Monaten fei bei einem unweit von Ciamura ermordeten Albanier ein Zet­tel gefunden mit den Worten, daß das gleiche Schicksal alle jene Albanier treffen würde, die die Hoffnung hätten, ihr Vaterland von der griechischen Herrschaft zu befreien. Viele Einwohner feien ge­zwungen, nach Albanien zu flüchten, um ich den unerträglichen Verfolgungen zu entziehen. Die griechischen Behörden gingen sogar soweit, dis Behauptung aufzustellen, daß die Italiener bald aus Albanien verjagt würden. Aber, so schließt die StesaniMeldung, weniger denn je seien die Einwohner Ciamuras gewillt, sich vor der grie­chischen Unterdrückung zu beugen.

Das amerikanische Ausfuhrverbot für Flugzeugbenzin.

Rom, 12. Aug. (Europapreß.) WieGiornale d'Jtalia" aus Tokio meldet, bestätigt das japanische Außenministerium den Empfang der Antwortnote der USA. auf den japanischen Protest wegen des Ausfuhrverbots von Flugzeugben­zin. Die Regierung der Vereinigten Staaten er­klärte in ihrer Antwort, sie halte das Ausfuhrverbot aus militärischen Gründen für notwen­dig. Diese Maßnahme sei gegen kein Land gerichtet. Aus diesem Grunde könne Protesten keine Folge gegeben werden. Schließlich verweise die Antwortnote noch darauf,, daß die Regierung der USA. nicht die Absicht habe, Japan anders zu be­handeln als andere Nationen.

Reichsminister Or. $ritf in Straßburg.

Reichsminister Dr. Frick traf in Fortsetzung seiner Besichtigungsfahrt durch die besetzten Westgebiete von Metz kommend inStraßburg ein. In seiner Begleitung befanden sich der Chef der Zivilverwal- hing für das Elsaß, Gauleiter Robert Wagner, der badische Ministerpräsident Köhler mit den Mi­nistern Pflaurner und Schrnitthenner. Nach der Be­grüßung durch den kommissarischen Polizeipräsiden­ten SA.-Obersührer Dr. Engelhardt, den Stadtkom- missar Major Dr. Ernst als Generalreferent für das Elsaß beim Chef der Zivilverwaltung und den Staatskommissar Ellgering unternahm der Minister, in dessen Begleitung sich Staatssekretär Dr. Stuckart, die Ministerialdirektoren Sur6n und Vollert befan« | den, eine Stadtrundfahrt und ließ sich im Empfangs- faal des Statthaltergebäudes eine Abordnung der Heimattreuen Elsässer" vorstellen.

Der Retter -er Mütter.

Zum 75 Todestage des großen Arztes Ignaz Semmelweiß am 14. August.

Von Or. Peter Zasversen.

Wer die Arbeit eines modernen Arztes oder einer ausgebildeten Hebamme kennt, die jede Unter- suchung, jeden Eingriff bei einem Kranken nur mit sorgfältig gereinigten Händen und keimfrei gemach­ten Instrumenten vornehmen, kann sich kaum eine Vorstellung von der Krankenpflege machen, wie sie noch vor hundert Jahren geübt wurde, ehe 3g n a 3 Semmelweiß, derRetter der Müt­ter", den Grundsatz der Antisepsis, der keimtötenden Wundbehandlung, in die Medizin eingeführt hatte. Allein in der Ersten Geburtsklinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien starben jährlich Hunderte von Wöchnerinnen am Kindbettfieber. In fünf Sälen waren die Frauen zusammengepfercht. Nie­mand dachte an eine Desinfektion ober auch nur an eine gründliche Reinigung der Kranken3immer, der Wäsche und der Instrumente. Gesunde und kranke Wöchnerinnen lagen in denselben Räumen, und der Arzt, der soeben noch eine Frau mit einer eiternden Wunde untersucht hatte, behandelte im nächsten Augenblick eine gesunde. Die Medizin jener Zeit aber nahm das Massensterben als schicksals­gegeben hin, sprach von Miasmen, krankheitserre- aenden Giften, die sich im Boden bilden sollten oder sogar vomgenius epidemicus, dem Geist der An­steckung, der unaufhaltsam durch die Lüfte zieht und üblich angreift, wen er mag.

Nur einer konnte sich mit diesen trägen Erklä­rungen nicht abfinben, ber junge Dr. Semmel­weiß, ber als Sohn deutscher Eltern 1818 in Budapest geboren war, in Wien studiert hatte und 1846, mit 28 Jahren als Assistent an die Erste Ge­burtsklinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien berufen wurde. Alle feine Untersuchungen gingen von ber bis bahin unerklärt gebliebenen Tatsache aus, baß an seiner Klinik, wo bie Wöchnerinnen nur von Aerzten betreut würben, bie dreifache Zahl von Todesopfern äll beklagen Max Mtz in der

Zweiten Geburtsklinik, in ber ausschließlich Hebam­men arbeiteten. Aber eine noch unheimlichere Ent­deckung mutzte Ignaz Semmelweiß machen. Seitbem er Assistent geworden war, ber Tag unb Nacht bie Klinik nicht verließ aus bem leidenschaftlichen Wil­len heraus zu helfen, ber selbst untersuchte unb be- hanbelte sein wohlwollenber Chef nannte ihn "Unser fleißiger Doktor" stieg bie Tobeskuroe steiler an, beim je.

Zu dieser für den feinempfinbenben jungen Arzt nieberschmettemben Beobachtung kam halb ein an­derer schwerer Schlag. Sein Freund, ber Patho­loge K 0 11etschka würbe bei einer Sektion von einem ungeschickten Praktikanten verletzt unb starb weniae Tage später an Blutvergiftung. Als ber tieferschütterte Semmelweiß bas Sektionsprotokoll las:Schwere Eiterungen in ben Blut- unb Lymph­gefäßen, Entzünbungen bes Bauch- unb Rippen­fells, bes Herzbeutels unb ber Hirnhaut", fiel ihm bie Ähnlichkeit ber Tobesursache mit ber an Kind- bettfieber zugrunbegegangener Frauen auf.

Kurz barauf ist feine erste Theorie des Kindbett- fiebers fertig. Wenn die Erscheinungen ber furcht­baren Krankheit bei einem gefunben Manne auf« treten können, ber an einer durch Leichengift ver­ursachten Blutvergiftung starb, dann wirb sicher auch bas Kindbettfieber eine Blutvergiftung sein, hervorgerufen durch ein noch unbekanntes Gift, das in das Blut der Wöchnerinnen aber durch die Wunden der Gebärorgane einbringt. Seine Hände, bie Hände des untersuchenden unb helfen­den Arztes finb es gewesen, bie bas Müttersterben immer weiter verbreiteten. Ein naiv geniales Er­kenntnismittel läßt Semmelweiß nun ben Weg zur Abhilfe finden. Während bereits die ersten mikro­skopischen Untersuchungen von Fäulniserregern ge­macht werden von denen Semmelweiß nichts ahntwird fix ihn der .Geruch zur Fährte der

Krankheit. Solange man Fäulnis riecht, ist sie nicht beseitigt. Unzählige Waschoersuche nach Sek­tionen und Untersuchungen führen Semmelweiß ^"r.^ozu, die Reinigung ber Instrumente, ber Wasche, ber Hände von Aerzten und Pflegern durch Chlor in der Klinik anzuordnen. Schon nach kurzer Zeit gibt der Erfolg dieser ersten anttseptischen Maß­nahme recht. Nach zwei Monaten zählt man nur noch drei Todesfälle gegen 57 vor bem Versuch.

Aber noch 1847, im Geburtsjahr ber Antisepsis, kommen schwere Rückschläge für Semmelweiß, bie ihm jedoch den enbgültigen Ausbau feiner Lehre ermöglichen. Plötzlich werben in einem Krankenzim­mer alle zwölf Patientinnen von bem löblichen Fie­ber ergriffen. Genaueste Untersuchungen verraten die Ursache. Eine ber Frauen, bie an Gebärmutter« krebs litt, war von Semmelweiß vor den anberen untersucht worden, ohne daß er sich banach die Hänbe mit Chlor gereinigt hatte, benn er war ja gewöhnt, nur von Leichengift zu sprechen. Nun er­kannte er, baß auch bie Verwesungsstoffe einer Ge­schwulst giftig finb. Er erkannte bas Kindbettfieber als eine Wundvergiftung, jebem gewöhnlichen Wundfieber gleichzustellen. Mit 29 Jahren hat Ignaz Semmelweiß bas Geheimnis besHospital- branbes", bes(Eiterfiebers", desWundtyphus" enträtselt. Ein Hauptgrundsatz der modernen Kran- kenbehandlung, bie Antisepsis, ist entdeckt.

Aber in Wien ist man zur Anerkennung nicht so schnell bereit. Der Neuerer ist zu unbequem. Sem­melweiß' erstes Gesuch um eine Professur wird ab­gelehnt, ein zweites nur mit einer kränkenden Klau­sel bewilligt. Semmelweiß geht nach Budapest, er­öffnet zuerst eine Privatpraxis, wird schließlich Professor, macht Tierversuche, schreibt Bücher, re­formiert Krankenhäuser. Doch dieses Leben, dessen glänzende Erfolge immer von Tragik umwoben sind, war zu schwer für einen so empfindsamen unb nachdenklichen Menschen wie Semmelweiß. So ver­fällt er geistiger Umnachtung. In ber Klinik eines Wiener Freunbes stirbt er am 14. August 1865 an einer Blutvergiftung, deren Ursache eine kleine Schnittwunbe ist, bie er sich bei einer Operation kurz vor Ausbruch ber Geisteskrankheit.zugezogen hatte. Der Umnachtete wirb zum Opfer bes furcht­baren Feindes, dem jein Lebenskampf galt

Büchertisch.

Aus dem ewigen Schatz deutscher Lyrik heißt eine Sammlung des Verlages Rüt- ten & Loening in Potsdam, aus der wir bereits eine Reihe schöner Bändchen cknzeigen konnten. Daß der Derlaa sie auch im Kriege fortsetzt, darf man ihm besonders danken. Von Matthias Clau­dius, bem Wanbsbecker Boten, würben unter dem TitelDas Tagverkünden" die schönsten Ge­dichte und darunter auch manch weniger bekannte zu einem wohlausgestatteten Bändchen vereinigt. Von Zeit zu Ewigkeit" nennt sich ein weite­res Bändchen, das Gedichte des Göttinger Hainbundes gefammelt hat, bie man heute in Antologien nur noch selten findet. Und doch sind auch hierunter Perlen deutscher Dichtung, die nicht vergessen werden sollten. Gedichte Klopstocks sind in dem BändchenDer große Gedanke" zusammengefaßt. Zwei weitere BändchenDie guten Geister" undV 0 n Zeit zu Ewig­keit" enthalten Lyrik des 18. Jahrhunderts, dar­unter Gedichte von Gleim, Uz, Ewald von Kleist, Johann Geora Jacobi, Gellert, Gerftenberg, Mat« thisson und anderen. Jedes Bändchen kostet 1,20 RM.

Dr. Fr. W. L.

Jürgen Jürgensen:Fieber", afri« konische Novellen. Aus dem Dänischen übertragen, Preis in Ganzleinen gebunden 4,80 RM. (66) Von diesem Dänen, der vor dem Weltkriege Haupt­mann im Belgischen Kongo gewesen ist, haben wir hier schon den Roman einer Expeditton durch den Urwald des innersten Afrika besprochen. Das Un­heimliche einer Well, die dem (Europäer im Grunde immer fremd und unfaßbar bleiben wird, hat Jür­gensen auch in diesem neuen Buch in ungeheuer erregenden und fpannunasgeladenen Skizzen gestal­tet. Man spürt bas Selbsterlebte unb Durchkämpste, bie Auseinandersetzung mit dem Problem ber schwarzen Rasse, aber auch das Ringen mit bem Erlebnis des Urwaldes. Das innerste Afrika, von Stanleys und Livingstones Forschungsreisen her vor Jahrzehnten schon Mittelpunkt brennendsten Inter­esses hat in Jürgensen feinen Dichter gesunden.